Machopan - Rauchzeichen

12.09.2004 um 05:45 Uhr

Google Ranking


Bekommen Sie auch immer diese Mails, die Ihnen helfen wollen Ihr "Ranking" bei Google zu verbessern?

Ich hab anfangs, als die ersten Mails mit diesen Angeboten bei mir in der Emüllbox landeten, gar nicht gewusst, was die eigentlich meinten. Ich hab doch mit Google nix am Hut. Erst viel später ist mir klar geworden, welch durchschlagende Bedeutung eine Suchmaschine wie Google für das Internet hat.

Also wenn ich mir vorstelle, dass ich hier in Europa an meinem Computer sitze und meine Rauchzeichen und Hirnblähungen in elektronischer Form ins Internet ablasse und in Australien kann so ein armer Aussie im Outback nicht schlafen, dann würde der doch ohne Google gar nicht erfahren, dass ich in Deutschland etwas über die "Rentnerplage" oder das "Doppelschwanzmännchen" (Achtung – nicht jugendfrei) geschrieben habe.
Stellen Sie sich mal vor, welcher Verlust das für die Menschheit wäre.

Also nachdem ich entdeckt hatte welche Bedeutung Google, Meta Tags und Schlagworte für das Internet haben, begann ich mit der Optimierung meiner Texte.
Und heute kann ich die Früchte meiner Arbeit ernten, bin ich doch auf hervorragenden Plätzen bei Google gelistet. Ohne jetzt hier rumprotzen zu wollen, erlaube ich mir doch einige Beispiele für die erfolgreiche Platzierung meiner Hirnblähungen im World-Wide-Web anzuführen:

  1. Präsidentenpoker - Platz 1 von 950, sogar vor dem ZDF, dem Spiegel und der TAZ
  2. Bundespräser - Platz 1 von 230
  3. Bundesgerd - Platz 1 von 285
  4. Currywurststeuer - Platz 1 von 42
  5. Schlips - Platz 48 von 52500
  6. Kaffeauchtomat - Platz 1 von 3
  7. Parteiendemokratie - Platz 4 von 5870
  8. Knackarsch - Platz 40 von 108.000
  9. Schwarzarbeiter - Platz 39 von 13800
  10. Hinterbänkler – Platz 16 von 5770, knapp hinter Yahoo, der PDS, Heise und Netzeitung
  11. Hüftgelenk – Platz 94 von 28700, aber abgeschlagen hinter Hüftgelenkratgeber für Hunde
  12. Hitzealarm – Platz 3 von 510, vor Berlin Online und dem Landkreis Darmstadt
  13. Blautopf – Platz 58 von 7130
  14. Krähenehre – Platz 1 von 3
  15. Hirnriss – Platz 3 von 1530
  16. Intrigantenstadel – Platz 1 von 280
  17. Kartenmissbrauch – Platz 7 von 1610
  18. Bordellbesuch – Platz 7 von 1610
  19. Rentnerplage – Platz 1 von 10
  20. Mattenrichter – Platz 1 von 254
  21. Koppelgeschäfte – Platz 1 von 508
  22. Gelbstich – Platz 4 von 3660
  23. Dreizack – Platz 4 von 29000
  24. Klingelküngelgekungel – Platz 1 von 5
  25. Puffsteuer – Platz 1 von 232
  26. Doppelschwanzmännchen – Platz 1 von 283 (Achtung nicht jugendfrei)
  27. Kurmasana – Platz 2 von 705
  28. Hirnblähung – Platz 3 von 13 (Google bietet hier als Alternative immer "Hirnblutung" an)
  29. Wirtschaftsbruder – Platz 1 von 2
  30. Pickerl – Platz 69 von 20700

Ganz besonders stolz bin ich aber auf "Arbeitskamikaze", denn hier belege ich alle Plätze von 1 bis 283. The Winner of "Gold, Silber und Bronze" is - "Machopan".
Soll ich Ihnen mal ein Autogramm schicken?

Auch Sie können es locker auf Platz 1 im Google-Ranking schaffen!
Schreiben Sie doch einfach einen Artikel – zum Beispiel über das "Ochsenschwanzsausen".
Im ganzen Internet habe ich nirgends Informationen darüber gefunden. Dabei weiß doch jedes Kind, dass das das Geräusch ist, das entsteht wenn der ehemaliger Stier mit seinem Körperteil, das ihn zwar nicht von der Kuh unterscheidet, aber wenigstens noch funktionsfähig ist, heftig nach den ihn plagenden fliegenden Quälgeistern haut.
Dann genau dann, entsteht dieses "Ochsenschwanzsausen".

Google zeigt bei der Suche nach "Ochsenschwanzsausen" keinen einzigen Hit, während bei "Ochsenschwanzsuppen" immerhin schon 17 Treffer gefunden werden.

Also wenn Sie jetzt einen Artikel über das "Ochsenschwanzsausen" schreiben würden, dann – das könnte ich mir zumindest vorstellen - würde sich ein schlafloser Aussie im Outback darüber freuen.

Ach, Sie wollen wissen warum ich diesen Artikel "Google Ranking" und nicht "Ochsenschwanzsausen" betitelt habe?

Ganz einfach, ich hätte Ihnen ja sonst die Chance auf einen ersten Platz bei Google vermasselt!





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11.09.2004 um 05:45 Uhr

Nasentacker


Tack tack tack – kennen sie dieses Geräusch?
Könnte das berühmte "Klopf auf Holz" sein oder von einem Specht stammen, der unter der Borke nach dicken Würmern sucht.
Ein Berliner würde vielleicht dazu auch sagen: "Nachtigall ick hör dir trapsen."

Trapsen hört es jetzt, laut einem Bericht der Financial Times Deutschland, auch die CDU und die FDP beim beamteten Staatssekretärs im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Alfred Tacke, der auf "eigenen Wunsch" zum Stromunternehmen STEAG wechseln will. Hatte Tacke doch vor zwei Jahren in Vertretung des damaligen Wirtschaftsministers Werner Müller die Ministererlaubnis bei der Übernahme der Ruhrgas AG durch Eon erteilt, nachdem die Kartellbehörde die Übernahme die Zustimmung verweigert hatte. Müller ist inzwischen Vorstandsvorsitzender des Energie- und Chemiekonzerns RAG, des Mutterkonzerns von STEAG.

Es ist sicher Zufall, dass man dem Konzernbeteiligungsverzeichnis der Eon nach § 313 Abs. 2 HGB entnehmen kann, das Eon nach § 16 AktG an der RAG einen Anteil von 39,2 % besitzt.
Es ist sicher auch Zufall, dass der ehemalige Wirtschaftsminister Müller jetzt Vorstandvorsitzender bei einer Eon-Tochtergesellschaft ist und der beamtete Staatsminister Tacke "auf eigenen Wunsch" Vorstand einer Tochtergesellschaft eben dieser Tochtergesellschaft werden wird, zumal sein ehemaliger Chef auch noch im Aufsichtsrat seines neuen Arbeitgebers sitzt.
Oder sollte hier etwa wieder eine hilfreiche Hand von einer dankbaren Hand gewaschen werden, wie FDP und CDU/CSU, vielleicht geläutert aus eigener Erfahrung, misstrauisch ermuten?

Können Sie sich noch an den Vertrauten von Franz Josef Strauß, Mitglied der CSU und beamteter Staatssekretär im Verteidigungsministerium erinnern, der Anfang der neunziger Jahre mit der "Fuchs"-Panzerlieferung an Saudi-Arabien und später mit der Beschaffung des umstrittenen Jäger 90 befasst war?
Der Euro-Fighter, wie der Jäger 90 heute heißt, war mit 25 Milliarden Euro Kosten, die teuerste Anschaffung aller Zeiten, mitgebaut vom Daimler-Konzern. Auf "eigenen Wunsch" ist dieser beamtete Staatssekretär danach als Spitzenmanager in Südostasien zum Automobilkonzern DaimlerChrysler gewechselt. Wie hieß denn der Herr noch mal? Erst vor kurzem konnte man in der Presse wieder über ihn lesen. War nix Gutes, soweit ich mich erinnern kann.
Doch wie sagt der Volksmund immer: "Was dem einen sein Pfahls
ist dem anderen sein Dingens." Da muss man auch nicht bis zum "Neunzigsten Geburtstag oder ein Dinner for One" warten,

Aber sicher ist das hier alles ganz harmlos!
Vielleicht geht es dem Herrn Tacke ja auch nur darum seine Vita nicht zu demolieren.
Sieht doch die berufliche Zukunft als "persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers zur Vorbereitung des Weltwirtschaftsgipfels" nicht so gut aus.
Nicht dass es zukünftig keine Weltwirtschaftsgipfel mehr geben wird.
Aber sicher nicht mehr viele an denen "dieser" Kanzler noch teilnimmt.

Es sollen ja auch nicht die dümmsten Tiere sein, die sinkende Schiffe rechtzeitig verlassen.
Dazu braucht man nur ein glückliches Händchen und einen guten Riecher für den richtigen Zeitpunkt.

Und viel viel Ahnungslosigkeit und eine große Nasenklammer um diesen Braten nicht zu riechen.
Ticke Tacke, Ticke Tacke, hoi hoi hoi!





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10.09.2004 um 05:45 Uhr

Kettenraucher


Wie mir aus Kreisen, die ungenannt bleiben wollen, ganz vertraulich unter der Hand zugeflüstert wurde, soll es ein konspiratives Treffen mit dem Finanzhans, der Gesundheitsulla und dem Superwolli gegeben haben.
Grund? Na was wohl? Thema: Teer und Kohle.

Hans: Also, dass das mit der Kohle aus der Tabaksteuererhöhung nicht klappt, hab ich euch ja gleich gesagt. Auch wenn der Münte gemeint hat, dass die stufenweise Erhöhung keinem Raucher auffällt.

Ulla: Na einen Versuch war es doch wert und was hätten wir denn sonst machen sollen wo uns doch der Stolpe mit der Maut so toll hängen ließ.

Wolli: Jetzt hört doch auf zu jammern. Ich hab da drüber nachgedacht und habe die Lösung. Alles kein Problem. Also passt auf. Wir machen das so. Wir ändern Hartz IV und geben den Langzeitfaulenzern kein Geld mehr, sondern Berechtigungsmarken für Essen, Trinken und Wohnen.

Hans: Und dann, was bringt uns das?

Wolli: Also bei den Berechtigungsmarken, da tun wir auch Marken für Genussmittel bei. Man soll uns ja nicht nachsagen können, dass wir Unmenschen sind. Und bei diese Berechtigungsmarken tun wir auch welche bei für Zigaretten.

Hans: Hört sich gut. Wenn die Langzeitfaulenzer kein Geld kriegen, dann schaffen wir vielleicht sogar noch die Stabilitätskriterien der EU. Dafür könnt ich mich glatt begeistern. Und für die Lebensmittelmarken machen wir einen Kontrakt mit ALDI und LIDL und stunden denen die fällige Steuern auf die Umsätze, dann finanziert sich das von selbst. Das gleiche gilt für Zigaretten und Alkohol.

Ulla: Das mit den Lebensmittelmarken kommt mir bekannt vor, hab ich glaub von meine Mutter mal was von gehört. War irgendwann nach’m Krieg. Aber mach weiter, Wolli.

Wolli: Also die Nichtraucher tauschen ihre Zigarettenmarken gegen was anderes. Kaffee oder Benzin oder Schokolade zum Beispiel. Und die Raucher tauschen ihre Essenmarken gegen Zigarettenmarken.

Ulla: Und was ham wir davon? Die werden doch alle krank, da steigen doch die Kosten für die Gesundheit. Wie steh ich denn dann da?

Hans: Mensch Ulla, wie wenn das bei dir noch ne Rolle spielen würde. Aber echt, du schnallst mal wieder mal gar nix. Ich weiß schon worauf der Wolli raus will. Das ist echt super Wolli.

Wolli: Genau. Also passt auf. Ich hab ja noch das Geld mit dem die 1-Euro-Jobs finanziert werden sollen. Das sind, genaue Zahl hab ich jetzt nicht Kopf, so um die 600 Millionen. Damit bezahlen wir die Zigarettenraucher.

Ulla: Wie? Also dat versteh ich jetzt überhaupt nicht mehr! Für was bezahlen wir die Zigarettenraucher?

Wolli: Na für’s Rauchen! Die Tabakkonzerne schaffen, sagen wir mal 4 Millionen 1-Euro-Jobs für Testraucher. Jeder von denen kostet uns als Fulltime-Raucher im Monat 160 Euro; das sind im Jahr etwa 640 Millionen. Jeder von diesen Rauchern pafft am Tag mindestens eine Schachtel weg. Macht im Monat bei regulärer Arbeitszeit ohne Überstunden 20 Schachteln a 5 Euro. Im Jahr sind das 240 Schachteln und 1200 Euro Umsatz für die Tabakindustrie. Bei 4 Millionen Testrauchern sind das – Hans hilf mir mal – du weißt ich hab’s nicht so mit den Zahlen.

Hans: Also dass die Tabaksteuer nach der Mineralölsteuer unsere zweitwichtigste Einnahmequelle ist, das wisst ihr ja. Ein Raucher der pro Tag eine Schachtel qualmt, zahlt im Jahr etwa 600 Euro Tabaksteuer und etwa 150 Euro Mehrwertsteuer. Wenn wir das so machen, wie Wolli sich das ausgedacht hat, dann bringt uns das etwa 2,4 Milliarden Tabaksteuer und 600 Millionen Mehrwertsteuer. Und das bei nur 640 Millionen Kosten für die 1-Euro-Stundenlöhne.
Wolli, ich sag’s ja immer – du bist einfach super.

Ulla: Ja schön, das hab jetzt sogar ich verstanden. Aber was ist mit den Gesundheitskosten?

Hans: Gegenfrage, wie hoch ist die Lebenserwartung eines Rauchers der am Tag eine Schachtel Zigaretten raucht und dafür seine Essensmarken eintauscht?

Ulla: Das weiß ich nicht so genau. Auf jeden Fall geringer als das statistische Durchschnittsalter.

Wolli: Eben. Das kommt noch dazu, das hab ich noch gar nicht berücksichtigt.

Hans: Das war mir gleich klar. Die Idee ist echt super, Wolli. Wir haben mit einem Schlag keine Arbeitslosen mehr. Die Tabakindustrie brummt. Unsere Einnahmensituation aus Tabaksteuer und Mehrwertsteuer verbessert sich schlagartig. Und Ulla, last but not least, die Raucher scheiden durch sozialverträgliches Ableben auch noch frühzeitig aus der Pflegeversicherung und der Rentenzahlung aus und entlasten die Kassen.

Ulla: strahlt.

Wolli: Also sind wir uns einig? Dann sagen wir aber nur dem Gerd Bescheid. Und zu Stolpe, dieser Plaudertasche kein Wort, sonst glaubt der er kann die Maut noch mal verschieben.

Hans: OK. Gebont. Und noch eins: Dieses Treffen hat nie stattgefunden. haben wir uns da verstanden?

Ulla: nickt

Wolli. grinst.

Hans: Also dann woll’n mer mal. Ich muss noch mit der grünen Renate reden, damit die uns mit ihrer Currywurststeuer nicht dazwischen kommt. Das hätte uns jetzt gerade noch gefehlt, so kurz vor der Wahl.

So oder ähnlich könnte das Treffen wohl stattgefunden haben.
Auf Anfrage wollte sich aber derzeit keiner der Gesprächspartner zu diesem Thema außern.

 

 

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Link zum Thema:
Die Tabaksteuer

09.09.2004 um 05:45 Uhr

Windkunde


Nach dem (erwarteten) Wahldebakel für die Genossen an der Saar, war es diesmal SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter, der den seit der letzten Bundestagswahl achten Stimmenverlust in Folge kommentieren durfte.
Honorig räumte Benneter ein: "Der Rückenwind, den wir immer gerne vermitteln aus Berlin, hat dort noch nicht so gewirkt, wie wir uns das vorstellen. Aber ich bin mir sicher, dass sich der Wind wieder dreht".

Jetzt war mir nicht ganz klar, "welchen" Wind der Herr SPD-Generalsekretär damit wohl gemeint hat und ich habe mich daher mal im Internet umgesehen, was da so über Winde steht:
Als Wind wird in der Meteorologie eine gerichtete Luftbewegung in der Atmosphäre bezeichnet.
Winde mit Windstärken zwischen 2 und 5 haben die Bezeichnung Brise.
Winde mit Windstärken zwischen 6 und 8 bezeichnet man als Wind mit den Abstufungen starker, steifer und stürmischer Wind.
Bei Windstärken ab 9 spricht man von Sturm.
Winde mit der Windstärke 12 bezeichnet man als Orkan.
Eine heftige Luftbewegung von kurzer Dauer bezeichnet man als .
Berühmte Winde sind zum Beispiel der Passat, der Scirocco, den Monsun, der Föhn, der Mistral. Eine komplette Liste der Winde gibt es bei Wikipedia.

Erwähnenswert wäre auch noch die Windhose, ein kleinräumiger Luftwirbel, der eine mehr oder weniger senkrechte Drehachse aufweist und im Zusammenhang mit konvektiver Bewölkung auftritt.

Einen sehr häufigen Wind habe ich allerdings in der Liste bei Wikipedia nicht gefunden.
Vielleicht hat der Herr SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter aber gerade diesen Wind in der Hose 
gemeint.
Kann er eigentlich nur, denn bei diesem Wind spielt es nun wirklich keine Rolle aus welcher Richtung er weht – die Wirkung ist immer gleich.
Dazu passt auch der Kommentar von Schandmännchen:
«Die Wahlbeteiligung lag bei 55,5 %. Soll heißen: 44,5% aller Wahlberechtigten haben den politischen Parteien höflich aber unmissverständlich klar gemacht, dass sie ihnen am Arsch vorbei gehen»





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08.09.2004 um 05:45 Uhr

Tabaksteuer


Er war einsam, aber schneller und der Rauch war sein GesetzDas hatte sich Rot-Grün fein ausgedacht.
In drei Stufen sollte die Tabaksteuer angehoben werden um das marode Gesundheitssystem finanziell zu entlasten.
In der ersten Stufe sollten ab 1.1.2004 etwa 1,8 Milliarden Euro eingenommen werden. Die zweite Stufe soll dann nochmals 1,5 Milliarden Euro bringen. In der dritten Stufe wird dann mit zusätzlich 2 Milliarden Euro gerechnet.

SPD-Fraktionschef Franz Müntefering hatte die geplante Stufenlösung damit begründet, dass auf diese Weise höhere Einnahmen erzielt werden könnten. Bei einem einzelnen großen Schritt wäre demnach ein erheblicher Einbruch beim Zigarettenkonsum zu erwarten, meinte Müntefering. Werde die Erhöhung dagegen in mehreren Schritten umgesetzt, "dann verändert das nicht sehr viel" am Verbraucherverhalten.

... Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. (Volksmund)

Stolze 1,8 Milliarden Euro Mehreinnahmen hatte die Bundesregierung mit der jüngsten Erhöhung für den Staatshaushalt 2004 eingeplant. Geld, das das Gesundheitssystem entlasten sollte. Der erwartete Geldsegen wurde zwischenzeitlich behutsam reduziert - auf eine Milliarde Euro. Und jetzt das: Allein im zweiten Quartal sanken die Einnahmen bei der Tabaksteuer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 222 Millionen Euro. Statt eines Zugewinns muss der Fiskus damit ein Tabaksteuer-Minus von sechs Prozent verbuchen.

... Man merkt die Absicht und ist verstimmt! ( Wilhelm Busch )

Die Vorzeichen für geplante weitere Stufen im Dezember sowie im kommenden Jahr scheinen also alles andere als günstig. "Ökonomisch und fiskalisch sind die Pläne völlig kontraproduktiv", sagt Peter Lind, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Tabakwaren - Großhändler und Automatenaufsteller in Köln. "Allein in diesem Jahr ist mit Steuerausfällen von einer Milliarde Euro zu rechnen." Für die Tabakindustrie und den Fachhandel brachte der Raucher-Teilboykott ebenfalls empfindliche Einbußen: "Der Staat hat es dieses Mal einfach zu weit getrieben. 70 Prozent Steuererhöhung innerhalb von zweieinhalb Jahren sind zu viel."

... Ein Satz mit X – das war wohl nix.

Angesichts der einbrechenden Tabaksteuereinnahmen hat Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) erstmals den festen Milliardenzuschuss des Bundes an die Krankenversicherung in Frage gestellt.
«Das ist in der Tat ein Problem», sagte Eichel dem Magazin «Focus». «Wenn die erwarteten Mehreinnahmen nicht kommen, müssen wir überlegen, welche Konsequenzen das hat»
Der Haushaltsausschuss des Bundestages habe ausdrücklich beschlossen, den Zuschuss im Lichte der tatsächlichen Tabaksteuereinnahmen noch einmal zu überprüfen, sagte Eichel. «Wir können die Probleme nicht einfach nur von der Krankenversicherung auf den Bundeshaushalt verlagern. Wir müssen in den sozialen Sicherungssystemen zu Einsparungen kommen»

... Da haben euch die Raucher aber was gehustet! ( Machopan )

Und was liest der Raucher am 7. September im Jahre des Herrn 2004 in der Berliner Zeitung?

Rot-Grün schont Raucher
Haushaltsexperten der Koalition: Steuererhöhungen auf Tabak müssen abgeblasen werden / Höhere Zigarettenpreise lassen Einnahmen sinken

Und weiter heißt es in diesem Artikel, dass für die entstandenen Lücken die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gerade stehen muss, denn die hatte die Erhöhung der Tabaksteuer gewollt um die Beitragszahler zu entlasten und die Lohnnebenkosten zu senken.

Heißt das jetzt, dass die von Frau Bundesgesundheitsministerin Schmidt zum zwotausendfünfhunderteinundreissigsten Mal versprochenen Beitragsenkungen für die Zwangsversicherten in der gesetzlichen Krankenkasse jetzt doch nicht kommen?

Vielleicht könnte man zum Ausgleich der Finanzlücke die Praxisgebühr für Raucher auf 20 Euro erhöhen?
Ich meine ja nur, damit die Ulla jetzt nicht so dumm da steht!

... Wer anderen eine Grube gräbt - fällt selbst hinein ( Volksmund )





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07.09.2004 um 05:45 Uhr

Gürtellänge


Tragen Sie schon Hosenträger oder noch Gürtel?
Oder gehen Sie etwa ganz ohne, nur so mit Gummizug?
Oh, wie uncool!

Also ich bin ja seit der Zeit, als ich zum ersten Mal einen Western-Film gesehen habe, überzeugter Gürtelträger. Zusammen mit ledernen Chaps erschien es mir damals das geeignete Outfit um die Bedeutung meiner gerade erwachten jugendlichen Männlichkeit zu betonen. Aber das ist lange her und eine ganz andere Geschichte.

Also ich wollte mir jetzt einen(!) neuen Gürtel bestellen. Nicht nur um endlich die lahmende Wirtschaft wieder anzuschubsen, sondern auch, um trotz bescheidener politischer Lage der Nation, meinen schon fast krankhaften Optimismus zum Ausdruck zu bringen.
Lange genug habe ich mir jetzt angehört, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Ja und da habe ich mal meine Gürtel alle durchgecheckt und mit Entsetzen feststellen müssen, dass das bei mir nicht mehr geht. Ich kann meine Gürtel gar nicht mehr enger schnallen.
Nein, nicht weil ich zugenommen habe und der Gürtel jetzt zu kurz ist, wie bei Joschka Fischer.
Also der Außenjoschka ist ja echt auch ne arme Sau. Haben Sie sich mal überlegt wie oft der in den letzten Jahren seine gesamte Garderobe wechseln musste? Erst dünn – dann dick – dann dünn –dann wieder dick. "Mein langer Lauf zu mir selbst" hat er das genannt. Haben Sie das Buch gelesen? Der Joschka wog bei seinem Einzug in den Bundestag gerade mal 75 Kilo und hat sich dort dann weitere 35 Kilo angeeignet. Eine Rezension in der FAZ vom 27.3.2000 behauptet, dass er damals in Wirklichkeit gar kein Dicker war, sondern ein "mit Fett behangener Dünner".

Das Buch müsste man vielleicht mal unserer Bundesministerin Renate Künast schicken, bevor sie mit ihrer "Anti-Curry-Wurst-Kampagne" ernst macht. Eigentlich war ich ja der Meinung, dass dieses Buch bei den Grünen so was ist, wie die Mao-Bibel bei den Chinesen.

Also der Aussenjoschka hat das gleiche Problem wie ich, nur halt genau andersrum.
Denn während er keinen Gürtel mehr für die Löcher hat, habe ich keine Löcher mehr im Gürtel.
Ich möchte Ihnen daher die komplexe Problemstellung bei der Beschaffung eines zeitgerechten Gürtels anhand einer Abbildung und eines Beispiels demonstrieren.

Dazu habe ich folgende professionelle Anleitung nebst Bild der Internetseite www.guertelschnallen.com entnommen:

Unbekannter Adonis vermutlich schwäbischer Herkunft

Messen Sie zuerst Ihren Bauchumfang! auf der Höhe, an der Ihr Gürtel später sitzen soll.
Dieses Maß müssen Sie bei der Gürtelbestellung angeben. Ihr neuer Gürtel bekommt 5 Löcher. Das mittlere Loch entspricht dem von Ihnen gemessenen Bauchumfang. Links und rechts haben Sie noch je 2 Löcher für die guten und die schlechten Tage.

Also es ist ganz wichtig, dass man sich zuerst entscheidet WO der Gürtel denn um den Leib spannen soll. Bei einem Schwaben wie mir ist das eine verhältnismäßig einfache Übung, besteht doch der männlich-schwäbische Körper im Wesentlichen aus drei Teilen. Zuerst, ganz oben der Kopf, volkstümlich auch Dickschädel genannt. Dann in der Mitte, also unterhalb des Kopfes, mündet der Kopf mehr oder minder übergangslos in den Ranzen. Dieser ist das wichtigste Körperteil eines Schwaben. Man könnte fast sagen, dass alle anderen Körperteile irgendwie um den Ranzen herum angeordnet sind. Unterhalb des Ranzens beginnen die Füße, quasi als Abstandshalter zum Boden.

Dass man Gürtel um den Ranzen trägt, dürfte allgemein bekannt sein und wir können uns deshalb gleich mit der Form dieses Ranzens beschäftigen, der zur Aufnahme der menschlichen Lunge, des Herzens und andere Nebensächlichkeiten dient.
In jungen Jahren, zumindest zu meiner Zeit war das so, hatte der Ranzen eine V-Form, die dann später schleichend und fast unmerklich in eine O-Form überging. Daneben gibt es noch die A-Form und die H-Form.
Bei der H-Form ist das Anmessen eines Gürtel zwar einfach und kann auch vom bekleidungstechnischen Laien oder im Selbstversuch vorgenommen werden. Aber mit dem Halt der Beinkleider ist es so ein Problem.

Rainer Calmund, Manager von Bayer Läberkuzen. Man beachte den Sitz des Gürtels und die vorschriftsmäßige Länge der Krawatte

Diese Problem lässt sich bei der O-Form durch Anbringen des Gürtels oberhalb des Äquators lösen. Bestes Beispiel für diese Trageform ist Rainer Calmund, der ehemalige Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen, dessen Gürtel sich aber auf dem Foto bereits in der südlichen Hemisphäre zwischen Bauchnabel und Schambein befindet.

Ideal für das Tragen und Befestigen einer Hose am männlichen Körper und zudem bei Frauen auch sehr beliebt – ist die V-Form. In Verbindung mit Waschbrettbauch und Knackarsch ist sie ein Garant für den Erfolg beim anderen Geschlecht. Typische Vertreter der V-Form sind zum Beispiel Arnold Schwarzenegger und .... ich. Aber jetzt komme ich etwas vom Thema ab.

Helmut Kohl, letzter Kanzler der Bonndesrepublik. Man beachte die ausgeprägte Doppelform des Kinns und die Überlänge der KrawatteBei der A-Form streiten sich die Gelehrten, ob es sich dabei um eine noch im Aufbau befindliche O-Form oder schon um eine schwerkraftbedingte Abart der H-Form handelt.

Wie man jedoch sieht scheinen sich Vertreter dieser Spezies aus verständlichen Gründen eher für Hosenträger als für Gürtel zu entscheiden.

Bei dem Gerücht, dass diese Personengruppe ein instinktives Gefühl für schlechte Zeiten hat und deswegen zum Hosenträger greift, um später den Gürtel nicht enger schnallen zu müssen, handelt es sich um eine bisher unbewiesene Tatsachenbehauptung. (Hab ich das jetzt schön ausgedrückt?)

Welchen Gürtel ich mir jetzt bestellt habe?
Das werde ich hier nicht verraten, das überlasse ich Ihrer, wie auch immer gearteten Fantasie, denn die Gürtel gibt es von der Kindergröße bis zum XXL-Format mit 150 cm Länge, bis zum mittleren Loch versteht sich.

Wie sieht es denn mit Ihren Gürteln aus?
Oder können Sie schon keine Gürtel mehr tragen und nehmen lieber Hosenträger?
Oder gehen Sie etwa ganz ohne, nur so mit Gummizug?
Oh, wie uncool!





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06.09.2004 um 05:45 Uhr

Erfolgsmeldung?


Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Erfolgsmeldung, was der Spiegel  zur Lage am Arbeitsmarkt meldet.

Der Artikel ist, wie immer wenn Daten der Bundesagentur für Arbeit vorgestellt werden, in so einer Art Prophetendeutsch verfasst, aber selbst damit lässt sich der positive Aufmacher nicht im grünen Bereich halten.
Fazit: Wir haben im August weitere 110.000 Arbeitslose und Kandidaten für Harz IV, wenn wir so ehrlich wären und die Erfolgsmeldung nicht mit Rechenfehlern herbeischummeln würden.

Beschiss kommt auf den Tisch – und jede Trainingsmaßnahme ist mal zu Ende. Gell Herr Weise!

Die Reaktionen auf die "Erfolgsmeldung" der BA waren dann auch sehr zurückhaltend.
Peter Meister von der ING BHF-Bank sagte: "Das ist ein bisschen enttäuschend, denn ich hatte unbereinigt einen Rückgang von 45.000 erwartet." Die Binnennachfrage sei derzeit nicht so stark, vor allem die Investitionen seien noch schwach."

Tja, da warten wir doch mal, wie sich das ändert wenn erst die 1-Euro-Job-Besitzer mit ihrer gigantischen Kaufkraft auf den Markt drängen.
Da wird sich der Handel aber freuen, wenn das Weihnachtsgeschäft wegen Kürzung oder Wegfall des Weihnachtsgeldes auch schon bescheiden war.

Dann bin ich aber gespannt, was dem Herrn Weise dann wieder für ein Rechenfehler einfällt, denn der Wahnsinn hat Methode.

Ich freu mich schon auf die nächste Erfolgsmeldung der Bundesagentur für Arbeit, wenn saisonbereinigt das Angebot an offenen Stellen für Weihnachtsmänner und Christkindl alle Erwartungen der Arbeitsmarktexperten schlagen wird.

Halleluja, sog i!





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05.09.2004 um 05:45 Uhr

Mätzgerei


Manchmal ist es echt zum Kringeln.
Da hocke ich mit den Resten eines halbwarmen Morgenkaffees und (leicht!) verquollenen Augen an meinem Computer und starre gedankenverloren auf den Bildschirm, auf dem einige animierte Gifs irgendwelchen Unsinn und Sauereien treiben. Ein Großteil meines Hirns scheint noch damit beschäftigt die Frage zu ergründen warum ich in diesem erbärmlichen Zustand eigentlich schon aufgestanden wurde.
Echt Null Bock! Konditionell im roten Bereich. Mentale Stimmung - bääääääh!
Die halbe Nacht wachgelegen und auf das aggressive Sirren eines Moskitos gelauert, der sich die wegen Überhitzung freiliegenden Hautstellen meines Adoniskörpers mittels Sturzflug als Nahrungsquelle erschließen wollte. Als er bemerkt hat, dass ich abwehrbereit bin und nicht die Absicht habe das wehrlose Opfer zu mimen, hat er seine Taktik in eine Art verwirrendes Bungeejumping geändert. Der Kampf dauerte Stunden, David gegen Goliath, Technik gegen Gewalt, Klasse gegen Masse und wurde erst in den frühen Morgenstunden durch rohe Brutalität entschieden.

Tapferes kleines Kerlchen, du warst mir ein würdiger Gegner. Aber du hast eben nicht erkannt, dass es manchmal besser ist nachzugeben und vor allem – man sollte seinen Gegner nie unterschätzen. Die Stiche am Fußgelenk und an den Oberarmen jucken zwar noch, aber mit etwas kühlendem Gel aus der Hausapotheke habe ich das medizinisch im Griff. Anders sieht es aus mit dem geschwollenen rechten Auge. Da weiß ich nicht so genau was Ursache und Wirkung ist. War es der letzte Stich dieses blutrünstigen, kleinen Stechers oder der wuchtige Schlag meiner rechten Hand, der ihn das Leben und mich die hälftige Sehkraft gekostet hat.

Die optische Augenscheinnahme mittels linkem Auge und Spiegel ergab, einen mutwillig hängenden Augendeckel mit einem mittig deutlich sichtbar gerötetem Moskitoeinschussloch und umliegender blaugelbgrüner Verfärbung in Verbindung mit zunehmender äußerlicher Schwelltätigkeit und Sekretausfluss.

Und jetzt, oder vielleicht gerade deswegen, habe ich mich auch noch beim Googeln vertippt.
Eigentlich wollte ich ja etwas über den Einsatz von RFID-Technologien im Nahrungsmittelsektor, speziell bei Frischwaren, recherchieren.
Und da habe ich mir dann bei Google mit "Mätzgerei" einen Vertipper geleistet und mangels optischem Kontrollhandicap (siehe oben) mittels Tastaturtastendruck und TDSL-Router, TDSL-Modem und TDSL-Splitter zur weiteren Bearbeitung nach weh-weh-weh-dot-internet-was-comt-denn-da-dot-com geschickt.

"Scheiße", denk ich noch, da ist auch die Antwort schon da. Fünf Treffer!

Hier die zwei Haupttreffer:

Ay-Import-Export
Dort findet sich neben der "Mätzgerei" im Foto Albüm auch noch so nette Sachen wie:
gielet –Rasierklingen (sind aber von Wilkinson)
Rasierklingel – Diamond Super B II
Sokken - diverse Farben
Beha – unbedingt sehenswert
Kinder Pulover – schick mit Fronttaschen und Stehkragen
Apärtmen Wohnungen in Antalya

Spiegelverbreiterung
ich habe das material aus der mätzgerei,da ich ja auch da arbeite.habe von einer arbeits platte ein stück abgesägt.(da wo man das fleisch verarbeitet) die platte ist gut 3cm stark,macht viel aus.
nach dem bohren noch sägen und feilen dann schwartz lackieren,noch längere schrauben,fertig.nimmt etwa 1 stunde arbeit und das geld gespart.einzige problem ist nur das material, daß nicht jeder kriegt aber man kann ja auch was anderes nähmen.

Dinger gibts, die gibts gar nicht!





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04.09.2004 um 05:45 Uhr

2DF.Reporter


Haben Sie auch schon bemerkt, wie die Medien seit einigen Tagen über die Reform der Sozialsysteme berichten? Besonderes Augenmerk finden derzeit die 1-Euro-Jobs, die Jobs im Niedriglohnsektor und die Arbeitslosen, schön eingeteilt nach Arbeitswilligen und Arbeitsscheuen.

Den Vogel abgeschossen, zumindest soweit ich das durch eigenen Augenschein beurteilen kann, hat das ZDF mit seinem Bericht in 2DF-Reporter vom 1.9.2004.

Da werden glückliche und erschöpfte Gurkenpflücker gezeigt, die bei Regenwetter 9 Stunden in Bauchlage auf dem Gurkenflieger liegen und für 3,40 € pro Stunde Gurken einsammeln.

Und die emsigen polnischen Saisonarbeiter, die in einem Gärtnereifamilienbetrieb in Frankfurt am Main für 5,68 € pro Stunde zwei Monate lang jobben, um von ihrem sagenhaften "Verdienst" dann sechs Monate lang in Polen leben zu können.

Das sind die Beispiele für die Guten, die Arbeitswilligen. Die sprechen in die Kamera, zeigen ihre Gesichter und erzählen aus ihrem Leben..

Und dann gibt es da noch die Bösen, die Drückeberger, die Arbeitsscheuen. Die sitzen im Büro der Zeitarbeitsfirma "Contempo" vor versteckter Kamera und bekommen einen Job auf dem Bau, im Lager oder bei der Müllabfuhr im Schichtbetrieb für 6,70 € abgeboten, den sie aber nicht haben wollen. Von diesen "Bösen" sieht man aber kein Gesicht, die wurden im Filmbeitrag unkenntlich gemacht.

Das könnte ich ja noch verstehen, aber warum man im gesendeten Beitrag auch noch die Stimmen der Bewerber "nachgesprochen" hat und nicht den Originalton verwendet, das –meine lieben Reporter vom 2DF- deucht mir doch etwas seltsam. Seid mir bitte nicht böse, liebe Mainzelmännchen, aber vor dem Schreibtisch des Zeitarbeitsvermittlers hätte Donald Duck sitzen können und den Job für 6,70 Taler im Schichtbetrieb bei der Müllabfuhr von Entenhausen abgelehnt, weil er alleinerziehender Onkel von drei minderjährigen Neffen ist.

Also den ersten Rüffel den ich verteile, gibt es für die ungleiche Art der Berichterstattung, die mich eigentlich wundert, denn sonst ist man doch mit der Ausstrahlung von mit verdeckter Kamera aufgenommenen Filmmaterial auch nicht zimperlich.
Oder könnte die vollkommene Unkenntlichmachung der "Arbeitsunwilligen" schon eine Folge des "Caroline-Urteils" sein?

Und die zweite "Silberne Zitrone" für die ZDF-Reporter gibt es für die Auswahl der Beispiele.
Dass die Saisonarbeiter aus Polen von ihrem Verdienst aus zwei Monaten Erntehelfer in Deutschland, dann sechs Monate in Polen leben können, ist sehr schön für sie. Da macht das Arbeiten ja auch Sinn, wenn man davon leben kann. Und sogar länger als man dafür arbeiten muss.

Aber für einen deutschen Erntehelfer macht es sicher keinen Sinn zwei Monate zu arbeiten, um dann von dem Verdienst einen Monat lang leben zu können.

So ein Erntehelfer verdient im Monat bei 160 Arbeitstunden und einem Stundenlohn von 5,68 € im Monat etwa 910, -- € brutto. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben (ca. 25 %) bleiben ihm noch ca. 680 € .
Für eine Wohnung mit 45-50 Quadratmeter Wohnfläche muss laut Mietspiegel der Stadt Frankfurt 
aus dem Jahre 2002 auf Seite 7 (der neue Mietspiegel ist noch nicht fertig) mit einer Basis-Nettomiete zwischen 7,10 € und 8,70 € gerechnet werden.
Nehmen wie jetzt einmal an, dass der emsige Erntehelfer in einer 45 Quadratmeter großen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, Baujahr 1985 wohnt, die Miete laut Mietspiegel 7,77 €/qm und somit die monatliche Basis-Nettomiete 349,65 € beträgt.

Damit bleiben unserem fleißigen Erntehelfer noch etwa 330,-- €.
Davon muss er aber noch die monatlichen Betriebsnebenkosten für seine Wohnung bezahlen.
Die betragen je Quadratmeter, ebenfalls laut Mietspiegel 2002 (Seite 6) für:

  • Wasser/Abwasser 0,39 € x 45 qm = 17,55 €
  • Strassenreinigung 0,08 € x 45 qm = 3,60 €
  • Müllabfuhr 0,22 € x 45 qm = 9,90 €
  • Grundsteuer 0,23 €x 45 qm = 10,35 €
  • Sach- und Haftpflichtversicherung 0,12 € x 45 qm = 5,40 €
  • Schornsteinfeger 0,05 € x 45 qm = 2,25 €
  • Hausbeleuchtung 0,03 € x 45 qm = 1,35 €
  • Hauswart 0,14 € x 45 qm = 6,30 €
  • Gartenpflege 0,11 € x 45 qm = 4,95 €
  • Gemeinschaftsantenne 0,04 € x 45 qm = 1,80 €
  • Heizung und Warmwasser 0,63 € x 45 qm = 28,35 €

Macht summa summarum an monatlichen Nebenkosten 91,80 €.
Da Miete und Nebenkosten laut Mietvertrag spätestens am dritten Arbeitstag eines Monats zu r Zahlung fällig sind, hat unser fleißiger Erntehelfer spätestens am vierten Arbeitstag des Monats nur noch sagenhafte 238,-- Euro für den mickrigen Rest des vor ihm liegenden Monats zur Verfügung.
Davon abziehen muss man davon noch die Kosten für Strom, evtl. für ein Telefon, unter Umständen noch die Prämie für eine Hausratversicherung und/oder eine Haftpflichtversicherung.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass unser fleißiger Erntehelfer das alles sehr kostengünstig abschließen konnte, wenig telefoniert, kein Radio oder gar Fernsehapparat sein eigen nennt, also auch keine Gebühren bezahlen muss und auch nicht schwarz sieht oder hört, keine Zeitung abonniert hat, kein motorisiertes Fahrzeug besitzt, nicht in Urlaub fährt, nicht in Theater oder Kino geht, keine Gaststätten oder gar Restaurants besucht, nicht raucht oder trinkt und auch keine Drogen konsumiert, kein Hobby hat und auch nicht zahlendes Mitglied in einem Verein ist, sich die Haare selber schneidet und auch nie zum Arzt muss oder gar Medikamente benötigt und seine Elektrogeräte (Waschmaschine, Staubsauger, Herd und Kühlschrank) bis zum Sanktnimmerleins-Tag durchhalten und er auch nicht im Lotto oder der Glücksspirale spielt, um seinem Schicksal vielleicht irgendwann entfliehen zu können, dann und nur dann bleiben ihm von seiner Hände Arbeit etwa 200 € im Monat.

Und von diesen 50 € pro Woche muss er seinen Lebensunterhalt, Essen, Trinken, Waschen, Putzen und die Fahrtkosten zu seinem lukrativen Job als Erntehelfer bezahlen.
Und wenn es nach dem Willen unserer Bundesregierung geht, dann darf er auch noch mit viel Eigeninitiative selbst für seinen Lebensabend vorsorgen.

Wie wäre es denn, wenn die Reporter vom 2DF, jetzt mal einen Bericht über arbeitswillige Geringverdiener und Lebenskünstler mit Wohnsitz in Deutschland und deren Zukunftsperspektiven als Erntehelfer oder -noch besser- als glücklicher 1-Euro-Job-Inhaber machen würden.
Und was ich persönlich ganz schick finden würde – noch eine gnadenlose Analyse über die Geringverdiener, ihre gesellschaftliche Rolle und ihre Bedeutung für Familie, Kultur, Wissenschaft, Konsum, Wirtschaft und Politik sowie ihr zukünftiges Vegetieren als Rentner.

Aber das trauen die 2DF-Reporter sich nicht - als öffentlich-rechtliche Medienanstalt.





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03.09.2004 um 05:45 Uhr

Kurz kommentiert


Aus dem News-Ticker der Frankfurter Rundschau vom 02.09.2004

Schmidt fordert von Kassen rasche Beitragssenkungen
Berlin (dpa) - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat von den gesetzlichen Krankenkassen nach deren Halbjahres-Überschuss von knapp 2,5 Milliarden Euro rasche Beitragssenkungen verlangt. Dabei seien auch die Arbeitgeber und Gewerkschaften gefordert, erklärte Schmidt in Berlin. Es gebe genügend Spielraum. Viele Kassen aber hätten entgegen den Vorgaben einer schnellen Entschuldung und teils dem Aufbau von Rücklagen Vorrang vor Beitragssenkungen gegeben.

Also ehrlich – zu der Frau fällt mir wirklich nichts mehr ein. Erst werden Beitragssenkungen möglich sein, dann werden sie kommen, dann sind sie in greifbarer Nähe, dann freut sie sich, dass die Beitragssenkungen jetzt da sind und jetzt .... jetzt muss sie die Krankenkassen zu raschen Beitragssenkungen auffordern. Sind das immer noch die gleichen Beitragsenkungen oder habe ich etwa die erste Welle der Beitragssenkungen verpasst?  LaOh Ulla – wat machste denn da?

Lage auf Lehrstellenmarkt angespannt
Nürnberg (dpa) - Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt bleibt kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres angespannt. Die rechnerische Lücke zwischen unbesetzten Lehrstellen und nicht vermittelten Bewerbern sei mit rund 132 000 deutlich größer als vor einem Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement rechnet am 1. Oktober mit einer Ausbildungslücke von eher 30 000 als 20 000. Das Ziel, jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz oder eine Einstiegsqualifikation machen zu können, sei aber erreichbar.

Also das verstehe jetzt wer will. Ich dachte dieses Problem wäre gebont. Statt einer Ausbildungsplatzabgabe bekommt jeder Jugendliche einen Ausbildungsplatz. So war das doch Herr Müntefering, oder haben wir das falsch verstanden? Und wenn jetzt auch noch das Versprechen von Bundesgerd, dass durch Hartz IV jeder Jugendliche bis 25 einen Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz mangels Masse zu einer Klagewelle führt – dann gute Nacht Genossen. Der letzte macht das Licht aus.

BA rechnet auch im Herbst mit mehr als vier Millionen Arbeitslosen
Nürnberg (dpa) - Die Bundesagentur für Arbeit erwartet auch für den Herbst keinen durchgreifenden Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbslosen werde deutlich über vier Millionen liegen, sagte Vorstandsmitglied Heinrich Alt in Nürnberg. Im August war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um rund 13 000 auf 4,35 Millionen gesunken. Das waren fast 31 000 mehr als vor einem Jahr. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres Anfang Oktober suchen noch rund 182 000 Bewerber eine Lehrstelle.

Da sieht er aber mal wieder richtig alt aus der Herr Alt von der BA. Und sein Kollege der weise Herr Weise, muss zugeben, dass unter Berücksichtigung der zu Trainingmaßnahmen verdonnerten Arbeitslosen, die seit Jahresanfang nicht mehr als "arbeitslos" mitgezählt werden (dürfen), die Zahl der Arbeitslosen im August 2004 um 110.000 angestiegen ist. Ob das jetzt vor oder nach der saisonbereinigten Zahlenkosmetik ist, oder danach – das hab ich jetzt nicht mehr so im Kopf.
Fakt ist eigentlich nur, dass zwei Vorstände eines Wirtschaftunternehmens das permanent derart schlechte Zahlen präsentiert, von den Aktionären schon längst zum Rücktritt gezwungen worden wären.
Gab’s nicht irgendwann mal ne Deutschland-AG?

FDP will "Befreiungsschlag" für Deutschland
Wiesbaden (dpa) - Die FDP plant einen "Befreiungsschlag" für Deutschland. Das machte Fraktionschef Wolfgang Gerhardt zur Eröffnung der FDP-Fraktionsklausur in Wiesbaden klar. Bis zum Herbst müsse die Partei klare Ziele für eine Regierungserklärung 2006 vorlegen. Die Liberalen fordern niedrigere Steuern, freies Wahlrecht für alle in der Krankenversicherung und eine bessere Förderung von Arbeitslosen. Gerhardt wird auf dem dreitägigen Treffen ein Strategiepapier zur Programmatik der FDP vorstellen.

Jetzt kann ich nur hoffen, dass der Herr Gerhardt kein Fußballspieler ist, denn dort verwendet man einen "Befreiungsschlag" wenn man die Übersicht über das Spielgeschehen verloren hat. Genau dann drischt man den Ball irgendwo hin, Hauptsache er ist erst mal weg. Ganz beliebt sind die "Befreiungsschläge" ins Seitenaus zum Zeitschinden. Dafür kann es vom Schiri "Doppel-Gelb" geben.


Gehälter der deutschen Top-Manager kräftig gestiegen
Frankfurt/Main (dpa) - Die Gehälter der deutschen Top-Manager sind im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Im Schnitt lag der Zuwachs bei den Vorständen der 30 DAX-Firmen bei elf Prozent. Das teilte die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz mit. Durchschnittlich wurden in den Vorstandsetagen der DAX-Unternehmen 1,42 Millionen Euro verdient. Die Gehaltsanhebung blieb unter dem durchschnittlichen Anstieg der Unternehmensgewinne, die der Untersuchung zufolge im Schnitt um 30 Prozent zulegten
.

Na, endlich! Wenigstens etwas was steigt in diesem unseren Lande. Und gleich im doppelten Prozentbereich. Veränderungen wie bei den Arbeitnehmern – nur eben in die andere Richtung!
Aber moderat immer noch unterhalb der Steigerung bei den Unternehmensgewinnen von durchschnittlich 30%.
Was ich jetzt nicht ganz verstehe –rein mathematisch- wie ich aus 20% Lohnkürzung bei den Arbeitnehmern eine 30 % Steigerung der Unternehmensgewinne machen kann. Oder spielen hier auch noch andere Faktoren eine Rolle?


Europäische Zentralbank hält Leitzins konstant bei 2,0 Prozent
Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank hält trotz der erhöhten Inflationsrate die Leitzinsen konstant. Der Zins bleibt unverändert bei 2,0 Prozent. Das teilte die EZB nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit
.

Ach die Inflationsrate ist auch gestiegen! Da ist es extrem wichtig, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen unverändert lässt, dann können die Banken und Sparkassen auch bei ihren moderaten 13-17% Zins für Dispo-Kredite und Kontenüberziehungen bleiben.

 

Es geht aufwärts!
Anschnallen, das Rauchen einstellen und die Sitzgurte festziehen.
Wer jetzt nur einen Stehplatz hat ist selber schuld!





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02.09.2004 um 05:45 Uhr

Eigener Augenschein


Zur Zeit kommt niemand an dem Thema Hartz IV vorbei. Keine Tageszeitung, die es nicht täglich auf Seite 1 hat. Kein Magazin, egal welcher Zielgruppe, ohne einen Artikel und Expertenmeinungen. Kein Fernsehabend ohne Talkrunde zum Thema Hartz IV und Umbau der Sozialsysteme.
Und kein Montag ohne Demo. Und überall Demagogen und Trittbrettfahrer, die versuchen ihren eigenen Vorteil aus den Vorgängen zu ziehen.

Man muss ein bisschen von den Dingen zurücktreten um etwas Abstand zu den heißen Diskussionen, den Rechtfertigungen, der sachlichen und unsachlichen Kritik, den Lügen, den Märchen, den Sprechhülsen zu bekommen und die Übersicht zu behalten.
Mitten in der Menge, im laufenden Kampfgewühl, ist schlecht nachdenken und Zeit für strategische oder längerfristige Entscheidungen kann man sich da nicht leisten. Man geht in Klausur, nimmt sich eine Auszeit, verändert seine Position, seinen Blickwinkel und verschafft sich ein Bild der Lage - durch Beratung mit anderen Menschen und/oder durch eigenen Augenschein.

Früher habe ich bei der Übertragung von "wichtigen" Fußballspielen im Fernsehen den Ton abgedreht, weil sich mir schon damals durch die Kommentare der Fernsehmoderatoren nicht nur die Nackenhaare grausten. Akustisch habe ich mir das Geschehen am Bildschirm durch die zeitgleich im Radio laufendende Berichterstattung unterlegen lassen.

Ich weiß nicht, ob Sie sich diese asyncrone Art der Berichterstattung vorstellen können.
Sie sitzen vor dem Fernseher, sehen was dort auf dem Spielfeld passiert und hören aus dem Radio die Berichterstattung über Spielzüge die längst vorbei sind. Man kann bei diesem System nicht nur erkennen wie schnell das Gehirn des Reporters arbeitet, sondern auch seine Fähigkeit Ereignisse visuell aufzunehmen, zu verarbeiten und verbal in einer Form zu berichten, die den Hörer fesselt und dennoch dem wahren Spielgeschehen entspricht. Da produziert der Reporter noch wortreich die Spannung vor einem Elfmeterschuss und ich habe längst gesehen, dass der Ball übers Tor geht. Oder der Reporter ist damit beschäftigt die Stationen eines Angriffs der deutschen Mannschaft zu beschreiben, etwa in der Form: "Beckenbauer flankt zu Netzer, Netzer läuft an der Außenlinie, wird angegriffen ... oh oh, das war knapp, das hätte man pfeifen können, doch Netzer bleibt im Ballbesitz und spielt .... ja er spielt den Ball geschickt mit einer aus dem Fußgelenk geschlagenen Bananenflanke direkt in den Lauf von ..... Müller, ja Müller steht wie immer am 16-Meterraum, das hat er wieder geschickt gemacht, drückt sich einfach mit dem Hintern an seinem Gegenspieler vorbei, das macht ihm so schnell keiner nach ......"

Und was habe ich im Fernsehen gesehen?
"Beckenbauer kickt den Ball lustlos zu Netzer, weil sich sonst kein Spieler anbietet. Netzer weiß nicht was er mit dem Ball machen soll und guckt solange in der Gegend rum bis er endlich angegriffen wird. Das zwingt ihn ein paar Schritte mit dem Ball zu gehen, bevor er ihn einfach nach vorne in den Strafraum drischt. Dort steht zufälligerweise Müller, weil der schon immer zu faul war ein paar Schritte zu laufen. Jetzt rollt ihm der Ball an den Füßen vorbei und als er sich umdreht um zu sehen wo der Ball hinrollt, drückt er den Gegenspieler, mit dem er sich gerade noch prächtig unterhalten hat, etwas auf die Seite ......"

Sie verstehen was ich meine?
Ich meine jetzt nicht das zeitversetzte Senden von "Live"-Übertragungen, wie es seit Janet Jackson Busenhüpfer praktiziert wird, um Schaden vom (jugendlichen) Publikum abzuwenden, das sich gerade aus dem Big-Brother-Kanal oder aus dem Berichterstattung von den Ereignissen auf der Alm, aus irgendeiner Rammeloper bei 6-Plus oder sonstigen "hochwertigen" Ausstrahlungen und Ausscheidungen der diversen Sendeanstalten herübergezappt hat.

Ich meine auch nicht die "nachträgliche" Synchronisation von analogem/digitalem Film- oder Videomaterial, die, wenn schlecht gemacht, zu einer offensichtlichen Diskrepanz zwischen gesehenem Ereignis und gehörtem Ton führt.

Ich meine die laufende Berichterstattung in den Medien.
Die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse durch unsere Mainstream-Journaille.
Mich hat eigentlich interessiert, warum die Berichte über das gleiche Ereignis sich zum Beispiel in der Frankfurter Rundschau anders lesen als im Spiegel, und in der Berliner Zeitung anders als in der Wirtschaftswoche. Mich hat interessiert warum sich die Nachrichten im ARD/ZDF anders anhören als bei RTL.

Und deshalb wollte ich mich jetzt selbst informieren
Und zwar vor Ort.
Durch eigenen Augenschein.
Um bei dem Beispiel mit der Fußballreportage zu bleiben – ich wollte selbst ins Stadion.

Und das habe ich am Montag den 30. August 2004 um 17:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit auch getan.
Ich, der ich meist mit dem PKW unterwegs bin, bin zur S-Bahnstation gelaufen. Ich, der ich eine angeborene Abneigung gegen öffentliche Nahverkehrsmittel habe, habe mir nach längerem Studium der Bedienungsanleitung des Fahrkartenautomaten und ohne fremde Hilfe eine S-Bahnfahrkarte nach Frankfurt am Main zur Hauptwache gekauft. Ich bin dort ausgestiegen und habe durch Ausgänge auch den Weg ans Tageslicht gefunden und mich dort um 18:00 Uhr unter die Demonstranten der "Montagsdemo" gemischt.

Ich habe den Reden zugehört, habe artig alle Flugblätter gesammelt und gelesen, habe mir die Menschen angesehen, die da mit mir standen, habe die Fahnen und Parolen in mir genehme und weniger genehme Gruppen eingeteilt. Ich habe die Fotografen und das Fernsehteam vom Hessischen Rundfunk beobachtet und versucht herauszubekommen, nach welchen Kriterien sie ihre Interviewpartner und Aufnahmeperspektiven auswählen. Und dann bin ich mit marschiert und geblieben bis zur Schlusskundgebung vor dem Arbeitsamt und der SPD-Zentrale. Danach habe ich mich in den Straßen und Gassen von Frankfurt etwas verlaufen, aber schließlich ohne fragen zu müssen die Hauptwache wieder gefunden und es auch geschafft den richtigen Bahnsteig für die Heimreise zu ermitteln. Gegen 21.00 Uhr war ich wieder zu Hause und kam gerade rechtzeitig um mir die Berichterstattung von den Montagsdemos im Fernsehen anzusehen.

Und da war es mir, dass ich heute - vielleicht durch den technischen Fortschritt - für die asynchrone Berichterstattung nur noch ein Gerät brauche.
Und deshalb fahre ich am nächsten Montag wieder mit der S-Bahn zur Hauptwache nach Frankfurt am Main.





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01.09.2004 um 05:45 Uhr

Viktoria


Was glauben Sie, welche Erfolgsaussichten das folgende Inserat wohl hätte?

Rechtsanwalt, 60 Jahre, berufstätig, viel auf Reisen, kinderlos, in vierter Ehe verheiratet, sucht zwecks Adoption kleines Mädchen bis 5 Jahre aus osteuropäischen Ländern.
Kontaktaufnahme unter Chiffre bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Mit "so gut wie keine Chancen" liegen Sie vermutlich richtig, sind doch die Anforderungen der Jugendämter an schon etwas angegraute, zeugungsunfähige aber adoptionswillige Ehepaare im Alter über 40 Jahren in der BRD schier nicht zu erfüllen. Auch scheint der Ehemann ungeachtet seines verrentungsfähigen Alters, aus beruflichen Gründen so eine Art Wochenendehe zu führen.

Dass er in vierter Ehe verheiratet ist, spricht auch nicht gerade für eine gute Partnerschaftsfähigkeit, sondern eher für "Trial & Error" bei der Auswahl seiner Lebensabschnittsgefährtinnen. Kann man der zarten Psyche eines kleinen Mädchens, zudem noch in einem fremden Land, einen solchen Vater im Großvateralter zumuten?
Wohl eher nicht.

Was glauben Sie wohl, welche Erfolgsaussichten unter diesen Gesichtspunkten das folgende Inserat wohl hätte?

Bundeskanzler, 60 Jahre, berufstätig, viel auf Reisen, kinderlos, in vierter Ehe verheiratet, sucht zwecks Adoption kleines Mädchen bis 5 Jahre aus osteuropäischen Ländern.
Kontaktaufnahme unter Chiffre bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Das kann ich Ihnen sagen, bzw. Sie können das in den meisten Zeitungen nachlesen. Unter anderem auch in der Netzeitung

Der Kanzler hat diese Adoption zu seiner Privatsache erklärt. Das ist sein gutes Recht.
Aber die Frage muss auch erlaubt sein, wie denn die adoptionswilligen Eltern die hohen Anforderungen der Adoptionseignungsprüfung
inklusive "home-study" geschafft haben.
Denn wenn ich mich recht erinnere, hat die Ehefrau Doris Schröder-Köpf mal behauptet und auch über die Medien verbreitet, dass ihr Gatte Gerhard gar nicht zu Hause, sondern im Swimmingpool wohnt.

Wie unter diesen Bedingungen vom Jugendamt eine positive "home-study" erstellt werden konnte und wie die Wahrscheinlichkeit bewertet wurde, dass die kleine Viktoria bereits vor Erreichen ihrer Volljährigkeit Halbwaise werden wird, sofern es ihrem Adoptivvater nicht gelingt, das statistische Durchschnittsalter deutscher Männer nach oben zu verbessern, das würde sicher nicht nur mich, sondern auch andere adoptionswillige (ältere) Ehepaare interessieren.

Wie heißt es doch so schön im Grundgesetz Artikel 3 Absatz 1:
"Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich" – aber manche sind halt gleicher!

Vielleicht heißt ja deshalb das vierte Mitglied der Familie Schröder – Viktoria.





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