Machopan - Rauchzeichen

31.08.2004 um 05:45 Uhr

Kreidefresser


«Nun macht die SPD genau das, was sie dem Kanzlerkandidaten der Union, Edmund Stoiber, vorwirft: Sie frisst Kreide.
Die einmütige Zustimmung zum Hartz-Konzept ist so untypisch für diese Partei, dass sie das Misstrauen geradezu provoziert. Zumindest wäre jetzt eine kritische Bilanz der vergangenen vier Jahre fällig, in denen die Koalition an etlichen Stellen eine ganz andere Richtung verfolgte als jene, die der VW-Manager empfiehlt. Schröders nervöses Drängeln ist genau das Gegenteil seiner "Politik der ruhigen Hand", die offensichtlich ein Fehler war. Und manches von dem, was nun als großer Wurf angepriesen wird, stand Jahr für Jahr in den Gutachten des wirtschaftspolitischen Sachverständigenrates, ohne dass es der Kanzler je in Erwägung zog. 
Wenn die Kehrtwende ehrlich und überzeugend sein soll, müsste sie begründet werden. Davor scheut die SPD zurück. Im Moment gewinnt man eher den Eindruck, der Kanzler verhalte sich in der Arbeitsmarktpolitik wie ein postmoderner Konsument. Ist die eine Marke "out", greift man zu einer anderen, "cooleren". Die Nagelprobe des Hartz-Konzeptes findet erst nach dem 22. September statt, sofern die SPD dann noch regiert. Vor der Wahl kann ohnehin nichts Anstößiges mehr auf den Weg gebracht werden. Doch danach werden die Reformen bald in sozialdemokratisches Nervengewebe vordringen, etwa bei der Bonus-Regelung für Arbeitgeber, mit der die paritätische Arbeitslosenfinanzierung aufgebrochen wird. Noch wird Peter Hartz als Retter gefeiert, sehr schnell kann es einsam um ihn werden. Erinnert sich jemand an Oskar Lafontaine?
»

Nun mein lieber Freund, jetzt habe ich Sie aber schön vereimert. Dieser Text stammt nicht von mir, sondern ist ein Kommentar aus der Osnabrücker Zeitung vom 19. August.
Gut, ich gebe zu, das ist schon ein paar Tage her. Aber man kann daran sehen wie schnell sich Deutschland unter der Politik von Rot-Grün verändert. Achten Sie doch mal auf die Jahreszahl des Artikels.
Obwohl es nun straff auf den "heißen" Herbst 2004 zugeht, säuselt und summt es wieder in der anscheinend wärmer werdenden Politlandschaft.
Auch wenn sich der Kanzler, trotz Gefahr für eigen Leib und Leben, bei der Ausübung einer solch staatstragenden Aufgabe wie dem Fassbieranstechen schwer verletzt hat, besteht keine Gefahr für das Land:

Ach, das mit dem Zahnversicherung – das machen wir später.
Und die Pflegeversicherung bauen wir auch nicht vor 2006 um.
Natürlich denken wir auch über Mindestlöhne nach.
Ja und ALG II gibt auch schon im Januar 2005.
Bürgerversicherung? Ach, die Bürgerversicherung haben wir erst mal auf Eis gelegt.
Toll Collect funktioniert auch bestens und wird ab Januar 2005 die Milliarden in die Staatskasse spülen, auch wenn noch einige notorische Pessimisten behaupten, dass durch die Maut die Endverbraucherpreise richtig schön steigen werden. Handlungsbedarf gibt es hier nicht, führen doch höhere Verbraucherpreise auch zu höheren Einnahmen bei der Mehrwertsteuer.
Ja zugegeben, mit den von der PDS irregeleiteten Demonstranten im Osten wird man noch reden müssen. Die müssen eben verstehen lernen, dass der Erich in Berlin jetzt Gerhard heißt und PDS und SPD zwar die gleichen Buchstaben verwenden, aber das halt doch zwei verschiedene Paar Schuhe sind.
Der Münte wird sich um die Demonstranten kümmern und ein paar schöne Reden halten, bevor der Oskar das tut.

Also alles wie im Herbst 2002.

Ja fast, aber eben nur fast. Oder?





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30.08.2004 um 05:45 Uhr

1-Euro-Jobs

Über neue Berufe und Beschäftigungsmöglichkeiten haben sich schon viele das Hirn zermartert.
Auch ich habe mich schon vor einiger Zeit damit beschäftigt.


Doch was ich jetzt aus den Medien (Berliner Zeitung) erfahre, übersteigt selbst meine ironisch gemeinten Berufsbilder.

Aber lesen Sie doch selbst:
«Zurzeit laufen Gespräche zwischen Arbeitsagenturen, Bezirken, Wohlfahrtsverbänden, Beschäftigungsträgern und Wohnungsgesellschaften, um Einsatzmöglichkeiten für die Empfänger des Arbeitslosengeldes 2 zu planen. Es wird unter anderem daran gedacht, arbeitslose Banker bei der Schuldenberatung eines Wohlfahrtsverbandes einzusetzen. Die Grünen schlagen vor, 12 000 Erwerbslose aus der Nahrungsmittelbranche in Kitas und Schulen bei der Essensversorgung einzusetzen. 30 000 Menschen aus der Baubranche könnten, so die Grünen, den "Masterplan Fahrrad" entwickeln. Weitere Idee: 2 500 Lehrer könnten als Dolmetscher für Ausländer arbeiten und 15 000 Menschen könnten in sozial schwachen Bezirken Quartiersmanager werden

Also den Beruf des Blockwarts gab es schon unter Adolf dem Bärtigen. Dazu musste man nur das richtige hakengekreuzelte braune Parteibuch haben und die Bereitschaft als inoffizieller Mitarbeiter der Partei seine Mitbewohner zu bespitzeln und zu verpfeifen. Auch die Franzosen kennen diesen Beruf schon lange. Die Concierge hatte meist eine kleine Wohnung im Eingangsbereich eines Mietshauses und die Ereignisse und das Kommen und Gehen im Haus bestens im Griff.

Die Verwendung der arbeitslosen Banker in der Schuldenberatung ist mir neu und würde, so sehe ich es, den Bock eigentlich zum Gärtner machen. Zuerst bieten die Mitarbeiter der Bank dem (minderjährigen) Kunden ein Girokonto mit großzügigem Dispokredit und Kreditkarte an. Dann benützt der Kunde die vom Bankhaus angebotenen Möglichkeiten und verliert dabei den Überblick und dann auch noch den Job, was die Bank dazu veranlasst ihm die Freundschaft und die Kredite zu kündigen. Bei sinkenden kreditwürdigen Kundenzahlen kann dies natürlich nicht ohne Auswirkungen auf den Personalbestand der Bank bleiben, also Personalabbau bei der Bank. Und jetzt sollen die Banker, die den Kunden durch großzügige Kreditangebote angelockt und dann das Cash-Management weitgehendst dummen Automaten überlassen haben, dem in der Schuldenfalle sitzenden Kunden helfen aus dieser Situation wieder herauszukommen? Seltsames System!

Die Idee mit den Ernährungsberatern für Kindertagesstätten und Schulen ist auch nicht schlecht. Ich stell mir das so vor wie die Avon-Berater mit ihren Musterköfferchen oder die Veranstalter von Tupper-Partys. Nur dass diese Berater jetzt von Hipp oder Alete kommen. Oder hab ich das wieder falsch verstanden und die 1-Euro-Spezialisten aus Nahrungsmittelbranche sollen nur das Geschirr spülen und Essen ausgeben. Aber dafür sind die doch bestimmt überqualifiziert.

Gesucht werden auch 30.000 Radfahrer aus der Baubranche für den "Masterplan Fahrrad". Ich habe mir erst im Internet die Infos dazu ergooglen müssen. Also "Masterplan Fahrrad" ist ne olle Kamelle der Grünen aus dem Jahr 2001, unterstützt von dem Grünen-Abgeordneten Winfried Hermann und seinem Parteihäkelkollegen Rezzo Schlauch. Also jetzt soll das Projekt endlich umgesetzt werden, damit auch auf Deutschlands Radwegen die Möglichkeit besteht "Fahrrad-Bonusmeilen" zu sammeln und mit der "Fahrrad-Card" zum Einkaufen zu radeln.

Mindestens 2000 Stellen könnten auch geschaffen werden, wenn man sich endlich mit der Opposition darauf einigen könnte, dass Falschfahrer und Verkehrsrowdys auf den Autobahnen zum Abschuss freigeben werden. Dazu könnten die tollen Mautstellen als Hochsitz für die Scharfschützen Verwendung finden.

Und mit dem Verkauf von Eiern und Tomaten bei den Montagsdemos ließen sich sicher auch noch einige Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot bringen.

Wenn man dann noch die 600.000 1-Euro-Jobs vom Herrn Clement dazu nehmen, ist die Sache doch schon fast geritzt.





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29.08.2004 um 05:45 Uhr

Und jetzt?


Der Abschlusssbericht zum Desaster der Brandenburgischen Chipfabrik liegt vor und wurde im Landtag
abschließend diskutiert.

Fest steht jetzt, dass

  1. der Brandenburger Landesregierung bei der Planung "gravierende Fehler" unterlaufen sind.
  2. der ehemalige Ministerpräsident Manfred Stolpe auf das Prinzip "Hoffnung" gesetzt habe
  3. das 1,5 Milliarden-Euro-Projekt "erhebliche Geburtsfehler" aufgewiesen habe
  4. dem Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß "grobe Fehler" unterlaufen sind
  5. das Scheitern des Projektes auf einer "Vermischung von Wunschdenken und Lügen" beruhe
  6. etwa 100 Millionen Euro Steuergelder im Märkischen Sand verschwunden sind

Der Untersuchungsausschuss hatte im Januar 2004 mit seiner Arbeit begonnen. Seitdem trafen sich die Ausschussmitglieder zu 34 Sitzungen und vernahmen 32 Zeugen aus Politik und Wirtschaft.

Und jetzt?
Was passiert jetzt?
Die Landesregierung müsse aus den Vorgängen zur Chipfabrik lernen und künftig mehr Verantwortung wahrnehmen, forderte der CDU-Abgeordnete Thomas Lunacek. Darauf hätten die Bürger in Brandenburg einen Anspruch.

Soll das ein Witz sein?
Hatten die Bürger nicht auch schon vorher einen Anspruch auf Verantwortung von Staatsbediensteten und Politikern?
Ist das nicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass Mann und Frau Politiker Verantwortung bei ihrem Handeln und Tun übernehmen?
Ist das nicht eine grundlegende Voraussetzung zur Übernahme einer Leitungsfunktion?
Werden die Herren Stolpe und Fürniß sowie die anderen Wunschdenker und Lügner jetzt zur Rechenschaft gezogen?
Wurde Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung von Volksvermögen erstattet?
Wurden die personalrechtlichen Konsequenzen gezogen und die Herren aus ihren Ämtern und Würden entfernt?
Müssen die Wunschdenker und Lügner den durch ihre Untaten entstandenen Schaden ersetzen?
Wurde ihnen das aktive und/oder passive Wahlrecht entzogen?
Wurden sie geteert und gefedert oder an den Pranger gestellt?
Werden sie jetzt zur Steinigung oder zum Spießrutenlaufen freigegeben?

Nein, nein, nein!
Sowas macht man nicht (mehr) in einer zivilisierten Demokratie. Das wäre wider die "politische Kultur". Sofern man noch eine hat.

Aber dann sorgt man doch sicher dafür, dass diese Leute zukünftig keinen Schaden mehr anrichten können und hält sie von wichtigen Entscheidungen und Funktionen fern?

Auch nicht? Riiiiissiiiikoo! Wer macht denn so einen Scheiß?

Der Bundesgerd?
Wieso, was hat der mit Brandenburg zu tun?
Ach der Bundesgerd hat den Stolpe zum Minister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen ernannt?
Ob er dabei die fachliche Qualifikation und die bisherigen Leistungen des Herrn Stolpe entsprechend berücksichtigt hat?
Wer sagt, dass der Herr Stolpe beides nicht hat?
Ach Sie meinen wegen Toll Collect?
Also was hat denn ein innovatives, satellitengestütztes Mautsystem für LKW mit einer Fabrik für Microchips zu tun?
Wollen Sie jetzt etwa Äpfel mit Birnen verglichen?
Oder Tomaten mit Eiern?

Kann man mit dem Mautsystem von dem Herrn Stolpe, sofern es mal funktioniert, auch Fahrtrichtung und Zielort von Lastwagen mit Frischeiern erfassen?
Ja, dann weiß der Bundesgerd ja dann auch immer ganz genau wo er nicht hingehen darf, oder?
Ach jetzt versteh ich, was der Bundesgerd davon hat, dass der Manfred Stolpe Bundesminister ist.
Da sind auch die mit der Chipfabrik -nur mal so zum Üben- im Sand vergrabenen 100 Millionen Steuergelder sicher eine gute Investition in die Staatssicherheit.

Und wie geht’s jetzt weiter?
Was macht denn eigentlich der Herr Wolfgang Fürniß?
Was ist denn aus dem geworden?





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28.08.2004 um 05:45 Uhr

Der Mann mit der Axt


Da kommt ein kleiner Mann zum Arbeitsamt und will sich arbeitslos melden. Sagt der Sachbearbeiter: "Was üben sie denn für einen Beruf aus?" "Ich bin Holzfäller", sagt das Männchen stolz, das im Stehen kaum über den Schalterrand gucken kann. "So so, Sie sind Holzfäller", sagt der Sachbearbeiter und man merkt ihm seine Skepsis an. "Wo haben Sie den Holz gefällt?", will er dann wissen.
"In der Wüste Sahara", sagt das Männchen und stellt sich auf die Zehenspitzen.
"Sie wollen mich wohl vereimern", lacht der Sachbearbeiter, "in der Wüste Sahara gibt es doch gar keine Bäume".
"Ja", sagt das Männchen, " jetzt nicht mehr!"

Bis hierher ist es ein Witz über den man früher noch lachen konnte, als es so gut wie keine Arbeitslosen gab.
Nicht nur dass man heute diesen Witz anders erzählen würde, in Wirklichkeit wäre es doch auch undenkbar, dass jemand der zu den "größten" Holzhackern zählt, sich beim Arbeitsamt meldet um sein verwerfliches Tun fortzusetzen.
Natürlich nicht in der Sahara, da gibt es ja weder was zu hacken, noch was zu holen.
Das wäre doch unvorstellbar, dass jemand so etwas tun würde, oder? 
Aber es gibt einen kleinen Mann, der macht das, der hat da keine Skrupel.

Dem Politmagazin Cicero 
hat er jetzt gesagt was er tun würde und ein 10-Punkte-Programm zur Rettung Deutschlands vorgestellt.
Das liest sich auch ganz flott, denn der Mann kann reden und schreiben.
Der hat eine Schnauze wie eine Axt.
Dafür ist er bekannt und berüchtigt.
Das ist kein Dummer.
Trotzdem ist sein Ruf komischerweise nicht der beste.

Im Spiegel ist jetzt zu lesen warum das so ist.
Also ich glaube der kleine Mann hat eine Berufskrankheit. 
Irgendwann in seinem Berufsleben muss er sich wohl mit der Axt die Zunge gespalten haben.





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27.08.2004 um 05:45 Uhr

Politische Kultur


Ausgerechnet in der Frankfurter Rundschau muss ich lesen, dass Berlin sich jetzt Sorgen um die Gesundheit vom Bundesgerd macht. Mit Berlin ist natürlich nicht die Stadt Berlin oder gar deren Bürger gemeint. Nein, mit Berlin ist die Regierung in Berlin gemeint.

Berlin fürchtet sogar eine Eskalation im Osten. Nein, nicht in Osteuropa, da ist es weitgehend friedlich. Mit Osten ist der Osten der Bundesrepublik Deutschland gemeint. Der Osten, oder wie es auf Neudeutsch heißt  - die Neuen Bundesländer. Das ist der Teil  von Deutschland, der bisher hinter der Mauer auf der anderen Seite von Westdeutschland war. Seit der EU-Osterweiterung ist das jetzt mittenmang in Europa. Ja, und da mitten in Europa droht jetzt eine Eskalation der Gewalt, wenn man Berlin glauben darf.

In Zwickau soll der Herr Müntefering ausgebuht worden sein. Jetzt stellen Sie sich doch das mal vor! Ausgebuht und mit Trillerpfeifen und Zwischenrufen traktiert, ausgerechnet der Münte, wo der doch sonst keinen anderen zu Wort kommen lässt.

Berlin macht sich auch Sorgen wegen dem Eierwurf auf den Bundesgerd.
Nein, nicht wegen dem Ei. Auch nicht darüber, dass das Ei nicht den getroffen hat, den es eigentlich treffen sollte. Da werden die Demonstranten in den nächsten Wochen wohl noch kräftig üben müssen. Berlin macht sich auch keine Sorgen wegen der Lebensmittelverschwendung oder weil der Eierwerfer gegen die EU-Verordnung zur fachgerechten Verwendung von Produkten freilaufender Hühner verstoßen haben könnte. Berlin macht sich Sorgen –ich zitiere jetzt die Frankfurter Rundschau – Berlin macht sich Sorgen um die "politische Kultur".

Also als ich das gelesen hatte, musste ich mich erst mal hinsetzen und tief durchatmen. "Politische Kultur", sowas habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Oder haben Sie etwa gewusst, dass es so etwas noch gibt. Das muss schon verdammt lang her sein, als es noch "politische Kultur" gab.
Nicht nur Berlin macht sich jetzt Sorgen um die "politische Kultur", die Sorge sei sogar parteiübergreifend, schreibt die Frankfurter Rundschau. Also so parteiübergreifend kann das nicht gewesen sein, «denn Regierungssprecher Béla Anda sprach von "hasserfüllten Reaktionen" Einzelner. Es sei nicht hinnehmbar, dass diese Proteste politisch ausgenutzt würden, "etwa von der PDS". Die PDS profitiert offenbar immer stärker von der Anti-Hartz-Stimmung im Osten. Nach einer Forsa-Umfrage käme sie in Brandenburg auf einen Stimmenanteil von 36 Prozent und wäre damit Wahlsieger. Auch in Sachsen legt die PDS zu, dort würde sie mit 24 Prozent ihren zweiten Platz behaupten. In beiden Ländern wird am 19. September gewählt, sowohl SPD als auch CDU müssen mit Verlusten rechnen

Also wenn das die Reaktionen Einzelner waren, dann verstehe aber ich die ganze Aufregung in Berlin nicht. Und diese Einzelnen gehen dann auch so oft zum Wählen, bis die PDS 36 % der Wählerstimmen hat? Das wäre ja Wahlbetrug! Sollte man da nicht neutrale Wahlbeobachter von der UNO einfliegen lassen?

Auch der Bundesgerd zeigte sich nach den zum Teil massiven Protesten sichtlich irritiert und verärgert. Die protestierenden Teilnehmer bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung in Leipzig bezeichnete er «als offenbar von der PDS und den Rechtsradikalen aufgehetzte Schreihälse. Wer glaubt, einen Sozialdemokraten mundtot machen zu können, der kennt die Geschichte nicht. Wir haben uns dem immer widersetzt, und das wird auch in Zukunft so sein. Verlasst euch drauf.»

Also wenn er Recht hat, dann hat er Recht - der Bundesgerd. Das habe ja ich schon im Geschichtsunterricht gelernt, dass die Sozis sich den Mund nicht verbieten ließen. Wenn die auf die Straße gegangen sind, weil ihnen irgendwas an der Regierung in Berlin nicht gefallen hat, dann haben die das laut gesagt. Die haben sich sogar schlagen und einsperren lassen für ihre politische Überzeugung. Und jetzt fängt der Bundesgerd an zu jammern und sieht die politische Kultur gefährdet, nur weil mal ein Ei zu dicht an ihm vorbeigesegelt ist.

Wenn man dem Chef der Polizeigewerkschaft Konrad Freiberg glauben darf, dann wird sich der Bundesgerd wohl an derartige Ereignisse gewöhnen müssen. Freiberg warnte vor neuen Angriffen auf Politiker bei öffentlichen Auftritten. Die Proteste würden noch zunehmen, meinte er in der Frankfurter Rundschau.

Dann sollte ich mich vielleicht vorsorglich mit Frischeiern eindecken, bevor die Preise für die kleinen aerodynamischen Wurfgeschosse ansteigen. Obwohl, wenn Eier knapp werden, könnten die Demonstranten ja immer noch auf Tomaten ausweichen.

Die würden von der Farbe her auch viel besser zu den Genossen passen, oder nicht?





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26.08.2004 um 05:45 Uhr

Doppelschwanzmännchen


Wussten Sie, dass "Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh, oh God" aus dem Englischen stammt und in Deutsch übersetzt "Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh, oh Gott" heißt?
Diese Textstelle stammt aus einem amerikanischen Spielfilm und wurde in einem eigens geschaffenen Synchronstudio in der ostdeutschen Stadt Torgelow synchronisiert. Die Handlung des Films könnte ich jetzt schnell erklären – mach es aber nicht, falls Sie mal in den Genuss kommen sollten, den Film selbst zu sehen. Da wäre ja die ganze Spannung weg.

Der Film soll im Fernsehen gezeigt werden, in einem eigenem TV-Sender namens 6-Plus. Dieser Name verpflichtet und ist Programm.

Der TV-Sender wird ab November 2004 sein Programm aus Torgelow bundesweit verschlüsselt und verschüsselt ausstrahlen. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten hat laut einem Pressebericht bereits zugestimmt.
Das stand auf jeden Fall in der Bild am Sonntag und in der Netzeitung.

Der Bürgermeister Torgelows, Ralf Gottschalk, nannte das Konzept des Senders «nachhaltig, wachstumsorientiert und zukunftsträchtig».
Rund 100 Arbeitsplätze sollen durch den Fernsehsender entstehen. Sowohl vor der Kamera als auch hinter der Kamera sind also noch diverse Positionen und Stellungen frei.
Und Geld ist auch genug vorhanden, wie ich in der Netzeitung
lesen kann.

Rund 2,5 Millionen Euro sollen aus öffentlichen Mitteln für den Rammelopern-Sender 6-Plus zur Verfügung gestellt werden. Das sind, jetzt halten Sie sich mal fest, 25.000 Euro pro Arbeitsplatz. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin sieht in der Förderung jedoch kein Problem: «Wenn jemand 100 Arbeitsplätze schaffen will, kann er mit unserer Unterstützung rechnen», sagte Ministeriumssprecher Gerd Lange.

Ja den Mann nehm ich doch gleich mal beim Wort.
Ne Digitalkamera hab ich ja schon und ne gute Story über das "Doppelschwanzmännchen" auch.
Ein paar rammelfreudige Langzeitsarbeitlose bekomme ich für ein Euro die Stunde von der Bundesagentur geliefert.
Jede zumutbare Stellung – sagt HarzIV.
Egal welche Position – sagt HarzIV.
Und ich mit der Kamera mitten drin.
Castingtermine für leistungswillige Bewerber bis max. 40 Jahre demnächst in allen größeren deutschen Städten.
Alleinerziehende Väter und Mütter könnten die Kids auch zum Dreh mitbringen.
Die Synchronisation mit "Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh" lasse ich dann bei 6-Plus in Torgelow machen.
Vertrieb und Ausstrahlung erfolgt übers Internet.

Und pro Arbeitsplatz gibt es 25.000 Euro vom Wirtschaftsministerium in Schwerin.

€€€ Ficken für Deutschland €€€ 
Geile Geschäftsidee, denk ich mir,
und reibe mir die Hände,
da strömt das Blut doch gleich zur Lende
und wird im Schritt es feucht.
Nur im Kopfe deucht
es mich in Bälde
bohrt sich doch der Medienaal,
in den Vaginalkanal
und das von meinem Gelde.

Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh, wie wird mir da anal.





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25.08.2004 um 05:45 Uhr

Was ist "rechts"?


Beim Surfen im Internet findet man Allerlei. Dinge nach denen man gesucht hat und auch Dinge nach denen man nicht gesucht hat.

Ich habe, aus gegebenem Anlass, bei Google Bilder zu dem Thema "Gutmenschen" gesucht

Gleich das erste Foto zeigte eine Art Demonstrationszug in Berlin(?), der ein großes Plakat mit sich führte.

Was auf dem Plakat stand, war bedingt durch die Größe des angezeigten Bildes nicht erkennbar. Weil mich das aber interessiert hat, habe ich mir einen Doppelklick darauf nicht verkneifen können.

Gelandet bin ich auf einer Internetseite mit folgendem Text:

 

Fragen eines braven Bürgers zu dem vom Kanzler ausgerufenen Aufstand:

Was ist "rechts"?

  • Ist "rechts", sich in seinem angestammten Lebensraum so zu betragen, daß auch Kinder und Enkel dort ein gesundes Leben führen können?
  • Ist "rechts", in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde zuerst sich selbst anzustrengen, Toleranz zu üben und gegenseitiges Verstehen, Rat zu suchen in der Nähe, seinen Kindern zu helfen und sein Alter ihnen anzuvertrauen?
  • Ist "rechts", das Eigentum anderer zu achten und das eigene zu schützen?
  • Ist "rechts", Gastfreundschaft zu pflegen und Hilfe zu gewähren nach eigenem Vermögen?
  • Ist "rechts", seine Vergangenheit zu akzeptieren, seine Fehler zu erkennen und trotzdem die Kraft aufzubringen, die Zukunft zu bestehen?
  • Ist "rechts", deutsch zu sprechen und zu schreiben?

Jetzt muss ich ehrlich gestehen, dass ich spontan alle diese Fragen mit "Nein" beantwortet habe, sofern das "rechts" im Sinne von politisch "rechts" gemeint ist.

  • Ich spreche Deutsch und schreibe Deutsch, in einer Mixtur aus alter und neuer Rechtschreibung. Und das mehr recht als schlecht.
  • Dann akzeptiere ich die Vergangenheit und setzte meine Kraft zur Bewältigung der Zukunft ein. Als Nachkriegsgeborener fühle ich mich aber nur bedingt und vor allem nicht endlos für die Ereignisse der deutschen Vergangenheit verantwortlich.
  • Ich bin so erzogen worden, dass ich eine gesunde Achtung vor dem Eigentum anderer entwickelt habe, aber auch bereit bin mein Eigentum zu schützen. So wie es unser Recht und Ordnung vorschreibt.
  • Ich denke nicht, dass es "rechts" ist, sich in Familie, Schule, Gemeinde und am Arbeitsplatz anzustrengen und Leistung zu zeigen. Ich denke eher dass es richtig ist, dies zu tun. Auch anderen Menschen zu helfen, ihren Rat zu suchen und zu respektieren, Kinder großzuziehen, ihnen zu helfen anständige und selbstständige Menschen zu werden und ihnen das eigene Leben im Alter anzuvertrauen, halte ich für richtig. Ob es allerdings sinnvoll ist dies zu tun, das wage ich heute zu bezweifeln.
  • Auch die Erhaltung und Sicherung des angestammten Lebensraumes, manchmal auch je nach Gesinnung Heimatland oder Vaterland genannt, halte ich für rechtens. Soweit ich das im Biologieunterricht verstanden habe, handelt es sich dabei um einen Urinstinkt bei Mensch und Tier, der der Existenzsicherung sowohl der eigenen als auch zukünftiger Generationen dient.

Oben auf dem Bild demonstrieren die Menschen friedlich für "Menschlichkeit und Toleranz", so wie sie es jetzt für "Soziale Gerechtigkeit" tun.

Dass ich über Google und die Bildsuche nach den "Gutmenschen" auf der Website www.der-republikaner.de gelandet bin und dort diesen Text gefunden habe, kann ich ja noch nachvollziehen.

Aber warum dieser Text aus dem "Republikaner" Ausgabe Dezember 2000 "rechtsradikal" sein soll, darüber werde ich wohl noch eine Weile nachgrübeln müssen.





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24.08.2004 um 05:45 Uhr

Stammwähler


Früher hat man Rot, Schwarz oder Gelb gewählt, später kam noch Grün dazu. Entweder war man Sozi, Konservativer, Unternehmer oder Vegetarier.
Entweder war die Regierung Rot+ oder Schwarz+.

Irgendwann scheint das den Parteien nicht mehr genügt zu haben und sie fingen plötzlich an Politik gegen ihre Stammwähler zu betreiben und nannten das Fortschritt, Flexibilität oder Globalisierung. Zuerst hat ihnen der Wähler das noch abgenommen, aber jetzt geht es an das Eingemachte.

Wir haben

  1. eine gigantische Staatsverschuldung
  2. offiziell mehr als 4 Millionen Arbeitslose
  3. sicher nochmals 4 Millionen, die in keiner manipulierten Statistik auftauchen
  4. eine Währungsumstellung mit einer Teuerungsrate > 40%
  5. permanente Steuererhöhungen und zusätzliche Steuern
  6. reale Einkommenseinbußen durch Gehaltskürzungen und Wegfall von Sonderzahlungen
  7. rapide steigende Sozialkosten mit gleichzeitiger Leistungskürzung
  8. zunehmende Armut, speziell bei Familien mit Kindern
  9. kein Vertrauen mehr in Politik, Wirtschaft und Sozialsysteme
  10. u.s.w
  11. e.t.c.
  12. p.p.

und last but not least: DIE SCHNAUZE VOLL.

(c) Copyright SCYTALE www.scytale.de

Für den desolaten Zustand unserer Republik sind, glaubt man den Parteien und dem Mainstream-Journalismus, nur einige wenige Bevölkerungsgruppen verantwortlich.
Das sind primär die Langzeitarbeitslosen, die Sozialhilfeempfänger und die Besserverdienenden.

Die politischen Parteien sind ihrer ursprünglichen Farbe und Gesinnung untreu geworden. Ein Konzept ist nicht erkennbar auch wenn es "Agenda 2010" oder "Masterplan" heißt.
Und jeden Tag wird mit vereinten Kräften eine neue Sau durchs Dorf getrieben.

Das wirkt sich nicht in der Zahl der Wechselwähler aus, sondern viel mehr noch in der Zahl der Nichtwähler.
Was soll denn ein Sozi oder ein Konservativer heute noch wählen?
Was soll denn ein Wähler in diesem politischen selbstzufriedenen Einheitssumpf noch wählen? Das ist doch wie die Wahl zwischen Mickey Mouse und Donald Duck.
Dann wählt er lieber gar nicht, als eine Partei, von der er weiß, dass sie seine Interessen sowieso nur bis zum Wahlabend vertritt.
Genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Momentan sind die Herren Politiker alle noch am Jammern.
Dass man sie nicht versteht, die Wähler wohl was falsch verstanden haben oder vielleicht auch gar nicht verstanden haben. Dass eben nicht mehr drin war, weil die böse Opposition wieder mal nur ihre Machtspielchen treiben wollte Dass man jetzt den Gürtel enger schnallen müsse, weil die Situation es eben erfordert. Und überhaupt müsse man ja auch alles global sehen und unter dem Gesichtspunkt des europäischen Gedankens und den Problemen in der dritten Welt und der Umweltzerstörung und so weiter und so fort und et cetera pe pe. In Ewigkeit amen.

Zwischen den Wahlen kümmert sich keiner von "denen da oben" um die Belange des "kleinen Mannes". Es ist leichter eine Grundgesetzänderung zum Einsatz von Truppen außerhalb der BRD zu beschließen, als den Bürgern innerhalb der BRD das Recht auf Volksabstimmungen einzuräumen oder sie über die EU-Verfassung abstimmen zu lassen. Und wie unendlich schwierig wird es dann erst sein, zu beschließen dass im Wahlrecht neben der 5%-Klausel zur Eliminierung von Kleinstparteien, noch eine 50%-Klausel für die Wahlbeteiligung festgeschrieben wird, damit auch die Nichtwähler von ihren demokratischen Recht des Nein-Sagens Gebrauch machen können.

Langer Rede – kurzer Sinn.
Wer Politik gegen seine Lobby betreibt, wird mit Gegenstimmen oder Stimmenthaltungen bestraft. Das ist leider des Wählers einziges Mittel um sich in die Politik einzumischen.
Deshalb versteh ich das ganze Geschrei und Wehklagen der Politiker nicht.
Das ist doch die logische Konsequenz dieser Art von Politik.

Und wenn die Wähler ihren Unmut mit dem Treiben der politisch Verantwortlichen durch physische Präsenz auf den Straßen zum Ausdruck bringen, dann heißt das ganz konkret "Wir haben die Schnauze voll".
Und da brauchen "die da oben" auch nicht immer zu befürchten, dass sich "die da unten" von politischen Rattenfängern instrumentalisieren lassen.
Denn was die "da unten wollen" ist ganz einfach eine andere Politik und andere Politiker.

Eine Politik die Arbeitsplätze sichert, Sozial- und Asylmissbrauch beseitigt, Steuern senkt und Arbeit, Familie und wirtschaftlichem Erfolg wieder zu ihrem ursprünglichen Stellenwert verhilft.
Und Politiker, die nicht in einem Atemzug mit Spesenbetrug, Steuerhinterziehung, uneidlicher Falschaussage, Schmiergeld, Bestechung, Subventionsbetrug und Verschwendung von Steuergelder genannt werden.





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23.08.2004 um 05:45 Uhr

Assistenzbedarf

Stimmung: Assistenzbedürftig

Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben. Tage an denen es einem einfach nicht gut geht. Obwohl man ansonsten ein guter Mensch und auch bei guter Gesundheit ist.

Aber dann kommt’s Schlag auf Schlag. Man(n) oder Frau schreitet mit den Resten des langsam erkaltenden Frühstückkaffees oder Frühstückstees zum Computer, der endlich über Nacht die längst überfällige Komplettvirenprüfung nebst nachfolgender Datensicherung hinter sich gebracht zu haben scheint. Wenn, ja wenn da nicht das kleine Fensterchen auf dem Bildschirm wäre, das auf die Eingabe des Benutzers wartet: "Viren Check um 2:33 Uhr MEZ beendet – Gefundene Viren 0. Weiter mit Datensicherung? OK ESC HILFE"

Was hat sich der Programmierer dabei eigentlich gedacht? Dass der Anwender vor dem Computer sitzen bleibt und wartet bis diese Meldung kommt, um dann auf OK oder HILFE zu klicken? Oder dass der Benutzer sich den Wecker stellt und nachts aufsteht um durch Mausklick den Computer mit der Datensicherung zu beauftragen?

Vermutlich hat sich der unbekannte Softwareentwickler so viel gedacht wie meine Lieblingsfeindin Margaret von der Financial Times Deutschland. Die hatte vor ein paar Tagen wieder so ein Ding in der Zeitung stehen. Manchmal habe ich die Margaret ja im Verdacht, dass sie ihre Schreibe nicht ganz ernst oder gar ironisch meint. Allerdings habe ich dann den Zugang zu ihrem Humor noch nicht gefunden.

Was das jetzt mit meinem Computerproblem zu tun hat?
Ja die Margaret macht sich in der FTD Gedanken über die 1-Euro-Jobs die Deutschland aus der Beschäftigungslethargie reißen sollen.

Und heute nacht um 2:33 MEZ hätte ich einen Euro dafür gegeben, wenn jemand für mich auf das OK-Knöpfchen meiner Datensicherung gedrückt hätte.
Aber diese Person hätte dazu vermutlich diverse Papiere und unentbehrliche Bescheinigungen benötigt:

  • Nachtarbeiterlaubnisschein der Gewerkschaft Informationsverarbeitender Berufe
  • Qualifikationsnachweis zur Betätigung eines Microsoft zertifizierten OK-Buttons
  • Datenschutzverpflichtungserklärung des Verbandes der Peripherieoperatoren Südhessens
  • Bescheinigung der letzten Virenschutzimpfung
  • Tastaturbedienungsbefähigungsnachweis
  • aktuelles Strahlenbelastungszertifikat 

Was bei weiblichen 1-Euro-OK-Knopf-Drückern noch alles an Formularen und Bescheinigungen vorgelegt werden muss, überlasse ich hiermit der Phantasie des Lesers.
Aber ich glaube dass mindestens eine Schwangerschaftsnegativerklärung benötigt wird, die aber nicht älter als drei Wochen sein darf.  Und außerdem noch eine schriftliche Erklärung, dass die 1-Euro-OK-Knopf-Drückerin das Merkblatt für arbeitgeberseitige sexistische Belästigung und Mobbing gelesen und auch verstanden hat.

Unter diesen Bedingungen stünde einer Arbeitsaufnahme nichts mehr im Wege. Außer, ja außer das Wirtschaftsministerium hat kein Geld mehr, denn die sollen ja 6,3 Milliarden Euro für diese 1-Euro-Jobs zur Verfügung stellen.

Ich hab mir mal ausgerechnet, dass man damit 7.191.781 Langzeitarbeitslose an 365 Tagen je 24 Stunden lang beschäftigen könnte. Würde man die Leute an 365 Tagen nur 8 Stunden arbeiten lassen, könnten dadurch 21.575.342 Arbeitslose beschäftigt werden. Und die beste Wirkung kann man –für das gleiche Geld- erzielen, wenn die Arbeitslosen an 220 Tagen je 8 Stunden arbeiten, denn dann reicht das Geld für 35.795.455 neue Jobs.

Ich frag mich jetzt nur, warum wir das denn nicht gleich so gemacht haben. Oder hab ich da was falsch verstanden?

Also ich will mich jetzt ja nicht loben. Aber über die neuen Berufe habe ich mir schon lange vor der Margaret von der Financial Times Deutschland Gedanken gemacht.
Und jetzt ist mir gerade noch eine neue Möglichkeit für 1-Euro-Jobs eingefallen:

Kolumnist bei der Financial Times Deutschland.

Die Idee, in den Krankenhäusern auf 1-Euro-Basis Leute zu beschäftigen, die die Kranken besuchen und ihnen, um sie aufzumuntern etwas vorlesen, ist nach einem repräsentativen Feldversuch an der Universitätsklinik in Frankfurt von den Krankenhausverwaltungen abgelehnt worden, denn es hatte sich gezeigt, dass bei Frischoperierten, chronisch Kranken, Spätgebärenden und "Menschen mit Assistenzbedarf" das Vorlesen der Kolumne aus der FTD zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate geführt hat.





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22.08.2004 um 05:45 Uhr

Kaffeeauchtomat

Sind Sie für oder gegen die Rechtschreibreform?
Oder haben Sie dazu (noch) keine eigene Meinung?

Also ich war zuerst gegen die neue Rechtschreibung. Aus reiner Gewohnheit. An die Ungereimtheiten der alten Rechtschreibung hatte ich mich durch jahrelangen Gebrauch gewöhnt und außerdem sehen einige Wörter in der neuen Schreibe einfach – ich sag das jetzt einfach mal so -, schlicht scheiße aus. Delfin statt Delphin, Fantasie statt Phantasie und was ich persönlich am schlimmsten finde –Krem statt Creme.

Doch jetzt habe ich mich "fast" an die neuen Regelwerke gewöhnt. Manchmal kommt zwar noch das "Gefühl" der alten Schreibweise hoch, oder die Finger hacken ein anderes Wort in die Tastatur als der Kopf sich ausgedacht hat. Dann verlasse ich mich meist auf die rote Ameisenstraße, die mir die Supertextverarbeitungssoftware von der Firma Kleinweich unter das fhelerhafte(?) Wort malt.

Bis heute nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings an Stange – Stängel, Grauen – Gräuel. Bei mir ist der Stängel immer noch der Stengel und das Gräuel immer noch das Greuel.
Also da gebe ich ganz ehrlich zu, dass mir das immer noch schwer fällt.

Was ich jetzt aber dennoch nicht verstehe, ist die Diskussion um die Beibehaltung der neuen Schreibweise. Also bei aller Liebe zu gewohnten Dingen, so schlecht wie sie jetzt von vielen gemacht wird, so schlecht ist die neue Rechtschreibung nun wirklich nicht. Ein paar Ungereimtheiten hat die neue Schreibe halt noch. Nobody ist perfect, also was soll’s.
Die paar Macken hätte man auch noch glatt bügeln können und dann Ende der Diskussion und fertig.

Aber statt dessen haben sich nun zwei Lager gebildet. Die alten Rechtschreiber haben zum Boykott aufgerufen und wollen ihr Greuel wieder haben, was den neuen Rechtschreibern schlicht ein Gräuel ist.
Fest steht für mich eins: Es kann nur eine Rechtschreibung geben! Welche, das ist mir –ehrlich gesagt- scheißegal. Und ob es nun für jede kleine sprachliche Spitzfindigkeit ein wissenschaftlich untermauertes Regelwerk gibt, das ich als Nichtakademiker auch noch verstehen und anwenden kann, das ist mir auch "schnurzwurstegal".

Aber absolut nicht egal sind mir Texte, deren Verfasser sich weder an der alten Schreibweise noch an der neuen Schreibweise orientieren. Sei es aus Unkenntnis der alten Rechtschreibung, sei es aus Ablehnung der neuen Rechtsschreibung, aus Respektlosigkeit gegenüber der Sprache der Dichter und Denker, aus einem Übermaß an Kreativität oder auch nur wegen einer pädagogisch unbehandelten Schreibschwäche.

Ich bin ja nun wirklich kein sprachlicher Erbsenzähler und gönne mir schon gern mal die eine oder andere kreative "Wortschöpfung". Auch mit der Zeichensetzung habe ich so meine Probleme und Grammatik war mir schon in der Schule eine grauenhaftes Greuel. Aber die deutsche Sprache und ich ... also wie soll ich das jetzt sagen? Also sagen wir mal so .... wir haben uns arrangiert! Der Klügere gibt halt meist(!) nach, drückt mal ein Auge zu oder lässt mal Fünfe gerade sein.

Und mit Hilfe der Textverarbeitung der Firma Kleinweich bekommt man den Text auch so hin, dass es dem Leser nicht gleich die Pupillen verdreht. Sofern man herausgefunden hat, wie sich in dieser Software die Funktion für "Autovervollständigen" ausschalten und die Funktion eines "neudeutschen" Wörterbuches einschalten lässt.
Man kann von mir getrost sagen, dass ich sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen durchaus über eine, wenn auch manchmal schwankende, Fehlertoleranzbreite verfüge. Ich bin also wirklich und das können Sie mir glauben, der Letzte, der nach dem Durchlesen eines Textes seine Meinung dazu wie folgt äußert: "Also der Text ist an sich nicht schlecht. Aber im dritten Satz des letzten Absatzes auf der zweiten Seite fehlt ein Komma!"

Aber wenn ich Texte wie den folgenden lese, dann blähen sich mir die Nüstern, da werde ich fuchsig, das Augenlid beginnt nervös zu zucken, die Drüse tränt, die Pupille verweigert den Konsum der Sätze und funkt nur noch "ERROR – ERROR - ERROR" an das Gehirn, normalerweise ein weitgehend fehlertolerantes Körperteil, das aber aus reinem Selbsterhaltungstrieb innerhalb kurzer Zeit "Input Buffer Overflow", "Mayday, Mayday" und "System Shutdown in process" meldet.

Sie führ mit der Strassenbahn genau, 5 Stadtionen. Und stieg wieder aus. Sie tratt einige Schritte von der Strassenbahn weg und wartete bis diese weiter gefahren war. Dann überquerte sie die Strasse.
Sie ging drei Läden an der Seite
entlag. Bog zwei mal kurz um die Ecke. Und tratt dann in ein kleines Caffee, das bereits um 06:30 geöffnet hatte. Ganz langssam ging sie hinein und setzte sich sehr langs an einen der Tische.
"Guten Morgen Sarah, heute bist du aber schon früh unterwegs", begrüßte sie die Kellnerin. "Kleines oder großes Frühstück, Sarah"?
"Guten Morgen, ein großes Frühstück mit viel Kaffee, Gerlinde". Gerlinde lachte und ging zurück an die
Tecke. Von dort hörte man wie das Geschier und das Besteck klapperte und das Wasser sprudelte, der Kaffeeautomat zischte.
Ausserdem roch sowohl der frischaufgebrühte Kaffee, als auch das warme Brot und die warmen Brötchen sehr verführerisch.
Es verging keine 5 Minuten als Gerlinde mit einem vollbeladenen Tablett zurück kam. "Hier dein großes Frühstück" sagte die
Bediehnung. "Ausserdem, wie immer deine Butterbreze, die ist wie immer eingepackt. Las es dir schmecken." "Danke, Gerlinde"
Sarah frühstücke in aller Ruhe. Immer wieder hörte man Personen herein kommen, die sich schnell was kauften und wieder gingen. Mal war es eine Semmel, mal eine Breze, mal war es ein süßes Stücken und immer wieder einen Kaffee zum mitnehmen. So das auch immer wieder der Kaffeeauchtomat zischte.

An dieser Stelle entwand sich meinem Rachenraum zuerst ein röchelndes Stöhnen und danach ein stummer Schrei.
Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass mir das Wort "Kaffeeauchtomat" ganz gut gefällt.

Apropo Kaffee – das ist jetzt eine gute Idee. Das brauch ich jetzt. Einen Kaffee - schwarz brutal, oder blond und süß! Rentnerkaffee oder Marke "Sofortiger Herztod". Einen Kaffee Melange, einen Großen Braunen, einen Verlängerten, einen Einspänner, Kapuziner, Milchkaffee, Espresso oder einen Cappuchino – Kaputtschino – Capuchino –Cabutschino – bäääähhhh.

Dazu muss ich auch nicht mit der Straßenbahn fahren.
Nicht eine Station.
Und auch nicht langsam in ein Cafe gehen, mich an eine Theke setzen und warten bis die Bedienung kommt.
Nein, ich kann das alles selber machen, bei mir zu Hause – mit meinem Kaffeeauchtomat!





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21.08.2004 um 05:45 Uhr

Konstante Bewegung

Glauben Sie an Zufälle?
Glauben Sie an Vorhersagen?
Haben Sie schon mal etwas gelesen, haben den Kopf geschüttelt und bei sich gedacht: " Na ja, so schlimm wird es wohl nicht kommen. Das kann man doch so nicht machen."

Also mir ging es so und jetzt gerade ist es mir wieder eingefallen. Oder, wenn ich ehrlich bin, es ist mir sauer aufgestoßen. Und ich habe mir jetzt geschworen, dass ich den gleichen Fehler wie vor drei Jahren nicht noch einmal machen werde.

Vor drei Jahren habe ich diesen Artikel gelesen und mir gedacht, dass es so schlimm wohl nicht kommen wird. Denkste. Das war wohl ein Irrtum und der Irrsinn hat zwischenzeitlich einen Namen: HARTZ IV und ALG II.

Aber lesen Sie selbst und versetzen Sie sich zurück ins Jahr 2001.

Steter Tropfen höhlt den Stein
Die `Faulenzer-Debatte´ in der SPD Es gibt kein Recht auf Faulheit. Kari: isw-wirtschaftsinfo Nr. 32, S. 27

Das Spiel ist altbekannt und es überrascht einen doch immer wieder, wie erfolgreich es angewandt werden kann. Die Bundesregierung, diesmal federführend ihr sozialdemokratischer Teil steht wieder einmal vor einer "grundlegenden Reform". Immerhin, man muß es ihr lassen, sie hatte Reformen angekündigt, und das macht sie auch - auf ihre Weise.

DER SPIEGEL (Ausgabe 20/2001) hat sich nun an der Debatte beteiligt und interne Pläne aus dem Finanzministerium zu einem Artikel verarbeitet, der auf die angedachte "Novellierung der Sozialhilfesätze" abzielt. Dabei geht es zu wie bei der Echternacher Springprozession: eins vor, eins links, eins zurück (oder in Variationen), langsam aber doch stetig. Dabei steht das Ergebnis längst fest, auch wenn "SPD-Linke" oder gar die PDS noch etwas hinhaltenden Widerstand markieren werden.

Den Anfang machte der Bundeskanzler, der betonte, es gebe "kein Recht auf Faulheit". Ihm assistierten die Arbeitgeberfunktionäre Hundt , der "Umzugshilfen" für Arbeitslose im Osten anmahnte bzw. Gelderkürzungen bei denen, die dazu nicht bereit wären (pikanterweise zum gleichen Zeitpunkt, zu dem führende Ostpolitiker beklagten, daß zu viele "junge, hochqualifizierte" Leute aus Arbeitsplatzgründen in den Westen gingen und somit die neuen Bundesländer ausbluteten; als nächster kam Henkel, der in Talkshow bekundete "Ich verachte arme Leute". Das ist - durch seine Brille gesehen - verständlich: "arme Leute" wollen eben einfach nicht oder - schlimmer - sie können nicht. Dann sind es Versager, allenfalls noch ein Fall für die Caritas.

In einem solchen Chor darf CDU-Fraktionschef Friedrich Merz nicht fehlen.

Nun liegen, angeblich noch nicht spruchreife, Pläne aus den Ministerien, vor allem aus dem Finanz- und Arbeitsministerium vor. Sie beinhalten im wesentlichen dreierlei: zum einen die Beschränkung der Sozialhilfe auf diejenigen, die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden, das sind Alte , Kranke und Alleinerziehende. Zum zweiten die Einhaltung eines sogenannten "Lohnabstandsgebots", das vorsieht , Sozialhilfe immer in einem "angemessenen" Abstand zu den niedrigsten Löhnen im ersten Arbeitsmarkt zu halten, was konkret eine Absenkung der Sozialhilfe um mindestens (!) 10 Prozent bedeuten würde. Zum dritten läuft das Ganze auf eine offene Subventionierung der Niedriglohngruppen hinaus, denn selbst Experten gehen davon aus, daß die Niedriglöhne durch Lohnsubventionierungen auf "akzeptable Höhe" gebracht werden müssten.

Es wird zwar eingewandt, daß es immer noch besser sei, staatliche Gelder für Arbeit als für´s Nichtstun bereit zu stellen. Das ist aber fadenscheinig, da in diesem Fall nur die Kapitalseite subventioniert werden würde. Gut für Hundt oder Henkel, aber auch gut für die Betroffenen?

Tatsächlich liegt das Problem natürlich darin, daß in den unteren Lohngruppen nur nicht existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Es wäre eigentlich eine Aufgabe der Gewerkschaften, solche zu erkämpfen, aber die haben das weitgehend aufgeben und wohl auch nicht mehr die Kraft dazu. Das Argument: ist die Arbeit zu teuer geht das Kapital in´s Ausland, in Zeiten der Globalisierung besondern wirklich, ist ja nicht falsch - unter kapitalistischen Bedingungen. . Die zu ändern fällt aber niemandem ein.

Worauf soll man noch setzen? Auf die SPD-Linke oder die PDS? Auf die Arbeitslosenbewegung? Bei den ersteren ist wohl Hopfen und Malz verloren und die Arbeitslosen haben sich noch nicht dauerhaft und vor allem konstant bewegt. Genau da ist das Problem.
Autor: Charly Kneffel Quelle: © Philosophischer Salon Update: Berlin, Mo., 14.05.2001

Ja, das ist gerade mal 3 Jahre her und erst jetzt fangen die Arbeitslosen an sich langsam zu bewegen.
Machen wir daraus eine konstante Bewegung. Einmal die Woche.
Wie wär's mit Montag?





P.S. Sie finden den Orginalartikel im Internet - Google Bilder-Suche  mit Stichwort "Faulenzer".

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20.08.2004 um 05:45 Uhr

Oskar geht.....


Leipzig duck dich, möchte man fast sagen, wenn man den Spiegel vom 18. August 2004 liest.
Unter dem Aufmacher
«Oskar geht auf die Straße»
kann man da lesen, dass Oskar Lafontaine jetzt in "vorderster Front" gegen seine Partei, die SPD, kämpfen will.

Laut "Tagesspiegel" ist Lafontaine vom Organisationskomitee der Massenproteste eingeladen worden. Die Veranstalter der Demonstrationen selbst zeigten sich allerdings überrascht von den Plänen. Der Sprecher des Sozialforums Leipzig, Winfried Helbig, sagte: "Die Organisatoren der Leipziger Montagsdemonstrationen wissen davon nichts."

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, wenn sich weitere Kämpfer auf den Straßen einfinden um für soziale Gerechtigkeit und eine anständige Wirtschaftspolitik zu demonstrieren. Aber ob nun ausgerechnet Oskar Lafontaine dazu der richtige Mann ist. Also ich weiß nicht! Ich kann mir den Oskar nun wirklich nicht in der ersten Reihe eines Demonstrationszuges vorstellen. Womöglich noch unter einem Protestplakat "Schröder go home" oder so was.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie der Bundesgerd und der Oskar immer lieb zueinander waren? Wie "Zwillingsbrüder" seien sie, hat der Oskar damals der Presse gesagt und der Gerhard hat dazu gelacht. War dann aber nicht so weit her mit der Bruderschaft, als dann beide gemeinsam die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland lenken wollten und der Oskar dann hingeschmissen hat und wie die beleidigte Leberwurst bei Nacht und Nebel abgehauen ist, als hätte ihm der Bundesgerd einen unsittlichen Antrag gemacht.

Also für mich sieht jetzt das Engagement des Herrn Oskar Lafontaine für die Montagsdemos eher wie eine Mitfahrgelegenheit aus, um wieder den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Oder etwa nicht?

Und wieso eigentlich muss der Oskar gleich in vorderster Front mitlaufen?
Da sieht doch die Demo eher nach einem Reformstau aus.
Sie kennen doch den Unterschied zwischen einem Stau und einer Schlange?
Also - bei einer Schlange ist das Arschloch hinten.
Entschuldigung, wenn ich das jetzt mal so deutlich sagen musste.

Einen lichten Moment scheint dagegen der Super-Duper-Arbeits-Wirtschafts-Minister Clement gehabt zu haben, als er sein Gewissen erleichterte und dem Spiegel sagte: «Die eigentliche Katastrophe ist nicht der Anspruch auf eine soziale Grundsicherung, die für alle Arbeitssuchenden zur Verfügung steht, sondern die stetig steigende Langzeitarbeitslosigkeit."»
Wie wäre es denn dann Herr Minister Clement, wenn sie mal was gegen diese "stetig steigende Langzeitarbeitslosigkeit" unternehmen würden.
Oder fällt das nicht in ihren Zuständigkeitsbereich?

Einen weiteren Beweis ihrer fachlich-sozialen Kompetenz hat unsere Familienministerin Renate Schmidt (SPD) mal wieder von sich gegeben. Sie sagte den Aachener Nachrichten, «jetzt müsse die Reform erst einmal wirken, "bevor man beurteilen kann, was nicht funktioniert und verbessert werden muss

Nach diesem Prinzip habe ich auch mal versucht die Betriebskosten für mein Süßwasserfischaquarium zu senken und habe die Umwälzpumpe nur noch stundenweise in Betrieb genommen. Erst als die Fische plötzlich mit glasigen Augen an der Oberfläche trieben, wurde mir klar, dass "etwas nicht funktioniert und verbessert werden muss". Wenn die blöden Fische wenigstens mal was gesagt hätten, als ihnen der Sauerstoff ausging; aber die haben immer nur dumm das Maul auf und zu gemacht und nix mehr gefressen.

Schließen möchte ich aber heute mit einem Satz aus der Neujahrsrede von unserem Bundesgerd vom 31. Dezember 2003:
«Bereits ab Neujahr treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die wir im Rahmen der Agenda 2010 vereinbart haben. Mir war bei diesen Änderungen wichtig, dass ab morgen auch die Steuern für alle weiter gesenkt werden. So kann der wirtschaftliche Aufschwung, der sich bereits deutlich abzeichnet, an Fahrt gewinnen»

Da müssen aber die Demonstranten auf Deutschlands Straßen vorsichtig sein, dass sie von dem rasant durch Deutschland rollenden Aufschwung nicht umgefahren werden. Also immer schön bei jeder roten Ampel stehen bleiben und ordentlich in Reih und Glied marschieren, wie es sich für deutsche Demonstranten gehört.
Und immer auf der linken Fahrbahnseite bleiben – immer ENTGEGEN DER FAHRTRICHTUNG.

Da kann man auch den Aufschwung eher und besser sehen - wenn er kommt.





Pressestimmen zum Thema:
Berliner Zeitung
Der Spiegel
Die Tageszeitung
Frankfurter Rundschau
Financial Times Deutschland


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19.08.2004 um 05:45 Uhr

Eigentor


Da muss er sich wohl mal selbst an die Nase fassen, der Herr Mayer-Vorfelder, der doppelspitzige Nochpräsident des Deutschen Fußball-Bundes.
Er hat sich jetzt im Vorfeld der kommenden Fußballweltmeisterschaft auf deutschem Boden zur fußballerischen Lage der Nation, den Erfolgsaussichten der Nationalmannschaft und der Zukunft des Bundestrainer Klinsmann 
geäußert.

"Fußball und Olympia passen nicht zusammen." verkündete Mayer-Vorfelder (MV) in Griechenland, wo er derzeit als Beobachter (*LOL*) des Weltverbandes (Fifa) beim olympischen Turnier weilt und äußerte sich zur Lage des deutschen Fußballs laut RP-Online wie folgt:
«"Ich bin überzeugt, dass die Spieler im Hinblick auf die WM im eigenen Land von jetzt an ganz anders auftreten werden. Diesen Schlafwagen-Fußball wie in Portugal werden wir nicht mehr sehen", ergänzte "MV", der einen "neuen Schwung" mit Klinsmann festgestellt haben will und dem Weltmeister von 1990 genügend Qualität bescheinigt, die Mission WM 2006 erfolgreich zu bestreiten. "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 in Deutschland noch auf der Trainerbank sitzt.", sagte der 71-Jährige.»

In welcher Liga spielt der Mann eigentlich?
Ist das noch bei den Senioren, den Oldies oder schon bei den Grufties?
Also ich bin mir fast sicher, dass der Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 noch auf der Trainerbank sitzen wird.
Aber ob MV dann noch in der Präsidentenloge thronen muss?
Man müsste nur einen Grund dafür finden, aber mir fällt absolut keiner ein. Der Mann ist immerhin dann 73 Jahre alt! Da sind doch normale Arbeitnehmer schon seit zwei Jahrzehnten ohne bezahlte Erwerbstätigkeit und frühverrentet.

Es soll ja unbestätigte Informationen geben, dass MV ein lukratives Angebot von "Alzheimer 04" vorliegt.
Ja als Torhüter, denn es geht das Gerücht, dass er jeden Ball der im zugespielt wird festhält und behauptet das wäre seiner. Was MV einmal in die Finger bekommt, das gibt der nie mehr her. Der kann sich so was von festkrallen. Das ist zumindest aus seinem Umfeld zu hören.
Weil sonst hört und sieht man eigentlich nicht viel von ihm.
Und was er sonst so eigentlich treibt, da frage ich jetzt mal lieber nicht nach.

Aber eins würde mich doch noch interessieren.
Ist dieser Beobachterjob für die Fifa bei den Olympischen Spielen in Athen eine bezahlte nebenberufliche Tätigkeit oder einer dieser 1-Euro-Jobs vom Herrn Clement?
Also wenn ich das gewusst hätte, dass die Fifa Beobachter sucht, dann hätte ich mich da auch beworben.
Oder habe ich dazu noch nicht das richtige Alter?





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18.08.2004 um 05:45 Uhr

neues-gruenes-auto.de


Wissen Sie was eine Domain ist und zu was die Dinger eigentlich gut sind?
Also ich habe mich jetzt, angeregt durch einen Infobrief auf dessen Verteiler ich mich zu Beginn der Internethype mal eingetragen habe, mit diesen Domains näher beschäftigt.

Da wird ja ein Riesengedöns gemacht.
Das ist ein gigantischer nationaler und internationaler Verwaltungsapparat und ein Kompetenzgerangel ohnegleichen. Und kostet dazu noch einen Haufen Geld. Ein Gerichtsprozess jagt den anderen, ein Urteil ist widersprüchlicher als das andere. Die Domainverwalter, die Domainprovider und die Domainseller pushen natürlich das Geschäft mit der angeblich so raren Ware und die Rechtsanwälte wuseln dazwischen herum und machen für viel Geld dicke Backen.
Und alles nur, um festzulegen wem einen bestimmte Domain gehört, wer sie verwenden darf und wer sie technisch betreut. Sie müssen sich das ungefähr so vorstellen, dass für den Fall, dass Sie sich ein neues grünes Auto zulegen wollten, sie zuerst

  • prüfen müssen, ob ein solches Fahrzeug bereits existiert
  • dann dieses Fahrzeug beantragen müssen
  • angeben müssen wem das Auto gehört
  • und von wem das Auto gewartet wird

Denn vorher können sie das Kennzeichen "neues-gruenes-auto" nicht bekommen und das neue gruene Auto nicht benutzen.

Woher das kommt?
Ganz einfach davon, dass die Erfinder des Internet nicht ahnen konnten, dass es auf der Welt mehr als ein neues gruenes Auto geben könnte.    
Ehrlich, das ist wirklich so. Ich versuch jetzt nicht Sie zu verscheißern.

Statt anstelle von Domains einfach fortlaufende Zählnummern zu vergeben (was eigentlich wirtschaftlich sinnvoll und technisch simpel zu realisieren gewesen wäre) hat man sich für "sprechende Schlüssel" entschieden.
Dabei weiß doch jeder ERFAHRENE Informatiker, dass derartige Bezeichner früher oder später die Simplizität jeder strukturierten Datenhaltung zerstören und unweigerlich zu Problemen führen, die nicht mehr gelöst werden können.

Erst vor ein paar Jahren, als der Internetgemeinde das Wasser aus den geplatzten Domänen schon bis Unterkante Oberlippe stand, hat man sich darauf verständigen können, dass die Domains für neue gruene Autos einen nationalen Zusatz bekommen.

Deshalb heißen die Dinger jetzt in Deutschland neues-gruenes-auto.de und in Amerika neues-gruenes-auto.us. Im United Kingdom gibt es noch einen weiteren nationalen Zusatz, denn dort wird noch unterschieden ob es sich um ein privates oder um ein neues gruenes Geschäftsauto handelt: neues-gruenes-auto.co.uk

Eine der letzten "umwälzenden" Neuerung ist die Vergabe neuer Domain-Endungen wie .info .biz .eu usw.
Ein neues gruenes Auto, das für geschäftliche Zwecke verwendet wird würde jetzt die Domain neues-gruenes-auto.biz bekommen.
Fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach der passenden Domain für ein neues gruenes Geschäftsauto in Deutschland.
Und fragen Sie mich jetzt bitte auch nicht, was passiert wenn das neue gruene Auto umlackiert wird oder nicht mehr neu ist.
Oder gar von Deutschland nach Frankreich verkauft wird oder sein Besitzer umzieht.

Um den Markt ordentlich aufzumischen reicht es doch schon vollkommen aus, wenn endlich nationale Buchstaben und Zeichen in den Domainbezeichnungen verwendet werden können.
Dann schnappt Ihnen ein Konkurrent die Domain neues-grünes-auto.de vor der Nase weg, obwohl Ihr Rechtsanwalt meint, dass Sie als Inhaber der Domain neues-gruenes-auto.de durchaus die älteren Rechte hätten.

Um die Domain neues-gruenes-auto.eu werden sich mit Hilfe ihrer Rechtsverdreher sicher nicht nur die Besitzer von neues-gruenes-auto.de, neues-gruenes-auto.fr und neues-gruenes-auto.nl keilen.

Wenn Sie jetzt auf die Idee kommen sollten Ihrem neuen gruenen Auto die Domain neues-gruenes-auto.ag (ag wie Antigua) ) zu verschaffen, weil die dort niemand haben will (neue gruene Autos sind zur Zeit in Antigua total out) und es sich bei Ihrem Gefährt nachweislich um einen Geschäftswagen handelt, dann haben Sie die Rechnung ohne das Landgericht Mannheim gemacht. Denn die Richter dort sind der Meinung, dass es sich bei dem Besitzer einer Domain mit der Endung "ag" um eine juristische Person in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft handeln muss. In der Nutzung der Endung "ag" liege eine unzulässige Irreführung im Sinne des Wettbewerbsrechts vor, wenn der Besitzer des Fahrzeugs keine Aktiengesellschaft ist.

Also auch Hände weg von Domains mit der Endung "tv" (für Tuvalu) wenn Sie keinen Fernsehapparat haben.

Einen heißen Tipp hätte ich noch für Sie, wenn es mit der Wunschdomain für das neue-gruene-auto.de nicht klappen sollte. Die Domain neue-gruene-auto.aq (man beachte den kleinen Unterschied) ist noch frei. Allerdings müssten Sie da umziehen weil die nationalen Vergaberichtlinien für dieses Land festlegen, dass aq-Domains nur an Inländer vergeben werden dürfen. Wohin Sie umziehen müssen, können Sie hier erfahren.

Als allerletzte Rettung für Ihr Domainproblem wäre noch die Stilllegung ihres neuen-gruenen-autos und die, allerdings zweckgebundene Verwendung der Domain neues-gruenes-auto.museum.
Wie ich aus Insiderkreisen erfahren habe, sollten Sie sich aber beeilen, denn der Vorrat an .museum-Domains wird knapp.
Denn unter dieser Domainendung sollen jetzt die "sprechenden Schlüsselsysteme" der Internetgemeinde archiviert werden.

Echt, das hab ich gehört, ich will Sie jetzt wirklich nicht verscheißern.

Übrigens hat der liebe Gott (siehe Bild oben) seine Domain www.gott.de dann doch noch bekommen und jetzt weiß ich auch wo Gott wohnt. Gott wohnt in Peissenberg in Bayern, das behauptet zumindest die DENIC.





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17.08.2004 um 05:45 Uhr

Von Angeln, Fischen und Würmern


Haben Sie ein persönliches Feindbild?
So jemand wie die personifizierte andere Meinung?
Jemand mit dessen Gedankengängen Sie sich überhaupt nicht anfreunden können?
Jemand, dessen Äußerungen Sie schlichtweg nur für dummes Gebabbel halten?

Ich habe so jemand.
Ich kenne die Person zwar nur vom Namen her, habe auch nie mit ihr gesprochen, aber mir reicht schon was sie schreibt.
Zuerst habe ich gedacht sie schreibt ihre flachgeistigen Ergüsse irgendwo ab, hat mal was gelesen oder gehört und nur die Hälfte verstanden. Damit wäre sie ja kein Einzelfall. Sogar mildernde Umstände könnte man ihr dafür zugestehen, wenn sie ihre Plattitüden nicht mit solch missionarischem Eifer und einer geradezu kindlichen Blauäugigkeit unters Volks bringen würde.

In regelmäßigen Abständen, jede Woche, als Kolumnistin in der Financial Times Deutschland.

MARGARET HECKEL heißt die Dame, so sieht sie aus und hier ist der Link zum Ort ihres "Würgens", oh Entschuldigung ich meinte natürlich "Wirkens" in der lachsfarbenen Financial Times Deutschland.

Schon einmal hatte ich mich mit dem Geschreibsel von Frau Heckel auseinandergesetzt. Damals habe ich es aber noch für einen einmaligen Fehltritt oder Ausrutscher gehalten.
Erst danach wurde mir klar, dass ihr Irrsinn System hat. Muss man ja erst mal drauf kommen.

Eigentlich müsste ich ja eine Art Seelenverwandtschaft verspüren, habe ich doch auch immer was zu nörgeln und an Allem und Jedem was herumzumeckern. Und ich bin auch der Letzte, der etwas gegen eine klare und kräftig-deftige Ausdrucksweise hätte. Aber dieser oberlehrerhafte, gesundbeterische prophetische Ton der Frau Heckel und die teilweise völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen gehen mir schlicht weg auf die männlichen Weichteile.

Wie ich das meine?
Na, ich gebe Ihnen anhand der letzten Kolumne der Frau Heckel vom 9.8.2004 in der FTD mit dem Titel "Nerven behalten, Herr Schröder!" mal ein Beispiel.
Zur Agenda 2010, zu Hartz IV und ALG II schreibt Frau Heckel da:

Angeln statt Fische

«Am simpelsten ausgedrückt geht es darum, den Menschen Angeln statt Fische zu geben. Damit sie selber ihre Fische angeln können. Statt darauf warten zu müssen, dass der Staat ihnen je nach Haushaltslage mal einen Fisch, dann einen halben und dann irgendwann nur noch einen viertel Fisch vorbeibringen lässt
Das ist richtig, Frau Heckel!
Selber Angeln macht mehr Spaß als immer nur die Fischköpfe abzubekommen. Aber Angeln in einem trüben Gewässer, in dem kaum noch Fische sind, macht überhaupt keinen Spaß und macht auch keinen Sinn, wenn man von dem Fang leben soll. Kann man es den Betroffenen verdenken, wenn sie nach den ganzen Versprechungen und Lügen der Vergangenheit den Glauben an ein fischreiches Gewässer verloren haben?
Nicht "Angeln statt Fische" sondern "Angeln und Fische" muss es also richtigerweise heißen.

«Noch schlimmer als die finanzielle Illusion ist jedoch die, dass den Betroffenen mit diesen Bestechungszahlungen tatsächlich geholfen würde. Was wir eigentlich getan haben, ist, sie brutal und gnadenlos aus dem Arbeitsprozess auszugrenzen. Wir haben sie verdammt zu oft jahrelanger, manchmal auswegsloser Arbeitslosigkeit und zu den fast zwangsläufig darauf folgenden psychischen Schäden.»
Aber Hallo, lese ich da ein gewissen Verstehen der bei Arbeitslosigkeit fast zwangsläufigen Prozesse? Ja, wir haben sie zu Hunderttausenden aus dem Arbeitsprozess entfernt, manchmal brutal und von jetzt auf nachher, manchmal auch mit Geld zum Gehen animiert. Und dann wurden sie durch die sozialen Sicherungssysteme nach unten durchgereicht. Erst Arbeitslosengeld, dann Arbeitslosenhilfe und jetzt Arbeitslosengeld II auf Sozialhilfeniveau. Nicht mit der Agenda 2010 ist Rot-Grün bei der letzten Wahl angetreten, sondern mit dem Slogan "Arbeitslosigkeit halbe". Nachdem das nicht geklappt hat, macht man jetzt halt schnell ein "Arbeitslosengeld halbe" daraus.

«Deswegen ist es an der Zeit, über das Angeln zu reden. Und nicht mehr über die Größe der Fische.»
Aber natürlich wird jetzt über die Größe der Fische geredet! Jetzt erst recht! Und nicht nur das, jetzt kommt Butter bei die Fische!! Denn vom Angeln alleine wird man nicht satt. Und wir reden jetzt auch nicht mehr nur übers Angeln, sondern auch über das Harpunieren der großen Fische. Je größer das Maul – je länger die Harpune.

«Hier ist Hartz IV ein Anfang. Alle Jugendlichen bis 25 Jahre werden ein Angebot für eine Lehre oder ein Praktikum bekommen. Sozialhilfeempfänger werden besser betreut. Vor allem jedoch: Statt passiv Geldleistungen zu erhalten, wird von allen erwartet, sich aktiv um einen Job zu kümmern.»
Das ist ja echt der Hammer!!! Soviel geballten Unsinn habe ich nun wirklich schon lange nicht mehr gelesen! So einen Quatsch kann eigentlich nur ein Hirn hervorbringen dessen ständige Betriebstemperatur unter 32 Grad Fahrenheit liegt. Wieso sollen Jugendliche durch Harz IV eine Lehrstelle bekommen? Was sollte dann das ganze Theater mit der Ausbildungsabgabe?
Harz IV ist nichts anderes als eine verwaltungstechnische Zusammenlegung verschiedener staatlicher Sozialsysteme mit dem Ziel KOSTEN zu sparen und dabei das evtl. noch vorhandene Vermögen der Betroffenen anzuzapfen. Dies als Arbeitsmarktreform und Schaffung neuer Arbeitsplätze zu verkaufen ist schon eine gewaltige Frechheit, die auch der letzte Arbeitslose spätestens dann bemerken wird, wenn es keine Arbeitsplätze gibt. Die ganze Diskussion um Harz IV und ALG II würde nicht geführt, wenn VOR dem Inkrafttreten dieser Jahrhundertreform genügend Arbeitsplätze vorhanden wären.

«Viele werden davon nicht leben können und bekommen deshalb ergänzend Zahlungen aus dem Steuertopf. Dennoch werden sie zum ersten Mal seit langer Zeit mindestens teilweise von ihrer eigenen Arbeit leben können. Sie werden dadurch selbstbewusster werden, sie werden sich wieder etwas zutrauen. Verknüpft mit guten Weiterbildungsangeboten muss dann auch ein sozialer Aufstieg möglich und das Ziel sein.»
Mit "sie" meint Frau Heckel sicher nicht die Arbeitslosen, die keinen Job finden werden und wenn doch, dann durch ihrer eigenen Hände Arbeit nicht genug verdienen werden um davon leben zu können und mit Kind und Kegel gegen den sozialen Abstieg weiterhin auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Wie selbstbewusst das macht und wie viel Vertrauen in die eigene Zukunft dadurch entsteht, muss Frau Heckel vielleicht mal erst am eigenen Leib erfahren.

«Dieser Mentalitätswechsel ist alles entscheidend. Gelingt er uns, werden wir flexibler, risikobereiter, dynamischer. Wir haben mehr Zutrauen in unsere Fähigkeiten. Wir starren nicht mehr auf den Berg von über vier Millionen Arbeitslosen. Sondern beschäftigen uns lieber damit, dass fast sieben Millionen Menschen im Jahr gekündigt werden oder selbst kündigen und innerhalb kurzer Zeit wieder einen neuen Job finden.»
Tschakaaa! Tschakaaa! Tschakaaa! Aber wen meint die Frau Heckel mit "Wir"? Wer wird hier flexibler, risikobereiter und dynamischer? Und wenn sieben Millionen Menschen gekündigt wird, oder sie selbst kündigen und innerhalb kurzer Zeit einen neuen Job finden, wozu brauchen wir dann die Agenda 2010, Harz IV und ALG II. Doch nur für die anderen 4,5 Millionen Menschen, Faulenzer und Drückeberger, die zu dämlich sind einen neuen Job zu finden! Aber mit Tschakaaa alleine geht der Berg von vier Millionen Arbeitslosen nicht weg.

«Die Gelegenheit für diesen Mentalitätswechsel ist günstig wie nie. Denn die Wirtschaft hat einen Großteil ihres Reformweges bereits zurückgelegt. Die unter dem Globalisierungsdruck erzwungene Abkehr von der 35-Stunden-Woche beschert den Firmen, die sie nutzen, entscheidende Vorteile in der Konkurrenz mit Osteuropa. Damit ist klar, dass sich ab jetzt die Kostenschere wieder schließen wird: Tendenziell werden die Löhne und Lohnnebenkosten in Osteuropa schneller steigen als in Deutschland. Osteuropa wird an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Schon lässt der Trend zu Jobverlagerungen dorthin nach. Ein flexibles, hoch produktives Deutschland kann dann seine geografischen Vorteile in der Mitte Europas voll ausspielen - und wird so auch wieder neue Stellen schaffen.»
Erstaunlich! Wirklich erstaunlich! Es gehört schon eine gehörige Portion Lernresistenz und Scheuklappenmentalität dazu, selbst anderslautende Meldungen aus der FTD zu ignorieren. Das Pamphlet der Frau Heckel liest sich fast wie eine vom Regierungssprecher Bela Anda (der war früher auch mal bei einer Zeitung) vorgetragene Presseerklärung der Bundesregierung. Übt sich hier etwa früh, was mal ein Häkchen werden möchte? Also wenn es nach Frau Heckel geht, müssen wir nun nur noch der deutschen Wirtschaft, den Ländern in Osteuropa und der Kostenschere Bescheid sagen, dass Deutschland jetzt sein Trumpfass der geographischen Mitte in Europa ausspielen wird. Bis zur nächsten Osterweiterung!

«Dies alles gilt es den Deutschen zu erklären. Dafür lohnt es sich zu streiten. Dafür ist es notwendig, hart gegenüber den Reformkritikern zu bleiben. Das ist die Aufgabe des Bundeskanzlers. Schafft er es, könnte er sogar noch die Bundestagswahl 2006 gewinnen. Auf jeden Fall aber werden er und die Agenda 2010 dann in die Geschichte eingehen.»
Also der Bundesgerd wird mitsamt Agenda 2010 und seinen Genossen sicher in die Geschichte eingehen. Als der Kanzler, der an seinen Erfolgen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gemessen werden wollte und sich dann wegen Erfolglosigkeit doch lieber für strategisches Sackhüpfen und Reformenlimbo entschieden hat.

Ach und diesen Satz habe ich bei meinem Durchstöbern der Kolumnen in der FTD auch noch gefunden:
"Wir denken global, recherchieren gründlich, stellen Nachrichten in den Vordergrund. Unsere wichtigsten journalistischen Werte sind Präzision und Fairness. Wir haben Mut zur Meinung und ordnen Informationen in einen Kontext ein. Die FTD ist kompakt. Und sie ist lachsrosa."

Das ist das Leitmotiv der Zeitung, von der Frau Heckel das bekommt was sie verdient.
Hoffe ich jedenfalls.





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16.08.2004 um 05:45 Uhr

Wachstum oder Wachstuch


Na Gott sei Dank, jetzt sind sie da, die 2 % Wachstum, die unsere Wirtschaft wieder auf Trab bringen und neue Arbeitsplätze schaffen sollen.

Das glauben Sie nicht? Wieso? Sie wollen doch jetzt nicht etwa behaupten, dass Ihnen in den letzten Monaten schon so viel darüber erzählt worden ist, dass Ihnen jetzt langsam das Blut aus den Ohren tropft.

Also ich versichere Ihnen, dass das mit den 2 % wirklich stimmt.
Ich habe das in der Financial Times Deutschland 
vom 10. August in schwarzen Lettern auf verfalldatumgefährdetemlachsfarbigem Bildschirmhintergrund gelesen.
Da stand: «Die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 54.000 oder zwei Prozent auf 2,811 Millionen Menschen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dazu hat vor allem die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt beigetragen

Na sehen Sie – es geht doch.
Man muss nur an der Lage auf dem Arbeitsmarkt drehen, dann kann man sich in aller Ruhe und ohne Panikmache um die längst notwendigen Reform der staatlichen Sozialsysteme machen.

Der Aufmacher für diesen Artikel ist übrigens

Arbeitslosigkeit wird zur Armutsfalle

gefolgt von der Information, dass der Anteil der erwerbsfähigen Bezieher von Sozialhilfe im Vergleich zum Vorjahr um 14,3 Prozent auf 836.000 anstieg.

Und die Bundesministerin für soziale Sicherung Ulla Schmidt kommentiert diesen Sachverhalt: "Mit unseren Reformen im Sozialrecht wird ab dem nächsten Jahr Menschen gezielter geholfen. Erwerbsfähige Sozialhilfe-Bezieher bekommen mit dem Hartz-IV-Gesetz ab 2005 nicht nur mehr Geld, sie erhalten erstmals auch Zugang zu allen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten."

Ob sich damit aber die Situation für sie verbessert, ist fraglich. Denn was nützt es den Dürstenden wenn sie jetzt freien Zugang zur Sahelzone bekommen und erfahren warum sie durstig sind und kein Wasser bekommen.

Aber die Gewerkschaften sind angesichts dieser, vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichten Zahlen alarmiert. "Das macht sehr deutlich, wie dringend es erforderlich ist, die Menschen auch zu fördern", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christian Zahn.
Ich habe über diesen Satz sehr lange nachgedacht. Es ist mir aber weder gelungen einen sachlichen Zusammenhang zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes herzustellen, noch den Sinn des Satzes in sich zu erkennen.

Positiv an der Entwicklung erscheint mir auch die Tatsache «dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen, besonders die Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die Sozialhilfe bekommen stetig ansteigt. Mittlerweile sind es 1,08 Millionen und damit 6,2 Prozent mehr als 2002. Im Anteil stabil geblieben ist die Zahl allein erziehender Frauen, die Sozialhilfe bekommen: Jede vierte Frau, die alleine ein oder mehrere Kinder betreut, erhält in Deutschland Sozialhilfe.»

Diese Entwicklung lässt hoffen, scheint sich doch in dem von Experten befürchteten "Aussterbeszenario der Deutschen" eine Trendwende abzuzeichnen.

Also wo ist Ihr Problem?
Es wird alles besser werden!
Sie müssen nur fest daran glauben!
Die Parteien haben doch alle Maßnahmen zur erfolgreichen Umgestaltung der Nation getroffen!
Jetzt hören Sie endlich auf, immer nur rumzumeckern und ihren Gürtel enger zu schnallen.
Warten Sie doch einfach mal ab, bis das Blut nach der Operation der Nation getrocknet ist.
Denn erst dann wird sich zeigen, ob die Operation dem Patienten zu stattlichem Wachstum oder zu einem staatlichen Wachstuch verholfen hat.

Lieb Vaterland kannst du noch ruhig sein?
Lieb Vaterland, wofür soll ich dir danken?
Für die Parlamente, Versicherungspaläste oder Banken?
Dass uns Bürokratie, hohe Steuern und Gebühren quälen
doch Kindergärten und gute Schulen fehlen?
Konzerne dürfen maßlos sich entfalten,
im Abseits stehn die Schwachen und die Alten.
Für Kranke fehlen die Millionen,
die du vorher uns gestohlen.
Lieb Vaterland magst ruhig sein,
die Großen und die Reichen zäunen ihren Wohlstand ein
die Kleinen sehn nur deine leere Hand.
Lieb Vaterland?
Lieb Vaterland wofür sollen wir dich preisen?
Hier zählt ein Mensch zum alten Eisen
wenn er noch schaffen will, du stellst ihn einfach kalt,
doch für die Aufsichtsräte und Parlamente sind auch Greise nicht zu alt.
In immergleichen Reden geht’s dir wieder prächtig,
doch die kleinen Leute sind dir höchst verdächtig,
nur das alte Gestern wird mit Macht beschworen,
und mir - mir läuft das Blut schon aus den Ohren!

© Udo Jürgens; Adaption by www.Machopan.com






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15.08.2004 um 05:45 Uhr

Blogger Salon


Mögen Sie Western?
OK, OK, das ist nicht jedermanns Geschmack, aber man wird ja wohl mal fragen dürfen.
Doch gesehen haben Sie bestimmt schon mal einen, auch wenn es "nur" ein Italo-Western oder DDR-Western war.

Waren Sie schon mal in einem Salon? 
Also Sie waren bestimmt schon in einem Salon, auch wenn es nur ein Wasch-Salon, ein Friseur-Salon oder ein Auto-Salon war. Es muss ja nicht gleich so ein Salon sein, wie der von König Ludwig dem XIV.
Darf man Wikipedia glauben, dann hat sich in diesem Salon ein elitärer Zirkel von Künstlern getroffen, um den offiziellen höfischen Kunstgeschmack zu propagieren und ein bisschen Inzucht und Protektion zu betreiben und neue Ideen zu unterdrücken.

Was das jetzt mit meiner ersten Frage zu dem Western zu hat?
Na, in jedem guten Western kommt ein Saloon, die anglo-amerikanische Version des französischen Salon, vor.
Auch der Western-Saloon diente dem männlichen Lustgewinn durch kollektiven Alkoholgenuss, gruppendynamische Glück- und Kampfspiele und der seriellen Damenbesamung.
Die Baulichkeit eines solchen Saloons bestand (meist) aus einer überdimensionierten Fassade mit einem dahinterliegenden wesentlich kleineren Schuppen, aus roh behauenen Baumstämmen zusammengebastelt, so eine Art Blockhaus. Fenster hatte dieses Gebäude nur zur Straße, damit man aus dem Halbdunkel sehen konnte was draußen auf der "Main Street" los war und das eigene Pferd im Auge behalten konnte.

Die Zeit dieser Saloons und der Blockhäuser ist längst vorbei.
Sollte man eigentlich meinen. 
Wurde ihnen doch durch die "Neuen Medien" die lukrative Geschäftsgrundlage bei Glückspiel und Sex entzogen.
Black Jack, Cybersex und digitale Rammelopern holt sich der Konsument heute aus dem Internet. Und nur wegen Alkohol schwingt sich auch kein Mann mehr aufs Pferd. Zumindest keiner der verheiratet ist.

Umso erstaunter war ich, als ich jetzt im Internet einen Blogger Salon fand, der "Die Zeit" überdauert zu haben scheint.

Ich also sofort mit meinem Braunen und einem kräftigen "Hüha" vor den Salon, runter vom Pferd, kurz die Hose hochgezogen und den Staub der Multimedia-Wüste aus dem Klamotten geklopft, mit etwas Spucke die Haare angepappt und dann voller Vorfreude auf die kommenden Männerwonnen mit klingenden Sporen nix wie rein in die halbdunkle Verruchtheit des Blogger Salons.

Drinnen erst mal orientierungslos. Dämmriges Zwielicht. Staub schwebt durch die Luft. Stille – bis auf das Nachklappern der Pendeltür in meinem Rücken.
Keiner da?
Riecht leicht muffelig hier!
Irgendwo scheint etwas zu klappern. Klappern gehört ja zum Handwerk, aber es ist nur die Tür hinter mir.

An der Wand hängt in vergilbtem Braungrau ein altes Plakat aus besseren Zeiten

Siegerehrung Preisbloggen Sommer 2004 und Eröffnung des Blogger Salons

Darunter verstaubte Schaukästen, vermutlich mal an der Wand angebracht um Besucher und Gäste über Informatives und Wichtiges zu informieren.
Der Schaukasten für DESIGN ist leer.
Der Schaukasten für LITERATUR ist ebenso leer, wie die Schaukästen für REISEN und POLITIK.
Im Schaukasten WIRTSCHAFT hängt ein Zettel über "Blawgs", wer oder was zum Henker das auch immer gewesen sein mag.
Im Schaukasten WISSEN finde ich eine kurze Information über "Suchtechnik", wobei mir das in einem derart übersichtlichen Salon mit überschaubarem Vergnügungsangebot nun doch etwas sehr prahlerisch vorkommt.
Sinnigerweise hängt im Schaukasten für FEUILLETON ein vergilbter Artikel über den "Freitod", den hier vermutlich schon so mancher zockende, bockende und bloggende Looser begangen hat.
Erst im Schaukasten ERZÄHLEN werde ich an diesem, nun wirklich nicht sehr attraktiven, einladenden Ort und der stimulierenden Atmosphäre eines Mausoleums dann endlich fündig.
Unter dem Datum des 5. August des Jahres 2004 scheint eine Sekte namens Antville.org über ihre Aktivitäten in dieser "kleinen Stadt" und ihr "pan-o-rama", über "cloud scapes", "streetart", "interieur", "domino" und die "ausserlomographische Opposition" zu berichten.
Irgendeine furchtbare Katastrophe muss mit  der ZEIT über diese Stadt und den Blogger Salon gekommen sein. An den Wänden und am Fußboden ziehen nur noch Ameisen ihre Bahn und tragen Staub von hier nach da.

"Nix wie weg hier", denke ich mir, als mich das leise Rascheln eines Papiers zusammenzucken lässt und meine Aufmerksamkeit erregt.
Neben einem alten Steckbrief von mir, den vermutlich ein zwischenzeitlich an Erfolglosigkeit verstorbener Kopfgeldjäger oder Hüter des Gesetzes, dort angebracht hat, sehe ich ein Stück Papier flattern.
Eine letzte Nachricht, ein letztes Lebenszeichen eines mir unbekannten Individuums, mit letzter Kraft vor dem Freitod auf bräunliches Zeitungspapier gekritzelt:
Wir graben mit bloßen Händen in der großen stinkenden Müllhalde, die sich weltweites Netz nennt. Wir machen uns die Hände schmutzig. ... Wir würzen unsere Funde mit ein bisschen Selbstbespiegelung. Nicht weil wir es brauchen, sondern weil es sonst auch niemand braucht. Wir leisten uns den Luxus, nichtsnutzig zu sein.

"Wie wahr", denke ich mir, "wie wahr!"
Tief berührt von den letzten Worten eines Menschen, den Die Zeit eingeholt hat und dessen Gebeine sicher längst von den Ameisen skelettiert wurden, eile ich raschen Schrittes hinaus in das gleißende Sonnenlicht eines wunderschönen Tages, wo schon der Braune voller Tatendrang und freudig wiehernd auf mich wartet.

Vorbei an einem verwitterten Ortschild, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat, trägt mich der Braune dann über die "Mainstream-Street" von "Tombstone-Antville-City", das wir hiermit mitsamt seinem "Blogger Salon" gerne den Zombies überlassen.

Auf zu neuen Abenteuern.





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14.08.2004 um 05:45 Uhr

Brüderliche Gerechtigkeit

Gerechtigkeit ist eine Zier – doch weiter kommt man ohne ihr.
So ungefähr habe ich die mütterlichen Ermahnungen aus meiner Kinderzeit noch im Ohr.

Dass eine verhängte Strafe in direkter Beziehung zur Schwere der begangenen Tat stehen sollte, um einen erziehenden oder strafenden Effekt beim Täter zu bewirken, ist wohl jedem Menschen klar.
Und dass es für verschiedene Taten auch verschiedene Strafen geben muss, wohl auch.
Jetzt kommt –aus welchen Gründen auch immer, ein Schelm ist wer Böses dabei denkt- der Vorschlag auf, die Strafe von der Person des Täters abhängig zu machen.
Eine ähnliche Regelung gibt es bisher nur bei der Trennung von Jugend- und Erwachsenenstrafrecht.
Doch jetzt soll im Bereich des Erwachsenenstrafrecht ein täterabhängiges Strafmaß umgesetzt werden.

Im Straßenverkehrsrecht könnte das, zum Beispiel beim Straftatbestand "Überfahren einer roten Ampel" etwa so aussehen
Täterprofil:

  • 20 Jahre – 2 Monate Führerscheinentzug
  • 30 Jahre – 3 Monate Führerscheinentzug
  • 40 Jahre – 4 Monate Führerscheinentzug
  • 50 Jahre – 5 Monate Führerscheinentzug
  • 60 Jahre – 6 Monate Führerscheinentzug

Na, haben Sie das Prinzip verstanden?

Ich habe mich wirklich bemüht, den Sachverhalt möglichst frei von juristischen Finessen und Haarspaltereien darzustellen. Für Minderjährige und Senioren könnte man Sonderregelungen und die Verwertung von psychologischen Gutachten einbauen. Oder – in der verschärften Form- den Führerschein ganz einbehalten ;-)

Nächstes Beispiel, anhand des Straftatbestands "vermummte Bargeldabhebung bei Bankinstituten"
Täterprofil:

  • freundliches und höfliches Auftreten – 2 % der abgehobenen Geldmenge
  • bestimmtes, unfreundliches Auftreten – 4% der abgehobenen Geldmenge
  • rüdes, lautes (über 75 Dezibel) Auftreten – 6 % der abgehobenen Geldmenge
  • schreiendes, drohendes Auftreten – 8 % der abgehobenen Geldmenge
  • brutales Auftreten mit Körperkontakt – 10 % der abgehobene Geldmenge
  • usw. usw. usw. ...

Noch ein, auch für Mitbürger mit geringem IQ, verständliches Beispiel, ebenfalls aus dem Straßenverkehrsrecht "innerörtliche Geschwindigkeitsübertretung um mehr als 20 Km/h".
Täterprofil:

  • PKW deutscher Bauart bis 100 PS – 1 % der jährlichen KFZ-Steuer
  • PKW deutscher Bauart bis 200 PS – 5 % der jährlichen KFZ-Steuer
  • PKW deutscher Bauart bis 300 PS – 10 % der jährlichen KFZ-Steuer
  • PKW deutscher Bauart über 300 PS – 100 % der jährlichen KFZ-Steuer

für Fahrzeuge aus ausländischer Fertigung gelten die doppelten Gebührensätze.

Was?
Sie glauben so was wäre Quatsch?
Sie halten das ganze für eine Sch.....idee?
Wenn Sie meinen, das würde unser Rechtssystem auf den Kopf stellen, dann sollten Sie dabei auch dessen bereits bestehende erhebliche Schieflage berücksichtigen

Und doch gibt es in dieser unserer Republik unter unseren Schwester und Brüdern ein Brüderle der hält das für eine Superidee. Das hat er auf jeden Fall dem Spiegel erzählt.

Vielleicht könnte man ja auch die Strafen vom Parteibuch und/oder Wahlverhalten abhängig machen!

Dazu abschließend noch ein Beispiel aus dem Wahlrecht "Stimmzettelmarkierung bei Kommunal-, Bundes- und Europawahlen"
Täterprofil:

  • CDU-Wähler – 14 tägiges Training zum Bimbeskoffer tragen und Gedächtnisverlust üben
  • SPD-Wähler – lebenslängliche Gehaltsabtretung und bevorzugte Behandlung bei der Beantragung von ALG II
  • B90/Grüne-Wähler – 3-Monatiger Arbeitseinsatz als Biomüll-Sortierer und AKW-Abrissbirne
  • PDS-Wähler - Zwangsumsiedelung in das Naturreservat "Rote Pleite" und Teilnahme an einer jährlich stattfindenden Trabi-Tombola
  • REP-Wähler – Sorry, aber hier fällt mir jetzt überhaupt nichts Lustiges dazu ein
  • FDP-Wähler – Entzug des aktiven Wahlrechts, Einweisung in eine geschlossen Anstalt
  • Nicht-Wähler – Entzug der Deutschen Staatsbürgerschaft mit automatischer Ablehnung eines Asylantrags

Was ich wählen werde?
Das verrate ich doch nicht, sonst wäre doch der Ausgang der nächsten Wahl keine Überraschung mehr.
Aber eine Bemerkung kann ich mir doch nicht verkneifen:

Es könnte vielleicht nicht schaden, wenn jemand das Brüderle von der Spielstraße holt, bevor es dort von einem überschnellen Verkehrsrowdy(!) erwischt wird.
Auf Guido – mach dich mal auf die Socken. Auch die Mitglieder von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sollten sich um ihre Adoptivkinder kümmern. Oder habe ich mich da verlesen?





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13.08.2004 um 05:45 Uhr

Nationale Aufgabe


Fast wagt man als Deutscher ja nicht mehr von Nationalstolz zu reden, beim Absingen der Deutschen Nationalhymne stramm zu stehen und zumindest den Text der dritten Strophe fehlerfrei mitbrummeln zu können. Zu leicht könnte man als ewig Gestriger und politisch extrem rechts stehender Braunradikaler angesehen werden. Von da bis zum Ausländerfeind oder gar Antisemit ist es dann nicht mehr sehr weit.

Außer es geht um Fußball, der angeblich wichtigsten Nebensächlichkeit der Welt!

Da wurde jetzt der Gewinn der nächsten Weltmeisterschaft –zumal im eigenen Lande- zur nationalen Aufgabe erklärt und der neue Bundestrainer Klinsmann hat alle Deutschen aufgerufen, eine positive Stimmung und Begeisterung für das Jahrhundert-Ereignis im eigenen Land zu entwickeln.
«Die WM gehört letztendlich uns allen, den Fans, der Mannschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur. Alle kommen mit rein in dieses Boot», sagte Klinsmann, der für den Titelgewinn eine Prämie von einer Million Euro mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgehandelt haben soll.

Führende Bundesliga-Vertreter haben dem neuen Führungstrio der Nationalelf mit Klinsmann, Oliver Bierhoff im neuen Amt des Team-Managers sowie Co-Trainer Joachim Löw bei der Versammlung des Ligaverbandes in Berlin ihre Unterstützung zugesichert.
Auch "Kaiser" Franz Beckenbauer glaubt an das Trio: «Es kann funktionieren.» Er traut Klinsmann sogar den WM-Triumph zu.

«Entscheidend ist, dass die Bundesliga der Nationalmannschaft Spieler zuführt, die kicken können», sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Und genau da liegt das Problem.
Denn entweder können die Jungs nicht richtig kicken, oder sie haben keinen deutschen Pass!
Und den braucht man um in ein bundesdeutsches Fußballtrikot schlüpfen zu dürfen, stramm zu stehen und beim Abspielen der  Nationalhymne, wie ein Karpfen auf dem Trockenen, nach Luft schnappen zu dürfen.

Jaaaa - so ist das nun mal wenn es um die Nationalelf geht, da drin spielen nur DEUTSCHE.
DEUTSCHE Staatsangehörige!
Hier gilt noch das deutsche Reinheitsgebot aus dem Jahre Achtzehnhundertquetsch.
Da ist nix mit Multi-Kulti.

Bei WEB.DE habe ich jetzt aber gelesen, dass fast die Hälfte der in der obersten Deutschen Fussballbundesliga spielenden Kicker keinen deutschen Pass hat.
Exakt sollen 231 Spieler (von gesamt 477) aus 52 verschiedenen Nationen im Bezahlfußball auf bundesdeutschem Rasen herumkicken. Die führenden Exportnationen sind Brasilien, Kroatien, Tschechien, Dänemark und Griechenland. Die meisten Spieler mit ausländischem Pass beschäftigt der Bundesligaverein Hannover 96. Im 33 Spieler umfassenden Kader stehen 21 Ausländer aus 17 Nationen. Neben Hannover gibt es noch sechs weiterer Clubs, bei denen mehr Ausländer als Deutsche auf der Gehaltsliste stehen. Dazu gehört auch Werder Bremen (13 Ausländer / 12 Deutsche) der amtierende Deutsche Meister.

Hauptsache ist -laut DFB- nur, dass der Trainer Deutsch spricht!!!

Ich hatte eigentlich immer gedacht, dass Deutschland eine Nation ist, die überwiegend vom Export hochwertiger Güter und Dienstleistungen lebt und der innerdeutsche Wertschöpfungsanteil dabei weit über 50% liegt.

Überhaupt fallen mir da einige Parallelen zur Deutschen Wirtschaft auf.

  • Produktionsstätten, die überwiegend aus Steuergeldern gebaut und betrieben werden
  • Ein hoher Ausländeranteil, der hier sein Geld verdient und am Ende der Karriere damit nach Hause geht.
  • Und Millionen von Deutschen als zahlende Zuschauer auf den Rängen

Bis zur nationalen Aufgabe.
Dazu fehlt nur noch, dass jemand ein weißes Handtuch auf den Platz wirft!





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12.08.2004 um 05:45 Uhr

Schlagende Argumente


Ein bemerkenswerter Satz stand am 5.8.2004 in der Financial Times Deutschland
.
Der Satz stammt von Wolfgang Spellbrink Richter am Bundessozialgericht und betrifft die Leistungskürzungen in der Arbeitslosenversicherung.
«Leiste ein soziales Zwangs-Sicherungssytem deutlich weniger, als der Bürger bei privater Vorsorge erzielen könnte, nehme sich dieses System unter dem Gesichtspunkt der im Grundgesetz festgeschriebenen Persönlichkeitsrechte die rechtliche Grundlage. Die allgemeine Handlungsfreiheit werde verletzt, ohne dass dies mit einer adäquaten Gegenleistung begründet werden könnte. Nach den Leistungskürzungen in der Arbeitslosenversicherung sei es verfassungsrechtlich nicht mehr zu rechtfertigen, Beiträge in Höhe von 6,5 Prozent des Bruttolohnes für diese Versicherung zu erheben

"Und das jahrzehntelang", füge ich für mich hinzu. Das summiert sich. Ich habe mir das mal vor einigen Jahren ausgerechnet. Nur die gezahlten Beiträge ohne Verzinsung. Eine 6-stellige Summe vor dem Komma ist da zusammengekommen. Nur um dann im Leistungsfall ins Koma zu fallen und eine lange Nase gedreht zu bekommen.

Der Kölner Verfassungsrechtler Heinrich Lang vertrat ebenfalls die Ansicht eines erhöhten Eingriffs in die Grundrechte. Zur Begründung sagte Lang, erworbene Ansprüche seien nicht nur bei der Arbeitslosenversicherung, sondern auch bei der Kranken- und Rentenversicherung per Gesetz gestrichen worden.

Ich bin zwar kein Verfassungsrechtler aber immer noch in recht guter Verfassung. Sowohl geistig als auch körperlich!
Sollte mich dennoch Hartz IV und ALG II einholen, werde ich sicher unter Hinweis auf mein bisher eingezahltes Kapital schlagende Argumente haben.

So help me God!




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