Déjá-vu
Stimmung: depressiv-pflegebedürftig-arbeitsscheu-urlaubsreif
Musik: Hamsterlied - Es war einmal ein Hamster, das war ein großer Gangster

Ich glaube - ich bin krank!
Wenn nicht sogar eine dissoziative Identitätsstörung oder ein False-Memory-Syndrom vorliegt, würde ich -als medizinischer Laie- mindestens ein "Déjá-vu" diagnostizieren.
Oder geht es ihnen nicht auch manchmal so, dass sie glauben sie hätten das alles schon mal erlebt.
Laut Wikipedia handelt es sich bei Déjá-vu um ein psychologisches Phänomen, das sich in dem Gefühl äußert, eine an sich völlig neue Situation schon ein Mal exakt so erlebt, gesehen oder geträumt zu haben. Dabei handelt es sich nicht um eine falsche Wahrnehmung, sondern um ein paradoxes Gefühlserleben.
Eine abschließende Erklärung für dieses Phänomen wurde noch nicht gefunden. U. a. gibt es die Theorie, dass dieses Phänomen in Situationen auftritt, die an ein verdrängtes tatsächlich erlebtes Ereignis oder eine verdrängte Phantasie
Es gibt auch Vermutungen, dass es sich um spezielle Situationen handelt, in denen Kurz- und Langzeitgedächtnis für einen Moment nicht aufeinander abgestimmt sind.
Déjà-vu-Erlebnisse kommen gehäuft bei Erschöpfungszuständen sowie Psychosen und Neurosen vor.
Warum ich mir deshalb Sorgen mache? Na hören sie mal, was würden sie denn sagen, wenn sie am Tage des Herrn den 19. März 2004 morgens in aller Herrgottsfrühe die "Financial Times Deutschland (FTD)" aufschlagen und ihnen die folgende Schlagzeile gegen die Pupille hüpft:
Industrie will Kassenkarte vorfinanzieren
Die neue Krankenkassen-Chipkarte könnte von Unternehmen der Technologiebranche vorfinanziert werden.
Die Gesundheitskarte ist das größte IT-Projekt, das derzeit in Europa in der Planung ist. 80 Millionen Karten müssen ausgegeben, 350.000 Ärzte, 22.000 Apotheken, 2000 Krankenhäuser und 300 Krankenkassen vernetzt werden.
Jetzt ist es ja nicht gerade so, dass wir von großkotzigen und innovativen Projekten zur Sicherung der Technologiestandorts Deutschland die Nase voll hätten.
Nein, bei Leibe nicht! Wir sind da doch durchaus noch leidensfähig.
Aber muss es jetzt nach Cargolifter, Magnetschwebebahn, Toll Collect, Virtuellem Arbeitsmarkt und Finanzamtsoftware Fiscus denn unbedingt die Gesundheitskarte sein.
Allein schon der Name dieser Karte verursacht mir die üblichen Hirnblähungen.
Gesundheitskarte!
Was ist denn an dieser Karte so gesund und wen macht denn diese Karte gesund?
Kann ich mir die Karte irgendwo hin stecken, zum Fiebermessen zum Beispiel?
Oder kann ich damit im Notfall einen Arzt anrufen?
Verschafft mir die Karte durch UV-Strahlung ein gebräuntes Aussehen?
Bekomme ich damit freien Eintritt im Hallenbad oder im Fitness-Center?
Schützt mich die Karte vor Erkältungskrankheiten?
Hilft die Karte gegen Elektrosmog, Luftverschmutzung, Karies oder Fusspilz?
Kontrolliert die Karte Leberfettwerte, Blutzucker oder gar den Blutalkoholspiegel?
Interessiert lese ich weiter in der FTD:
«Die Finanzierung ist bislang ungeklärt. Das Gesundheitsministerium hatte angepeilt, dass Krankenkassen und Ärzte die Mittel aus den Töpfen für Kassenleistungen aufbringen. Das jedoch könnte nach FTD-Informationen dazu führen, dass die Beitragssätze der gesetzlichen Kassen um bis zu 0,2 Prozentpunkte steigen müssten -
"Wie wahr, wie wahr", denke ich mir, "gut dass die Wähler das erst nach der Wahl erfahren sollen" und jetzt bin ich richtig gespannt wie es weitergeht, denn das kommt mir so unheimlich bekannt vor.
Irgendwer wird sich an der Gesundheitskarte so richtig gesund stoßen wollen und irgendwer wird das ja bezahlen müssen.
Déjá-vu, Déjá-vu, Déjá-vu, Déjá-vu.
«
Unser Entwurf sieht vor, dass die Industrie die Infrastruktur finanziert und betreibt. Bezahlt wird dann zum Beispiel pro Transaktion", sagte Walter Raizner, Chef von IBM Deutschland, der FTD auf der Computermesse Cebit. IBM werde sich an einer entsprechenden Ausschreibung für das ehrgeizige Großprojekt beteiligen. Eine gesicherte Finanzierung würde die Chancen erhöhen, dass der Starttermin 2006 eingehalten werden kann. "Viele Firmen stellen derartige Überlegungen an", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums zu dem Vorschlag von IBM. IBM-Chef Raizner wird Gesundheitsministerin Ulla Schmidt am kommenden Montag eine Machbarkeitsstudie und einen technischen Entwurf für die Einführung der Karte übergeben.Die Kosten für die Einführung der Karte werden nach Schätzung des Gesundheitsministeriums in den Jahren 2005 und 2006 zwischen 0,7 und 1,4 Mrd. Euro liegen. Ein Gutachten im Auftrag von Krankenkassen und Ärzten, das in den nächsten Tagen veröffentlicht wird, beziffert die Kosten auf 1 bis 1,4 Mrd. Euro. Die genaue Höhe hängt von einer ganzen Reihe noch offener Entscheidungen zu technischen Details ab.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die Karte am Mittwoch bei der Eröffnung der Computermesse Cebit in Anspielung auf die Lkw-Maut ausdrücklich als ein Vorhaben genannt, "das von Anfang an funktionieren muss, denn die Gesundheitskarte ist eines der Vorzeigeprojekte –ein Prestigeobjekt- der Bundesregierung".»
Prestigeobjekt? Eines der Vorzeigeprojekte? Gibt es da noch andere? Zum Vorzeigen meine ich.
Die anderen Projekte sind doch längst tot und liegen in ihren Millionengräbern.
Auf dem Pleiten-Pech-und-Pannen-Friedhof ist kein Platz mehr – da kann man nur noch umbetten oder Massengräber ausheben!
Irgendwie kommt mir das alles so bekannt vor.
Das ist alles so maßlos traurig!
Ich glaube - ich bin krank.
Dissoziative Identitätsstörung oder False-Memory-Syndrom.
Wenn ich jetzt ne Gesundheitskarte hätte!

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