Machopan - Rauchzeichen

28.08.2006 um 00:23 Uhr

Umzug

Der Renovierung folgt meist der Umzug. So auch in diesem Fall.

MACHOPAN zieht mit seinen Rauchzeichen um.

Ab dem 28. August 2006 gibt es den weiteren Schriftwechsel mit einem "Lieben Freund" nur noch bei www.machopan.com/rauchzeichen.

 

13.08.2006 um 15:30 Uhr

Renovierung

Wenn ein Ladenbesitzer sein Geschäft schließt, so geschieht dies normalerweise aus privaten oder geschäftlichen Gründen. Jeder Kunde kennt die meist an der Eingangstüre platzierten Nachrichten, die über geplante und ungeplante Schließungen informieren.

Betriebsurlaub/Betriebsferien vom .... bis ....“ gehören dabei zu den planbaren Auszeiten, die der Geschäftsinhaber seinen Kunden möglichst frühzeitig ankündigt, damit sie sich auf die Auszeit einstellen und ihre Versorgung mit Lebenswichtigem anderweitig organisieren können.

Auch „Wegen Umbau/Renovierung vom ... bis ... geschlossen“ gehört wie „Wegen Inventur am ... geschlossen“ in diese Kategorie der planbaren Stillstandszeiten an denen der Geschäftsinhaber auf Umsatz verzichtet während die Fixkosten weiterlaufen..

Selbst für kleinere Unannehmlichkeiten durch „Räumungsverkauf – 25% Rabatt auf alle Waren“ hätten sicher alle Kunden Verständnis, solange die Ladentür während der normalen Geschäftszeit offen ist. und der Verkauf weitgehendst ungestört weiter geht.

Dass „Aus familiären Gründen geschlossen“ beim überraschend vor verschlossener Tür stehenden Kunden zwar Ärger, aber auch ein gewisses Verständnis hervorrufen wird, weiß ich aus eigener Erfahrung. Außerdem gibt ein solches Schild Anlass zu den heftigsten Spekulationen über die Art der „familiären Gründe“ und daher sind solche Schilder an der Ladentür meist die Quelle hochspekulativer Gerüchte, die von der „überraschenden Schwangerschaft“ über „plötzliche Eheprobleme“ bis zu den „unerwarteten finanziellen Schwierigkeiten“ reichen können.

Etwas weniger Anlass zur Spekulation bieten dagegen Schilder wie „Wegen Geschäfts-/Betriebsaufgabe geschlossen“ oder „Wegen Todesfall geschlossen“, wobei es sich bei dem Todesfall (sofern es sich nicht um den Geschäftsinhaber handelt) um eine meist temporäre Schließung von kurzer Dauer handeln wird.

Wegen Betriebsstörung bis auf weiteres geschlossen“ lässt dagegen sowohl die Zeitspanne als auch die Ursache der Störung völlig offen und den lesekundigen Kunden weitgehendst im Unklaren über die kleinen und großen Katastrophen und Tragödien, die sich vor der Anbringung des Schildes hinter der Ladentür ereignet haben müssen.

Noch liegen und stehen die angebotenen Waren dekorativ im Licht der vollautomatisch gesteuerten Schaufensterbeleuchtungsanlage. Doch weiß man als draußenstehender Kunde nicht, was dahinter, im Dunkel des geschlossenen Ladens, wirklich geschieht. Die Zeit bis zum Auftauchen neuer Gerüchte, Nachrichten und Schilder an der Ladentür wird daher als Spekulationsfrist bezeichnet.
So ganz im Dunkeln meines nunmehr seit mehr als zwei Jahren täglich um 5:45 Uhr abrauchenden Wigwams möchte ich die Leser meiner „Rauchzeichen“ nun doch nicht lassen.
Daher habe ich mich zur Anzeige der Betriebsunterbrechung für „Wegen Renovierung bis auf weiteres geschlossen“ entschieden.

Renovierungsnachricht

Auch wenn ich am liebsten ein Schild mit riesigen Lettern
Wegen Umbau/Renovierung in Verbindung mit ungeplanter Betriebsstörung und einhergehender Geschäftsschädigung geschlossen
vor meinem Wigwam in den Boden rammen würde.
Genau an die Stelle wo zwischen Marterpfahl und Kriegsbeil die blutigen Skalps hängen. Wütend

Aber als friedliebender Indianer aus der hessischen Provinz werde ich wohl das Kriegsbeil nicht ausgraben, sondern meinen gewaltigen Ärger mit einer Flasche Feuerwasser ersäufen und den weißen Mann (gedanklich) an den Marterpfahl nageln, während ich darüber nachdenke, dass Indianer eigentlich Nomaden sind.

Deshalb bleibt dieser Blog „Wegen Renovierung bis auf weiteres geschlossen“.

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11.08.2006 um 05:45 Uhr

Das Merkeltief

Nach dem meteorologischen Sommerhoch mit Namen „Bruno“ befinden sich die Parteienlandschaft der BRddr nun im medienpolitischen „Merkeltief“.

Besonders schlimm scheint sich unter der Hitze der Reformschlachten wohl die Beliebtheitsskala der CDU verbogen zu haben. NUR noch 31% der befragten Wähler wollten der Partei ihre Stimme geben, der tiefste Stand seit der Kohl’schen Spendenaffäre. Außerdem soll auch noch der Kanzlerinnenbonus verflogen sein und die Partei ihr Profil verloren haben.

So, oder ähnlich liest man es derzeit in den Medien und aus Politikermund kommen plötzlich Worte, die sich anhören wie: „Es sei für die Menschen nicht sichtbar, ob die Partei einer Linie und Überzeugung folge und wenn ja, welcher. Die Gesundheitsreform und die Mehrwertsteuererhöhung würden von den Anhängern übel genommen. Die Union solle sich von Lebenslügen verabschieden und endlich zugeben, dass Steuersenkungen nicht automatisch für mehr Investitionen und Arbeitsplätze sorgten und die Bedeutung der Lohnkosten überschätzt werde.

Und wer schuld an diesem Desaster ist, kann der Leser aus den Medien auch gleich erfahren: „Die Kanzlerin, hat‘s verbockt“ und in der Beliebtheitsskala der Deutschen sind der Außenstürmer Frank-Walter Steinmeier von den „Roten Socken“ und  der Innenverteidiger  Wolfgang Schäuble von den „Black Panthers“ an ihr vorbeigezogen.

Nun hat der Frank-Walter natürlich ganz eindeutig die besseren Karten, denn seit er Außen rumstürmt, (das fällt zumindest mir auf) gibt es eine kriegerische Auseinandersetzung nach der anderen und es kracht und rumst an allen Enden.
Reiner Zufall?
Oder war das eher die schlechte Stabübergabe vom Vorläufer, dem Turnschuhjoschka?

Dem kläglichen Ruf des beräderten Innenwolfgang hat sicher die wochenlange Versammlung der schweinsblasentretenden Berufskicker auf bundesdeutschem Territorium gut getan, ohne dass es zu terroristischen Attacken gekommen wäre, wenn man mal von dem Scharmützel im Spiel Frankreich gegen Italien absieht. Positiv haben sich für den Innenwolfgang auch die gelockerten Beflaggungsvorschriften an Mobilen jeder Art und der neue „multikulturelle“ Patriotismus ausgewirkt.

Die Kanzlerin hatte es dagegen richtig schwer.
Erst hat die SUN ihren Hintern mit jeder Runzel publiziert. Dann sind ihr nach dem verlorenen Spiel gegen Italien vor laufenden Kameras die Gesichtszüge entgleist, als ihr wohl klar wurde, dass der Zug für den Aufschwung soeben vorzeitig den Bahnhof verlassen hat. Anschließend musste sie auch noch dem süffisant grinsenden Sieger Brodi (Berlusconi wäre noch schlimmer gewesen) die Flosse drücken und mit zitternden Lefzen Glückwünsche formulieren.
Und als ob das noch nicht genug wäre, kam es in der VIP-Loge bei der Umarmung des Franzl Beckenbauer noch zu einem längeren, fast intimen Beckenkontakt, der unter dem Motto „Kraft der Wende trifft Kraft der Lende“ in die Analen der Geschichte eingehen wird, auch wenn der Franzl nur wenige Wochen später eine Andere vor den Traualtar führte. Die erotische Nackenmassge vom Dubbeljuh Bush hat ihr dann noch den Rest gegeben.

Aber warum sollten wir kleinen Würstchen dieser Republik uns über die Rang- und Hackordnung unserer Politiker ernsthafte Gedanken machen?
Wird dadurch etwa die Politik besser?
Wird dadurch Bürokratie abgebaut oder die Steuererklärung einfacher?
Wird dadurch die Staatsverschuldung und das Finanzloch kleiner?
Werden dadurch Arbeitsplätze geschaffen oder sinken gar die Arbeitslosenzahlen?

Na also, sehen wir, als zahlende Zuschauer dieses Polittheaters in der Sommerpause, die Ereignisse doch ganz rational und unter rein sportlichen Gesichtpunkten.
Die Jungs und Mädels aus dem rot-schwarzen Turnverein sind angetreten um uns den eingesprungen doppelten Rittberger mit ganzer Schraube zu zeigen und bis jetzt ist nur ein verunglückter Purzelbaum mit halbherzigem Umfaller daraus geworden.
Und wie üblich hat das erstmal der Trainer verbockt.
Wir sollten jetzt einfach zuwarten, bis die Übung zu Ende geturnt ist und dann unser Wertungstäfelchen zücken.

Ich such derweil schon mal nach dem Täfelchen mit der Null drauf.

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10.08.2006 um 05:45 Uhr

Schmerz, Tränen und Blut

Um Jahrzehnte zurückversetzt könnte man sich fühlen, wenn man dieser Tage
die Schlagzeilen der Medien überfliegt ohne auf das Datum zu achten.

„Bereit für Schmerz, Tränen und Blut“ erinnert sicher nicht nur mich an "Blut, Schweiß und Tränen" die einst angekündigt und bejubelt wurden, um das Volk auf die tausendjährige Dauer (heute würde man das Nachhaltigkeit nennen) der allein glückselig machenden Regierungspolitik einzuschwören.

Auch wenn sich mancher Zeitgenossen beim Angriff der Israelis auf den Libanon an den "Fall Weiß" erinnert sieht, wird er sich instinktiv hüten, diesen Gedanken laut auszusprechen, oder gar zu Papier zu bringen.
Wie man Kritik am Staate Israel, seinen Politikern und seinen Militärs überhaupt noch formulieren darf, kann man in einem Knigge in der TAZ nachlesen.
Kurz gesagt: „Als Nachfahre eines nationalsozialistischen Wehrmachtsoffiziers haben Sie genauso die Klappe zu halten, wie als proarabisch denkender Deutscher der Neuzeit. Und außerdem erlaubt die für Europäer und speziell für Deutsche notwendige solidarische Haltung mit den „Gottesstreitern“ es nicht, den Staat Israel als Täter zu betrachten.“
Es ist noch keine 100 Jahre her, das sollte bei der Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ausdrücklich dafür Sorge getragen werden, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte”.

Interessant ist daher neben einem Blick in die Zukunft auch ein Blick in die Geschichtsbücher.
Nicht nur um das Verhalten der polnischen Verbündeten im „Fall Weiß“ nachzulesen und sie auf die Jetzt-Zeit zu übertragen, sondern auch um sich die Rolle der europäischen Staaten und ihre politischen Fehlentscheidungen bei der Entstehung des Staates Israel vor Augen zu führen.
Von den noch immer andauernden Irrtümern der USA wollen wir erst gar nicht reden.

Oder gehören Sie auch zu den Unbelehrbaren, die den Sonderstatus Israels in Frage stellen und seinen berechtigten Existenzkampf als puren Imperialismus betrachten?
Dann halten Sie sicher die jüngsten militärischen Aktionen der israelischen Armee weder für einen Angriffskrieg noch für einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht verbunden mit einer nicht-tolerierbaren Missachtung der Vereinten Nationen?

Dann müssen Sie sich wirklich fragen lassen, ob Sie unter Ihren Vorfahren nicht doch einen nationalsozialistischen Wehrmachtsoffiziers hatten.
Oder sind Sie vielleicht einer dieser proarabisch Denkenden?

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09.08.2006 um 05:45 Uhr

Kein schöner Land

„In the year 2525, if man is still alive, if woman can survive they may find ... „ mit dieser Frage beschäftigten sich Zager & Evans schon im Jahr 1969 und landeten mit dem gleichnamigen Song im Juli selbigen Jahres einen Number- One-Hit.

Längst hat man seit dem den Ernst der Lage erkannt und greift deshalb das Thema gesellschaftlicher Veränderungen und die Zukunft der Menschheit gerne auch von der wissenschaftlichen Seite auf. Teilweise kommen da ganz ordentliche Ergebnisse zustande, teilweise kann man die Ergüsse aber auch in den Mülleimer kippen, wo sie dann vor sich hin rotten, bis sie irgendein „Experte“ im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie einem medialen Recycling zuführt.

Am besten gefallen mir persönlich immer die Interpretationen und Auslegungen zu solchen Studien und Denkmodellen weil sich hier dann die Laien (früher sagte man auch Stümper dazu) mit meist gefährlichem Halbwissen ihr eigenes Disney- oder Legoland aufbauen.

Dieser Tage wieder geschehen im KulturSPIEGEL:
«Die Redaktion des KulturSPIEGEL hat das Szenario der Heidelberger Sozialforscher weitergeführt, sich dieses neue Land ausgemalt, seine Bewohner und ihr Leben beschrieben - als Gedankenspiel und als Inspiration, sich ein eigenes Bild zu machen von einer Zivilgesellschaft und ihren Bürgern»
Prädikat: Für Menschen im Vorschulalter durchaus lesenswert.
Freigegeben bis 6 Jahre.

Leider stehen die geistigen Ergüsse der Redaktion des KulturSpiegel im entsprechenden Artikel ziemlich weit hinten unter dem Titel „Deutschland im Jahr 2020“, aber man sollte sich schon den ganzen Artikel von Anfang bis Ende durchlesen um die Lernresistenz der Redaktion zu erkennen. Außer die Gedanken der Redaktion sind satirisch gemeint und ich bin einer der Leser, der ihnen auf den Leim gegangen ist.

Wie auch immer, nach Ansicht des KulturSpiegels stellt sich im Jahre 2020, etwa 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, die Situation wie folgt dar (Auszug):
«Im Jahr 2020 ist der Alltag der Menschen sehr viel weniger reglementiert. Und wo der Staat sich zurückzieht, da entsteht Raum für die Bürger - zumal sich gut ausgebildete Menschen keinem starren System mehr unterwerfen. Alle Lebensgemeinschaften sind rechtlich gleichgestellt. Die mehr als 100.000 Steuervorschriften wurden durch ein Stufenmodell ersetzt, und man kann durch soziale Arbeit seine Steuerlast mindern.
Die Übergänge von Arbeit zur Rente zum Ehrenamt sind fließender geworden. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, da die Menschen besser qualifiziert sind und Deutschland seinen Status als Exportweltmeister von Hochtechnologie gefestigt hat. Weil Bildung als Grundlage von Innovation und Innovation wiederum als gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird, wurde massiv in Schulen und Universitäten investiert - vom Staat, von der Wirtschaft und den Bürgern.
Es gibt genügend Ganztagsschulen, das dreigliedrige Schulsystem wurde durch eine überarbeitete Idee der Gesamtschule ersetzt. Förderstunden für schwache Schüler werden von Elterninitiativen übernommen. Es ist außerdem üblich geworden, dass Eltern sich in der Schule engagieren - in Projektgruppen oder als Botschafter für ihre Berufe. Bei der Pisa-Studie im Jahr 2020 steht Deutschland auf Platz 2.
Das Entscheidende ist: Im Jahr 2020 haben die Menschen eine Art kollektives Bewusstsein entwickelt - sie fühlen sich als Teil von etwas, als Teil ihres Landes, ihres Unternehmens (das den Mitarbeitern zwecks Förderung der Kreativität größere Freiräume gibt), ihrer Gruppe. Allerdings spricht man nun vom "Schwarm", in dem Gleichgesinnte sich zusammenfinden. Zukunftsforscher glauben, dass das Modell der Kleinfamilie im Jahr 2050 vom Schwarm, der aus dem selbstgewählten Freundeskreis besteht, endgültig abgelöst sein wird»

Der Schwarm meiner Jugend waren die Beatles, die Pinup-Girls aus dem Playboy und die frühreife Tochter meines Fußballtrainers. Die Beatles wurden reich und sind teilweise schon tot, die damaligen Pinup-Girls aus dem Playboy haben sich ihre Silikonkissen wieder entfernen lassen und die frühreife Tochter meines Fußballtrainers ist zur Matrone mit ausgeprägter Oberlippenbehaarung mutiert, wie ich bei einem der letzten Klassentreffen mit Erschrecken feststellen musste.
Nur ich habe mich (anscheinend) nicht verändert!

Doch zurück zum eigentlichen Thema.
Obwohl der Staat bei seinem fluchtartigen Rückzug nur verbrannte Erde zurücklässt, denn er zieht sich nur dort zurück wo für ihn nichts mehr zu holen ist, wird nach den Vorstellungen der Redaktion des KulturSPIEGEL aus dieser verkohlten, geschröderten und ausgemerkelten bundesdeutschen Erde binnen kurzer Zeit  ein „Wunder der Prärie“ entstehen.
„Die Wüste lebt“ meinen die Visionäre und beschreiben unter dem Titel „Disney Land“ munter den dritten und vielleicht letzten Teil des bundesdeutschen Epos neuer deutscher Zeitrechnung.

Die real existierenden 5 Millionen Arbeitslose und Sozialschmarotzer (Tendenz steigend) haben darin selbstverständlich keinen Platz finden können. Sie haben sich entweder selbst als Arbeitnehmer eingestellt oder sind im Rahmen der Entwicklungshilfe zur dauerhaften Befriedung des Iraks bei der Ausübung ihres Berufs für Volk und Vaterland im Felde geblieben. Ein kleiner Rest Drückeberger hat sich rechtzeitig selbst vom Acker gemacht und sich dem Dienst am Vaterland durch Flucht ins Ausland oder gleich in die ewigen Jagdgründe entzogen.

Vor die Wahl gestellt, haben die rüstigen Rentner die Zeichen der Zeit erkannt, haben im Interesse der Nation ihren Widerstand gegen sozial- und umweltverträgliches Ableben aufgegeben und waren mit der Verschickung in Ferienlager der Sahelzone einverstanden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann „walken“ sie dort noch immer gruppenweise durch die Gegend und spielen „weiße Massai“.

Die PISA-Kinder von heute haben auf wundersame Weise den Übergang von der Klingeltonerkennung und dem gezischelten „isch“ zum innovativen Spezialisten für Kommunikationstechnologie und biometrische Spracherkennung geschafft.
Nachdem das Motto „Kinder an die Macht“ erfolgreich in „Macht wieder Kinder“ umdefiniert und der Besitz von Verhütungsmitteln unter Todesstrafe gestellt wurde, ist es trotz der nicht vorhandenen Kindergartenplätze und dem einer eigenen Zeitrechnung unterliegende deutschen Schulsystem innerhalb von wenigen Jahren gelungen, die durch staatliche Natursprungprämien gestiegene Geburtenrate durch den Engpass der Ausbildungsstellen zu manöverieren.
Und das trotz der zur Profitoptimierung in Niedriglohnländer abgewanderten „Global Player“ und Zuwanderung der „Working Poor“, die dort von den Früchten ihrer Arbeit nicht mehr leben konnten.

Nur zu Ihrer Erinnerung, bevor Sie zum Schwärmen abheben – wir schreiben (noch) das Jahr 2006.

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08.08.2006 um 05:45 Uhr

Schwulenstrich

Auf den ersten Blick sind nur die fehlenden Strichchen auf dem „u“ als Unterschied zwischen „schwül“ und „schwul“ zu erkennen. Doch während die ganze Nation unter der Schwüle leidet, leidet die Bundeswehr zunehmend unter den Schwulen.

Zumindest scheint das der junge Minister für Verteidigung zu glauben und will jetzt seine Jungs auch außerhalb der Kaserne vor der schwul-warmen Szene schützen:
«Künftig will das Bundesverteidigungsministerium Soldaten auf Dienstreisen nicht mehr in Hotels in der Nähe von Schwulenbars schicken. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein Schreiben an den Petitionsausschuss des Bundestages. Anlass für das Schreiben ist dem Bericht zufolge der Protest eines Hotels in der Kölner Innenstadt. Die Bundeswehr hatte das Hotel vor einigen Monaten aus ihrem Hotelverzeichnis gestrichen. Die Begründung: Die Soldaten auf Dienstreise hätten wegen knapper Parkplätze den Weg zum Hotel zu Fuß zurücklegen müssen und seien daher in der Nähe der Schwulen-Szene zu sehen gewesen.
Den Soldaten könne aber  keine Unterkunft in einem Viertel zugemutet werden, das der homosexuellen Szene mit «einschlägigen Lokalen» zuzuordnen sei », schreibt die Netzeitung.

Nun kann ich mich dumpf daran erinnern, dass die Bundeswehr vor Jahren schon einmal heftig Ärger mit der Kölner Schwulenszene und den Strichchen auf dem "u" hatte, als „"Günter oder Jürgen, auf jeden Fall etwas mit ü von der Bundeswehr" auf der Suche nach Gleichgesinnten durch die Kneipen "TomTom" und "Café Wüsten“ zog und wenig später anhand von Zeugenaussagen von der Kölner Kriminalpolizei als stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber und Vier-Sterne-General Günter Kießling identifiziert wurde, worauf ihn der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner als „Sicherheitsrisiko“ einstufte  und die vorzeitige Entlassung des Generals wegen seiner angeblichen Homosexualität verfügte. In der folgenden Hexenjagd verhörte Verteidigungsminister Wörner persönlich obskure Zeugen aus der Kölner Schwulenszene und ließ prüfen, ob General Kießling das „Duschen der Soldaten persönlich beaufsichtigt habe“.

Dazu muss wissen, dass das Militär damals die Schwulen offen verabscheute und ihnen unterstellte, dass diese auch am Feind Gefallen finden könnten und mit ihm im Ernstfall kollaborieren oder gar kopulieren würden.
Während es sich heute schickt, ja geradezu zum guten Ton gehört, sich bei der Übernahme eines öffentlichen Amtes zum Wohle der Nation zu outen und mit „ich bin schwul und das ist gut so“ seine Verfassungstreue und Verteidigungsbereitschaft unter Beweis zu stellen, weiß jeder gediente Wehrpflichtige, dass die Bundeswehr zwar schon immer ein Ort war, wo sich „harte Kerle in Uniform, mit kurzen Haaren und Stahlhelm  ganz ihrer Lust hingeben“ und in gleichgeschlechtlich belegten Mehrbettzimmern zur Förderung der Kameradschaft kaserniert sind.
Das heißt aber noch lange nicht, dass auf den Zimmern oder im Gelände gleichgeschlechtlich gekuschelt werden darf.
Zwar werden die über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Immobilien der Bundeswehr verwaltungstechnisch gerne als Standort oder Liegenschaft bezeichnet, aber alleine daraus sollte der militärische Laien nicht auf einen permanenten Erregungszustand der Soldaten und überwiegend im Liegen schaffende Einheiten schließen, auch wenn sich unter der weiblichen Bevölkerung hartnäckig das Gerücht hält, dass bei der Bundeswehr aus Weicheiern harte Kerle gemacht würden.

Vor diesem Hintergrund hat der Minister für vereidigte Verteidigung schon Recht, wenn er den guten Ruf, der seinen harten Jungs vorauseilen könnte, vor den Begehrlichkeiten der örtlichen Schwulenszene und einer damit möglicherweise verbundenen schlechten öffentlichen Meinung schützen möchte.
Es gibt in Köln doch genug bundeswehreigene Übernachtungsmöglichkeiten mit ausreichend Parkraum auch für (militärische) Großfahrzeuge. Da müssen uniformierte Angehörige der Bundeswehr doch nun wirklich nicht den Ungemach eines langen Fußmarsches vom Parkhaus zum innerstädtischen Hotel mitten durch schwulenverseuchtes Feindesland in Kauf nehmen.
Übernachtungen in der Butzweilerkaserne, Butzweilerstraße 25 oder in der Konrad-Adenauer-Kaserne in der Brühlerstraße 300 sind doch sicher auch ganz schick. Notfalls könnte sicher auch noch zur Offizierheimgesellschaft Wahn e.V. im Fliegerhorst oder zur Unteroffizierheimgesellschaft am Militärring 1000 ausgewichen werden, um ganz legal unter Gleichgesinnten nächtigen zu können.
Wenn es sein muss, gerne auch im gewohnten Mehrbettzimmer.
Oder sollte es tatsächlich eine Dienstvorschrift geben, nach der die Sterne auf der Schulterklappe eines Bundeswehrangehörigen in direktem Zusammenhang mit den Sternen des Übernachtungsbetriebes stehen müssen?

Die Grünen haben übrigens gegen die Pläne des Verteidigungsministerium protestiert. Sie (die Pläne) seien nicht nur diskriminierend, sondern «an Spießigkeit und Lächerlichkeit kaum zu toppen», teilte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, in einer Pressemitteilung mit. Laut Beck ist die Hotel-Streichung daher ein Fall für das neue Gleichbehandlungsgesetz.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Aspekt bisher so nicht bewusst. war. Dass jetzt auch Hotels unter das „Gleichbehandlungsgesetz“ fallen, meine ich.

Nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung sind die für einen  militärischen Führer unverzichtbaren Eigenschaften,
eine sittliche Grundhaltung, politisches und ethisches Urteilsvermögen, diplomatisches Fingerspitzengefühl, Charakterstärke sowie das gewissenhafte Eintreten für die Werte des Grundgesetzes“ (*Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich des Beförderungsappells der Universität der Bundeswehr München am 28. Juni 2006 in Neubiberg)

Meinen Sie nicht auch, dass es einem Bürger in Uniform mit derart herausragenden Charaktereigenschaften ein Leichtes sein wird, vom Parkplatz seines Fahrzeugs an den Schwulenbars der Kölner Innenstadt vorbei zu seinem Hotel gehen zu können, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen oder gar den Verführungen des Milieus zu verfallen, wie man es dem Vier-Sterne-General Kießling unterstellt hat?

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07.08.2006 um 05:45 Uhr

Tanktourismus

Normalerweise weicht ja ein deutscher Autofahrer nicht aus!
Nicht wenn er Recht hat!
Und Recht hat der deutsche Autofahrer eigentlich immer!
Egal ob er von rechts kommt oder links fährt, egal ob er rast oder reist, egal ob beim Einparken oder beim Ausparken.

Doch jetzt gibt es eine zunehmende Anzahl Abweichler. Ausgerechnet beim Tanken weichen die Weicheier jetzt aus. Normalerweise würden sich dafür nur die Mineralölkonzerne interessieren und bei ihren „Preisgestaltungsabsprachen“ entsprechend reagieren, um Umsatz und Profit weiterhin im tiefgrünen Bereich zu halten.
Auch dem Finanzminister wäre es vollkommen gleichgültig, welcher Sprit dem Tiger in den Tank gefüllt wird, weil Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer ja markenneutral sind.

Deutsche Autofahrer weichen beim Tanken auf das Ausland aus, weil dort Sprit deutlich billiger ist – in Polen sogar um fast 30 Cent.“ schlug mir dieser Tage die Schlagzeile einer bekannten Tageszeitung aufs aufschwunghungrige Gemüt.
Ich habe es ja gleich gewusst, dass wir mit der EU-Osterweiterung noch viel Freude haben werden. Denn mit diesem Billigsprit ist es den Polen möglich, auf mehrfache Art und Weise von der EU zu profitieren.
  • a-tens ist es einem polnischen Billiglöhner möglich mit einer Tankfüllung seines Lada bis ins Elsass oder die nordrheinische Tiefebene vorzudringen um dort die Preise deutscher Handwerker zu unterbieten und nach getaner Arbeit ohne zu tanken wieder ins Heimatland zurückzukehren.
  • b-tens wird die Kaufkraft deutscher Autofahrer mit Lockangeboten über die Grenze in die Kassen polnischer Tankstellen gesaugt, was zu höheren Steuereinnahmen und der Schaffung vieler Arbeitsplätze führt – in Polen natürlich. Auf der deutschen Seite aber bleiben die Tankstellen auf ihrem teuren Sprit sitzen und müssen zwangsläufig Arbeitsplätze abbauen.
Das ist so eine Art Miniglobalisierung im grenznahen Bereich und normalerweise hätte sich niemand (außer den betroffenen Arbeitnehmern und Tankstellenpächtern) dafür interessiert, denn den Öl-Multis ist es letztendlich egal auf welcher Seite der Grenze sie den Sprit in den Tank füllen lassen.
Dass das Thema jetzt so in den Medien hochkommt, hat nur einen einzigen Grund: „Dem klammen Finanzpeer drohen durch entgangene Ökosteuer, Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer weitere Steuerausfälle in Milliardenhöhe, denn ca. 70% des Spritabgabepreises bestehen aus Steuern. Außerdem werden durch die Ausweichmanöver der deutschen Autofahrer im grenznahen Bereich die geplanten Mehreinnahmen aus der Erhöhung der Mineralölsteuer auf Bio-Diesel und die Mehrwertsteuererhöhung auf 19% teilweise wieder aufgefressen.

Und wie immer, wenn die Steuerzahler flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und eine logische, aber für den Staat nachteilige Verhaltensweise an den Tag legen, wird nun von amtlicher Seite laut darüber nachgedacht, wie man das Geld der Bürger wieder in die Staatskasse holt.
PKW-Maut für alle“, rufen die üblichen Scharfmacher, „damit die Fahrt zur Tankstelle generell teurer wird.“
Benzingutscheine, Tankausweise oder Chip-Karten für verbilligten Spritbezug für die Bewohner der Grenzregion“, fordern dagegen Lokalpolitiker
Steuersenkung“ blöken bundesweit einige Unverzagte, die die Hoffnung in dieser Republik noch nicht gänzlich aufgegeben haben.

Dagegen setzt die Bundesregierung auf eine „Steuerharmonisierung innerhalb der EU“ und das kann eigentlich nur bedeuten, dass die Polen ihren Sprit verteuern müssen.
Oder glauben Sie ernsthaft daran, dass der Finanzpeer die Steuern auf Mineralöl senkt?

Aber es wird noch dauern, bis die Polen ihre Spritpreise anheben, denn die polnischen Kartoffelmoppelchen, Lech und Jaroslav, sind momentan ja nicht besonders gut auf die deutsche Bundesregierung zu sprechen. Wer hätte wohl gedacht, dass ein Artikel in der TAZ den deutschen Fiskus so richtig teuer zu stehen kommen würde.

Unter diesen Rahmenbedingungen habe ich ein Geschäftsmodell entwickelt, das dem geplagten steuerzahlenden Individuum auch in diesen schwierigen Zeiten ein Überleben ermöglicht und so ganz nebenbei die Vorteile der grenznahen Globalisierung erschließt:
 
Denn während ich arbeite um genügend Geld für die kranken Kassen, die öffentliche Hand, die Löcher im Staatshaushalt und die Langzeitfaulenzer zu verdienen, fährt ein extra von mir angestellter 1-Euro-Jobber mit meinem Auto nach Polen um dort den Tank (90 Liter) und einen Reservekanister (20 Liter) mit Superbenzin zu füllen.
Nicht nur, dass diese Art der Arbeitsteilung zusätzliche Arbeitsplätze schafft und sichert, allein die finanzielle Ersparnis einer Tankfüllung und der mitgebrachten Stange Zigaretten versetzt mich in die Lage die drohende Versorgungslücke bei meiner Altersvorsorge zu schließen.

Und so subventionieren die Polen mit ihren niedrigen Spritpreisen die Altersvorsorge eines älteren deutschen Arbeitnehmers.
Das ist endlich mal Globalisierung wie sie mir gefällt!

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04.08.2006 um 14:11 Uhr

Ein Korken für die Geier

Politik ist neben Sport, Wetter, Autos, Beruf und Sex eines der beliebtesten Gesprächsthemen an den Stammtischen dieser Republik, auch wenn die Gewichtung je nach Stimmungslage,  Gemütszustand und Promillegehalt der Teilnehmer stark variieren kann und auch sicher auch regionalen Schwankungen unterworfen ist.

Ab und an ist es mir aus beruflichen Gründen vergönnt, in kleineren Gaststätten oder Kneipen die ich gezwungenermaßen zwecks Nahrungsaufnahme aufsuche, von diesen Stammtischen durch reines Zuhören ein repräsentatives Bild über die Stimmungslage in unserm Lande zu erhalten.
Lassen Sie es mich kurz und prägnant auf einen Nenner bringen: „Es sieht nicht gut aus.“

Auch wenn man eher zu den gemäßigten Zeitgenossen gehört und Bürgerverdrossenheit nicht mit Volkzorn gleichsetzt, muss man an den Stammtischen einen stark zunehmenden Trend zur Gewaltbereitschaft feststellen. Das Gewaltpotenzial ist beachtlich und wenn es so weiter geht, werden wir aus den Medien bald die ersten Reisewarnungen für Politiker entnehmen können.

Bei einer der letzten Diskussionen, die ich unlängst im Großraum München mitanhören durfte und die sich innerhalb einer guten Stunde von Schicksal des Bären Bruno, der EU-Reglementierungswut, der bundesdeutschen Gesundheitsreform und der zur Gesundung der Staatsfinanzen benötigten Steuererhöhungen schließlich zur Frage bewegten: „Ticken die in Berlin eigentlich noch richtig?“
Da man sich bei der Beantwortung dieser Frage über alle Partei- und Standeszugehörigkeiten rasch einig war, konzentrierte sich der weitere Gesprächsverlauf auf die Ergründung der Ursachen und beschäftigte sich mit der Frage, warum Politiker die einfachsten Dinge nicht verstehen oder verstehen wollen.

„Stellt euch mal vor“, meinte schließlich einer der  Stammtischteilnehmer, vermutlich einer der im Dorf ansässigen Arzte, „unser Staat wäre ein Mensch, ein ganz normaler Mensch mit all den Organen, Sinnen und Gefühlen die letztendlich einen Menschen vom Affen abheben. Da gibt es einen Kopf der denkt, Augen die sehen, einen Mund der spricht, eine Lunge die beatmet, eine Verdauungstrakt, der seinen Aufgaben mehr oder minder effizient nachkommt und Extremitäten die dafür sorgen, dass der Körper sich bewegen kann und nicht umfällt. Und jetzt nehmen wir mal an, dass der Mund Kaviar zu sich nimmt und dem Verdauerungstrakt zuführt. Die Sinne melden dem Kopf „wir essen Kaviar“ und der Kopf denkt „prima, uns geht es gut“. Dann rumort und rumpelt es einige Zeit im Verdauungstrakt und irgendwann wird das Ergebnis mit dem Kommentar „Hier kommt der angekündigte Kaviar“ ausgeschieden.

„Aber das ist doch Scheiße“, meinte darauf einer der Zuhörer.

„Genau!“, lachte der Arzt und fuhr fort, „biologisch und medizinisch gesehen ist das ein Stoffwechselvorgang und jeder Mensch erlebt das meist täglich. Aber unserem Staatskörper ist das nicht mehr bewusst. Der Kopf hat das vergessen, verdrängt, ignoriert, was auch immer und behauptet, dass das Ergebnis der Ausscheidungen seines Staatskörpers nach wie vor Kaviar ist. Wie sonst kann man sich Sätze aus Politikermund wie „uns kann es gar nicht schlecht gehen, schließlich sind wir Exportweltmeister“ erklären. Dabei leidet der Staatskörper seit Jahrzehnten an Störung des Verdauungstrakts, angefangen von fürchterlichen Blähungen über anhaltende Verstopfungen und chronischer Diarrhoe, die sich zunehmend zum Blutigen Durchfall verschlimmert hat.“

„Aber das ist doch eine Katastrophe“, unterbrach ihn einer der Zuhörer.

„Du sagst es“, meinte der Arzt; nahm einen großen Schluck aus seinem Bierglas und wischte sich die Mundwinkel mit dem Handrücken ab.
„Meinst du es gibt noch Hoffnung, dass der Staatskörper wieder gesund wird und weniger Scheiße produziert?“, wollte einer der Zuhörer wissen, der sich dabei fast verschwörerisch den Tisch beugte.
„Das kommt darauf an, ob dem Kopf des Staatskörpers bewusst ist, dass er krank ist“, meinte der Arzt nach eine kurzen Pause, „aus medizinischer Sicht ist es wichtig, dass der Patient seine Lage erkennt und bereit ist sich behandeln zu lassen. Gegen seinen Willen kann man keinen Patienten behandeln. Man könnte einen solchen Patienten, der offensichtlichen jeden Realitätsbezug verloren hat und dabei auch noch einen hilflosen Eindruck macht, zwar auch gegen seinen Willen in eine Psychiatrische Anstalt einweisen und unter Vormundschaft stellen. Aber mach das mal mit einem Staatskörper“.

Danach herrschte betretenes Schweigen am Stammtisch bis es aus einem der Zuhörer, der Kleidung nach offensichtlich ein Handwerker, herausbrach: „Wir brauchen einen Korken!“
„Was für einen Korken?“, wollten die anderen unisono wissen.
„Einen Korken, den wir dem Staatskörper in den Arsch stecken damit die Scheiße endlich auch mal bis zum Kopf hochsteigt.“
Mit einem „ja, genau wir verkorken die Berliner Flaschen und dann machen wir noch ....“ und mehreren Faustschlägen, die auf die Tischplatte des Stammtisches donnerten und den in der Mitte stehenden großen Aschenbecher mit der Aufschrift „Hier sitzen die, die immer hier sitzen“ zum Hüpfen brachte, verließ die Diskussionsrunde den für die Allgemeinheit erwähnenswerten Themenbereich und wandte sich lokalen Problemstellungen zu, bei denen sich mir allerdings, das muss ich zu meiner Schande gestehen, der weitere intellektuelle Zugang verschloss.

Aber die Idee mit dem Korken für die Geier in Berlin geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

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03.08.2006 um 05:45 Uhr

Zwischenbilanz

Bevor er sich in die parlamentarische Sommerpause verzog, hat der 16. Bundestag noch rasch sein Werkeln zum Wohle des Volkes in Zahlen auf die Internetseiten des Deutschen Bundestages erbrochen.

«Seit 18. Oktober wurden 209 Gesetzesvorhaben eingebracht, wovon die Abgeordneten 167 in erster von insgesamt drei Lesungen behandelt haben. Außerdem wurden 91 Gesetze verabschiedet. davon sind 50 bereits verkündet, also schon in Kraft getreten.»

Sicher finden Sie es auch so schön wie ich, dass die Abgeordneten für ständigen Nachschub an Gesetzen sorgen und den Bürgern auch während den Parlamentsferien nicht langweilig werden wird.

Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass ich von der schwarz-roten Regierung mehr erwartet hätte, denn gemessen an der Leistung der rot-grünen Jungs und Mädels ist das echt wenig.
Ob Sie es glauben oder nicht, aber die haben in der 15. Wahlperiode 760 Gesetzesvorlagen eingebracht und 400 verabschiedet. Und dabei waren die Genossen um den Bundesgerd auch noch vollauf damit beschäftigt durch vorgezogene Neuwahlen um ihren Verbleib an der Macht zu sorgen. Das hat, wie wir alle wissen, nicht ganz geklappt, aber das macht ja nix, denn ob Rot-Grün oder Rot-Schwarz, wichtig ist ja nur, dass erfolgreiche Politik weiterhin nur an der Quantität der Gesetze gemessen werden kann.

Und kommen Sie mir jetzt ja nicht mit irgendwelchen Qualitätssicherungsmaßnahmen!
Denen müssten die Politiker aus tiefster Überzeugung mit aller Kraft entgegen treten

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02.08.2006 um 05:45 Uhr

Sieg Heil

Die Agence France Presse GmbH (AFP) meldet am 28. Juli 2006, exakt um 15:43, dass Unbekannte im Wald von Pretzien rechtsradikale Parolen gegrölt haben.
«Unbekannte sollen am Dienstagabend mehrfach Parolen wie „Sieg Heil“ gerufen haben. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Ermittler suchen in diesem Zusammenhang nach Zeugen, die Hinweise zu den Tatverdächtigen geben können.»

Ich kann zwar zu dem gegrölten „Sieg Heil“ nicht viel sagen, außer der Vermutung, dass es sich dabei hoffentlich nicht nur um ein vom Abendwind verwehtes „Ski Heil“ oder gar um ein „Waidmanns Heil“ gehandelt hat.
Wäre doch ziemlich peinlich für die Staatsanwaltschaft, wenn sie nach monatelangen Ermittlungen den Herrn Oberförster aus dem Unterholz vor die Schranken des Gerichts zerren würde.

Aber ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie am Dienstag in der Arbeitsagentur einer süddeutschen Großstadt ein Arbeitsloser, dessen Antrag auf Irgendwas gerade abgelehnt worden war, hinter dem Rücken des Sachbearbeiters „Scheiß Hartz“ geflüstert hat.
Sollten die Ermittler in diesem Fall wegen des Verdachts auf Verwendung staatsgefährdenden Sprachguts nach Zeugen suchen, die Hinweise auf den Tatverdächtigen geben können, so stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich es anstelle, dass die Meldung von der AFP Agence France-Presse GmbH verbreitet wird.
Oder macht das die Staatsanwaltschaft bei solch wichtigen Fällen automatisch?
Dann sag ich schon mal ein aufrichtiges "Waidmanns Dank“.

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01.08.2006 um 05:45 Uhr

Digitale Identität

Nachtigall ick hör dir trapsen“ könnte man denken, wenn man ein bisschen über die jüngste Erklärung der Frau Annette Zeisig, ähhh Ziesig nachdenkt, ist doch die Frau Ziesig Sprecherin des Bundesinnenministeriums.
«„Zu keinem Zeitpunkt hat das Bundesministerium des Innern die Frage aufgeworfen, inwiefern sensible Körpermerkmale kommerziellen Anbietern offen stehen sollen.“ Weder beim ePass, den die Einwohnermeldeämter seit November mitsamt einem darauf gespeicherten digitalen Gesichtsbild ausgeben, noch beim elektronischen Personalausweis „war je geplant, biometrische Daten kommerziellen Anbietern zugänglich zu machen“. Auch von seiten der Wirtschaft sei zu keinem Zeitpunkt ein entsprechender Wunsch an ihr Haus herangetragen worden. Biometrische Daten würden ausschließlich für hoheitliche Zwecke gespeichert und ausgelesen» steht bei Heise-Online zu lesen.

Nun ist es ja normalerweise ja eher unüblich, dass sich die Sprecherin eines Ministerium zu Dingen äußert, an die das Ministerium noch nicht einmal im Traum gedacht haben will.
Dennoch tauchen in regelmäßig unregelmäßigen Zeitabständen immer wieder Gerüchte über die kommerziellen Verwertung personenbezogener Daten aus den biometrischen Ausweisen auf. Darauf angesprochen meinte die Frau Ziesig, dass derartige „Gedankenspiele“ und „Denkmodelle“ erlaubt und notwendig wären, um die Machbarkeit mehrerer "Geschäftsmodelle" rund um den eAusweis "zeitnah transparent diskutieren zu können".

Nachtigall ick hör dir doch trapsen!“.
Besonders wenn ich mich an andere Statements aus dem Ministerium des bunten Innern erinnere. So hatte sich erst  Anfang des Jahres 2006 der Staatssekretär im Innenministerium, Bernhard Beus (nicht zu verwechseln mit dem Partner von Bianca aus dem Walt Disney Film „Die Mäusepolizei") sich für die vielfältigen Möglichkeiten begeistert, die durch das Auslesen der biometrischen Daten der einfältigen Bürger aus dem epass möglich werden:
Denken Sie nur an die Kontoeröffnung, Paketabholung oder das Einchecken im Hotel, bei denen regelmäßig der Personalausweis zur Legitimierung benötigt wird. Ihr Geschäftspartner vertraut hier einem staatlichen Identitätsdokument, mit dem Sie die Personalien nachweisen können, die für den jeweiligen Geschäftprozess benötigt werden. Die für den Geschäftvorgang jeweils benötigten Identitätsdaten könnten dann "aus dem Chip ausgelesen und dem jeweiligen Geschäftspartner übermittelt werden“.

Daran will ich lieber nicht denken und das nicht nur weil ich weiß wie rasch man elektronische Daten kopiert, modifiziert, manipuliert, extrahiert  und damit identifiziert, recherchiert, intrigiert, fingiert und denunziert.
Schneller als Ihnen jemand ein X für ein U vormachen kann, ist da aus einer Null eine Eins gemacht.
Und hinterher soll es dann doch wieder die Lerche gewesen sein..

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