Machopan - Rauchzeichen

30.11.2004 um 05:45 Uhr

Mehrwertsteuererhöhung

Und sie kommt doch, die Mehrwertsteuererhöhung!
Nachdem der Rat der Wirtschaftsweisen dem Kanzler Gründe und grünes Licht für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 18 % ins Herbstgutachten geschrieben hat, mehren sich nun auch in der CDU die Begehrlichkeiten nach mehr Masse in der leeren Staatskasse.
Natürlich nennt man das nicht so banal „Steuererhöhung“, sowas mag der Bürger bekanntlich ja nicht so gerne.
„Finanzierung des Gesundheitssystems“ nennt es Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Er schließt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung des sozialen Ausgleichs im Gesundheitssystem nicht aus. Böhmer sagte am Freitag im Deutschlandradio Berlin, die Milliardenlücken bei der Steuerfinanzierung des solidarischen Ausgleichs müssten über eine «steuerliche Einnahmeform» geschlossen werden.

Das hat er schön gesagt, nicht wahr. «Steuererhöhung» hat er nicht gesagt, sondern von einer «steuerlichen Einnahmeform» gesprochen, um den „sozialen Ausgleich im Gesundheitssystem“ zu finanzieren.
Was ist denn das, dieser „soziale Ausgleich“ im gerade gesundreformierten Gesundheitssystem, dessen „Einsparungen“ trotz zusätzlicher Praxisgebühr, höheren Zuzahlungen bei Arzneimitteln und ab 1.1.2005 noch 0,9% Beitrag für den Zahnersatz immer noch nicht beim Beitragszahler angekommen sind.

Sie müssen auch vorsichtig sein, wenn Sie den Begriff „europäische Steuerharmonisierung“ hören. Das hat nichts mit Harmonie zu tun, hier sollen nur die Steuersysteme in Einklang gebracht werden und natürlich nur dort, wo sich das auch mit höheren Steuereinnahmen für Rabenvater Staat auszahlt.

Können Sie sich noch daran erinnern, dass wir schon mal  einen Feiertag zur Gesundung des Gesundheitssystems gespendet haben?
Können Sie sich auch noch daran erinnern, dass wir die Ökosteuer akzeptiert haben, weil sie zur Gesundung unserer Sozialsysteme benötigt wird?
Können Sie sich noch daran erinnern, dass wir „zähneknirschend“ die Reform der Sozialsysteme mit Leistungskürzungen und Beitragserhöhungen akzeptiert haben?
Können Sie sich überhaupt noch an alle Steuererhöhungen der letzten sechs Jahre erinnern?
Können Sie sich an das Theater um die mehrstufige Steuerreform erinnern, die letztendlich im Nirwana verpufft ist, bevor sie Ihren Geldbeutel erreicht hat?
Oder waren es zu viele?
Oder haben Sie es vergessen?
Oder haben Sie es vergessen müssen, weil Sie nicht jeden Tag mit Brechreiz durch die Gegend laufen können?
Oder haben Sie es vergessen wollen weil Sie sonst gewalttätig werden und dem nächsten Politiker einer der Volksparteien, der ihnen einen solchen Schwachsinn erzählt auf die Schnauze hauen würden, wenn sie nur nahe genug an ihn herankommen könnten..
Unters Volk trauen sich die Jungs ja schon gar nicht mehr, sie kommen lieber übers Volk wie ein Schwarm Heuschrecken.
Wozu sollte eigentlich die LKW-Maut verwendet werden? Ich hab’s vergessen, aber sicher zum stopfen der Lücken und Löcher und für irgendeinen „sozialen Ausgleich“, den die Steuerzahler schon über andere Abgaben und Steuern mehrfach finanziert haben.
Und wie wehrt man sich als kleines Würstchen dagegen?
Was macht man konkret, wenn das Geld hinten und vorne nicht mehr reicht, weil die Nettoeinnahmen schneller sinken aus die Ausgaben.
Wir Normalverbraucher schränken den Konsum ein, weil WIR (mittel- und langfristig) nicht mehr ausgeben können als wir haben.
Die Ökonomen messen das dann als „Absinken“ der Binnennachfrage und sprechen von einer Wirtschaftskrise und Gefährdung von Arbeitsplätzen.
Und wegfallende Arbeitsplätze führen (zwangsläufig) zu einer „Schieflage der Sozialsysteme“.
Und Politiker reagieren darauf mit einer Steuererhöhung zur Finanzierung des „sozialen Ausgleichs“.
Das ist doch wie Löschpapier ins Feuer werfen!
Wann begreifen die das endlich!

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29.11.2004 um 05:45 Uhr

Der Fall "Daschner"

Heute war ich bei HR-Online und habe die Kommentare im Forum zum Fall „Daschner“ gelesen.
Sicher hat jeder, der sich aus welchem Blickwinkel auch immer, mit diesem Fall beschäftigt, dazu eine Meinung.
Entweder eine Meinung, die er sich selbst gebildet hat, oder eine Meinung die er irgendwo gehört und die ihm gefallen hat.

Ich persönlich halte die fast zweijährigen Ermittlungen, die Anklage und das Verfahren für eine Katastrophe, die aber gut zum Bild unserer Gesellschaft und dem Zustand unserer Justiz passt.
Denn wir kümmern uns immer mehr nicht mehr um das, um das wir uns kümmern müssten, sondern immer mehr um das,  um das wir uns kümmern wollen.
Wir kümmern uns um das was uns interessant erscheint und verlieren uns in endlosen und auch sinnlosen Diskussionen, die bald  jeglichen Bezug zur Realität verlieren.

Im Fall Daschner diskutieren wir das Recht des Mörders auf körperliche Unversehrtheit und verlieren dabei das Recht des Opfers auf Leben aus den Augen.
Wir diskutieren das Recht eines Täters, der durch die Ermordung von Jacob von Metzler
gegen alle juristischen und religiösen Gesetze dieser Welt verstoßen und sich damit außerhalb unserer Gesellschaft gestellt hat. Wir setzen die verbale Androhung von körperlichem Schmerz bei der Vernehmung dieses Täters gleich mit einer grundlegenden Gefährdung unseres Rechtsystems. Wir setzen es gleich mit einem gegen den Täter gerichtetes Unrecht.
Welches Recht hat dann Jakob von Metzler? Hatte er kein Recht auf körperliche Unversehrtheit?

Ist es nicht primäre Aufgabe unserer Gesellschaft und unserer Justiz Jakob von Metzler zu seinem Recht zu verhelfen? Gerade weil er es nicht mehr selbst tun kann?

Und was machen stattdessen?  Nicht das, was wir müssten – sondern das was wir wollen.
Wir machen das, was uns am besten gefällt.
Wenn Jakob von Metzler diesem Prozess beiwohnen könnte, es würde ihn das kalte Grausen über unsere Rechtsverständnis packen. Da sitzt sein Mörder, aber nicht auf der Anklagebank. Auf der sitzt der Polizeibeamte, der versuchte das Leben von Jakob von Metzler zu retten und den Mörder dazu zu bringen den Aufenthaltsort des Kindes zu verraten.

Sind wir uns eigentlich klar darüber, was wir dem Menschen Jakob von Metzler antun?
Sind wir uns klar darüber, was wir seiner Familie antun, welche Wertschätzung wir ihrem Sohn und ihrem Bruder entgegenbringen?
Sind wir uns klar darüber, was wir dem Polizeibeamten Daschner, dem Menschen Daschner und Familienvater Daschner antun?
Ist es uns klar, welche Signale wir mit diesem Prozess an den Straftäter schicken?
Die Frage, ob der Polizeibeamte Daschner dem Mörder eines Kindes körperliche Schmerzen androhen durfte oder nicht, diese Frage mag für die juristische Theorie gut ein, für unsere Gesellschaft ist sie es nicht.
Zumindest nicht solange, bis die durchgeführte Misshandlung von Jugendlichen durch militärische Vorgesetzte nicht mit dem gleichen juristischen Eifer verfolgt und bestraft wird.
Und so lange nicht, wie die Strafe eines Mörders nicht -wie bei dem Opfer- lebenslänglich heißt.

Ich würde mir als Vater eines entführten Kindes wünschen, dass die vernehmenden Polizeibeamten dem Täter die Schmerzen nicht nur androhen.
Was ich an Stelle des Herrn Daschner gemacht hätte?
Ich hätte dem Herrn Markus Gäfgen nicht nur gedroht.
Ich hätte ihn mit einem 15 Zentimeter langen Zimmermannsnagel an den männlichen Weichteilen an die Tür zum Vernehmungszimmer genagelt und dort hängen lassen bis Jakob von Metzler gefunden wird.

Soll ich Ihnen jetzt noch verraten, was ich an Stelle des Vaters von Jakob von Metzler gemacht hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte 5 Minuten mit Markus Gäfgen alleine zu sein?

Die hr-Gerichtsreporterin, Heike Borufka bezeichnet in ihren Kommentaren den „Fall Daschner“ als einen „großen Schaden für den Rechtsstaat“ und wagt sogar den Vergleich mit den Folterungen irakischer Häftlinge durch US-amerikanische Soldaten.
Über den Mörder Markus Gäfgen, der kaltblütig ein 11-jähriges Kind ermordet hat, schreibt sie: «Markus Gäfgen, mittlerweile 29 Jahre alt, aber immer noch so jungenhaft und kindlich in seiner Ausstrahlung, antwortete eloquent, freundlich, sehr höflich und gut vorbereitet. Er war sich seiner Rolle offensichtlich bewußt. Er ist Hauptbelastungszeuge in einem Prozess, in dem es um die Rechtsauffassung und Grundwerte dieser Demokratie geht.
Eineinhalb Stunden saßen sich der Kindesmörder Magnus Gäfgen und der Vizepräsident der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, gegenüber. Eine Begegnung, die bedrückte, die Unbehagen auslöste. Doch Wolfgang Daschner zeigte auch an diesem dritten Verhandlungstag keine Regung. Er verzog keine Miene, er nickte nicht, er schüttelte auch nicht mit dem Kopf. Völlig selbstbeherrscht, beinahe arrogant verfolgte er die Vernehmung von Magnus Gäfgen»

Ich weiß nicht wie Ihnen geht, aber mir bereitet dieser Prozess, solche Formulierungen und Verdrehungen der Realitäten derart heftige körperliche Schmerzen, dass es schon fast einer Folter gleichkommt.

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Weitere Links zum Thema:
Humboldt-Forum-Recht: Darf der Staat foltern?" - Eine Podiumsdiskussion

28.11.2004 um 11:11 Uhr

Hundt und Schaf


Hundt fordert Rentenkürzungen

Hamburg (dpa) - Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt hat sich dafür ausgesprochen, den Weg für Rentenkürzungen per Gesetz freizumachen. Der «Bild am Sonntag» sagte Hundt: «Die gesetzliche Regelung, die Minusrunden ausschließt, obwohl sie nach der neuen Rentenformel erforderlich wären, muss gestrichen werden.» Der Arbeitgeber-Chef forderte den Gesetzgeber auf, schnell zu handeln, damit die Finanzprobleme in der Rentenversicherung nicht zu groß würden.


Schaf fordert Erhöhung der Unternehmenssteuern
Frankfurt(machopan) – Der Präsident der Arbeitnehmer hat sich dafür ausgesprochen, den Weg für die Erhöhung der Unternehmenssteuer per Gesetz freizumachen. Der «Witz vom Montag» sagt Schaf: «Die gesetzliche Regelung, die Minusrunden ausschließt, obwohl sie nach der neuen Unternehmenssteuerformel erforderlich wären, muss gestrichen werden.» Der Arbeitnehmer-Chef forderte den Gesetzgeber auf, schnell zu handeln, damit die Finanzprobleme in der Staatsfinanzierung nicht zu groß würden.

28.11.2004 um 05:45 Uhr

Wirtschaftsweise

Von einem Großteil unserer Bevölkerung unbemerkt hat sich im Rat der Wirtschaftsweisen Erstaunliches getan.
Wir haben eine Wirtschaftsweise und der Spiegel hat sie interviewt.
Jetzt werden Sie sich fragen, was ich daran jetzt schon wieder auszusetzen habe. Ich nenn jetzt einfach mal die Gründe die es nicht sind, in der Reihenfolge wie sie mir um die Ohren gehauen würden, wenn sie es denn wären.
1. Die Ökonomieprofessorin Beatrice Weder di Mauro ist eine Frau.
2. Sie ist blond
3. Sie ist jung
4. Sie ist Ausländerin
5. Sie ist mit einem Ausländer verheiratet
6. Sie ist intelligent.
7. Sie telefoniert beim Autofahren
8. Sie hat sich von den Spiegelredakteuren nicht aufs Kreuz legen lassen

Ääähhh, bevor der Punkt 7 zu Missverständnissen führt, ich habe das „verbal argumentativ“ gemeint, nicht „körperlich biologisch“. Aber ein bisschen Machogehabe muss ich mir ab und an auch mal gönnen (dürfen).

Falls Sie es nicht getan haben, ich habe das Interview bis zu Ende gelesen und bin zwar bei dem einen oder anderen Punkt einer anderen Meinung, aber dabei dürfte es sich im wesentlichen um Lebenserfahrung und einen weniger wissenschaftlichen und mehr wirtschaftlichen Werdegang meinerseits handeln.
Symptomatisch für diese Differenzen sind Aussagen dieser, sicher nicht alltäglichen jungen Frau, wie sie in einem Artikel in der Zeit vom 18.11.2004  abgedruckt wurden:
«Die Löhne für die Geringqualifizierten sind zu hoch. Weder di Mauro kann das Klagen wegen der „notwendigen“ Reformen kaum verstehen. In Deutschland seien die sozialen Netze doch eng geknüpft. Es gehe doch allen noch gut, wenn man die Verhältnisse etwa mit Lima oder São Paulo vergleiche. „80 Prozent der Menschheit“, sagt Weder di Mauro, „würden alles dafür geben, in Industrieländern zu leben.“ Keiner Korruption ausgeliefert zu sein, Eigentum erwerben und behalten zu können, ihr Schicksal selbst bestimmen zu dürfen»

Damit könnte ich ja noch umgehen, zeigt es doch die auch bei unserem Bundespräsidenten „Hotte“ Köhler vorherrschende Meinung mit Realitätsverlust, dass die Deutschen auf hohem Niveau „leiden“ und Weltmeister im Jammern sind.
Und der Vergleich eines Arbeitslosen in einer der führenden Industrienationen mit einem Tagelöhner in Lima oder einem Fakir in Neu Delhi darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Getreu nach dem Motto, dass es angesichts der Tatsache, dass es 80% der Menschheit schlechter geht als der Masse der Deutschen, schon OK ist, wenn es 80% der Deutschen schlechter geht als den restlichen 20%.
Warum werden für diesen blödsinnigen Vergleich eigentlich immer die Arbeitnehmer und Armen herangezogen? Vielleicht deshalb weil es einem Millionär in Bolivien nicht schlechter geht als einem Millionär in Deutschland?
Und übrigens liegt, nach dem aktuellstem Bericht von OLAF, die Bundesrepublik Deutschland bei der Korruption in Europa auf einem der vorderen Plätze.
 
Nein, der einzige Punkt, der mich wirklich stört – für diesen Punkt kann die Frau Ökonomieprofessorin Beatrice Weder di Mauro nichts.
Gar nichts!
Sie kann nichts dafür, dass ausgerechnet Superwolli Wolfgang Clement sie gefragt/gebeten/ersucht/aufgefordert hat, im Rat der Wirtschaftsweisen mitzumachen.
Dafür kann sie nichts.

Der Kamm schwillt mir aber, wenn ich auch im Spiegel lesen muss, dass der Bundeskasper sich über die Analyse der gesamtwirtschaftlichen Lage und Prognosen für die Zukunft und das  „Weiter-So-Gutachten“ der fünf Wirtschaftsweisen GEFREUT hat, weil er sonst von den fünf Ökonomen Schlimmeres gewohnt ist.

Jetzt kann man ja nicht behaupten, dass die Politik unserer Regierung in den letzten sechs Jahren (ja, ja, so lange ist das schon her) einer kontinuierlichen Verbesserung unterworfen gewesen wäre.
Und wenn sich das nicht in gleichem Umfang in der Beurteilung der Lage der Nation durch den Sachverständigenrat niederschlägt, dann könnten die Wirtschaftsweisen vielleicht ihr Gutachten an das Niveau der Bundesregierung angepasst haben.
Oder die Berufung der unabhängigen Mitglieder des renommierten Clubs der Wirtschaftsweisen scheint erste Früchte zu tragen, denn die erfolgt durch die ...
Na, wen wohl!
Also, dann haben wir uns ja verstanden.

Vielleicht würde sich die Sichtweise der 39-jährigen Mutter und Ökonomieprofessorin Beatrice Weder di Mauro auf die Probleme der BRddr etwas ändern, wenn ihr Mann seinen Job bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt verlieren würde und mit den Segnungen von Hartz I bis Hartz IV in die Langzeitarbeitslosigkeit mit ALGII gehen müsste. Der Mann muss ja auch schon so um die 40 sein. Da tut man sich schon schwer als älterer, überqualifizierter Arbeitnehmer, der sicher auch ganz gut verdient hat, den Wiedereinstieg in den Job zu schaffen.
Und mit einem Euro pro Stunde kommt man nicht weit.  In Lima vielleicht, aber in Deutschland nicht.

Wobei, das ist jetzt natürlich Unsinn, was ich hier schreibe, denn der Ehemann der  Ökonomieprofessorin Beatrice Weder di Mauro würde doch gar kein ALG II bekommen!
Nicht als Teil einer Bedarfsgemeinschaft, in der die Ehefrau Besserverdienende ist, deren Aufgabe es dann sein wird, ihren langzeitarbeitslosen Ehepartner bis zu seiner kleinen Rente durchzufüttern.
Natürlich kann sie die Bedarfsgemeinschaft ja jederzeit gefahrlos auflösen. Das Sorgerecht für das gemeinsame Kind würde sie nach geltender deutscher Rechtsprechung sicher bekommen.

Jetzt hoffen wir halt, dass den Wirtschaftsweisen -trotz des Makels der Berufung durch die Bundesregierung-, der Blick auf die wirtschaftliche und soziale Realität, sowie die daraus resultierenden Notwendigkeiten in unserem Staat nicht durch gehorsames Wohlwollen verstellt wird.
Auch der Hund, der seinen Herrn verbellt, ist ein guter Wachhund, wenn er seinen Herrn bei sträflichem Tun erwischt.

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27.11.2004 um 05:45 Uhr

Bakterielle Zahntaschen

Im  Dezember 2003 (!!!) hat mir mein Zahnarzt die Durchführung einer Behandlung gegen den bei Kassenpatienten sehr häufigen Zahnfleischschwund empfohlen.
Denn -man(n) höre und staune- die Zahnmedizin hat JETZT neue Erkenntnisse darüber, dass diese Volkskrankheit, die man bei Privatpatienten Paradentose (altdeutsch) bzw. Parodontose (neudeutsch) nennt, AUCH bakterielle Ursachen haben kann.
Das ist immer schick, wenn man(n)  solche Sachen erfährt und mindestens einen Tupfer, zwei messerartige scharfkantige Gegenstände in der oralen Bakterienhöhle hat und der Zeigefinger des Zahnarztes zu allem Überfluss auch noch die Zunge nach unten in Richtung Adamsapfel drückt.
„Dall is abel danz elstaunlich“, entstöhnte sich mein Sprechapparat, während ich mit geschlossenen Augen, begleitet durch das einschläfernde Gurgeln des Speichelabsauger dem weiteren Vortrag des mich behandelnden Arztes lausche:

Da hat doch der Herr Professor (Name undeutlich) herausgefunden, dass in den entzündlichen Zahnfleischtaschen Bakterien hausen. Unterschiedliche Arten von allerbösesten, aggressiven  Bakterien.  Und weil der Herr Professor ja nicht einfach irgendjemand ist, sondern der Herr Professor, hat er auch gleich ein Verfahren entwickelt wie man diese bösen Bakterien in den Zahnfleischtaschen bekämpfen kann und sich das Verfahren patentieren lassen. Und weil diese komplizierte Behandlung natürlich Geld kostet, haben die Krankenkassen das auch bezahlt. Bisher! Leider aber jetzt ab Januar 2004 nicht mehr, außer man würde den Antrag noch vor dem 31.12.2003 einreichen, die Behandlung selbst könnte man dann in 2004 durchführen.
Also wenn ich einverstanden wäre, dann würde der Herr Doktor jetzt gleich eine Bakterienprobe aus den entzündlichen Zahntaschen entnehmen und an das auf die Analyse solch gefährlicher Bakterien spezialisierte Institut – das zufälligerweise dem Herrn Professor gehört-  nach München zu schicken. Eine eventuell notwendige Behandlung könne man dann ja im Laufe des Jahres 2004 durchführen. Wenn ich damit einverstanden wäre ...“

Mein Nackenzucken, mit dem mein Körper instinktiv versuchte mein äußerst empfindliches Rachenzäpfchen aus der Reichweite seines gummibehandschuhten Zeigefingers zu bringen, schien der Zahnmediziner als patientenseitige Zustimmungserklärung zu seinem Behandlungsangebot zu interpretieren.
Sollte man diese Art der Geschäftsanbahnung auf andere Wirtschaftsbereiche ausdehnen, würde sicher die Hälfte der Republik in ausgekotzten Verdauungsresten herumwaten.

Während ich noch damit beschäftigt war, wie jemand den man gegen seinen Willen zum Oralverkehr gezwungen hatte, durch Schlucken und Spucke sammeln den Geschmack einer toten Katze in meiner geschändeten Mundhöhle zu beseitigen, plauderte der Zahnmediziner freundlich weiter:
Ich werde also den Antrag auf Behandlung noch in 2003 bei der Kasse einreichen. Sie lassen sich von meiner Assistentin einen Termin im Januar des nächsten Jahres geben. Da ist sicher der Befund aus München vom Institut des Professors noch nicht da. Das macht aber nichts, denn ich muss Sie vor der eigentlichen Behandlung sowieso erst noch über die Bedeutung der Zahnhygiene belehren und mich dann bei einem weiteren Termin davon überzeugen, dass sie als Patient durch regelmäßige Zahnpflege am Erfolg der Behandlung aktiv mitarbeiten. Ich weiß, wir kennen uns seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten und ich weiß, dass sie ihre Zähne putzen, aber die Kasse will das so. Genau in dieser Reihenfolge. Also machen wir das auch so.  Irgendwann im zweiten Halbjahr 2004 führen wir dann die genehmigte Behandlung gegen Zahnfleischschwund durch. Und jetzt wünsche ich Ihnen noch fröhliche Weihnachten und eine guten Rutsch.“

Sprach’s und verschwand im angrenzenden Behandlungszimmer.

So war das damals.
Kurz vor Weihnachten 2003.
Und am Montag gehe ich zur Behandlung.

In einigen Wochen ist wieder Weihnachten.
Mal sehen was wir dieses Jahr für einen Antrag stellen müssen, weil die Kasse nächstes Jahr für die Kosten nicht mehr aufkommt.

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26.11.2004 um 05:45 Uhr

Sperrkassierer

Kommt bei Ihnen der Strom auch aus der Steckdose?
Und das Wasser und Gas aus der Leitung?
Und nach den täglichen „Geschäftchen“ rauschen die Ausscheidung gurgelnd durchs Rohr nach Nirgendwo.

Latürnich  - sonst würden sie ja nicht in Deutschland und mitten in Europa leben.
Hier sind Sie mit ihrem privaten Haushalt automatisch an eine Art städtischer Herz-/Lungenmaschine angeschlossen und haben nicht nur den Verbrauch, sondern auch noch die bloße Bereitstellung der ins Haus gelieferten Waren und Dienstleistungen zu bezahlen.
Hier wird nicht über den Balken in den Garten oder den Hinterhof gedonnert!
Hier wird nicht im Garten nach Wasser gebohrt!
Hier wird auch kein Bachwasser entnommen um das eigene Plumbsklo zu entsorgen.
Hier wird Müll nicht selbst entsorgt und Strom nur von wenigen Individualisten selbst gemacht.
Und an Gas wollen wir mal gar nicht erst denken!

Sind wir doch mal ganz ehrlich – wir wollen das doch auch so.
Zumindest was die Ver- und Entsorgung der Haushalte angeht!  Haben Sie sich schon mal die Karte der Stromversorgungsbereiche in der BRddr angesehen?
Sieht aus wie Deutschland anno siebzehnhundertquetsch – überall kleine Fürstentümer und Grafschaften.
Es ist schon schwierig genug Strom aus der häuslichen Steckdose zu bekommen, der nicht vom lokalen Platzhirsch stammt. Mit Wasser brauchen Sie das erst gar nicht zu versuchen und wer mit dem Gedanken spielt, seinen Müll oder gar seine Fäkalien über andere Entsorger zu entsorgen – vergessen Sie’s!
Mülltourismus ist für Otto Normalverbraucher generell verboten. Stellen sie sich mal das Chaos auf den Autobahnen vor, wenn da die Mitbürger auf die Idee kommen würden, ihren Müll auf einen einachsigen Anhänger zu packen und mittels Familien-Audi das Zeug bei einer nicht ausgelasteten Müllverbrennungsanlage im Großraum Köln abzuliefern, die gerade eine Aktionswoche durchführt. Undenkbar sowas, da werden sie mir doch sicher Recht geben.

Also bleibt doch Otto Normalverbraucher nichts anderes übrig, als die zwangsweise Ver- und Entsorgung seines Haushalts zähneknirschend zu akzeptieren, bis ....
Ja bis ihm die Kohle ausgeht. Nein, nicht die mit Steuermitteln staatssubventionierte Kohle für die Heizung - nein die nicht. Ich meine die Kohle, die unsere Wirtschaft antreibt, die Kohle, die Ziel unseres ganzen menschlichen Strebens ist. Ich meine das Moos, die Luschen, die Knete, was auch immer, Penunzen, Taler, Deutsch Mark oder TEuro.

Wer seine Herz-/Lungenmaschine nicht mehr bezahlen kann – der wird sperrkassiert, was soviel bedeutet wie entweder Cash aus der Wäsch und BAT (Bar auf Tatze)  oder der Hahn wird zugedreht.

Das berichtet der Spiegel und dokumentiert das auch noch mit einer Extrasendung bei VOX:
«Ob im eisigen Winter ohne Gasheizung oder auf der Toilette ohne Wasserspülung - für immer mehr Berliner wird dieser Albtraum zur bitteren Realität. Denn wer seine Rechnung bei den großen Energieversorgern der Hauptstadt nicht zahlt, wird von der Versorgung abgeschnitten.
Täglich rücken speziell ausgebildete Sperrkassierer aus, um Schuldnern Gas oder Wasser abzudrehen. Berlin entwickelt sich zur Hauptstadt der Armut: In der Millionenstadt leben knapp 380.000 Menschen von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Jeder zehnte Haushalt kann seine Forderungen nicht begleichen. Schuld daran ist nicht nur die Arbeitslosigkeit, oft ist die Überschuldung hausgemacht: Viele Produkte werden auf Pump gekauft, Verträge über Ratenzahlungen nehmen zu. Für die Energieversorger stellt die schlechte Zahlungsmoral ein immer größeres Problem dar. Allein die "Gasag" hat Außenstände in Höhe von 19,8 Millionen Euro. Ganze Inkasso-Abteilungen sind damit beschäftigt, die Schulden einzutreiben.»

Sie wissen sicher wer oder was die „Gasag“ ist?
Das sind die „Berliner Gaswerke“ in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft.
Die Berliner Gaswerke AG versorgt heute ca. 700.000 Kunden. Über 600.000 Wohnungen werden mit Erdgas beheizt. Damit hat die GasAG einen Marktanteil am Berliner Wärmemarkt von 43,5 Prozent.
Mit dem Verkauf der Aktienanteile des Landes Berlin erfolgte 1998 die vollständige Umwandlung in ein privatwirtschaftliches und damit marktwirtschaftlich geführtes Unternehmen.
Die Aktionäre der GasAG sind die
  • "Gaz de France“ mit 31,575%
  • "Vattenfall Europe AG“ mit ebenfalls 31,575 %
  • Thüga Aktiengesellschaft mit 36,85 %.
Sehen Sei sich ruhig mal ein bisschen auf den Internetseiten der Gaz de France um. Sehr interessant sind auch die Beteiligungen und die Beseitigung der Erdgasförderungspuren in der Altmark.

Zu Vattenfall Europe gehören die Tagebaue in der Lausitz, Großkraftwerke in Ost- und Norddeutschland, das Stromübertragungsnetz in Ostdeutschland, Berlin und Hamburg. Mit zum Konzern gehören die Energiedienstleister Bewag und HEW, die rund drei Millionen Kunden in Berlin und Hamburg mit Strom und Wärme versorgen.
Wussten Sie eigentlich, dass die Vattenfall AG die Instandhaltung des Brandenburger Tores übernommen hat?
Die Kosten dafür sind sicher nicht auf den Gaspreis der 700.000 Berliner Haushalte umgelegt worden.

Die Thüga ist heute Kern eines deutschlandweiten Netzwerkes lokaler und regionaler Energieversorger und ist im ganzen Bundesgebiet präsent. Durch regionale Nähe, verbunden mit überregionaler Stärke - genau darüber freuen sich die Erdgas- und Stromkunden der Thüga-Gruppe. Die Thüga-Gruppe ist bundesweit die größte kommunale Gruppe in der Energieversorgung.

Also von wegen  „Gasag, der große Energieversorger der Stadt Berlin“ wie der Spiegel schreibt.  Von wegen „Berliner Gas“ für „Berliner Bürger“.

Wenn Sie schon mal eh‘ online sind, dann schauen Sie doch mal nach, wie es der Thüga denn so wirtschaftlich geht, denn sie versorgt vermutlich auch Ihren Haushalt mit Energie. Nicht, dass Ihnen die Thüga wegen den Forderungsausfällen in Berlin plötzlich keine Energie mehr liefern kann oder gar den Gaspreis erhöhen muss.

Wissen Sie, dass der Preis für Erdgas an den Ölpreis gekoppelt ist?
Wissen Sie, dass sich der Preis für ausländisches Gas nach Überschreiten der deutschen Grenze verdoppelt?
Wissen Sie, dass Otto Normalverbraucher zur Zeit je Kilowattstunde Strom 2,05 Cent Ökosteuer, 0,51 Cent Wind- und Sonnenstrom-Umlage sowie 0,284 Cent KWK-Umlage (für die Kraft-Wärme-Kopplung) bezahlt? Aufs Jahr hochgerechnet, kommt da einiges zusammen. Bei einem 4-Personen-Haushalt mit 4 500 Kilowattstunden Stromverbrauch ist das bereits mehr als ein Hunderter: Für die Ökosteuer berappt die Familie 92,25 Euro, für Wind- und Sonnenstrom 22,95 Euro extra und für die KWK-Förderung 12,78. Macht alles in allem 127,98 Euro Zusatzkosten im Jahr und das bei insgesamt 735,30 Euro Stromkosten (Stadtwerke Düsseldorf, Spartarif).
Wissen Sie auch, dass wenn Mieter ihre Energiekosten nicht bezahlen (können), dann der Wohnungs- bzw. Hauseigentümer von den Energieversorgern zur Kasse gebeten wird. Der darf dann die Schulden des Mieters bezahlen und kann zusehen wie er von seinem zahlungsunfähigen Mieter, der ihm sicher auch noch die Miete schuldet, das Geld zurückbekommt.
Elegante Art der Risikoverlagerung – fast wie beim Vater Staat.
Vielleicht ist das ja auch der Grund warum so viele Politiker und beamtete Staatssekretäre nach ihrer Amtszeit in die Energiewirtschaft drängen.
Als Leiter einer vollausgelasteten Inkasso-Abteilung müssten sie noch nicht einmal umgeschult werden und auch als Sperrkassierer im Außendienst auf 1-Euro-Basis ist das ein durchaus attraktiver Job mit Zukunftsperspektiven.

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25.11.2004 um 05:45 Uhr

Schuldenkompass

Heise-Online meldet am 16.11.2004, dass die Internetbeauftragte der CDU, Martina Krogmann  jetzt Mobilfunkverträge mit eingeschränktem Leistungsumfang fordert, damit die Nutzung von sogenannten Premium-SMS nicht oder nur noch begrenzt möglich ist.
Sie tut dies vor dem Hintergrund des aktuellen Schuldenkompass der Schufa, nach dem junge Menschen insbesondere durch Ausgaben für Telekommunikation in eine Schuldenspirale geraten könnten
.
In das gleiche Horn (wieso Horn, ich denke es geht um SMS?) stößt die Verbraucherschutz-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ursula Heinen.
«Zusammen mit der Telekommunikationsbranche muss nach Mitteln und Wegen gesucht werden, die Ausgaben für die Handynutzung bei Jugendlichen begrenzbar zu halten", fordert Krogmann. Dies dürfe jedoch nicht zu einer überzogenen Regulierung führen, die innovative Geschäftsmodelle blockiert. Zudem seien Eltern angehalten, ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen zu erziehen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion will dazu im Dezember ihre Pläne vorstellen.»

Pläne?
Welche Pläne?
Vielleicht auch noch eine Gesetzesvorlage?
Wozu?
Wir ersaufen doch schon seit Jahrzehnten in Gesetzen, Verordnungen und Bevormundungen.
Wir sollten uns vielleicht mal überlegen, wie Jugendliche eigentlich an ein Handy kommen. Irgendwie scheint mir da ein kausaler Zusammenhang zwischen Handy und Telekommunikationskosten auf der Hand zu liegen, denn wie Heise-Online weiter meldet, wurden laut aktuellem Schuldenkompass  (Achtung: größeres PDF-File) der Schufa «2003 aus der Telekommunikationsbranche mehr erstmalige "Zahlungsstörungen" (offene, ausreichend gemahnte und unbestrittene Forderungen) an die Schufa gemeldet als im Vorjahr. Insbesondere in der Mobilfunkbranche sei die Kundenzahl im Beobachtunszeitraum um knapp 10 Prozent von 59,3 Millionen auf 65 Millionen gestiegen.»

Bei einer Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland (ohne illegale Zuwanderer und Wirtschaftstouristen) ) in Höhe von ca. 83 Millionen (genaue Zahl hab ich jetzt demenzbedingt gerade nicht zur Hand) wären das ja etwa 78% der Bevölkerung.
Soviel Jugendliche hat die Bundesrepublik Deutschland? Mein Gott, da müssen sich ja ganze Familienclans in den letzten 9 Monaten kaninchenartig vermehrt haben. Ich hatte immer gedacht wir hätten, zumindest wird das immer erzählt, einen unerträglichen und nicht mehr finanzierbaren Rentnerüberhang.
Wie man sich täuschen (lassen) kann.

Und weil ich ein misstrauischer alter Sack bin, habe ich mir den aktuellen Schuldenkompass der Schufa mal genauer angesehen (Internet ist echt eine feine Sache) und was lese ich da im Vorwort auf Seite 4 ganz unten?
«Eine Besonderheit des Schulden-Kompasses ist sicherlich die Repräsentativität der Daten: Die anonymisierte Analyse der SCHUFA-Daten setzt auf einem Gesamtbestand von 340 Millionen Datensätzen von rund 62 Millionen volljährigen Personen auf

Äääääähhhhhhhhhhhhh – volljährig? Das ist doch ab 18 Jahren? Oder hat Rot-grün das klammheimlich auf 16 Jahre angesenkt um die Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl zu verbessern?

Weitere Verwirrung stiftet ein Blick auf Seite 8 des Schuldenkompass, wo die Kernergebnisse der Studie im Überblick wiedergegeben sind. Hier ein, für das Thema relevanter Auszug:
  • 20- bis 29-Jährige haben die meisten Zahlungsschwierigkeiten.
  • Zahlungsstörungen sind in der Telekommunikation und im Handel leicht gestiegen.(1)
  • Zahlungsstörungen gegenüber Kreditinstituten treten eher in älteren als in jüngeren Altersgruppen auf.
Völlige Klarheit schafft dann ein Blick in die Teilanalyse (1) auf Seite 36:
«Aus der Telekommunikationsbranche wurden 2003 deutlich mehr erstmalige Zahlungsstörungen an die SCHUFA gemeldet als im Vorjahr. Dies ließ sich über einen Großteil der Altersgruppen von 20 bis 49 Jahren beobachten. Die aus der Telekommunikationsbranche gemeldeten  Zahlungsstörungen sind vor dem Hintergrund zu bewerten, dass insbesondere in der Mobilfunkbranche die Kundenzahl im Beobachtungszeitraum um knapp 10% von 59,3 Millionen auf 65 Millionen signifikant gestiegen ist. Durch den Anstieg der Kundenzahl hat folglich auch das Potenzial von Zahlungsstörungen zugenommen.»

Jetzt komm ich mir aber von der Internetbeauftragten, CDU-Politikerin und MdB Martina Krogmann und der Verbraucherschutzbeauftragten der CDU/CSU Bundestagsfraktion Ursula Heinen voll vereimert vor.
Die Damen haben doch den Schuldenbericht noch nicht einmal bis Seite 4 gelesen! Denn hätten sie ihn gelesen, dann würden sie ja lügen oder bewusst die Unwahrheit sagen und das kann man ja von keinem Politiker behaupten. Zumindest von keinem deutschen Politiker!
Und wenn sie den Schuldenbericht angeguckt haben (das ist was anderes wie lesen), dann haben sie ihn vielleicht nicht verstanden oder nur so lange angeguckt, bis sie ihre Meinung dort gefunden hatten.

Und nun bin ich natürlich äußerst gespannt, was das für ein Münchhausenpapier werden wird, mit dem die CDU/CSU Bundestagsfraktion ihre Pläne für „den verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen für Eltern und Kind“ vorstellen will.
Mit dem Schuldenkompass der Schufa kann das aber nichts zu tun haben.
Und wenn die Kids zu heftig SMSen - dann wirkt eine Prepaidkarte oder die (zeitweise) Konfiszierung des Kommunikationshobels meist wahre Wunder.

Ach ja, eine interessante Erkenntnis aus dem Schuldenkompass möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Dort heißt es auf Seite 8 u.a. „In Nordrhein-Westfalen, Berlin und in Brandenburg ist der prozentuale Anteil der Personen mit mindestens einem Negativmerkmal vergleichsweise hoch.“

Auch mir sind da  -ganz spontan- ein paar noch lebende Personen aus diesen Bundesländern mit Negativmerkmalen eingefallen. Aber ich sag jetzt nicht welche.
Sie können sich ja selber ein paar ausdenken!

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24.11.2004 um 05:45 Uhr

Der Regenmacher

Musik: Keep Raindrops falling on my head

Eigentlich ist es ja nicht meine Art, mich über Menschen zu äußern, die ich persönlich kenne.
Da benütze ich lieber jede Gelegenheit zur direkten Kommunikation und das immer mit deutlichen Worten unter vier Augen und nur für die Ohren, für die es bestimmt ist.

Aber heute will ich mal davon eine Ausnahme machen, denn vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Presse, die eigentlich erfreulich ist und zu der man anerkennend die Mundwinkel verzieht und bewundernd mit dem Kopf nickt und „alle Achtung“ sagt.
Sowas passiert nicht alle Tage, zumindest nicht mir. Das mit den Mundwinkeln, mein ich.

Doch schön der Reihe nach.
Der Spiegel berichtet am 6. November 2004 über einen Menschen der sein Geld dafür hergibt, damit andere Menschen etwas lernen und leisten können:

Hasso Plattner lässt Euros regnen
«Vor fünf Jahren startete Hasso Plattner, Mitbegründer und Aufsichtsratvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, in Potsdam ein Institut für Softwaresystemtechnik.
Bei 124 Millionen Mark sollten die Investitionen zunächst liegen: 24 Millionen für einen Neubau, der vor drei Jahren eingeweiht wurde, und 100 Millionen für den Lehrbetrieb der nächsten zwanzig Jahre.
Wie Plattner am Freitag in Potsdam mitteilte, wird er bis zum Jahr 2020 weitere mehr als 200 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen aufwenden. Das Potsdamer Institut ist nicht die einzige Einrichtung, die von Plattners Zuwendungen profitiert. So hatte er im vergangenen Jahr bereits über seine Stiftung zehn Millionen Euro für den Ausbau der Mannheimer Universitätsbibliothek spendiert.»

Soweit die von mir etwas gekürzte Meldung des Spiegel, die mit einem etwas -wie ich meine- unvorteilhaften Foto des Mäzen versehen ist. Etwas grauer ist er geworden, seit ich ihn zum letzen Mal gesehen habe, aber den Krawattenknoten trägt er immer noch wie kein anderer oberhalb von "Halbmast" und auch die Kragenecken zeigten bei ihm schon immer ein etwas konträres Eigenleben.
Wie vor 25 Jahren als wir zum ersten Mal zusammentrafen. Im Herbst 1979 oder Frühjahr 1980 muss es gewesen sein, als sich unsere beruflichen Wege kreuzten und für einige Jahre synchronisierten. Reich war er damals nur an Ideen, gepaart mit einer ungeheuren Dynamik und Begeisterungsfähigkeit für alles was neu war, angeblich nicht funktionieren sollte oder vollkommen  unmöglich war.
 
Warum schreib ich das jetzt?
Weil ich kurze Zeit später bei Heise-Online die gleiche Meldung gelesen und mir die  Kommentare der (meist jungen?) Forenuser zu dieser Meldung angetan habe.
Mit PISA I und PISA II im Hinterkopf  ist mir dabei der Kamm geschwollen:
Selbst die wenigen Kommentare, die nicht gleich von Anfang an mit Dummlall-Argumentation und Ideologengesabber beginnen, werden von einer anscheinend denkunfähigen, dauerpubertierenden Meute im windelfähigen Alter niedergemacht, von denen einige noch nicht einmal den Namen des Mäzen richtig schreiben können.
Es scheint eine Eigenart einer gewissen Bevölkerungsgruppe geworden zu sein, alles besser zu wissen und zu allem eine Art kollektiver Meinung zu haben, ohne sich vorher informieren zu müssen.
Macht ja eh keinen Sinn, wenn man die Weisheit und Genialität bereits rektal über die Pampers inhaliert hat und es täglich schafft, trotz unkontrollierter Abgabe großer Mengen dieser Substanz, sich wieder bis über die Augenbrauen damit abzufüllen.

Jeder vernünftige Mensch hätte sich mit wenigen Mausklicks über den Menschen und Unternehmer Hasso Plattner informieren können und erfahren, dass er sich sein Vermögen durch eigene Ideen, viel Arbeit, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen SELBST erarbeitet hat. Hasso Plattner ist kein verwöhntes Milliardärsohnchen, das vom geerbten Vermögen ein bisschen was abgibt um von den Medien hofiert zu werden. Hasso Plattner weiß ganz genau was er tut.
Wer vor dreißig Jahren, zusammen mit Arbeitskollegen und Freunden, auf einer grünen Wiese am Waldrand bei Walldorf in Baden eine Firma für betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware gegründet und zu einem weltweit führenden Konzern mit 30.000 Mitarbeitern aufgebaut hat, der weiß auch, was er mit der Gründung eines Forschungsinstituts auf einem brachliegenden Gelände und der Investition von mehr als 250 Millionen Euro (zur Erinnerung, das ist ca. eine halbe Milliarde DM) in seiner Geburtsstadt Berlin machen wird. Schließlich ist es sein Geld, das er dort investiert!

So, jetzt ist mir etwas besser.  
Aber nur etwas, denn der Wahnsinn der dümmlichen Postings zu jeder Meldung bei Heise-Online hat Methode.
Auf welchem Niveau sich die Kommentare bei Heise-Online bewegen, zeigt folgender Snapshot aus einem Thread im Heise-Board zu einer Frage, die man sehr ausführlich bei Wikipedia  beantwortet bekommt.
Das Schöne bei Heise ist aber, dass der Frager die Antwort gleich mitschickt, denn eigentlich wollte er ja nur fragen um selbst sein geballtes Knoff-Hoff zum Besten zu geben.
In den meisten Fällen reicht es jedoch noch nicht einmal für ein gefährliches Halbwissen.

«Was haben eigentlich alle mit XML?
XML als Format zum Datentransport wird vollkommen überschätzt.
Früher, da haben wir die Daten noch Fixed-Format - oder wenns hochkommt, mit Kommata separiert - übergeben. Satzstruktur dazu und fertig.
Heute muss es auf jeden Fall XML sein. Und wenn der Parser dann
bei >1Mio Datensätzen seinen Overflow bekommt, ist wieder mal die
Sch..ß-Technik dran schuld.
Denkt mal drüber nach!
floh »

Das mach ich  - "floh". (Nach eigenen Angaben die Kurzform von deflohration)
Ich denk da drüber nach!
Ich verspreche es hoch und heilig – beim Mundgeruch meines Hundes.
Ich mach ja schon fast nichts anderes mehr, als mir zu überlegen, wie man Menschen – die meinen schon alles zu wissen – zu einer Grundbildung verhelfen kann, die zumindest dem Niveau der Hauptschulreife entspricht.
Vielleicht sollten wir noch ein Institut bauen, ein HPI – Hauptschul Pildungs Institut, genau in der Bildungslücke und auf dem gleichen Grund wie die Bauabschnitte PISA I und PISA II.

Und der liebe „floh“ und seine Kohorte bekommen ein Stipendium.
Und wenn sie dann den Hauptschulanschluss (Berechtigung zum Besuch einer Hauptschule) geschafft und gelernt haben in einfachen Strukturen zu denken und dieses Gedachte, ohne fremde Hilfe auch in Schriftzeichen umsetzen können, dann dürfen sie sich auch zu Menschen wie dem Regenmacher äußern.

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23.11.2004 um 05:45 Uhr

Working Poor

"Working Poor" heißt frei übersetzt ins vulgärsprachliche Deutsch soviel wie „echt arme Sau“ und bezeichnet einen Menschen, bzw. eine Bevölkerungsgruppe, die trotz Erwerbstätigkeit keinen "existenzsichernden Lebensunterhalt" (living wage) verdienen kann.

Diese armen Schweine -ich bleibe jetzt bewusst bei dieser Bezeichnung, damit nicht der Eindruck entsteht es würde sich um Menschen in einem fernen, fremdsprachlichen Land handeln-, diese armen Schweine also, leben hier mitten in Europa mitten unter uns und können ackern und baggern soviel sie wollen, sie kommen nie auf einen „grünen Zweig“ und bleiben weiter arm oder werden durch Arbeit noch ärmer.
Jetzt hat mich mal die Frage beschäftigt wodurch „working poor“ bedingt ist und warum dieser offensichtliche Missstand nicht beseitigt wird. Dabei habe ich schnell herausgefunden (eigentlich hatte ich es ja geahnt), dass sich mit dieser Frage Legionen von „Experten“ aller politischen Strömungen und wissenschaftlicher Fachbereiche befassen. Ich will Ihnen die unterschiedlichen „Experten“-Ansichten ersparen und das Ergebnis meiner nächtlichen Streifzüge durch das Welde-Wide-Web in einem Satz zusammenfassen, der mir aus einem deutschsprachigen Forum ins Auge gestochen und von meinem querdenkenden Hirn mit einem sarkastischen Lacher quittiert wurde, als er sich mir Gedächtnis grub:  „Mit normaler Denke eines intelligenten Wesens hat das zusammenhanglose und logikfreie Argumentationsverhalten dieser Dummfug lallenden Demenzpatienten und selbsternannten „Experten“ nun wirklich nichts mehr zu tun.“

 


Dabei scheint das Problem so einfach und wichtig zu sein, wie die ordentliche Ernährung eines menschlichen Organismus. Verbunden mit regelmäßigen Stuhlgang und normalem Umgang mit Alkohol, Nikotin, Koffein und Sex ist das meist schon die halbe Miete für ein gesundes Leben zum eigenen Wohle. Kommen dazu noch regelmäßige Arbeit, etwas Sport und Freizeit, sowie familiäres/gesellschaftliches/kulturelles/politisches Engagement,  so wird aus dem Individuum (normalerweise) ein wichtiger, wenn nicht gar wertvoller Teil einer Gesellschaft.
Sollte ich, altersbedingt, irgendein menschliches Bedürfnis übersehen haben, so bitte ich um Nachsicht.

Also habe ich mich selbst daran gemacht um eine Definition für die „arme Sau“ zu finden und habe mich bei Wikipedia zuerst mal in den Begriff der „Armut“ eingelesen: «Armut ist die unzureichende Mittelausstattung zur Befriedigung der lebenswichtigen Grundbedürfnisse. Sie ist häufig bestimmt durch ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Armut schränkt die Betroffenen in der freien Ausgestaltung ihres Lebens ein. Hauptursachen von Armut sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sowie stark ungleiche Einkommensverteilung

„Aha“, hab ich mir gedacht, „das ist doch schon mal was! Der „armen Sau“ fehlt also Einkommen, bzw. Arbeit mit Einkommen zum Auskommen.“
«Das vom Statistischen Bundesamt errechnete monatliche Nettoäquivalenzeinkommen betrug 2002 in den alten Bundesländern 1217 Euro, in den neuen Bundesländern 1008 Euro. Nach den EU-Kriterien für die Armutsgrenze (60 %) liegen die Armutsgrenzen demnach bei 730,20 Euro für den Westen und 604,80 Euro für den Osten.
Nach ersten Zahlen für den "Armuts- und Reichtumsbericht", den die Bundesregierung Anfang 2005 vorlegen will, galten im Jahr 2003 13 Prozent der Bevölkerung als arm. 2002 waren es nach diesen Angaben noch 12,7 Prozent. Ein Drittel der Armen sind allein Erziehende und ihre Kinder. 19 Prozent sind Paare mit mehr als drei Kindern. Die Zahl der Kinder in Deutschland, die von Sozialhilfe leben, stieg 2003 um 64 000 auf 1,08 Millionen» ©Wikipedia – Armut in Deutschland

Die derzeit laufende Debatte über Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns nimmt die bereits eingetretenen und kommenden „Erfolge“ der „Reformpolitik“ zwar zur Kenntnis, übergeht aber vollkommen, dass ein immer größerer Teil der Arbeiternehmer nicht mehr von ihrem Lohn leben kann.
Dieser (gewollte?) Effekt bezieht sich nicht nur auf das durch Hartz IV forcierte Heer der Gelegenheits-, Mini- und Ein-Euro-Jobs, deren Lohn schon definitionsgemäß keinen Bezug zum Lebensunterhalt hat, sondern betrifft zunehmend die "regulären" Beschäftigungsverhältnissen mit 40 und mehr Arbeitsstunden pro Woche. „Working Poor“ vom Feinsten eben.
Damit ist aber auch schon das Niveau angedeutet, wo die Untergrenze des Lohns für den Vollzeitarbeitsplatz eines "Working Poor" gesetzt werden wird.  Gerade noch "existenzsichernd" sollte das Arbeitsentgelt nach Möglichkeit schon sein, damit diese Arbeitnehmer nicht auch noch den Sozialkassen zur Last fällt.
Dabei müsste eigentlich jeder Mensch, besonders jeder Unternehmer, verstehen, dass es wirtschaftlicher Unsinn ist, längerfristig einer Tätigkeit nachzugehen, bei der man keinen Profit macht oder keine Aussicht hat jemals Profit zu machen. Dennoch wird es von den Arbeitnehmern erwartet und verlangt.

Und jetzt geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf:
„Wenn es immer mehr arme Säue gibt, dann geraten doch (rein rechnerisch) die 'nicht armen Säue' in die Minderzahl und mutieren zu einer Gruppe in einer  Gesellschaft, in der der Schwanz mit dem Hund wackelt, um es mal salopp auszudrücken.
Da zu befürchten steht, dass das nicht lange gut gehen wird, habe ich deshalb schon mal bei Wikipedia unter „Existenzangst“ nachgeschlagen, aber nichts gefunden.
Fündig bin ich allerdings bei „Existenz“ (Notwendigkeit für eine Lebensgrundlage) und „Angst“ geworden und bei „Angst“ habe ich gelernt, dass „Angst“ zu den sieben primären Emotionen des Menschen gehört und was mit Schweißausbrüchen, Zittern, Muskelverspannungen, Herzschmerzen, Atmungsstörungen, Durchfall und Funktionsstörungen des Blasenschließmuskels zu tun hat.
Und „Angst“ ist ein –normalerweise- in die Zukunft gerichtetes Warnsignal.

Wenn also „Existenzangst“ zu einer seuchenartigen, hochgradig ansteckenden Volkskrankheit wird, dann wird wohl jedem klar werden, warum die Krankenkassen die Beiträge 'gar nie' nicht senken können und das Flehen der Gesundheitsulla nicht erhören werden. 
Eigentlich müsste man diese Krankheit ja der WHO melden und die Erreger dieser Seuche mit allen Mitteln bekämpfen.

Oder seh ich das jetzt zu medizinisch, - tiermedizinisch meine ich natürlich?
Ach, fast hätte ich es vergessen – neben der „armen Sau“ gibt es auch noch die „dumme Sau“. Aber über die schreib ich ein andermal, denn dieses unerschöpfliche Thema würde jetzt doch den Rahmen sprengen.

Tara ruft.

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22.11.2004 um 05:45 Uhr

Stabilitätspakt

Eigentlich wundert es niemand mehr.
Seit wir wissen, dass mit dem Superklebstoff „Hartz IV“ die Arbeitsmarktprobleme der Republik gekittet werden können und  „Mehrarbeit“ zu „mehr Arbeit“ in direkt proportionalem Verhältnis steht, Arafat das Milliardenvermögen auf Schweizer Bankkonten im Lotto gewonnen hat und Condoleezza Rice in der Lage ist, dem amerikanischen Präsidenten Dinge so erklären kann, dass es auch ein Sechsjähriger versteht (Es war einmal in Amerika), kommt es auf den Finanzhans auch nicht mehr an, der fest davon überzeugt ist mit seinem Haushalt die Defizitgrenze des Maastrichter Stabilitätspaktes zu schaffen.



Mit dem Titel „UNERSCHÜTTERLICHEN OPTIMISMUS“ würdigt der Spiegel diese heroische Haltung, nachdem es dem Finanzhans in den drei Jahren davor seine optimistischen Prognosen heftig verhagelt hat. Widrige Umstände sollen jeweils die Ursache gewesen sein, hieß es nachher. Es werden wohl eher optimistische Prognosen und Wunschdenken gewesen sein, weil eben nicht sein kann was nicht sein darf.
Also Augen zu und durch - „the same procedure as last year“.

Und seit dem griechischen Präzedenzfall weiß man ja auch, dass es sowieso wurst ist, ob man sich beim Zusammenhäkeln des Haushalts verrechnet oder verschätzt hat, oder gar beides. Wen interessiert es da noch, ob das falsche Zahlenmaterial durch Unvermögen, Dummheit, Absicht oder gar kriminelle Energie entstand?
Passieren tut doch eh nix! Also lasst doch die Hunde bellen und die Karawane weiter ziehen.

Ob Sachverständigenrat, EU-Kommission oder Wirtschaftsforschungsinstitute: Keiner erwartet, dass Deutschland im kommenden Jahr die Defizitvorgabe des Maastrichter Stabilitätspaktes einhalten kann. Lediglich der Finanzminister Hans Eichel glaubt weiter an einen vertragskonformen Bundeshaushalt.

Rein rechnerisch und auf dem Papier mag er damit vielleicht sogar recht haben.
Aber darum geht es auch schon gar nicht mehr. Sicher würde niemand über ein Defizit von „so um die 3%“ viele Worte verlieren – wenn man nicht wüsste, mit wie viel Aufwand es erkauft wurde.

Auch einen Sonderbonus hätte man sich, im Angesicht der Wiedervereinigung, für einen bestimmten Zeitraum mit der EU aushandeln können.
Aber man hat sich lieber dafür entschieden Luftschlösser zu bauen und die letzten Vermögenswerte zu verramschen, die man auf irgendeine Art noch kurzfristig zu Geld machen kann. Wie Spieler, die den letzten Bezug zur Realität verloren haben und alles auf eine Karte setzen und glauben mit dem letzten Stich das Spiel herumreißen zu können.

Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Spieler und einem Minister?
Der Spieler bringt sein Vermögen unters Volk, hebt die Hand zum Schwur und geht in die Insolvenz.
Der Minister hebt die Hand zum Schwur, bringt sein Volk ums Vermögen und geht in die Pension.

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21.11.2004 um 05:45 Uhr

Crampi Nocturni

Heute Nacht war ich in Sachen Politik und Volksbegehren unterwegs.
Ich bin zum Bahnhof gegangen und nach Erwerb einer Fahrkarte mit dem Zug nach Berlin gefahren.
Dort angekommen hab ich mir ein Taxi genommen und mich zum nächsten Supermarkt fahren lassen, dessen Name ich aber nicht nennen darf, da die Sponsorenverträge noch nicht unterzeichnet sind.
Den Taxifahrer habe ich vor dem Supermarkt warten lassen und mir eine Schachtel Hühnereier gekauft. Im Sixpack! Im Angebot und aus Bodenhaltung und von glücklichen Hühnern.
Dann habe ich dem Taxifahrer gesagt er solle mich zum Kanzlerbungalow fahren, worauf der mich blöde angestarrt hat und meinte, dass es in Berlin keinen Kanzlerbungalow geben würde.
Ich hab mir gleich gedacht, dass der Taxifahrer keine Ahnung hat. Wie soll der sich auch in Berlin auskennen, wenn er noch nicht mal richtig Deutsch kann.
Aber statt mit ihm zu diskutieren und ihm einen Vortrag über die friedliche Wiedervereinigung der Deutschen Nation und dem seitdem herrschenden Kriegszustand zwischen alter Regierungsform und neuem Volk zu halten, hab ich gesagt er solle mich dahin fahren, wo die schlechte Politik herkommt.

Er hat mich dann zu einem wichtig aussehenden Gebäude gefahren, dort hab ich bezahlt und bin mit meinem Sixpack ausgestiegen.
Dann hab ich die Eier aus dem Karton genommen und vor mir auf die Straße gelegt. Alle in einer Reihe . Mit einem Ei hatte ich Probleme, denn das wollte partout nicht liegen bleiben und wollte immer den Randstein runtereiern, da hab ich ihm einen Stein in den Weg gelegt und das Problem war beseitigt.
Dann hab ich die Entfernung bis zu dem Gebäude abgeschätzt und mal probeweise einige Schritte wie beim Speerwerfen angetäuscht. Die zunehmende Aufmerksamkeit einiger Passanten hat mich dabei nicht gestört.

Und dann ging alles Schlag auf Schlag.
Das erste Ei hat zwar noch nicht da hin getroffen, wo es hin sollte, obwohl das Ei an sich ja eine hervorragende aerodynamische Form hat und auch am Flugverlauf ballistisch nichts auszusetzen war. Vielleicht lag es am Anlauf, an der Schrittsynchronisation oder am Abwurf. Vielleicht auch der Umstand, dass ich zuviel Kraft und Luft für den Schrei gebraucht habe. Obwohl, wenn ich mich recht entsinne, war zu diesem Zeitpunkt das Ei schon auf seiner Flugbahn. Genau, ich habe ihm hinterhergerufen! „das ist für die Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ habe ich gerufen. Ich glaube, das war auch der Zeitpunkt an dem die Sicherheitskräfte auf mich aufmerksam wurden, aber Genaues wird wohl erst die Auswertung der Videoaufnahmen ergeben.
Obwohl ich mir den Arm beim ersten Wurf etwas verzerrt hatte, denn seit dem Gewinn der Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen ist es schon ein paar Tage her, gelang es mir mit dem zweiten Ei einen Volltreffer zu landen. Paahhh, volle Kanne mitten in den Eingangsbereich und an die Tür. Das hat vielleicht gepatscht und das Eiweiß und der Dotter sind gespritzt. Sah aus der Entfernung aus wie ein sich selbstzerstörendes Bild von Salvatore Dali, als die Reste vom Dotter an der Türe herunterliefen.
Aus den Augenwinkeln konnte ich erkennen, dass einige Passanten stehen geblieben waren, wohl aufgeschreckt von meinem zweiten Ruf „das ist für die verzogene Steuerreform“. Zumindest einige der jüngeren Sicherheitskräfte schienen sich bereits gedanklich mit dem Gesehenen zu beschäftigen. Das verschaffte  mir die Zeit zum dritten Mal zum Wurf auszuholen und dem fliegenden Ei nachzurufen „und das ist für die Gesundheitsreform“. Leider hatte ich keine Zeit die Flugbahn, die diesmal wirklich perfekt gewesen sein muss, zu bewundern, denn so ein voreiliger Sicherheitsmensch schien zu Ende gedacht zu haben und begann sich in Bewegung zu setzen.
Ich zögerte kurz und überlegte ob ich ihn mit dem vierten Ei erlegen sollte, entschied mich dann aber doch für das Gebäude und den Ruf „nimm das für Hartz IV“.
Der Wurf des fünften Eies war, das muss ich zugeben, etwas überhastet. Irgendwie sind mir da die Nerven durchgegangen, denn der Sicherheitsbeamte lief mir unfairerweise  genau in die Schussbahn und hat mich etwas irritiert. Dass Ei hat ihn zwar knapp verfehlt, aber er kam ins Stolpern und ist mitsamt seiner verkabelten Elektronik und Kopfhörer und was weiß ich sonst noch, einige Meter vor mir zu Boden gegangen. Er ist der Länge nach hingeknallt, hat sich dann zweimal überschlagen und ist nach einigen Metern ganz ruhig in stabiler Seitenlage liegengeblieben.
Das verschaffte mir die Zeit, mich nach dem sechsten Ei zu bücken, Anlauf zu nehmen und mich mit dem Ruf „nimm das für den maroden Staatshaushalt, für Steuerverschwendung, für ausufernde Bürokratie, für die Ökosteuer, die Kürzung der Pendlerpauschale, die Erhöhung der Mineralsteuererhöhung, der Tabaksteuer, der Versicherungssteuer und ... „ erneut auf das Gebäude zu stürzen.
Zum Ruf kam ich noch, aber dann ist mir jemand in den Wurfarm gefallen und hat mich zu Boden gerissen, obwohl ich noch soviel zu sagen gehabt hätte.

Was danach kam, weiß ich nicht mehr so genau. Irgendwie hatte ich so eine Art Blackout . So in der Art wie der Altbundeskanzler Kohl, der sich ja auch nicht mehr daran erinnern kann, wer ihm das Geld für die Parteispenden gegeben hat. Also ich könnte jetzt auch nicht mehr sagen, welcher Sicherheitsbeamte sich wie und wann auf mich gestürzt hat.
Das nächste was ich weiß, ist, dass ich wild um mich geschlagen und gestrampelt habe. Dabei habe ich einen fürchterlichen Wadenkrampf in der linken Wade bekommen.
 „Du hast heute morgen dein Magnesium nicht genommen“ fiel mir ein und dann ...

Dann bin ich mit einem lauten Schrei auf den Lippen in meinem Bett aufgewacht.
An mehr kann ich mich wirklich nicht erinnern.
Jetzt bin ich sehr verunsichert, werde sicherheitshalber heute nicht aus dem Haus gehen und  die Zeit mit meiner schmerzenden Wade lieber vor dem Fernsehapparat verbringen. Vielleicht kommt über den Vorfall in Berlin ja irgendwas in den Nachrichten.
Obwohl ich eigentlich zum Einkaufen gehen müsste.
Zu ALDI.
Ich hab nämlich komischerweise keine Eier mehr im Kühlschrank.

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20.11.2004 um 05:45 Uhr

FuZo

Gibt es in Ihrer Stadt auch eine FuZo?
Einen Bereich, wo man nur zu Fuß hindarf.
Nein, ich meine nicht eine öffentliche Bedürfnisanstalt, ich meine eine öffentliche Fußgängerzone.

Haben sie sich eigentlich schon mal Gedanken gemacht, welche Probleme durch solche Zonen eigentlich entstehen können?
Stellen sie sich mal vor, sie hätten dort ein Geschäft. Nur so ein kleines Ladengeschäft für Wolle und Nähbedarf oder für Batterien aller Art oder eine kleine Reiseagentur. Sie zahlen Gewerbesteuer an die Stadt, zahlen Einkommensteuer, zahlen Grundsteuer und Miete mit Mehrwertsteuer an den Vermieter der wiederum Gewerbesteuer an die Stadt bezahlt.
Und dann geht ihnen mitten im Sommer die Klimaanlage kaputt oder die Toilette ist verstopft oder sie bekommen eine neue Ladeneinrichtung geliefert und eingebaut.
Und ihr Laden liegt in einer „Fußgängerzone“. Da darf niemand, außer der Müllabfuhr, der Polizei, Krankenwagen oder Feuerwehr mit dem Auto rein.

Außer er hat eine Sondergenehmigung der Stadtverwaltung!
Auf diesen Sachverhalt hat selbige durch Veröffentlichung einer Pressemeldung hingewiesen:

Service für Handwerker: Ausnahmegenehmigung für Parken in der City
Das Amt für Wirtschaftsförderung informiert über einen Service der Stadtverwaltung. Aus aktuellem Anlass wird auf die Möglichkeit der Ausnahmegenehmigung für Handwerker zum Parken im eingeschränkten Halteverbot und in Bewohnerparkzonen - ohne einen Parkschein zu lösen - hingewiesen. Ebenso ist es mit dieser Ausnahmegenehmigung möglich, zur Durchführung von Notfallarbeiten die Fußgängerzone außerhalb der hierfür vorgesehenen Be- und Entladezeiten zu befahren und das Fahrzeug während der Dauer der Tätigkeit abzustellen. Leider kommt es gelegentlich vor, dass Handwerker, die über diesen Service nicht informiert sind, bei der Ausübung ihrer Tätigkeit schriftliche Verwarnungen mit der Verpflichtung zur Zahlung eines Verwarnungsgeldes wegen unerlaubten Parkens bekommen.
Die angesprochene Ausnahmegenehmigung erlaubt das Parken ausdrücklich im Falle der Ausübung der handwerklichen Arbeiten. Die Ausnahmegenehmigung berechtigt nicht zum Parken am Firmensitz. Die Ausnahmegenehmigung kann formlos beantragt werden beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Telefon: ███████, Fax: ███████
Die Ausnahmegenehmigung ist gebührenpflichtig und kann wochen- und monatsweise oder für ein ganzes Jahr erteilt werden. Für spezielle Umbauten an Gebäuden werden außerdem im Rahmen der Baustellengenehmigung Parkausnahmegenehmigungen erteilt.

Sie sind jetzt gedanklich immer noch Besitzer eines kleinen Ladens in eben dieser Fußgängerzone.
Es ist Freitag und Sie rufen einen Handwerker an, weil die Toilette verstopft ist und die Sache nicht nur zum Himmel stinkt. Zwar ist es schon spät am  Nachmittag, doch der Handwerker verspricht gegen 18:00 Uhr zu kommen, allerdings werde er schweres Gerät benötigen und trägt Ihnen auf, sich schon mal um die problemlose Zufahrt zur Fußgängerzone zu kümmern. Er habe noch genug von dem Ärger beim letzten Mal, als er nicht nur ein Verwarnungsgeld wegen unerlaubten Parkens bekam, sondern auch noch eine Anzeige wegen Beleidigung einer im städtischen Auftrag handelnden Politesse.
Also rasch die Nummer vom Amt für Wirtschaftsförderung rausgesucht und angerufen. Während es am anderen Ende läutet, ein schneller Blick auf die Uhr. Es ist 16:45 Uhr, da ist auf dem Amt niemand mehr da. Feierabend. Außerdem ist Freitag, die Stadtverwaltung und das Amt für Wirtschaftsförderung sind bereits im Wochenende.
Aufkommende Hektik bestimmt in der nächsten halben Stunde ihre vergeblichen Bemühungen sich eine gebührenpflichtige Ausnahmegenehmigung des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung zum Befahren und Parken in der Fußgängerzone außerhalb der hierfür vorgesehenen Be- und Entladezeiten zu beschaffen.
Dann erlöst Sie ihr kaufmännisches Denken von diesem Problem. Statt weiter unter erheblichem Zeit- und Kostenaufwand hinter irgendwelchen städtischen Angestellten herzutelefonieren und sich um ein bedrucktes und gestempeltes Stück Papier zu bemühen und dafür noch ein Entgelt zu bezahlen, ist es summa sumarum billiger ein Verwarnungsgeld wegen unerlaubten Parken in der Fußgängerzone in Kauf zu nehmen.

Ich frag mich sowieso schon die ganze Zeit, was die Ausstellung dieser gebührenpflichtigen Ausnahmegenehmigung zum Parken in der City eigentlich mit Wirtschaftsförderung zu tun hat.

Vielleicht haben sie ja eine Idee.
Ich komm nicht drauf!

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19.11.2004 um 05:45 Uhr

Ticker gucken

Stimmung: Tick – Tack – Tick – Tack – Tick – Tack - Bumm
Musik: vööööllig losgelööööst, von der Erde, schwebt das Raaaauumschiiiff

Ticker gucken ist geil!
An manchen Tagen gibt es wirklich nichts schöneres als auf den News-Ticker einer beliebigen Zeitung zu starren.
Da jagt ein Brüller den anderen. Manchmal kommen die Hämmer so schnell hintereinander, dass man schon gar nicht mehr auslachen kann, bevor der nächste Witz sich seitlich in den Bildschirm schiebt.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Dinger immer von rechts kommen?
Also zu einer kurzen Kaffeepause im Büro oder auch zu Hause gibt es wirklich nichts Schöneres als sich vor den Bildschirm zu hocken, sich lässig zurückzulehnen, den dampfenden Kaffeetopf entspannt in der linken Hand auf der Tischplatte zu haben und die rechte Hand klickbereit an der Maus.
Gute Reaktion und Zielvermögen ist gefragt, denn die Ticker sind verhältnismäßig klein und wuseln ihren Text in Kurzform über den Bildschirm. Will man mehr wissen, als das, was der Header so an Informationen hergibt, jagt man mit dem Mauszeiger hinter ihm her und zwingt ihn mit einem doppelten Mausklick zum Anhalten. Keine Angst, wenn das beim ersten Mal nicht gleich auf Anhieb gelingt und die News sich aus dem linken Bildschirmrand verpisst. Die kommt wieder – aber Achtung, natürlich auf der rechten Seite.
Ist das gleiche System wie bei den Landtagswahlen – rechts rein, links raus.
Es soll ja Blondinen geben, die sehen einer solchen verschwundenen Nachricht  links um den Bildschirm herum nach, um zu sehen wohin die Nachricht verschwunden ist. Das sind übrigens die gleichen Frauen, die beim Autofahren immer auf dem Lenkrad hängen um zu gucken wie lange ihr Auto vorne ist. Achten Sie mal drauf, wenn Sie nächstes Mal auf der Autobahn unterwegs sind. Besonders bei Mercedes A-Klasse, Fiat Pinto, Opel Coma, Ford Fiasko und Renault Climax lohnt sich ein seitlicher Blick allemal.
Aber das nur am Rande, zurück zu den News-Tickern.



Da tickert gerade die Nachricht über den Ticker, dass «„rein rechnerisch das Geldvermögen der privaten Haushalte in Brandenburg 25.100 Euro beträgt“. Das errechnete der Landesbetrieb für Statistik in Potsdam. Lebens-, private Renten- sowie Sterbegeld-, Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen hätten den größten Anteil daran. Das Geldvermögen erreichte zu 62 Prozent den Bundesdurchschnitt. Gegenüber 1998 nahm das durchschnittliche Geldvermögen je Haushalt in Brandenburg um mehr als die Hälfte zu».

Ich bin noch dabei mir vorzustellen, wie der Durchschnittsbrandenburger mit seinem Geldvermögen von 25.100 Euro in Form von Lebens-, private Renten- sowie Sterbegeld-, Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen seine monatliche Miete und die Brötchen beim Bäcker bezahlt, da drückt schon der nächste Hammer von rechts ins Display:

«Narren übernahmen die Macht in Brandenburger Rathäusern. In vielen Orten Brandenburgs haben die Narren die Rathäuser erobert. Widerstandslos übergaben die Oberbürgermeister der drei kreisfreien Städte Potsdam, Cottbus und Brandenburg/Havel die Schlüssel zu ihren Amtssitzen und damit die Macht ab. Eine Ausnahme war Frankfurt (Oder), wo die Stadtverwaltung ihrer gewohnten Arbeit nachging und Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) im Urlaub ist
Jetzt bin ich doch etwas verwirrt, ich dachte die Wahlen waren erst vor ein paar Wochen. Oder haben die jetzt ganz heimlich still und leise noch mal gewählt? Also ich steig da jetzt nicht mehr durch, welche Narren jetzt im Rathaus sind und welche davor stehen.

Ein paar Narren werden sicher fehlen, denn wenn man dem nächster Ticker glauben darf, dann ziehen es immer mehr vor, ihren dauernden Aufenthalt in ländliche Gegenden zu verlegen, wenn sie sich endgültig aus dem Staub machen. Ja Sack und Asche – das ist ja unglaublich :

«Einäscherungen immer häufiger außerhalb Berlins. Aus Kostengründen lassen immer mehr Berliner ihre Toten außerhalb der Stadtgrenzen einäschern. Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass 2003 für jede dritte Verbrennung ein Krematorium jenseits der Stadt gewählt wurde. Wie das Amt am Donnerstag mitteilte, war es sechs Jahre zuvor nur jede zehnte. Nach Angaben der Berliner Bestatter-Innung ist eine Einäscherung außerhalb bis zu 40 Prozent günstiger. Die schlechte Wirtschaftslage und der Wegfall des Sterbegelds zwingen zum sparen.»

Schlechte Wirtschaftslage? Dass ich nicht lache! Gerade ist der Ticker mit den Infos über das durchschnittliche Geldvermögen der privaten Haushalte ins linksseitige Nirwana meines Bildschirms verschwunden und jetzt lassen sich die Bürger in ländlichen Gegenden einäschern, ohne die Kohle vorher vom Konto zu holen um sich für 25.100 Euro ein ordentliches Begräbnis in der Bundeshauptstadt zu gönnen? Aber 40% ist natürlich ne stattliche Marge für eine Selbstverbrennung, wenn man berücksichtigt dass sich andere Leute an 2% Wirtschaftswachstum schon (oder nur?) die Finger verbrannt haben.

Hab auch gar keine Zeit dazu, denn schon tickerts wieder – wieder von rechts-
«Verwaltungsgericht genehmigt rechte Demonstration in Halbe. Rechtsgerichtete Gruppierungen dürfen sich nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Cottbus an diesem Samstag auf dem Waldfriedhof in Halbe (Dahme-Spreewald) unter Auflagen versammeln. Das Verwaltungsgericht Cottbus gab am Mittwoch entsprechenden Eilanträgen statt. Wie die Behörde weiter mitteilte, lagen die rechtlichen Voraussetzungen für ein vollständiges Verbot des so genannten Heldengedenkens nicht vor.»

Na, jetzt ist doch fast alles in Butter!
Da dürfen die Rechtsradikalen mit juristischem Segen ihre rabattgeäscherten Verstorbenen auf den Waldfriedhöfen besuchen, um ihnen von den 25.100 Euro zu erzählen, die das Finanzamt auf dem Konto beschlagnahmt hat, bis die Erbfolge geklärt und die Erbschaftssteuer bezahlt ist, während in den umliegenden Rathäusern die Narren ihre Macht ausüben.
Nur, wie der Bürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder)  in einer solch prekären politischen und wirtschaftlichen Situation in Urlaub fahren kann und dadurch geschickt die Machtübernahme der Narren verhindert, wird sicher noch ein juristisches Nachspiel haben.

AuuuuAuuuuuAuuuuu – da kommt schon der nächste Streich!
Aus dem Ticker – von rechts!
Was haben die?
Das ist ja echt unglaublich. Das ist ja unvorstellbar!
Da sind doch der Bundesgerd, der Finanzhans und die halbe Bundesregierung nach Cap Carneval, das jetzt Cap Kennedy heißt, gefahren um anhand von Bildmaterial der NASA zu klären, ob irgendwo in Deutschland noch Geldtöpfe oder Schätze versteckt sein könnten. Und bei der Besichtigung der Rakete haben sie, wie es halt so ihre Art ist, an allen Knöpfchen und Hebelchen herumgespielt, ohne zu wissen was dann passiert. Ja und da ist die Rakete in den Weltraum gestartet und wird sich nach Ansicht der Experten in den unendlichen Weiten des Universums selbst zerstören. Die Medien sprechen von einer nationalen Tragödie.

„Und wenn die Rakete jemals wieder unversehrt zur Erde zurückkehren sollte“, tickert sich langsam zum Mitdenken durch mein Gehirn, „dann wäre das keine nationale Tragödie, sondern eine nationale Katastrophe.“

In diesem Sinne – ein schönes Wochende.

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18.11.2004 um 05:45 Uhr

Ombudsrat

Nach manchen 10-stündigen Arbeitstagen zuzüglich jeweils 45-minütigem Autobahnschritttempo zur An- und Abreise, braucht man sich am Abend nur kurz vor den Bildschirm zu setzen und dem Newsticker zusehen, um einen heftigen Schluckauf zu bekommen.

«Stuttgarter Zeitung  8.11.04 / 19:01 Uhr
Clement beruft Ombudsrat für Arbeitsmarktreformen
Berlin (dpa) - Ein Ombudsrat wird über die Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV wachen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement setzte das Gremium in Berlin ein. Ihm gehören die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann, der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und der Ex-Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie, Hermann Rappe, an. Der Ombudsrat arbeitet ehrenamtlich. Er hat beratende Funktion und soll Empfehlungen an die Bundesregierung abgeben

Im Handelsblatt äußern sich dann die Regierenden und die zukünftig Agierenden des ehrenamtliche Gremiums, das zum 1. Dezember seine Arbeit aufnimmt und zunächst für die Dauer von einem Jahr eingerichtet wird und auf etwaige Fehlentwicklungen hinweisen soll.

«Der Rat könne zwar nicht an Stelle von Widerspruchs-, Klage- oder Petitionsverfahren treten. Allerdings stehe die Geschäftsstelle den Betroffenen zur Verfügung, die sich durch die Reformen „belastet und beschwert fühlen“, betonte Clement

«Eine „konsequenzlose Beratung sei nicht vorgesehen“, sagte Biedenkopf. „Dafür hätte ich nicht zur Verfügung gestanden.“ Der CDU-Politiker erklärte, er halte die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe für notwendig. Die Reformen seien außerordentlich tief greifend und setzten im sensiblen Bereich von Transferleistungen an, die Lebensunterhalt gewährleisten sollten.»

«Rappe verwies darauf, dass das Gesetzespaket neu sei und sich erst einspielen müsse. Das werde eine Zeit lang dauern. Die Aufgabe des Ombudsrates beschrieb er mit den Worten: „Wir wollen beraten und helfen.“»

«Christine Bergmann erklärte, allein die Einberufung des Rates mache deutlich, dass es auf Seiten der Politik ein großes Interesse gebe, den Reformprozess zu begleiten und Empfehlungen von einem unabhängigen Gremium entgegen zu nehmen. „Wir gehen davon aus, dass diese Empfehlungen sehr ernst genommen werden.“»

Und Machopan fragt sich jetzt
  • was dieses Alibi- und Kasperletheater soll
  • wie die reanimierten drei Hansele den mehreren hunderttausend Betroffenen, die sich durch die „Reformen“ belastet und beschwert fühlen, mit Rat und Hilfe beistehen wollen,
  • warum dieses Gremium (wortverwandt mit ‚Krematorium‘?) nur mit   einem ehemaligen Gewerkschaftsboss und Politikern besetzt wird, die ihre besten Tage schon hinter sich haben.
  • wo denn die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitslosen in diesem Gremium sind, denn um die geht es ja primär bei den „Arbeitsmarktreformen“
  • warum dieses Gremium nur (ernst zu nehmende!) Empfehlungen aussprechen darf und nach einem Jahr bereits wieder beerdigt wird.
Und überhaupt ist doch die ganze totgeborene Veranstaltung nur dazu da, damit sich die Betroffenen wegen der "Reformen" jetzt  beim Ombudsrat beschweren können und ja nicht wieder auf die Idee kommen beim Superwolli anzurufen..
Also ist doch der Ombudsrat nichts anderes als eine Alibi-Veranstaltung,  so eine Art personell unterbesetztes Call-Center, mit unqualifiziertem kompetenzlosem Personal auf der Basis von befristeten 1-Euro-Jobs.
Immerhin fallen dabei drei Arbeitsplätze für  beschäftigungslose ältere Mitbürger ab.
Das hat der Wolli echt "super" hingekriegt..

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17.11.2004 um 05:45 Uhr

Lebensarbeitszeit

Nach der Mehrarbeit ist jetzt die Lebensarbeitszeit dran.
Wenn man der Financial Times Deutschland vom 14.11.2004 Glauben schenken darf, dann haben die üblichen übelsten Übeltäter ihre Contergangedanken in eine Art kollektivem Abgesang zelebriert. Allen voran musste natürlich Superwolli Clement, der Minister für Arbeit und Wirtschaft seinen Schnabel aufreißen:

Superminister Wolfgang Clement bei Messen der  Lebensarbeitszeit«Die Deutschen sollten aus Sicht von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement früher in den Beruf starten und später in Rente gehen. Clement setzte sich für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ein. "Gemessen an der Lebensarbeitszeit arbeiten wir so wenig wie nie zuvor", sagte er am Sonntag in Tutzing. Von 250 Mrd. Euro im Bundeshaushalt würden derzeit 80 Mrd. Euro für die Rente ausgegeben. "Wir investieren nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit", sagte er. Ein Lehrling in Deutschland sei beim Eintritt in den Arbeitsmarkt im Schnitt 18,9 Jahre, in Österreich dagegen nur 16 Jahre, sagte Clement. Von den über 55-Jährigen arbeiten dem Minister zufolge nur 39 Prozent, in Schweden dagegen rund 60 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liege zwar bei 65 Jahren, das tatsächliche aber bei 60 Jahren.»

Eigentlich ist das eine Frechheit und für (fast) jeden Bürger unseres Landes eine Beleidigung.
  • Für jeden Lehrling, der ohne Abitur froh sein muss, wenn er noch eine Lehrstelle als Schreiner bekommt. Dumme Leute gab es früher auch, aber nicht so viele die in der Schule nichts gelernt haben und nach dem Schulabschluss als ausbildungsunfähig galten.
  • Für jeden älteren Arbeitslosen, den man durch Arbeitsplatzverlagerung, Rationalisierung und Jugendwahn aus dem Job gedrängt hat und der jetzt über das Arbeitslosengeld, die Arbeitslosenhilfe und Arbeitslosengeld II in die Sozialhilfe und die Altersarmut geht.Statt solche Reden zu halten, sollte sich der Herr Clement besser mal Zeit nehmen und dafür sorgen, dass der Mitbürger Guenter Merzky seine Frage beantwortet bekommt. Mehrere hunderttausend Betroffene der 58-Regelung warten da sehnsüchtig darauf.
  • Für jeden Rentner und ehemaligen Beitragszahler, der heute als sozialer Schmarotzer hingestellt wird, weil man sich jetzt aus dem Generationenvertrag verdrücken will, nachdem man das Geld aus den guten Tagen mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen hat.
Norbi Blüm, das ist der, dem am Wochenende bei Uri Geller die Löffel leider nicht so verbogen wurden, wie er es verdient hätte „Rente mit 55 und die Rente ist sischer!“, so hat er getönt als er noch Minister war. Dass er damit nur seine eigene Rente gemeint und sich heute „ohne Asche auf dem Haupt“ sogar noch ins Fernsehen traut um dort „Asche“ zu machen, zeigt wie wenig er sich selbst als Mitverursacher sieht.

Und, das muss auch mal gesagt werden, gemessen an seiner Amtszeit hat der Herr Superminister Clement noch weniger Brauchbares abgeliefert als seine Vorgänger. Da dürfte auch eine Verlängerung seiner Amtszeit nichts daran ändern.

Der Zweite im Bunde der Sangesbrüder ist der Chef-Ökonom der Deutschen Bank Prof. Dr. Norbert Walter:

Chefökonom Norbert Walter während einer Zigarettenpause an seinem Arbeitsplatz bei der Deutschen Bank«Der Deutsche-Bank-Chefökonom Norbert Walter regte in der Diskussion um Arbeitszeitverlängerungen an, Raucher- und Teepausen vom Gehalt abzuziehen. Walter sagte der "Bild am Sonntag", dass Arbeitnehmer, die im Job Rauchen und Tee trinken wollten, dies auch weiterhin tun dürften. "Aber keiner kann verlangen, dass Arbeitgeber Zigaretten- und Teepausen auch noch bezahlen." Unterstützung bekam er vom CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Fuchs: "Es ist ungerecht gegenüber Nichtrauchern, wenn Raucher in ihren Pausen bezahlt werden. Wo es möglich ist, sollten sich Raucher vor ihren Pausen per Stechkarte abmelden."»

Jetzt ist es ja ganz schön, wenn sich der Chef-Ökonom einer deutschen Bank in der Rechtsform eine Aktiengesellschaft Gedanken über die Wirtschaft in diesem unseren Lande macht, während sein Arbeitgeber (auch Ökonomen sind Arbeitnehmer) laut über den Abbau von Arbeitsplätzen oder deren Verlagerung ins Ausland nachdenkt und mit dem Bundeskasper schon mal über die Verlegung des Firmensitzes bzw. den Verkauf der Gesellschaft an ausländische Investoren gefachsimpelt hat. Aber warum er sich ausgerechnet die Raucher und Teetrinker dazu aussucht, muss wohl irgendwas mit dem Sichtwinkel (sprachlich nah verwandt mit dem Ertragswinkel) eines Chef-Ökonomen (dem Ökonom, dem Ökonom – dem fehlt ein wicht’ges Chromosom) zu tun haben, denn er hat die Kaffeetrinker, die Lakritzesser, die Butterstullenverzehrer, die Ausdemfenstergucker und die Nasenbohrer vergessen. Genau so gut hätte sich der Chef-Ökonom während seiner bezahlten Arbeitszeit auch über längere Grünphasen an den Ampelanlagen und deren Auswirkungen auf das zukünftige Wirtschaftswachstum der BRddr auslassen können. Egal welcher Hirnriss in dieser Republik auch verkündet wird, es finden sich immer ein paar Brüder im Geiste der unbefleckten geistigen Empfängnis die ihr „Hosianna“ hinterher posaunen, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs.

Ebenfalls in der FTD vom 14.11.2004 äußerte sich der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt zum Thema:

BDA-Präsident Dieter Hundt beim Messen einer tarifvertraglichen Arbeitswoche«Wir haben die kürzesten Wochenarbeitszeiten, den längsten Urlaub und eine hohe Zahl von Feiertagen. Diesen Luxus können wir uns auf Dauer nicht leisten", sagte er dem "Tagesspiegel". Hundt nannte die 35-Stunden-Woche in manchen Branchen einen "der größten tarifpolitischen Fehler, die wir begangen haben". Er plädiere aber nicht für eine generelle Arbeitszeiterhöhung für alle, "sondern für tarifvertraglich festgelegte Korridore, innerhalb derer die Betriebsparteien die Arbeitszeiten festlegen können".»

Jetzt muss ich zugeben, dass der Herr Hundt nicht gerade zu meinen größten Freunden gehört. Ich bin zwar nicht seiner Meinung, halte ihn aber für einen Überzeugungstäter, der zumindest weitgehendst an das glaubt, was er erzählt. An dem, aus seiner Sicht, tarifpolitischen Fehler der 35-Stunden-Woche waren aber nicht nur die Gewerkschaften beteiligt, höchstens die Forderung nach vollem Lohnausgleich ging dabei auf ihre Kappe. Und die vielen (manch einem ist das noch zu wenig) Urlaubstage sind ein Überbleibsel aus besseren Tagen, über die sich, in vernünftigem Ton, sicher auch mit den Gewerkschaften und den Arbeitnehmern verhandeln lässt.
Wie wäre es denn mit einer Umwandlung des Urlaubanspruchs gegen eine Job-Garantie? Das kostet nicht viel, erhöht die Lebensarbeitszeit und ist ohne großen Verwaltungsaufwand im laufenden Kalenderjahr für die Unternehmen ergebniswirksam.
Es erhöht die Produktivität, ist sofort wirksam, und was mir persönlich am besten gefällt: „Man braucht keinen Politiker dazu und kein neues Gesetz und keine Agentur und kein gar nix.“

Man braucht dazu nur etwas guten Willen, ein paar gestandene Männer (das meine ich jetzt nicht im biologischen Sinne) und einen runden Tisch, an dem keiner versucht den anderen drüber zu ziehen.
Wie wäre es mit einem Deal: „Jeder Arbeitnehmer der auf einen Urlaubstag verzichtet, bekommt eine Beschäftigungsgarantie für ein Jahr. Bei Verzicht auf zwei Urlaubstage gibt es im Gegenzug die Beschäftigungsgarantie für zwei Jahre. Und so weiter und so fort.
Ich kenne Arbeitnehmer, die würden für so ein Geschäft glatt 10 Urlaubstage auf den Tisch legen.

Aber gehen Sie doch selbst mal raus auf die Straße, wenn sie sich noch trauen, und fragen Sie die Menschen dort, was die von einer solchen Idee halten.

Und wenn es dann noch gemeinsam gelingen würde einem Großteil der Arbeitslosen wieder die Möglichkeit zu geben durch eigener Hände Arbeit den Lebensunterhalt für ihre Familien verdienen zu können, statt Formulare für ALGII ausfüllen zu müssen und ... und ... und ...

Aber jetzt fange ich an zu schwärmen und erwarte soviel Vernunft und Kooperation von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gewerkschaften, dass es schon fast wieder ein Märchen „Made in Germany“ werden würde, an das sich unsere Urenkel noch erinnern könnten:
„Wisst ihr noch, damals im Jahr 2004, zu Zeiten der großen Arbeitslosigkeit und Not, da begab es sich, dass ein paar beherzte Männer ...“


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16.11.2004 um 05:45 Uhr

Mein Gott Walter ...

Der Chefökonom der Deutschen Bank, Prof. Dr. Norbert Walter, «äußerte sich am 10.11.2004 auf dem "Capital Geldanlage Gipfel" zuversichtlich, dass der Binnenkonsum langlebiger Gebrauchsgüter wie Waschmaschinen und Kühlschränke im nächsten Jahr wieder anziehen wird. Grund dafür seien die derzeit längsten Nutzungszeiten seit vielen Jahren: "Wir haben zur Zeit die ältesten Gebrauchsgüter in den deutschen Haushalten seit 40 Jahren." Walter erwartet für Deutschland im Jahr 2005 ein Wirtschaftswachstum von zwei und mehr Prozent und ist damit deutlich optimistischer als viele Wirtschaftsforschungsinstitute.»

"Schau mal an", geht mir beim Lesen dieser Zeilen aus der Pressemitteilung des Konferenzsekretariats durch die angegrauten Zellen meines notorisch selbstdenkenden Hirns, "zwei Prozent Wirtschaftswachstum, weil die Bundesbürger die ältesten Gebrauchsgüter seit 40 Jahren zu Hause rumstehen haben. Die stehen doch schon seit Jahren rum, ohne dass es den Wirtschaftsaufschwung in irgendeiner Form inspiriert hätte. Und überhaupt, woher will der Herr Chefökonom Walter eigentlich wissen, wie alt mein Kühlschrank ist? Ich kann mich nicht erinnern von einer derartigen repräsentativen Umfrage zum Alter von Gebrauchsgütern in der BRDdr gehört, oder gar daran teilgenommen, zu haben."

Ach übrigens, der Herr Prof. Dr. Norbert Walter geht bei seinen Berechnungen davon aus, dass der Ölpreis im Schnitt bei 40 US-$ je Barrel liegen wird, die Europäische Zentralbank die Zinsen senkt um die Euro-Aufwertung zu stoppen und Sie sich einen neuen Kühlschrank kaufen werden.
Denn sonst klappt das ja nicht mit den 2% Wirtschaftswachstum in 2005.
Sollten Ihnen allerdings die zum Erwerb des Kühlschranks notwendigen Geldmittel fehlen, denken Sie daran, dass die Europäische Zentralbank (lt. Prognose des Chefökonomen der Deutschen Bank) die Zinsen senken und ihre Hausbank diesen Zinsvorteil sicher mit sofortiger Wirkung und in voller Höhe an Sie weitergeben wird.
Wenn Sie noch über laufende Zahlungseingänge auf Ihrem Konto (sofern Sie noch eines haben) verfügen, könnte einer Kreditgewährung nach den an Basel-II angepassten Kreditvergaberichtlinien des Deutschen Kreditwesens nur noch der Sachbearbeiter Ihrer Hausbank im Wege stehen, der eventuell aus der lokalen Presse erfahren hat, dass es mit Ihrem Arbeitsplatz nicht zum Besten steht, da dieser durch Ihren Arbeitgeber einem starken Osttrend unterliegt.
Und sollten Sie alle diese Hürden meistern und wirklich einen Kühlschrank käuflich erwerben können, dann machen Sie sich und mir doch mal die Freude und schauen auf dem Herstellerschild nach, was dort steht.
Und wenn dort steht: "Made in Germany", dann mein lieber Freund, dann verspreche ich Ihnen, dass ich auf den Brustwarzen von Frankfurt nach Berlin robben werde, um dem Herrn Prof. Dr. Norbert Walter zu seiner Prognose zu gratulieren.
Nicht, dass ich nicht an meinem Brustwarzen hängen würde, aber ich bin mir fast sicher, dass auf Ihrem Kühlschrank nicht "Made in Germany" steht und somit der 2-%ige Wirtschaftsaufschwung in 2005 die BRDdr verfehlen wird, wie ein Meteorit, der die gute alte Mutter Erde in den Weiten des unendlichen Weltraums knapp verfehlt hat.
Und außerdem weiß ich natürlich, dass die Zentrale der Deutschen Bank (noch) in Frankfurt am Main ist.
Und die paar Meter bis dahin, die schaff ich auch auf den Brustwarzen.

Es wäre sicher nicht die erste Blutspur, die zur Deutschen Bank führt.

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15.11.2004 um 05:45 Uhr

Mehrarbeit

Stimmung: Ungehemmt arbeitswillig, mit leichter Montagsallergie
Musik: I don't like mondays - I have Friday on my mind - Sonntags nie

Fällt Ihnen auch auf, dass manche Themen in unserem Land einer permanenten Reinkarnation zu unterliegen scheinen und von den gleichen Stehaufmännchen immer wieder zum Besten gegeben werden.

"Mehrarbeit" führen wieder viele schreierisch im Munde, die jedoch etwas anderes im Schilde führen.
Dabei weiß ein Großteil deren, die jetzt rumgrölen und die Stimmung anheizen wollen, sehr wohl, dass die von ihnen geforderte  "Mehrarbeit" nicht "mehr Arbeit" bedeutet.
Meinen tun diese vollkommen uneigennützigen Rufer etwas ganz anderes, sie meinen die "40-und-mehr-Stunden-Woche-ohne-Bezahlung" oder die "Wochend-und-Nachtarbeit-ohne-Zuschlag".
Helfen soll das unserer Wirtschaft und ihr den Aufschwung bringen.

Dabei liegen wir Deutschen mit unserer wöchentlichen Arbeitszeit ganz gut im europäischen Vergleich. Etwas schlechter sieht es mit der Jahresarbeitszeit aus, denn in Deutschland wird an weniger Tagen gearbeitet, als bei den europäischen Nachbarn, obwohl deren Jahre auch 365 Kalendertage haben.
Man kann sich mit dieser  Tatsache sachlich, emotional, statistisch, egoistisch, volkswirtschaftlich oder rein mathematisch (Kalendertage - Sonntage - Samstage - Nationale_Feiertage - Regionale_Feiertage - Urlaubstage - Krankheitstage = Anzahl_Arbeitstage)  beschäftigen.
Das Beste jedoch wird sein, man nähert sich diesem Thema von der vernünftigen Seite und benützt dazu einen einfachen Vergleich, den auch ein Andersdenkender verstehen und als Einstieg in eine sachliche Diskussion akzeptieren kann.

So schreibt zum Beispiel Helmut Creutz im Vorwort zu seinem Artíkel "Was hilft gegen Arbeitslosigkeit?", erschienen in HUMANWIRTSCHAFT, Ausgabe September/Oktober 2004:
«Wenn in einer Gemeinschaft einige hungern und zur Lösung des Problems vorgeschlagen wird, die übrigen sollten noch mehr essen, wären wir wahrscheinlich fassungslos. Wenn in einer Gemeinschaft aber einige ohne Arbeit sind und jemand vorschlägt, die übrigen sollten noch mehr arbeiten, wird so etwas ernsthaft diskutiert!»

Dieser Text macht mir Hoffnung, denn es scheint noch Menschen zu geben, die ihren Verstand noch nicht vollständig stillgelegt haben und nur noch nachjaulen, was Ihnen die Scharfmacher aus Wirtschaft und Politik aus gemeiner Eigennützigkeit vorheulen.
Die Politiker, weil sie glauben damit ihr hausgemachtes Problem der grassierenden Staatsverschuldung zu beheben und "weiterwurschteln" können wie bisher.
Die Wirtschaft, weil die Gelegenheit günstig erscheint, die aktuelle Lage zur Profitmaximierung und Rückabwicklung der Klassenkämpfe des letzten Jahrhunderts zu nutzen.
Der Staat steht wegen offensichtlichem, langjährigem betrügerischem Bankrott und maßloser Verschwendung handlungsunfähig mit dem Rücken zur Wand oder je nach Betrachtungsweise auch zur Mauer.
Die Gewerkschaftsburgen sind entweder sturmreif geschossen oder mit Möchtegernarbeitgebern oder nadelstreifentragenden Ahnungslosen fehlbesetzt und sind, nachdem ihnen jahrelang die Mitglieder weggelaufen sind, in ähnlich repräsentativer, volksvertreterischer Mission unterwegs wie die politischen Parteien.
Der Rest der Republik ist zwischenzeitlich in Besserverdienende, Arbeitnehmer, Arbeitslose, Langzeitfaulenzer und Sozialschmarotzer eingetütet.
Je nach Sichtweise und Interessenlage des Betrachters kommen dann noch die Schnittmengen der Wähler, Versicherten, Steuerzahler, Autofahrer, Rentner und Senioren, Alleinerziehende und Familien, Ausländer oder Migranten, Wessis und Ossis, Rechtsradikalen, Linksradikalen,  Atomkraftgegner, Umweltschützer, Immobilienbesitzer, Mieter, Obdachlosen, Verbraucher, Häuslesbauer, Energieverbraucher und Bürger dieser unserer Republik dazu.
Daraus lassen sich je nach Bedarf oder Lust und Laune beliebige, natürlich repräsentative Bevölkerungsgruppen bilden, die als Pro und Contra für beliebige Argumente verwendet werden können.

Beispiele gefällig?
  • Durch die Erhöhung der Mineralölsteuer ist zwar eine geringfügige Mehrbelastung der Autofahrer nicht zu vermeiden, damit die Bürger, Rentner und Senioren sowie Verbraucher zur Erhöhung der Kaufkraft entlastet werden können.
  • Die Kürzung der Rentenbezüge macht da Sinn, wo Synergieeffekte für die Versicherten und Alleinerziehenden erreicht werden können.
  •  Es ist legitim sich für eine Umschichtung der Mittel, weg von den Besserverdienenden hin zu den Versicherten und Bürgern dieser Republik,  stark zu machen.
Das System ist eigentlich ganz einfach.
Es funktioniert wie eine Hackordnung. Genommen wird immer auf einer übergeordneten Ebenen, um die Mittel dann angeblich auf sozial untergeordnete Ebenen zu verteilen. Über die dabei auftretenden und gewollten Verteilungsverluste wird Stillschweigen gewahrt.
Ist die Verteilung dann bei den Bevölkerungsgruppen mit dem schlechtesten Ruf auf der untersten Ebene angekommen, dreht man das System um und verteilt wieder nach oben.
Auch dazu ein Beispiel:
  • Es kann jedem Sozialhilfeempfänger zugemutet werden mindestens drei Stunden täglich einer bezahlten Arbeit nachzugehen und somit seinen Beitrag zur Unterstützung Alleinerziehender, sowie Alten und Rentner zu leisten.
  • Auch Umweltschützer können sich ihrer sozialen Verantwortung nicht entziehen, wenn durch die Besteuerung erneuerbarer Energien eine langfristige Sicherung unseres Rentensystems und eine sorgenfreie Zukunft für unsere älteren Mitbürger und Rentner gesichert werden kann. 
Sie müssen nur ein bisschen üben, dann bekommen Sie auch solche Sätze hin:
  • Durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit leisten die Arbeitnehmer einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Sicherung unseres Wirtschaftswachstums und unserer Sozialsysteme. Davon werden nicht nur die Steuerzahler, Rentner und Senioren profitieren, sondern auch Alleinerziehende und Familien mit Kindern.
  • Der wirtschaftliche Aufschwung, den wir durch die Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit, die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich verbunden mit der Streichung von Feiertagen und Kürzung des Tarifurlaubs erreichen, stärkt die Position unseres Landes im internationalen Wettbewerb und dient zur Sicherung bestehender Arbeitsplätze und - unterstützt durch die Job-Initiative des Bundes - auch zur Schaffung von Hundertausenden neuer Beschäftigungsmöglichkeiten für  Bürger in Ost und West.
Den einen oder anderen Satz haben Sie sicher in dieser oder ähnlicher Form schon mal gehört!

Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen einem Rentner und einem Senioren?
Ganz einfach, der Rentner ist ein Sozialfall und lebt am Rande des Existenzminimums von staatlicher Stütze, während der Senior Zielobjekt der Werbe- und Lifescience-Industrie ist und über erhebliche Kaufkraft verfügt.

Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Besserverdiener und einem Arbeitslosen?
Der Arbeitslose hat schon bekommen was er verdient und ist jetzt um eine Erfahrung reicher.

Sie dürfen ruhig lachen, wenn Sie noch können.

Im Internet habe ich zum Thema "Arbeitslosigkeit und Mehrarbeit" einen wirklich hervorragenden Artikel (prädikat: besonders lesenswert) bei www.humanwirtschaft.org gefunden, aus dem ich einen Satz (Punkt 32) zitieren und damit für heute schließen möchte:
«Die Frage, Arbeitszeiten zu verlängern oder zu verkürzen, ist letztlich ein Streit um des Kaisers Bart, und der Versuch, mit längerer Arbeit mehr Arbeit zu schaffen ähnlich illusorisch wie der, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.»

Und nur für den Fall, dass jemand meint, damit wäre alles "paletti" und wir können weiter machen mit "Business as usual", hier der letzte Absatz dieses lesens- und merkenswerten Artikels:
«Einen Ausweg aus diesem Dilemma gäbe es nur, wenn sich an der nächsten "Bündnis-für-Arbeit" Runde, neben den Gewerkschaften, Unternehmern und Vertretern der Politik, auch das Geldkapital beteiligen und zum Maßhalten verpflichten würde, und das heißt, dass es sich wie alle anderen mit seinen jährlichen Mehransprüchen an der Entwicklung der Wirtschaftsleistung orientiert. Ist das nicht zu erreichen, steht uns ein bitteres Ende bevor, als erstes wahrscheinlich das unserer Demokratie»

Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen, außer der Bemerkung, dass wir sicher derzeit Wichtigeres zu tun hätten, als mit einem solchen Seich (mundartlich für: Mist, Quatsch) unsere kostbare Zeit zu verschwenden.
Denn Zeit ist Geld.

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Lesenswerte Links zum Thema:
Die Welt: Was "rogowskaja" und "eichelhans" übersehen haben
NetZeitung: Wir könnten auch am Sonntag wieder arbeiten gehen

14.11.2004 um 05:45 Uhr

Popup

Stimmung: geschäftig geschäftstätig beschäftigt
Musik: Das Schwein ruf ich an, für die Sau interessiere ich mich ...

Wer kennt das nicht?
Man(n) oder Frau -nachfolgend Benutzer genannt- sitzt vor dem Computer und arbeitet an einem Kundenangebot oder einer Firmenpräsentation. Nebenher auch noch an der Aktualisierung des innerbetrieblichen Telefonverzeichnisses, einem Rundschreiben an alle Mitarbeiter und der Kalkulation für das neue Arbeitszeitmodell.
Noch ist die Welt des Benutzer in Ordnung und der Desktop sowie die Symbolleistenzeile einigermaßen übersichtlich.
Doch dann benötigt der Benutzer eine Postleitzahl oder, was noch schlimmer ist, eine Telefonnummer.
Null Problemo, ein Doppelklick auf den Internet Explorer von der Firma Kleinweich und schnell bei www.telefonbuch.de nachschlagen.

Sofort wird der Computer heftig aktiv, es rasseln und prasseln die Cookies auf die feste Platte und am Screen macht es "Pop" und dann gleich noch mal "Pop".
Im ersten Window freut sich die Firma EBAY mit dem Slogan "drei.... zwei .... eins.... MEINS", dass der Phillips DVD Player jetzt unter 80 Euro kostet.
Der zweite Popper, es scheint der Falk-Verlag zu sein, versteckt sich mit seiner Werbebotschaft verschämt hinter dem ersten.
Der Bildschirm ist jetzt richtig bunt, fast wie ein mehrfach besudeltes Kindermalbuch.
Da fliegt ein Flugzeug zu irgendeiner fernen Urlaubsinsel, da rast ein Auto quer durchs Bild und wirbt für EURO GAME 2004 und alle blinken wie verrückt:
Klick mich, drück mich, nimm mich,  POP mich.
Und dazwischen noch die Firma mit dem Magenta-Tee  "Alles in Einem - Für Deutschland - T-Info".
Trotz der eindeutigen Warnung des Betreibers "Mit dem Start erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen an" entschließt sich der Benutzer Name und Ort der gesuchten Person in die dafür vorhandenen Felder einzugeben und das System mit der SUCHE zu beauftragen.
Die Folge ist ein erneutes heftiges Herumrödeln auf der Festplatte und nach einer kurzen Verzögerung geht es dann aber Schlag auf Schlag:
POP - Ein Monster-Window das fast den ganzen Screen ausfüllt verspricht bei EURO Game die coolsten Gewinne.
POP - Und das Window von EBAY ist auch noch da, diesmal mit Nokia Handys unter 80 Euro.

Die Symbolleiste am unteren Ende des Benutzerbildschirms ist jetzt etwas unübersichtlich geworden.
Hmmh, mal überlegen.
Also das "X-Mi" ist vermutlich die Excel-Kalkulation des neuen Arbeitszeitmodells.
"W M.." könnte das Word-Dokument des Mitarbeiterrundschreibens sein
"P M.." ist dann sicher die Powerpoint-Firmenpräsentation
Und die anderen "E..."  sind dann die Internet-Sites.
Aber welche ist jetzt die Site mit dem Suchergebnis und der Telefonnummer?
Der Benutzer entschließt sich methodisch vorzugehen und die "E.."s von rechts nach links abzuarbeiten.
Aha, der Falkverlag, hab ich's doch gewusst. Also weg damit!
Und das ist EBAY und  freut sich im Laufband noch immer über irgendwas Billiges. Auch weg damit.
Dann das Riesenteil von EURO GAME mit Registriermaske und der Möglichkeiten einen Mercedes SLK zu gewinnen. Auch weg damit.
Ja was ist denn das?
Da POPT es ja schon wieder. Jetzt ist es TIPP24 mit dem Angebot binnen 30 Sekunden Lottomillionär zu werden. Auch weg damit!

Jetzt wird es etwas übersichtlicher und da ist doch auch tatsächlich die Seite mit dem Suchergebnis, schön umrahmt mit Werbung von und für: Adolf Christ Verlag, DeTEMedien, Telefonbuch Marketing, Hotels in Hessen, kostenlose Inserate, das Hessenweb und Ratgeber Gesundheit.

Klick mich, drück mich, nimm mich, POP mich.
Ach poppt euch doch alle selbst ins Knie und ich verzieh mich!
Eigentlich wollte ich ja nur eine Telefonnummer haben.

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13.11.2004 um 05:45 Uhr

BOBS or BOOBS

Kennen Sie den Unterschied zwischen BOBS und BOOBS?
Also was BOOBS sind kann jeder Interessierte bei www.leo.org nachlesen, aber mit BOBS sieht es da schon schwieriger aus. Da es sich bei BOOBS um besonders große Körperteile handelt, könnte man annehmen, dass es sich bei BOBS auch um Körperteile, zum Beispiel „dicke Backen“ handeln könnte.
Und diese „dicken Backen“ würden im vorliegenden Falle der „Deutschen Welle“ gehören, denn die hat dieses Kunstwort kreiert und als Aufmacher für ihren „International Weblog Award“ für den „Best of Blogs (BOBS)“ verwendet, um die weltweit besten Weblogs zu finden.

O-Ton von der Homepage des DW-Awards
«Als internationaler Broadcaster und Internet-Anbieter, aber auch als Förderer von Informationsfreiheit in vielen Ländern der Erde richtet DW-WORLD.DE, das Online-Portal der Deutschen Welle, einen Internationalen Weblog-Wettbewerb aus. Insgesamt werden 22 Awards in elf Kategorien und sieben Sprachen vergeben. Im Zentrum des Wettbewerbs soll die Förderung journalistisch ausgerichteter Weblog-Angebote stehen, aber auch alle anderen Weblogs sind zur Teilnahme eingeladen. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte rund um den Wettbewerb.»

Sie brauchen sich jetzt nicht zu beeilen, der Wettbewerb liegt derzeit in den letzten Zügen.
Aus den weltweit eingereichten Bewerbungen hat die 11-köpfige internationale Jury aus hochkarätigen, unabhängigen Journalisten, Medienwissenschaftlern und Weblog-Experten aus jeder Kategorie 10 Kandidaten ausgewählt und ins Finale geschickt. 
In der Kategorie BEST JOURNALISTIC BLOG GERMAN führt derzeit der BILDBLOG (jede Ähnlichkeit mit einer deutschen Tageszeitung ist beabsichtigt) mit 78% der Stimmen. Alle aktuellen Resultate gibt es hier, falls es jemand interessieren sollte.

Unterstützt wird das international Aufsehen erregende Ereignis natürlich von namhaften Sponsoren und Medienpartner.

So weit – so gut!
Aber ....
Musste die „Deutsche Welle“ die gleichen Fehler machen wie „Die Zeit“ damals mit ihrem „Blogger Salon“?
Wie diese international besetzte Jury aus den mehr als 1000 zum Wettbewerb eingereichten Kandidaten die 10 besten (journalistischen) Blogs je Kategorie auswählen konnte, wird bei den vorhandenen Sprachkenntnissen der Juroren wohl immer deren Geheimnis bleiben, denn sicher sprechen nicht alle Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Russisch, Portugiesisch und Spanisch.
Wir haben es also bei den Kandidaten in der Endrunde wohl eher mit der geschmacklichen Auswahl von ein bis maximal drei Juroren zu tun. Die anderen Juroren waren gar nicht in der Lage die Blogs zu lesen. Und, das sollte man nicht vergessen, hätte jeder der Juroren jedes Blog auch nur 5 Minuten angeguckt, dann wäre er damit in der Nominierungsphase vom 18.10.2004 bis zum 31.10.2004 mehr als 80 Stunden Fulltime damit beschäftigt gewesen, die aus seiner Sicht besten Blogs auszuwählen.

Interessant ist daher auch nicht der Ausgang des Wettbewerbs, sondern die Kommentare dazu:

Ich bin franzözisch, und ich möchte gern teilnehmen. Das sieht leider nicht möglich aus... Ich verstehen gar nicht warum so viele sprache angenommen wurden und unsere nicht...
 

Die Deutsche Welle hat im Internet nix verloren, die gehört zur Abmahnmeschpoke, ich sach nur dw.com (http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/4727/1.html)
Filzblog? Seilschaftblog? ... Oder einen Sumpfblog? :)) Mach doch einen Vetternblog auf.


Ach ich vergass. Ich arbeite ja mit dem ZDF zusammen. Ich bezahl GEZ. Leider bekomme ich nie ein anderes Feedback ausser einer Rechnung.

pepsounds Vinilos, CDS, conciertos, recomendaciones de imprescindibles momentos musicales y sugerencias de bandas sonoras de fondo para distintas escenas de nuestra vida.

Besuch mein Blog...blog do henrique auf Portuguisiesch. Visit my Blog...blog do henrique em portguês Visitem meu Blog...blog do henrique em português
It is in the climax every second

I recommend my self-named blog (in English) to other curious citizens-of-the-world.

самый добрый, о смысле жизни и вечной любви, желаю всем людям счастья и добра!Конкурсант-Юрий Владимирович, Star-manager@mtu-net.ru

Great Russian Blog (I'm not the owner, so I may say so :)
pricolinaia razvlecalovca dlia naroda

me gustaria participar en la categoría Mejor Tema. Espero puedan agregarme a la lista! saludos.

Muss man den Link hier eintragen???

I wonder why you didnt say anuthing about Persian weblogs?! do you know how many persian blog we have?

Hank versichert, dass die Schwerpunktsetzung bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs nicht endgültig ist: “DW-WORLD.DE ist sich der besonderen Bedeutung von Weblogs für Länder mit eingeschränkter Pressefreiheit und starker Medienzensur natürlich bewusst. Deshalb werden die Karten im nächsten Jahr völlig neu gemischt.“ Können Sie nicht lesen?!

why you ignored the persian webloges? persian weblogs are in the 4 th place between all languages ind its not fair ignor them

Oh My God! You forgot Persian(farsi)Blogs! how?

Hi. It seems that you've forgot lots of Iranian bloggers who write in Farsi.
It was quite surprising that DW with its regular programs in Farsi and ,hopefully, competamt staff who can analyze clear statistics( over 60000 active Persian weblogs), missed this opportunity to include Farsi( Persian) in the language categories for The Best of The Blogs awards. If having a proper jury or competant people is the problem, I suggest you make a simple search on the net, or contact your counterparts in BBC.We are eagerly waiting for an action.

und so weiter und so fort ........
Mir persönlich hat die folgende Zuschrift am besten gefallen:
ARD Vader Several European countries have some form of compulsory license fee you need to pay to the government if you own a television. I've written about the Swedish implementation of this moronic idea: Every household with a TV or even a computer with a TV tuner card needs to pay $20 a month. In Germany, it's worse. Own a TV or a radio and you need to pay a €16 monthly fee to subsidize ARD, the state broadcaster. According to Spiegel [German], It's about to get completely absurd, however: Because of people like our Marc in Berlin, who had been telling the pesky controllers who came to the door that he didn't have a radio because he listens via the web, starting in April 2005 the €16 monthly tax will apply to all German households with a computer connected to the internet, because — and I just love this logic — just as you can use a radio to listen to German public radio stations, you can now use your computer to listen to web audio streams of German public radio stations, which are oh-so-altruistically available online. You'd think this was a hoax. But it isn't. Earth to ARD: Try selling web subscriptions like normal people. (Via Strang's Blog.)

Armes Deutschland!
Was man dagegen tun kann?
Man nimmt seine Bürgerpflichten wahr und geht zum Wählen. :-)
Nicht erst bei der nächsten Bundestagswahl.
Jetzt bei der BOBS-Wahl, oder glauben Sie wirklich, dass das BILDBLOG das „BEST JOURNALISTIC BLOG GERMAN“ ist?
Na sehen Sie!
Erheben wir uns gegen die Geschmacksinitiative der „Deutschen Welle“ und klicken wir doch die Wahrheit an die Spitze.
+sing+
Steht auf - wenn ihr Blogger seid...
steht auf - wenn ihr Blogger seid ...
steht auf - wenn ihr Blogger seid ...
steht auf – wenn ihr Blogger seid...

Ach, um kurz auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen – mir persönlich sind BOOBS lieber als BOBS :-)

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12.11.2004 um 05:45 Uhr

Offenbar abgelenkt...

Marketingtechnisch betrachtet ist mir noch nicht ganz klar, ob es sich bei der versuchten Verlegung des deutschen Nationalfeiertages um einen Offenbarungseid oder um ein Ablenkungsmanöver handelt.
Oder es handelt sich um eine Mischform von beidem, zum Beispiel einen abgelenkten Offenbarungseid oder ein offenbares Ablenkungsmanöver oder ein abgelenktes Offenbarungsmanöver beziehungsweise ein offenbarter Ablenkungseid.

Also entweder strunzdumm oder clever gemacht. Wer den Müntedinges im TV mit seinem süffisanten Lächeln und der Aussage: „Die Führung der Grünen war gerade unterwegs und da haben wir gedacht ...“ gehört hat, muss sich seinen Teil denken. Wenn bei dieser Angelegenheit überhaupt jemand gedacht hat, dann wohl nur , „dass die Gelegenheit jetzt günstig ist“.

WIE der Sachverhalt auch immer war, wird sich wohl nicht mehr feststellen lassen. Ist eigentlich auch egal!
Viel mehr sollte uns die Frage beschäftigen, WARUM die Jungs auf die Idee gekommen sind einen solchen Taschenspielertrick zu versuchen. Bestimmt nicht grundlos, nur aus Spaß an der Freud. Nein, das bestimmt nicht!
Ganz am Anfang, als die Empörung noch nicht so hohe Wellen schlug, war der Grund mal kurz sichtbar. Das war bevor die Brecher ihn mit wild gurgelndem Wasser und Schaumkrönchen bedeckten.
Ich habe den Grund gesehen und an einigen Stellen in der Presse auch darüber gelesen. Der Grund ist immer noch da, aber man kann ihn nur noch mit Taucherbrille sehen.
Der Grund sind die „Nullkommaeinsprozent“ Wirtschaftswachstum, die dem Finanzhans zum Schönrechnen seines Patchwork-Finanzhaushaltes fehlen.  
Denn jeder zusätzliche Arbeitstag soll  Nullkommaeins (0,1) Prozentpunkte bringen.
Wenn dem ist, dann gehen 0,5 Prozent des für 2005 vorhergesagte Wirtschaftswachstums auf das Konto von kalenderbedingten Mehrarbeitstagen und nicht auf das Konto der Reformen der Bundesregierung.

Es könnte als Versuchsrakete gemeint gewesen sein – es wurde aber ein Schuss in den Ofen mit heftigen Querschlägern. Jetzt üben sich die Verantwortlichen erst mal in kollektivem Schmollen und Schuldzuweisungen. Die Roten und die Grünen fordern sich nun gegenseitig auf weitere alte naive Vorschläge zur Verbesserung der Kassenlage zu machen, die man den Bürgern als Sparpaket, der EU als Einhaltung des Stabilitätspakts und der Opposition nebst Bundeshotte als verfassungskonformen Haushalt aufschwatzen kann.
Das sei eine Bringschuld vom Finanzhans meinte die Parteichefin der Grünen, Claudia Roth. Der sieht das natürlich ganz anders und spricht von „grüner Opposition“ und mangelnder Kooperation.
"Alle sagen, das geht nicht, aber niemand sagt, was er stattdessen will", betonte der Finanzhans. "Dieses dumme Spiel muss aufhören."

Da bin ich mit dem Finanzhans einer Meinung. Dieses dumme Spiel muss endlich aufhören!
Wenn Wohl und Wehe dieser Republik und ein verfassungskonformer Bundeshaushalt von einem zusätzlichen Arbeitstag in 2005 abhängig ist – dann wird wohl jedem Bürger langsam klar werden müssen, was Rot-Grün in den letzten sechs Jahren da angerichtet hat und wie tief sie sich mit der Schönrechnerei und dem Lügen in die eigene Tasche in die Fäkalien manövriert haben.
Und jetzt eingestanden werden müsste, dass der vielgepriesen Reformenweg eine Sackgasse ist und es auch kein Licht am Ende des Tunnels gibt.
Aber wer gibt schon gerne zu, dass er versagt hat und pleite ist.
Die einen hüpfen aus dem Fenster, die anderen geben sich die Kugel.
Und ganz Clevere gehen mit der Strumpfmaske zur Bank zum Geldabheben.

Wir dürfen gespannt sein, mit welchem Ende uns der Film „THE EURO HUNTER“ überrascht.

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