Machopan - Rauchzeichen

10.02.2004 um 05:45 Uhr

Abtritt

Frei nach Berthold Brecht (Hauspostille 1927) ist der Abtritt „ein Ort der Demut, dort erkennst du scharf, dass du ein Mensch nur bist, der nichts behalten darf“.
Und weiter führt Brecht aus, „dass dies ein Ort sei, wo man zufrieden ist, weil drüber Sterne sind und drunter Mist“.
Aber auch „ein Ort, wo man, in dem man leiblich ruht, sanft, doch mit Nachdruck, etwas für sich tut. Ein Ort der Weisheit, wo du den Wanst für neue Lüste präparieren kannst“

Im Eintrag zu „Abtritt“ findet sich in Grimms Deutsches Wörterbuch auch Wörter wie „Gelegenheit“, „Abort“ und „Ausgang“.

Hat Gerhard Schröder mit seinem Abtritt als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die Gelegenheit zum Ausgang genutzt? Oder will er nur etwas für sich tun und den „Wanst“ für neue Lüste präparieren?

«Führungswechsel an der SPD-Spitze» meldet am 6.2.2004 die Frankfurter Rundschau.
«Schröder gibt Parteivorsitz ab / Scholz legt Amt als Generalsekretär nieder»

Ich muss gestehen, dass mich das irgendwie überrascht hat.
Nicht bei Scholz, denn da war seit dem letzten Parteitag in Bochum klar, dass seine Tage gezählt sind und er die Flatter machen wird. Aber bei Schröder hätte ich „jetzt“ noch nicht damit gerechnet.  Ich hätte eher gedacht, dass er den Kopf runter nimmt wie ein Stier, die Ärmel hochkrempelt und seinen Pappenheimer, Traumtänzern und Parteibuchträgern endlich mal richtig den Arsch verhaut. Ich hätte eher gedacht (eigentlich auch schon länger erwartet), dass er endlich klar Schiff macht und einige absolute Pfeifen in seinem Gruselkabinett von ihren Pöstchen befreit.

Schröder sagte: „Er gebe das Amt des Parteivorsitzenden nur ungern auf, denn Deutschland befinde sich in einem der "wichtigsten Reformprozesse der Nachkriegsgeschichte". Diesem Prozess sei er verpflichtet. Zwar gebe es eine allgemeine Erkenntnis über die Notwendigkeit von Reformen. Aber es bedürfe im Vermittlungsprozess in der Partei besonderer Anstrengungen.“

Wie wahr, wie wahr. Das mit dem wichtigsten Reformprozess der Nachkriegsgeschichte, meine ich. Ich denke darüber müssen wir nicht lange streiten.
Grund der allgemeinen Kritik ist nicht „warum“ reformiert wird, sondern das „wie“ es geschieht.
Pfusch nennt man das im Handwerk. Das ist Pfusch. Mir fällt kein anderes Wort ein, tut mir leid.
Doch eines, aber das schreibe ich jetzt nicht, denn dann würde mir zu recht unterstellt, ich hätte einen fäkalen Schreibstil. Das Wort hätte wirklich aber sehr gut zu „Abtritt“ gepasst.

Ich möchte dem Gerhard Schröder ein Wort mitgeben, mit dem mich mein ehemaliger Lehrmeister, mit einer Hand an meinem (meist) linken Ohr zerrend, zu besseren Leistungen motiviert hat.
„Jung“, hat er immer gesagt, „Jung, hättste man nur besser Bäcker gelernt, dann hättste dein Ausschuss selber auffressen können“.

In diesem Sinne wünsche ich dem Bundeskanzler einen „Guten Appetit“.
Er möge sich jetzt mit dem bisher geleisteten "Ausschuss" den „Wanst“ für neue Lüste präparieren.

 

 

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