
Auch wenn der Anlass dazu manchmal(!) in einer kurzen gefühlsbedingten
„Gedankenlosigkeit und Unachtsamkeit“ begründet sein kann, ist
Familienplanung meist eine langfristige Angelegenheit.
Einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten sollte man schon in den
Betrachtungshorizont einbeziehen. Denn von der Geburt des Kükens bis
zum Flug des Adlers vergehen schon mal leicht zwanzig und mehr
Jahre.
Es ist also keine leichte Aufgabe, die sich da die heterosexuellen
Eltern -dieser Seitenhieb auf gleichgeschlechtliche Paare war mir jetzt
ein inneres Bedürfnis- da aufgeladen haben.
Wie wichtig diese Aufgabe auch für unserer Gesellschaft ist, kann man
leicht daran erkennen, dass es sogar ein eigenes Ministerium dafür
gibt. Das war es dann aber auch schon, denn in der Hackordnung der
Ministerien steht dieses Ministerium hinter dem Finanzministerium, dem
Verteidigungsministerium, dem Ministerium für innere Sicherheit, dem
Gesundheitsministerium dem Umweltministerium und all den anderen
Ministerien ganz weit unten.
Normalerweise hört und sieht man nichts von diesem Ministerium.
Man hört nichts, wenn durch Steuererhöhungen und Preissteigerungen die finanzielle Existenz von Familien gefährdet wird.
Man hört nichts, wenn die Ernährer der Familien in die Arbeitslosigkeit
geschickt werden, weil unsere Wirtschaft meint, auf ihre Arbeitskraft
verzichten zu können.
Man hört nichts, wenn unser Bildungssystem einen schiefen Turm nach dem anderen produziert.
Man hört nichts, wenn der Nachwuchs keine Lehrstelle bekommt und statt
etwas zu lernen, weiterhin bei seinen Erzeugern die Beine unter den
Tisch strecken muss, um zu überleben.
Man hört nichts, wenn Kuckucksväter wissen wollen, ob sie für die
Lendenfreuden anderer Geschlechtsgenossen zur Kasse gebeten werden.
Man hört nichts, wenn es um den angeblichen „Generationenkonflikt“ und die Sicherung unserer Rentensysteme geht.
Man hört auch nichts, wenn die Kosten der Gesundheitsvorsorge unserer
Kinder nur von den Zwangsmitgliedern in den gesetzlichen Krankenkassen
aufgebracht werden müssen.
Ja selbst wenn für jedes Familienmitglied eine Praxisgebühr zu
entrichten ist oder eine Pro-Kopf-Versicherungsprämie in Planung ist,
hört man aus dem Familienministerium dazu NICHTS.
Bei mir erhebt sich die Frage, was man mit einem Ministerium machen
soll, das eigentlich NICHTS macht. NICHTS wäre mir persönlich zu wenig!
Aber jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen!
Fast zeitgleich ist die Familie, sind Mutter und Kind plötzlich in
aller Munde und bei all diesen Schreiern wird plötzlich die Forderung
nach besseren Rahmenbedingungen für Familien erhoben.
Und ich frage mich jetzt – warum jetzt?
Sollten vielleicht doch einige Politiker zu Besinnung und Vernunft gekommen sein oder die 1979 veröffentlichte Studie „
Leistungen für die nachwachsende Generation“ endlich Leser gefunden haben. Die Grundaussage dieser Studie lautet: «
"Leistungen
für die nachwachsende Generation haben eine gesellschaftserhaltende
Funktion“. Erfasst wurden auch die Geldausgaben, die die Familien
direkt oder indirekt für ihre Kinder tätigten, sowie der Zeitaufwand,
der für Leistungen zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen in den
Familien aufgebracht wurde. Im Referenzjahr der Studie (1974) trugen in
dieser Sicht die Familien rund 74% aller gesellschaftlichen
Aufwendungen für die nachwachsende Generation. Die "Kinderlast" der
Gesellschaft erwies sich dezidiert als "Privatlast" in Gestalt einer
investiven Vorleistung von Familien für die Realisierung des
Wohlstandsniveaus der Gesellschaft.»
Bevor Sie sich jetzt aber unbegründeten Hoffnung hingeben, dass die
Politiker dieser Republik zwischen all ihren Nebenjobs und
Machtkeilereien endlich das Wohl der Bürger und Familien entdeckt
hätten, darf ich Sie daran erinnern, dass in gut 12 Monaten
Bundestagswahlen ins Haus stehen. Eine Familie sind mindestens ZWEI
Wählerstimmen, eventuell ergänzt durch ein oder gar zwei Jungwähler die
mangels Masse noch nicht flügge werden konnten. Und weil
Familienplanung etwas Langfristiges ist, beginnt man jetzt schon mit
dem Rühren der Werbetrommel für die Wahlversprechungen.
Dabei ist das Problem und die Verursacher der
gesellschaftsgefährdenden
Geburtenknappheit schon lange bekannt.
Unzählige Male wurde darüber berichtet und darüber diskutiert.
Geändert hat sich – NICHTS.
Seit einigen Jahren kommt zu den alten Problemen noch die zunehmende
Arbeitslosigkeit dazu, an der sich trotz großmauliger Wahlversprechen
nichts geändert hat. Ganz im Gegenteil.
Und das rächt sich jetzt!
Man kann Menschen nicht ihrer Existenzgrundlage berauben und erwarten, dass sie sich vermehren!
Man kann nicht einer Familie den oder auch die Ernährer wegnehmen und erwarten dass Kinder gezeugt werden.
Man kann nicht Millionen von Menschen in Armut und Arbeitslosigkeit
leben lassen und erwarten dass sie ihrer gesellschaftspolitischen
Aufgabe nachkommen.
„
Ein Arbeitloser bereitet mindestens vier weiteren Menschen
Existenzangst“ habe ich mal irgendwo gelesen. Das erscheint logisch,
denn wie wir aus der Behandlung der „Bedarfsgemeinschaften“ beim ALG II
wissen, sind durch Arbeitslosigkeit eines Einzelnen immer mehrere
Menschen betroffen. Darunter auch die Kinder, die eventuell sogar mit
ihrem „Vermögen“ für die langzeitfaulenzenden Eltern bezahlen müssen.
Bei offiziell 4,5 Millionen Arbeitslosen sind das etwa 22 Millionen
Menschen in unserem Land, die Angst vor der Zukunft haben. Das ist ein
Viertel unserer Bevölkerung, was sich leicht mit den mathematischen
Möglichkeiten der Multiplikation, einer Rechenart, die selbst
Berufspolitiker beherrschen könnten, berechnen lässt.
An die inoffiziell mehr als 8 Millionen Arbeitslosen mag ich in diesem Zusammenhang gar nicht erst denken!
Glauben Sie wirklich, dass die sich plötzlich vermehren, nur weil unsere
Bundesmutter und Familienministerin Renate Schmidt (SPD) sich jetzt in
einem Interview mit der "
Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"
beklagt die «
Kinderlosigkeit in Deutschland sei "einmalig auf der
Welt". Deutschland sei zwar nicht kinderfeindlich, aber von Kindern
entwöhnt. Der Staat müsse dafür sorgen, dass Menschen sich ihre
Kinderwünsche auch erfüllen könnten. In ihren Plänen, die Betreuung zu
verbessern, werde sie tatkräftig von Bundeskanzler Gerhard Schröder
unterstützt. "Die Mannsbilder haben begriffen, dass Familienpolitik
nicht ein weiches Weiberthema ist, sondern ein hartes Zukunftsthema",
sagte Schmidt.»
Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich bekomme Brechreiz wenn ich so was höre.
Wer ist denn für diese kinder- und familienfeindliche Politik verantwortlich?
Wer nimmt denn den Bürgern und Familien die Grundlage für eine sichere Existenz?
Wer ignoriert denn, dass Frauen im Beruf weniger verdienen als Männer?
Wer hat denn zugelassen, dass Millionen von Menschen im arbeitsfähigen
Alter an den Rand der Gesellschaft und in die Arbeitslosigkeit gedrängt
wurden?
Wer hat denn dafür gesorgt, dass immer mehr Kinder in Armut aufwachsen?
Doch genau die gleichen Leute, die jetzt begriffen haben sollen „dass
Familienpolitik kein weiches Weiberthema ist, sondern ein hartes
Zukunftsthema“!
Glauben Sie wirklich, dass ein viermal verheirateter Bundeskanzler ohne
eigenen Nachwuchs oder irgendein schwuler Bundespolitiker weiß, wie
viel Pflege und Aufmerksamkeit Kinder brauchen bis sie in etwa 20
Jahren (hoffentlich) anfangen sich selbst zu vermehren?
Es ist wirklich einmalig auf der Welt, wie in Deutschland
Bevölkerungspolitik gemacht wird und warum Politik, Wirtschaft,
Arbeitgeber und Gewerkschaften immer nur sporadisch ein Licht
aufzugehen scheint, wenn es um die „Familie als Grundlage unserer
Gesellschaft“ geht.
Man muss in diesem Zusammenhang jetzt also nicht nur fragen, wer denn
in den letzten 6 Jahren für die Familienpolitik zuständig war, sondern
wer die gesellschaftspolitische Verantwortung in den letzten zwanzig
Jahren dafür hatte.
Wie schizophren und heuchlerisch sich Verantwortliche verhalten und wie
sie ihr Mäntelchen man so und mal so in den Wind halten, lässt sich an
Dieter Hundt (mit DeTe), dem Präsidenten der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände aufzeigen, den ich mir jetzt einfach mal
mit einem Zitat aus der „2DF Heute Sendung“ vom 16.1.2005 herausgreife:
«
Hundt würdigte die Anstrengungen der Arbeitgeber für eine bessere
Vereinbarkeit von Familie und Arbeit. Durch die Einführung flexibler
Arbeitszeiten und den Aufbau von Betriebskindergärten hätten sie
bereits Enormes geleistet. Eine familienfreundliche Personalpolitik
sollte in den Unternehmen auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. "Ich fordere die Unternehmen auf, bei ihren Anstrengungen nicht
nachzulassen, Müttern und Vätern die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf weiter zu erleichtern", sagte Hundt.»
Das ist der gleiche Hundt, der nach längerer Arbeitszeit schreit und
den weiteren Abbau von Arbeitsplätzen androht, wenn den Forderungen der
Wirtschaft nicht nachgekommen wird.
Es ist der gleiche Hundt, der weitere Kürzungen im Rentensystem und
dessen Umbau zu Lasten der Arbeitnehmer für unerlässlich hält.
Das ist der gleiche Hundt, der für weitere Abstriche am sozialen System
votiert und eine radikale Verminderung der unternehmensseitigen
„Lohnnebenkosten“ fordert.
Das ist der gleiche Hundt, der sich für die Absenkung der
Ausbildungsvergütung stark macht und eine Ausbildungsabgabe für
ausbildungsunwillige Unternehmen strikt ablehnt.
Das ist der gleiche Hundt, der es erst zur Profitmaximierung der
Unternehmen und Wahrung der internationalen Konkurrenzfähigkeit
deutscher Firmen für richtig hält den Ernährer der Familie auf die
Straße zu setzen und dann engelszüngig die „familienfreundliche
Personalpolitik“ der Unternehmen lobt.
So ein Hund – dieser Hundt.
Und jetzt sollen wir glauben, dass die gleichen Jungs und Mädels die
schon seit zwanzig Jahren NICHTS gemacht haben, jetzt was anderes als
NICHTS machen?
Da müssten wir schon wirklich blöd sein!
Wer bis heute nicht begriffen hat wie eine Gesellschaft funktioniert
und dass Kinder das Ergebnis von Vertrauen, Sicherheit und Zukunft
sind, der hat auch nicht begriffen, wem er selbst seine Existenz
verdankt.
„Reiner Zufall“ war es in den wenigsten Fällen, aber selbst diesem
Herrn würde heute als „Vater“ ja der Nachweis des „Genitors“ erschwert,
solange er sich nur brav um die Aufzucht kümmert.
Die gleichen Politiker, die jetzt nach der Einführung von DNA-Tests zur
Ermittlung von Straftätern rufen, verweigern dies einem beschuldigten
Vater zum Nachweis seiner Unschuld.
Die gleichen Politiker, die jetzt für die Verbesserung der familiären
Rahmenbedingungen vors Mikrofon treten, sind eifrig mit dabei, wenn
diese Bedingungen im staatlichen Interesse und zum Wohle der Wirtschaft zusammengestrichen und
eliminiert werden.

Um die Zusammenhänge zu erkennen, muss man sich nur die Gründe für den
Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern seit der Wende ansehen.
Und um eine Ahnung davon zu bekommen, wie man es machen könnte, braucht
man nur über den Rhein nach Frankreich zu blicken. Denn auch im Land
der Liebe müssen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts eng
zusammenarbeiten um aus einer Partnerschaft eine Familie zu machen. Und
das nicht nur für den Zeitpunkt der Zeugung, sondern über einen langen,
sehr sehr langen Zeitraum hinweg.
Langfristig halt!
Denn wenn man im Alter Opa und Oma sein möchte und von der Arbeit der
Enkel leben muss, weil Andere das erwirtschaftete Vermögen verprasst
haben, dann kann man mit der
Schaffung der Voraussetzungen nicht erst bei Eintritt ins Rentenalter
damit anfangen.
Und da nützt es jetzt auch nichts mehr, wenn Oma Renate der
„Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ das Wort zum Sonntag
erzählt.
Selbst wenn die Bürger dieser Republik sich sofort und emsig an die
Umsetzung der Anweisungen unserer Familienministerin machen würden –
das Ergebnis geht erst in achtzehn Jahren wählen, Geld verdienen und
Steuern zahlen. Bis dahin kostet der Nachwuchs nicht nur unzählige
schlaflose Nächte, Einschränkungen und Sorgen, sondern auch noch ein
kleines Vermögen für Pflege, Essen, Wohnen, Gesundheit, Bildung und
Freizeit.
Und den vermehrungsfähigen Männlein und Weiblein dieser Republik ist
das bekannt. Es ist ihnen aber auch bekannt, dass es immer die kleinen
Leute sind, die am Ende im Regen stehen bleiben und die Arschkarte
gezogen haben.
Also erzählt uns nicht die Geschichte vom Storch!
Denn hier geht es um ein gesellschaftspolitisches Verteilungsproblem,
welches weder durch kurzzeitigen Wahlaktionismus, noch durch
sozialdemagogische Kampfansagen zwischen Eltern und Kinderlosen zu
lösen ist.
Zur nachhaltigen Lösung dieses „Generationenproblems“ gehört nicht nur
die Aufwertung traditioneller Familienformen und
Geschlechterverhältnisse, sondern auch die Bereitstellung
arbeitsmarktpolitischer Rahmenbedingungen zur Schaffung und
nachhaltigen Sicherung von Arbeitsplätzen, ergänzt durch Maßnahmen zur
Verbesserung der sozialen Infrastruktur.
Das ist sicher kein Wahlkampfthema sondern eine Jahrhundertaufgabe.
Aber das wusste man schon 1979.

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