verliebt und zugenäht
wen hat es dieses frühjahr noch nicht erwischt? bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen, wir sprechen über gefühle.
es klickt im kopf, einfach so. ich kann nicht direkt sagen, welchen auslöser es dafür braucht, es passiert einfach. ich vermute ein detail, im bis dato völlig unbekannten bild der/des liebsten ist dafür verantwortlich. dann ist man noch nicht verliebt, nur so ein bisschen hui. dieses kleine hui wird einen noch eine weile beschäftigen, man weiß das genau und setzt nach und nach mehr daran, dichter heran zu kommen, mehr zu erfahren, mehr zu sehen und vor allem mehr kleine details auszumachen, die das hui füttern und es zu einer ausgewachsenen verliebtheit gedeihen lassen. dazwischen liegen ein paar stunden, tage oder wochen, aber es kommt, ganz sicher.
warum macht der mensch so etwas?
kann er nicht einfach, wie andere tiere auch, jahreszeitbedingt seine willigkeit darstellen und sich mit der/dem erstbesten fortpflanzen oder wenigstens so tun?
der mensch ist kompliziert. und er will es so, sonst wäre er anders.
habe ich fortpflanzen gesagt? ihr wisst was ich meine, das ist das, warum es sex eigentlich gibt. das ist heute aber nicht mein thema und ich habe auch keine ver-mittelbaren moralvorstellungen.
der mensch kontrolliert seinen sex, wie er alles andere auch kontrolliert und bestens im griff hat.
deswegen haben wir auch immer ausreichend und natürlich kerngesunder kinder, beinahe nur hervorragende ehen und beziehungen, sind alle stets glücklich und zufrieden, schwimmen im überfluss, sind retter des planeten und helden des universums.
ohne mensch wäre alles, furchtbar in ordnung.
nun verlieben wir uns aber anders, als andere tiere. was davon evolution und natürliche auslese ist, mag ich in promille gar nicht mehr andenken.
jeder von euch, der bis hierhin gelesen hat, kennt doch mindestens einen aus seinem direkten umfeld, mit dem man gern bis sehr gern sex machen würde, nicht wahr? wir tun das natürlich nicht und würden das auch niemals aussprechen, dafür leiden wir viel zu gern. auch dass, die betreffenden personen auf der gleichen welle reiten, ist kein grund so verantwortungslos zu handeln und die heile welt aus den fugen zu heben.
unsere heile welt lässt uns also verliebtsein erleben, um auf das anfangsthema zurück zu kommen... das ist wunderbar, ein traumhaftes erlebnis, vielleicht das schönste gefühl überhaupt.
das gegenseitige ineinander verliebtsein macht so glücklich, dass wir die mißstände des täglichen gegeneinanders beinahe völlig und für momente auch ganz vergessen. ich glaube, dafür lieben wir es.
wir lieben das verliebtsein, weil es uns für eine weile aus dem gefängnis, des sich oft so falsch anfühlenden alltags, befreit. wir fühlen uns dann vollständig und haben seit langem mal wieder das gefühl, das ganz richtige zu tun. trotz aller zweifel, die sich natürlich aufgrund der sonst so supertollen heldenwelt zwangsläufig mit einstreuen.
ist verliebtsein echter als normale welt, lieben wir es dafür?
wäre es nicht mehr so wichtig, würden wir nur richtig leben?
