Machopan - Rauchzeichen

11.08.2004 um 05:45 Uhr

Koppelgeschäfte

Die Situation kennen Sie sicher auch?

Sie haben zwischen zwei Geschäftsterminen in einer fremden Stadt etwas zuviel Zeit eingeplant und dann wird der Folgetermin auch noch kurzfristig nach hinten verschoben.

Der Tag, der stressig geplant war, wird so unfreiwillig zu einem Tag der Besinnung, Lust und Muse.

Wo geht man(n) hin in einer solchen Situation und einem solch herrlichen Sommerwetter um seine niedrigen menschlichen Instinkte zu befriedigen?

Genau, man geht in ein Cafe, oder was hatten Sie gedacht?

Man(n) sucht sich einen schönen Platz im Schatten und greift sich zur Entspannung eine der herumliegenden Tageszeitungen oder Illustrierten, wartet auf die Bedienung und schlägt derweil die Zeitschrift auf.

Hoher Ölpreis lässt Gasbezugskosten im Herbst deutlich steigen.
steht da und ich lese interessiert weiter, während mir der Schweiß auf der Stirne perlt.
«Rohölpreise und Heizölpreise sind in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen. Die großen Ferngasgesellschaften haben angekündigt, dass auch die Gasbezugskosten für Stadtwerke als Folge der hohen Ölpreise zum Herbst zwischen 6 und 8 Prozent steigen werden.
Da der Gaspreis über die gesamte Lieferkette fest an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt ist, schlägt sich ein Anstieg der Ölpreise wie in den vergangenen Wochen mit einer Zeitverzögerung auch im Gaspreis nieder. Heizöl kostet zur Zeit sechs Prozent mehr als vor einem Monat und über 18 Prozent mehr als vor einem Jahr.»

Mir bricht der Schweiß in den Achselhöhlen aus, denn ich sehe meine nächste Hausnebenkostenabrechnung vor mir.
Flehentlich sehe ich mich nach Bedienung und der Möglichkeit eine Kühlgetränkebestellung um.

Am Nebentisch nehmen zwei Männer Platz. Einer in das bussinesmäßige Einheitsgrau eines angestellten Managers mit weißem Hemd und einfarbiger Krawatte gekleidet und der andere im saloppen Outfit eines eher freischaffenden Künstlers.
Ich lehne mich zurück, schließe die Augen zu kleinen Sehschlitzen und dämmere dem möglichen Erscheinen der Bedienung entgegen.

"Wo kommen denn die hohen Erdgaspreise her?", höre ich den jüngeren, salopp gekleideten Tischnachbarn fragen und seinen Gesprächspartner antworten: "Erdgas wird aus dem Ausland für ca. 1 Cent je kWh bezogen. Das ergibt sich aus der Statistik der Importpreise. In diesen Preis wurde der besseren Vergleichbarkeit wegen die Mehrwertsteuer einberechnet. Für die Verteilung innerhalb von Deutschland muss der Privatverbraucher viermal mehr zahlen, als die Exploration, die Förderung, der Gastransport über Kontinente und die Abgabe an das Förderland ausmachen.
Der Privathaushalt zahlt also für sein Erdgas ca. 4 Cent/kWh, ebenfalls inkl. Mehrwertsteuer - also das Vierfache des Importpreises."

"Dann werden ja Dreiviertel des Endverbraucherpreises in Deutschland generiert! Wofür wird das Geld denn ausgegeben?", will der Saloppe wissen und zückt ein kleines Mikrofon, nebst dem dazugehörenden Aufzeichnungsgerät.

Ein Interview im Cafe bei mehr als 30 Grad im Schatten über die Preisgestaltung für Importgas, soll das wohl werden, während mir der Schweiß im Brusthaar zusammenrinnt und ich die Ohren spitze.

"Für die Verteilung innerhalb von Deutschland wird durch den Gasimporteur und den Regionalverteiler etwa 1 Ct/kWh verlangt. Das örtliche Stadtwerk bezieht das Gas vom Regionalverteiler also für etwa 2 Cent/kWh. Auf diesen Preis schlägt das Stadtwerk für die Verteilung im Ort noch mal das Doppelte des Bezugspreises auf, also noch mal 2 Cent/kWh. Das sind dann summa summarum 4 Cent/kWh für das Gas, das beim Endverbraucher aus der Leitung kommt. Soviel nur zur Einstimmung. Können wir mit dem Interview zur Gaspreiskopplung jetzt anfangen? Ich bin leider etwas unter Zeitdruck".

"Ja natürlich. Die Fragen haben Sie ja vorab schon schriftlich bekommen, da geht das jetzt schnell.", gibt der Saloppe von sich, während er das Aufnahmegerät mitten auf dem Tisch platziert, das Mikrofon in Position bringt und seine Notizen zurechtlegt.

Frage: Wieso ist der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt?
Antwort: Seit Beginn der Erdgas-Wirtschaft Mitte der 60er Jahre wird der Gaspreis zeitlich verzögert an die Entwicklung des Heizöls gekoppelt. Durch die Kopplung wird die Konkurrenzfähigkeit von Erdgas mit der wichtigsten Konkurrenzenergie im Raumwärmemarkt, dem Heizöl gesichert. Dadurch gibt es für Erdgasfirmen auch eine langfristige Absatzsicherheit. Man spricht auch vom "anlegbaren Gaspreis" und meint damit die Orientierung an der Konkurrenzenergie Heizöl.

Frage: Wo ist die Kopplung von Gas und Ölpreis festgelegt?
Antwort: 
Die Preisgleitklausel ist in den meisten Erdgasbezugs- und Absatzverträgen enthalten: In den Erdgas-Importverträgen, den Lieferverträgen zwischen Gasversorgungsunternehmen und in Verträgen von industriellen Gasgroßkunden. Die Kopplung hat keine gesetzliche Grundlage sondern ist jeweils frei vereinbart. Meist orientiert sich der Gaspreis am Preisindex des Statistischen Bundesamtes für die Rheinschiene. Das ist ein Mittelwert für die drei Orte Düsseldorf, Frankfurt/Main und Mannheim/Ludwigshafen bei Lieferung an Verbraucher in Mengen 40-50 hl pro Auftrag frei Haus.

Frage: Gilt diese Kopplung auch für Haushaltskunden?
Antwort:
Haushalte und Kleinkunden werden zu Preisen beliefert, die einseitig durch das Gasversorgungsunternehmen festgelegt werden. Auch dieser Preis orientiert sich jedoch mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Monaten an der Entwicklung des Heizöl-Preises, weil der Gasversorger selbst sein Gas mit einer solchen Preiskopplung einkauft, z.B. beim größten Gasimporteur, der Ruhrgas AG.

Frage: Ist diese einseitige Festlegung der Gaspreise für Haushalte rechtlich überhaupt zulässig?
Antwort: Eine Kontrolle der Gaspreise durch ein Behörde wie etwa bei den Strompreisen gibt es nicht. Die Gasversorger berufen sich die Preisgleitklausel vom 23. September 1998, nach der solche Klauseln genehmigungsfrei zulässig sind. Die Kartellbehörden müssen kontrollieren, ob durch die Preisfestlegung eine marktbeherrschende Stellung missbräuchlich ausgenutzt wird. Und nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch §315 muss eine einseitige Preisfestlegung "billigem Ermessen" entsprechen und der "Billigkeit" entsprechen. Ansonsten wird die Preisbestimmung durch Urteil getroffen.

Frage: Wo liegen die Nachteile der Ölpreisbindung für Haushalte?
Antwort: Nachteilig ist die Beliebigkeit der Preisanpassung. Bei steigenden Ölpreisen erfolgt die Gaspreiserhöhung zügig, während bei Ölpreissenkung der Gaspreis nur sehr langsam und geringfügig abgesenkt wird.

Frage: Prüfen die Kartellbehörden die Gaspreise?
Antwort: Die Kartellbehörden können nach der aktuellen Rechtssprechung des BGH nur einschreiten, wenn mit Sicherheit festgestellt wird, dass der wirtschaftlich gerechtfertigte Preis erheblich überschritten wird. Verschiedene Landeskartellämter, leider nicht alle, prüfen regelmäßig die Gaspreise für Haushaltskunden und beanstanden überhöhte Preise.

Frage: Welche Einfluss haben die Gasimportpreise aus dem Ausland auf den Erdgaspreis?
Antwort: Die Gasimportpreise aus dem Ausland werden regelmäßig statistisch durch das BAFA erhoben und auch veröffentlicht. Die Importpreise machen nur etwa 20% bis 30% des gesamten Erdgaspreises für Haushalte aus. Daher taugen Erhöhungen der Importpreise nur zu eben diesem Anteil zu einer Rechtfertigung von Preiserhöhungen.

Frage: Wie können sich Verbraucher gegen überhöhte Erdgaspreise wehren?
Antwort: Nach einer Preiserhöhung können Kunden mit zweiwöchiger Frist zum Ende des der öffentlichen Bekanntgabe folgenden Monats den Liefervertrag kündigen (AVBGas §32). Da es aber noch keinen Wettbewerb auf dem Gasmarkt gibt, kann der Kunde sich von keinem anderen Anbieter versorgen lassen. Deshalb hilft dem Kunden das Kündigungsrecht nichts. Der Kunde kann sich bei den zuständigen Kartellbehörden seines Bundeslandes beschweren. Das kostet nichts und man braucht dafür auch keinen Rechtsanwalt. Die Kartellbehörde entscheidet selbst, ob sie aufgrund einer Beschwerde tätig wird oder nicht. Denkbar wäre auch eine gerichtliche Überprüfung der Gaspreise nach §315 BGB (Billiges Ermessen).

Frage: Wird der Wettbewerb auf dem Gasmarkt die Preisbildung ändern?
Antwort: Zuständig für die Durchsetzung des nach EU-Recht vorgeschriebenen Wettbewerbs sind die staatlichen Behörden. Die Bundesregierung hat bisher weder die Vorgaben der EU-Richtlinie Gas in deutsches Recht umgesetzt, noch sieht sie es als notwendig an, eine Regulierungsbehörde zur Festlegung und Kontrolle des Zugangs zu den Gasnetzen einzurichten. Sie vertraut vielmehr auf freiwillige Vereinbarungen zur Selbstkontrolle.
Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet, weil der Gasmarkt noch nicht geöffnet wurde. Und der Bund der Energieverbraucher hat eine Beschwerde bei der EU-Kommission wegen der fehlenden Umsetzung eingereicht. Ein funktionierender Gasmarkt würde überhöhte Gaspreise nicht zulassen, weil ein Konkurrenzunternehmen dann das Geschäft machen würde.
Das setzt einen funktionierenden Markt ohne Preisabsprachen und Marktzutrittsschranken voraus. Ob und wann es einen solchen freien Gasmarkt auch für Privatkunden geben wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Pro forma ist der Gasmarkt in Deutschland zwar heute schon völlig liberalisiert. Die Regelungen sind aber so nachteilig für freie Händler, dass es keine Wahlmöglichkeit für private Verbraucher gibt.

Frage: Wie kann der Verbraucher abschätzen, ob der Erdgaspreis überhöht ist?
Antwort: Wenn die Heizölpreise für die Rheinschiene vor drei Monaten gegenüber den zuvor liegenden Monaten z.B. gesunken sind, dann kaufen auch die Gasversorger das Gas günstiger ein. Eine Preissenkung für Verbraucher wäre zu fordern. Ähnlich verhält es sich mit den Importpreisen. Günstigerer Bezug aus dem Ausland spart der Gaswirtschaft kosten und sollte auch an die Verbraucher weitergegeben werden. Der dritte interessante Preis ist der mittlere Verkaufspreis für Heizöl deutschlandweit. Der Bund der Energieverbraucher e.V. stellt alle drei Preise regelmäßig als Zeitreihe im Internet zur Verfügung.

Dann muss ich wohl eingeschlafen und erst wieder aufgewacht sein, als die Bedienung,  die sich endlich von der drinnen wummernden Klimaanlage lösen konnte, neben mir stand.

Die Herren vom Nebentisch sind verschwunden. Nach kurzem Räuspern der verklebten Stimmbänder bestelle ich mir bei der verdutzten Bedienung unter Hinweis auf meinen angeschlagenen Gemütszustand ein großes Glas Wasser zur Einnahme einer Kopfschmerztablette.
Während ich auf ihre Rückkehr warte und mir den Schweiß die Hose an Gesäß und Schritt versaut, fällt mein besorgter Blick auf die vor mir am Tisch liegende Zeitschrift.

Da steht:
Gaspreis unbekannt
«Obwohl 35% der Deutschen mit Gas heizen, wissen zwei Drittel von ihnen nicht, wie viel sie für das Gas bezahlen. 46% der Gasnutzer wollen ihren Anbieter wechseln, wenn sie dadurch Kosten sparen können, 16% schon bei einem Preisvorteil von 10%. Die Wechselbereiten sind eher jung, mit höherer Schulbildung und besserem Einkommen





*) Übrigens das Interview ist fast im gleichen Wortlaut bei
www.energienetz.de veröffentlicht worden. Dabei hätte ich schwören können, dass ich das alles nur geträumt habe. ;-)

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10.08.2004 um 05:45 Uhr

Klingelküngelgekungel


Können Sie sich trotz Harz IV und ALGII an die Empörung über die Angemessenheit der Managergehälter und die überschwappende Selbstbedienungsmentalität von Vorständen und Aufsichtsräten erinnern?

Nein, dann sind die Ablenkungsmanöver geglückt und wie ich aus der Financial Times Deutschland vom 5.8.2004 entnehmen muss, wird es auch trotz vielgepriesenem "Corporate Governance Kodex" nicht zu gravierenden Änderung am System der "reitbaren Version der eierlegenden Wollmilchsau" kommen. Wir werden uns also weiterhin an der Selbstherrlichkeit, Selbstüberschätzung und Selbstbedienungsmentaliät von Vorständen und Aufsichträten bundesdeutscher Unternehmen erfreuen dürfen.

Das Aktiengesetz (AktG) schreibt für Kapitalgesellschaften in der Rechtsform eine Aktiengesellschaft (AG) eine Dreifaltigkeit bestehend aus Aufsichtsrat, Vorstand und Aktionären vor.
Der Aufsichtsrat 
vertritt die juristische Person der AG gegenüber dem Vorstand und überwacht dessen Tätigkeit.
Der Vorstand 
plant und leitet die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft, berichtet an den Aufsichtrat und im Rahmen der Hauptversammlung an die Aktionäre.
Die Aktionäre entscheiden im Rahmen der jährlichen Hauptversammlung 
über die vom Gesetz oder durch Satzung der AG festgelegten Geschäftsvorfälle. Über Fragen der Geschäftsführung kann die Hauptversammlung nur entscheiden, wenn der Vorstand es verlangt

So weit, so gut. Alles Palleti könnte man eigentlich meinen, besonders wenn man auch noch den §87 AktG. zu Rate zieht.
Wie kommt es denn nun aber zu solch gigantischen Vorstandsbezügen abgehoben von jeder Realität?
Die Vorstände können sich das ja nicht selbst genehmigen, dazu brauchen sie doch den Aufsichtsrat. Wer sitzt denn in den Aufsichtsräten, überwacht die Vorstände und schließt diese lukrativen Vorstandsdienstverträge ab?

Schaun wir doch einfach mal bei der Deutschen Bank nach.
Na, wie viel Aufsichtsräte aus anderen Unternehmen haben Sie entdeckt?
Und wieviel Vorstände aus anderen Unternehmen?
Und wie viel Gewerkschaftsvertreter, Arbeitnehmervertreter und Betriebsräte?
Besonderes Augenmerk legen Sie bitte auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Breuer, denn der war bis 22. Mai 2002 Vorstand bei der Deutschen Bank – bevor der Herr Ackermann seinen Job bekam.
Also diese Personen haben die Vertragsverhandlungen mit dem Vorstand Ackermann geführt, überwacht und abgenickt.

Warum ich ausgerechnet die Deutsche Bank als Beispiel herausgegriffen habe?
Na wegen der schönen Pressemeldung 
die der Aufsichtsrat am 29.7.2004 nach dem Urteil im Mannesmann-Prozess herausgegeben hat. Dass da übrigens auch ein hohes Gewerkschaftsmitglied auf der Anklagebank saß, haben die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bank dabei wohl vergessen.

Getreu dem Grundsatz, dass niemand unnütz ist, sondern immer noch als schlechtes Beispiel dienen kann, die Herren Breuer und Ackermann einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und Otto Normalverbrauer einigermaßen versteht welche Bedeutung Banken für die Wirtschaft haben, möchte ich an diesen beiden Herren exemplarisch das Phänomen der hohen Vorstandsvergütungen aufzeigen. Die Herren mögen es mir nachsehen.

Breuer war Vorstand und wurde Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Daneben ist Herr Breuer noch

  • Aufsichtsrat bei Bertelsmann
  • Aufsichtsrat bei der Deutschen Börse AG
  • Aufsichtsrat bei der Deutschen Lufthansa
  • Aufsichtsrat bei der EON AG
  • Aufsichtsrat bei der Siemens AG
  • Mitglied des Verwaltungsrats bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
  • Mitglied des Verwaltungsrats bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank

Ackermann wurde im Vorstand Nachfolger von Breuer und begleitet daneben noch weitere Funktionen als

  • Mitglied des Aufsichtsrats bei der Bayer AG
  • Mitglied des Aufsichtsrats bei der Linde AG
  • Mitglied des Board of Directors bei der Stora Enso Oyi
  • Vorsitzender des Aufsichtsrats bei DB Investor

Die komplette Liste der Mandate der Aufsichtsräte der Deutschen Bank  findet man im Internet, ebenso wie die Liste der Mandate der Vorstände der Deutschen Bank.
Dem Geschäftsbericht der Deutschen Bank kann man entnehmen, dass die Deutsche Bank u.a. als Aktionär mit 11,83% an Daimler Chrysler und mit 10% an der Linde AG beteiligt ist.
Bei der Hauptversammlung der Linde AG nimmt also der Herr Ackermann eine Doppelrolle ein.

Als Aufsichtsrat der Linde AG sitzt er dort neben seinem Aufsichtsratkollegen Dr. rer. oec. Karl-Hermann Baumann von der Siemens AG, der gleichzeitig Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank ist, oben auf dem Podium und berichtet den Aktionären unten im Saal, wo er selbst als Vertreter des Großaktionärs Deutsche Bank dessen Interessen wahrnehmen müsste.

Glauben Sie wirklich der Aktionärsvertreter Ackermann würde gegen die Entlastung oder Mandatsverlängerung der Aufsichtsräte Ackermann oder Baumann stimmen?

Glauben Sie wirklich der Aufsichtsrat Ackermann würde um das Wohl des Unternehmens Linde mit seinem Aufsichtsratkollegen Baumann streiten, damit der ihm dann als Aufsichtsrat der Deutschen Bank Schwierigkeiten beim seinem eigenen Vorstandsdienstvertrag macht?

Oder glauben Sie der Herr Ackermann würde um das Wohl der Firma Linde mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Linde AG Herrn Dr. rer. pol. Manfred Schneider streiten, wenn er dadurch Gefahr laufen könnte seinen Aufsichtsratsposten bei der Bayer AG zu verlieren, wo eben dieser Dr. rer. pol. Manfred Schneider Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bayer AG ist?

Oder wollen wir dem Herrn Josef Ackermann in seiner Funktion als Vorstandsprecher der Deutschen Bank, Mitglied des Aufsichtsrat der Linde AG und Mitglied des Aufsichtsrats der Bayer AG bei seinem Entscheidungen über Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft nicht doch ein gewisses Interesse am eigenen Geldbeutel zugestehen?
Er ist doch nur ein kleines Teilchen eines sich selbst schützenden Interessennetzwerkes, im Volksmund auch bekannt als Klingelküngelgekungel!
Und das auch noch im für ihn fremdsprachigen Teil des nichtschweizerischen europäischen Auslandes. Also, wenn das keine Leistung ist!

Was die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichträten eigentlich machen, wollen Sie wissen?
Ich hab echt keine Ahnung – vielleicht sollten Sie mal Ihren Betriebsrat fragen was die Gewerkschaftsbosse da so treiben!
Aber ich weiß was ein Zwickel ist – das ist der Teil einer Unterhose, der verdächtig nah am Arschloch ist.

Und jetzt geh ich pullern!
Und später schreib ich dann über "Corporate Governance" und den Artikel in der Financial Times Deutschland vom 5.8.2004.





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09.08.2004 um 05:45 Uhr

Hund Wolf Schaf

Also jetzt mal ganz ehrlich.

Können Sie noch die Zeitung lesen ohne das große Kotzen zu bekommen?
Können Sie die Hirn- und Darmblähungen um die Umgestaltung unserer Sozialsysteme noch ertragen?
Erkennen Sie vor lauter Taktik und Vernebelung noch das eigentliche Problem?
Hängt Ihnen dieses Spiel um Macht und Geld nicht auch schon meilenweit zum Hals raus?
Packt Sie nicht auch die Wut, wenn Sie mit ansehen müssen, wie die Bürger dieser Republik durch einen Haufen gehirnamputierter, wildgewordener Dampfplauderer in den Ruin und in ein gesellschaftspolitisches Desaster getrieben werden?
Ist es nicht langsam an der Zeit dieses Desaster zu beenden und die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft zur Rechenschaft zu ziehen?
Wäre es nicht endlich angebracht den nationalen Notstand der Deutschland AG auszurufen und kompetente Insolvenzverwalter einzusetzen, statt immer wieder mit den gleichen, überwiegend aus Eigeninteressen getriebenen Vorschlägen und Aktivitäten, an den eigentlichen Problemen vorbei herumzudoktern und irgendwelche Knöpfchen zu drücken, von denen man nicht weiß welche Wirkung sie haben.

Jetzt lese ich in der Financial Times Deutschland –wieso heißt die eigentlich nicht Financial Times Germany oder gleich Deutsche Finanznachrichten-, dass Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt das heutige System in Deutschland für "nicht zukunftstauglich" und dringend reformierungsbedürftig hält.
Bevor bei mir Freude aufkommt, dass das endlich mal jemand so auf den Punkt bringt, erfahre ich weiter, dass sich die Aussage von Herrn Hundt nur auf die Pflegeversicherung 
bezieht.

Ja so ein Hund!
Fast hätte er mich für sich begeistern können, der Hundt.
Aber was soll ich von einem Mann denken, dem erst JETZT «durch jüngste interne Finanzprognosen aus dem Gesundheitsministerium» klar geworden sein soll, dass «die Kassenlage der gesetzlichen Pflegeversicherung noch erheblich angespannter sei als bisher bekannt».

Und JETZT macht sich der Herr Hundt Sorgen um die Höhe der Beiträge zur Pflegeversicherung, weil das für die Unternehmen Mehrkosten in Millionenhöhe bedeuten würde, da sie wie bei der Renten- und Krankenversicherung mit der Hälfte an den Sozialversicherungszahlungen ihrer Mitarbeiter beteiligt sind.
Also sorgt sich der Herr Hundt nur mal wieder um den Unternehmergeldbeutel und vergisst dabei, dass das ja nur 50% von der Wahrheit ist, denn die Arbeitnehmer zahlen die andere Hälfte der Rechnung.

Warum hat sich denn der Arbeitgeberverband nicht gegen die Einführung der Pflegeversicherung nach dem gleichen insolvenzgefährdeten Strickmuster wie die Rentenversicherung gewehrt?
Vielleicht weil es damals eine andersfarbige Regierung war oder der Norbi Blüm so ein possierliches Kerlchen ist?

Was sind das eigentlich für Unternehmer und Arbeitgeber, die sich einen Verband nebst Präsidenten leisten der durch «jüngste interne Finanzprognosen aus dem Gesundheitsministerium alarmiert wird», dass die Sozialsysteme der BRD nicht zukunftstauglich sind?
Dass diese Systeme eine Schneeballfinanzierung haben ist doch zwischenzeitlich nun wirklich jedem Hilfsarbeiter und Sonderschulabgänger klargeworden. Dazu muss man nicht Präsident des Arbeitgeberverbandes einer europäischen Industrienation sein.
Mit Einsparungen und Kostenverteilung auf andere ist da auch nichts mehr zu machen – diese Systeme sind TOT.

Gedanken(?) macht sich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt auch über das Kindergeld und die vom Bundesverfassungsgericht in der Pflegeversicherung geforderte Bevorzugung von Kindererziehenden gegenüber Kinderlosen.
Die Umsetzung dieses Urteil durch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist -wie fast alles aus diesem Ministerium- die reinste Lachnummer, denn ab 1.1.2005 sollen die Beiträge der Kinderlosen um 0,25% angehoben werden.
Der Anteil der Arbeitgeber von 0,85 Prozent soll allerdings konstant bleiben.
Mich erinnert das an meine lehrreiche(!) Zeit bei der Deutschen Bundeswehr. Wenn es da hieß "Freiwillige ein Schritt vor", haben sich immer ein paar Träumer gefunden, die nicht rechtzeitig einen Schritt zurückgegangen sind.

In der FAZ heißt es weiter «Obwohl die Firmen in diesem Fall also nicht höher belastet werden sollen, schlug Hundt stattdessen "eine modifizierte Gestaltung des Kindergelds" vor. Der Zuschuss zum Kindergeld solle über Steuern finanziert werden. Um den Bundeshaushalt nicht zu belasten, forderte Hundt aber, im Gegenzug andere Familienleistungen zu streichen, etwa "Kindergeldzuschläge für Arbeitslosengeld-II-Empfänger". Mittelfristig solle die Pflegeversicherung ähnlich wie die gesetzliche Krankenversicherung auf pauschale Prämien umgestellt werden, sagte Hundt

Verdammt noch mal, kann mir dummen Schaf mal jemand erklären warum die Lösung unserer Probleme immer bei den Zwangsmitgliedern der staatlichen Sozialsysteme und den Familien mit Kindern gesucht und dann auch gleich gefunden wird?
Oder ist der Vorschlag von Herrn Hundt die "Kindergeldzuschläge für ALGII-Empfänger" zu streichen nicht als Angriff auf die Existenzgrundlage von Familien zu verstehen, sondern nur ironisch gemeint?

Ja so ein Hund, der Hundt!
Oder will der Hund einfach auch nur mal "mit den Wölfen heulen"?





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08.08.2004 um 05:45 Uhr

Fire! & Hire?

Das Buch beschäftigt sich mit dem Thema Kündigung, und hier lernt der Leser rasch: Das unbekümmerte Feuern von Mitarbeitern verhindert das Arbeitsrecht durch eine Fülle von Einschränkungen. Kündigungsarten und Kündigungsgründe werden detailliert erläutert, Alternativen zur Kündigung erwogen. Erst im letzten Buchkapitel greifen die Autoren doch noch in die Kiste schmutziger Tricks und erläutern unbedarften Gemütern, wie sich durch kleine und große Schikanen die eine oder andere Abfindung sparen lässt. Der abschließende Rat an alle Fans des Mobbings und Bossings, sich lieber in Therapie zu begeben, wirkt da wie ein moralisches Feigenblatt. Außer Rand und Band gebärden sich derzeit die "Reformer" des deutschen Arbeitsmarktes.
Zuerst hatten wir die Version "Kürzere Arbeitszeiten schaffen mehr Arbeitsplätze". Das mag zwar mathematisch richtig sein, war aber sachlich falsch.
Dann kam "Längere Lebensarbeitszeit schafft mehr Arbeitsplätze". Das kann in einer Gesellschaft nicht funktionieren, die 

  1.  zu wenig Arbeitsplätze hat
  2. einem grassierenden Jugendwahn fröhnt

Version Nummero Drei war "Green Card Ausländer schaffen mehr Arbeitsplätze". Auch wenn ich lange angestrengt darüber nachdenke, fällt mir mehr als dieser Satz dazu nicht ein.

Dann kamen die Vorschläge zur Schaffung von Arbeitsplätzen in immer kürzeren Abständen und immer unsinnigeren Varianten: 

  • Globalisierung schafft Arbeitsplätze
  • Arbeitsmarktreformen schaffen Arbeitsplätze
  • Frühpensionierung schafft Arbeitsplätze
  • Outsourcing schafft Arbeitsplätze
  • ABM-Maßnahmen schaffen Arbeitsplätze
  • Billig-Jobs schaffen Arbeitsplätze
  • ICH-AG’s schaffen Arbeitsplätze
  • Variable Zeitmodelle schaffen Arbeitsplätze
  • Aufbau OST schafft Arbeitsplätze
  • EU-Erweiterung schafft Arbeitsplätze
  • Sozialabbau schafft Arbeitsplätze
  • Personalabbau schafft Arbeitsplätze

Fast wie bei den Computerviren tauchen dann diverse Mutationen und Varianten auf.
Jetzt gerade ist die Version "Wegfall des Kündigungsschutzes schafft mehr Arbeitsplätze" an der Reihe.
Einen solchen Schwachsinn kann sich nur jemand ausdenken, der

  1. Beamter auf Lebenszeit ist
  2. einen gut dotierten Vorstandsdienstvertrag mit Abfindung und Pensionsregelung hat
  3. Vollzeitpolitiker ohne jegliches fachliches Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge ist

Dass Veränderungen am Kündigungsrecht sich gar nicht oder nur geringfügig auf die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse auswirken wissen wir bereits seit 1996 als die Regierung Kohl den Kündigungsschutz für Betriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern lockerte. Rot-Grün hat dies 1998 wieder rückgängig gemacht.

Während den zwei Jahren der Lockerung ging die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse in den Betrieben dieser Größenordnung in den alten Bundesländern von 1,93 Millionen auf 1,91 Millionen zurück. In den neuen Bundesländern stieg die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse von 479 765 Beschäftigten im Jahr 1996 auf 500 787 Beschäftigte zwei Jahre später. Das sind sagenhafte 21 022 Stellen. Welchen Einfluss dabei die Milliarden Euro Fördergelder hatten, die zeitgleich von West nach Ost gepumpt wurden, kann man der Statistik leider nicht entnehmen.

Was kommt jetzt als nächstes um mehr Arbeitsplätze zu schaffen?

  1. Erhöhung der Steuern?
  2. Verbot der Gewerkschaften?
  3. Verstaatlichung der Großkonzerne?
  4. Entmachtung des Geldadels
  5. Warmabriss des Reichstags?
  6. Schaffung von Arbeitsbrigaden?
  7. Bau von Auto- und Rollbahnen?
  8. Uniforme Einkleidung der wehrfähigen männlichen Bevölkerung?
  9. ... wat weiß ich noch?

Mich erinnert das alles an einen Film mit James Dean, bei dem "heranwachsende Jugendliche" mit ihren Autos "zur Mutprobe" auf einen Abgrund zu rasten. Der Hauptdarsteller hat sich einige Zeit später mit einem schnellen Fahrzeug deutscher Herstellung auf einem amerikanischen Highway den finalen Crash gegeben.

"Denn sie wissen nicht was sie tun" hieß der Film.
Ich glaub ich bin im Kino!





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07.08.2004 um 05:45 Uhr

Zehntabgabe


Es ist ja hinreichend bekannt, dass man nebst der monatlichen Beitragszahlung zur Finanzierung des Bundesgesundheitselbstbedienungslädchens im Bedarfsfall auch noch direkt zur Kasse gebeten wird.
Ich habe mich dieser Abzocke durch zivilen Ungehorsam und Zahlungsverweigerung entzogen und warte nunmehr seit Jahresbeginn auf die Reaktion des Systems.
Bis jetzt – nix.

Jetzt aber war es wieder mal soweit.
Ich hatte einen Termin beim Zahnarzt.
Ganz ohne Grund, ganz ohne Zahnschmerzen, einfach nur so – zur Vorsorgeuntersuchung und Stempel für das Bonusheft abholen.
Also reiche ich mein Gesundheitskärtchen und Bonusheft über den Tresen und warte auf die Mitteilung, dass ich jetzt 10,-- Euro zu zahlen hätte.
"Warum?", frage ich ganz erstaunt und schaue die Zahnarztassistentin treudoof an.
"Ja für die Praxisgebühr! Jeder Patient muss seit 1. Januar pro Quartal bei der ersten Behandlung 10,-- Euro bezahlen", meint sie dann erstaunt.
"Ich nicht", lächle ich ihr entgegen, "ich komme nämlich nicht zur Behandlung, ich komme nur zur Untersuchung, nur wegen dem da" und zeige dabei auf das Bonusheft. "Und außerdem spende ich schon bargeldlos durch monatliche Überweisung meines Arbeitgebers. Barspenden mache ich grundsätzlich nicht, das hat immer so einen unseriösen Touch als würde man eine politische Partei schmieren, oder einen Drogendealer bezahlen oder ein leichtes Mädchen für seine Gunst entlohnen. Das passt doch nicht zu Halbgöttern in Weiß. Wissen Sie wie ich das meine?"

Die Assistentin scheint durch meine Begründung zur Zahlungsverweigerung etwas verwirrt.
Bevor ich noch eine Bemerkung über die jetzt wissenschaftlich nachgewiesene Verbreitung des PISA-Virus gerade bei jungen Menschen machen kann, höre ich die Stimme des Mannes, dem ich seit Jahrzehnten meine Beißerchen zur Wartung und Ersatzteilbestückung anvertraut habe.
"Hallo", meint er, "wie geht es Ihnen? Verwirren Sie gerade unsere neuen Kollegin?" Dabei zeigt er mit dem Finger, den er mir gleich in den Rachen bohren wird, auf mich und informiert die neue Kollegin darüber, dass ich ein ganz alter Kunde sei, aber halt auch bekannt für meine nicht immer ganz ernst gemeinten Sprüche.

"Dann wollen Sie also die Praxisgebühr doch bezahlen", freut sich die Assistentin und man sieht ihr an, dass damit ihr Denkmodell wieder in Ordnung käme.
"Nee, nee, nee, das war mein voller Ernst. Ich zahl das nicht und kommen Sie jetzt nicht auf die Idee mir zu sagen, dass mich der Herr Doktor dann nicht untersuchen kann. Aber ich kann Ihnen sagen, was Sie jetzt tun müssen. Sie müssen mir jetzt eine Mahnung oder Zahlungsaufforderung geben. Die sind glaube ich, warten Sie mal....", dabei ging ich um den Tresen herum und zog eine der Schubladen auf, ".... die sind hier. Die müssen Sie ausfüllen und abstempeln und wenn ich nachher gehe, dann geben sie mir die Mahnung zusammen mit meinem, ebenfalls ausgefüllten und abgestempelten Bonusheft mit. Und das war’s dann auch schon."
"Ach jetzt versteh ich", meint die neue Assistentin dann, "Sie überweisen dann die Praxisgebühr. Da haben Sie mich aber jetzt ganz schön reingelegt."
Nach einem kurzen fragenden Blick zum Herrn Doktor, der mit einem fast unmerklichen Schütteln des Kopfes antwortet, entschließe ich mich zu einem mitleidigen "Ja genau, so bin ich halt."

"Ist der Nachschub immer von dieser Qualität", will ich wissen, während ich hinter dem Herrn Doktor zum Behandlungszimmer marschiere.
"Nicht immer, aber immer öfter", höre ich ihn gequetscht murmeln.

Die Untersuchung ist kurz und schmerzlos. Alles OK. Kein Zahnstein, aber halt wie bei vielen Leuten – die Parodontose. Irgendwann werden wir -meint er-(warum sprechen Ärzte eigentlich Patienten auf diese blödsinnige Weise an?) etwas dagegen tun müssen.
Rasch und routinemäßig erteilt der Mediziner noch einige selbstverständliche Ratschläge, die sich als kostenpflichtige Beratung auf der Abrechnung mit der Krankenkasse wiederfinden werden:
"Immer nach den Mahlzeiten Zähne putzen" – ich esse permanent.
"Nicht so viel Rauchen" – ich rauche nicht.
"Nicht so viele Süßigkeiten" – uuups woher weiß der das.
"Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass übermäßiger Biergenuss Karies verursachen soll" – ich hab gehört das sei gut gegen Krebserkrankungen, also werde ich wohl zahnlos an Altersschwäche sterben.
Ein routinemäßiges "jetzt bitte kräftig ausspülen" beendet den zahnärztlichen Monolog, gefolgt von einem "vergessen Sie ihre Brille nicht und auf Wiedersehen."

Am Tresen sitzt die junge Neuassistentin und starrt in den Computer. Als sie meiner sportlich schlanken Figur ansichtig wird, springt sie diensteifrig auf und legt Bonusheft und Mahnung auf den Tresen.
"Alles fertig", meint sie dann freudestrahlend.
"Eigentlich ein ganz hübsches Gesicht", denke ich bei mir, "aber der Hintern ist jetzt schon heftig breit. Wie wird das erst aussehen, wenn sie verheiratet ist und Kinder bekommt."
Doch artig sage ich "Vielen Dank und ein schönes Wochenende".

Draußen im Auto lehne ich mich zurück, verdrehe den Innenrückspiegel etwas und blecke die Zähne hinein. Na ja, sagen wir mal so: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Aber es gibt sicher Schlimmeres.
Bevor ich losfahre fällt mein Blick auf den handschriftlich ergänzten Vordruck der

ZAHLUNGSAUFFORDERUNG: "KRANKENKASSENABGABE" nach § 28 Abs 4. SGB V.

Sehr geehrte(r) Patient(in),

bei Inanspruchnahme unserer Praxis in dem o.g. Quartal habe Sie die gesetzlich vorgeschriebene Krankenkassenabgabe in Höhe von € 10,00 nicht bezahlt.

Zuzüglich der aufgrund der Säumnis entstandenen Portokosten i.H.v. € 10,00 ergibt sich nunmehr ein zahlender Betrag von

€ 10,00

Wir bitten sie deshalb um Zahlung innerhalb der nächsten 10 Tage.

Unterschrift des Arztes/Beauftragten

10+10=10.
Die junge Zahnarztassistentin mit dem breiten Hintern hat sicher noch eine große Karriere vor sich.
Mit dem richtigen Parteibuch könnte sie eventuell sogar noch Gesundheitsministerin werden.
Die rechnerischen Fähigkeiten dazu hat sie schon.





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06.08.2004 um 05:45 Uhr

Sommerloch Heidi


Das Thema "Harz IV" und "Arbeitslosengeld II" scheint zwar medientechnisch noch nicht ganz ausgelutscht zu sein, doch wer interessiert sich derzeit schon für Formulare, die noch nicht einmal ein Minister ausfüllen kann. Es wird dennoch mit Sicherheit wieder sehr interessant werden, wenn im Januar 2005 die Außenposten der Bundesagentur für Arbeit von den mittellosen Formularfalschausfüllern gestürmt werden und sich die Sicherheitskräfte dieser demokratischen Republik dazwischenwerfen dürfen.

Auch die Firma mit dem guten Stern auf dem Dach hat ihre internen Streitigkeiten beigelegt und eine Lösung gefunden, die beide Seiten ihr Gesicht wahren lässt. Es ist schon toll, dass jetzt fast genau so viel Geld collected werden konnte, wie bei dem entsprechenden Engagement in den Sand gesetzt wurde. Nicht umsonst hat der Herr Minister Stolpe mit seiner Schadenersatzforderung solange gewartet, bis der Herr Schrempp mit seinen Werktätigen geklärt hatte, wie viel Geld die dafür bezahlen wollen. Dass die individuelle Pinkelpause weg ist und durch kollektives Urinieren am Arbeitsplatz ersetzt wird, ist nicht so wichtig. Hauptsache, die Erde dreht sich weiter um Sindelfingen.

In Düsseldorfer Prozess um "Mannomann" und "Sodavon" geht es jetzt in die Rückrunde. Der Herr Ackermann wird sich jetzt doch dazu entschließen müssen einen weiteren Wohnsitz außerhalb Frankfurts anzumelden. Am besten für ihn wäre sicher gleich ein Dauerwohnsitz in der Schweiz.

Nach dem die vielfältigen Hinweise der Politiker auf die zu hohen Managergehälter nichts genützt haben und ihnen jetzt nur noch eine maximal 2%-ige Erhöhung der Diäten in Angleichung an die Tarifverträge der Arbeitnehmer droht, wird das Thema bis nach der Sommerpause erst mal vergessen. Stehen doch in den Tarifverträgen auch so hässliche Sachen wie Arbeitszeitverlängerung und Wegfall von Weihnacht- und Urlaubsgeld drin. Vielleicht lässt sich ja im Rahmen der EU-Osterweiterung irgendwo ein Tarifvertrag finden, den man guten Gewissens, unter Hinweis auf den Kaufkraftschwund in einer transsibirischen Republik, dem Bürger als machbare Alibialternative verkaufen kann.

Und der DFB senisiliert sich gerade in die Neuzeit, denn die Erkenntnis dass Feuer unter dem Dach ist, wenn die Deutsche Nationalmannschaft bei der WM auf heimischen Boden nicht über das Eröffnungsspiel hinauskommt, konnte man jetzt auch dem Herrn Mayer-Vorfelder klarmachen.
Aber mit der neuen Spieltaktik mit der Doppelspitze beim DFB, tut er sich halt schon noch arg schwer. Und dass er jedes mal einen Herzkasper bekommt, wenn er zusehen muss wie ein Spieler die Rote Karte bekommt, hat sich als infames Gerücht herausgestellt.
Zweimal Gelb würde in seinem Fall doch reichen, oder? Es war ja kein böses Foul, er war halt nur böse faul.

Das "Guido" hat sich jetzt ja auch geoutet und gesagt, dass es bei ihm andersrum ist. Da wird sich der Herr Wowereit, -das war der der gesagt hat, dass das gut ist- aber jetzt freuen. Und zusammen mit dem Ole von Beust reicht es jetzt auch für einen flotten Dreier – beim Skat.
Und das sind dann genau die Politiker, die uns Bürgern immer vorhalten, dass die Deutschen wohl aussterben werden.

In Bayern hat sich gerade rechtzeitig zu den Sommerferien die Straußsche-Monarchie verrechnet. Der undünne Sohnemann bei der Steuer und die Frau Schwester bei den Wählerstimmen. Jetzt wird man die Sicht auf diese Ereignisse nach typisch bayrischer Manier ein bisschen einstoibern und warten bis die Medien das Interesse verloren haben.

Das könnte schon bald sein, denn der Münchner Merkur berichtet, dass das Känguruweibchen "Heidi" in der Nähe von Eggenfelden entsprungen sei. Die Eigentümerin des Streichelzoos, der Heidi beherbergt hatte, kann sich den Ausbruch nicht erklären. Heidi sei nur 60 Zentimeter groß und 20 Kilogramm schwer. Der Zaun sei jedoch 1,50 Meter hoch.
(*) Gecutet und gepasted bei www.schandmännchen.de

Wie soeben aus zuverlässiger Quelle gemeldet wurde, soll es sich bei dem entflohenen Tier um ein besonders gefährliches Exemplar der Gattung "Macropodoidae Fiscus Radicalis", auch vom Laien leicht am stets leeren Beutel erkennbar, handeln.





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05.08.2004 um 05:45 Uhr

An der Wand


JETZT, wenige Monate vor dem geplanten Einführungstermin reden und schreiben sie alle von Hartz IV und Arbeitslosengeld II.
JETZT ist in allen Tageszeitungen und Magazinen darüber zu lesen.
JETZT wird auch darüber geschrieben, welche Auswirkungen diese Gesetze auf die Betroffenen haben und wie diese reagieren werden.
JETZT wird auch darüber geschrieben, dass den Arbeitslosenhilfeempfängern im Januar 2005 kein Arbeitslosengeld II ausgezahlt wird, weil sie durch die Zahlung der Arbeitslosenhilfe vom 31.12.2004 am 1. Januar 2005 (noch) nicht bedürftig sind.

Man kann dazu stehen wie man möchte. Aber dass eine Änderung dieses Verfahrens, welch krankem Hirn es auch immer entsprungen sein mag, dazu führt, dass der Haushalt der Bundesrepublik Deutschland verfassungswidrig wird, wie die Frankfurter Rundschau schreibt, das stimmt doch sehr bedenklich.

Dass jemand mit dem Rücken an der Wand stehen wird, ist wohl schon lange klar.
Entweder Millionen Menschen am Rande der Ruins ohne Zukunft und Perspektive. Ob das, je nach Standpunkt die Ärmsten der Armen oder die Faulsten der Faulen sind, spielt dabei eigentlich keine große Rolle.

Oder die Verantwortlichen für dieses nationale Desaster.
Hoffen wir, dass sie nur mit dem Rücken zur Wand stehen und nicht auch noch die "Blinde Kuh Binde" vor den Augen tragen mit der sie seit Jahren durch die Gegend irren.
Sonst könnte der eine oder andere Waffenscheinbesitzer auf eine (vielleicht gar nicht so) dumme Idee kommen.

Warentermingeschäfte mit Waffenöl sollen mittelfristig für risikobereite Investoren eine überdurchschnittliche Rendite bieten.
Hab ich -glaub ich- irgendwo gelesen.
Es war  -glaub ich- noch nicht in der Frankfurter Rundschau.





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04.08.2004 um 05:45 Uhr

Elvis lebt ...


Wie die Berliner Zeitung meldet werden sich 
für die zukünftigen Bezieher von Arbeitslosengeld II (ALGII) Umzüge wohl nicht vermeiden lassen.

Sie sollten daher schon mal mit ihrem Vermieter reden, denn vom Amt bezahlt werden Miete und Heizkosten nur, soweit "diese angemessen" sind, heißt es im Gesetz. Was darüber hinaus geht, soll längstens nur noch für ein halbes Jahr erstattet werden. Danach ist ein Umzug fällig - wenn dem ansonsten nichts entgegensteht.

Als angemessen gelten z.B. in Berlin für Altbauwohnungen folgende Obergrenzen:
Für eine Person 50 Quadratmeter bei einer Nettokaltmiete von 227,50 Euro.
Zwei Personen: 60 Quadratmeter, 276 Euro.
Drei Personen: 75 Quadratmeter, 318,75 Euro.
Vier Personen: 85 Quadratmeter, 361,25 Euro.
Das sind immer so zwischen 4,25 Euro und 4,55 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.

Und jetzt schauen Sie doch einfach mal in den örtlichen Mietspiegel und suchen sich schon mal eine andere, passende Wohnung. Bevor das alle ALGII Bezieher machen (müssen).
Weil dann wird es eng auf dem Wohnungsmarkt und ...... die Preise steigen.
Wer dann immer noch keinen Job hat und noch das Glück hat ALGII zu bekommen, wird sich wohl an Platte-Ost gewöhnen müssen.
Die Anderen ... es wird eng werden unter den Brücken.
So ist das nun mal in einer Marktwirtschaft mit Nachfrage und Angebot.

«Als wenig spektakulär schätzt Siegfried Schuler, Sozialamtsleiter in Charlottenburg-Wilmersdorf, die Lage ein. "Manch einer wird mit seinem Hauswirt eine niedrigere Miete aushandeln können", sagt er. Das sei jetzt schon so. Viele Eigentümer würden lieber die Einnahmen senken, als auf die sichere Miete vom Amt zu verzichten, meint Schuler gegenüber der Berliner Zeitung»

Null Problemo - wenn die finanzierende Bank auch mit geringeren Zins- und Tilgungsleistungen seitens des Eigentümers einverstanden ist, die Bankgebühren auf reine Mietkonten entfallen, die Grundsteuer gesenkt wird, die Hausverwaltungen auf einen Teil ihrer Kosten verzichten und die Gebäude- und Haftpflichtversicherungen billiger werden - dann gibt es da ganz sicher bestimmt keine Problem.
Und was heißt überhaupt "sichere Miete vom Amt". Was passiert denn wenn der Mieter, urplötzlich nicht mehr zu den ALGII-"Begünstigten" gehört? Soll ja ab und zu mal vorkommen!
Nachtigall ick hör dir durch den Hausflur latschen!!!

Ich habe mich mal in den Mietspiegeln diverser deutscher Großstädte umgesehen. Für 4 Euro Quetsch gibt es da nur absoluten Schotter oder rein gar nix.

Also ALGII‘S - willkommen im Ghetto.
Elvis lebt!

On a cold and grey Berlin morn a poor little baby child is born - in the Ghetto,
And his mama cries,
Cause if there´s one thing that she don´t need is another little hungry mouth to feed - in the Ghetto.

And people don´t you understand,
A child needs a helping hand,
And he´ll grow to be an angry young man some day,
I took a look at you and me,
Are we to blind to see,
And do we turn our heads and look the other way…..

When the world turns,
And a hungry little boy with a runnin´ nose plays in the street and the cold wind blows - in the Ghetto,
And his hunger burns,
So he starts to run the streets at night and he learns how to steal and he learns how to fight -in the Ghetto.

Then one night in desperation the young man brakes away,
He buys a gun, steals a car, he tries to run, but he don´t get far and his mama cries.
As the crowd get round
An angry young man lay down in the street with a gun in his hand - in the ghetto.

And as a young man dies
On a cold and grey Berlin morn another little baby child is born in the Ghetto
And his mama cries….





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03.08.2004 um 07:33 Uhr

Formel F


Der Euro ist kein Teuro!
Zu diesem Ergebnis kamen nach einer dpa-Meldung , die ich bei WEB.DE gelesen habe, die Statistiker des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.

"Hoo, hoo, hooho - gaaannz ruhig Brauner", denke ich mir, als ich merke wie spontan das Pferd in mir durchgehen will, "ganz ruhig und die Sache mit Vernunft und Verstand angehen. Warum sollten die Jungs in Wiesbaden sowas behaupten, wenn es nicht wahr wäre?"

"Wem sollte es denn nützen, wenn man die Bürger beschwindeln würde?", frage ich mich und lese die Meldung am Bildschirm weiter.
«Seit Januar 2002 ist eine Teuerung von 3,3 Prozent zu verzeichnen – gegenüber 4,3 Prozent in den zweieinhalb Jahren zuvor mit der D-Mark. Lediglich bei bestimmten Dienstleistungen wie Restaurant-Besuchen (plus 4,1 Prozent), Autowäsche (plus 6,5 Prozent) und Änderungsschneidereien (plus 4,9 Prozent) sei die Euroeinführung als Grund für eine überdurchschnittliche Teuerung anzunehmen. Die kräftigen Preiserhöhungen in der Gesundheitspflege (plus 20,1 Prozent) und bei Tabakwaren (plus 29,2 Prozent) sind hingegen nicht auf den Euro, sondern auf staatliche Maßnahmen – die Gesundheitsreform und Steuererhöhungen- zurückzuführen. Die Preissprünge bei Obst und Gemüse Anfang 2002 wiederum waren witterungsbedingt. Von der Einführung des Euro-Bargeldes bis heute verteuerten sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke nur um 1,1 Prozent – in der DM-Zeit davor waren es noch 3,0 Prozent gewesen

Also hoffentlich hat unsere Bundesgesundheitsministerin auch einen Internetanschluss in ihrem Büro und kann diese Meldung auch lesen. Dann wird sie ja nicht weiterhin behaupten, dass die Gesundheitsreform zu Kostensenkungen beigetragen hat, wenn zwar die Krankenkassenbeiträge irgendwann, vielleicht sogar noch vor dem Ende der Rot-Grünen Regierungskoalition, um Nullkommaquetsch Promillepunkte gesenkt werden, wo doch die Teuerungsrate im Gesundheitswesen bei amtlich festgestellten 20,1 Prozent liegt. Stellen Sie sich mal vor, wie sich die Gesundheitskosten ohne die Mitwirkung von Frau Schmidt entwickelt hätten. Da haben wir ja noch mal richtig Schwein gehabt!
Das hat der Ulla aber gut gemacht - oder?

Jetzt rechne ich doch auch mal wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden:

  • Teuerungsrate vor Einführung des Euro + 4,3 %
  • Teuerungsrate nach Einführung des Euro + 3,3 %
  •  Restaurantbesuche + 4,1 %
  • Autowäsche + 6,5 %
  • Änderungsschneidereien + 4,9 %
  • Gesundheitspflege + 20,1 %
  • Tabakwaren + 29,2 %
  • Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke + 1,1 %

Also, wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann sind das insgesamt addiert 73,5 %. Zusammen mit den Preissteigerungen beim Benzin sind wir dann bestimmt, wenn nicht höher -oder gar ach was noch viel mehr-, im dreistelligen Prozentbereich.

Ja, ja das könnte in etwa annähernd so hinkommen!
Muss man ja auch gar nicht genau bis auf die letzte Dezimale berechnen. Eine Näherungsrechnung unter Verwendung des auch aus der Rentenberechnung bekannten "Nachhaltigkeitsfaktors" potenzdividiert mit der griechischen Doppelzahl PiPi reicht da vollkommen aus.
Hauptsache ist doch, dass das Ergebnis gefällt.

Das ist ungefähr so wie bei den Wetterprognosen.
Da haben die Wetterfrösche schon lange erkannt, dass es eine gemessene Temperatur und eine gefühlte Temperatur gibt

Ich hab jetzt im Internet die Formel gefunden, mit der man die von den Spastikern beim Bundesbeschummlungsamt in Wiesbaden per Computer gemessene Teuerungsrate (C) in die vom Bürger gefühlte Teuerungsrate (F) umrechnen kann.

Die Formel lautet: F = (C * 9/5) + 32.

Nach diesem, übrigens bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannten, aber jetzt erst in den Zeiten der Not wiederentdeckten Algorithmus errechnet sich aus der amtlichen Teuerungsrate (C) von 3,3 % eine vom Bürger empfundene Teuerungsrate (F) von 37,9 %

Rechnen Sie doch einfach mal hier die amtliche Teuerungsrate von 20,1 im Gesundheitswesen um. Sie werden Augen machen.

Was viele Menschen ja nicht wissen und auch kaum an irgendeiner Universität gelehrt wird, ist das Verfahren wie man aus der Teuerungsrate und den arbeitgeberseitigen Lohnkürzungen, Wegfall von Weihnachts- und Urlaubsgeld den "realitätsfernen Kaufkraftschwund (rK)" errechnen kann.
Zugegebenermaßen muss man noch erwähnen, dass das nur eine grobe Richtgröße zur Trendbestimmung ist, denn wichtige Faktoren und Parameter wie Vertrauensverlustkoeffizient, Steuererhöhungsgeschwafeldeterminante, Schmiergeld- und Bestechungmodifikationskonstante, Politverdrossenheitsfaktor, Auswanderungstrend und Geldmengenflussrichtung werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt.

Ach halt, die Geburtenrate -von Nichtakademikern häufig mit der Populationshäufigkeit verwechselt- spielt auch noch eine gewisse Rolle, die man allerdings nicht unterschätzen sollte.





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02.08.2004 um 05:45 Uhr

Dreizack


Also wenn ich mich in den vielen Erfolgsmeldungen und nachfolgenden Dementis zur Besetzung EINER Stelle beim DFB nicht geirrt habe, dann dürften jetzt weitere Bewerber keine Chance mehr haben.

Nachdem sich für den freiwerdenden Posten von Rudi Völler keiner der langzeitarbeitslosen Trainer bewerben wollte, hilft jetzt Jürgen Klinsmann -ehemals bekannt und gefürchtet als der Schwabenpfeil- dem DFB aus der Bredouille.

Zwar hätte es ja eigentlich eine dreizackige Speerspitze im Kampf um die nächste Fußballweltmeisterschaft im Ländle werden sollen. Jetzt wurde so etwas wie ein Fonduestäbchen daraus, aber immer noch besser wie ein Schaschlikspieß. Eine Doppelspitze mit Doppelfunktionen passt ja auch viel besser zur neuen Doppelspitze des DFB. Stellen Sie sich mal vor, das hätte mit dem Klinsmannschen Dreizack geklappt, da wären die Jungs ja in der Überzahl gewesen.

Der Lothar Matthäus hat zwar geschmollt und in der Presse von der "schwäbischen Mafia" gefaselt, aber der Mayer-Vorfelder hatte doch ganz klar gesagt, dass der neue Bundestrainer Deutsch sprechen können muss. Schließlich spielt man hier in Deutschland ja internationalen Fußball. Und deshalb hat er sich für einen Schwaben entschieden, denn die können "Alles –außer Englisch".

Aber irgendwie hab ich doch ein mulmiges Gefühl, wenn ich mir den Dreizack so ansehe. Ich kann mir nicht helfen, das Teil sieht irgendwie komisch aus.
Und erinnert mich fatal an eine Grabgabel.





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01.08.2004 um 05:45 Uhr

Pac Rumana


Es wäre alles so einfach, wenn nicht immer diese vielen Gesetze, Vorschriften und die verdammte Bürokratie mit ihren Formularen wäre.
Da denkt man sich nichts Böses, schippert einfach so vor sich hin und ist gedanklich schon bei den Lieben zu Hause in Schlaraffialandia, da passiert es. Aber lesen Sie doch einfach selbst:

Aus dem Logbuch der Pac Rumana

  1. Tag: Haben heute den Hafen von Malta verlassen. Schiff und Mannschaft wohlauf. Sind frohen Mutes und haben genügend Wasser unter dem Kiel.
  2. Tag: Das Wetter ist gut. Gegen 12:00 Uhr treibenden Gegenstand am Horizont gesichtet. Halten darauf zu
  3. Tag: Das Wetter ist gut. Gegenstand von gestern entpuppte sich als treibendes Boot mit Schiffbrüchigen unbekannter Herkunft. Schiffbrüchige an Bord genommen.
  4. Tag: Das Wetter ist gut. Schiffbrüchige verpflegt und ärztlich versorgt. Behörden per Funk über die Rettung Schiffbrüchiger informiert. Behörden erstaunt, da kein Schiff als vermisst gemeldet.
  5. Tag: Das Wetter ist gut. Schiffbrüchige wieder bei Kräften. Dennoch seekrank. Untypisch für Matrosen.
  6. Tag: Das Wetter ist gut. Verständigung mit Schiffbrüchigen schwierig. Leiden offensichtlich unter Gedächtnisverlust. Herkunft nach wie vor unklar.
  7. Tag: Das Wetter ist gut. Verständigung mit Schiffbrüchigen weiter schwierig. Keine Papiere, aber vermutlich afrikanischer Abstammung.
  8. Tag: Das Wetter ist gut. Reger Funkverkehr mit den Behörden. Noch immer kein vermisstes Schiff gemeldet. Behörden stehen vor einem Rätsel.
  9. Tag: Das Wetter ist gut. Wieder reger Funkverkehr mit den Behörden.
  10. Tag: Das Wetter ist gut. Schiffbrüchige sind froh, dass von deutschem Schiff gerettet. Stimmung seitdem gut. Mit "Deitschland guuuut" erste Spracherfolge. Seekrankheit wie weggeblasen. Schiffsarzt spricht von Wunder.
  11. Tag: Das Wetter ist gut. Behörden wollen Identität der Schiffbrüchigen wissen. Verständigung jedoch wieder sehr schwierig. Schiffbrüchige sagen nur "Deitschland" und "nix verstehn".
  12. Tag: Das Wetter ist gut. Behörden jetzt böse und ungeduldig. Teilen mit dass Personen ohne gültige Ausweispapiere und unbekannter Herkunft nicht einreisen dürfen.
  13. Tag: Das Wetter ist gut. Reger Funkverkehr mit Behörden. Kapitän soll Schiffbrüchige dahin zurückbringen, wo sie hergekommen sind.
  14. Tag: Das Wetter ist gut. Kapitän funkt an Behörden, dass er die Schiffbrüchigen nicht zurück bringen kann, weil er nicht weiß wo sie hergekommen sind. Den Schiffbrüchigen sagt der Kapitän, dass sie sich erinnern müssen wo ihre Heimat ist.
  15. Tag: Das Wetter ist gut. Schiffbrüchige krank und verwirrt. Können sich nicht erinnern wo ihre Heimat ist, sagen immer nur "Deitschland".
  16. Tag: Das Wetter ist gut. Der Kapitän sagt, Schiffbrüchige ohne Heimat müssen Asylantrag stellen. Schiffbrüchige wieder gesund und Schiffsarzt verwundert.
  17. Tag: Das Wetter ist gut. Maschinen gestoppt. Pac Rumana wartet auf Genehmigung zu Hafeneinfahrt.
  18. Tag: Das Wetter ist gut. Schiffbrüchige stellen "Asylantrag für Deitschland". Kapitän funkt Behörden, dass jetzt Asylantragpapier da und Einreise möglich.
  19. Tag: Das Wetter ist gut. Kapitän sendet Notruf weil Schiffbrüchige wieder krank. Behörden ignorieren Notruf. Kapitän befiehlt "Volle Kraft voraus" und will Blockade brechen. Pac Rumana von Küstenwachschiff gestoppt. Behörden jetzt sehr böse.
  20. Tag Das Wetter ist gut. Schiffbrüchige können an Land gehen, werden aber sofort verhaftet, weil keine Papiere und keine Erinnerung an Heimatland.
  21. Tag: Das Wetter ist gut. Reeder heute morgen von Behörden verhaftet. Kapitän auch verhaftet. Sollen geholfen haben bei illegaler Einwanderung. Schiff von Behörde beschlagnahmt.

Ende Logbuch – Pac Rumana





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