Koppelgeschäfte

Die Situation kennen Sie sicher auch?
Sie haben zwischen zwei Geschäftsterminen in einer fremden Stadt etwas zuviel Zeit eingeplant und dann wird der Folgetermin auch noch kurzfristig nach hinten verschoben.
Der Tag, der stressig geplant war, wird so unfreiwillig zu einem Tag der Besinnung, Lust und Muse.
Wo geht man(n) hin in einer solchen Situation und einem solch herrlichen Sommerwetter um seine niedrigen menschlichen Instinkte zu befriedigen?
Genau, man geht in ein Cafe, oder was hatten Sie gedacht?
Man(n) sucht sich einen schönen Platz im Schatten und greift sich zur Entspannung eine der herumliegenden Tageszeitungen oder Illustrierten, wartet auf die Bedienung und schlägt derweil die Zeitschrift auf.
Hoher Ölpreis lässt Gasbezugskosten im Herbst deutlich steigen.
«Rohölpreise und Heizölpreise sind in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen. Die großen Ferngasgesellschaften haben angekündigt, dass auch die Gasbezugskosten für Stadtwerke als Folge der hohen Ölpreise zum Herbst zwischen 6 und 8 Prozent steigen werden.
Da der Gaspreis über die gesamte Lieferkette fest an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt ist, schlägt sich ein Anstieg der Ölpreise wie in den vergangenen Wochen mit einer Zeitverzögerung auch im Gaspreis nieder. Heizöl kostet zur Zeit sechs Prozent mehr als vor einem Monat und über 18 Prozent mehr als vor einem Jahr.»
Mir bricht der Schweiß in den Achselhöhlen aus, denn ich sehe meine nächste Hausnebenkostenabrechnung vor mir.
Flehentlich sehe ich mich nach Bedienung und der Möglichkeit eine Kühlgetränkebestellung um.
Am Nebentisch nehmen zwei Männer Platz. Einer in das bussinesmäßige Einheitsgrau eines angestellten Managers mit weißem Hemd und einfarbiger Krawatte gekleidet und der andere im saloppen Outfit eines eher freischaffenden Künstlers.
Ich lehne mich zurück, schließe die Augen zu kleinen Sehschlitzen und dämmere dem möglichen Erscheinen der Bedienung entgegen.
"Wo kommen denn die hohen Erdgaspreise her?", höre ich den jüngeren, salopp gekleideten Tischnachbarn fragen und seinen Gesprächspartner antworten: "Erdgas wird aus dem Ausland für ca. 1 Cent je kWh bezogen. Das ergibt sich aus der Statistik der Importpreise. In diesen Preis wurde der besseren Vergleichbarkeit wegen die Mehrwertsteuer einberechnet. Für die Verteilung innerhalb von Deutschland muss der Privatverbraucher viermal mehr zahlen, als die Exploration, die Förderung, der Gastransport über Kontinente und die Abgabe an das Förderland ausmachen.
Der Privathaushalt zahlt also für sein Erdgas ca. 4 Cent/kWh, ebenfalls inkl. Mehrwertsteuer - also das Vierfache des Importpreises."
"Dann werden ja Dreiviertel des Endverbraucherpreises in Deutschland generiert! Wofür wird das Geld denn ausgegeben?", will der Saloppe wissen und zückt ein kleines Mikrofon, nebst dem dazugehörenden Aufzeichnungsgerät.
Ein Interview im Cafe bei mehr als 30 Grad im Schatten über die Preisgestaltung für Importgas, soll das wohl werden, während mir der Schweiß im Brusthaar zusammenrinnt und ich die Ohren spitze.
"Für die Verteilung innerhalb von Deutschland wird durch den Gasimporteur und den Regionalverteiler etwa 1 Ct/kWh verlangt. Das örtliche Stadtwerk bezieht das Gas vom Regionalverteiler also für etwa 2 Cent/kWh. Auf diesen Preis schlägt das Stadtwerk für die Verteilung im Ort noch mal das Doppelte des Bezugspreises auf, also noch mal 2 Cent/kWh. Das sind dann summa summarum 4 Cent/kWh für das Gas, das beim Endverbraucher aus der Leitung kommt. Soviel nur zur Einstimmung. Können wir mit dem Interview zur Gaspreiskopplung jetzt anfangen? Ich bin leider etwas unter Zeitdruck".
"Ja natürlich. Die Fragen haben Sie ja vorab schon schriftlich bekommen, da geht das jetzt schnell.", gibt der Saloppe von sich, während er das Aufnahmegerät mitten auf dem Tisch platziert, das Mikrofon in Position bringt und seine Notizen zurechtlegt.
Frage: Wieso ist der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt?
Antwort: Seit Beginn der Erdgas-Wirtschaft Mitte der 60er Jahre wird der Gaspreis zeitlich verzögert an die Entwicklung des Heizöls gekoppelt. Durch die Kopplung wird die Konkurrenzfähigkeit von Erdgas mit der wichtigsten Konkurrenzenergie im Raumwärmemarkt, dem Heizöl gesichert. Dadurch gibt es für Erdgasfirmen auch eine langfristige Absatzsicherheit. Man spricht auch vom "anlegbaren Gaspreis" und meint damit die Orientierung an der Konkurrenzenergie Heizöl.
Frage: Wo ist die Kopplung von Gas und Ölpreis festgelegt?
Antwort: Die Preisgleitklausel ist in den meisten Erdgasbezugs- und Absatzverträgen enthalten: In den Erdgas-Importverträgen, den Lieferverträgen zwischen Gasversorgungsunternehmen und in Verträgen von industriellen Gasgroßkunden. Die Kopplung hat keine gesetzliche Grundlage sondern ist jeweils frei vereinbart. Meist orientiert sich der Gaspreis am Preisindex des Statistischen Bundesamtes für die Rheinschiene. Das ist ein Mittelwert für die drei Orte Düsseldorf, Frankfurt/Main und Mannheim/Ludwigshafen bei Lieferung an Verbraucher in Mengen 40-50 hl pro Auftrag frei Haus.
Frage: Gilt diese Kopplung auch für Haushaltskunden?
Antwort: Haushalte und Kleinkunden werden zu Preisen beliefert, die einseitig durch das Gasversorgungsunternehmen festgelegt werden. Auch dieser Preis orientiert sich jedoch mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Monaten an der Entwicklung des Heizöl-Preises, weil der Gasversorger selbst sein Gas mit einer solchen Preiskopplung einkauft, z.B. beim größten Gasimporteur, der Ruhrgas AG.
Frage: Ist diese einseitige Festlegung der Gaspreise für Haushalte rechtlich überhaupt zulässig?
Antwort: Eine Kontrolle der Gaspreise durch ein Behörde wie etwa bei den Strompreisen gibt es nicht. Die Gasversorger berufen sich die Preisgleitklausel vom 23. September 1998, nach der solche Klauseln genehmigungsfrei zulässig sind. Die Kartellbehörden müssen kontrollieren, ob durch die Preisfestlegung eine marktbeherrschende Stellung missbräuchlich ausgenutzt wird. Und nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch §315 muss eine einseitige Preisfestlegung "billigem Ermessen" entsprechen und der "Billigkeit" entsprechen. Ansonsten wird die Preisbestimmung durch Urteil getroffen.
Frage: Wo liegen die Nachteile der Ölpreisbindung für Haushalte?
Antwort: Nachteilig ist die Beliebigkeit der Preisanpassung. Bei steigenden Ölpreisen erfolgt die Gaspreiserhöhung zügig, während bei Ölpreissenkung der Gaspreis nur sehr langsam und geringfügig abgesenkt wird.
Frage: Prüfen die Kartellbehörden die Gaspreise?
Antwort: Die Kartellbehörden können nach der aktuellen Rechtssprechung des BGH nur einschreiten, wenn mit Sicherheit festgestellt wird, dass der wirtschaftlich gerechtfertigte Preis erheblich überschritten wird. Verschiedene Landeskartellämter, leider nicht alle, prüfen regelmäßig die Gaspreise für Haushaltskunden und beanstanden überhöhte Preise.
Frage: Welche Einfluss haben die Gasimportpreise aus dem Ausland auf den Erdgaspreis?
Antwort: Die Gasimportpreise aus dem Ausland werden regelmäßig statistisch durch das BAFA erhoben und auch veröffentlicht. Die Importpreise machen nur etwa 20% bis 30% des gesamten Erdgaspreises für Haushalte aus. Daher taugen Erhöhungen der Importpreise nur zu eben diesem Anteil zu einer Rechtfertigung von Preiserhöhungen.
Frage: Wie können sich Verbraucher gegen überhöhte Erdgaspreise wehren?
Antwort: Nach einer Preiserhöhung können Kunden mit zweiwöchiger Frist zum Ende des der öffentlichen Bekanntgabe folgenden Monats den Liefervertrag kündigen (AVBGas §32). Da es aber noch keinen Wettbewerb auf dem Gasmarkt gibt, kann der Kunde sich von keinem anderen Anbieter versorgen lassen. Deshalb hilft dem Kunden das Kündigungsrecht nichts. Der Kunde kann sich bei den zuständigen Kartellbehörden seines Bundeslandes beschweren. Das kostet nichts und man braucht dafür auch keinen Rechtsanwalt. Die Kartellbehörde entscheidet selbst, ob sie aufgrund einer Beschwerde tätig wird oder nicht. Denkbar wäre auch eine gerichtliche Überprüfung der Gaspreise nach §315 BGB (Billiges Ermessen).
Frage: Wird der Wettbewerb auf dem Gasmarkt die Preisbildung ändern?
Antwort: Zuständig für die Durchsetzung des nach EU-Recht vorgeschriebenen Wettbewerbs sind die staatlichen Behörden. Die Bundesregierung hat bisher weder die Vorgaben der EU-Richtlinie Gas in deutsches Recht umgesetzt, noch sieht sie es als notwendig an, eine Regulierungsbehörde zur Festlegung und Kontrolle des Zugangs zu den Gasnetzen einzurichten. Sie vertraut vielmehr auf freiwillige Vereinbarungen zur Selbstkontrolle.
Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet, weil der Gasmarkt noch nicht geöffnet wurde. Und der Bund der Energieverbraucher hat eine Beschwerde bei der EU-Kommission wegen der fehlenden Umsetzung eingereicht. Ein funktionierender Gasmarkt würde überhöhte Gaspreise nicht zulassen, weil ein Konkurrenzunternehmen dann das Geschäft machen würde.
Das setzt einen funktionierenden Markt ohne Preisabsprachen und Marktzutrittsschranken voraus. Ob und wann es einen solchen freien Gasmarkt auch für Privatkunden geben wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Pro forma ist der Gasmarkt in Deutschland zwar heute schon völlig liberalisiert. Die Regelungen sind aber so nachteilig für freie Händler, dass es keine Wahlmöglichkeit für private Verbraucher gibt.
Frage: Wie kann der Verbraucher abschätzen, ob der Erdgaspreis überhöht ist?
Antwort: Wenn die Heizölpreise für die Rheinschiene vor drei Monaten gegenüber den zuvor liegenden Monaten z.B. gesunken sind, dann kaufen auch die Gasversorger das Gas günstiger ein. Eine Preissenkung für Verbraucher wäre zu fordern. Ähnlich verhält es sich mit den Importpreisen. Günstigerer Bezug aus dem Ausland spart der Gaswirtschaft kosten und sollte auch an die Verbraucher weitergegeben werden. Der dritte interessante Preis ist der mittlere Verkaufspreis für Heizöl deutschlandweit. Der Bund der Energieverbraucher e.V. stellt alle drei Preise regelmäßig als Zeitreihe im Internet zur Verfügung.
Dann muss ich wohl eingeschlafen und erst wieder aufgewacht sein, als die Bedienung, die sich endlich von der drinnen wummernden Klimaanlage lösen konnte, neben mir stand.
Die Herren vom Nebentisch sind verschwunden. Nach kurzem Räuspern der verklebten Stimmbänder bestelle ich mir bei der verdutzten Bedienung unter Hinweis auf meinen angeschlagenen Gemütszustand ein großes Glas Wasser zur Einnahme einer Kopfschmerztablette.
Während ich auf ihre Rückkehr warte und mir den Schweiß die Hose an Gesäß und Schritt versaut, fällt mein besorgter Blick auf die vor mir am Tisch liegende Zeitschrift.
Da steht:
«Obwohl 35% der Deutschen mit Gas heizen, wissen zwei Drittel von ihnen nicht, wie viel sie für das Gas bezahlen. 46% der Gasnutzer wollen ihren Anbieter wechseln, wenn sie dadurch Kosten sparen können, 16% schon bei einem Preisvorteil von 10%. Die Wechselbereiten sind eher jung, mit höherer Schulbildung und besserem Einkommen.»

*) Übrigens das Interview ist fast im gleichen Wortlaut bei www.energienetz.de veröffentlicht worden. Dabei hätte ich schwören können, dass ich das alles nur geträumt habe. ;-)
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Können Sie sich trotz Harz IV und ALGII an die Empörung über die Angemessenheit der Managergehälter und die überschwappende Selbstbedienungsmentalität von Vorständen und Aufsichtsräten erinnern?
Also jetzt mal ganz ehrlich. 
Das könnte schon bald sein, denn der Münchner Merkur berichtet, dass das Känguruweibchen "Heidi" in der Nähe von Eggenfelden entsprungen sei. Die Eigentümerin des Streichelzoos, der Heidi beherbergt hatte, kann sich den Ausbruch nicht erklären. Heidi sei nur 60 Zentimeter groß und 20 Kilogramm schwer. Der Zaun sei jedoch 1,50 Meter hoch.
JETZT, wenige Monate vor dem geplanten Einführungstermin reden und schreiben sie alle von Hartz IV und Arbeitslosengeld II.
On a cold and grey Berlin morn a poor little baby child is born - in the Ghetto,
Der Euro ist kein Teuro!
Zwar hätte es ja eigentlich eine dreizackige Speerspitze im Kampf um die nächste Fußballweltmeisterschaft im Ländle werden sollen. Jetzt wurde so etwas wie ein Fonduestäbchen daraus, aber immer noch besser wie ein Schaschlikspieß. Eine Doppelspitze mit Doppelfunktionen passt ja auch viel besser zur neuen Doppelspitze des DFB. Stellen Sie sich mal vor, das hätte mit dem Klinsmannschen Dreizack geklappt, da wären die Jungs ja in der Überzahl gewesen. 
