
Ist der Muttertag dieser eine Tag im Jahr, an dem die 364 anderen Tage voller Ignoranz und Gleichgültigkeit wieder wettgemacht werden sollen?
Dieser eine Tag, an dem sich die Familie um Mutter kümmert und sie um 6:22 Uhr vom Göttergatten flüsternd darüber informiert wird, dass er die Filtertüten von Aldi im Schrank nicht finden kann und dass es gleich Kaffee und aufgebackene Brötchen aus der Tiefkühltruhe geben wird – wie jedes Jahr.
Der Tag an dem Mutter, wie tausend andere Mütter auch, in ein überfülltes Restaurant ohne vorherige Tischreservierung geschleppt wird, damit sie nicht auch noch an diesem Tag die ganze Zeit in der Küche stehen muss.
Der Tag an dem die Gärtner Unsummen mit künstlich erzeugten Tulpen und Freesien verdienen.
Der Tag mit dem Parfümerien, Konditoreien und Kaufhäuser gute Umsätze machen.
Der Tag an dem man mit Mama zu Oma fährt um beiden das Gefühl zu geben, dass die Familie noch intakt ist.
Der Tag an dem jeder froh ist, wenn er bald wieder vorbei ist.
Aber wenn Heintje an diesem Tag sein "Mama" wieder tausendfach hinausjault, als hätte ihm jemand den Kindshoden gequetscht, da wird auf bundesdeutschen Sofas kein Auge trocken bleiben.
Denn die biologische Fähigkeit der Frau, die sie irgendwann -früher oder später, absichtlich oder unabsichtlich- zur Mutter macht, verändert ihr Leben.
Neue Wesen -genannt Kinder- dominieren fortan ihren Tages- und Nachtablauf. Und diese kleinen egomanischen Monster werden größer und größer und haben keine Ahnung davon wer ihre Mutter überhaupt ist.
Es interessiert sie auch nicht wirklich, denn Mama ist einfach Mama.
Mama war schon immer Mama, solange die Kids denken können.
Mama war schon immer erwachsen und war schon immer für alle da.
Mama stand schon immer am Herd, hat geputzt, gewaschen und jedem Familienmitglied den Dreck aufgeräumt.
Mama war schon immer dieses geschlechtslose Etwas ohne eigenes Profil.
Mama war schon immer die Frau von Papa.
Unvorstellbar, dass sie nicht durch unbefleckte Empfängnis zur Mutter wurde. Allein der Gedanke! Oh Gott, Mama und Männer! Wenn schon, dann höchstens Papa!
Und dann nur einmal schief angeguckt oder geküsst und peng – schwanger!
Heirat, Geburt und seitdem Windstille im Schlafzimmer!
Nun liebe Kinder, so hättet ihr es doch gerne?
Ihr wisst mit zwölf Jahren alles über Sex!
Mit vierzehn eine feste Beziehung – natürlich schlafen wir miteinander, wir lieben uns doch!
Liebeskummer, häufig wechselnde Beziehungen mit anders- oder gleichgeschlechtlichen Pubertierenden.
Zuhause bei meinen Alten? Tote Hose! Sex? Bei uns? Ach, vergiss es. Die Grufties haben doch keine Ahnung. Wenn ich mal alt bin, dann mach ich das alles anders! Ich will mein Leben genießen! Kinder? In unserer unsicheren Zeit? Ach, vergiss es!
Und dann? Irgendwann nicht aufgepasst, irgendwann leichtsinnig gewesen, irgendwann die Nachricht: Bingo – einer kam durch!
Ein neues Wesen -genannt Kind- dominiert fortan den Tages- und Nachtablauf. Und dieses kleine egomanischen Monster (DU) wird größer und größer und hat, wie alle anderen, keine Ahnung davon wer seine Mutter überhaupt ist.
Es interessiert sie auch nicht wirklich, denn Mama ist einfach Mama.
Mama war schon immer Mama, solange die Kids denken können.
Mama war schon immer erwachsen und war schon immer für alle da.
Mama stand schon immer am Herd, hat geputzt, gewaschen und jedem Familienmitglied den Dreck aufgeräumt.
Mama war schon immer dieses geschlechtslose Etwas ohne eigenes Profil.
Mama war schon immer die Frau von Papa.
Unvorstellbar, dass sie nicht durch unbefleckte Empfängnis zur Mutter wurde. Allein der Gedanke! Oh Gott, Mama und Männer! Wenn schon, dann höchstens Papa!
Und dann nur einmal schief angeguckt oder geküsst und peng – schwanger!
Heirat, Geburt und seitdem Windstille im Schlafzimmer!
Muttertag! Scheiße, schon wieder, war doch erst!
Was schenken? Keine Ahnung?
Ein selbstgemaltes Bild mit Strichmännchen oder Blumensträußchen, so wie früher?
Stützstrümpfe – wie letzte Jahr?
Parfüm von Douglas – Sonderangebot natürlich?
Blumen – arschig teuer und nach 2 Tage im Müll!
Faltencreme von Uschi Glas Runzel?
Ein knackiger Student zum Nacktputzen – bei Mama doch nicht!
Einkaufgutschein bei Kaufhof – was soll sie sich denn für 10 Euro kaufen?
Theaterkarten – ach Mama und Kultur, die hat doch sowieso nichts Passendes zum anziehen!
Wellness-Wochenende – puuhhh viel zu teuer!
Eine Flasche Wein von Aldi – da soll sie sich mit Papa mal einen schönen Abend machen, am Samstag bei "Wetten dass".
Mach doch mal was ganz anderes.
Setz dich einfach mal hin und schau dir deine Mutter genau an.
Und stell dir vor wie sie war, als sie so alt war wie du.
Träume ihre Träume.
Lass ihr Leben vor deinen Augen ablaufen, bis zu dem Zeitpunkt als du kamst und alles verändert hast.
Stell sie dir vor als Kind im Kindergarten und in der Schule. Wie sie malt, schreibt, singt, lacht, rumalbert und spielt.
Stell sie dir vor als junges Mädchen in ihrer Clique, kichernd und tuschelnd, neugierig, aufgeregt, verliebt bis über beide Ohren und enttäuscht vom ersten Liebeskummer.
Stell sie dir vor als junge Frau, mit all ihren Träumen und Sehnsüchten. Mit ihren Vorstellungen vom Leben auf eigenen Beinen, von beruflichem Erfolg, von Familie mit Kind und Mann. Anders als ihre Eltern will sie das alles machen. Intensiver, bewusster und freier.
Sie war einst wie du.
Bis du kamst!
Jetzt bist du sie.
Und du wirst sein, wie sie ist.
Auch wenn sie ins Altenheim abgeschoben, weggeschlossen und verwahrt wird und dort in Altersdemenz bis zum biologischen Ableben vor sich hindämmert.
Es ist der Weg, den auch du gehen wirst, mein Kind.
Es ist nur eine Frage der Zeit.
Das Leben hat kein Happy-End.
Carpe diem - nutze den Tag.

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