Machopan - Rauchzeichen

08.04.2004 um 05:45 Uhr

Mehrarbeit

Stimmung: grübelnd und anal-ysierend
Musik: Tote Hosen - Zehn kleine Jägermeister


Nachdem die Bundesländer die Arbeitszeitregelungen für ihre Bediensteten gekündigt haben, ist jetzt die Diskussion um längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich neu entbrannt.
Die Länder und die Arbeitgeber aus anderen Wirtschaftsbereichen wollen die Arbeitszeit auf bis zu 42 Wochenstunden anheben.

Mich wundert's, war doch die "Arbeitszeitverkürzung" bisher das richtige Mittel für mehr Arbeitsplätze. Also wenn uns das linksrum im Kreis fahren nix gebracht hat, probieren wir es jetzt halt mal mit rechtsrum fahren.
Ich habe daher versucht mich mit dem Problem auf rein mathematisch-ideologisch Basis zu beschäftigen und deshalb mal in alten und neuen  Rechenbüchern bei den Textaufgaben umgesehen und dabei folgendes gefunden:

Rechenaufgabe zur Aufnahmeprüfung in das Kombinat "Müde Pumpe":

Ein Betrieb hat 20 Werktätige. Jeder Genosse arbeitet 40 Stunden pro Woche und erhält dafür einen Bruttowochenlohn von 10 Mark.
Wegen der schlechten Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit sollen die Werktätigen je Woche zwei Stunden ohne Bezahlung länger arbeiten.

Frage: Wie viele neue Genossen können durch diese Maßnahme neu eingestellt werden?
A: Keiner?
B: Einer?
C: Rainer?
D: Einer geht noch!

Richtige Antwort: D
Begründung: Der kapitalistische Arbeitgeber könnte sogar einen Genossen entlassen, denn 19 Werktätige arbeiten im Rahmen der Planerfüllung bei 42 Stunden pro Woche mindestens soviel wie 20 Mitarbeiter mit 40 Stunden. Da sich das wirtschaftliche Umfeld durch die Mehrarbeit nicht verändert hat, könnte der kapitalistische Arbeitgeber einen Genossen entlassen und würde sich damit die Bruttolohnkosten in Höhe von 10 Mark pro Woche sparen, wenn die Partei das nicht verhindern würde.

 

Rechenaufgabe zur MBA-Certification:

Die Republik Bananistan hat 38,5 Millionen Arbeitnehmer, die an 5 Arbeitstagen pro Woche alle im Durchschnitt 38 Stunden pro Woche arbeiten und im Jahr durchschnittlich 24.500 Penunzen vor Steuern und Sozialabgaben verdienen.

Wegen der schlechten Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit sollen die Mitarbeiter je Woche zwei Stunden ohne Bezahlung länger arbeiten.

Frage: Wie viele neue Arbeitsplätze werden dadurch geschaffen?

A: Hire and Fire – auf deutsch: Eeene meene schmu und raus bist du.
B: Ich will zwar nur Junior Consultant werden, aber irgendwer wird schon was davon haben.
C: Das hängt von Business Case , Roadmap, Best Practice und Viral Marketing ab!
D: Ein paar Millionen? Mindestens!!! Stand im Handelsblatt! Oder war’s im Manager Magazin?

Richtige Antworten: D & B.
Begründung: Durch die Globalisierung der Märkte und dem exzessiven Raubbau an fossilen Rohstoffen verbunden mit der aktuellen politischen und finanziellen Lage der Nation, sowie dem generellen Absinken des Bildungsniveaus und der Hemmschwelle zum Rückbau der sozialen Marktwirtschaft und des sozialen Friedens, empfehlen die Weisen aus Wirtschaft und Politik zur Profitoptimierung eine Besinnung auf die Regelwerke der Groß- und Schwerindustrie mit langfristiger Sicherstellung der Vollbeschäftigung der arbeitsfähigen Bevölkerung durch den Bau von Autobahnen und Rollfeldern in Ost-West-Richtung zur Erschließung neuer, attraktiver Märkte und Ressourcen im Osten.

HTH





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07.04.2004 um 05:45 Uhr

Dreikönigstreffen

Stimmung: Außer Spesen nix gewesen
Musik: Udo "Bockelmann" Jürgens - Aber bitte mit Sahne


Es begab sich zur Wende des Jahres 2001/2002, dass drei Könige das historische Ereignis eines neuen Geldes begrüßen wollten, das den Menschen auf Europas Erde Reichtum und Wohlstand bringen sollte.

Also begaben sich "Kaspar der Wächter des goldenen Schatzes", "Melchior der Dresdner" und "Balthasar vom Stamme der Teuronen" mitsamt ihrem Gesinde und Hofstaat in die Hauptstadt des Landes um dieses symbolische Ereignis gebührend zu feiern und zu verkünden.
Wie die Schreiber und Historiker berichten hat es ihnen bei den mehrtägigen Feierlichkeiten trefflich gut gefallen und sie waren bester Laune, denn es war ein einzig Prassen und Schlemmen.

Und ob des vielen neuen Geldes, das in aller Taschen war und mit dem jetzt alles gut werden würde und weil man sich so wunderbar amüsiert hatte und so jung sicher nicht mehr zusammenkommen würde, hat der Melchior (*) beim Herbergswirt Adlon auch die Zeche für den König Kasper gleich mitbezahlt.
(*) Anmerkung des Chronisten: König Melchior wurde etwa ein Jahr später von einer "Allianz der Mächtigen" aus Amt und Würden gedrängt.

Ob der König Melchior auch die Zeche für den König Baltasar bezahlt hat?
Nein, für den nicht, denn der Baltasar hat einen eigenen Palast in der Hauptstadt der Teuronen.

Aber der Kasper war extra aus "Geldfurt am Main" in die Hauptstadt gekommen um dem neuen Geld seinen Segen zu geben und das kommende Jahr im Rahmen seiner gesamten Familie zu begrüßen.
Das ist ihm aber nicht gut bekommen, denn er vergaß am Ende des Festes seine Zeche selbst zu bezahlen und als die Untertanen das erfuhren, da murrten sie, begehrten auf und der Scharfrichter, der schon lange auf eine solche Gelegenheit gewartet hatte, begann sein Beil zu wetzen.

Goldkönig Kasper aber, ließ seine Herolde verkünden, dass er weiterhin im Amt bleiben wolle, denn er hätte nicht in Kaviar und Champagner gebadet und sehe daher auch keinen Grund sich zu entschuldigen. Um aber das Volk und die größten Schreier zu beruhigen werde er die privaten Nächtigungen und Verköstigungen seines Hofstaats aus der eigenen Schatulle begleichen.

Hier der Wortlaut seiner Verlautbarung:
"Anlässlich des historischen Ereignisses der Euro-Bargeldeinführung zum Jahreswechsel 2001/2002 habe ich verschiedene Einladungen erhalten. Ich habe die Einladung der Dresdner Bank AG für ihre Veranstaltung am Pariser Platz am Brandenburger Tor angenommen, weil mir dieser Ort auch angesichts der Symbolik für das Zusammenwachsen Europas als am besten geeignet erschien. Ich habe auf der Veranstaltung eine Ansprache gehalten sowie am 31. Dezember und am Neujahrstag an verschiedenen Medienauftritten teilgenommen. Die Dresdner Bank bot mir an, die Reservierung des Hotels einschließlich der dort anfallenden Kosten zu übernehmen.
Mein Aufenthalt hat in der Öffentlichkeit zu Kritik und Missverständnissen geführt. Die Bundesbank hat den Sachverhalt eingehend geprüft und ist angesichts der auch für die Bundesbank besonderen Bedeutung der Euro-Bargeldeinführung zu dem Ergebnis gekommen, dass der dienstliche Anteil der Veranstaltung im Umfang von zwei Tagen von der Bundesbank bezahlt wird. Die verbleibenden zwei Übernachtungen werden von mir persönlich übernommen. Die Überweisungen an die Dresdner Bank sind heute erfolgt."

Muss man wirklich nicht gelesen haben, denn heute berichten die Marktschreier, dass König Kasper der "Wächter des goldenen Schatzes" ein vorzeitiges Ende seiner Regentschaft nicht mehr vollständig ausschließen möchte.






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06.04.2004 um 14:46 Uhr

Versprecher des Tages

Stimmung: Blutgierig ENTEN jagend
Musik: Fahrn, fahrn auf der Autobahn

SWR 1 – Verkehrsnachrichten:
Fahren sie bitte vorsichtig, "es böst ein blähiger Wind"

06.04.2004 um 05:45 Uhr

Traumberuf

Stimmung: frei-luft-diri-gier-ent
Musik: Beethoven - Synphonie Nr. 9 in d-moll opus 125


Zwei Beiträge von Stern-TV haben mein besonderes Interesse gefunden.

Beitrag Nummer 1 spielt in Bonn in der Jetzt-Zeit.
Laut Tarifvertrag sind die Musikvollzugsbeamten des Bonner Beethoven-Orchesters zu wöchentlich acht Diensten à drei Stunden verpflichtet und haben wohl als einzige Berufsgruppe eine 24-Stunden Woche. Für 10 Monate im Jahr.
Jetzt klagen 16 Streicher beim Arbeitsgericht gegen ihren Arbeitgeber, da sie gegenüber ihren blasenden und schlagenden Kollegen benachteiligt werden, da in der klassischen Musik die Geiger häufiger zum Einsatz kommen als Bläser und Schlagzeuger.
Laut Bericht von Stern-Tv verdient ein Musiker je nach "Dienstalter" um die 65.000 € im Jahr.
Und da machen die Geiger jetzt dicke Backen und wollen mehr Geld, weil sie mehr Noten fideln müssen als ihre Kollegen zu blasen haben.

Mein Tipp des Tages: Einfach mal tauschen! Variabel und anpassungsfähig muss der moderne Mitarbeiter doch heute sein.
Nicht immer nur Geigen! Ab und zu mal Blasen ist auch ganz nett. Es soll ja auch welche geben die stehen dazu noch aufs Schlagen.

Beitrag Nummer 2 spielt im europäischen Palaverment.
Da zieht der Skandal um den gängigen Abrechnungs- und Spesenbetrug vieler Abgeordneter weiter seine Kreise. Auch 57 deutsche Politiker sollen unter den Abzockern sein.
Schwarze Kassen, Manipulation und dubiose Abrechnungspraktiken sind nach den Berichten in den Medien  im Selbstbedienungsparadies Brüssel an der Tagesordnung.
Äußerst interessant waren die Reaktionen und Ausflüchte der Befragten und Beschuldigten.
Die Namen und Gesichter muss man sich merken – die nächste Wahl kommt bald.

Für mich hat sich der  Fernsehabend mit Stern-TV auf jeden Fall rentiert, denn ich habe meinen Traumberuf gefunden:
Ich werde Sitzungsunterschriftenbekanntmachungstrommlerboy beim Europäischen Selbstbedienungsorchester.

Da ich selbst ja von Tuten und Blasen keine Ahnung habe, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn noch ein paar Gesinnungsgenossen von der blasenden Zunft mitgehen, denn dann könnten wir den EU-Jungs mal gebührend den Marsch blasen.

Und zusammen mit einigen Streichern könnten wir ihnen dann auch noch ordentlich heimgeigen!

 

 

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05.04.2004 um 17:54 Uhr

Öffentliche Kasse

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05.04.2004 um 05:45 Uhr

Schwarzarbeiter

Stimmung: bettreif und sabinichristianisiert
Musik: Roberto Blanco - Ein Mann wie Deutschland


In regelmäßigen Zeitabständen kommt das Staatsmärchen von den Millionen Schwarzarbeitern, die am Fiskus vorbei Milliarden scheffeln und den Sozialstaat gefährden, in die Gazetten.

Und alle schreiben den gleichen Schwachsinn ab, ohne die Zahlen einmal nachzurechnen, die ihnen das Bundesfinanzministerium da vorgaukelt. Nicht dass da bewusst die Unwahrheit behauptet wird, das wäre ja nicht so schlimm, denn Lügner gibt es in unsere Gesellschaft genug.
Mit und ohne Parteibuch!
Das Schlimme ist, dass dieser Schwachsinn Methode hat – man glaubt an die Zahlen. Und man glaubt an das System, weil es halt so einfach ist, Schuldige und Verursacher für die Staatsmisere zu haben.

Jetzt steht dieser Unsinn sogar im Spiegel.
"Mainstream-Journalismus" nennt man sowas auf neudeutsch. "Abschreiben" hieß es früher in der Schule.
«Der Schaden durch illegale Beschäftigung wird für das vergangene Jahr auf 370 Milliarden Euro
geschätzt wird und allein die hinterzogenen Steuern und Sozialabgaben summieren sich auf rund 185 Milliarden» steht im Spiegel.

Durch einfaches Kopfrechnen stellt man schnell fest, dass 185 Milliarden genau die Hälfte von 370 Milliarden sind. Das würde bedeuten, dass die schwarzen Einkommen mit 50% Steuern und Sozialabgaben belastet würden, wenn man sie legalisieren würde.
Dass diese Zahlen, von wem auch immer in die Welt gesetzt, hinten und vorne nicht stimmen, lässt sich ganz einfach nachrechnen:
Also, das deutsche Statistische Bundesamt gibt die Höhe der Brutto-Löhne und Brutto-Gehälter der deutschen Beschäftigten für das Jahr 2002 mit ca. 911 Milliarden Euro an, ein Betrag, der von 34,5 Millionen Arbeitnehmern verdient wird. Also verdient ein deutscher Arbeitsnehmer im Durchschnitt 26.400 Euro brutto im Jahr.
Wenn man unterstellt, dass Schwarzarbeiter von ihren Auftraggebern zu den gleichen Löhnen engagiert werden wie legale Arbeiter, dann bedeuteten die genannten 370 Milliarden "erwirtschafteter" Schwarzarbeitseinkünfte ein Heer von 14 Millionen Schwarzarbeitsameisen, die GANZTAGS ihrer illegalen Tätigkeit nachgehen.
Korrigiert man diese Werte auf tatsächliche, eher realistische Schwarzarbeiterstundenlöhne, die bei Handwerkern zwischen 8 und 12 Euro liegen dürften, bei Haushaltshilfen und Aushilfskellnern noch deutlich darunter, dann nähert man sich einer Zahl etwa von 25 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeitern, die erforderlich wären um jene ominösen 370 Milliarden zu erwirtschaften.

Und jetzt sagen wir alle zusammen einmal ganz laut::
"34,5 Millionen Menschen arbeiten legal und 25 Millionen Menschen arbeiten schwarz. In Ewigkeit - Amen."

Und daran glauben wir dann auch ganz fest.
Denn jetzt räumt die Staatsmacht auf!

Rund 2000 einstige Zollbeamte die nach dem Wegfall der innereuropäischen Grenzen nichts mehr zu tun haben, sowie gut 2100 Ex-Beschäftigte der Bundesagentur für Arbeit, die sich schon länger mit Schwarzarbeit befassen, sollen jetzt der illegalen Beschäftigung, die für immerhin gut 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts gut sein soll, Herr werden.

Sie werden durch 2000 "Überhangbeamte" der Telekom, Post und Bahn verstärkt.

Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei fordert für diese Quereinsteiger "ein riesiges Programm der Professionalisierung". Den kriminalistischen Anal-phabeten, von denen überhaupt nur jeder Vierte für den Vollzugsdienst tauglich ist, soll das Ermitteln gegen mit Firmengeflechten und Scheinrechnungen arbeitende Wirtschaftsverbrecher in Crash-Kursen beigebracht werden - die Ausbildungsdauer beträgt zwei Wochen.

Die dann 6100 Mann starke Schwarzarbeitsermittlungsgruppe wird – das Durchschnittseinkommen eines deutschen Arbeitnehmers zu Grund gelegt- jährliche Personalkosten in Höhe von 161 Millionen Euro verursachen, ohne Arbeitsgeberanteil versteht sich.
Schwarzarbeit schafft und sichert Arbeitsplätze!

Jeder Ermittler ist statistisch (im Durchschnitt) für 4100 Schwarzarbeiter zuständig.
Wenn also jeder Ermittler jeden Tag einen Schwarzarbeiter erwischt, können wir den letzten Schwarzarbeiter in etwa 20 Jahren mit abgezogenem Fell bei den "Körperwelten" bewundern.

Glauben wir einfach dran!





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04.04.2004 um 05:45 Uhr

Hogo hue

Stimmung: unbeschreiblich
Musik: Orkut Song


Was haben Limbo und Hochsprung miteinander gemein?
Richtig! Bei beiden Sportarten spielt eine Stange ein wesentliche Rolle.
In der einen Sportart muss man oben drüber und bei der anderen unten durch.
In der einen Sportart liegt der Weltrekord bei 245 cm und bei der anderen bei 16,5 cm

Jetzt haben unsere bundesdeutschen Lifestyle-Designer zwei neue innovative Sportarten kreiert: den Limbosprung und den Hochlimbo.

Beim Limbosprung muss man über eine Stange von mindestens 16,5 cm hüpfen und beim Hochlimbo unter einer Stange mit einer Höhe von mindestens 245 cm durchkriechen.

Der Schnappschuss eines Undercover-Paparazzi zeigt das bundesdeutsche Team bei einer den ersten Trainingseinheiten – dem medienwirksamen Kameragrinsen.

Experten rechnen damit, dass die bundesdeutsche Mannschaft sicher einen Platz in den Medaillienrängen erreichen wird.

Eine Anekdote aus diesen faszinierenden Sportarten muss an dieser Stelle auch noch erwähnt werden:
Bei den letzten Limbosprung-Meisterschaften in Japan lag die Latte schon in Weltrekordnähe und die Massen waren begeistert. Als der deutsche Champion nach seinem ersten gültigen Versuch gerade die Sprunggrube verlassen wollte, hörte er einen der japanischen Kampfrichter die Worte "Hogo hue" sagen.
Das waren die gleichen Worte, die er von einer netten Geisha am Vorabend auf seinem Hotelzimmer zwar vernommen, aber nicht verstanden hatte.
Auch den zweiten Sprung über die erhöhte Latte bestand der Champion mit Bravour und während das Publikum tobte und die Sensation roch, hörte er den Kampfrichter wieder sagen: "Hogo hue".
"Was heißt denn dieses Hogo hue", wollte er von dem Kampfrichter wissen.
Das heißt "die Latte ein Loch höher bitte".

In diesem Sinne rufe ich auch unserem bundesdeutschen Team  ein zackiges, dreifaches "Hogo hue" zu.

Enjoy it!





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03.04.2004 um 05:45 Uhr

Ein Euro

Stimmung: streikbereit - bssssiiiiiiiiiirske
Musik: dschänuäry - februäry- maaaartsch - eipril - may - dschun - dschulei


Zusammenzählen, Abziehen, Malnehmen und Teilen.
So nannte man einst die vier Grundrechenarten, die jetzt Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division heißen.

Und eine beliebte Rechenfrage war bei den Textaufgaben: "Wenn du beim Bäcker 3 Mark Schulden, beim Metzger 2 Mark Schulden und beim Schneider 5 Mark Schulden hast, wie viel Schulden hast du dann zusammen?" Früher war die richtige Antwort "10 Mark".

Mit der originellen Antwort "Das weiß ich nicht, dann ziehen wir meistens um" habe ich mir vor vielen Jahren meinen ersten Eintrag ins Klassenbuch eingehandelt.

Heute, seit der Einführung des Euro ist das nicht mehr so einfach. Ohne Taschenrechner kriegt das kaum noch jemand hin. Selbst die gescheitesten Leute scheitern an den Gesetzen der Mathematik.

Das glauben sie nicht! Ja aber das ist so. Also ich gebe ihnen jetzt mal ein Beispiel in Euro und aus der Praxis:
"Wenn die ALLIANZ der SPD, den Grünen, der FDP und der CDU je 60.000 Euro spendet, wie viel Euro hat dann jede Partei bekommen?"

Die richtige Antwort lautet: Die SPD hat 60.000 Euro bekommen, die Grünen haben auch 60.000 Euro bekommen. Aber die FDP hat – wie auch die CDU- seltsamerweise eine Spende über 50.000 Euro und eine Spende über 10.000 Euro bekommen.

Selbstverständlich könnte man das mathematische Ergebnis nach den Regeln der Mengenlehre auch in beliebigen Teilmengen darstellen, aber nach den Regeln des Parteienfinanzierungsgesetzes darf man das bei Spenden nicht. Da müssen Spenden über 50.000 Euro unverzüglich dem Bundestagspräsidenten Thierse gemeldet werden.

Die SPD und die Gründen haben das auch brav gleich gemacht, wie sich das gehört.
Aber die Schwarzen und die Gelben, die -wie wir wissen- mit Spendengeldern noch nie so richtig umgehen konnten, haben die Spenden verschwiegen und der Herr Thierse ist ihnen dann irgendwann auf die Schliche gekommen.

Gerechtfertigt haben Christdemokraten wie Liberale ihr Verhalten damit, dass es sich bei den Zuwendungen der ALLIANZ nicht um eine Einzelspende, sondern um je zwei Spenden (;-) gehandelt habe, die leider (die dumme, dumme ALLIANZ) nur in einer Summe überwiesen worden waren.

Die Frau Merkel -das ist die, die bei der nächsten Wahl Bundeskanzlerin werden möchte- meinte, das wäre eine spezielle Form des "Spendensplittungs"

Da kommt mir eine genial-innovative Idee!
Ich könnte doch durch die Auszahlung meines Monatgehalts in kleineren Einheiten der Steuerprogression ein Schnippchen schlagen und ordentlich Steuern sparen. Durch eine spezielle Form des "Gehaltssplittings".

Jetzt konnte ich aber bei "Spiegel Online" lesen, dass eine Überprüfung der Bundestagsverwaltung zu dem Ergebnis kam, "dass eine Spende nicht zu mehreren Spenden wird, wenn sie dem Begünstigten in Teilbeträgen zugeht."  Aha!

Allerdings wollen die Aufseher der Bundestagsverwaltung noch einmal Milde walten lassen: "Wegen der Kompliziertheit der Rechtslage", so ihr Verdikt sei Unions-Schatzmeister Wolfgang Peiner "ein vertretbarer Rechtsirrtum zuzubilligen". Oha!

Künftig allerdings wird die CDU auf solche Nachsicht nicht mehr rechnen können.
"Bei vergleichbaren Fällen", drohen die Beamten dezent aber deutlich, werde "ein solcher Rechtsirrtum jedoch nicht mehr unvertretbar unterlaufen können".  Häääää?

EIN VERTRETBARER RECHTSIRRTUM soll den Parteien beim Spendensplitting unterlaufen sein! Das muss ich doch gleich mal meinem Finanzamt erzählen, wenn ich mich in der Steuererklärung mal wieder zu meinen Gunsten verrechnet habe.
Steuerhinterziehung, Strafe, Geldbuße – ne, ne Leute, das war nur ein vertretbarer Rechtsirrtum.
Und das Knöllchen wegen Falschparken muss man auch nicht mehr bezahlen, handelt es sich doch bei der geahndeten Missetat sicher um einen dieser vertretbaren Rechtsirrtümer!

Zumindest die Allianz hat schon mal die Konsequenzen aus dem Fall gezogen.
Sie wird in Zukunft immer 50.001 Euro spenden, denn wegen dem einem Euro ist es dann eine meldepflichtige Großspende.

Da sieht man mal wieder, was man mit einem Euro alles anrichten kann.





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02.04.2004 um 05:45 Uhr

Hoppe Hoppe Reiter

Stimmung: verarscht war gestern
Musik: ver.di


Hoppe Hoppe Reiter, wenn er fällt dann .....

Ja in dem bekannten Kinderreim "schreit er" er dann, aber im realen Leben hält er lieber die Schnauze und hofft dass es niemand gesehen hat.

Jetzt sind im kleinen Bundesland Bremen Ross und Reiter auf dem Multimedia-Parcour am Insolvenzgraben gestürzt.
Was noch im September 2003 und während der CEBIT als strategische Kooperation mit den Partner Telekom und Microsoft hochgelobt wurde, hat nach einer Meldung der TAZ vom 31.März 2004 jetzt ein erstes Todesopfer gefordert.

So stand es jedenfalls am 31. März 2004 gegen 8:30 noch auf den Internetseiten bei www.bremen.de.

Ich habe mir die Seite, auf die ich eher durch Zufall geraten bin, mit "Cut & Paste" erst mal gesichert und wollte mir im Laufe der Woche den Vorgang dann näher ansehen, weil er so schön zur letzten letzten Jubelmeldung aus Bremen passte.

Und jetzt guck ich doch am nächsten Tag noch mal nach und schwupp - die Meldung ist weg.
Auch über Google ist nichts mehr zu finden – nur noch leichte Spuren und Fragmente im Cache.
Ein Schelm wer da Böses dabei denkt.

Und da in diesem unseren Lande (noch) Informationsfreiheit herrscht, und anscheinend irgend jemand ein gewisses Interesse daran hat, dass diese Meldung nicht die Runde macht, hier der Artikel, so wie er auf den Webseite von www.bremen.de kurzzeitig zu lesen war:

«Bremen und die Telekom: War da was?
Der einst gefeierte Kooperationsvertrag mit der Telekom ist tot: Der Senat beschließt heute, dass die Firma "BildungPlus", im Zuge des Vertrags gegründet, Konkurs anmelden muss. Weiter ungewiss ist die Zukunft von der T-Systems-Tochter "ID Bremen"
Bremen taz Im September des Jahres 2000 gab es im Bremer Rathaus ein Foto mit Star-Lächeln: Bremens Bürgermeister Henning Scherf und Telekom-Chef Ron Sommer unterschrieben feierlich einen Kooperationsvertrag. Eine der "Töchter" dieses Kooperationsvertrages ist die "BildungPlus"-GmbH. Heute schickt der Senat die Firma offiziell per Beschluss in die Insolvenz - seit nicht einmal zwei Jahren arbeitet die Firma, aber die Telekom will Rendite sehen und hat keine Geduld und damit auch kein Geld für lange Anlauf-Phasen.

Dabei hätte "BildungPlus" ein Musterbeispiel werden können für technologische Entwicklungen ,made in bremen'. "BildungPlus betreibt das eLearning-Netzwerk vhs-virtuell, gefördert im Rahmen der strategischen Kooperation zwischen der Freien Hansestadt Bremen und der Deutschen Telekom AG", heißt es auf der Internet-Seite www.bildungplus.de. Lernen mit Internet-Unterstützung - ein Zukunftsprogramm: "BildungPlus stellt Kompetenztransfer in den Mittelpunkt - mit einem ganzheitlichen Beratungs- und Schulungskonzept, das auf einer breiten Erfahrungsbasis beruht." Was wollten die Partner Bremen und Telekom eigentlich mehr?

Wenn ein Projekt scheitert, sind die Beteiligten üblicherweise äußerst sparsam mit Auskünften. "T-Systems räumt dem Projekt () keine Chance auf einen ökonomischen Erfolg in einer angemessenen Zeit ein", heißt es in dem Senatsbeschluss trocken. "Damit ist die Finanzierung der GmbH nicht mehr gesichert." Dies bedeute, dass die GmbH "Insolvenz anmelden muss." Fertig.

Der Insolvenz-Antrag ist schon eine Woche vor dem Senatsbeschluss beim Amtsgericht gestellt worden. Dabei hat die Bremer Volkshochschule groß mit dem Projekt "vhs-virtuell" geworben, in Nordrhein-Westfalen sind über das "Web-Kolleg" insgesamt 140 Volkshochschulen als Kunden gewonnen worden. Aber Volkshochschulen haben nicht viel Geld, mit dem sie zukunftsträchtige Entwicklungen vorantreiben können. Und der "BildungPlus" war es untersagt, ihre Dienstleistungen auch privaten Bildungsträgern zu verkaufen - T-Systems hatte die Internet-Plattform nur unter dieser Bedingung an BildungPlus verkauft.

Vor allem aber war Bremen sich beim Abschluss des Kooperationsvertrages mit der Telekom nicht darüber im Klaren, wie kurzfristig die Rendite-Erwartungen des privaten Partners sind, sagen Insider. Ihr Geld müssen sich die Mitarbeiter ab sofort beim Arbeitsamt abholen. Der Fall ist, so steht es in dem Senatsbeschluss, für "Öffentlichkeitsarbeit nicht geeignet".

Für die Öffentlichkeit wenig geeignet scheint auch das andere große Kooperationsprojekt der T-Systems in Bremen: Mit 49,9 Prozent der Anteile hat sich T-Systems in die unternehmerische Führung des alten Bremer Rechenzentrums ID Bremen eingekauft. Bundesweit wollte ID Bremen Software für Sozialverwaltungen verkaufen. Kiel und Frankfurt haben die Verträge im vergangenen Jahr wütend gekündigt, das Projekt ist eingestellt. Im Dezember musste der Bremer Senat 800.000 Euro ausbuchen, um ID Bremen vor dem unmittelbaren Konkurs zu retten. T-Systems sollte im Frühjahr 2004 mit ID Bremen ein "Fortführungskonzept" erarbeiten. Seitdem ist Schluss mit Öffentlichkeitsarbeit, und überhaupt ist es seit der feierlichen Vertragsunterzeichnung um die "Erfolgsgeschichte" der Vereinbarung mit der Telekom sehr ruhig geworden. "Klaus Wolschner»

Was mir noch dazu einfällt?
Dass die Bremer Stadtmusikanten nicht auf einem Pferd hocken, sondern auf einem Esel und bis auf diesen scheinen -wenn man der Illustration von Uli Stein glauben darf- alle Spaß an der Kopulation zu haben.

Und anders als im Märchen muss im realen Leben der Esel dafür zahlen.





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01.04.2004 um 05:45 Uhr

Aufräumarbeiten

Stimmung: Aprilfrisch
Musik: Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord


Bei den Aufräumarbeiten nach dem außerordentlichen Parteitag der SPD wurde unter Konfetti, Luftschlangen, zerrissenen Parteibücher und dem bei Großveranstaltungen üblichen Müll von alten Redemanuskripten, guten Vorsätzen und Notlügen auch die folgende "Schwarzmalerei" eines unbekannten Künstlers gefunden.

Was will uns wohl der Künstler damit sagen?

Leider ist der Name des Schiffes -auch mit der Lupe- nicht sehr deutlich erkennbar. Aber es scheint sich um ein größeres Passagierschiff mit vier rauchenden Schornsteinen zu handeln, das im Eismeer unterwegs ist.
Ebenso fehlen Hinweise auf die Identität des älteren Herren, der da offensichtlich gerührt von Bord geht und sich sogar mit einer Hand an der Bordwand des Schiffes abstützen muss.
Ob es sich bei dem Loch in der Bordwand um ein offenes Bullauge oder ein Einschussloch handelt wird wohl noch längere Zeit die Historiker beschäftigen.

Es muss ein wirklich außerordentlicher Parteitag der SPD gewesen sein, der es dem Künstler zeitlich erlaubt hat ein Kunstwerk in derartiger Detailtreue zu schaffen.





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