Machopan - Rauchzeichen

31.01.2004 um 05:45 Uhr

Laster

 

Hören Sie auch jeden Morgen, dass wieder ein Lastwagen seine Ladung über die Autobahn verteilt hat oder verlorene Bretter, Paletten, Werkzeug, Rohre, Kisten und Kanister, Bremsklötze und Plastikbahnen auf der Fahrbahn herumliegen.
Also mal ganz ehrlich, die Verkehrsnachrichten hören sich doch immer mehr danach an, als hätte ein Tornado einen ganzen Baumarkt über die Autobahn verteilt.
Ich bin in jungen Jahren mal zu einem Unfall dazu gekommen, als ein Bierlaster in einer scharfen Kurve umgekippt war und die Bierkisten und Flaschen auf der Fahrbahn und im Gelände lagen. Der Fahrer war unverletzt geblieben. Vermutlich weil er schon vor dem Unfall sturzbetrunken war. Ich habe mit anderen Verkehrsteilnehmern eifrig beim Aufräumen und „Beseitigen“ der Ladung geholfen, die uns noch Wochen später so manche Kellerparty ermöglicht hat

Aber jetzt kümmert sich die Politik um die Laster.
Nein, nicht nur beim Mautsystem, wo Toll Collect jetzt ja weiterwursteln darf und nur noch einen Teil dessen abliefern muss, was eigentlich vereinbart war.
Na ja, solange das der Herr Stolpe nur mit Steuergeldern bezahlen muss, ist das ja nicht schlimm, oder? Was glauben Sie denn, wie der aufheulen würde, wenn er das aus der eigenen Tasche bezahlen müsste. Oder gar für die Verschwendung von Steuergeldern haftbar wäre?

Nein, eigentlich meine ich jetzt nicht diese großen Laster, die beim Überholen auf der Autobahn schon mal für eine längere Vollsperrung und kilometerlange Staus sorgen.
Ich meine die kleinen Laster. Diese kleinen Dinger, die laut StVZO (Straßenverkehrszulassungsordnung) keine Laster sind, aber so aussehen und auch so benützt werden. Ich bin mir nicht sicher wie die Dinger heißen, ich glaube „Sprinter“ oder „Ducato“.
Nein, die heißen sicher nicht „Bugatti“ oder „Ferrari“, obwohl sie meist so gefahren werden.
„Volle Pulle“ oder wie „Werner“ sagen würde „Es muss kesseln“.
Noch nicht einmal mit Tempo 160 auf der linken Fahrspur einer Autobahn ist man vor den Dingern sicher. Und dann fahren die auch noch so dicht auf, bis sie das Häkelmuster auf dem Überzug meiner Klopapierrolle auf der Heckablage erkennen können.
Obwohl die meisten Kleinlaster weiß wie die Unschuld sind, erinnert es mich immer wieder an einen Spielfilm von Stephen Spielberg aus dem Jahre 1971. Denn wie im Film „Duell“ ist der Fahrer/die Fahrerin dieser jungfräulichen Stahlblechscheußlichkeit, die einem da im Nacken hängt, meist unsichtbar.

Dieser Tage habe ich in der Presse gelesen, dass sich der Bestand an diesen Kleintransportern in den letzten Jahren auf fast 400.000 verdoppelt und die Beteiligung an Unfällen gleichzeitig auf ca. 20.000 verdreifacht hat.  Und in zwei Drittel aller Fälle waren die Fahrer der Kleinlaster  schuld daran.
Jetzt machen Verkehrsexperten den Vorschlag, diese Kleintransporter generell wie Lastwagen zu behandeln und ein Tempolimit einzuführen.
Ich persönlich halte das eigentlich für einen ganz sinnvollen Vorschlag, aber die Automobilindustrie und der ADAC lehnen dies ab, weil es zu einem Vorschriften-Wirrwarr führen würde: 80 km/h für Laster, 100 km/h für Busse, 120 /km/h für Kleintransporter, da würde keiner (!) mehr durchblicken, kritisiert der ADAC.
Abgesehen davon, dass bei unseren Verkehrsgesetzen sowieso keiner mehr durchblickt und außerdem auch noch alle 300 Meter eine anderes Geschwindigkeitsbegrenzungsschild am Fahrbahnrand steht, könnte man doch einfach die Geschwindigkeit dieser Fahrzeuggruppen einheitlich auf 100 km/h festlegen und ggf. elektronisch abregeln und begrenzen.
Das ist technisch machbar Herr Nachbar!
BMW, Mercedes und Porsche machen es doch schon – bei den PKW!
Eine solche Maßnahme hätte auch noch viele weitere Vorteile.

Welche?

Ja, denken Sie doch mal nach.
Na? Na......? Na.............?
Immer noch nichts?

Was glauben sie wohl, warum unser Herr Verkehrsminister Stolper es bis auf diesen Posten geschafft hat?
Weil er selbst doch nix entscheidet. Jetzt befragt  er in dieser Angelegenheit eine Expertengruppe. Und die wird ihm empfehlen, natürlich (nur) zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, aus den Kleinlastern richtige Lastwagen zu machen. So mit Fahrtenschreiber, Lenkerpausenzeiten, Tempolimit und sonstigem Schnickschnack.
Und so ganz nebenbei erhöht sich damit der mautpflichtige Lastwagenbestand auf bundesdeutschen Straßen um satte 400.000 (*freu*) und die dürfen auch nicht mehr so schnell fahren, weil sie sonst von den tollen, superduper satellitengestützten Mautkollektoren nicht erfasst werden könnten.

Die Einführung einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen könnte man später dann durch die Hintertür, einfach durch die Umwidmung aller PKW zu LKW einführen.
Damit würden dann sicher auch die Grünen leben können. Und wenn der Herr Trittin dann auch noch an den Mautstellen eine automatische Schadstoffemissionsmessung einbauen darf, um die neue Kfz-Steuer einzuziehen, wäre dieses Problem auch gleich gelöst.

Überhaupt bieten diese Maustellen ja ganz neue hervorragende Möglichkeiten, die in der breiten, trägen Masse der Bürger bisher kaum Beachtung gefunden haben.

Da wäre zum Beispiel, nur so ins Unreine gedacht:
Zur Erhöhung der inneren Sicherheit könnten durch automatische Fahrzeug- und Lenkererkennung Terroristen und Straftäter erfasst werden.
Auch gestohlene Fahrzeuge wären einfach zu ermitteln.
Durch Videokameras könnten Drängler, Langsamfahrer und Rechtsüberholer festgestellt, die Strafgebühren automatisch vom Konto abgebucht und das Punktekonto in Flensburg automatisch aktualisiert werden.
Handytelefonieren ohne Freisprechanlage, Rauchen am Steuer und versäumte TÜV-Termine würden erkannt und unverzüglich durch die Ordnungsbehörden der Republik geahndet werden können.
Wozu haben wir denn sonst seit vielen Jahren die Autobahnpolizei?

Sie glauben das nicht? Sie glauben George Orwell hätte geirrt als er „1984“ schrieb.
Vielleicht hat er sich ja nur ein bisschen im Datum geirrt!

Was das alles mit den Lastwagen zu tun hat?
Na, haben wir nicht alle unsere Laster?
Und die Summe aller Laster ist 100%

Und jetzt bekommen auch die vielen, vielen Arbeitslosen, die nur herumsitzen, in der Nase bohren und Trübsal blasen einen Sinn.
Denn Trübsal blasen ist aller Laster Anfang, womit sich der Kreis schließt.

Was zu beweisen war.

 

 

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30.01.2004 um 05:45 Uhr

Weggelobt

Stimmung: Teetasse - dampfend
Musik: Sweet child of mine - Guns n' Roses

 

Dass in der Politik taktiert, intrigiert, manipuliert und protegiert wird, sind wir ja gewohnt.
Aber welches Possenspiel jetzt im Vorfeld der Kandidatenwahl für das Amt des Bundespräsidenten abläuft, verdient schon etwas mehr Aufmerksamkeit.
Ist es doch für die Parteien eine einmalige Gelegenheit ihre personellen Altlasten zu bereinigen und unliebsame Gegner aus dem Weg zu räumen.
Natürlich sagt man das nicht so deutlich, man sorgt einfach dafür, dass irgendwer irgendeinen Namen in den Kandidatenring wirft.
Natürlich sagt der dann nicht den Namen den man eigentlich weghaben will, sondern irgendeinen anderen Namen.
Verstehen Sie wie ich das meine? Nein, ist das zu kompliziert? Dann will ich mal versuchen, das aus meiner Sicht zu erklären.

Schauen wir dazu zuerst einmal auf die aktuelle politische Situation, die wichtigsten Personen und das Kräfteverhältnis in der Bundesversammlung, die am 23. Mai 2004 unser neues Staatsoberhaupt wählen wird.
Die Bundesversammlung hat 1206 Mitglieder (603 Bundestagsabgeordnete + 603 Abgeordnete aus den Bundesländern).
Von den 1206 Mitgliedern der Bundesversammlung stellen CDU/CSU 539 und die FDP 81. Damit hätten sie, sofern sie sich einig sind, die absolute Mehrheit.

Schaut man sich die derzeitige politische Lage und die Umfrageergebnisse der letzen Wochen an, dann muss man davon ausgehen, dass es bei der nächsten Bundestagswahl zu einem Regierungswechsel kommen wird.
Vor diesem Hintergrund spielt natürlich auch die Frage nach dem nächsten Bundeskanzler eine gewichtige Rolle.
Ich sehe da in den Unionsreihen mehrere Bewerber, die sich schon längere Zeit offen und verdeckt beharken: Koch, Merkel und Stoiber, wobei ich bei Stoiber die Ernsthaftigkeit etwas bezweifle. Stoibers Interessen zielen wohl eher auf Vorteile und Einfluss, als auf das Amt an sich.

Aber kommen wir zurück zur Wahl des Bundespräsidenten.
Nachdem Edmund Stoiber schon sehr früh abgewunken hatte, brachte die CDU/CSU Wolfgang Schäuble ins Spiel. Den mag aber die FDP nicht.
Jetzt will die FDP mit Wolfgang Gerhardt und Cornelia Schmalz-Jacobsen möglicherweise eigene Kandidaten benennen.
Die SPD legt sich (noch) nicht auf einen eigenen Kandidaten fest, hält aber Klaus Töpfer (CDU) für geeignet, könnte sich aber auch evtl. mit Schmalz-Jacobsen anfreunden.
Die Grünen halten sich raus, Joschka Fischer wird sich wohl auf ein Amt bei der EU fokussieren und der Rest der Partei geht in die Opposition.

Und jetzt wächst der Druck auf Edmund Stoiber, obwohl der eigentlich gar nicht will, ist doch das Amt des Bundespräsidenten eher ein Verschiebebahnhof für Berufspolitiker vor der Pensionierung. Von da führt kein Weg mehr zurück an die Macht. Danach geht man aufs Altenteil und genau da will der Stoiber Ede noch nicht hin.

Aber für andere hätte es große Vorteile, wenn der nächste Bundespräsident Edmund Stoiber heißen würde.
Ich lasse jetzt mal die Perspektiven, die sich innerhalb der CSU in Bayern ergeben würden, mal weg. Einige personelle Probleme würden dort durch die natürliche Fluktuation aufs Altenteil sicher auch gelöst werden.

Auf der Bundesebene ist es dagegen sehr interessant!
Denn da haben wir bei der CDU/CSU in einer Art „Sandwich-Situation“ eine Frau zwischen zwei Männern.
Die Herren Koch und Stoiber sind sich weitgehend darin einig, dass der nächste Bundeskanzler keine Frau sein darf.
Und dass der Roland Koch in die Politik gegangen ist, um einmal Bundeskanzler zu werden, das erzählen schon seine Klassenkameraden aus der Grundschule. Aber er braucht dazu die Hilfe der CSU und damit die Hilfe des Edmund Stoiber.

Jetzt ist doch die beste Lösung für diese Dreierbeziehung, dass Edmund Stoiber Bundespräsident wird.

Angela Merkel hätte der Vorteil, dass sie sich nur noch auf einen Gegner konzentrieren muss und Ede Stoiber aus ihrem Rücken verschwunden ist.
Roland Koch hätte den Vorteil, einen möglichen Konkurrenten (man weiß ja bei einem Bayern nie so genau!) weggelobt zu haben und trotzdem die Zuneigung der Schwesternpartei zu haben. Koch könnte sich dann ganz auf Merkel konzentrieren, vielleicht sogar mit ein bisschen Schützenhilfe vom dann ungefährlichen Stoiber.

Stoiber for President!

Das ist die beste Lösung für alle. Wirklich für alle.

Für ganz Europa! Und die ganze Welt!
Denn den Namen von Edmund Stoiber können auch Ausländer so aussprechen, dass man noch verstehen kann, was sie gemeint haben.

Stellen Sie sich das mal bei Namen wie Schmalz-Jacobsen oder Däubler-Gmelin oder gar Leutheusser-Schnarrenberg vor.

 

 

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29.01.2004 um 05:45 Uhr

Bastelstunde


Als ich noch zur Schule ging hatten wir einmal in der Woche "Bastelstunde". Eigentlich hieß das Fach ja "Werken" für die Jungen und "Handarbeit" für die Mädchen.

Das war zu der Zeit als "Sport" noch "Leibesübungen" hieß.

Während man heute unter "Leibesübungen" etwas lernt, was früher -aber nur bei sehr fortschrittlichen Lehrkräften- im Fach Biologie ganz am Rande behandelt wurde, gibt es die "Bastelstunde" auch heute noch.
Nur die Projekte zum Basteln sind etwas größer geworden, wie der folgende Bericht aus einer ganz normalen deutschen Familie zeigt:

Wenn wir etwas basteln wollen, machen wir uns zunächst mal Gedanken darüber was wir eigentlich basteln könnten.
Dann malen wir das mit Buntstiften auf ein Stück Papier und suchen nach einem passenden Namen für unser Bastelobjekt.

Dann zeigen wir unserem Papa Manfred das Bild und der Papa ist ganz begeistert. Wir schreiben ihm auf, welche Materialien und Werkzeuge wir zum Basteln brauchen und  dann geben wir Papa die Liste, damit er uns das im Baumarkt und im Schreibwarengeschäft kaufen kann.

Bis das Material eintrifft fragen wir schon mal unsere Freunde, ob sie mitbasteln wollen, denn dann macht das viel mehr Spaß, dann kann man nämlich was schön zusammenbasteln.

Und wenn die anderen Kinder fragen, was wir basteln, dann sagen wir ihnen "Wir basteln eine Mautstelle für Lasterwagen".

"Toll" sagen dann anderen Kinder, "dürfen wir da auch mitmachen?".
"Jaaa", sagen wir dann ganz stolz, "aber nur wenn ihr uns ordentlich Knete mitbringt. Denn wir brauchen viel Knete. Und Goldfolie und Verkohlepapier und viel Kleber brauchen wir auch noch. Der Kleber muss wasserverdünnlich und umfältverträglich sein! Und bunte Fingerfarben zum schön Anschmieren brauchen wir auch. Und Papier, viel Papier, sooooooo viiiiiiiel Papier! Nein, Transparentpapier kann man nicht brauchen, da blickt man so durch, das ist nicht so gut. Wir nehmen lieber Karton, der ist stabil und hat eine glatte Oberfläche. Da bleibt nix hängen und wenn es notwendig ist, kann man auch noch einen guten Schnitt machen."

Und dann kommt der Papa und bringt uns das ganze Bastlerzeug. "Toll", sagt er dann, "das macht ihr aber toll. Habt ihr denn schon einen Namen für euer Projekt?"

"Ja, natürlich", sagen wir dann, "das haben wir mit den anderen Kindern schon besprochen. Das Projekt heißt -Toll Kollekte-, weil es sooooo ein tolles Projekt ist und jeder was davon hat."

Da lacht der Papa aber, und holt sein Fotorat raus und macht ein paar Fotos von uns und der "Mautstelle für Lasterwagen"-Zeichnung, damit auch seine Freunde in der Firma sehen, was er für ein guter Papa ist und wie clever und klug wir sind und dann ganz neidisch werden.
Tja, unserem Papa Manfred gefällt so was!

Und wenn die anderen Kinder wissen wollen, wielange wir denn an der "Mautstelle für Lasterwagen" herumbasteln und wann sie denn endlich mal fertig sein wird, dann kichern wir einfach und sagen: "Wenn keine Knete mehr da ist".

Es sieht so aus als hätte sich seit meiner Kinderzeit daran nichts geändert!

 

 

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28.01.2004 um 05:45 Uhr

Hüst und Hott

Stimmung: Warte auf Tara
Musik: Hey Joe - Jimi Hendrix

Es ist eine alte Bauernregel, dass die besten Pferde auch den größten Mist machen.
Da versinkt der Bundesarbeitsreitstall bereits seit Jahrzehnten im Mist und der herbeigerufene, allseits gepriesen Held, versagt kläglich.

Ob durch eigene Dummheit und Überheblichkeit oder durch alle erdenklichen bürokratischen Erschwernisse und Intrigen am Ausmisten gehindert, spielt eigentlich keine Rolle mehr.

Der einstige Champion Gerster geht zum Abdecker und der vollgeschissene Stall bleibt mit all seinen störrischen Eseln, die panische Angst vor dem Großreinemachen haben, zurück und wird weiterhin zum Himmel stinken.
Versagt haben die verantwortlichen Herrenreiter, die letztendlich vor dem großen weißen Pferd der Bundesbedürfnisagenturanstalt und ihren Verbündeten an der Bande zu Kreuze gekrochen sind.

Jeder verantwortungsvolle Reiter, nimmt ein ungestümes Pferd am Halfter, richtet es auf den nächsten Oxer oder Wassergraben aus und gibt ihm dann die Zügel zum Sprung frei.
Doch statt dessen haben Gutsherr Schröder und Jockey Clemens ihrem Pferdchen die Peitsche gegeben und es samt Scheuklappen schnurstracks direkt ins verminte Gelände preschen lassen.

Unkenntnis? Verkennen der Sachlage? Wunschdenken? Dummheit? Ignoranz oder Überheblichkeit? Sicher von jedem etwas und in der Summe tödlich!
Aber was kann man von Hobby- und Herrenreitern auch anderes erwarten?

Jetzt wird zur Schaffung einer Galgenfrist für die Reiter erst mal das Ross verdammt und für die Medien, die an dem Spektakel sicher ihren Anteil hatten, nach platten Entschuldigungen und Erklärungen gesucht.

Dann wird irgendein farb- und profilloser systemkonformer Staatssekretär aus dem Hut gezaubert, der dann zukünftig für das Beamtenmikado in Nürnberg verantwortlich zeichnen wird. Der arbeitslose Herr Gerster wird sich mit seiner Abfindung in gemunkelter Höhe von knapp 450.000 Euro erst mal aus der Schusslinie bringen, bevor er bei irgendeinem Beratungsunternehmen als Vorstand oder Partner wieder auftaucht.
Wie wäre es mit Roland Berger oder der WMP?

Ich hätte da noch einen Vorschlag zu machen, wie man den Augiasstall der Bundesbedürfnisanstalt in Nürnberg doch noch entmisten könnte.

Sprengen!
Den ganzen Laden einfach in die Luft sprengen und dem Erdboden gleichmachen, wie die ausgedienten Hochöfen im Kohlenpott. Wenigstens damit müsste sich doch der Herr Superduperminister Clement auskennen.

Und die 90.000 Beschäftigten (wie sich das anhört! – richtig nach Arbeit) der Arbeitsagentur können sich –nicht zur Strafe, nur zur Übung und Sammlung von Lebenserfahrung -in das Heer der (nach eigenen statistischen Angaben) nur vier Millionen Menschen ohne Arbeit einreihen.

Die etwas mehr als 2 % zusätzlichen Arbeitslosen bekommen wir nach der neuen Zählmethode des Herrn Gerster in der Statistik auch noch saisonbereinigt egalisiert.

BION

 

 

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27.01.2004 um 05:45 Uhr

Raus Denkanstöße


Über "Raus Denkanstöße" kann man in der "Frankfurter Rundschau" lesen.
Gemeint sind offensichtlich die Hirnblähungen unter denen unser alternder Bundespräsident zunehmend leidet.
Ist es nicht komisch, dass dieser Mann sich jetzt, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit derart heftig und unbelehrbar in das Thema "Kopftuch" verbeißt.

Die Frage muss erlaubt sein, ob das jetzt noch so etwas wie ein guter Abgang, nach einer doch eher farblosen Amtszeit, werden soll. Das ist anscheinend das Problem aller Berufspolitiker, dass sie in operative Hektik verfallen, wenn ihre Zeit zu Ende geht. Irgendwie versuchen sie dann noch ganz verzweifelt, zumindest in den Geschichtsbüchern einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Es ist gut Johannes, lass es jetzt man gut sein!

Diese Republik will kein religiöses Multi-Kulti. Diese Republik will weder Kopftücher noch andere religiöse Symbole im öffentlichen Leben. Und seit dem "alten Schwedenkönig Gustav-Adolf" haben wir auch von Religionskriegen die Nase voll.

Über Trennung von Staat und Kirche steht vieles geschrieben, auch im Grundgesetz.
Es ist das Grundgesetz der Deutschen! Und die meisten Bürger halten sich auch daran, was man von politischen Parteien und den Kirchen nicht behaupten kann.

Wir leben in Deutschland!
Und wer hier mit uns leben will, der muss es nach den Regeln und der Kultur der Deutschen tun. Und wenn er das nicht will und nach den Regeln seiner Religion nicht kann, dann soll er halt seinen Kram packen und gehen. Es mutet schon seltsam an, dass wir Deutschen, jedes mal wenn wir das -in unserem eigenen Land- laut sagen, sofort als ausländerfeindliche und nationalsozialistische Irrläufer und unbelehrbare Gestrige einer Randgruppe hingestellt werden.

Dabei steht nicht zur Diskussion, ob unsere Kultur gut oder schlecht, altmodisch oder überhaupt eine Kultur ist. Und den meisten Bürgern in unserem Land sind Religionen sowieso eher egal. Ist es doch eine Tatsache, dass die etablierten Religionsgemeinschaften unter erheblichem Mitgliederschwund leiden.

Solange Religionsgemeinschaften nicht gegen geltendes deutsches Recht verstoßen und in den Kirchen auf freiwilliger Basis ausgeübt werden, so dass andere Gläubige und Ungläubige in der Öffentlichkeit nicht damit konfrontiert werden, kümmert sich doch kein Mensch darum.

Uns hängen diese missionarischen Multi-Kulti-Diskussionen jetzt langsam zum Halse heraus!

Begreift doch endlich, dass Deutschland seit Jahrtausenden zum Abendland und westlichen Kulturkreis gehört. Hier ist nicht der Orient, nicht Asien und nicht Afrika oder der Kaukasus.

Wir sind hier mitten in Europa. Wir sind Teil der Europäischen Union. Wir essen Pizza beim Italiener und Gyros beim Griechen. Trinken französischen Wein und essen holländische Tomaten. Wir kaufen unser Gemüse beim Türken und beschäftigen polnische Putzfrauen.

Jede Illustrierte knallt uns täglich die silikonverstärkten Brüste irgendeiner Playmate gegen die Pupille, im Fernsehen wird Fettabsaugen und Schamlippenpiercing schon am Nachmittag live übertragen. Unsere Jugend trägt Stringtanga, steht auf Knackärsche, trinkt Alcopops und rennt sich mit Golf GTI oder BMW 320 das Hirn an der nächsten Leitplanke ein.

Unsere Bildungspolitik ist ein einziges Desaster.
Unsere Sozialsysteme stehen vor dem Zusammenbruch.
Wir haben die höchste Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit seit 50 Jahren.
Auch fehlen Kindergartenplätze, Lehrstellen und Pflegeeinrichtungen.
Unser marodes Rechtssystem, das unverständliche Steuersystem und die ausufernde Bürokratie halten unser Land in einem lähmenden Würgegriff.
Jetzt soll auch noch "Made in Germany" und das "Deutsche Reinheitsgebot für deutsches Bier" durch EU-Verordnung verboten werden.

Und unser Bundespräsident hat nichts anderes zu tun, als mit missionarischem Eifer seine Thesen über Kopftuch, Kruzifix, Weihwasser und Rosenkranz zu wiederholen.

Lass gut sein Johannes, es reicht jetzt!
Geh Johannes, geh.
Geh mit Gott!
Aber geh.

Raus!

 

 

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26.01.2004 um 12:05 Uhr

Arbeitskamikaze

Ich habe gehört, dass die Bundesarbeitsbedürfnisagentur in Nürnberg personelle Probleme hat und mir mal Gedanken zur Neubesetzung der Position gemacht.

Was meinen Sie, könnte man die folgende Anzeige so in den Medien platzieren, oder habe ich noch irgendetwas vergessen?
Feedback ausdrücklich erwünscht!

Nürnberg, den 26. Januar 2004

Im Rahmen eines befristeten Arbeitsverhältnisses sucht die Bundesagentur für Arbeit zum nächstmöglichen Termin einen dynamischen, durchsetzungsstarken und erfahrenen

Vorstandsvorsitzenden

als Arbeitskamikaze

der in der Lage ist die Interessen verschiedener Gruppierungen von Arbeitgebern, Parteien, Gewerkschaften und Bildungsinstituten unter einen Hut zu bringen und nichts mehr zu verlieren hat.

Die Position ist den Anforderungen entsprechend schlecht dotiert. Firmenfahrzeug, eigener Parkplatz und die Leistungen einer verkrusteten und verbeamteten Behörde sind selbstverständlich.

Der Bewerber sollte in der Lage sein die Bundesagentur für Arbeit nach vorne zu bringen, etwaige unvermeidbare Entscheidungen mit den verschiedenen Interessengruppen abzustimmen und  vom Verwaltungsrat genehmigen zu lassen.

Außerdem hat er die Verantwortung für die von der Bundesregierung in der Regierungserklärung 1998 angekündigte Senkung der Arbeitslosenzahlen zu übernehmen.

Interessierte Bewerber, die über die deutsche Staatsbürgerschaft, das aktive Wahlrecht und einen hervorragenden Leumund verfügen senden ihre kompletten Bewerbungsunterlagen mit handgeschriebenem Lebenslauf, aktuellem Lichtbild, notariell beglaubigten Studien- und Arbeitszeugnissen, Geburtsurkunde, Sportabzeichen und Blutspendeausweis, polizeilichem Führungszeugnis, Parteibuch und Spendennachweis der letzten zehn Jahre, sowie Angaben zum Einkommen und Ihrer Verfügbarkeit unter Angabe des Kennwortes "Arbeitskamikaze" bis zum 25. Januar 2004 an die

Bundesagentur für Arbeit, Regensburger Straße 104, 90478 Nürnberg

Bewerbungen per Email können leider nicht berücksichtigt werden.

HTH

 

 

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26.01.2004 um 05:45 Uhr

Dünnpfiff

Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr aufregen. Das hatte ich mir zum Jahreswechsel fest vorgenommen.

Aber dann kam es mit der Praxisgebühr ja gleich am 1. Januar hageldick. Es war ja nicht mehr zur ertragen. In allen Medien das Gleiche. Überall Schuldzuweisungen und es wurde gelogen, dass sich die Balken bogen.  Es wurde gelogen, rumgefaselt, entschuldigt, erklärt, verniedlicht, dass es eine wahre Freude gewesen wäre, wenn das alles nicht wirklich nur noch zum Weinen wäre.

Jetzt hatte ich gedacht, ich hätte die Praxisgebühr und die Auswirkungen der Gesundheitsreform verdaut, ohne mir den Magen auspumpen lassen zu müssen oder ernsthaft an Dünnpfiff oder Brechreiz zu erkranken.

Da bekomme ich heute Post von meinem Steuerberater.
"Aus Steuer und Wirtschaft – Das Aktuelle Februar 2004" heißt das meist sechsseitige Blättchen. Diese Ding bekomme ich jeden Monat und jeden Monat sind die neuesten und erstaunlichsten Steuergesetzänderungen drin.

Jetzt wird in diesem Blatt zum ersten Mal auf die Änderungen der "Großen vorgezogenen Steuerreform" eingegangen, die sich die von uns gewählten Parteien im letzten Jahr mühevoll zusammengeschustert haben.

Haben Sie auch noch das Ohr voll, wie hervorragend entlastend sich diese Jahrhundertsteuerreform auf den Inhalt Ihres Geldbeutels auswirken wird. Sogar dem Kanzler war dies in seiner Neujahrsansprache einige lobende Worte wert.
Ich glaube, dass der Gerhard das neue Steuergesetz gar nicht kennt! Der hat uns einfach nur das "Wort zum Sonntag" erzählt.

Und während wir noch gläubig darauf warten, dass sich bei der ersten Gehaltszahlung im neuen Jahr, die Prophezeiungen des Apostels Gerhard erfüllen, wird uns in Wirklichkeit ein noch größeres Loch in den Hosensack geschnippelt.

Oder können Sie sich daran erinnern, dass Ihnen Gerhard Schröder in der Sylvesternacht erzählt hat, dass

  • die Steuerfreibeträge für Arbeitnehmer bei Abfindungen gesenkt werden
  • die Arbeitnehmerfreibeträge bei Heirat und Geburt eines Kindes gesenkt werden
  • die Freigrenze für Sachbezüge an Arbeitnehmer gesenkt werden
  • die Freibeträge für Arbeitgeberrabatte gesenkt werden
  • die Freibeträge für bestimmte Vermögensbeteiligungen gesenkt werden
  • die Arbeitnehmersparzulage und der Arbeitnehmerpauschbetrag gesenkt wird
  • Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers nicht mehr steuerfrei sind
  • das der Sparerfreibetrag gesenkt wird
  • die Wohnungsprämie gesenkt wird
  • die Entfernungspauschale für Fahrten zur Arbeitsstätte gesenkt wird
  • der Freibetrag für Sachprämien aus Kundenbindungsprogrammen gesenkt wird
  • bei der Erbschaftssteuer der Freibetrag für Betriebsvermögen gesenkt wird, gleichzeitig aber der Steuerprozentsatz auf 65% angehoben wird
  • TBC (hust, hust – das ist nicht die gefürchtete Lungenkrankheit, sondern "To Be Continued", wie die Angelsachsen zu sagen pflegen)

Dazu kommen noch für Unternehmer umfangreiche, kleinlich-pingelige Vorschriften und Änderungen mit verheerenden Auswirkungen für die Verwaltung, die Geschäftabwicklung und den Schriftverkehr mit Kunden und Lieferanten.

Verbessert wird dieser ganze Mist auch nicht dadurch, dass endlich einige hirnrissig-schikanöse Vorschriften aus den Vorjahren korrigiert wurden.

Sie können sich wirklich nicht daran erinnern, dass Ihnen der Gerhard Schröder das erzählt hat?
Na, da sind Sie aber nicht alleine!

Sie waren am Sylvesterabend auch nicht schon so sturzbetrunken oder leiden gar an Alzheimer Krankheit!
Der Gerhard hat Ihnen das einfach nicht erzählt!

Ich kann Ihnen sagen was er Ihnen erzählt hat:

«Bereits ab Neujahr treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die wir im Rahmen der Agenda 2010 vereinbart haben. Mir war bei diesen Änderungen wichtig, dass ab morgen auch die Steuern für alle weiter gesenkt werden. So kann der wirtschaftliche Aufschwung, der sich bereits deutlich abzeichnet, an Fahrt gewinnen»

Genauso steht es in seinem Redemanuskript, das bei www.bundeskanzler.de nachgelesen werden kann.

Was macht man mit einem Mann, der uns (nicht nur) in der Sylvesternacht so schamlos anlügt, während wir damit beschäftigt sind mit den besten Vorsätzen ins neue Jahr zu gehen?

Als alten Fußballer juckt es mich gewaltig im Schussbein.
Ich würde am liebsten mit diesem Bein ausholen und den lieben Gerhardt ganz gewaltig dahin treten, wo er sich hinsetzt, wenn er Dünnpfiff hat. Dadurch bekommt der Gerhard garantiert soviel Aufschwung, dass ihm die reine Flugzeit sicher bis in die Kabine reicht.

Mit sportlichen Grüßen

 

 

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24.01.2004 um 05:45 Uhr

Chronisch

Seit dem 1. Januar 2004 kann man nicht einmal mehr zum Arzt gehen ohne sein Portemonnaie dabei zu haben. Irgendwann werden unsere Reformpolitiker auch noch auf die Idee kommen den Zugang zur Arztpraxis durch einen Münzautomaten abzusichern oder nur noch über ein sattelitengestütztes Mautsystem zugänglich zu machen.

Also, ich finde die Leute sollen sich nicht so aufregen. Schließlich gibt es im Wartezimmer ja noch kostenlos Zeitungen und Illustrierte zu lesen. Wo gibt es denn das noch?
Und mit den anderen Kranken und Hypochondern darf man sich auch noch umsonst unterhalten und kostenlos anstecken lassen.

Aber bei meinem letzten Besuch beim Doktor hat es Ärger gegeben!
Mann, oh Mann ist der Doktor aber stinkig geworden.
Zuerst hat er einem ausländischen Patienten erklären müssen was der Unterschied zwischen oraler und analer Einnahme eines Arzneimittels ist. War ziemlich schwierig, dem kaum Deutsch sprechende älteren Mann, zu erklären was er mit den Zäpfchen machen soll. Als ich merkte, dass der Doktor mit seiner Zeichensprache nicht richtig weiterkam, habe ich mich mit den Worten „du sollst dir die Dinger in den Arsch stecken“ eingemischt. Der Patient hat das sofort verstanden und mit einem dankbaren, verstehenden Lächeln die Praxis verlassen.
Der Doktor hat dann gemeint, ich sollte mich nicht in seine Angelegenheiten einmischen und schon gar nicht auf diesem Niveau.
Ich habe ihm dann gesagt, dass es eben Dinge gibt, die sind einfach für den Arsch und das sollte man dann auch so sagen, damit es jeder versteht.
Ab dann ist das Gespräch etwas aus dem Ruder gelaufen, denn er schnauzte mich unfreundlich an und wollte wissen was ich denn jetzt schon wieder hier wolle, ich sei doch gar nicht krank, mir sei doch immer nur langweilig.
Da kam er bei mir aber an den Richtigen und ich warf ihm vor, dass er ja nicht einmal in der Lage wäre, meine chronische Krankheit zu diagnostizieren.
„Welche chronische Krankheit denn?“, wollte er wissen und lehnte sich dabei äußerst aggressiv über den Tresen.
„Die chronische Krankheit“, brüllte ich ihm entgegen, „unter der ich seit vielen Jahre leide und die mein ganzes Leben beeinflusst. Und wegen dieser chronischen Krankheit will ich von der Praxisgebühr befreit werden.“
In der Praxis war es schlagartig totenstill geworden und der Doktor zuckte zurück, als hätte ich versucht ihn zu schlagen. Dann drückte er die Brust raus, holte tief Luft und kam langsam um den Tresen herum, der den Akademiker vor dem kranken Individuum schützen soll.
„Und was ist das für eine chronische Krankheit“, wollte er angriffslustig wissen, „wie heißt denn diese Krankheit, die Sie von der Bezahlung der Praxisgebühr befreit?“.
„Ich weiß nicht wie diese Krankheit auf medizinisch heißt“, erwiderte ich, „aber von dieser Krankheit sind große Teile unser Bevölkerung betroffen. Ja, man könnte fast von einer Epidemie sprechen. Und die Krankheit ist ansteckend. Sogar sehr ansteckend. Das ist fast eine Seuche und ich bin mir sicher, dass ich hier in der Praxis nicht der Einzige bin, der diese Krankheit hat“.

Der Herr Doktor trat sicherheitshalber einen Schritt zurück, neigte den Kopf leicht zur Seite und fragte dann vorsichtig: „Und wie heißt diese Krankheit auf Deutsch?“

„Chronisch klamm“

 

 

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23.01.2004 um 05:45 Uhr

Grabpfändung

 

Grabpfändung in München!
Nein, Sie haben schon richtig gelesen. Das heißt nicht Grabschändung, sondern wirklich Grabpfändung.
Das Münchner Finanzamt hat das Grab von Franz-Josef Strauß senior gepfändet.
Die Familiengruft des früheren bayerischen Ministerpräsidenten wurde vom Finanzamt München wegen möglicher Steuerschulden seines Sohnes Max gepfändet.
Der alte Herr hätte vermutlich mit einem deftigen „Herrgott‘s Sakrament“ darauf reagiert, wenn er das noch erlebt hätte. Und obendrein hätte es sicher noch ein „Pfui Deibel“ für das FiAmt in Minga und a Verbalwatschen für den Parteikollegen und Finanzminister Faltlhauser umsonst obendrauf gegeben.

Eigentlich hätte dieses Ereignis aus der Feder von Karl Valentin stammen können. Aber es stand in der „Financial Times Deutschland“ vom 21. Januar im Jahre des Herrn 2004.

Was war da geschehen fragt sich da der Chronist, hat doch der Name Strauß einen Ruf weit über die Grenzen der bayerischen Freistaates hinaus.
Längst vergessene Altlasten aus dem Leben des Herrn Papa, vermischt mit den Jugendsünden des etwas korpulent geratenen Sohnes Maxl Strauß scheinen jetzt die Totenruhe zu gefährden.

Vergessen war doch längst die Affäre um den Schützenpanzer HS-30 und die damit verbundenen Schmiergeldzahlungen. Etwa 50 Millionen DM sollen aus diesem Geschäft in die schwarzen Kassen der schwarzen Parteien geflossen sein. So jedenfalls kann man es in Konkret in der Ausgabe 03/00 im „Octogon-Komplott“ von Georg Hodel nachlesen.

Vergessen auch längst die Starfighter-Affäre, als Strauß Senior (FJS) noch Verteidigungsminister, dieser unserer Republik war. „Witwenmacher“ hieß das Flugteil im Volksmund (291 Abstürze und 116 getötete Piloten). Etwa 24 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern soll die Firma Lockheed für die Akzeptanz ihres Fliegers ausgegeben haben.

In der FIBAG-Affäre 1961 wurde FJS vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen. Er hätte der Baufirma FIBAG einen Kasernenbauauftrag für die 7. amerikanische Armee in Deutschland zugeschanzt.
1962 kam dann die "Spiegel-Affäre". Unter der Schlagzeile „Bedingt abwehrbereit“ berichtete der „Spiegel“ über die vernachlässigte Ausrüstung der Bundeswehr mit konventionellen Waffen. Das war eine politische Ohrfeige für Franz Josef Strauß, der die atomare Aufrüstung der Bundeswehr forderte. Von einem CSU-Mitglied wurde darauf Anzeige gegen den Spiegel wegen "Landesverrats" erstattet und am 26. Oktober 1962 wurde die Spiegel-Redaktion von einem großen Polizeiaufgebot besetzt. Der "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein wurde verhaftet. Conrad Ahlers, der Verfasser von "Bedingt Abwehrbereit" befand sich im Spanien-Urlaub. Strauß telefonierte deshalb mit dem deutschen Militärattaché in Madrid und veranlasste die Verhaftung Ahlers. Später behauptete FJS:  "Ich habe mit der Sache nichts zu tun. Im wahrsten Sinn des Wortes nichts zu tun!"
Im November 1962 kam heraus, dass Franz Josef Strauß doch sehr persönlich in die "Spiegel-Affäre" verwickelt war und alle fünf Minister des Koalitionspartner FDP traten aus Protest zurück. In der Folge kam es zu einer Koalitionskrise zwischen CDU/CSU und FDP und Verhandlungen über eine Grosse Koalition wurden anvisiert. Aber schließlich wurde die CDU/CSU/FDP Bundesregierung umgebildet und FJS wurde nicht mehr Verteidigungsminister.

Ach und da war auch noch die "Onkel-Aloys-Affäre", als Aloys Brandenstein, der Nenn-Onkel von Frau Marianne Strauß in den Verdacht geriet durch Ministervermittlung Millionär geworden zu sein, obwohl er vorher nie im Rüstungsgeschäft tätig war.

Und die Sache mit der Steuerbefreiung beim Flugbenzin hätte ich beinahe vergessen. Zeit seines Lebens focht doch bekanntlich ein Hobbyflieger namens Franz Josef Strauß für die Freiheit des Flugbenzins von jeder Steuerlast.
Und jetzt wird Franz Josef Strauß 15 Jahre nach seinem Tod, durch die Schreiber-Affäre von einem, selbst in Bayern, bislang kaum denkbaren Skandal eingeholt:
Die Familiengruft des früheren bayerischen Ministerpräsidenten wurde vom Finanzamt München wegen möglicher Steuerschulden seines Sohnes Max gepfändet, weil der “vergessen“ haben soll, Provisionen von über 2 Mio. Euro von dem Rüstungshändler Karlheinz Schreiber für Airbus- und Panzergeschäfte ordnungsgemäß zu versteuern.

Mit der Schreiber-Affäre beschäftigen sich seit Jahren diverse Untersuchungsausschüsse und Staatsanwälte. Ein wahrer Krimi ohne Ende, den da das Leben über die Verquickung von Politik, Wirtschaft und Geld schrieb. Aber nix Genaues weiß man halt nicht. Und erinnern kann sich von den Herren ja auch keiner....
Alzheimer ohne Ende.

Nur der Herr Schreiber, der in aller Seelenruhe mit kanadischem Pass in Kanada auf die Verjährung seiner Schandtaten warten kann, hat sich in einem hellen Moment daran erinnert, dass das von ihm zu den Airbus-Verkäufen nach Thailand und Kanada eingerichtete Liechtensteiner Rubrikkonto „Master/Maxwell“ – das nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Max Strauß zugeordnet war – ein Finanzierungskonto der CSU gewesen sei. Die umgerechnet 2,6 Millionen Euro Schmiergeld, die dorthin gezahlt wurden, seien folglich der CSU zu Gute gekommen.
Und Schreiber behauptet weiter, dass der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und Max Strauß dies bestätigen könnten. Aber der Stoiber Edmund und Strauß Maxl können sich an gaaaaar nix erinnern und wissen auch gaaaaaar nix davon.

Die Staatsanwaltschaft hat deshalb auch schon die Computerfestplatte vom Maxl Strauß beschlagnahmt. Aber die hat sich, gerade noch rechtzeitig vor einer genaueren  Untersuchung, in der Asservatenkammer der Polizei leider in Rauch aufgelöst und ist verduftet.

Ja und jetzt ist die Sach halt so, dass wenn die schmierigen 2,6 Millionen Teuronen nicht der CSU gehören, dann müssen sie halt dem armen, armen Maxl Strauß gehören.
Und der hat vergessen dem deutschen Fiskus seinen Teil vom Schmiergeld abzugeben und deshalb hat sich das Münchner Finanzamt „vorsorglich“ schon mal die Anteile an der Strauß’schen Familiengruft gesichert.
Laut Meldung der FTD vom 21.1.2004 soll der Rest vom Vermögen auch schon gepfändet sein.

Jetzt wird sich zeigen müssen, ob der Maxl Strauß was von Papa gelernt hat oder nur in seinem Fußstapfen herumgeeiert ist.
Richtig interessant wird es sicher werden, wenn sich der Maxl entschließen sollte, –sofern er sich doch wieder plötzlich erinnern kann- die Arschkarte an die CSU und den Herrn Stoiber weiterzureichen, weil er eigentlich ja nur durch „Gutgläubigkeit und Vertrauen“ in die Spezln seines Herrn Papa in diese missliche Lage gekommen sein kann.

Weiterführende Literatur zu diesem Thema:
http://www.stoiber-skandale.de

 

 

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22.01.2004 um 05:45 Uhr

Unworte

 

Unworte sind, laut Wikipedia, "Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche Diskussion des betreffenden Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen".

Seit 1991 gibt es diese "Unworte des Jahres". Dazu wählt eine Jury sprachliche Missgriffe, "die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen".

Die bisherigen Unwörter: (nachzulesen auf www.unwortdesjahres.org)

  • 2003: Tätervolk (in Zusammenhang mit Juden, aus der Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann zum 3. Oktober)
  • 2002: Ich-AG (Reduzierung von Individuen auf sprachliches Börsenniveau)
  • 2001: Gotteskrieger (Bezeichnung von Taliban- und Al-Kaida-Terroristen)
  • 2000: national befreite Zone (zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird)
  • 1999: Kollateralschaden (Verharmlosung der Tötung Unschuldiger, offizieller Nato-Terminus im Kosovo-Krieg)
  • 1998: sozialverträgliches Frühableben (zynisch wirkende Ironisierung)
  • 1997: Wohlstandsmüll (Umschreibung arbeitsunwilliger wie -unfähiger Menschen)
  • 1996: Rentnerschwemme (falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt)
  • 1995: Diätenanpassung (Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag)
  • 1994: Peanuts (abschätziger Bankerjargon)
  • 1993: Überfremdung (Scheinargument gegen Zuzug von Ausländern)
  • 1992: ethnische Säuberung (Propagandaformel in Ex-Jugoslawien)
  • 1991: Ausländerfrei (fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda)
  • Unwort des 20. Jahrhunderts: Menschenmaterial

Haben Sie selbst einen Vorschlag für das Unwort des Jahres 2004, dann können Sie den bei http://www.unwortdesjahres.org/vorschlag.htm loswerden.

Was lassen sich doch aus den Unwörtern der letzten Jahre, ganz aus dem Stegreif, für schöne Reden bauen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wer Wohlstandsmüll mit Ich-AG’s bekämpfen will, verkennt die Dimension des Problems. Dagegen sind doch Diätenanpassung und Rentnerschwemme reine Peanuts.
Auch hilft gegen die Überfremdung eines Tätervolkes durch Gotteskrieger keine ethnische Säuberung mehr, sondern nur noch ausländerfreies Menschenmaterial verbunden mit der Schaffung einer national befreiten Zone.
Erst durch die Schaffung von Kollateralschäden und sozialverträglichem Frühableben werden wir wirklich in der Lage sein, die Rentnerschwemme und den Wohlstandsmüll in den Griff zu bekommen und damit Platz zu schaffen für die dringend notwendige Diätenanpassung.
.......

Hach, irgendwie kommt mir das so bekannt vor!

Mich deucht und dünket, dies schon einmal aus Politikers Munde, so oder ähnlich, gehöret zu haben.

Vielleicht fallen Ihnen ja auch noch einige Sätze ein, mein lieber Freund.

Lassen Sie uns einen Spaß machen und darüber trefflich schnabulieren.

Wir könnten uns dazu auch noch Anregungen und Verstärkung holen beim "Komitee Verben für die Welt" oder beim "Kompetenzteam für schöne und schlimme Worte".

Denn "Deitscher Sprak – ser swerer Sprak".

Stimmt!

 

 

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21.01.2004 um 05:45 Uhr

Thierse

In der FTD vom 31.12.2003 stand zu lesen, dass sich unser Bundestagspräsident Thierse um „ausländerfeindliche“ Menschen sorgt!
Wörtlich heißt es in der FTD:
« Thierse äußerte sich besorgt über ein "beträchtliches Potenzial" an ausländerfeindlichem und antisemitischem Gedankengut in Deutschland. Ausländer- und minderheitenfeindliche sowie antisemitische Einstellungen seien offenbar bei einer "beträchtlichen Zahl von Menschen verankert und abrufbar", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es gelte, diese Tendenzen aufmerksam zu verfolgen und allen Anfängen von Antisemitismus zu widersprechen. »

Ich gebe zu, beim ersten flüchtigen Überfliegen des Textes habe ich nicht so ganz genau verstanden, worum sich Herr Thierse eigentlich Sorgen macht. Aber im zweiten Ansatz hat es dann auch bei mir geklappt.
Glaube ich wenigstens!
Also, ich habe das so verstanden, dass sich Herr Thierse keine Sorgen um Ausländer in Deutschland macht.
Auch macht er sich keine Sorgen um Deutsche in Deutschland.
Aber er macht sich Sorgen um ausländerfeindliche oder gar antisemitische Deutsche in Deutschland.
Ich hatte immer gedacht, das wäre so eine kleine, geistig und politisch etwas verwirrte Randgruppe von ewig Gestrigen.
Aber nach der Ansicht von Herrn Thierse ist es ja „eine beträchtliche Zahl von Menschen“, bei denen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus verankert und abrufbar ist.
Auf den Internetseiten des Innenministeriums NRW kann man nachlesen, dass «Ausländerfeindlichkeit als ein auf Vorurteilen beruhendes Verhalten der deutschen Mehrheit gegenüber einer undifferenziert gesehenen nichtdeutschen Bevölkerung (Minderheit) verstanden wird »
Über Antisemitismus ist schon viel geschrieben und gesagt worden, ich kann mir daher hier die Wiederholung ersparen.
Mit der Zuwanderung von Aussiedlern, Osteuropäern und Muslimen kommen allerdings auch andere „Spielarten“ des Antisemitismus nach Deutschland, sodass auch religiöse Formen des Vorurteils (Antijudaismus) und vor allem ein antizionistisches Feindbild, gespeist durch den arabisch-israelischen Konflikt, anzutreffen sind. Der interessierte Leser findet zu diesen Themengebieten weiteres Material unter www.bpb.de auf den Internetseiten der Bundeszentrale für politische Bildung.

Aber ich will jetzt nicht abschweifen, denn eigentlich wollte ich mich ja mit dem Herrn Thierse beschäftigen und überlegen, wie man ihm seine Sorgen nehmen kann.

Jetzt kann ich von mir nicht unbedingt behaupten, dass ich mich mit den Themenbereichen „Ausländerfeindlichkeit“ und „Antisemitismus“ jemals näher beschäftigt habe. Das wird von einem Menschen, der gerne fremde Länder bereist, sicher auch nicht unbedingt erwartet.
Auf diesen Reisen habe ich aber sehr schnell gelernt, dass Menschen eine Heimat brauchen, in der sie sprachlich, religiös und kulturell verankert sind. Menschen brauchen eine Heimat, in der sie sich unter Gleichen zu Hause, geborgen und sicher fühlen können.
Deshalb irrt auch Frau Roth von Bündnis90/Die Grünen gründlich, wenn sie behauptet, dass:
«möglichst viele unterschiedliche Kulturen in Deutschland eine neue Heimat finden müssen. Wir müssen uns von dem Denken trennen, dass die westliche und auch deutsche Kultur die allein glücklichmachende Lösung für dieses Land ist!»

Denn Fremdes, Unbekanntes, Andersartiges wird von den Menschen als Störung und Bedrohung dieses Heimatgefühls empfunden und löst Abwehrreaktionen, ja vielleicht sogar Angst aus.
Wer also in ein fremdes Land kommt, aus welchen Gründen auch immer, um dort dauerhaft nach den ihm vertrauten Regelwerken seines bisherigen Heimatlandes zu leben, hat sicher nicht die Absicht sich in der neuen Heimat zu integrieren und ein Teil der dortigen Gesellschaft zu werden. Er wird immer Ausländer bleiben und zwangläufig auch als solcher behandelt werden.


Vielleicht ist dem Herrn Thierse ja auch schon geholfen, wenn er sich mal um die nicht integrationwilligen Ausländer Sorgen macht?

 

 

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19.01.2004 um 05:45 Uhr

Praxisgebühr

19.01.04

Das Wort „Praxisgebühr“ hat gute Chancen zum Unwort des Jahres 2004 gewählt zu werden.
Und zum Superflop des Jahres auch.
Und vielleicht zum endgültigen Stolperstein für Rot/Grün.

Dabei ist das Wort schon, unabhängig von seiner Verwendung, eine Totgeburt. Denn mit Praxis hat das ganze Verfahren ja wirklich überhaupt nichts zu tun, in einer Gesellschaft die überwiegend bargeldlos per Karte bezahlt.
Es ist nicht nur eine Unverschämtheit gegenüber den Versicherten, die durch diese Zuzahlungen gezwungen werden ein durch und durch marodes Gesundheitssystem weiterzufinanzieren, sondern auch eine bürokratische Unverschämtheit gegenüber den praktizierenden Ärzten.

Gegen soviel Unverfrorenheit, Sturheit und Dummheit der Politiker hilft wirklich nur noch ziviler Ungehorsam und bei der nächsten Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle.
Wenn ich sehe, wie die Genossen hartnäckig und lernunfähig versuchen ihre stümperhafte Politik zu rechtfertigen, dann habe ich den Eindruck, als wollten sie –bevor sie über Bord gehen- noch soviel Unheil wie möglich anrichten.

Mit dieser unglückseligen Praxisgebühr zur Finanzierung der gestiegenen Krankheitskosten, hat man sicher die dümmste Lösungsmöglichkeit aller dummen Lösungen gewählt. Und ich bin mir sicher, dass es vor der Umstellung auf den Euro, kein Politiker gewagt hätte eine solche Gebühr in Höhe von 20,00 DM je Quartal einzuführen.
Der organisatorische Irr- und Schwachsinn dieser Praxisgebühr und welche Verantwortung bzw. welche Risiken hier per „Order de Mufti“ den inkassobeauftragten Ärzte zugemutet werden, wird jedem vernünftigen Menschen schnell klar, wenn man sich einmal den Ablauf einer solchen Bargeldtransaktion vor Augen führt.

  1. Bei jedem Patienten muss vom Arzt geprüft werden, ob die Gebühr erhoben werden muss, denn es gibt jetzt schon Ausnahmen. Politiker(!) und chronische Kranke(?) zahlen weniger!
  2. Hat der Patient schon bezahlt, muss er das durch die Vorlage einer Quittung nachweisen. Ob die Quittung echt ist, muss der Arzt überprüfen.
  3. Muss der Patient bezahlen, weigert sich aber, muss der Arzt eine Meldung an die Krankenkasse machen
  4. Zahlt der Patient, übernimmt der Arzt die Praxisgebühr entgegen, hat den Empfang aufzuzeichnen und zu quittieren.
  5. Tritt nach dem Empfang der Praxisgebühr durch eigenes Verschulden (Schlamperei, Abrechnungsfehler) oder Fremdverschulden (Raub, Diebstahl, Unterschlagung, Abrechnungsbetrug) der teilweise oder vollständige Verlust der Gebühr ein, so trägt der Arzt den Schaden.
  6. Durch die Abrechnung der bar gezahlten Gebühren, deren Transport zur Bank und die dortige Einzahlung entstehen dem Arzt zusätzliche Verwaltungs- und Personalkosten. Denn aus Sicherheitsgründen sollten mit dem Bargeldtransport zur Bank mindestens zwei Personen beauftragt werden. Zudem werden von einigen Banken bei Bareinzahlungen auch noch zusätzliche Gebühren erhoben.

Es bedarf schon einer gewaltigen betriebswirtschaftlichen Naivität der Verantwortlichen, um sich einen derart hirnrissigen Ablauf auszudenken.

Was ich gegen die Praxisgebühr machen werde?
Ganz einfach – ich werde nicht zahlen!!!
Ich werde es darauf ankommen lassen, dass sich meine Krankenkasse mit mir streitet und wegen den 10 Euro ein gerichtliches Mahnverfahren einleitet. Gegen ihren Kunden, der jeden Monat einige Hundert Euro Beitrag bezahlt, selten krank ist und letztendlich diesen ganzen Irrsinn finanziert. Sollten sie mir dann ganz dumm kommen, dann wechsle ich die Krankenkasse und jemand anderer bekommt meine Beiträge.

Und wenn das möglichst viele der Versicherten tun werden, bricht dieses Verfahren allein schon wegen seiner Umsetzung in die Praxis in kurzer Zeit zusammen.
Rot/Grün wird das Ende der Praxisgebühr noch erleben, bevor sie vom Wähler in die Wüste schickt werden. Da bin ich mir ganz sicher.
Warten Sie doch einfach mal ab, was passiert wenn

  • die ersten Arztpraxen ausgeraubt oder Geldboten überfallen werden
  • die ersten gefälschten Quittungen am Markt auftauchen
  • das erste Falschgeld in der Praxis über die Theke geht
  • der Praxisbetrieb durch Zahlungsverweigerer aufgehalten und gestört wird
  • Patienten mit Beschimpfungen und Beleidigungen ihrem Ärger Luft machen
  • randalierende Verweigerer durch die Polizei abgeführt werden müssen
  • die ersten Mahnverfahren und Gerichtsprozesse anlaufen
  • die ersten Kassenwechsel der Beitragszahler stattfinden.
  • die ersten, widersprüchlichen Gerichtsurteile zur Praxisgebühr ergehen, was allerdings bei der Geschwindigkeit der deutschen Gerichte noch Jahre dauern wird.
  • die ersten Ärzte beim Praxisgebührenabrechnungsbetrug erwischt werden, was bei der Undurchsichtigkeit des Abrechnungssystem nur bei großen Dreistigkeiten der Fall sein wird

Ich freu mich drauf!

Es wird wieder so werden, wie bei der seehoferischen Krankenhausinstandhaltungspauschale aus den Jahren 1997-1999. 

Dazu findet sich in einer Presseerklärung aus dem Januar 1999, die man noch heute auf den Internetseiten des SPD-Mitglieds und MdB Reinhard Schultz unter www.reinhard-schultz.de nachlesen kann, folgender Text:
«Die alte Koalition (CDU/CSU/FDP) hat 1997 einen Sonderbeitrag für gesetzlich Krankenversicherte zur Refinanzierung der Instandhaltungsmaßnahmen in den Jahren 1997 - 1999 eingeführt. Der Sonderbeitrag ist in der Bevölkerung auf erhebliche Akzeptanzprobleme gestoßen. Er konnte von den Krankenkassen auch nur mit erheblichem Verwaltungsaufwand eingezogen werden. Der Sonderbeitrag der Versicherten wird mit Wirkung bereits für das Jahr 1998 aufgehoben.»

Die nächste Regierung wird das auch wieder so machen!
Die Krankenhausinstandhaltungspauschale war einer der Sargnägel der schwarz-gelben Koalition.
Und jetzt machen die Rot-Grünen den gleichen Fehler!
Das hat der Herr Seehofer wieder wirklich gut hinbekommen und die Frau Schmidt hat nix gemerkt.
Dass die Jungs und Mädels da in Berlin aber auch gar nichts dazu gelernt haben.
Wer nicht hören will, muss halt fühlen.

Echt! Ich freu mich drauf.

 

 

 

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16.01.2004 um 00:00 Uhr

Schwarz

Schwarz ist in der Farbenlehre die dunkelste Farbe, die alles Licht absorbiert.
In der Politik steht Schwarz für „Konservativ“ und in der Religion für „katholisch“.
Generell bezeichnet Schwarz Gegenstände oder auch Menschen mit „dunklem Aussehen“
In den westlichen Kulturen steht Schwarz als Zeichen des Todes und der Trauer.

Und in der Gesellschaft findet Schwarz Verwendung bei Dingen die schmutzig, unheilvoll, verdächtig, gefährlich, düster, boshaft, niederträchtig oder gar illegal sind.
Also Schwarz ist keine so gute Farbe.
Mir persönlich fallen bei Schwarz immer Leichenwagen, Pfarrer, Kohle und Piratenflaggen ein
Aber es ist nicht zu übersehen: Schwarz ist im Trend, Schwarz ist in, Schwarz boomt, Schwarz ist geil.

Aber das soll sich jetzt gehörig ändern.
Jetzt kümmert sich Rot/Grün um Schwarz.
Jetzt wird endlich Licht ins Dunkel gebracht und in der hinterste Gartenecke und auch unter dem Sofa nach Schwarz gesucht und gnadenlos bekämpft.
Wer die Putzfrau schwarz beschäftigt oder Handwerker ohne Rechnung arbeiten lässt, soll in Deutschland künftig mit Strafverfolgung und Haft bis zu ZEHN JAHREN rechnen müssen.
Unser Hans „Guck-in-die-Luft“ Eichel will den Steuerzahlern weiß machen, dass es bei der Schwarzarbeit um Straftaten geht, die mit dem neuen „Gesetz zur Intensivierung der Bekämpfung der Schwarzarbeit und damit zusammenhängender Steuerhinterziehung" bekämpft werden müssen. Eichel erhofft sich natürlich durch die geplante „Kriminalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen“ jährlich rund eine Milliarde Euro an Steuermehreinnahmen.

„Armer schwarzer Kater“, kann ich da nur sagen, „da seh ich aber schwarz!
Nur mein schwarzer Humor bewahrt mich davor, dass ich mich über so einen hirnverbrannten Schwachsinn schwarz ärgere.
Warum?
Weil seit einiger Zeit in den Medien und in politische Diskussionen  behauptet wird, dass in Deutschland jährlich 370 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit "erwirtschaftet" würden und dadurch dem Staat Steuerzahlungen in Milliardenhöhe entgehen.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und das nachgerechnet!
Also, das deutsche Statistische Bundesamt gibt die Höhe der Brutto-Löhne und Brutto-Gehälter der deutschen Beschäftigten für das Jahr 2002 mit ca. 911 Milliarden Euro an, ein Betrag, der von 34,5 Millionen Arbeitnehmern verdient wird. Das sind im Durchschnitt 26.400 Euro pro Beschäftigten.
Wenn man unterstellten würde, dass Schwarzarbeiter von ihren Auftraggebern zu den gleichen Löhnen engagiert werden, dann bedeuteten die genannten 370 Milliarden "erwirtschafteter" Schwarzarbeitseinkünfte ein Heer von 14 Millionen Schwarzarbeitern, die GANZTAGS ihrer illegalen Tätigkeit nachgehen.
Korrigiert man diese Werte auf tatsächliche, eher  realistische Schwarzarbeiterstundenlöhne, die bei Handwerkern zwischen 8 und 12 Euro liegen dürften, bei Haushaltshilfen und Aushilfskellnern noch deutlich darunter, dann nähert man sich der Zahl von 25 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeitern, die erforderlich wären um jene ominösen 370 Milliarden zu erwirtschaften.
Berücksichtigt man noch die Tatsache, dass die Deutschen zwar brutto 911 Milliarden verdient haben, netto davon vermutlich aber nur etwa 600 Milliarden tatsächlich ausbezahlt erhielten, dann muss man sich fragen, welche Auftraggeber die 370 Milliarden wovon bezahlt haben sollen.
Ich denke mal, dass die 370 Milliarden eine ganz großzügig geschätzte Zahl des Umfangs der Schwarzarbeit zu Handwerkerpreisen inklusive Material zu Listenpreisen zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer darstellen.
Bei vernünftiger Betrachtung der Problematik kommt heraus, dass das eigentliche Volumen der Schwarzarbeit, nämlich der Dienstleistungsanteil, bei höchstens 40 Milliarden Euro liegen kann. Das dabei verbrauchte Arbeits- und Baumaterial haben sich die Schwarzarbeiter und ihre Auftraggeber für schätzungsweise 100 Milliarden Euro, vielleicht auch noch um einiges teurer, ganz regulär im Baumarkt und im Fachhandel gekauft.
Gehen Sie Samstags mal in den Baumarkt und schauen sich an wie die Dinger boomen!

Es sollte also niemand glauben machen wollen, dass mit der Bekämpfung bzw. Abschaffung der Schwarzarbeit plötzlich Steuer- und Abgabenmilliarden in die Kassen sprudeln würden.
Eher würden die Steuereinnahmen wegbrechen, die durch den Materialeinkauf entstehen.
Es fehlt nämlich nicht nur dem Staat am Geld, es fehlt den Haushalten und vielen Unternehmern auch und das nicht, weil sie es verschwendet hätten, sondern weil es der realen Wirtschaft durch steigende Steuern, ausufernde Sozialkosten und die wachsende gesamtwirtschaftliche Zinslast entzogen wird.

Und dann noch eins.
Das Argument „gäbe es keine Schwarzarbeit, hätten wir auch keine Arbeitslosen“ ist genauso hirnrissig wie „wenn Alle weniger arbeiten, gibt es Arbeit für Jeden“.
Mal ganz ehrlich, glauben Sie wirklich, dass uns die ganze Arbeitszeitverkürzerei der letzten Jahre auch nur einen neuen Arbeitsplatz gebracht hat?

Aber es stimmt, dass der Trend zur Schwarzarbeit in Deutschland ungebrochen ist.
Dabei bleibt unsere Bundeshauptstadt BERLIN die ungeschlagene Hochburg. Im vergangenen Jahr sind in Berlin illegale Beschäftigung und Leistungsmissbrauch erneut mit zweistelligen Zuwachsraten gestiegen. Allein in den Gaststätten und Kneipen ist nach wie vor jeder dritte Erwerbstätige illegal tätig.

Also, was Hans Eichel und Rot/Grün da jetzt zur Bekämpfung der Schwarzarbeit machen wollen, ist absoluter Quatsch!
Das hilft nicht gegen Schwarzarbeit, Schwarzgeld, schwarze Kassen und Steuerhinterziehung.
Ist doch der Staat, durch seine Wirtschafts- und Finanzpolitik (durch ein paar andere Sachen auch)  selbst der größte Wirtschaftsabwürger. Hauptgrund für die Schwarzarbeit sind doch ständig steigende Steuern und Abgaben.
Legale Arbeit wird für Auftraggeber oder Arbeitgeber einfach zu teuer. Die Folge ist, dass in die Schattenwirtschaft ausgewichen wird.
Wie extrem legale Arbeitsleistung mit Steuern und Abgaben belastet wird, zeigt ein Rechenbeispiel auf den Internetseiten der Kreishandwerkerschaft Wilhelmshaven http://www.celle-handwerk.de/aktuell/schwarzarbeit.html. Wen es interessiert, der kann es dort im Detail nachlesen und nachrechnen.
Ich beschränke mich hier auf die wichtigsten Fakten. (alle Zahlen in Euro)
Bruttostundenlohn eines Handwerkers, vertretbare 11,50 Euro.
Zusammen mit gesetzlichen und tariflichen Sozialleistungen und den üblichen Betriebskosten eines Handwerkbetriebes wird daraus ein Stundenverrechnungssatz von satten 38,00 Euro.
Dazu kommen dann noch 16% Mehrwertsteuer und wir haben aus Sicht des Auftraggebers einen Rechnungsbetrag von 44,00 Euro pro Arbeitsstunde.
Nur um das Bild abzurunden, noch ein letzter Blick auf diesen Vorgang, diesmal aber aus Sicht des Arbeitnehmers (Steuerklasse 1/0), dem aus einer Stunde Arbeit mickrige 6,23 Euro verbleiben.
Bei diesem Missverhältnis muss man ja auf die Idee kommen für 10,00 Euro pro Stunde schwarz zu arbeiten!!!!

Und jetzt mach ich mal einen ganz, ganz einfachen Vorschlag zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit und ich bin sicher, dass das sofort ein durchschlagender Erfolg wäre:

JEDER Auftraggeber kann Kosten, die er über ordnungsgemäße Rechnungen nachweisen kann, in vollem Umfang von seinem zu versteuernden Einkommen abziehen!
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle welche Art von Dienstleistung oder Ware er dafür erhalten hat. Ob Rasen mähen oder Kinder hüten, Baum fällen oder Haus bauen, Wohnung putzen oder Essen kochen, Haare schneiden oder Geschlechtsverkehr.

Ein System der Differenzbesteuerung, wie es bei der Mehrwertsteuer praktiziert wird, auch wenn die Finanzbehörden in den letzten Jahren (seit Theo Waigel) zunehmend versuchen, auch das Verfahren von Mehrwertsteuerzahlung mit Vorsteuerabzug zu ihren Gunsten zu verändern.
Sie kriegen halt einfach den Hals nicht voll genug und würgen dadurch die Wirtschaft ab.
Jeder Kneipenwirt weiß es besser. Denn Kunden, die kein Geld mehr haben, können auch kein Bier kaufen. Deshalb heißt dieser Kreislauf ja auch "Wirtschaft"

Und bevor jetzt noch irgendein eifriger Beamter in einer der neu aufgestellten Schwarzarbeitsbekämpfungsschwadronen auf die Idee kommt, bei mir im Haushalt nach Schwarzem zu suchen, erstatte ich lieber präventiv folgende Selbstanzeige:

Ich

  • trinke meist schwarzen Kaffee, legal erworben und mehrwertversteuert.
  • fahre mit einem schwarzen, aber ordnungsgemäß versteuerten und versicherten PKW zur Arbeit
  • trage schwarze Socken und schwarze Schuhe, teils aus Baumwolle, teils aus Italien
  • liebe schwarzhaarige Frauen, die nicht „Nein“ sagen können
  • kenne einige Menschen, der gerne schwarz sind und nicht nur dunkelfarbig
  • habe Geschäftspartner mit schwarzem Parteibuch und erzschwarzer Gesinnung

und "last but not least", habe ich einen schwarzen Aktenkoffer –Modell Bimbes- in den, wie mir der Verkäufer mehrfach versichert hat, garantiert eine Million Euro in großen Scheinen passen würde.
Seinen Hinweis, dass dieses Modell sehr gerne von den Schatzmeistern politischer Parteien bei Auslandsreisen verwendet würde, halte ich allerdings für ein reines Verkaufsargument.


HTH & BiON

 

 

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15.01.2004 um 00:00 Uhr

ZIVI

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, da war Zivildienst etwas für die wirklich Hartgesottenen, die überzeugten Pazifisten.
Ein dickes Fell und starke Nerven brauchten sie, um die entwürdigenden Verfahren und Prozesse bis zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer durchzustehen.
Um dann dennoch als Drückeberger, Weicheier und Dummköpfe, die es nicht mehr rechtzeitig auf einen wehrdienstbefreienden Studienplatz im eingeschlossenen Berlin geschafft hatten, verhöhnt zu werden.
Und, als wäre dies noch nicht genug, anschließend dann auch länger als Wehrpflichtige Dienst in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen machen zu müssen.

Abschreckung hieß damals die Devise um der Wehrkraftzersetzung durch alternative, nicht systemkonforme Denk- und Verhaltensweisen vorzubeugen.
Strafprozesse, Beugehaft, Führerscheinentzug, Behördenschikane ohne Ende waren an der Tagesordnung.

Hut ab, vor denen, die diese Prozeduren aus Überzeugung durchgestanden!

Ich habe noch, nur leise murrend, 18 Monate Grundwehrdienst bei der Panzerartillerie abgeleistet und dabei fürs Leben gelernt. Nein, nicht vom Militär. Ich war ein schlechter Soldat und wurde als „Schütze“, d.h. ohne jegliche Rangabzeichen, entlassen. Aber ich habe in meiner damaligen Kompanie einen nichtanerkannten Kriegsdienstverweigerer kennen- und schätzen gelernt und mit ihm unendlich lange Diskussionen geführt. Eigentlich könnte ich darüber ein ganzes Buch schrieben.

Aber zurück zu den Zivis.
Heute haben sie längst ihren wehrkraftzersetzenden Einfluss verloren und sind als kostengünstige Sozialsoldaten sehr willkommen bei der Klientenbetreuung: Zähne putzen, Briefe schreiben, Wohnung schrubben. Zivis bauen aber auch Krötenzäune, betreuen Flüchtlingskinder oder fahren Krankenwagen, arbeiten in Altersheimen und Sozialstationen.
Ohne Zivis geht in den sozialen Diensten nichts mehr, auch wenn sie heute keine 20 Monate mehr dienen müssen.

Angesichts des sich nun abzeichnenden Endes der Wehrpflicht wird die Diskussion in den Wohlfahrtsverbänden über ein Sozialwesen ohne Zivildienstleistende lebhafter. Wie man die Zivi-Arbeit ohne Zivis schaffen soll, weiß bei der Caritas und bei anderen Organisationen keiner so genau.
Freiwilliges soziales Jahr?
Betätigung unausgelasteter Rentner?
Einrichtung von 400-Euro-Billigjobs?
Beschäftigung hauptamtlicher Vollzeitkräfte!?

Dass mit dem Ende des Zivildienstes viele Arbeitslose von den Arbeitsämtern in die Altenheime kommen – damit rechnet wohl niemand.
Jetzt plötzlich ist auch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zu hören, dass Zivildienst volkswirtschaftlich unsinnig ist, werden doch «Arbeitsplätze blockiert und junge Leute können erst ein Jahr später ins Berufsleben und Geld verdienen.»

Da können Sie mal sehen wie sich der Zivi gewandelt hat –vom wehrkraftsersetzenden Subjekt zum volkswirtschaftlich wertvollen Wirtschaftsfaktor.

Dazu haben wir mehr als vierzig Jahre gebraucht!!!

Wir sollten dem Zivi ein Denkmal setzen!

 

 

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14.01.2004 um 00:00 Uhr

Filz, Gilb und Schrumpf

Erinnern Sie sich noch an den Parteienfilz?
Vor gut einem Jahr hat der Steuerzahlerbund der Parteibuchwirtschaft in öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen den Kampf angesagt.
Immer mehr werde das Parteibuch in der öffentlichen Verwaltung, aber auch in Justiz und öffentlich-rechtlichen Medien, zum entscheidenden Kriterium für Einstellung und Beförderung, kritisiert der Verband. Parteiungebundene würden von öffentlichen Führungsämtern "faktisch ausgeschlossen". Dies sei ein Verstoß gegen die in Artikel 33 des Grundgesetzes geregelten Grundsätze der Bestenauslese und des Leistungsprinzips. Nicht nur die Leistungsfähigkeit der Verwaltung werde dadurch geschwächt, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Rechtmäßigkeit des Verwaltungshandelns.
Was aus der Aktion geworden ist?
Keine Ahnung! Nix, wahrscheinlich.
Oder doch! Soweit ich weiß, hat erst kürzlich wieder jemand Leistungsbeurteilungen für Beamte gefordert.
Was daraus wird?
Ja nix, wie immer!

Kennen Sie auch noch den Gilb?
Dieses hässliche kleine Monster, das so gerne die blütenweißen Westen versauigelt - muahahaha!".
Dagegen hilft, zumindest laut Werbung, präventiv nur ein hochwertiger Ultraviolett-Lichtschutz und für bereits Vergilbtes ein doppelaktives Waschmittel mit besonderer Weiß-Bleiche und integriertem Gilb-Blocker.
Aber wer wäscht denn heute noch? Außer Geld wird doch fast nichts mehr gewaschen, schon der Umwelt zuliebe.
Nein, den Gilb bekämpft man heute mit "Anti-Gilb" einem speziellen Gemisch zur schnellen und mühelosen Reinigung vergilbter Westen, sowie alter Konzepte und Redemanuskripte vor ihrer Wiederverwendung.
"Anti-Gilb" ist für den Politkapitän auch ein ideales Mittel zur Beseitigung der "Gelben Welle" im Vorschiffbereich, des Wasserpasses und Auspuffbereiches.
Außerdem entfernt "Anti-Gilb" effizient und wirkungsvoll jegliche Art von störenden Ablagerungen, selbst hartnäckige Grünalgenbeläge und sogar braune Flecken und rostrote Verfärbungen am Schiffsrumpf.
"Anti-Gilb"  zeichnet sich dabei durch eine leichte und einfache Anwendung aus, da es vollkommen genügt, die gelartige Flüssigkeit -auch durch geeignete Dritte- auf das Zielobjekt aufzutragen und einwirken zu lassen.
"Anti-Gilb" ist vielfach staatlich geprüft, äußerst ergiebig und greift garantiert kein eigenes Schiffszubehör wie Rückrudergeräte, Treibanker oder gar Seilschaften an.

Aber jetzt geht der Schrumpf um!
Dass wir eine kleinen Kanzler haben, dem die Probleme inzwischen über die – juristisch belegten- Naturhaarspitzen gewachsen sind, wissen wir ja schon. An der Senkung der Arbeitslosigkeit und Schaffung neuer Arbeitsplätze wollte er gemessen werden. Und jetzt ist der Kanzler zu kurz, ja er reicht noch nicht mal bis zum Eichelstrich. Eigentlich ein klarer Fall für den Wirtschaftskontrolldienst.
Nach den letzten Umfrageergebnissen der Medieninstitute treibt die Schrödersche Eisscholle rasant in Richtung Äquator. Und dann auch das noch:
Der SPD laufen die Mitglieder weg!
Die Sozis haben im Jahr 2003 so viele Mitglieder verloren wie seit über 50 Jahren nicht mehr.
Die Partei von Bundeskanzler Gerhard Schröder ist im Jahr 2003 um 43.096 Mitglieder auf 650.798 Genossen Ende Dezember geschrumpft, berichtet "Der Spiegel". Damit sei die SPD auf das Niveau von 1963 geschrumpft.
Bundesweit sind  damit 38.437 Genossen per Willenserklärung aus der Partei ausgetreten. Weitere 4659 Parteimitglieder entzogen sich durch Tod der Parteimitgliedschaft .
Auch 10.829 Neuanmeldungen,  davon mehr als 44 Prozent im Juso-Alter von unter 35 Jahren, konnten die fortschreitende Fluktuation nicht stoppen.

Also sollten wir die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben.
Vielleicht schafft ja der Schrumpf endlich das, was Filz und Gilb nicht vermocht haben, denn rein rechnerisch gibt der letzte Genosse in etwa 15 Jahren sein Parteibuch zurück.

Machen wir doch aus der Agenda 2010 einfach die Agenda 2020, dann passt das in etwa auch wieder terminlich!
Also ich könnte das noch erleben dürfen, auch wenn durch die Veränderungen bei der Rente und im Gesundheitswesen eine Erhöhung der Sterblichkeitsrate bei älteren Mitbürgern als letzter Ausweg aus der Misere nicht ganz auszuschließen sein wird.

 

 

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12.01.2004 um 00:00 Uhr

Aussterben

Die Deutschen sterben aus!

Haben Sie das auch schon gelesen?
Vermutlich schon, steht es doch in allen Zeitungen, Magazinen und Statistiken.

Aber was heißt das denn eigentlich genau?
Das bedeutet doch, dass in Deutschland mehr Menschen sterben als geboren werden.
Und dafür gibt es ja, -wie jeder aufgeklärte Mensch weiß- verschiedene Möglichkeiten.

Die erste Möglichkeit wäre, dass zu viele Menschen zu früh sterben.
Dazu kommen Tode durch Krankheit oder durch Gewalteinwirkung in Betracht.
Gegen den Tod durch Krankheit müssten wir mit medizinischen Mitteln vorgehen und die Ausgaben für das Gesundheitswesen erhöhen. Bei den gewaltsamen Toden müsste man durch Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Verkehr, am Arbeitsplatz und am heimischen Herd gegensteuern und zur Bekämpfung der Kriminalität die Schutzdienste der Polizei ausbauen.
Aber ich denke, das ist nicht unser Problem, denn wir tun im Moment ja genau das Gegenteil.

Also scheint unsere Problem auf der anderen Seite zu liegen. Es wird zu wenig Mensch geboren.
Das ist aber offensichtlich ein Prozess der uns seit Tausenden von Jahren vertraut ist.
Die Fortpflanzung, ist doch –seit Adam und Eva- bereits unser biblischer Auftrag, nach dem wir uns „mehren“ sollen.
Obwohl ich noch im Biologieunterricht der Schule die Vermehrung anhand von Bienen und Blumen erlernen durfte, habe ich bereits sehr früh festgestellt, dass es auch andere Arten der Fortpflanzung gibt, die dazu auch noch heftig Spaß machen. Das einzige Problem war damals eigentlich nur so häufig einen paarungswilligen Partner des anderen Geschlechts zu finden.

Da haben sich die Zeiten in den letzten fünfzig Jahren aber offensichtlich geändert. Nicht dass ich jetzt noch mit der Szene genauer vertraut wäre, aber wenn ich mir so die jungen Mädchen und Frauen ansehe, dann bestehen ja bekleidungsmäßig kaum noch Hindernisse zur sofortigen Kopulation. Man(n) schiebt einfach die Hüftjeans noch zwei Zentimeter weiter nach unten, Stringtanga nach Belieben zwei Zentimeter etwas nach links oder rechts .... und fertig.
Also zumindest auf den ersten Blick kann es an den Damen nicht liegen.

Vielleicht liegt es ja auch an der Herren der Schöpfung, die lieber vor der Glotze hocken und ihre Wampe pflegen als ihrer Partnerin beizuschlafen.
Das glaube ich aber auch nicht, denn was man so aus dem Bekanntenkreis hört, sind die jungen Männer mindest einmal am Tag für 60 Sekunden zu Paarung bereit. Meist bevor ein Fußballspiel im Fernsehen kommt. Hier könnte man also durch geschicktes Manipulieren der Sendezeiten, ähnlich wie beim Sandmännchen, die männliche vorspielerische  Kopulationsbereitschaft ausnutzen. So eine Art Synchronisation von Orgasmus und Spielanpfiff. Technisch wäre das überhaupt kein Problem.
Oder man verlegt den partnerschaftlichen Akt in die Halbzeitpause. Da wäre genügend Zeit für Vorspiel, Akt, Nachspiel um rechtzeitig zum Wiederanpfiff fertig zu sein. Man würde einfach die Spielanalyse durch „Fachleute“ weglassen, das würde sowieso keiner vermissen. Statt dessen sendet man zwei, drei kurze softpornografische Werbeclips und anschließend das Bild eines offenen Feuers im Kamin und unterlegt das Ganze mit etwas Kuschelrockmusik.
Und peng! Deutsches Synchronpoppen statt Netzersches Rumgelaaber!

Unsere gesamte Bevölkerungspolitik könnte man damit durch das Ausstrahlen von Fußballspielen im Fernsehen steuern. Erhebliche Kosteneinsparung ließen sich damit realisieren.

Aber es könnte sein, dass das nicht das Problem mit dem Aussterben löst.
Denn wie die meisten Mitmenschen wissen, muss man nicht nur poppen sondern auch zeugen.

Sind deutsche Männer etwa samenschwach oder zeugungscheu?
Ich denke nein und die meisten Damen werden mir zustimmen, dass Männer sich eher nicht um Empfängnisverhütung kümmern.
Also an den Männern wird es sicher nicht liegen, dass wir zu wenig Kinder zeugen.

Also meine Damen, jetzt fangen wir mal an, die eigentliche Problemzone einzukreisen.
Warum wollen Sie sich nicht mehr befruchten lassen?
Warum wollen Sie ihren biologischen Bestimmung nicht mehr nachkommen?
Wie kommen Sie überhaupt da drauf, dass Ihr Bauch Ihnen gehört? Ihr Bauch ist den meisten Männern sowieso ziemlich egal, das Ziel der Begierde liegt etwas tiefer.

So so! Alice Schwarzer hat Ihnen erzählt, dass Ihr Bauch Ihnen gehört, weil Sie auch ein Recht auf beruflichen Erfolg und Karriere haben und sich von Küche, Kopulation, Kind und Kirche lösen sollen.
Ja, das ist mir ja eine, die Alice.
Und jetzt haben wir den Salat.
Jetzt sitzen die Karrierefrauen zusammen mit ihren Männern arbeitslos zu Hause rum.
Und die Deutschen sterben aus.
Und der Staat weiß nicht wie er die kinderlosen Rentner, vermutlich überwiegend akademische Doppelverdiener durch die letzten Jahre ihres Lebens bringen soll.
Und ich frage mich jetzt, ob sich das alles rentiert hat.

Wie das jetzt alles weitergehen soll?
Ich werde mal mit Alice Schwarzer reden!
Die muss sich da auf ihre alten Tage noch was einfallen lassen.
Da bleib ich am Ball.

 

 

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09.01.2004 um 00:00 Uhr

Oh là là


Auch eine kurze Auszeit muss einfach mal sein.
Eigentlich wollte ich ja nur lockere familiäre Bande am Einrosten hindern, aber dann wurde doch so etwas wie ein kleiner Erholungsurlaub daraus.
Eine Woche Frankreich und leben wie „Gott in Frankreich“. Umgeben von freundlichen Menschen und ihren Kindern. Nicht dass ich ohne dolmetschende Unterstützung meiner Frau viel verstanden hätte, von dem was sie mir wort- und gestenreich erzählten, aber ihre Lebensfreude war erfrischend und ansteckend. Emsiges Treiben auf den Strassen, in den Läden, auf den Märkten, nicht nur wegen „soldes 50%“
Freundliche Gesichter, Lachen und auch viel Verständnis für einen Ausländer der der Landesprache nur fragmental mächtig ist.

Und Kinder gibt es da, dass es eine wahre Freude ist. War doch Frankreich schon immer das Land mit „L'amour“ und die Franzosen –nach eigener Aussage- die besten Liebhaber der Welt. Da komme ich als angeheirateter, deutscher Opa aber mächtig ins Staunen.
Die Kinder gehen in Kindergarten oder in die Schule. Ganztags natürlich, bis auf Mittwoch, da sind sie bei den Großeltern, schön abwechselnd mütterlicher- und väterlicherseits. Alle bereits mit 60 in Rente und mit eigenen Häuschen und Garten.
Vor der Arbeit bringt der Vater die Kinder hin, nach der Arbeit holt die Mutter sie ab.
Beide Elterteile arbeiten ganztags und bauen in ihrer Freizeit am eigenen Haus, einem ehemaligen, halbzerfallenen kleinen Bauernhof, den sie mit Hilfe eines günstigen staatlichen Darlehens, viel Eigeninitiative und der aktiven Hilfe der Großväter in ihr eigenes Zuhause verwandeln. Es wird noch Jahre dauern bis sie fertig sind.

Und abends, bei Rotwein, Weißbrot und Käse kommt dann die Politik ins Spiel. Und es kommen die Fragen an den Gast aus Deutschland.
Was ist los in Deutschland? Was macht Schröder? Was wird aus Europa? Was und wem nützt der Euro?
Ich bin überrascht, wie gut sie informiert sind und wie gezielt ihre Fragen kommen.
Es zeigt sich schnell, dass die Probleme beider Gesellschaften ähnlich sind.
Überalterung, Rente, Steuern und Abgaben, Ausländerpolitik, politische Machtkämpfe und auch sonst „Oh là là“. Dabei wird das gesprochene Wort durch eine unvergleichliche, schüttelnde, aus dem Handgelenk kommende  Bewegung der rechten Hand ersetzt. Als hätte sich der Sprecher an dem Thema die Finger verbrannt und versucht nun durch Luftkühlung Linderung für die geschundene Haut zu erhalten.
Und mir wird schnell klar, dass jedes „Oh lá lá“ aus Sicht der Erzählers ein real existierendes Problem darstellt, bei dem jeder der Anwesenden sich, unterstützt durch verstehendes Kopfnicken seinen eigenen Teil denken kann.

Und es wird auch rasch deutlich, dass die Franzosen ihre Probleme etwas anders lösen, als wir das seit Jahrzehnten in Deutschland machen.
Nicht dass der Staat ihnen wesentlich weniger an Steuern und Abgaben abfordern würde. Aber wie er das tut, hat mich wirklich erstaunt, denn die französischen Arbeitnehmer erklären und zahlen ihre Steuern selbst. Zweimal im Jahr, nachträglich. Nicht jeden Monat, wie in der BRD automatisch durch den Arbeitgeber.
Es wird auch keine Kirchensteuer durch den Staat einbehalten und abgerechnet. Die Kirchen müssen selbst sehen, wie sie durch entsprechende Basisarbeit zu ihrem Geld kommen.
Meist können beide Elternteile arbeiten, denn es gibt genügend Ganztagesschulen und Kindertagesstätten. Berufstätige Mütter helfen so nicht nur den Lebensunterhalt für die Familie zu finanzieren, sondern zahlen auch Sozialabgaben und erwerben eigene Rentenansprüche.
Die Kosten für Haushalts- und Putzhilfen können von der Steuer abgesetzt werden oder werden sogar teilweise von den Arbeitsämtern übernommen.
Löhne und Gehälter entsprechen in etwa deutschen Verhältnissen. Die Lebenshaltungskosten sind den deutschen ähnlich, aber es fällt auf, dass Grundnahrungsmittel billiger sind und Luxusgüter teurer.

Mit zunehmender Uhrzeit und steigendem Rotweingenuss wird die Diskussion immer hitziger und einige meiner Gesprächspartner erinnern sich plötzlich daran, dass sie in der Schule mal Deutsch gelernt haben oder gar während ihrer Militärzeit in Deutschland stationiert waren.
Und mitten hinein in die mit viel Körpereinsatz, Gestik und Mimik geführte Diskussion über politische, wirtschaftliche und soziale Probleme schneidet plötzlich wie kalter Stahl die Frage:
„Und was machen die Deutschen jetzt?“ und alle Anwesenden starren mich erwartungsvoll an.
Mir aber steht das Fragezeichen mitten ins Gesicht geschrieben.
Ja, was machen die Deutschen jetzt?
Ich weiß es nicht!
Weiterjammern und lamentieren?
Es wird sicher weitere Überraschungseier aus Berlin geben, gefüllt mit nutzlosem Allerlei.
Es wird sicher weitere Maßnahmen geben, die eigene Unfähigkeit mit dem Geld der Steuerzahler zu überspielen.
Es wird sicher weiteres Hauen und Stechen der politischen Parteien geben mit immer dreister werdenden Versuchen den eigenen Nutzen und die Macht auf Kosten anderer zu erhalten oder gar noch auszubauen.
Es wird sicher weitergehen, bis es gar nicht mehr weitergeht.
In einem Land, in dem Vater Staat und die öffentliche Hand zur existenzbedrohenden würgenden Kralle verkommen sind, erscheint das nur logisch.

Ich habe mich einer Antwort auf die Frage mit einem bedeutungsvollen „Oh là là“ mit entsprechender Handbewegung entzogen, aber das anschließende „Santé“ mit hochgehobenem Rotweinglas kam mir doch etwas nachdenklich
über die Lippen.

 

 

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02.01.2004 um 05:45 Uhr

2004 = 2003 + 1


Aufschwung?
Zuversicht?
Trendwende?
Besserung am Arbeitsmarkt?
Laut Allensbach gehen (nur!) 38% der Deutschen optimistisch ins Jahr 2004!

Was denken denn die anderen 62% der Bundesrepublikaner?
Was denken denn die 4 Millionen (offiziellen) Arbeitslosen?
Was denken die anderen (inoffiziellen) ca. 5 Millionen Menschen ohne bezahlte Arbeit?
Was denken die Sozialhilfeempfänger?
Was denken die Einzelhändler, Kleinunternehmer und Familienbetriebe?
Was denken denn die Rentner?
Was denken wohl Menschen, die ihre Existenzgrundlage bereits verloren haben oder gerade dabei sind sie zu verlieren?

Und was denken denn die Pendler, die Alleinerziehenden, die Raucher, die gesetzlich Krankenversicherten, die Familien mit Kindern, die Singles, die Besserverdienenden, die geächteten Promis und die Millionäre?
Alles Pessimisten? Alles Randgruppen? Alles Unzufriedene?
Oder leiden die alle auf einem hohen Niveau und halten deshalb besser den Schnabel?
Oder wurden sie einfach nur nicht befragt, diese ewigen Nörgler und Reichsbedenkenträger.

Aber es wird besser werden! Viel besser!!
Diese Zuversicht habe ich von den Internetseiten unseres Bundeskanzlers und der muss es ja wissen.
Also, ob Sie es glauben oder nicht, aber der folgende Text steht wirklich so auf den Internetseiten unseres Bundeskanzlers Gerhard Schröder:

«Deutschland beweist Mut zur Veränderung. Deutschland bewegt sich. Wie sehr, das wird anhand der zahlreichen Gesetzesänderungen deutlich, die zum 1. Januar 2004 in Kraft treten.
Der nach der Bundestagswahl eingeschlagene Weg der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Erneuerung ist im Jahr 2003 konsequent fortgesetzt worden. Mit der Agenda 2010, die neue Dynamik für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und mehr Generationengerechtigkeit bringt, sind zentrale Reformvorhaben der Bundesregierung umgesetzt worden.
Hinzu kommen zahlreiche gesetzliche Neuregelungen aus anderen Bereichen, die ebenfalls zum 1. Januar 2004 in Kraft treten und Deutschland modernisieren. Der Bogen reicht von Vereinfachungen im Steuerrecht und Förderung der Steuerehrlichkeit zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschlands bis hin zu bürger- und konsumentenfreundlichen Regelungen und Sorgeregelungen für Kinder von nicht miteinander verheirateten Eltern. Aber auch im Bereich Kultur und Medien hat sich einiges getan: So stärkt etwa das neue Filmfördergesetz den deutschen Film und leistet, so wie der erneuerte Hauptstadtkulturvertrag, auch einen Beitrag des Bundes zur kulturellen Vielfalt des Landes.
Einen Überblick über die Neuregelungen aus dem Bereich der Agenda 2010 und über sonstige Neuregelungen finden Sie in dem PDF-Dokument "Neuregelungen zum 1. Januar 2004" auf den Internetseiten
www.bundeskanzler.de

Was soll man dazu noch sagen???
Etwa „The same procedure as last year Miss Sophie“ oder „letztes Jahr standen wir hart am Abgrund und dieses Jahr werden wir einen großen Schritt nach vorne machen“?
Oder „Wir wissen nicht wo wir hinwollen, aber wir werden als Erste da sein“

Ich glaub, ich bin in der falschen Republik!

 

 

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01.01.2004 um 05:45 Uhr

(Neu?)jahresansprache


Es ist mal wieder soweit!
Jeder meint ja, dass er zum Jahreswechsel noch rasch ein paar Weisheiten und Plattitüden zu Papier bringen und/oder in den Äther pusten muss.
Ich halte mich da  lieber dezent zurück und überlasse das Blamieren dem Herrn Bundeskanzler, dessen Neujahransprache am Sylvesterabend ich zum Anlass nahm, mir unter www.bundeskanzler.de die Ansprachen der letzten Jahre nochmal genauer anzusehen.

Ich könnte jetzt ja behaupten, dass ich mich im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie mit den Neujahrsansprachen unseres Kanzlers beschäftigt habe. Aber eigentlich war es nur zu dem Zweck, nicht wieder einer alten Rede zu lauschen, nur falls der Sender aus „Versehen“ wieder die MAZ-Aufzeichnung vom Vorjahr über die Satelliten beamen sollte.

Das Ergebnis meiner synoptischen Analyse über die Worte des Kanzlers an die Nation ist (nicht wirklich) überraschend.
Dennoch möchte ich es Ihnen nicht vorenthalten:

WIRTSCHAFT
2000
- Unsere Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs

2001 - Das wirtschaftliche Wachstum ist robust und steht auf soliden Fundamenten. Der begonnene Aufschwung setzt sich fort. Die Preise bleiben stabil. Die deutsche Wirtschaft und ihre Produkte sind auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig wie lange nicht mehr. In Deutschland wird wieder mehr investiert als in vielen Jahren zuvor.

2002 - Wir in Deutschland haben alles, was zum wirtschaftlichen Erfolg notwendig ist. Wir müssen ihn aber tatsächlich wollen.

2003 - Vergessen Sie nicht, dass Sie es zu einem großen Stück selbst in der Hand haben, wie es mit der Wirtschaft in Deutschland weitergeht. Auch Sie ganz persönlich können Konjunkturmotor sein: Ihr Vertrauen in die Zukunft entscheidet mit über den Arbeitsplatz Ihres Nachbarn!

STEUERPOLITIK
2000 - Wir haben Schluss gemacht mit der galoppierenden Staatsverschuldung. Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben, als er eingenommen hat. Daran muss sich auch der Staat halten - schon aus Verpflichtung gegenüber unseren Kindern und Enkeln
Viele von Ihnen werden schon im Januar die Entlastungen spüren, die die Bundesregierung mit der Steuerreform und der Förderung von Familien mit Kindern bewirkt hat.

2001 - Die allermeisten von Ihnen werden schon Ende Januar die positiven Auswirkungen unserer Steuerreform auf dem Gehaltszettel sehen können. Durch die größte Steuerentlastung in der Geschichte unseres Landes, die morgen in Kraft tritt, werden Familien, Arbeitnehmer und Unternehmen allein im kommenden Jahr insgesamt 45 Milliarden Mark weniger Steuern zahlen. Diese Entlastung war überfällig.

2002 - Da ist zunächst der friedliche Ausgleich unterschiedlicher Interessen. Bei uns gilt nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts. Die Grundsätze von Solidarität und Teilhabe haben uns Wohlstand und sozialen Frieden gebracht.

2003 - Bereits ab Neujahr treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die wir im Rahmen der Agenda 2010 vereinbart haben. Mir war bei diesen Änderungen wichtig, dass ab morgen auch die Steuern für alle weiter gesenkt werden. So kann der wirtschaftliche Aufschwung, der sich bereits deutlich abzeichnet, an Fahrt gewinnen.

ARBEITSMARKT
2000 - Die Arbeitslosigkeit ist leider noch immer erschreckend hoch. Und Arbeitslosigkeit - das heißt ja nicht nur, dass das Geld nicht reicht, eigene Wünsche zu erfüllen. Arbeitslosigkeit heißt eben auch, dass Fähigkeiten ungenutzt bleiben, dass Menschen sich ausgeschlossen und überflüssig fühlen. Deshalb ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze auch im kommenden Jahr mein dringendstes politisches Anliegen.

2001 - Am meisten freuen mich die Fortschritte, die wir bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt haben. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Zahl der Arbeitslosen um mehr als eine Million zurückdrängen können. Allein im Jahr 2000 sind mehr als eine halbe Million neue Jobs entstanden. Das ist noch nicht genug. Wir werden auch im neuen Jahr verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die Arbeitslosigkeit weiter zurückzudrängen.

2002 - Morgen, am Neujahrstag, werden eine Reihe von Gesetzen in Kraft treten, die es den Menschen, die Arbeit suchen, einfacher machen, Arbeit zu bekommen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist: Niemand, der arbeiten will, soll aufgrund bürokratischer Hemmnisse daran gehindert werden. Und niemand, der arbeiten kann, soll in Schwarzarbeit flüchten.
Diese Gesetze werden, dessen bin ich sicher, der Anfang sein für eine neue Dynamik wirtschaftlicher Leistung in unserem Land.

2003 - Wir haben versucht, Arbeit und das Schaffen von Arbeitsplätzen attraktiver zu machen, um endlich aus der Phase der wirtschaftlichen Stagnation herauszukommen. Für manche von Ihnen, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, sind bestimmte Maßnahmen mit Einschränkungen oder Verzicht verbunden. Wir wissen das. Und ich versichere Ihnen: Wir bemühen uns, die Lasten heute gerecht zu verteilen, damit wir in Deutschland die Chancen auch morgen noch gerecht verteilen können.


SOZIALSYSTEME
2000 - Wir haben mit der Reform der sozialen Sicherung, vor allem bei der Rente, begonnen. Wenn wir weiterhin finanzielle Sicherheit für die Älteren und bezahlbare Beiträge für die Jüngeren haben wollen, dann geht dies nicht ohne ein Stück mehr Eigenverantwortung für die Alterssicherung. Aber auch nicht ohne praktische und praktizierte Solidarität.

2001 - Wer eine lange Zeit seines Lebens gearbeitet hat - und damit meine ich auch Kindererziehung oder Familienarbeit - der hat ein Recht auf einen angemessenen Lebensstandard im  Alter. Den Rentenbeitrag für die Jüngeren finanzierbar und die Rente für die Älteren sicher zu halten - das ist das entscheidende Ziel unserer Rentenreform.

2002 - Wir werden unseren Wohlstand, unsere soziale Sicherheit, unsere guten Schulen, Straßen und Krankenhäuser - um die uns so viele Völker beneiden - nur erhalten können, wenn wir uns auf unsere Kräfte besinnen und gemeinsam den Mut zu grundlegenden Veränderungen aufbringen. Auf dem Arbeitsmarkt und in der Rentenversicherung haben wir damit bereits begonnen. Mit diesen Maßnahmen machen wir unseren Sozialstaat auch gegen die Stürme der Globalisierung wetterfest. Wir werden dabei in jeder Hinsicht ein Mehr an Verantwortung brauchen: Mehr Eigenverantwortung jedes Einzelnen und mehr gemeinsame Verantwortung für die Chancen unserer Kinder - nicht zuletzt durch Stärkung der Familien.
Sozial heißt für mich: Jeder hat gleiche Chancen. Das heißt aber auch, jeder hat die Pflicht, seine Chancen zu nutzen. Wer Solidarität ausnutzt, gefährdet das soziale Miteinander.

2003 - Wir haben begonnen, die Systeme der Sozialversicherung darauf einzustellen, dass die Lebenserwartung zum Glück ständig steigt, die Zahl der Geburten aber stetig abgenommen hat.
Mehr Eigenverantwortung ist das Codewort auch fürs Gesundheitswesen. Wir können die Beiträge nicht weiter erhöhen, weil sonst die Arbeit in Deutschland zu teuer wird. Wir können den Jungen nicht riesige Lasten durch immer weiter wachsende Ausgaben in einer älter werdenden Gesellschaft aufbürden. Wir wollen aber, dass weiterhin allen Deutschen das medizinisch Notwendige zur Verfügung steht, und zwar unabhängig vom persönlichen Einkommen und vom Alter. Das schaffen wir nur, wenn jede Bürgerin, wenn jeder Bürger durch sein Verhalten beiträgt, die Kosten im Rahmen zu halten. Verschwendung, Ausbeutung und Betrug im Gesundheitssystem schaden uns allen! Bessere Vorsorge, vernünftiges und gesundheitsbewusstes Verhalten nützt uns allen.

BILDUNGPOLITIK
2000 - In der Gesellschaft von morgen zählt nichts so sehr wie Bildung und Ausbildung. Die Bundesregierung wird deshalb alles daran setzen, dass jeder Jugendliche, der es will, eine Ausbildung bekommt, die ihn für die Anforderungen der neuen Zeit qualifiziert. Die Gestaltung der Zukunft beginnt in der Gegenwart. Die Bundesregierung hat noch im alten Jahrhundert wichtige Weichen gestellt

2001 – nicht erwähnt

2002 – nicht erwähnt

2003 - Wie uns diverse Studien gezeigt haben, müssen wir auch unseren Ruf als Bildungsnation verteidigen. Der Bund ist zwar nicht zuständig für Schulpolitik, aber wir unterstützen die Länder darin, die Kinder besser auf die Welt von morgen vorzubereiten.


Mir ist außerdem aufgefallen, dass Naturereignisse und Katastrophen in den Reden des Kanzlers immer eine besondere Rolle spielen:
2001
- War es der Anschlag auf das World Trade Center in New York
2002 - Die Jahrhundertflut an Elbe und Donau
2003 - Das Erdbeben im Iran, das die Stadt Bam vollständig zerstörte

Welche Katastrophe darf es denn als Nächstes sein?

Na, Herr Schröder - wie wäre es denn mit dem Ergebnis der nächsten Bundestagswahl?

 

 

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