Kopfchaos

29.09.2012 um 18:08 Uhr

nah am Wasser gebaut

Ja, das bin ich in den letzten Tagen. Und zwar so richtig. Irgendeine Kleinigkeit, und ich hab das Wasser in den Augen stehen.

Gestern auf der Arbeit zum Beispiel: meine Telefonanlage macht Dinge, die sie nicht soll. Ich sag dem ersten Menschen Bescheid - nichts passiert. Ich sag dem zweiten Menschen Bescheid - nichts passiert. 5 Stunden später spreche ich den 3. drauf an, der guckt den 4. an und sagt: "Habt Ihr ihr nicht Bescheid gesagt, das die IT informiert ist?" Der 4. kommt auf mich zu und meint: "Jaaaa, wir haben ein Ticket bei der IT geöffnet. So, nun weisst Du es, gehts Dir jetzt besser?"

Und ich? Ich dreh mich weg, weil ich so losplärren könnte.

Heute war ich einkaufen, steh an der Kasse. Vor mir eine ältere Dame, danach ein älterer Herr. Beide konnten kaum noch laufen und machten jeder für sich ihren Wocheneinkauf. Ein wenig Obst und Gemüse, etwas Aufschnitt, Schokolade und eine Flasche Schnaps. Und mir schoss der Gedanke durch den Kopf "alt und einsam, da hilft nur das Likörchen am Nachmittag" ... und die Augen füllten sich.

Danach sitz ich im Auto und auf einmal dudelt "Rocky". Kennt Ihr das? Frank Farian war das, glaube ich. Und der erste Refrain kommt und mir läuft das Wasser nur so aus den Augen.

Das macht doch alles keinen Spass mehr. Ich mag mich selber nicht, eben weil ich so heulsusig bin. Aber ich habe auch noch nichts gefunden, was mich aufheitert.. Noch nicht mal die GlüklichmachMusik, die sonst IMMER hilft, zeigt eine Wirkung. Schlimm :-(

20.09.2012 um 14:22 Uhr

Briefe an Julia

Ich habe einen Film gesehen - Briefe an Julia.

Es geht um eine Frau und einen Mann, die sich als Teenager ineinander verliebt haben, deren Wege sich trennten. Und nach 50 Jahren geht die Frau auf die Suche nach ihrer einzig wahren Liebe und findet ihn. Natürlich findet sie ihn. Und sie verbringen ihren Lebensabend miteinander.

Den ganzen Film über weinte ich. Mal lautlos, mal schluchzend.

Mir ist in diesen 90 Minuten eins klargeworden: Er und ich können nicht miteinander glücklich werden. Unsere Liebe ist zu unterschiedlich. Ich liebe ihn von ganzem Herzen. Immer noch. Und ich denke, das ich dieses Gefühl noch sehr sehr lange, vielleicht sogar mein Leben lang, in mir tragen werde. Er aber kann so gar nicht lieben. Für ihn ist Liebe gleichbedeutend mit Schmerz, Zwang und vielen Einschränkungen. Und all dieses will er nicht zulassen, das Risiko eines dieser Gefühle zu erleben will er nicht eingehen.

Dieses Wissen zu haben schmerzt ungemein. Es lähmt mich. Es nimmt mir den Atem. 

Aber es befreit auch. Ich kann mein Leben in die Hand nehmen, ohne auf ihn zu warten. Ohne bei vielen Dingen darüber nachzudenken, was er dazu sagen würde, wie dies oder jenes mit ihm zusammen wäre.

Er kann mir niemals mehr geben, als das, was wir jetzt haben. Viele Worte über alltägliches, aber einen Alltag ohne einander. Seltene Momente, die wir uns sehen.  Und diese Momente sind heimlich.

Nein, das kann und will ich nicht mehr. Gestern abend habe ich ihm zum ersten Mal abgesagt. Es war gar nicht schwer. Und ich habe nicht danach die ganze Nacht gegrübelt, was wäre wenn... Ich bin stolz auf mich.

JETZT ... endlich ... kann ich mein Leben in die Hand nehmen. Dieses Wissen um ein "Nicht-wir" gibt mir neue Möglichkeiten. Neue Kraft. 

Er wird immer in mir bleiben. Aber er wird immer weniger Raum einnehmen. Immer weniger Gedanken und Tränen hervorrufen.

Danke mein Held, das ich diese Gefühle für Dich erleben durfte. Jetzt ist es Zeit, Abschied zu nehmen... Leb wohl. Ich wünsche Dir, das Du Dein Leben meistern wirst und vielleicht auch irgendwann einmal glücklich werden wirst.

 

Ohne mich. 

 

04.09.2012 um 19:10 Uhr

Ich brauch Insektenvernichter !!!

Und zwar viel, richtig viel!

Aber der Reihe nach. Wir schrieben den ganzen Sonntagabend, eine Nachrichte folgte auf die nächste. Irgendwann wurde es 1 Uhr Nachts, uns war beiden kalt und wir stellten fest, das sein Bauch und mein Rücken immer warm sind - anscheinend eine chemische Reaktion. Ich jammerte, das um 5 der Wecker klingelt und ich so langsam ins Bett sollte, aber überhaupt nicht mag. Er fragte, wo ich arbeite und schrieb darauf "schade, wenn Du in meine Richtung müsstest, würde ich um 5 'nen Kaffee mit Dir trinken" .. und ich antwortete "wenn Du meine Eisfüße wärmst bekommst Du um 5 'nen Kaffee". Ein kurzes, ernstes Gespräch und er sass im Auto und war auf dem Weg zu mir. 

Als er dann vor mir stand war alles vorbei. Schlagartig war jeder einzelne Schmetterling wieder da - und hat seine Kinder mitgebracht.

Stumm umarmten wir uns und liessen uns nicht mehr los...

Irgendwann lösten wir uns und gingen rein, Hundetier hat sich überhaupt nicht mehr beruhigt, so sehr hat es sich gefreut. Nachdem wir uns im Wohnzimmer noch eine ganze Weile nur umarmt haben sagte ich "ich weiss, das mir morgen früh jeder einzelne den Kopf abreisst und ich es bitterlichst bereuen werde...." Er guckte mich an, traurige Augen und fragte ob er fahren soll. Ich verneinte mit den Worten "Jetzt ist es eh zu spät"

Anmerkun vom Blödkeks, mit dem ich gestern abend einen Kaffee trinken war: Mit der fehlgeleiteten Nachricht hat er den ganzen Abkaplungsprozess wieder auf NULL gesetzt. Und Recht hat er!

Wir gingen ins Bett. Einfach aneinandergekuschelt sind wir eingeschlafen bzw eingedöst. Mein Herz raste, ich krallte mich an ihm fest und er liess mich nicht eine Sekunde los.

Montag Morgen... Küsse ohne Ende... er wollte nicht fahren....

Ich habe all meine Arbeitskollegen wahnsinnig gemacht mit meiner total überdrehten Laune. Kein Schlaf und unendlich viel Herzklopfen sind für die Mitmenschen eindeutig eine schlechte Mischung. Sie wollten mir sogar den Kaffee verbieten!

Den ganzen Tag haben wir miteinander geschrieben, pausenlos. 

Als ich dann endlich zuhause war fragte ich beiläufig "sollen wir heute Abend fortsetzen" und aus der Pistole geschossen kam ein "JAA! ich hab mich nur nicht getraut zu fragen"

Erstmal hab ich dann aber mit dem Blödkeks mein alljährliches Kaffeetrinken vor mir gehabt - das wie immer viel zu schnell rum war. Er will mir den Kopf nicht abreissen, aber ich darf kein Mitleid erwarten, das weiss ich. Aber ein "sag ihm, das ich ihm Schlimmes antue, wenn er Dich wieder so verletzt" kam auch ... danke!

Wieder zuhause hab ich mich ein paar Minuten aufs Sofa gegammelt, einen Kaffee getrunken und mich dann ins Bad verzogen... Kaum war ich raus, sass er auch schon wieder im Auto. 

Die Begrüssung war sehr liebevoll, sehr nah... 

Wir krabbelten mit einem Kaffee aufs Sofa und erzählten eine Weile, über Arbeit, Familie und allerlei Belangloses.

Und ja, landenten kurz danach im Bett.

Als ich gestern abend dann in seinem Arm lag war ich sofort im Land der Träume, ich war so dermassen müde, das war der Wahnsinn. Heute morgen dann wieder ganz viele Küsse zum Abschied.

Den Tag über war er sehr ruhig. Dadurch konnte ich weiter meinen Gedanken nachgehen. Die ich seit Samstag dauerhaft habe. 

Was ist das - was wird das- warum passiert das - warum hat er mich angeschrieben - warum ist er hier usw usw

Ja, ich weiss das er mich wieder verletzten wird. Anders kann es gar nicht sein. Dennoch geniesse ich es und würde es gerne fortsetzen. Selbstzerstörungstrieb? Vielleicht.

Ich will es und will es gleichzeitig nicht. Verfluche mich selber, das ich es zulase. Das dies ganzen Schmetterlinge in mir flattern. Das ich ihn so gerne fragen würde, ob er nachher wiederkommt.

 

Deshalb wiederhole ich mal meine Frage aus der Überschrift: Hat mal jemand tonnenweise Insektenvernichter für mich?

 

02.09.2012 um 20:53 Uhr

6 Monate...

... ohne meinen Helden ...

Und gestern piepte mein Handy. Nichts besonderes, das tut es mehrmals täglich. Aber das Foto auf dem Display liess mein Herz stehenbleiben. ER! Mein Held! Eine Message über WhatsApp. Nicht für mich, das war klar. Ich antwortete, das die Nachricht wohl nicht für mich sei. Und er entschuldigte sich, das er sich verklickt habe, die sollte an einen Kollegen gehen. Aber Autofahren und Schreiben passe wohl nicht zusammen...

Den halben Abend schrieb er mir belangloses.

Und ich grübelte... den Abend, die Nacht, den heutigen Tag. Und kam zu dem Schluss, das ich zwar nicht glaube, das die Nachricht wirklich fehlgeleitet war, aber auch nichts weiteres folgen wird. 

Und vorhin kam wieder eine. Und noch eine. Er schreibt und schreibt. Und hat mir ein Foto von sich und Tochter geschickt... er sieht glücklich aus. Und mir so vertraut und doch fremd. Ich habe Herzrasen. Und wahnsinnige Angst. Davor, das er mich erneut verletzen kann. 

Warum ist er nicht weggeblieben? Wenn er jetzt wieder geht, würde es nichts ändern, er ist wieder präsent. 

Ich bin verwirrt. Und niedergeschlagen. Und dennoch wünsche ich mir seine Nähe. Verdammt!!!!