Machopan - Rauchzeichen

11.10.2004 um 05:45 Uhr

Schlusslicht


Mit "Deutschland ist das Schlusslicht in Europa" meldet uns das Manager Magazin nichts Neues und beruft sich dabei auf eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zum Standortranking der wichtigsten Industrienationen nach verschiedenen wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Auf Platz eins liegt Irland, es folgen die USA und Australien, dann weitere 17 Länder und schließlich auch Deutschland - mit dem schlechtesten Zeugnis.
Seit dem Jahr 2000 herrscht in Deutschland absolute Flaute bei Wachstum und Beschäftigung", bilanzierte der Präsidiumsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Heribert Meffert, am Donnerstag in Gütersloh.
Gravierende Mängel sieht die Studie vor allem bei der deutschen Arbeitsmarktpolitik - etwa bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und älteren Arbeitnehmern ins Berufsleben. "Die Altersarbeitslosigkeit ist auffallend hoch und liegt in keinem anderen Land so weit über der allgemeinen Arbeitslosenquote wie in Deutschland", heißt es in der Studie.
Deutschland müsse seine Reformbemühungen deutlich verstärken, um nicht langfristig den Anschluss zu verlieren."

Also wenn ich mir die Grafik so ansehe, dann steht das kleine Irland fast 100% besser da als die wiedervereinigte BRD. Selbst zum französischen Nachbarn bestehen noch einige Punkte Abstand.

Obwohl es manchmal auch Vorteile hat, wenn man von anderen nicht mehr überholt werden kann, wird sich dieser Zustand ab 2005 aber schlagartig ändern denn:
Unsere Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs.(2000)
Das wirtschaftliche Wachstum ist robust und steht auf soliden Fundamenten. Der begonnene Aufschwung setzt sich fort. Die Preise bleiben stabil. Die deutsche Wirtschaft und ihre Produkte sind auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig wie lange nicht mehr. In Deutschland wird wieder mehr investiert als in vielen Jahren zuvor.(2001)
Wir haben Schluss gemacht mit der galoppierenden Staatsverschuldung. Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben, als er eingenommen hat. Daran muss sich auch der Staat halten - schon aus Verpflichtung gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Viele von Ihnen werden schon im Januar die Entlastungen spüren, die die Bundesregierung mit der Steuerreform und der Förderung von Familien mit Kindern bewirkt hat.(2000)
Am meisten freuen mich die Fortschritte, die wir bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt haben. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Zahl der Arbeitslosen um mehr als eine Million zurückdrängen können. Allein im Jahr 2000 sind mehr als eine halbe Million neue Jobs entstanden. Das ist noch nicht genug. Wir werden auch im neuen Jahr verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die Arbeitslosigkeit weiter zurückzudrängen.(2001)
Es werden eine Reihe von Gesetzen in Kraft treten, die es den Menschen, die Arbeit suchen, einfacher machen, Arbeit zu bekommen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist: Niemand, der arbeiten will, soll aufgrund bürokratischer Hemmnisse daran gehindert werden. Und niemand, der arbeiten kann, soll in Schwarzarbeit flüchten. Diese Gesetze werden, dessen bin ich sicher, der Anfang sein für eine neue Dynamik wirtschaftlicher Leistung in unserem Land.(2002)
In der Gesellschaft von morgen zählt nichts so sehr wie Bildung und Ausbildung. Die Bundesregierung wird deshalb alles daran setzen, dass jeder Jugendliche, der es will, eine Ausbildung bekommt, die ihn für die Anforderungen der neuen Zeit qualifiziert. Die Gestaltung der Zukunft beginnt in der Gegenwart. Die Bundesregierung hat noch im alten Jahrhundert wichtige Weichen gestellt.(2000)
Arbeitslosigkeit - das heißt ja nicht nur, dass das Geld nicht reicht, eigene Wünsche zu erfüllen. Arbeitslosigkeit heißt eben auch, dass Fähigkeiten ungenutzt bleiben, dass Menschen sich ausgeschlossen und überflüssig fühlen. Deshalb ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze auch im kommenden Jahr mein dringendstes politisches Anliegen. (2000)

Bevor Sie mich jetzt für verrückt erklären und zur Steinigung freigeben – diese Sätze stammen nicht von mir.
Nee, nee, nee – also, es kann schon sein, das ich manchmal einen Scheiß erzähle, aber so tief bin ich jetzt doch noch nicht gesunken. Sie dürfen raten, von wem diese Sätze stammen.

Ein kleiner Tipp : Schauen Sie doch einfach mal in den Neujahrsansprachen vom Bundesgerd zu den Jahren 2000200120022003, und 2004 nach.
Dann sind sie auch schon auf das vorbereitet was Ihnen der Bundesgerd in der kommenden Neujahrsnacht wieder für Geschichten erzählen wird. Irgendwas vom Leiden auf hohem Niveau, vom vertrauensvollen Blick nach vorn, von Hartz IV, neuen Formularen bei ALG II und 1-Euro-Jobs für jeden und dass der Aufschwung jetzt kommt und die Rente sicher ist und die Erde wieder eine Scheibe wird, wenn ....     ... ja wenn Sie dem Bundeskanzler nur weiter Ihr Vertrauen schenken.

Ach übrigens, ganz lustig finde ich in diesem Zusammenhang auch die Regierungserklärung vom 3. Juli 2003. Zusammen mit ein paar 2-Liter Flaschen gepanschtem italienischen Rotwein erscheint mir das die ideale Basis für kollektives Kampf - und Komasaufen zu sein.





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10.10.2004 um 05:45 Uhr

Europäische Mythologie


Während meiner Schulzeit habe ich mich mit der griechischen Mythologie eher gelangweilt und außerdem war das ja so ein heilloses Durcheinander von Göttern, Halbgöttern und irgendwelchen verwandelten Tieren. 
Aber an die Geschichte mit der schönen Königstochter Europa und dem Stier, kann ich mich eigentlich noch ganz gut erinnern. 
Etwas vereinfacht dargestellt ging die Geschichte doch ungefähr so:

Bruno Bruni - Europa auf dem StierAls Europa, die Tochter des Phönikerkönigs Agenor, die Herden ihres Vaters hütete, erschien Zeus dem schönen Mädchen in der Gestalt eines herrlichen Stieres und entführte sie auf seinem Rücken über das Mittelländische Meer. Auf Kreta zeugte er mit ihr Minos und Rhadamanthys. Der König der Insel, Asterion, erzog die Knaben und vererbte dem Minos sein Reich. Minos, von seinem Vater Zeus beraten, gab Kreta weise Gesetze und dehnte seine Herrschaft weit über die Inseln des Ägäischen Meeres aus. Eines Tages bat er nun Poseidon, er möge ihm sein Thronrecht durch ein Geschenk bestätigen, und wirklich sandte ihm der Meeresbeherrscher einen wundervollen Stier; aber statt das Tier, wie ihm befohlen war, dem Gotte zu opfern, führte Minos ein anderes, schlechteres zum Altar. Zur Strafe für diesen Betrug wurde seine Gattin Pasiphae von wilder Liebesleidenschaft zu dem Stiere ergriffen. Sie ließ sich von Daedalos, einem vielgewandten attischen Künstler, der im Dienste des Minos stand, das bronzene Abbild einer Kuh anfertigen, verbarg sich darin und zeugte so mit dem Stier das menschenfressende Ungeheuer Minotauros: einen Bastard von menschlicher Gestalt mit einem Stierkopf. Er hauste im Labyrinth, einem Wunderbau mit tausend Irrgängen, den Daedalos geschaffen hatte. Aus Rache dafür, daß Daedalos dem Theseus beigestanden, als der Held den Minotauros tötete, ließ Minos den Künstler und seinen Sohn Ikaros in diesem Labyrinth einkerkern. Daedalos aber fertigte Flügel aus Federn an, die er mit Wachs an den Schultern befestigte, und beide entkamen fliegend. Doch als sich Ikaros auf dem Fluge der Sonne allzu sehr näherte, schmolz das Wachs; die Schwingen, die ihn so hoch empor getragen, lösten sich, und er stürzte in die See, die von da an seinen Namen trug. (Quelle: E. Peterich/ P. Grimal, Götter und Helden, München (dtv) 1978, S. 62)

Schnauf, Luft hol, zurücklehn.
Frage:

  1. Wie viele Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle und welche Charaktereigenschaften haben sie?
  2. Finden Sie, dass die Personen würdige Namensgeber für das Europa von heute sind?

Bei meinen Recherchen über die Europäische Mythologie bin ich in den Weiten des unendlichen Internets auf folgende, offensichtlich auf die Jetztzeit adaptierte Version dieser Geschichte gestoßen:

Als die schöne Europa mal wieder auf die Milchkühe ihres Vaters aufpassen musste und sich gelangweilt auf der Wiese in der Sonne räkelte, da gesellte sich Zeus zu ihr, ein lebenslustiger Bursche und potent wie ein Stier.
Von Europa war bekannt, dass sie es mit der Vergabe ihrer Gunst nicht immer so genau nahm und ihre Unschuld schon vor vielen, vielen Jahren unter mysteriösen Umständen verloren hatte.
Zeus hatte Hunger und Durst und hatte es eigentlich auf die Milch der friedlich grasenden Kühe abgesehen, aber als er Europa da so aufreizend im Grase liegen sah, lag es nahe das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
So kam es, dass er sich zu Europa legte und geschickt begann sie zu verführen.
Er musste sich nicht sehr bemühen, denn Europa hatte ihren Ruf nicht umsonst und schon nach kurzer Zeit war man sich in der Sache einig, auch weil Zeus versprach Europa eine ganz neue Art des körperlichen Vergnügens zu zeigen, wenn er sich dafür an der Milch der Kühe laben durfte.
Doch da fiel Europa ein, dass ihr Vater gesagt hatte, sie solle sich vor dem Gewähren ihrer Gunst, von dem Begünstigten ein Gesundheitsattest zeigen lassen, um sich und ihre Angehörigen vor ansteckenden Krankheiten zu schützen.
Zeus war darauf natürlich vorbereitet, zog ein amtlich aussehendes Stück Pergament aus der Tasche und hielt es Europa vor die Nase, während er begann sie zu begatten. Der schönen Europa schwanden die Sinne, ihr Blick trübte sich und das Dokument verschwamm vor ihren Augen, als Zeus sie in den Himmel der körperlichen Liebe entführte.
Hernach lagen sie erschöpft im Grase und Zeus hatte sich auch bereits an den Eutern der Milchkühe ausgiebig gelabt und gestärkt.

"Mir ist so komisch zu Mute", sagte Europa, "das war nicht so wie bei all den anderen. Was hast du denn mit mir gemacht?"
"Ich bin Grieche", lachte Zeus, "wir nehmen manchmal auch andere Wege um die Gunst Europas zu erlangen und ans Ziel zu kommen. Die Milch der Kühe war übrigens nahrhaft und gut – und die Gesundheitsbescheinigung habe ich selbst gemacht. Bist du mir jetzt böse?"
"Wie kann ich dir böse sein, wo du mich doch, wenn auch nur für kurze Zeit, so glücklich gemacht und mir auch das mühsame Abmelken der europäischen Milchkühe abgenommen hast? Aber jetzt geh bitte, denn da hinten am Horizont sehe ich schon einen begierigen türkischen Wandersmann kommen. Wer weiß, was der mit mir machen und mir zeigen will und welche Erfahrung der mir bringt. Ich bin da nach allen Seiten offen."

Schnauf, Luft hol, zurücklehn, Kopf schüttel.
Frage:

  1. Wie viele Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle und welche Beweggründe und Charaktereigenschaften haben sie?
  2. Finden Sie, dass diese Personen würdige Vertreter des Europa von heute sind?





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09.10.2004 um 05:45 Uhr

Meta Editor


Kennen Sie sich mit HTML aus und wissen was CSS ist?

Mir war das bis vor einigen Tagen ziemlich egal. So egal wie einem Autofahrer der maximale Anpressdruck seiner Hinterachsnockenwelle.
Aber dann haben die Jungs von Blogigo entschieden, dass die grenzenlose Bloggerfreiheit nur erreichen kann, wer sich zu Neuem aufmacht und ausgerechnet zum Tag der Deutschen Gemeinheit neue Funktionalitäten eingeführt.
Alles würde schöner, besser und bunter werden haben sie gesagt, aber wie es halt so kommt – das Neue ist eben meist neu und nicht so ganz 100pro rückwärtskompatibel.

Und deshalb machen sich solche Leute wie ich mitten in der Nacht auf die Suche nach einem Editor und einer Betriebsanleitung in deutscher Sprache für HTML und CSS. Vielleicht hat mich ja der eine oder andere Leidensgenosse nächtens durchs World-Wide-Web irren sehen.
Ja genau, diese ausgemergelte Figur, die mit ihrem T-DSL-Router und der IP-Adresse 217.255.25.121 durch die Gateways und Firewalls gebrettert ist – das war ich!

Mir ging es fast wie Donald dem Rumsfeld, der erkannt hat, dass es Dinge gibt, die wir nicht wissen und dass es Unbekanntes gibt, das unbekannt ist – also etwas wovon wir nicht wissen, dass wir es nicht wissen.

Und jetzt frage ich Sie - wissen Sie was ein Meta-Editor ist?

I C H - W U S S T E - E S - N I C H T.

Gefunden haben ich aber eine Erklärung in der Suchfibeldie ich, das gebe ich ehrlich zu, nicht so richtig verstanden habe.
Oder verstehen Sie was uns Unwissenden der Autor dieses Textes sagen will?

Meta-Editor

Dieser Editor arbeitet mit JavaScript. Diese Funktion sollte Ihr Brauser folglich beherrschen, sonst funktioniert es nicht. Tragen Sie die relevanten Informationen über ihre jeweilige Seite in die entsprechenden Felder ein. Wenn Sie auf den Knopf Meta Tags generieren drücken, erscheint das Ergebnis weiter unten im Container. Hier brauchen Sie es nur zu kopieren und im <head> Bereich Ihres Dokumentes einzufügen. So erleichtern Sie den Robots das Erfassen Ihrer Seiten, wie im vorigen Kapitel beschrieben. (Hinweis: Mit dem (ollen) Microsoft Internet Explorer 3.0 funktioniert es leider nicht.)

Jetzt guck ich mal nach meinem "Brauser" von der Firma "Kleinweich" und klär ab, ob ich mit dem durch das Internet "brausen" kann. Hoffentlich kollidiere ich da nicht anderen "Brausern".
Gibt es im Internet eigentlich nur Links-
oder auch Rechtsverkehr?
Und wo bitte schön, sind die Parkplätze für den Brauser, wenn er mal keine Lust mehr zum Brausen hat oder das Internet, zum Beispiel wegen Inventur oder Todesfall, geschlossen ist?

Ich glaub, heute Nacht "braus" ich mal wieder durchs Internet und mach Jagd auf die bösen Robots, die meine Seite erfassen wollen.

Surfen Sie äußerst rechts!
Überholen Sie nicht!
Sie erhalten eine SMS wenn die Gefahr vorüber ist!





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08.10.2004 um 05:45 Uhr

Bombenbauer


Ich bin jetzt vielleicht erschrocken und hab schon gedacht die Bullen hätten mich auf dem Kieker!

«Polizei sperrt Online-Bauanleitung für Bomben»
Diese Schlagzeile machte ihrem Namen alle Ehre und schlug mir zuerst heftig ins Gesicht. und dann auf den Magen!

«Die Polizei hat erstmals drei Internetseiten sperren lassen, die detaillierte Anleitungen zum Bau von Bomben zeigten. Sie reagiert damit auf mehrere Unfälle mit selbst gebauten Bomben, bei denen Jugendliche und junge Erwachsene schwer verletzt worden waren. Ein 23-jähriger Informatikstudent sei festgenommen worden, teilte die Polizei am Freitag in der Hauptstadt mit.
Dem Studenten droht nun eine dreijährige Haftstrafe, weil ein neues Gesetz die Veröffentlichung von Plänen zum Bombenbau verbietet. Die Internetseiten wurden mit Hilfe des Onlinedienstes Lycos geschlossen. Der Student habe die Anleitung aus Spaß ins Internet gestellt, sagte ein Polizist. Ein terroristischer Hintergrund wurde ausgeschlossen.
Erst am vergangenen Samstag hatte ein 21-Jähriger bei einer Explosion in seiner Wohnung beide Hände verloren. Der Mann hatte nach einem Internet-Bauplan Knallkörper herstellen wollen. Im April war bei einem ähnlichen Vorfall einem Jugendlichen die Hand teilweise abgerissen worden, und er hatte schwere Verletzungen am Auge erlitten.»

So stand das in einem Email, das mir ein guter Bekannter aus Paris, in Erinnerung an unseren gemeinsamen Freund Johnny, zukommen ließ.
Können Sie sich vorstellen, wie groß meine Erleichterung war, als ich merkte dass es offensichtlich die französische Polizei war, die diese Internetseiten mit den Bauanleitungen schließen ließ.
Wie ich das so schnell gemerkt habe, dass es die französische Polizei war?
Ja ganz einfach – deutsche Behörden hätten das in so kurzer Zeit von April bis September nicht geschafft.
Schließlich wäre der Vorgang ja genau in die Urlaubszeit gefallen!

Warum ich gedacht habe, dass die mich suchen?
Na ich hab ja auch mal, in meinem jugendlichen Leichtsinn an dem ich auch heute noch zeitweilig leide, eine
Bauanleitung zur Zerstörung einer Demokratie ins Netz gestellt.
Und jetzt hätte es ja sein können, dass mich jemand für die Montagsdemos und den Wahlausgang in Brandenburg, Sachsen und NRW verantwortlich macht.





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07.10.2004 um 05:45 Uhr

Radioquote


Zuerst habe ich ja gedacht es sei ein Scherz, als ich die Meldung bei Yahoo gesehen habe.
Aber dann konnte ich das Interview mit Antje Vollmer bei Spiegel Online lesen und mir wurde schlagartig klar, dass zumindest die kulturpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion das wirklich ernst meint.

"Das ist keine nationalistische Deutschtümelei", hat sie dem Spiegel erzählt und dass das Publikum bemerkt hätte, "dass wir ein unsägliches Formatradio haben, bei dem uns einige wenige Hits und Oldies bis zum Überdruss vorgedudelt werden. Außerdem haben immer mehr deutsche Musiker verstanden, dass sie auf dem Markt - so konzentriert wie er ist - keinerlei Chance haben, egal wie gut sie sind. Es gibt einen Aufruf, den inzwischen über 500 Künstler unterschrieben haben. Das reicht von etablierten Leuten wie Peter Maffay und Xavier Naidoo bis zu ganz jungen Immigranten, die sich mittels Musik ausdrücken. Sie alle sagen: Wir wollen, dass die Musik, die hier entsteht, auch via Radio zur Kenntnis genommen werden kann. Dabei haben sie sich allerdings bewusst nicht festgelegt, welche Musikrichtungen gefördert werden sollen, und auch nicht darauf, dass nur Musik mit deutschen Texten gefördert werden soll."

Nachdem ich das gelesen hatte, war mir nicht ganz klar welche Musik denn nun unter die Quotenregelung fallen soll. Eigentlich hätte ich mir ja schon vorher denken können, dass wenn Antje Vollmer mitmischt, "Multi Kulti" zumindest eine gesonderte Erwähnung finden würde.

Falls die Frau Vollmer es noch nicht bemerkt hat, es gibt seit vielen Jahrzehnten eine "Multi Kulti" Liedgutbewegung in Deutschland. Dazu brauchen wir keine Vorschriften über Quoten und Sanktionen bis hin zum Entzug der Sendelizenz, wie von Frau Vollmer gefordert.

Es gab schon immer deutsche Künstler, die ihre Lieder in deutscher Sprache oder auch in anderen Sprachen sangen.
Und es gab ausländische Künstler, die mit ihren Songs in deutscher und ausländischer Sprache in Deutschland erfolgreich waren.
Sogar ausländische Interpreten die mit Songs in deutscher Sprache international erfolgreich waren, hat es schon gegeben.
Und last but not least gab es auch deutsche Künstler, die es mit Songs in englischer Sprache in die internationalen Charts geschafft haben.
Selten allerdings, ganz selten ist es deutschen Künstler gelungen mit Songs in deutscher Sprache international erfolgreich zu sein.

Wen will denn die Frau Vollmer jetzt quotieren?
The Egerländers?
Die Herzkasper Buam?
Oder den König von Mallorca?
Den Anton aus Tirol?
Udo Lindentee?
Das Küblböck?
Oder etwa Heino?
Eventuell den Jürgen Bockelmann?
Böhze Onkelz? Scorpions? James Last? Sascha? Drafi Deutscher? Rudolf Schock? Peter Kraus? Peter Alexander? Vico Torriani? Gus Backus? Roberto Blanco? Xavier Naidoo? Grönnemeyer? Westernhagen? Maffay? Gitte? Tote Hosen? Rammstein? Tic Tac Toe?
Oder Mirelle Mathieu?
Wie wäre es denn mit Nana Mouskouri oder Bata Illic, Karel Gott, Rudi Carell, Truckstop, Münchner Freiheit, Stefan Waggershausen, Spider Murphy Gang, Reinhard Mey, Rosenstolz, Pur, Puhdys, Roy Black, Geier Sturzflug oder den Kastelruther Spatzen
Und nicht zu vergessen beim Quote bemessen: Landser, Sachsenfront, Volle Härte und Zillertaler Türkenjäger, um nur mal einige zu nennen. Denn auch das ist deutsche Musik!!

Was macht denn eigentlich Dildo Horn? Hat der jetzt Singen gelernt?
Muss man 2Raumwohnung wirklich kennen?
Und von Maffay habe ich auch schon lange nichts mehr gehört und Udo Lindenberg – lebt der noch?

Also mal ganz ehrlich, ich für mich - brauche keine Quote.
Ich hab kein Problem mit Musik, denn ich höre (wenn ich höre) nur die Radiosender, die die Musik bringen die MIR gefällt!
Aber ich hätte eine andere Aufgabe, oder sagen wir mal "Wunsch", an die Frau Vollmer, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion:
"Müssen die Bürger dieser Republik für das unsägliche Formatradio, bei dem uns einige wenige Hits und Oldies bis zum Überdruss vorgedudelt werden, auch zukünftig an die öffentlichen-rechtlichen Medienanstalten Gebühren bezahlen?"

Ach übrigens, ist Ihnen aufgefallen, dass die Antje Vollmer eine gewisse Ähnlichkeit mit Mireille Mathieu hat?
Zumindest was die Frisur angeht.
Ist halt nur ein bisschen mehr Öko.





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06.10.2004 um 05:45 Uhr

Stoßgebet

In einem, in der Berliner Zeitung erschienenen Kommentar zur Wahl in Brandenburg und Sachsen stehen folgende Sätze:
«Was NPD und DVU zu bieten haben, erschließt sich schon mittelmäßig intelligenten Menschen nicht mehr. Ihr Erfolg zeigt, dass es in dieser Gesellschaft auch Wähler gibt, die dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, auf jeden Fall aber politisch unzurechnungsfähig sind. In Zeiten wie diesen bahnen sie den Rechtsextremen den Weg ins Parlament. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass NPD und DVU genauso plötzlich wieder verschwinden wie sie gekommen sind. Das ist das Beste, was über sie zu sagen ist. Vielleicht ist mit den gestrigen Wahlen tatsächlich der Tiefpunkt für den Kanzler und die SPD erreicht, vielleicht ist der Höhepunkt des Protestes gegen die Hartz-Reform überschritten. Noch klingt diese Art sozialdemokratischer Wahlanalyse reichlich optimistisch. Aber manchmal hilft ja auch ein Stoßgebet.»

Mit freundlicher Genehmigung von www.mani.deMich bringt das zu das Frage, woher der Autor dieses Artikels die Erkenntnis bezieht, dass Wähler von NPD und DVU "dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig sind."

Sicher kann man über die politische Ausrichtung dieser Parteien, ihr Programm und ihre Kandidaten geteilter Meinung sein. Das kann man aber bei CDU, SPD, FDP und Grünen auch.
Sind deren Wähler deshalb "dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig?"

Das ist mir dann doch ein bisschen zu einfach.

Vielleicht sollten wir uns einfach mal mit der Frage befassen, warum ein Wahlberechtigter zum Wählen geht.
Weil es sein verfassungsmäßiges Recht ist?
Weil er zum Wählen gehen muss?
Weil er seinen politischen Willen zum Ausdruck bringen will?
Weil er die Partei auswählt, von der er glaubt, dass sie seine Interessen am besten vertritt?
Weil er von den "etablierten" Parteien enttäuscht ist?
Weil er unzufrieden ist mit der Politik dieser Parteien?
Weil ihn die Skandälchen, Geld- und Pöstchenschiebereien dieser Parteien anwidern?

Und weil er deshalb sein "Kreuzchen" nicht bei den "anständigen" Parteien, sondern bei den "unanständigen" Parteien macht ist er "dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig?"

Ich denke er verhält sich nur nicht ganz so systemkonform wie es von einem gehorsamen Wähler erwartet wird.
Dagegen hilft aber kein Stoßgebet und kein "Vaterunser", sondern nur eine andere Art der Politik.





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05.10.2004 um 05:45 Uhr

BRD Handbuch


Jeder Softwarehersteller und jeder Hersteller von Gebrauchsgütern kennt das Problem mit den Handbüchern oder Gebrauchsanleitungen.
Dass es hier kulturelle Unterschiede gibt, müssen vor allem international tätige Firmen immer wieder schmerzlich erfahren.

Aber auch im nationalen Bereich sind Handbücher ein Muss für jede Anwendung, da man ja immer von dem "Dümmsten Anzunehmenden Mitbürger (DAM)" ausgehen muss.
Ganz beliebt sind für alle Gelegenheiten die Handbücher für "Dummies", also für Menschen die offen zugeben, von einer Sache nichts oder zumindest sehr wenig zu verstehen und außerdem –das ist sehr wichtig- die Erklärung dessen was sie nicht verstehen gaaaaaanz einfach haben wollen.

Jetzt gibt es auch ein Handbuch für Deutschland!

Da steht allerhand Lehrreiches drin, was der Bürger in Deutschland wissen sollte. Nicht nur die Neubürger für die das Handbuch primär gedacht ist, sondern auch für den Altbürger lohnt sich das Studium dieses Handbuchs um zu verstehen, in welchem Land wir eigentlich leben.

Also mir persönlich hat die Sparte "Alltag" am besten gefallen. Da sind zum Beispiel die Umgangsformen beschrieben und man erfährt was der höfliche Bürger wann zu wem wo sagen sollte. Reichlich kompliziert, da hier zeitliche und regionale Unterschiede zu beachten sind. Man erfährt auch etwas über das "Du" und das "Sie, das "Bitte" und das "Danke".
Diesen Teil des Handbuchs könnte man durchaus zum Bestandteil des Lehrplans an Grundschulen, Realschulen, Gymnasien und Hochschulen machen.

Weiter erfährt man etwas über die bei uns fast ausgestorbenen Kinder und Jugendliche und auch darüber, dass man in Deutschland für Kinder Kindergeld bekommt und das auch dann wenn man nicht arbeitet.
Also wenn das der Bundesgerd liest, dann regt er sich bestimmt wieder über den um sich greifenden Sozialmissbrauch auf.

Besonders informativ war für mich auch der Bereich "Müll".
Jetzt habe ich –glaube ich- endlich verstanden wie das in Deutschland mit dem Müll funktioniert. Aber eine Frage quält mich jetzt immer noch: "Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den "grünen Punkt" und dem "gelben Sack" und was bitte schön sind die "gelben Seiten" mit den Adressen wo man die alten Schuhe und Kleidungstücke abgeben kann?

Und dann habe ich noch einen "konstruktiven" Kritikpunkt anzumerken:
Warum ist denn die Deutschlandkarte unter "Landeskunde – Allgemeines"
in diesem seltsamen Kack-Kack-Braun gefärbt ist.
Ist das schon im Vorgriff auf die Wahlen im Jahre 2010?





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04.10.2004 um 05:45 Uhr

Montagsdemo


Den Montagsdemos geht die Luft aus!
Immer weniger Teilnehmer an den Montagsdemos melden die Medien.
Nicht dass sie schon früher gerne richtig gezählt hätten, aber sagen wir mal so – die Anzahl der Demonstranten ist jetzt selbst für die Medien überschaubarer geworden.

Warum die Proteste gegen Hartz IV jetzt abklingen?
Also wenn man dem glauben darf, was man da so liest und hört, dann gibt es dafür verschiedene Gründe:

  1. Den Demonstranten ist es jetzt zu kalt, die bleiben lieber zu Hause hinter dem warmen Ofen bei Muttern.
  2. Die Bundesregierung hatte mit ihrer Aufklärungskampagne Erfolg und die letzten Missverständnisse zu Hartz I – Hartz IV und dem ALG II sind aus der Welt geschafft.
  3. Den links- und rechtsradikalen Gruppierungen haben es nicht geschafft die Massen für sich zu mobilisieren. Der Funke ist nicht von Ost nach West übergesprungen. Es ist gelungen die Demokratie in eine "stabile Seitenlage" zu bringen.
  4. Die Initiatoren der Demos sind untereinander derart zerstritten, dass sie sich noch nicht einmal mehr auf gemeinsame Termine einigen können
  5. Die Bundesregierung hat erkannt, dass in einigen Punkten Härtefälle nicht ausreichend berücksichtigt waren und Korrekturbedarf bestand. Im Rahmen ihrer verfassungsgemäßen Fürsorgepflicht für die Bürger unseres Landes hätte die Regierung diese Regelungen aus eigenem Antrieb korrigiert. Dazu wäre es nicht notwendig gewesen, dass die Bürger derart erbost auf die Straße gehen. 
  6. Die Bürger haben eingesehen, dass Hartz IV für unser Land notwendig ist und sind bereit dem Kurs der Bundesregierung zu folgen, auch wenn dadurch Nachteile für einzelne Langzeitarbeitslose entstehen können.
  7. Bereits im Vorfeld zu Hartz IV sind derart viele neue Arbeitsplätze entstanden, dass die Demonstranten jetzt Montags immer auf Arbeit sind.
  8. Die Langzeitarbeitlosen haben eingesehen, dass ihnen mit ALG II ein ihrer Leistung angemessener Lebensstandard in unserem Lande ermöglicht wird.
  9. Die Langzeitarbeitslosen sind alle mit dem Ausfüllen und dem Datensammeln für die Anträge für ALG II beschäftigt und haben keine Zeit mehr zu Demos zu gehen.
  10. Die Sozialschmarotzer und Langzeitfaulenzer haben durch die Schelte des Bundeskanzlers bemerkt, dass es jetzt Schluss mit lustig ist und es vorgezogen sich –wie Miami Rolf- auf ihre Fincas und Villen im südlichen Europa und warmen nichteuropäischen Ausland zurückzuziehen.

Welcher der Gründe den Nagel auf den Kopf trifft?
Keine Ahnung. Suchen Sie sich doch einfach einen aus, der zu Ihrer Meinung und aktuellen Gemütslage passt.

Im Januar 2005, wenn das Geld für ALG II nicht pünktlich auf dem Konto eintrifft, die Miete nicht bezahlt werden kann, der Kühlschrank leer entgegen gähnt, am Ende vom Geld noch etwas Monat über ist und einige Langzeitfaulenzer gar kein Geld mehr bekommen – da dürfen Sie die Meinung dann wieder umtauschen!

Auch ohne Kassenbon.
Denn die Party ist sicher noch nicht zu Ende!





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03.10.2004 um 05:45 Uhr

Mitnahmementalität


Kanzlerschimpfe hat es gegeben!
Alle Medien und alle Internetforen waren voll davon, was der Bundesgerd da in einem Interview der Zeitschrift "Guter Rat" geäußert hat.

Von Bürgern in Ost und West (man beachte die Reihenfolge) die den Staat ausnehmen, sich Leistungen erschleichen, die sie nicht brauchen weil sie selber genug Geld haben, hat der Kanzler gesprochen.

Gemeint hat er damit die weitverbreitete Erscheinung von Mitnahmementalität, Schmarotzertum, Sozialmissbrauch, Steuergestaltungsmissbrauch, Steuerhinterziehung, Spendenbetrug, Bestechlichkeit, Steuerverschwendung, Schmiergeldannahme, Subventionsbetrug, usw. usw. usw.

Bis in die Mittelschicht reiche diese Mentalität, hat der Bundesgerd gemeint.
Recht hat er !!!
Jawohl !!!
Genau das musste jetzt endlich einmal gesagt werden !!!

Nicht geäußert hat sich der Herr Bundeskanzler allerdings zu der Richtung, wo diese Mentalität herkommt.
Handelt es sich dabei um ein Bottom-Up-Phänomen oder um ein Top-Down-Syndrom?
Ist es eine ansteckende Krankheit oder eher psychologisch bedingt?
Handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem oder um Gesetzeslücken bzw. gar um Straftatbestände?
Gibt es etwa Anlass, sich Sorgen um das innenpolitische oder gesundheitspolitische Wohlergehen der Republik zu machen?
Darauf ist uns der Kanzler die Antwort leider schuldig geblieben.

Aber dennoch haben uns seine Äußerungen einen tiefen Einblick in die Denkweise des Kanzlers offenbart.
Ist doch nach seinem Verständnis, ein zahlendes Zwangsmitglied einer Gemeinschaft nur dann zum Leistungsbezug berechtigt, wenn es selbst nicht über ausreichende eigene Finanzmittel verfügt.
Das ist wie eine Sachversicherung, die im Leistungsfall nicht bezahlt, weil der Versicherte selbst (noch) genügend Geld hat um den Schaden zu begleichen.
Da drängt sich meinem querdenkenden Hirn unwillkürlich die Frage auf, warum der Versicherte sich unter diesem Rahmenbedingungen überhaupt versichern sollte. Dann ist es doch –zumindest für den Versicherten- viel sinnvoller die Beiträge zur Versicherung zu sparen, gut verzinslich selbst anzulegen und im Schadensfall (sofern dieser überhaupt irgendwann mal eintritt) auf dieses selbst gesparte Vermögen zurückzugreifen.
Oder seh ich das falsch?

Falsch verstanden hat den Bundesgerd auch der Finanzhans, denn der hat sich gleich der Kanzlerschellte an Raffke & Co. angeschlossen und der Neuen Presse erzählt, wo das Grundübel unserer Republik zu suchen ist:
Mit Ehrlichkeit könnten wir nicht nur auf neue Schulden verzichten, sondern wir könnten die Steuern senken. Das ist der Sommernachtstraum des Finanzministers. Bei der Steuerhinterziehung geht es nicht um kleine Sparer, sondern um große Summen, die ins Ausland gebracht werden. An zweiter Stelle stehe der Sozialmissbrauch, sowohl bei Arbeitgebern, die Sozialbeiträge nicht abführten, als auch bei Arbeitenden, die ihnen nicht zustehende Sozialleistungen in Anspruch nähmen."

Durch Schattenwirtschaft gingen Staat und Sozialversicherungen jährlich mehr als 100 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen verloren, sagte der Finanzhans und wärmte wieder mal sein Finanzmärchen mit der Schattenwirtschaft und der Schwarzarbeit wieder auf.

Dabei hatte ich eigentlich noch im Ohr, dass dieses Problem durch die umfangreichen Maßnahmen der Finanzbehörden jetzt bereits mehrfach erfolgreich beseitigt wurden. Gibt es da nicht den durchschlagenden Erfolg des "Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz" und das äußerst erfolgreiche "Strafbefreiungserklärungsgesetz" sowie die unendliche Geschichte der Jahrtausendreform der Sozial- und Gesundheitssysteme und das  -ach das kommt ja erst noch- "Kinderberücksichtigungsgesetz".

Man muss das jetzt nicht alles noch mal aufzählen, hat doch fast jeder Bürger die erfolgreiche Politik von Rot-Grün schon am eigenen Leib und Leben zu spüren bekommen.

Eines habe ich allerdings in den Äußerungen vom Bundesgerd und vom Finanzhans vermisst:
"Selbstkritik und das Versprechen es zukünftig selbst anders zu machen".

Wie der Herr – so‘s Gescherr!





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02.10.2004 um 05:45 Uhr

Keanu Reeves


Im Auto höre ich meist nur CD’s, weil mir das Gefasel der Radiomoderatoren gehörig auf - ich bitte um Entschuldigung- den Sack geht. Deshalb benütze ich das Radio nur noch mit eingeschalteter Verkehrsfunktaste zum Anhören der mir genehmen Musik.

Schlimm genug sind die reinen Verkehrsnachrichten ja eh schon. Nicht nur vom Inhalt, sondern auch was die deutsche Sprache betrifft. Aber der Oberhammer sind die quietscheentchenartigen Fiepsestimmchen der Verkehrsnachrichtensprecherinnen, die sich meist im Lebensabschnitt zwischen Abitur und erster Eheschließung oder Mutterschaft (man beachte die Reihenfolge) befinden und dies auch immer in ihre Verkehrsmoderation einfließen lassen müssen.
Kann man da nicht mal jemand nehmen, der die stimmliche Tonlage von Zara Leander oder Amanda Lear hat und dessen ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht schon ein paar Jahre zurückliegen?
Können sich die Verantwortlichen denn vorstellen, was es für einen Autofahrer bedeutet, wenn er mit einer Stimme die frequenzmäßig knapp unterhalb des maximalen männlichen Hörpegels liegt, mitgeteilt bekommt, dass er gerade an der letzten Ausfahrt vor einem 16 Kilometer langen Stau vorbeigedonnert ist. Und kann man denn die Verkehrsnachrichten nicht nach dem Behinderungsgrad für die Verkehrsteilnehmer sortieren. Oder, und das wäre ja schon eine große Hilfe, nur die für das eigene Sendegebiet relevanten Nachrichten senden. Es interessiert sicher niemand, der auf der A65 (jetzt müsste man wissen, wo die ist) unterwegs ist, dass es am Fährhafen von Palermo zu Behinderungen durch fliegende Fische kommt.
Na, das wäre doch mal ein vernünftiges Thema für die Direktoren von den Landesmedienanstalten, statt einen Haufen Geld für den neuen Fernsehsender 6-Plus zu bewilligen.

Also ich habe aus besagten Gründen die Nachricht verpasst, dass vor mir in einer unübersichtlichen Autobahnkurve (trotz Hunderttausenden von Autobahnkilometern, hab ich diese Kurve noch nie gefunden) ein Stau auf mich lauert. Und da steh ich jetzt mitten drin, natürlich auf der Überholspur, wie es sich für schnelle Fahrzeuge gehört und verfluche die Verkehrsmoderatorin, die es sich nicht nehmen ließ zu Beginn ihrer Ansage einen kleinen Schwank aus ihrem jungen Eheleben einzuflechten. Das war genau die Zeit, die ich brauchte, um an der letzten Ausfahrt vorbeizufahren.

Und um mir die Zeit zu vertreiben, rufe ich all die wichtigen Informationen aus dem Bordcomputer ab und fummle etwas am Radio herum. Und genau da ist es passiert, genau da kam die Meldung mit Keanu Reeves. Es war auf HR3, das weiß ich noch genau. Diesmal war es eine männliche Stimme, die Neuigkeiten aus der Welt der Stars und Sternchen verkündete. Zuerst ging es um den Hund von Robbie Williams, der einen eigenen Krafttrainer und Betreuer hat (der Hund), damit er gesund und munter bleibt. Eine erstaunlich werthaltige und informative Meldung, wenn man vernachlässigt, dass sowohl der Sprecher als auch die technischen Sendeanlagen über Gelder der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten aus Zwangsgebühren finanziert werden.

Und nach dem Hund von Robbie Williams kam Keanu Reeves.
Was soll das heißen, Sie wissen nicht wer Keanu Reeves ist?
Jetzt wollen Sie mich aber verscheißern, oder? Ich sag nur "Speed" und "Maaaaatrix". Beides Filme die man nicht unbedingt im Kino gesehen haben muss. Und über "Matrix Reloaded" wollen wir jetzt erst gar nicht reden, im Angesicht dessen was Keanu Reeves passiert ist.

Fast.
Ja fast, denn fast hätte ihn ein Auto überfahren als er aus einer Bar in San Francisco kam. Keanu war gehandicapt(!) durch eine Knieverletzung, die er sich bei Dreharbeiten zu seinem nächsten, -oder war es der letzte-, Film zugezogen hat. Also auf jeden Fall kam der Keanu Reeves auf Krücken aus der Kneipe gehumpelt und wäre auf der Straße beinahe von einem Auto überfahren worden! Weil ihn der Autofahrer nicht gesehen hat! Erst als der Keanu mit der Krücke an das Auto gestoßen ist, hat ihn der Fahrer bemerkt und konnte sein Auto mit einer Vollbremsung nur wenige Zentimeter vor der Keanu Reeves zum Stehen bringen.

"Da hat der Keanu Reeves aber Glück gehabt", zuckt es mir durch den Kopf, "und dass auch gleich noch ein Reporter da war, der das Geschehene an die Medien gemeldet hat, ist einfach super. Aber das interessiert doch bei uns hier in Deutschland sicher keinen normalen Menschen."

Doch da dringt aus den geöffneten Seitenscheiben der vor und hinter mir wartenden Fahrzeuge ein erleichterter Aufschrei aus weiblichen Kehlen: "Keanu Reeves – Gott sei Dank, er lebt".
Sich völlig unbekannte Menschen weiblichen Geschlechts springen aus ihren Fahrzeugen, hüpfen auf der Fahrbahn umher und fallen sich überglücklich in die Arme, lachen und können ihr Glück noch gar nicht fassen: "Gott sei Dank – Keanu lebt."

Jetzt hab ich nur noch eine Frage: "Wie lang sind denn eigentlich die Krücken in Amerika?"





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01.10.2004 um 05:45 Uhr

Karstadt ist überall


Waren sie schon mal in Karstadt?
Nein nicht in Karl-Marx-Stadt, das liegt doch in Ossiland, drüben - in Esten.
Heißt jetzt –glaub ich- auch ein bisschen anders, nachdem das Wirtschaftsmodell von dem Namensgeber so richtig schief gegangen ist.
Nein, ich meine Karstadt hier in Dingens .... na wie heißt das denn?
Dieser Geländestreifen zwischen dem ehemaligen eisernen Vorhang und der Maginotlinie, diese von den Allierten kulturell annektierte Besatzungszone und jetziges Globalisierungstestgelände.
Sie wissen was ich meine, da wo Karstadt überall ist.

Jetzt hab ich gelesen, dass Karstadt mit der Quelle heftige Probleme haben soll.

Vielleicht sprudelt die Quelle nicht mehr so wie früher und funktioniert irgendwie nicht mehr richtig.
Auf jeden Fall ist in Karstadt jetzt heftig was los.

Die Restaurants und die Verkehrsbetriebe sollen verkauft und die Geschäfte, Läden und Häuser dichtgemacht werden. Geschlossen und zugenagelt wegen dem veränderten Konsumstrom und dem Tidenhub.
Besonders die kleineren Häuser von Karstadt in der Innenstadt soll es ganz böse erwischt haben.
Die Leute müssen das einsehen, die müssen da raus und ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Manche müssen ja nur im Hochhaus ein paar Stockwerke höher ziehen, aber die Laubenpieper und Campingplatzbewohner stehen halt im Wasser.
Manche bis zu den Knöcheln, andere bis zu den Nasenlöchern. Muss halt jeder selber gucken wo er bleibt.

Auch das Altersheim von der Gewerkschaft steht jetzt im Wasser und die Senioren schreien Zeter und Mordio, obwohl sie ja bisher den Hintern nicht aus dem Rollstuhl gebracht haben, nachdem man ihnen versprochen hatte, dass ihre Insel der Seligen von den Wassermassen der Jahrhundertflut nicht bedroht sei.
Ja, das hätten die alten Damen und Herren aber aus Erfahrung besser wissen müssen, dass wenn der lange Hans erst an die eigene Wohnungstür schwappt, dann steht das Wasser meist auch schon im Keller und die dort gelagerten Vorräte und Antiquitäten sind längst abgesoffen.

Nun sollen ja eine ganze Menge Menschen von Karstadt freiwillig in die Boote gehen oder eben ausgebootet werden. Ist natürlich jetzt ein etwas schlechter Zeitpunkt, wo das Wasser überall schon knietief steht und es landauf und landab nur noch "Land unter" heißt.

Karstadt selbst soll ja ganz langsam und stetig abgesoffen sein. Das kann daran liegen, dass Karstadt zu dicht an der Quelle war oder der Grundwasserspiegel angestiegen ist oder die Karstadter einfach zuviel in die Urbanisation von Gewerbebetrieben und Immobilien in Überflutungsgebieten investiert haben. Die Deichgrafen ganz oben in ihren Hochhäusern haben aber anscheinend nicht mitgekriegt , dass es unten zunehmend sumpfiger und matschiger wurde. Jetzt soll in Karstadt versucht werden die Löcher im Deich zu stopfen und das abgesoffene Gelände durch den Middelhoff-Kanal und den Achenbach trockenzulegen.

Wie man hört ist die Stimmung in Karstadt jetzt alles andere als gut. Irgendwo zwischen gereizt und gedrückt. Jeder hat halt Angst und weiß nicht ob und wie es weitergehen wird.
Aber das ist nicht nur in Karstadt so! Das ist doch überall so!
Wenn die Flut kommt und das kalte Wasser in die warmen Stuben schwappt wird es eben ungemütlich.
Dann wird auch die braune Brühe aus den Kanälen gedrückt und es beginnt überall nach Fäkalien und Verwesung zu riechen. Zudem steigt die Seuchengefahr und die Gefährdung der Volksgesundheit und ...... ach was erzähl ich Ihnen, Sie kennen das ja. Sag ich Ihnen ja nix Neues.
Natürlich besteht offiziell mal wieder keinerlei Gefahr für Land und Leute.

Hatten die in Karstadt eigentlich auch schon Montagsdemos, oder waren die Bürger dort auch welche von denen, die gedacht haben, dass dieser Kelch an ihnen vorübergeht?

Tja, war wohl nix - Karstadt ist halt überall!





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