Machopan - Rauchzeichen

11.11.2004 um 05:45 Uhr

Narrenkappe

„Im Irrtum verharren ist Vorrecht der Narren“, meinte einst Cicero und rechtzeitig zum Beginn der Narrenzeit scheinen die „führenden Narren“ wieder dem kollektiven Schwachsinn verfallen zu sein. Getreu nach dem Motto „Draußen steht noch ne Schnapsidee“ ergehen sie sich zum zunehmenden Grausen des Publikums im Ruf „wolle mer se roilasse?“

Erst wolle se die Arbeitslosigkeit vertreibe, dann dun se die nur anners verwalte.
Erst wolle se de Steuern senke, dann mache se neue.
Erst sache se, mit dem Euro wird alles besser, dann wird aber alles nur teurer
Erst dun se die Tabaksteuer erhöhe und dann schimpfe se, dass mer weniger raache
Erst wolle se dass mer weniger schaffe und dann schreie se nach Mehrarbeit
Erst sache se mir solle mehr kaafe un dann nemme se uns des Geld vorher weg
Erst wollten sie den Nationalfeiertag verschieben, dann halt irgend an andern Feiertag.

Der Volksmund hat halt schon recht, wenn er sagt „Jedem Narr gfällt halt sei Kapp“.
 
Und dann sage se noch, -des het isch fast vergesst - dass wenn mer der Gürtel jetzt enger schnallen, dann werd alles besser.

Doch der Volksmund sagt: „Gegenwärtiger Freuden zu entsagen und auf zukünftige zu hoffen ist nicht kluger Leute Art“.
 
Also wenn isch mir det so rischdisch überlegen tun tät, dann wär isch daför den Aschermittwoch ausfalle zu losse – denn dann wär et immer Karneval!
Und dann dunne mer de Reichstag in Berlin einzäune, denn dann hätte mer en Käfig voller Jecke.

Man kann alle Leute einige Zeit und einige Leute alle Zeit, aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten“, sagte Abraham Lincoln.

Recht hadder - der „Abraham“. War des net der gewese, der gege die Sklavenarbeit wor?

In diesem Sinne, „Narri Narro, Helau und Alaaf“.

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10.11.2004 um 05:45 Uhr

Vorbeugung


Jeder Bürger dieser Republik sollte dazu verpflichtet werden mindestens einmal im Monat auf den Internetseiten der Bundesregierung vorbeizugucken, damit er weiß in welcher Republik er eigentlich lebt und versteht wovon die Politiker eigentlich reden.

Auf den Internetseiten mit dezent babyblauem Hintergrund erfährt der Bürger was in der Republik geschah und manchmal erfährt er auch was in der Republik geschehen wird.


So kann man dort folgende Information finden:

«Arbeitslosenstatistik ab 2005: Höhere Zahlen aber nicht mehr Arbeitslose»

Ich muss zugeben, dass nach dem Konsum dieser Zeile mein Gehirn kurz gestutzt hat und ich instinktiv versuchte den Verklemmer dadurch hormonell in den Griff zu bekommen, dass ich einfach weiterlas und zusätzliche Informationen als Denkfutter nachschob.

«Im Zuge der Arbeitsmarktreform Hartz IV werden Anfang kommenden Jahres die Arbeitslosenzahlen ansteigen - es werden aber nicht mehr Menschen ohne Arbeit sein. Hintergrund: Arbeitsfähige Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger, die künftig Arbeitslosengeld II erhalten, werden dann in der Statistik mitgezählt.»

An dieser Stelle beschloss ich vorerst auf die weitere Informationszufuhr zu verzichten, denn mein  Kleinhirnschwelldrüsenfaktor schnellte in einen medizinisch bedenklichen Bereich und da seit der Gesundheitsreform der abrupte gemeine Gallenausstoß (Galensis vulgaris spontanis) nicht mehr als Volkskrankheit anerkannt ist, ging es mir wie dem Durchschnitt unserer Bürger - gleich gut oder gleich schlecht.
Also noch kein Grund zur Sorge. Reine Prophylaxe. Durch gezielte Anwendung der im Schwangerschaftskurs für werdende Väter erlernten Atemtechnik gelang es mir binnen weniger Minuten meinen Organismus in eine Art vorgeburtlichen Zustand zu bringen. Gelernt ist halt gelernt. Verlangen Sie das mal von einem jüngeren, unerfahrenen Arbeitnehmer.
Vorsichtig machte ich mich danach daran, mich langsam weiter durch diesen Text zu tasten.

«Die Zusammenlegung von Sozialhilfe (für erwerbsfähige Sozialhilfe-Empfänger) und Arbeitslosenhilfe zur Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II) wird rein zahlenmäßig zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen führen: weil arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger künftig Arbeitslosengeld II (Alg II) erhalten und als arbeitslos gelten.
Bereits nach geltender Rechtslage müssen sich arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger als arbeitslos melden. Dies ist allerdings in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen nicht immer geschehen, unter anderem, weil die Entscheidung über die Arbeitsfähigkeit ins Ermessen der Sozialämter fiel oder gar der Selbsteinschätzung unterlag.»


Also ich will mich ja jetzt nicht loben, aber besonders der letzte Satz assoziierte bei mir eine Verknüpfung zum amtlichen „Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II), Arbeitslosengeld II / Sozialgeld“. 
Genauer auf die Frage auf der Seite 2 dieses Antrages (ganz oben), wo es wörtlich heißt: „Können Sie -Ihrer Einschätzung nach- mindestens 3 Stunden täglich einer Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen?  Ja  Nein, weil ...“

Sehen Sie, das liebe ich so an unseren Parteien, unseren Behörden und den Anstalten, die jetzt Agenturen heißen, aber nicht sind, dass die den gleichen Fehler nie zweimal machen.

NATÜRLICH kann bei uns jeder arbeiten, außer er liegt auf der Intensivstation oder wird gerade zu Grabe getragen.
Das Problem ist doch, dass er entweder nicht (mehr) arbeiten darf, oder arbeiten soll ohne von der Bezahlung leben zu können. Und das nicht nur von der Hand in den Mund.

Und wenn in diesem unserem Land genügend Arbeit mit diesen Merkmalen geben würde, dann wäre jeder der nicht arbeitet ein Faulenzer oder Lebenskünstler. Und die brauchen keine Antragsformulare für ALG II, sondern meist nur einen liebevollen Schubs und wenn das nichts nützt auch mal einen Tritt in den Hintern.

Aber bevor ich mich jetzt wieder aufrege (die Galle macht mir in der letzten Zeit einige Probleme, der Arzt meint es wäre so eine Art Trendkrankheit, ich sollte halt auf meinen Lebenswandel und regelmäßigen Stuhlgang achten und Stress vermeiden), möchte ich Ihnen die Einschätzungen der weiteren Entwicklung am Arbeitsmarkt durch den Regeierungssprecher Béla Anda nicht vorenthalten:

«Schätzungen, wie viele Alg-II-Bezieher ab Januar zusätzlich in die Arbeitslosenstatistik hineinwachsen, bewegen sich zwischen 200.000 und 400.000 Personen, erklärte Regierungssprecher Béla Anda am 25. Oktober. Anda unterstrich, dass es sich nicht um einen tatsächlich negativen Effekt handelt, sondern "um eine Chance für all diejenigen, die dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen". Genaue Zahlen können noch nicht genannt werden, weil die Zahl der künftigen Arbeitslosengeld-II-Bezieher noch nicht feststeht: unter anderem, weil der Rücklauf der Arbeitslosengeld II-Anträge noch nicht abgeschlossen ist.»

Wussten Sie eigentlich, dass der menschliche Körper pro Tag etwa 600 ml Galle produziert, die während der Fastenperiode in der Gallenblase gespeichert werden?
Da muss ja während der bisher 6-jährigen Fastenperiode unter unserer rot-grünen Bundesregierung ja ordentlich was zusammengekommen sein.
Na wenn die Blase mal platzt – dann aber, mein lieber Herr Gesangverein.
Ob dem Herrn Anda und seinem Dienstherrn da nur noch Prophylaxe hilft oder eine radikale Umstellung der Lebensgewohnheiten schon unvermeidbar geworden ist?


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09.11.2004 um 05:45 Uhr

Anschaffungsneigung

Einen interessanten Artikel habe ich dieser Tage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)  gelesen.

Die FAZ ist ja nun nicht gerade eine Zeitung, deren Leserschaft eine mathematischen Gleichverteilung in den verschiedenen Bevölkerungsschichten gegeben ist.  Sofern man hier von Hierarchien sprechen kann, gehe ich sicher nicht fehl in der Annahme, dass sich die Leserschaft der FAZ von oben nach unten ausdünnt. Ganz im Gegensatz zu anderen Machwerken der bundesdeutschen Medienlandschaft,  aber das meine ich jetzt nur bildlich gesprochen.

Ja und um so erstaunter bin ich jetzt als ich in der FAZ, die ja sonst nur "Fakten, Fakten, Fakten" kennt ... -ach ne, das ist ja diese Wirtschaftsbildzeitung, mit Namen "Locus" oder so ähnlich-, also dass ich jetzt in der FAZ etwas über Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspsychologie, Arbeitnehmerängste und Konsumentenverhalten lesen kann.
 
"Ein Arbeitsloser macht 150 Leuten Angst!"
"Uuiiiiih", denke ich mir, "jetzt hat sich in Berlin wieder so ein beamteter Staatssekretär, kurz bevor er sich den eigenen Arsch in der freien Wirtschaft vergoldet und in Sicherheit bringt, ein Beschäftigungsmodell für Langzeitfaulenzer ausgedacht. Gerade rechtzeitig zu Halloween bekommen diese Sozialschmarotzer die behördlich genehmigte Aufgabe als Halloween-Geister für 1 Euro pro Stunde durch die Gassen und Häuser unserer Republik ziehen zu müssen, um die noch braven Bürger und noch Besserverdienenden zu erschrecken und Bargeld und Naturalien zu erbeuten, die ihnen dann im Rahmen von ALGII als Eigenvermögen angerechnet werden können. Cleveres Geschäftsmodell, besser wie direkte Steuern zu erheben. Bei 4.300.0000 Arbeitslosen (4,3 Millionen) kann man damit, rein mathematisch 645.000.000 (645 Millionen) Bürgern Angst und Schrecken einjagen. Und unter der Annahme, dass es jedem Arbeitslosen gelingt im Rahmen seiner Tätigkeit, die ihn an den ersten Arbeitsmarkt heranführen soll, Vermögensgegenstände im Wert von 10 Euro zu kollektieren, werden damit summa summarum 43.000.000 (43 Millionen) Euro Volksvermögen umgeschichtet und als anrechenbares Eigenvermögen bei der Finanzierung der Verwaltungskosten bei Hartz IV herangezogen. Ein echt geiles Geschäftsmodell. So kann man den Teufel mit dem Belzebub austreiben."

Ich habe den Artikel in der FAZ bis zum Ende gelesen und einiges Interessante erfahren, bis ich auf die folgenden Sätze gestoßen bin:
«Nach einer Studie fürchten 20 Prozent der Arbeitnehmer derzeit um ihre Stelle. Wenn man von einer Basis von 34 Millionen Beschäftigten in Deutschland ausgeht, wären das rund sieben Millionen. Das heißt letztlich: Die aktuellen Sparprogramme betreffen nicht nur rund 45.000 Menschen - die Arbeiter und ihre Familien -, sondern einige Millionen? Wenn Sie so wollen: Ein wegfallender Arbeitsplatz macht 150 Leuten Angst - die daraufhin ihren Konsum einschränken.»

"Ähhhhh, Moment mal", denke ich verdutzt, "da ist jetzt aber was durcheinandergekommen".
20% von 34.000.000 (34 Millionen) sind nach meinem Taschenrechner exakt 6.800.000 (6,8 Millionen). Runden wir diese Zahl kaufmännisch nach oben, sprechen wir gemeinsam noch von 'rund sieben Millionen'.
Aber wo kommen jetzt die nur '45.000' Menschen her, die von den aktuellen Sparprogrammen betroffen sind. An wen hat den dann die Bundesagentur für Arbeit so viele Antragsformulare für ALGII verschickt. Also wenn ich vom Statistischen Bundesamt richtig informiert werde, dann haben wir doch schon jetzt offiziell 4.300.000 (4,3 Millionen) Arbeitslose mit zunehmender Existenzangst und abnehmender Kaufkraft. Und zu denen kommen jetzt noch 20% der arbeitenden Bevölkerung, eben diese kaufmännisch gerundeten 7.000.000 (7,0 Millionen), die Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Bei mir, auf meinem Taschenrechner (solarbetriebenes Werbegeschenk einer Versicherungsgesellschaft) stehen nach Addition dieser Zahlen 11.300.000 (11,3 Millionen) im Display. Multipliziert mit dem im Artikel genannten Angstübertragungsfaktor von 150 mit unbekannter Inkubationszeit sind demnach 1.695.000.000 Menschen potenziell durch den 'Existenzangstvirus' gefährdet.

Das ist ja viel mehr als wir hier in Deutschland an Menschen haben!
Das reicht doch locker für ganz Europa! Inklusive Türkei und ganz Osteuropa.
Das ist ein Exportartikel!
Existenzangst aus Deutschland!
Extraherb aus den neuen Bundesländern!
Als Lightversion aus den alten Bundesländern nur noch lieferbar solange der Vorrat reicht! Miese Stimmung in Dosen. Original verpackt. Madig in Germany! Nur echt mit dem Bundesadler und der patentierten schwarz-rot-senf-farbigen, garantiert recyclingfähigen Mehrwegdose mit leicht, auch von Kinderhand, zu öffnenden Luschenverschluss.
 
Ole, ole, ole! - wir werden Exportweltmeister
Das steigert sicher den Ertragswinkel!
Und schafft sicher auch Arbeitsplätze!  

 

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08.11.2004 um 05:45 Uhr

Feiertagstheater

Meinen Sie nicht auch, dass der Eiertanz um die Feiertage zur wirtschaftlichen Gesundung dieses unseres Landes für eine der "führenden" Industrienationen dieser Welt unwürdig ist?
Dennoch scheinen sich alle Parteien und Organisationen mit Vorschlägen zu beschäftigen, welche Feiertage man streichen und/oder auf Sonntage verlegen könnte und welche nicht.
In solchen Situationen, wenn die Argumente wild durch den Raum fliegen und die Diskussionen heftiger und die Wortwahl deftiger werden, habe ich mir angewöhnt einen Schritt zurückzutreten und mir zuerst mal einen Überblick zu verschaffen.
In der Diskussion um den Feiertag fällt mir das leicht, da ich

  1. am 3. Oktober keine Nationalflagge aus dem Fenster hängen habe und den Schnabel aufreißen muss um die Nationalhymne zu singen.
  2. am Dreikönigtags nicht mit Gleichgesinnten zusammenhocken muss.
  3. am Weltspartag mein Geld nicht auf die Bank bringe.
  4. den Tag der Arbeit als solchen verstehe.
  5. am Valentinstag den Valentin Valentin sein lasse.
  6. am Karfreitag (der in Österreich kein Feiertag ist) nicht faste.
  7. am Ostermontag keine dicken Eier habe.
  8. am 24. Dezember nicht auf das Christkind warte.
  9. am zweiten Weihnachtsfeiertag bereits auf Diät bin.
  10. am 31. Dezember um 23:00 Uhr zu Bett gehe, um mich nicht schon beim Neujahrsgeseiere des Bundeskaspars erbrechen zu müssen.
  11. an Neujahrstag ohne Brummschädel und gute Vorsätze aufwache.
  12. auch am 20. April keinen Grund zum Faulenzen sehe.
  13. als ehemaliger Kirchensteuerzahler selbst wenig Interesse an Fronleichnam, Allerheiligen, Christi und Mariä Himmelfahrt habe.
  14. auch dem Augsburger Stadtfest nichts abgewinnen kann.
  15. meine eigenen Freuden- und "Feiertage" habe.
Sollte ich einen streichenswerten Tag vergessen haben, so bitte ich um Entschuldigung.
Also könnte mir eigentlich, ich sag das jetzt einmal mal so salopp, die ganze Diskussion um die Streichung von irgendwelchen arbeitsfreien Feier- und oder Gedenktagen, eigentlich am Arsch vorbeigehen.

TUT ES ABER NICHT!

Zuerst hat mich die Idee vom Bundeskasper und seinem Finanzhans amüsiert, passt die Reaktion auf das neue(?) Finanzloch und die Art der Flick- und Stopfversuche in das typische Strick- und Stopfmuster von Rot-Grün. Als mir vor vielen vielen Jahren klar wurde, wie die rot-grünen Finanzlöcher entstehen, hatte ich noch Hoffnung, dass die Jungs irgendwann doch merken müssten, dass sie Teil des Problems und nicht Teil der Lösung sind. Jedem Otto Normalverbraucher ist doch wohl klar, dass er eine Haushaltlücke bekommt wenn er mit Einnahmen von 2000 € rechnet, aber nur 1000 € verdient. Und als mir dann auch noch klar wurde, wie viele Unbekannte, Variable und Annahmen in der Haushaltsplanberechnungsformel vom Finanzhans enthalten sind, waren die Präsentationen der neuen Haushalte und ihren unweigerlichen Nachträge immer wieder neu aufgelegte Komödien, die dann im Laufe der Regeierungsjahre zum Schauspiel und jetzt zur Tragödie geworden sind. Eine Tragödie, in die die Veranstalter und Akteure seit dem zweiten Akt auch die zahlenden Zuschauer durch wildeste Publikumsbeschimpfungen mit einbeziehen.
Man muss sich sicher keinen dritten Akt antun oder warten, bis die Akteure sich im unbeirrbaren Glauben an ihre Begabung und Problemlösungskompetenz unter vollständiger Ignoranz des Publikumswillens und getrieben von der eigenen Dummheit ins offene Messer stürzen, um sich in aller Öffentlichkeit zu entmannen oder theatralisch zu entleiben.
Nachdem Buhrufe, Pfiffe und Wurfgeschosse keine Wirkung zeigten, scheint jetzt die Zeit zum publikumsseitigen Eingreifen gekommen zu sein.

Wer die rotzige Reaktion vom Bundesgerd, Müntedinges und Finanzhans auf das "Njet" aus vielen Mündern zur Verlegung des Nationalfeiertages gesehen hat, dem wird klar, dass die Jungs längst mit ihrem Latein am Ende sind, nach jedem Strohhalm greifen und nur noch ums nackte Überleben spielen.
Sie haben sich als Laienschauspieler in einer Seifenoper geoutet, die jetzt für den Misserfolg ihres Marionetten- und Puppenspiels die Kritiker und das schlechte Publikum verantwortlich machen. Nach Helmut "Birne" Kohl’s Schmierentheater, Bestechungs- und Schwarzgeldschattenspielen geht mir zwischenzeitlich auch das rot-grüne Kasperletheater gehörig auf die männlichen Weichteile.
Mir hat die Diskussion um die Feiertage Lust gemacht.
Lust auf politische Gewalt als einen Akt der Notwehr und Lust auf körperliche Gewalt als Akt der Erziehung und Bestrafung für einen Haufen von unartigen politischen und wirtschaftlichen Halbwüchsigen, Maulhelden, Dampfplauderern und unbelehrbaren Bürokraten, Parteibonzen und Ignoranten.
Wenn sich noch ein paar Gleichgesinnte finden, könnten wir einen Verein gründen.
Natürlich einen gemeinnützigen Verein, einen "Verein zur Rettung des Deutschen Polittheaters e.V."
Mitglied kann jeder deutsche Staatsbürger werden.
Hiermit erkläre ich die konstituierende Sitzung für eröffnet und komme ohne Vorspiel, denn die Zeit drängt,  gleich zu Punkt 1 der Tagesordnung:
Ich stelle den Antrag, dass wir die Laienschauspieler in Berlin mit sofortiger Wirkung von der Bühne holen.
Gegenstimmen?
Keine!
Enthaltungen?
Keine!
Antrag einstimmig angenommen!

Ich stelle weiter den Antrag, den Akteuren die bürgerlichen Ehrenrechte, das aktive und das passive Wahlrecht und die kaufmännische Geschäftsfähigkeit mit sofortiger Wirkung abzuerkennen.
Gegenstimmen?
Keine!
Enthaltungen?
Keine!
Antrag angenommen!

Jetzt brauchen wir nur noch ein paar Freiwillige, die nach Berlin fahren und dem Theater endlich ein Ende machen.
Wie wäre es am Volkstrauertrag?
Hätten Sie da Zeit für basisdemokratische Notmaßnahmen?

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07.11.2004 um 05:45 Uhr

Enlargement

Stimmung: verspamt und zugemailt

Bekommen Sie auch diese komischen unleserlichen Nachrichten aus den USA in dieser komischen Schrift?
Gerade hat es wieder eines dieser Dinger über meinen Firewall und durch Stacheldraht, Panzersperren und Minenfelder geschafft, mit denen ich meine offene Kommunikationsplattform zwischenzeitlich verrammelt habe.

EN|1l@RGE YOUR P^E^N^|S |N A WEEKI||1lY

Geschickt hat mir dieses Mail offensichtlich eine Person weiblichen Geschlechts und englischsprachiger Nationalität, eine gewisse "Charity O'Donnell [exogamyhotel@optonline.net]".
Ich kann mich nicht an diese Dame erinnern und wenn ich jemals die Gelegenheit hatte sie kennen zu lernen, dann hat sie bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Aber nachdem ich jetzt eine halbe Stunde über diesem Text gegrübelt habe und nun glaube, dass ich die Nachricht entschlüsseln konnte, würde ich mich gerne mit dieser Dame mal ein Stündchen (man muss ja nicht gleich übertreiben) an einem ruhigen ungestörten Örtchen treffen, um ihr zu zeigen, dass ich die angebotene Behandlung schon mehrfach mit Erfolg hinter mich gebracht habe.
Ich muss hier jetzt nicht noch deutlicher werden und die Fakten auf den Tisch legen.
Aber Sie können mir glauben, dass 60 Minuten mit dieser Dame würden genügen und sie wird in ihrem ganzen Leben nie wieder so ein Email schreiben. So wahr ich Machopan heiße!

Außer Charity O’Donnell wäre der Künstlername von Dolly Buster.
Dann hätte ich allerdings schlechte Karten. Ich glaub das wäre dann doch keine so gute Idee, da geb ich doch lieber klein bei, werf das Mail in den Müll und kümmere mich um meine andere elektronische Post.

Da ist noch ein Mail, von Don Doughterty (war der nicht mal Leadsänger von CCR ?). Ja was schreibt denn der mir jetzt?

Ready to boost your sex life? Positive?
Time to do it right now Order Cialis at incredibly low prices. $ 2.75 per dose. Unbelivable

Echt - das ist "unbelivable".

Gestern hatte ich übrigens Post von der Schwester von Alfonso Montoya, dem Formel 1 Rennfahrer bekommen. Ja, der der in der nächsten Saison bei Ferrero-McNugget fährt.
Ja echt! Die Elicia Montoya hat mir gestern geschrieben. Das Mail habe ich mir extra aufgehoben, weil ich fragen will, ob sie mir ein Autogramm von ihrem Bruder beschaffen kann.

«Do you need a logo for your company or website? So why spend from $ 500 to $ 2000 and wait a month designing a custom logo that you may not finally like at all? Get a business identity that perfectly fits your needs in just a few minutes, at an unbeatable price, and 100% risk-free!»

Also wenn ich ein Autogramm vom Bruder bekomme, dann würde ich sogar ein Logo bei der Schwester kaufen. Das ist doch logo, oder.

Internet find ich echt gut.
Wenn nur diese komischen Emails mit fremden Schriftzeichen nicht wären.
Man braucht halt so lange zum Lesen.
Letzte Woche habe ich extra ein Mail übersetzen lassen. Aus dem Chinesischen ins Deutsche. Hat ne ganze Stange Geld gekostet. War aber nur ein Angebot über den Bezug von chinesischen Marmor zweiter Wahl zu Sonderpreisen ab Versandhafen Shanghai zuzüglich Transportkosten.
Echt preisgünstig, aber der Haken dabei ist, dass ich eine ganze Schiffladung abnehmen muss.
Aber ich kann ja mal bei meinen Nachbarn fragen gehen, ob wir uns nicht so zusammentun wollen, wie beim Heizöl kaufen.
Hab ich Ihnen übrigens schon erzählt, was meinem Nachbarn vor ein paar Tagen passiert ist?
Also das war so...

Oh, jetzt kommt schon wieder ein Mail rein.
Jetzt muss ich aber Schluss machen. Das scheint die Bestellbestätigung für die Software zu sein, die ich vorgestern geordert habe. Kam auch über Mail rein. Sonderangebot, nur an ausgewählte Kunden.
Superschnäppchen, späschel prais sag ich Ihnen. Windows 3.1 und DOS 5.0 in einem Bundle mit LINUX 1.0 und als Bonuspäck noch Larry I dazu.
Halt mal, ich hab doch nicht 1.000 Stück bestellt, sondern nur 1,000 Stück. Jetzt haben die das Komma mit einem Punkt verwechselt! Ja das sind ja Idioten!
Was soll ich denn mit 1.000 Softwarepaketen? Und über Kreditkarte haben sie auch schon abgerechnet.
Was mach ich denn jetzt? Da muss ich mich aber kümmern.
Also dann - bis die Tage.

Ähh, eine Frage noch: Brauchen sie zufälligerweise LINUX 1.0 oder Windows 3.1?
Ich könnte Ihnen da ein sehr attraktives Angebot machen.
Oder ich stell das einfach zu den anderen Auktionen bei EBAY ;-)
Ich find Internet echt gut.

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06.11.2004 um 05:45 Uhr

Gesundheit

Stimmung: Viral immens immun
Musik: Gehörgangverstopfungsgedämpft

"Gesundheit" sagt man nicht mehr, wenn jemand niesen musste.
Sagt der Trainer auf dem Seminar im Arabella Sheraton Hotel in München.
"Gesundheit" sagen ist out. Das macht man nicht (mehr)! Das ist schlecht für‘s Image. Das ist antiquarisch! Das ist uncool."

Ich drehe mich um und schau in den Saal, während der Trainer oben auf dem Podium weiter moderiert. Fragende Gesichter um mich herum, bei dem einen oder anderen, meist älteren Zuhörer noch verstärkt durch leichtes Schulterzucken und hängende Mundwinkel.
Körpersprache vom Feinsten.

"Gesundheit sagen, bedeutet die körperliche Schwäche eines anderen Menschen zur Kenntnis zu nehmen und ihn –das ist das Schlimme daran- auch noch darauf hinzuweisen, dass sie es bemerkt haben", höre ich den Trainer in meinem Rücken, "das macht man nicht, nicht im Arbeitsleben. Das ist nicht teamkonform. Das ist nicht motivierend. Das ist kontraproduktiv."

Ich blicke wieder nach vorne zum Podium. Dort steht der Moderator breitbeinig, eine Hand in die Hüfte gestemmt, die andere Hand wie zum Nazigruß erhoben und wie ein Seher in die unendliche Ferne zeigend. Er hat die Augen geschlossen, das Kinn auf die Brust gesenkt und spricht mit mahnender Stimme in das Mikrofon seines Headsets: "Ignorieren sie die Schwäche ihres Kollegen. Geben sie im nicht das Gefühl ein Versager zu sein. Schützen sie das Team gegen Störungen von innen, stärken sie das WIR-Gefühl, seien sie solidarisch, grenzen sie niemand aus, nur weil er seine körperlichen Reaktionen -die auch auf einer chronischen Erkrankung basieren können- kurzzeitig nicht unter Kontrolle hat. Geben sie ihm nicht das Gefühl der Schwäche."

Neben mir sitzt mit gesenktem Kopf mein langjähriger Arbeitskollege und Weggefährte Manfred. Ein guter Freund durch die Irrungen und Wirrungen eines langen und bewegten Arbeitslebens. Ich kenne ihn sehr gut und weiß, dass er so gegen 10:00 Uhr immer einen konditionellen Durchhänger hat und sich gedanklich für einige Minuten in eine Art Schlafphase zurück zieht. "Aha", denke ich mir, "er pennt mal wieder. Typisch für ihn, fährt auf ein schweineteueres Motivationsseminar nach München und hockt sich hin und pennt".

  Während oben auf dem Podium der Moderator dem ihm ausgelieferten Publikum weitere, noch wildere Behauptungen entgegen schleudert, beobachte ich den immer heftiger zuckenden Nasenflügel meines dösenden Kollegen.
Und just in dem Moment, als der Moderator seine Vortragsleier kurz unterbricht um Luft zu holen und zum nächsten Abschnitt überzugehen, genau da reißt es Manfred ruckartig den Kopf nach hinten und inmitten einer kleinen Wolke aus Feuchtigkeitstropfen schallt ein donnerndes "Hatschi" durch den Saal.

Die folgende Stille ist nur von kurzer Dauer bevor aus fast allen Mündern, wie in der Grundschule, ein einstimmiges ernstgemeintes "Gesundheit" durch den Saal ruft.
Im dann einsetzenden Gelächter steht der Moderator wie ein begossener Pudel auf dem Podium, hat er doch gerade den Unterschied zwischen seiner Theorie und unserer Praxis kennengelernt.

Ach ja, übrigens "Gesundheit" bzw. "Salve" sagten schon die alten Römer.

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05.11.2004 um 05:45 Uhr

Flaggenkunde

Stimmung: Staatstragend und mental der Lage der Nation entsprechend
Musik: Sie zogen aus mit bunten Wimpeln - und kamen heim mit wunden Pimpeln


Flaggen, manchmal fälschlicherweise auch als Fahnen bezeichnet, haben Symbol- und Signalwirkung.
Doch ist im engeren (rechtlichen) Sinne eine "
Flagge" ein Stück Tuch, das man weg wirft und ersetzt, wenn es zerrissen ist - ganz anders als eine "Fahne", die immer ein Einzelstück ist und (z.B. bei Regimentsfahnen) zeremoniell beerdigt werden müsste. Flaggen sind also ersetzbar, sie werden in vielen Größen und in hoher Stückzahl hergestellt. Eine Fahne dagegen ist ein nicht vertretbares Einzelstück (Vereinsfahne, Zunftfahne, Regimentsfahne) und wird meist in Ehren hochgehalten.

Eine weitere, sehr häufige Fahne, die im Straßenverkehr eine große Rolle spielt und deren Nachweis dort auch sehr häufig durch die Behörden geführt wird, wollen wir bei der weiteren Betrachtung außer acht lassen – die Alkoholfahne.

Ich habe mich aus aktuellem Anlass mal mit den Flaggen beschäftigt und möchte jetzt hier mein angelesenen Expertenwissen loswerden. Dass es neben den Flaggen, noch Banner, Stander und Wimpel gibt, möchte ich dabei bewusst vernachlässigen.

Es geht hier nur um die Flaggen!
Alle Staaten der Welt haben eine Flagge, über deren Sinn und Zweck wir jetzt lieber nicht diskutieren wollen. Meistens wird die Flagge jedoch dazu verwendet, sie an einem Mast zu hissen oder auf halbmast zu setzen. Auch die wiedervereinigte BRDDR (die richtige Schreibweise nach der Rechtschreibreform wäre eigentlich "BRddr", ein großes BR dessen D in ein kleines dr übergeht), hat eine
Flagge, die auf eine lange geschichtliche Entwicklung zurückblicken kann.

Nach dem Zusammenbruch 1945 hatte Deutschland vier Jahre lang keine Nationalflagge (auch keine Handelsflagge im engeren Sinn). Die beiden 1949 entstehenden deutschen Staaten, die Bundesrepublik und die DDR, beschlossen beide, die alte schwarz-rot-goldene Flagge zur Nationalflagge zu machen, was dazu führte, daß 10 Jahre lang die verfeindeten Staaten die gleiche Flagge führten. Erst 1959 nahm die DDR ihr Staatsemblem in die Flagge auf; die resultierende Staatsflagge der DDR wurde im Westen als Spalterflagge geschmäht. Die friedliche Revolution von 1989 fand auch unter den einfachen schwarz-rot-goldenen Flaggen (ohne DDR-Emblem!) statt. Seit dem 3. Oktober 1990 ist ganz Deutschland wieder unter der Flagge von 1848, 1919 und 1949 vereint.» © www.flaggenkunde.de

Von der Bundesflagge zu unterscheiden ist die Bundesdienstflagge, welche den Bundesschild der Mitte trägt.
«Die Dienstflagge der Bundesbehörden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesdienstflagge) hat die gleichen Querstreifen wie die Bundesflagge, darauf, etwas zum Mast hin verschoben, in den schwarzen und den goldfarbenen Streifen je bis zu einem Fünftel übergreifend, den Bundesschild, den Adler zum Mast gewendet. Die Bundesdienstflagge darf von den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland nicht verwendet werden» © www.wikipedia.de

Und wir würden nicht in Deutschland leben, wenn es für die Verwendung dieser Flaggen einen ... na was wohl?
Natürlich, latürnich, den gibt es wirklich – den
Beflaggungserlass.

«Die Vorschriften des Beflaggungserlasses der Bundesregierung gelten für die Beflaggung der Dienstgebäude aller Behörden und Dienststellen des Bundes sowie der Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, einschließlich Bundeswehr und Bundesgrenzschutz.
An folgenden Tagen ist ohne besondere Anordnung zu flaggen (sog. "regelmäßige allgemeine Beflaggungstage")

  • 27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
  • 1. Mai – Tag der Arbeit
  • 5. Mai - Europatag
  • 23. Mai - Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes
  • 17. Juni - Jahrestag des 17. Juni 1953
  • 20. Juli - Jahrestag des 20. Juli 1944
  • 3. Oktober –Tag der Deutschen Einheit
  • 2. Sonntag vor dem 1. Advent – Volkstrauertrag
  • nach gesonderter Festlegung: Tag der Wahl zum Deutschen Bundestag / Tag der Wahl zum Europäischen Parlament
  • Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und am Volkstrauertag ist halbmast zu beflaggen.

» © Wikipedia

Und was finde ich da beim weiteren Herumstöbern bei Wikipedia?
«Am 3. November 2004 kündigte die Bundesregierung unter Gerhardt Schröder an, den Tag der deutschen Einheit als Feiertag abzuschaffen, um so das Wirtschaftswachstum zusätzlich anzukurbeln. Statt am 3. Oktober solle die Wiedervereinigung künftig immer am ersten Sonntag im Oktober gefeiert werden. Der Tag der deutschen Einheit ist der einzige Feiertag, der von der Bundesregierung abgeschafft werden kann. Alle anderen Feiertage sind Ländersache

"Mein Gott", denk ich entsetzt, "das ist ja eine nationale Katastrophe!
Da muss ja der Flaggenerlass geändert werden!
BUNDESWEIT!
Neue Dienstanweisungen!
Neue ministerielle Erlasse, Verordnungen, Vorschriften, Anweisungen und Auslegungen.
Was das wieder kostet?
Aber irgendwie wird sich das ja wohl rechnen, wird sich der Bundesgerd doch ausgerechnet haben. Oder? Oder etwa nicht?
Vielleicht schafft das ja neue Arbeitsplätze, stärkt die Binnennachfrage, lockt den Aufschwung an, senkt die Lohnnebenkosten, sichert die Renten, bringt Investoren ins Land, senkt die Kosten im Gesundheitswesen, verhindert staatliche Verschwendung und Subventionsbetrug, senkt die Steuern und schafft Raum für Investitionen! Noch bleibt mir allerdings der intellektuelle Zugang zu dieser weitreichenden staatsmännischen Entscheidung verschlossen, die sicher ausschließlich im Interesse der Bürger dieses unseres wiedervereinigten Landes getroffen wurde. Na ja, schau mer mal!

Aber wenn wir jetzt schon dabei sind auch die letzten und einmaligen Synergieeffekte und Rationalisierungseffekte zur Gesundbetung unserer Volkswirtschaft zu aktivieren, da könnte man doch noch einige Schritte weitergehen.

Darf ich dazu mal ein paar Vorschläge machen?
OK – aber auf Ihre Verantwortung.

Wir könnten den zur Ankurbelung der bundesdeutschen Wirtschaft verschoben Nationalfeiertag vielleicht zusammen mit dem Volkstrauertag begehen, das würde sicher den beabsichtigten Effekt noch verstärken und die Bürger emotional und mental motivieren.
Wir könnten auch zum Beispiel den Beflaggungserlass ersatzlos streichen und überlassen die Beflaggung öffentlicher Gebäude dem zuständigen Blockwarten die dort auf 1-Euro-Basis herumwerkeln.
Wir könnten die Flaggen generell auch nur noch auf halbmast setzen lassen. Das mindert den Verschleiß der Flaggenschnur und spart auch Kosten im Gesundheitswesen, weil sich die Bürger beim Hochsehen nicht mehr die Nackenwirbel verrenken.
Wir vereinheitlichen die Bundesflagge und die Bundesdienstflagge. Durch höhere Bestellzahlen würden wir sicher bei den Lieferanten in Osteuropa und/oder Asien  erhebliche Rabatte aushandeln können, mit denen wir dann die Finanzlöcher vor dem Bundesfinanzministerium stopfen könnten. Dann würden sicher auch nicht mehr so viele Bürger bei Erstellung und Abgabe ihrer Steuererklärung in Straucheln kommen.
Und wir könnten  -ähnlich wie das der Bund der Steuerzahler mit seiner Schuldenuhr macht- durch entsprechende Beflaggung des Bundesfinanzministerium die allgemeine Haushaltslage anzeigen und mit einer, mit Rücksicht auf den Koalitionspartner solargetriebenen, Web-Cam ins Internet übertragen:

Bundesdienstflagge mit Adler – alles paletti
Bundesdienstflagge mit
Geier – noch kein Grund zur Sorge
Bundesdienstflagge mit Kuckuck – es muss mit Reformen gerechnet werden
Bundesdienstflagge mit Totenkopf – europäische Steuerharmonisierung im Bereich des Möglichen

Von einem Totenschädel mit gekreuzten Knochen auf schwarzem Grund würde ich momentan noch abraten, denn sowas könnte unbeabsichtigte Signalwirkung haben. Das müsste man den Bürgern vorher verständlich machen.

Aber ich hätte da auch noch einen konstruktiven Vorschlag zur Ankurbelung der Wirtschaft zu machen:
Wie wäre es denn, wenn die Bundesbürger ihre Geburtstage, als eine Art nationale Geste, für den Reformprozess spenden würden und sich verpflichten an diesem Tag richtig zu arbeiten.
Das Beste wäre sicher, die Bürger würden diese Geburtstage alle persönlich nach Berlin bringen, damit die Bundesregierung merkt, dass es wirklich ernst ist.
Dazu wäre doch der Nationalfeiertag am 3. Oktober ein idealer, symbolträchtiger Termin, oder?
Obwohl, das ist jetzt dumm, den Nationalfeiertag hat der Bundesgerd ja gerade auf den ersten Sonntag im Oktober verschoben.
Also da kann ich nicht. Tut mir leid. Da müssen die Bürger ohne mich gehen.
Ich kann da echt nicht. Ehrlich! Ich kann Sonntags nie! Da muss ich was für meine Altervorsorge tun und das geht schließlich vor.
Am Sonntag muss ich immer meine Erbtante im Altersheim besuchen.
Ich brauch das Geld!
Wirklich! Ehrlich!
Was glauben Sie denn, was so eine Flucht ins Ausland kostet!
Oder denken Sie tatsächlich, ich warte bis der Finanzhans die Flagge mit Totenkopf über gekreuzten Knochen auf schwarzem Grund am Mast vor dem Finanzministerium hoch zerren lässt.

Honni war doch auch weg als die Mauer umfiel!

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04.11.2004 um 05:45 Uhr

Helloween

Also vor einigen Tagen hätte ich beinahe einen Fehler gemacht.
In letzter Sekunde habe ich das noch gemerkt und die Bundesrepublik Deutschland vor einem internationalen diplomatischen Konflikt bewahrt, dessen Folgen unabsehbar gewesen wären.
Wie es zu dem Fehler kam, wollen Sie wissen?
Na gut erzähl ich halt mal, obwohl ich bei der Geschichte selber nicht gut wegkomme. Aber getreu nach dem Motto �Ein wahres deftiges Wort zur rechten Zeit hat mich noch nie gereut und mit einem Messer im Rücken gehe ich noch lange nicht nach Hause-. plaudere ich jetzt halt ein bisschen aus der Erinnerung, soweit ich ihrer durch die Heftigkeit der Ereignisse noch habhaft bin.

Also angefangen hat es eigentlich mit diesem seltsamen Brauch aus USA, diesem "Halloween"-Dingsbums.
Letztes Jahr haben mich die Geister und Bösewichte zu Hause überrascht und sind nach knapp 15 Minuten mit dem ganzen Krempel, den ich in den Jahren davor bei der Tombola vom Feuerwehrverein gewonnen hatte, wieder abgezogen. Ich musste ihnen das Zeug richtig aufdrängen und habe Ihnen sogar noch ein paar Plastiktüten besorgt, die großen von IKEA, die man über die Schulter hängen kann, damit sie alles tragen konnten.
Als der ganze Trubel vorbei war, haben mir damals die Nachbarn erzählt, dass die Halloweener nächstes Jahr zu mir nicht mehr kommen wollen.

"Also gut", habe ich mir gedacht, "wenn die nicht zur mir kommen, dann geh ich halt als Gespenst zu denen."
Aber irgendwie hat sich das rumgesprochen und als ich dieses Jahr dann in der Halloween-Nacht vermummt mit Kopftuch und Mantel von Haus zu Haus gezogen bin, da haben die nicht aufgemacht oder waren alle in Urlaub.

Irgendwann bin ich dann zum Bahnhof um am Kiosk noch ein Gutenachtbier zu trinken. Und bei dem einen Bier ist es halt nicht geblieben und dann hat mir einer von den Kumpels erzählt, dass in Berlin echt was los wäre, weil da wäre jetzt Helloween � in Berlin. Dass da einige Schreckgestalten ganzjährig Ausgang haben und teils Schreckliches und teils Fürchterliches von sich geben, war mir ja durch exzessiven Mediengenuss hinlänglich bekannt.
Also irgendwie bin ich mit meinem Kumpel im Zug nach Berlin gelandet � wir hatten beschlossen nach Berlin zur Helloween-Party zu fahren, sowas ähnliches wie die Love-Parade, nur halt schrecklicher.

Und in Berlin haben Sie uns dann verhaftet.
Und wissen Sie warum? Nein, nicht weil wir die Leute ein bisschen erschreckt haben und versucht haben ein paar freilaufende Politiker durch die Straßen zu jagen.  

Eskaliert ist die Sache eigentlich erst, als wir bemerkt haben, dass es in Berlin gar keine Helloween-Party gibt, sondern beim Bundesköhler eine HelloQueen-Party.
Und als wir da rein wollten, gab es Ärger.

Nein nicht mit mir, zu mir waren die Jungs vom Sicherheitsdienst ja ganz nett. Haben mich sogar mit "Jur Matjesty" angesprochen und immer Diener vor mir gemacht, egal welche Grimassen ich auch geschnitten habe.

Probleme gab es nur mit meinem Kumpel. Den wollten die ums Verrecken nicht reinlassen. Sie haben ihm gesagt er solle sich lieber um seine Wahlmaschinen kümmern und wollten ihn immer nach Massenvernichtungswaffen durchsuchen.

Und weil er sich das nicht gefallen lassen wollte und durch das ganze Geschrei ist dann so ein Paparazzi von der Presse auf uns aufmerksam geworden und konnte noch ein Foto machen, bevor ihn meine Handtasche zu Boden gestreckt hat. Und dann hab ich mich mit meinem Kumpel schnell vom Acker gemacht, aber nicht ohne die Kamera mitzunehmen. Das hab ich von dem Prinz da in Hannover gelernt, dem August mit dem Harndrang am japanischen Pavillon.

Und das war gut so, denn wenn dieses Foto in die Zeitungen gekommen wäre, hätte es echt internationale Turbulenzen gegeben � weil mein Kumpel auf dem Foto fast aussieht wie der George "dubbya" Bush.

Die Info mit der HelloQueen-Party war übrigens eine Fehlinformation.
Die Party ist erst am 2. November, wie ich gerade im Spiegel gelesen habe.

Ach ja, hätte ich fast vergessen, ich such noch ne Gebrauchsanweisung für eine zwar gebrauchte, aber erstklassige Digitalkamera mit leichten Kratz- und Gebrauchsspuren, die von einem Sturz herrühren.
Glauben Sie ich könnte so eine Gebrauchsanlweisung bei EBAY kriegen.
Nur die Gebrauchsanweisung - die Kamera hab ich schon.

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03.11.2004 um 05:45 Uhr

Sommerzeit

Stimmung: Mungo & Jerry
Musik: In the Summertime

In der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober haben wir ein Geschenk erhalten.
Zumindest sehen es die Medien so.  Den Bürgern dieser Republik wurde etwas geschenkt.  Dumm war halt nur, dass die meisten Bürger zum Zeitpunkt der Geschenkannahme nicht bei vollem Bewusstsein waren. Einen äußerst günstigen Zeitpunkt haben sich die Schenker da für das Schenken rausgesucht.

Mich hat die Schenkung so durcheinandergebracht, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Ob vor lauter Vorfreude auf die Schenkung oder wegen der nächtlichen Störung, als mir zwischen zwei und  drei Uhr heute Nacht, das Geschenk unters Kopfkissen gesteckt wurde. Ich mag nicht auf etwas schlafen, von dem ich nicht genau weiß was das ist, was mir da im nichtzurechnungsfähigem Zustand des Halbschlafes untergejubelt wird. Mir reicht schon das, was ich als Bürger dieses  Landes in den letzten Jahren und  Monaten bei vollem Bewusstsein und ohne Narkose bei hellem Tageslicht ertragen musste und das sich dann kurze Zeit später als schlechter Witz oder Darmwind übelster Machart geoutet hat.

Deshalb habe ich mir das „Geschenk“ mal näher angesehen. Hatte ja auch Zeit genug, weil ich nicht schlafen konnte, obwohl der Wecker meinte es, wäre noch gar nicht Zeit zum Aufstehen. Aber mein Körper war da ganz anderer Ansicht und erhob sich ohne weiteres Zutun meines Gehirns, das sich aus „Vernunftsgründen“ dazu entschloss eine Stunde zu warten, um die durch das Geschenk entstandene Situation rational erfassen zu können.

Und so kam es, dass ich rat- und hirnlos vor dem Computer saß und Zeit hatte mir im Schein meiner Schreibtischlampe das „Geschenk“ mal näher anzusehen.
Als erstes fiel mir die Stille in der Wohnung auf. Die alte Wanduhr war um 3:12 Uhr stehen geblieben. Irgendetwas muss nächtens das, auch in hohem Alter mechanisch noch äußerst zuverlässig funktionierende Zeitmessgerät verwirrt zu haben, während die digitale Uhr am Backofen scheinbare Normalität signalisierte.

Aber irgendetwas stimmte nicht. Ich spürte das und begab mich auf die Suche nach der Ursache meines Unwohlseins. Und im Büro am Computer fand ich sie! Mit Hilfe einer Softwarefunktion aus den USA! Von der Firma Kleinweich!
„Die Uhrzeit wird systembedingt umgestellt“ stand da in einem dieser mausgrauen Popup-Fenster und darunter -was für eine Frechheit-  „OK?“.
Ich starrte auf das OK und brauchte etwas Zeit um zu begreifen (das Hirn hörte ja, wie bereits erwähnt, noch die Matratze ab) was hier geschah.
 
Die Stunde war wieder da.
Die Stunde, die man mir am letzten Sonntag im März 2004 „gestohlen“ hatte, wurde mir jetzt wieder „geschenkt“. Und der Computer hatte es als Erster bemerkt.

„Hallo Stunde“, dachte ich mir, „das ist ja schön, dass du wieder da bist. Aber du hättest dich nicht so heimlich mitten in der Nacht heimschleichen brauchen, wenn ich schlafe. Tagsüber, so um die Mittagszeit, zur Verlängerung der Mittagspause hätte ich mich mehr darüber freuen können, als jetzt im hirnlos hilflosen Zustand. Und mein Arbeitgeber hätte sicher auch nichts dagegen gehabt,  wenn du während der Arbeitszeit zurückgekommen wärst, denn dann hätte er auch einen Grund gehabt sich mit uns zu freuen.  Aber jetzt wo du schon mal da bist, jetzt lass dich doch mal näher anschauen. Mein Gott, wie siehst du denn aus? Wo hast du dich aber auch rumgetrieben? Dünn biste geworden. Früher haste mal 60 Minuten auf die Waage gebracht, na mehr ist es bestimmt nicht geworden. Was haben sie denn mit dir gemacht? Also ganz ehrlich gesagt – du siehst reichlich ramponiert aus. Jetzt erzähl doch mal wie es dir so gegangen ist, seit wir –nennen wir es mal so – getrennt wurden.
So, so, du warst in Deutschland unterwegs und hast dich mit der Politik und der Wirtschaft eingelassen.
Ach und jetzt wo die kalte Jahreszeit kommt und die Nächte länger werden, jetzt schicken sie dich abgemagert und gesundheitlich angeschlagen wieder nach Hause.
Jetzt wo
  • Öl, Gas und Benzin rechtzeitig zum Beginn der Heizperiode auf Höchstniveau notieren,
  • die Braunen in die Landtage einziehen und strategische Allianzen knüpfen,
  • deutsche Firmen ihre Mitarbeiter wie polnische Spargelstecher behandeln,
  • der Finanzhans sich am immer größer werdenden Finanzloch immer noch die Finger wund rechnet und das Hirn trübe schwindelt,
  • die Gesundheitsulla kurz vor der Einweisung in die Klapsmühle steht, weil sie jetzt bei jedem Freigang herumerzählt ihr wäre des Nachts die heilige Erleuchtung der Beitragssenkungen im Gesundheitswesen erschienen, 
  • der Bundesgerd es endlich in der vierten Ehe zur Vaterschaft und Perfektion der jungfräulichen Zeugung gebracht hat und ohne dass die Doris im Kreissaal leiden musste
  • der Verkehrsmanfred jetzt endlich OBU fehlerfrei buchstabieren kann und verstanden hat, dass das kein Konkurrent von OBI ist
  • der Superwolli die Hand dafür ins Feuer legt, dass im Januar 2005 das ALGII ausbezahlt werden kann und damit dann das letzte Hindernis für den Aufschwung beseitigt ist und die Kaufkraft jetzt durch die Ladenpassagen und Kaufhäuser toben wird und die Steuereinnahmen steigen und überhaupt – und vor allem – in Ewigkeit  ... Amen
  • der Bundesgerd in Italien die Europäische Verfassung unterzeichnet hat und die Völker Europas in tagelangen grenzenlosen Freudentaumel verfielen, während in Deutschland die Angie „Missgriff“ Merkel von ihren männlichen Kopulationspartnern in eine Sandwichposition gebracht wurde,
  • der die Dolly Buster nach eigenen Aussagen im Dschungelcamp knapp entronnen ist, bevor man sie zur Kopulation mit einen gemeinen Nacktmolch überreden konnte
  • der ....
Ach was erzähl ich dir da? Du hast es ja selbst hautnah miterlebt, als du dich in Wirtschaft und Politik prostituiert hast. Ursprünglich dazu gedacht die Energiekosten zu senken, kann sich zwischenzeitlich ja jeder nach Belieben an dir vergreifen.

Dank dir hat es die Deutsche Bundesbahn auch mal geschafft, fast alle Züge pünktlich in die Bahnhöfe zu bringen. Ja, OK, ich hab ja gesagt – fast alle Züge.

Und die CDU und die CSU haben noch eine Stunde länger Zeit durch Fingerhakeln die Änderungen im Gesundheitswesen zu definieren. Irgendeiner, -meist der, der nicht am Tisch sitzt- wird halt über eben diesen gezogen werden.


Ja und der Herr Teufel, darf noch eine Stunde länger Ministerpräsident von Baden-Württemberg bleiben.

Für die Bundesregierung ist es dank deiner Mitwirkung jetzt wieder 5 Minuten nach 11 Uhr, statt fünf Minuten nach zwölf.
Und jetzt rat mal was 5 Minuten nach elf Uhr ist? Na, denk mal nach! Um 11:05 Uhr ist es noch genau 6 Minuten bis 11:11 Uhr. Und genau dann beginnen die tollen Tage und die richtigen Narren übernehmen die Regierungsgewalt!
Dieser Zustand dauert dann bis Ende Februar und ich soll dich jetzt wieder aufpäppeln und durch den Winter bringen, damit sie dich im nächsten Jahr, wieder am letzten Sonntag im März zum Ankurbeln der Wirtschaft und zum Energie sparen wieder zwangsrekrutieren können.
Das ist vielleicht ein Scheißspiel!

Also ich glaube eher dass dich da jemand „hee-geliehen“ hat!
Das ist ein Ausdruck der aus dem Schwäbischen kommt. Dort wird mit „hee“ etwas bezeichnet, das „kaputt“ ist. Aus der Sicht eines Schwaben beschreibt „hee“ einen Zustand der -selbst für einen Schwaben irreparabel-  ist. Die Amerikaner nennen diesen Zustand FUBAR, was soviel heißen soll wie „fucked up beyond all repair“.
Also „hee“ ist viel schlimmer als nur „kaputt“. Wenn etwas „hee-geliehen“ wurde, dann bedeutet das, dass ein guter Freund, ein Verwandter oder ein Bekannter sich etwas ausgeliehen hat um es erst wieder zurückzugeben wenn es unreparierbar kaputt ist – eben „hee-geliehen“.

Und genauso sieht du auch aus.
Am besten wäre es, wenn man dich bei Ebay meistbietend versteigern könnte, aber noch nicht einmal das scheint mehr zu klappen.



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02.11.2004 um 05:45 Uhr

Das kleine "k"

Die Bundesregierung ist mal wieder optimistischer als die Wirtschaftsforscher. Das meldet die FAZ  am 26. Oktober 2004.
Und am Ende des Artikels wird Superwolli Clement zitiert, der meint,  «daß die Investitionstätigkeit und der private Konsum 2005 zulegen würden, auch dank einer „Trendumkehr auf dem Arbeitsmarkt“. Die Beschäftigung soll um 0,5 Prozent steigen. Im Jahresdurchschnitt sei mit einem Rückgang der Zahl der Arbeitslosen um 25.000 zu rechnen. Wegen der Hartz-IV-Reformen stünden diese Angaben aber unter Vorbehalt. Clement sagte, auf Basis der Regierungsprognose bedürfe die Rentenversicherung 2005 keines höheren Zuschusses

Und weil die Regierungsprognosen jedes mal so heftig daneben war, wird der  Herr Clement wohl einen guten Grund haben, warum er auch diesmal wieder nicht auf den Rat der Experten hören mag.

Jetzt überlegen wir doch mal zusammen, was das konkret heißt was der Superwolli da von sich gegeben hat.
Auf der Basis der Regierungsprognose bedürfe die Rentenversicherung 2005 keines höheren Zuschusses“. Gemeint ist natürlich ein höherer staatlicher Zuschuss! Aus Steuermitteln natürlich!

Aber wenn der, natürlich äußerst unwahrscheinliche Fall, eintreten sollte, dass die Wirtschaftsforscher doch Recht haben ...
Oder wenn, sagen wir mal so, sich der Superwolli verschätzt haben sollte ...
Also nehmen wir doch mal an, dass sich die Wirtschaft mit dem Aufschwung noch etwas Zeit lassen könnte ...
Oder der Aufschwung würde auf dem langen Weg nach BRDDR irgendwo aufgehalten werden oder sich gar verlaufen und herumirren ...
Oder so ...
Egal wie auch immer, nehmen wir einfach mal an, der Aufschwung verspätet sich um 0,2 Prozent., dann müsste der Superwolli ja heute richtigerweise sagen: „auf der Basis der Prognose der Wirtschaftforscher bedarf die Rentenversicherung 2005 eines höheren Zuschusses“.

Das wäre aber gar nicht so schön für den Finanzhans, der gerade ja den größten Schuldenberg seit Bestehen der BRDDR verwaltet und mit seinem Nachtragshaushalt sogar noch so ein richtiges Sahnehäubchen oben draufgelegt hat.

Ich werde jetzt Steuerschätzer!
Sagen Sie mal rasch irgendeine Zahl zwischen 800.000.000 und 1.300.000.000, die man für eine fundierte Steuerschätzung verwenden könnte. Sie dürfen auch gerne noch eine paar  Nullen dranhängen.
Wir werden uns noch wundern wie viele Teuronen uns das kleine „k“ noch kosten wird.

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01.11.2004 um 05:45 Uhr

Rumgefragt

Ich wundere mich immer wieder, wenn die Ergebnisse "repräsentativer" Umfragen durch die Medien geistern. Nicht nur das Ergebnis erstaunt, sondern auch die Schnelligkeit mit der diese Umfrageergebnisse geschaffen werden. Haben Sie sich eigentlich nie gefragt, wie man innerhalb weniger Tage eine "repräsentativen" Querschnitt unserer Bevölkerung zu einem Problem befragen und das Ergebnis erfassen und auswerten kann.

Nehmen wir mal an, Sie wollten aus aktuellem Anlass eine Umfrage zur Abschaffung der Eigenheimzulage durchführen.

Wie machen Sie das?
Wer ist denn dafür repräsentativ?

Die Eigenheimbesitzer? Die haben ihre Hütte doch schon, denen dürfte die Abschaffung verhältnismäßig egal sein. Sofern sie nicht rückwirkend erfolgen wird.

Die Unternehmer? Denen ist es doch eigentlich auch egal, außer sie haben einen Unternehmer aus der Baubranche am Telefon?

Die Besserverdienenden? Auch denen dürfte der Wegfall der Eigenheimzulage ziemlich schnuppe sein, denn die Gewährung der  Zulage ist an gewisse maximale Einkommensgrenzen gebunden.

Die Senioren etwa? Also, das ist nach meiner Meinung ein aussichtloses Unterfangen, ist doch der größte Teil dieser Bevölkerungsgruppe auf Mallorca, in ihren Schrebergärten, im Altersheim, zu Hause vor der Glotze oder liegt auf der Intensivstation. Und der Rest der freilaufenden Rentner denen Sie habhaft werden können, versteht die Frage nicht oder nicht richtig, hat bei der Antwort die Frage schon wieder vergessen, oder gibt zum besten, dass früher sowieso alles besser war.

Die Autofahrer? Die erwischen Sie doch nur kurz an der Tankstelle bei der Befüllung von Eichels Steuerschwein und – mal ganz ehrlich - glauben Sie wirklich, dass Sie von denen angesichts der derzeitigen Benzinpreise eine vernünftige Antwort zu Eigenheimzulage bekommen werden?

Die Jugendlichen? Auch da sehe ich schwarz. Halten Sie es für möglich, dass man die Frage so einfach formulieren kann, dass ein Jugendlicher sie versteht? Und Sie finden dann auch noch Jugendliche, die wissen dass "Eigenheimzulage" nichts mit "2Raumwohnung" zu tun hat?

Die Arbeitnehmer? Schwierig, schwierig dieser in ihrem Bestand gefährdeten Bevölkerungsgruppe habhaft zu werden. Momentan sehr verbiestert, verschreckt und scheu. Gehen jedem Medienkontakt aus dem Weg. Halten einfach die Klappe, ziehen den Kopf ein und verstecken sich 40 Stunden und mehr an ihrem Arbeitsplatz. Die sind durch den Psychoterror aus Steuererhöhungen, Preissteigerungen, Zuzahlungen, Lohnkürzungen, Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und Wegfall von Sonderleistungen total gestresst. Die sehen Sie nicht mal mehr auf der Straße oder beim Einkaufen. Die erwischen Sie nur noch am Werkstor oder am Personalausgang. Und dann raten Sie mal, was Sie für Antworten bekommen, wenn Sie am Werkstor bei Opel oder am Personalausgang bei Karstadt ihre Frage nach dem Wegfall der "Eigenheimzulage" stellen wollen?

Die Passanten auf der Straße? Na ich weiß nicht. Glauben Sie wirklich, dass die Menschen, die zwischen 8:00 Uhr morgens und 18:00 Uhr Nachmittag durch die Fußgängerzone eilen oder dort ihren Tag verbringen und die Zeit tot schlagen, wirklich einen repräsentativen Durchschnitt unserer Bevölkerung darstellen?

Die Studenten? Die Idee ist gut. Das wäre sicher die ideale "repräsentative" Bevölkerungsgruppe für die Umfrage zum Wegfall der Eigenheimzulage. Meist noch keine Kinder, meist noch nicht verheiratet, meist kein eigenes gesichertes Einkommen, meist noch keine eigene Wohnung und kein eigenes Vermögen. Die ideale Zielgruppe. Alles im Fluss, täglicher Existenzkampf, unsichere Zukunft aber Flausen im Kopf, Träume von gutgehenden Rechtsanwalts- und Ärztepraxen, Visionen von Jetset-Management, global-vernetzten Industrieimperien, Business-Strategy und Shareholder-Value. Aufpassen muss man bei den Studenten nur auf das Studienfach und die Fragestellung. Sonst bekommt man als Antwort statt einem einfachen "Ja" oder "Nein" einen Vortrag über die Bedeutung der "Eigenheimzulage" aus juristischer, medizinischer, psychologischer, volkswirtschaftlicher, pharmazeutisch-chemikalischer, technisch-wissenschaftlicher, betriebswirtschaftlicher oder politsicher Sicht unter Berücksichtigung kapitalistischer und sozialistischer Aspekte.
Etwas steuern könnte man die Antworten allerdings durch die Art der Fragestellung., etwa in der Art, ob der Bildungsnotstand durch den Wegfall der Eigenheimzulage bekämpft werden sollte.
Was also wird Ihnen wohl ein Student antworten, wenn er sich durch die Fragestellung eine Verbesserung seiner Situation erhofft?

Also formulieren wir die Frage einfach so:
"Rechtfertigen zusätzliche Investitionen in die Bildung Kürzungen bei der Eigenheimzulage?"
Oder "Würden Sie auf Gehalt verzichten, um ihren Arbeitsplatz sicherer zu machen?"
Oder "Soll der Betriebsrat die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung weiterführen und die Arbeit wieder aufgenommen werden?"

Alle Fragestellungen enthalten Unterstellungen und verknüpfen Sachverhalte, die nur vage beschrieben sind. Was sind "zusätzliche Investitionen"? Ist das soviel wie auf der anderen Seite an Eigenheimzulage gekürzt wird? Weder der Einsatz der zusätzlichen Mittel ist genauer spezifiziert, noch deren Höhe.
Was ist ein "sicherer Arbeitsplatz"? Ist der Arbeitsplatz nach dem Lohnverzicht (in welcher Höhe?) auch wirklich sicher?
Die Beantwortung der dritten Frage konnte man der Presse entnehmen. Alle waren mit der mehrheitlichen Antwort zufrieden.
Nur ein großer Teil der Befragten nicht.
Sie fühlten sich bei der Befragung getäuscht!
Na sowas!

Trinken Sie zum Frühstück eigentlich Kaffee und Tee?
Na sehen Sie.
Es ist ganz einfach.

Schlimm wird es erst, wenn Sie das Ergebnis der Befragung in den Medien hören und lesen können und erfahren, dass auf Basis dieser "repräsentativen" Befragungen politische und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden.

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