
Sie kennen das sicher auch.
Da ist man gerade auf dem Sprung irgendwo hin oder kommt gerade zur
Türe herein oder muss dringend zur Toilette oder hat sich just zum
Frühstück-/Mittag-/Abendessen hingesetzt - da ...
Ja genau da, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann, genau dann
klingelt das Telefon. Je nachdem, in welcher Situation man sich
befindet, rennt man zurück oder hin, zieht die (Strumpf-/Unter)Hose
wieder hoch und/oder würgt den letzten Bissen runter, schnappt sich den
Hörer und sagt: "HALLO oder JA oder MÜLLER oder MAIER oder etwas
ähnliches".
Doch es ist nicht Tante Martha oder Onkel Fritz, die mal wieder etwas
vergessen haben. Es ist auch nicht Oma oder Opa, die sich mehr oder
minder verdeckt beschweren, dass sich um sie ja kein Schwein kümmert.
Nein es ist auch keines der lieben Kinderlein, dem aus einer
finanziellen, verkehrstechnischen, schulischen oder
zwischenmenschlichen Notlage geholfen werde soll.
Sie haben es sicher schon erahnt - es ist ein Sozialkontrolleur der
Bundesagentur für Arbeit, Abteilung AAS (Ausforschung arbeitsloser
Sozialschmarotzer) bei einer seiner "Telefonumfragen" auf der Suche
nach "Ungereimtheiten".
Ob es Ihnen gelingt, noch rasch einen Anrufbeantworter zu mimen, das
Besetzzeichen zu pfeifen oder gar akzentfrei die amtlichen Worte "kein
Anschluss unter dieser Nummer" hervorwürgen können, hängt sicher nicht
nur von Ihrer Reaktionszeit ab, sondern auch von der Situation in der
Sie sich zum Zeitpunkt des Anrufs gerade befinden.
Auf jeden Fall sollten jetzt alle Alarmglocken klingeln, denn Sie sind
ins Visier der Sozialkontrolleure geraten und irgend etwas muss wohl
deren Argwohn erweckt haben und sei es nur die Tatsache, dass Sie ohne
Arbeit und Leistungsempfänger des ALG II sind.
Ja, das genügt als Grund für einen derartigen Anruf vom Amt vollkommen und kommen Sie ja
nicht auf den blödsinnigen Gedanken dem Gespräch mit dem Hinweis auf
Ihre dringende Notdurft entgehen zu können, denn beim Anruf vom Amt
haben fast alle Sozialschmarotzer die Hose voll.
Nein, die ganz cleveren Zeitgenossen sind statt dessen scheißfreundlich
und werden vor jeglicher Auskunftserteilung am Telefon erst mal die
Legitimation des Anrufers prüfen wollen. Wo man doch heutzutage so viel
von Dialerbetrug, Pishing und Abzocke ahnungsloser Mitbürger hört.
Lassen Sie sich deshalb unbedingt den Ausweis des Anrufers zeigen oder
per Fax zuschicken und bitten Sie ihn außerdem um Name und
Telefonnummer seines nächsten Vorgesetzten, damit Sie sich dort nach
der Legitimation des Anrufers erkundigen können. Fragen Sie auch nach,
ob er Ihnen die Kopie einer von ihm rechtskräftig unterzeichneten
Datenschutzerklärung überlassen kann. Denn Vorsicht ist schließlich die
Mutter der Porzellankiste.
Verweigert der Anrufer diesen Nachweis, so beenden Sie das Gespräch am
besten, nicht aber ohne den Hinweis im Wiederholungsfall Anzeige wegen
Telefonterror bzw. Stalking erstatten zu wollen.
Erbringt der Anrufer (wider Erwarten) den notwendigen
Legitimationsnachweis, dann geht es sicher um Auskünfte über Ihre
aktuelle Lebenssituation und hier im speziellen um den Nachweis
"eheähnlicher Verhältnisse".
Das ist vereinfacht die amtsseitige Verbindung von "im Team leben" und
"Intimleben", wobei es dem Sozialkontrolleur hauptsächlich darum geht,
ob Sie anderen Personen nur "beiwohnen" oder auch "beischlafen".
Bei jemand wohnen ist erlaubt, bei jemand schlafen nicht. Zumindest
nicht, wenn Sie "eheähnlich" bei oder mit jemand schlafen. Was
"eheähnlich" konkret bedeutet, hat der Gesetzgeber nicht eindeutig
definiert, aber so wie ich unsere Politiker einschätze, könnte damit
zum Beispiel eine Kopulationstätigkeit in Missionarsstellung gemeint
sein.
Daher mein Tipp: Verzichten Sie bei der Nächstenliebe auf diese von der
katholischen Kirche empfohlene Position und verwenden Sie als
Sozialschmarotzer lieber die "Löffelchen-Position" oder machen Sie es
gleich "Doggy-Style".
Dann müssen Sie am Telefon nicht lange herumschwindeln und können die Frage nach
"eheähnlich" gleich und guten Gewissens verneinen.
Und zum Schluss noch ein Rat meinerseits: "Fragen nach vorgetäuschten
Orgasmen, meist ebenfalls ein Indiz für "eheähnlich", brauchen Sie
natürlich nicht zu beantworten.

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