Kopfchaos

20.09.2012 um 14:22 Uhr

Briefe an Julia

Ich habe einen Film gesehen - Briefe an Julia.

Es geht um eine Frau und einen Mann, die sich als Teenager ineinander verliebt haben, deren Wege sich trennten. Und nach 50 Jahren geht die Frau auf die Suche nach ihrer einzig wahren Liebe und findet ihn. Natürlich findet sie ihn. Und sie verbringen ihren Lebensabend miteinander.

Den ganzen Film über weinte ich. Mal lautlos, mal schluchzend.

Mir ist in diesen 90 Minuten eins klargeworden: Er und ich können nicht miteinander glücklich werden. Unsere Liebe ist zu unterschiedlich. Ich liebe ihn von ganzem Herzen. Immer noch. Und ich denke, das ich dieses Gefühl noch sehr sehr lange, vielleicht sogar mein Leben lang, in mir tragen werde. Er aber kann so gar nicht lieben. Für ihn ist Liebe gleichbedeutend mit Schmerz, Zwang und vielen Einschränkungen. Und all dieses will er nicht zulassen, das Risiko eines dieser Gefühle zu erleben will er nicht eingehen.

Dieses Wissen zu haben schmerzt ungemein. Es lähmt mich. Es nimmt mir den Atem. 

Aber es befreit auch. Ich kann mein Leben in die Hand nehmen, ohne auf ihn zu warten. Ohne bei vielen Dingen darüber nachzudenken, was er dazu sagen würde, wie dies oder jenes mit ihm zusammen wäre.

Er kann mir niemals mehr geben, als das, was wir jetzt haben. Viele Worte über alltägliches, aber einen Alltag ohne einander. Seltene Momente, die wir uns sehen.  Und diese Momente sind heimlich.

Nein, das kann und will ich nicht mehr. Gestern abend habe ich ihm zum ersten Mal abgesagt. Es war gar nicht schwer. Und ich habe nicht danach die ganze Nacht gegrübelt, was wäre wenn... Ich bin stolz auf mich.

JETZT ... endlich ... kann ich mein Leben in die Hand nehmen. Dieses Wissen um ein "Nicht-wir" gibt mir neue Möglichkeiten. Neue Kraft. 

Er wird immer in mir bleiben. Aber er wird immer weniger Raum einnehmen. Immer weniger Gedanken und Tränen hervorrufen.

Danke mein Held, das ich diese Gefühle für Dich erleben durfte. Jetzt ist es Zeit, Abschied zu nehmen... Leb wohl. Ich wünsche Dir, das Du Dein Leben meistern wirst und vielleicht auch irgendwann einmal glücklich werden wirst.

 

Ohne mich. 

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenKieselstein schreibt am 20.09.2012 um 14:48 Uhr:oh man.... jetzt musste ich echt richtig durchatmen... es tut mir trotzdem ehrlich leid. für dich.
  2. zitierenSoIstDasLeben schreibt am 20.09.2012 um 15:42 Uhr:Lonelady,
    auch wenn diese Erkenntnis wirklich weh tut - du bist trotzdem einen ganzen Schritt weiter!

  3. zitierenlonelady schreibt am 20.09.2012 um 15:45 Uhr:lächel ... ich danke Euch beiden.
  4. zitierensternenschein schreibt am 20.09.2012 um 17:51 Uhr:Der Film hört sich gut an.
    Ja, geweint hast du dabei um dich und deine zur Zeit überfüllten Wünsche und Sehnsüchte.
    Liebe Grüsse

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