
Ab und an sollte man beim Vorwärtsfahren auch mal einen Blick in den
Rückspiegel riskieren, dazu sind diese Dinger ja schließlich auch da.
Während sich nun der BRD-Truck, beladen mit Arbeitslosigkeit,
Rentenproblemen, Soziallasten, Schuldenfallen, Hypotheken,
Generationskonflikten, Migrations- und Integrationsproblemen,
Bedarfsgemeinschaftsgemeinheiten, Heuschreckendiskussionsmaterial
und Postengeschacher schwerfällig aus rot-grünem Morast zu befreien sucht und sich in eine
ungewisse und entbehrensreiche Zukunft kämpft, habe ich mir mal die
Zeit genommen in den Rückspiegel zu sehen um zu ergründen, wie denn das
einst so flotte Gefährt in diese prekäre Situation geraten ist.
Können Sie sich noch erinnern, als die BRD-Regierenden voll
auf die EU und ihre Verfassung abgefahren sind? Mein Gott, was hat uns
der Joschka und der Gerd alles erzählt, wie gut es werden wird und wie
gut es uns allen gehen wird. Und dann haben plötzlich die Franzosen das
Ding nicht haben wollen. Kurz danach brannte halb Frankreich, in Paris
herrschte der Ausnahmezustand und den Joschka und den Gerd haben wir
die Fliege machen lassen.
Angefangen hat das Jahr 2005 wie allgemein üblich mit der
Neujahrsansprache vom
Bundesgerd. Damals hätte er sich sicher auch nicht träumen lassen, dass
es das letzte Mal ist, dass er seine Visionen unters fernsehende Volk
bringen kann.
Mitte
Januar (das war der Monat, in dem uns
Mosi verlassen musste) war dann
die Diskussion um die diversen Nebenjobs unserer Vollzeitpolitiker voll
entbrannt, bevor dies neben den Finanzlöchern vom Finanzhans zur
Bedeutungslosigkeit wurde. Der ehemaligen Vorsitzenden des
Finanzausschusses des Deutschen Bundestages, Frau Christine Scheel,
kann man nur noch wünschen, dass sie ihren Nebenjob bei der
Bausparkasse Schwäbisch Hall noch hat, denn im Bundestag hat es sich
zwischenzeitlich ausgefinanzausschusst.
Im Narrenmonat
Februar drehte sich dann fast alles um die verbotenen
Vaterschaftstests von
unserer Justizministerin Brigitte Zypries, um Kinder vor ihren
ungewollten Vätern schützen zu können und um die
befriedeten Bezirke, die unseren Staat in
Ermangelung anderer Möglichkeiten auf der Straße vor der Gefahr von
rechts bewahren sollten.
Wie die Sache mit den Vaterschaftstest konkret ausgegangen ist,
entzieht sich meiner Kenntnis, da ich altersbedingt aus dem Kreis der
Betroffenen bereits ausgeschieden bin. Aber die Maßnahmen gegen die
Gefahr von rechts haben anscheinend gewirkt, denn jetzt haben wir im
Bundestag eine Gefahr von links.
Im
März hat sich dann in einer spektakulären Aktion mit viel
Geplärr
und Geheule die Frau Simonis
von der Heide gemacht, während ihre Parteikollegin und
Familienministerin Renate Schmidt der erstaunten Presse den
„
Armutsbericht“ der
Bundesregierung vorstellen durfte. "Armut hat nicht nur mit Geld zu
tun", schrieb sie und ich wusste schon damals, dass man familiäre
Fachkompetenz nicht unbedingt mit der „Körbchengröße“ verwechseln sollte.
Rechtzeitig zum Saisonbeginn für Stangenspargel begann dann im
April
die alljährlich wiederkehrende Diskussion über ausländische
Erntehelfer und deutsche Arbeitsscheue, die noch immer nicht für Hungerlöhne das
liebste Gemüse der Deutschen aus der Erde zerren wollen.
Aber
das wird sich ja mit der EU-weiten Umsetzung der „Blödesteinrichtline“
zur Dienstleistungsfreiheit in 2006 auch bald ändern.
Außerdem war der Mai der Monat in dem die
Arbeitsmarktzahlen nicht nur witterungsbedingt
und saisonal schwankend schön gerechnet wurden, sondern die Kommunen
dem Superwolli auch noch ihre „arbeitsfähigen Lahmen und Siechen“
zugeschustert haben. Auch begann sich abzuzeichnen, dass die größte
„Reform“ des Arbeitsmarktes zum größten Flop der Geschichte werden
würde. Na ja, in der Zwischenzeit ist der Superwolli auch Geschichte
und hat was auf die Nuss gekriegt wie Wladi
Klitschko.
Im Wonnemonat
Mai schlugen neue Wörter ihre Wurzel in die deutsche Sprache. Der
Verkehrsmanfred stolperte und holperte über die „
Mautpreller“ daher und Angie „Missgriff“
Merkel stellte die Frage zum
Wort des Jahres 2005. Erwähnenswerte wäre
höchstens noch, dass der Finanzhans immer noch nach Erklärungen für sein stetig größer werdendes
Haushaltsloch suchte.
Wirklich
erwähnenswert ist vom Mai nur noch, dass bis heute einzig die Angie und die
Mehrwertsteuererhöhung über geblieben sind. Und die Kombination könnte
in 2006 und 2007 noch äußerst interessant werden und für die eine oder
andere Überraschung bei den kommenden Wahlen gut sein.
Der ereignisreiche
Juni stand ganz im Zeichen der vom Bundesgerd nach
der verlorenen Landtagswahl in NRW ersonnenen vorzeitigen
Neuwahlen und dem
Finanzchaosgipfel der Europäischen Union.
Seltsamerweise erinnerte sich dann der Gerd ausgerechnet jetzt (nach
fast sieben Jahren) an seinen
Amtseid und das
Rücktrittsgespenst
geisterte durch die Medien.
Wer nun gedacht hatte, das rot-grüne Sommertheater wäre nicht mehr zu toppen, der sah sich getäuscht.
Der
Juli, sonst ein Monat in dem regelmäßig die Kängeruhs aus den
Streichelzoos entfleuchen und Alligatoren in den Badeseen gesichtet
werden, hatte es diesmal in sich.
Beim chronisch klammen Finanzhans war ja nur noch die Frage, ob er trotz
Reichensteuer und der weiteren Verramschung von
Sondervermögen erst vom weiter ausufernden
Finanzloch verschlungen würde, bevor ihn die wachsenden
Schuldenberge unter sich begraben.
Mir persönlich wäre es eigentlich egal gewesen, denn beides wäre sicher
besser als einem solchen Versager auch noch mit einer stattlichen
staatlichen Pension alimentieren zu müssen.
Ab
August, sonst ein eher ruhiger und ereignisloser Monat, wenn man mal
von der Jahrtausendflut im Jahre 2002 absieht, machte sich dann unter
den Akteuren auf der politischen Bühne erste, für jeden bemerkbare
Hektik breit. Es wurde Wahl gekämpft und ein paar ganz Clevere
forderten noch rasch das
Stimmrecht für Kinder und
Lohnzuwächse für Arbeitnehmer, während die staunende Nation dem mit konkreten
Realitätsverlusten unterlegten Dampfgeplauder des Bundeskaspers in der
Wahlarena erleben durfte.
Birne Kohl trat in der Angelegenheit Pfahls gegen die Bundesrepublik
Deutschland in den Zeugenstand, konnte aber zur Klärung der Sachlage
herzlich wenig beitragen, denn keiner hatte ihm vorher gesagt, dass er
auch sein
Erinnerungsvermögen mitbringen soll.
Mit den
Arbeitslosenzahlen ging es weiter bergauf und mit der Gesundheit unserer Spitzenpolitiker
weiter bergab. Edmund Stoiber erlitt einen
Hirnriss der letztendlich seine
Versetzung an die Heimatfront zur Folge hatte und Franzl „Münte“
Fehring gönnte sich auf dem Weg zum Vizekanzler einen medienwirksamen
Schwächeanfall.
Und last but not least gab es wegen der
Vogelgrippe noch ein
Flugverbot über dem Reichstag.
Und dann im
September war es endlich so weit. Es sollte nun endlich neu
gewählt werden. Auf den
Wahlparteitagen wurde vor dem politischen
Aschermittwoch noch mal ordentlich Stimmung gemacht und vom Bürger
Vertrauen eingefordert,
während in den Medien schon mal vorsorglich die
Pensionen der Looser publiziert
wurden.
Mit dem parteiübergreifenden
Wahlgelaber ging es dann in die letzte
Runde Richtung
Wahl und
Wahlabend.
Und ich tat das einzig Sinnvolle, machte mir am 18.9.2005, dem
Schicksalstag der Republik einen schönen Abend und kehrte diesem
geschundenen Lande aus beruflichen Gründen erst mal den Rücken.
Rechtzeitig zur heißen Phase der
Kopulationsverhandlungen der verschiedenen
Wahlsieger betrat mein Fuß im
Oktober wieder vorsichtig deutschen
Boden. Die
Gerüchteküche wer wohl mit wem was macht, oder wohl was machen könnte oder wohl nix
machen wird, war heftigst am brodeln.
„Machopan“, hab ich mir gesagt, „halt du dich aus dem Hauen und Stechen
da raus. Behalte den Überblick und konzentriere dich auf die, die am
Ende übrig bleiben.“
Also hab ich mir mit ein bisschen Meckern über die
Nationalelf die Zeit vertrieben, über
die späten
Erkenntnisse der Frau Renate Künast gelästert und mich zum
Zeitvertreib über
Experten für Wirtschaft und
H5N1 lustig gemacht.
Man gönnt sich ja sonst nix.
Erst gegen Ende des Monats wagte ich einen ersten noch schüchternen
Kommentar zum
tumben Spiel,
das da in der Bundeshauptstadt dieser geplagten Nation gespielt wurde,
denn schließlich waren seit der Wahl ja schon fast sechs Wochen
vergangen und noch immer eierten die Beteiligten durch die Gegend und
schacherten um Macht und Pöstchen.
Anfang
November konkretisierten sich dann aus den personellen
Graben- und
Luftkämpfen die ersten Asse, Könige, Damen und Luschen einer
neuen Legislaturperiode heraus. Die begann dann auch gleich wie eine
Periode allgemein beginnt - mit Schmerzen im Unterbauch, allgemeiner
Unpässlichkeit und heftigen Kopfschmerzen. Und natürlich ging es wie
immer um das Eine – um
Geld.
Es wurde
gestrichen,
genullrundet und um den
Vize vom Vize vom Vize vom
Bundestagsvizepräsidenten gestritten, dass die Fetzen
flogen.
Von den Medien gänzlich unbeachtet vollzog sich jedoch eines der wichtigsten
Ereignisse dieser Republik:
Machopan gönnte sich endlich mal
Urlaub, während der Bundesköhler
nach langem Suchen einige
lobende Worte für den Bundesschröder fand.
Ach, das hätte ich jetzt fast vergessen.
Im
Dezember hat die Angie dem
deutschen Volke einen aufmunternden Brief geschrieben. Allein von dem
Briefporto hätte eine Familie mit 2 Kinder einige Jahrzehnte, ohne
einen Finger krumm zu machen, leben können.
Und am letzten Tag des Jahres bekam die Kanzlerin dann auch noch
kostenlos Sendezeit in den öffentlich-rechtlichen Propagandaanstalten
um ihr Märchen von den vielen selbstlosen Händen und Hirnen, die Deutschland wieder
auf Platz 1 in der europäischen Hitparade hieven, ans tumbe Wahlvolk zu
bringen.
Ich hab mich fast gekugelt vor Lachen, als die Angie mit Lesebrille und
gefalteten Händen wie die Häkeloma vor der Kamera saß und tapfer ihren
Text vom Monitor abgelesen hat.
Aber darüber schreib ich dann ein andermal.
Jetzt muss ich mich erst mal um den wirtschaftlichen Aufschwung kümmern und die Weihnachtsgeschenke umtauschen gehen.
Junge, Junge, da werden sich die Wirtschaftsweisen mit ihren Prognosen
aber wieder vor Zuversicht überschlagen und der Herr Pellengahr vom
Hauptverband des Deutschen Einzelhandels darf in den Medien wieder
einen seiner vielsagenden Kommentare zur Lage des deutschen
Einzelhandels loswerden.

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