Nach dem Debakel

Betretene Gesichter ziehen, Wunden lecken, Durchhalteparolen, stotternd nach Erklärungen suchen, Kursänderungen diskutieren, personelle Konsequenzen fordern, besser verständlich machen, den Leuten zeigen wo wir hinwollen, kreative Reformpause einlegen, die Schuld bei anderen suchen.
Das sind auf den ersten Blick so die wesentlichen Reaktionen der Politiker auf das schlechte Wahlergebnis vom letzten Sonntag.
Und was ist mit Problemerkennung und Konsequenzen ziehen?

Mitnichten!
Der Kanzler will "um des Landes Willen" an seinem "Reformkurs" festhalten und bat die Mitglieder Bundestagsfraktion um Unterstützung: «Wer nicht kämpft hat schon verloren. Ich habe den Auftrag bekommen, das zu machen und das Mandat reicht bis 2006 – zunächst. Man wird sich noch wundern. Die Agenda 2010 ist vielleicht nicht in allen Punkten die richtige oder angemessene Antwort auf die Herausforderungen der Zeit, beschreibe aber den richtigen Weg.»
Der linke Parteiflügel fordert «höhere Erbschaftsteuer auf große Vermögen und die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Nur so könne die Partei wieder aus ihrer schweren Vertrauenskrise kommen und soziales Profil zurückgewinnen»
Nach den Worten des Partei- und Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering hat es keine «Kritik am Kanzler oder an führenden Funktionsträgern der Partei gegeben. Niemand fordert eine Rolle rückwärts»
Auf Antrag der Berliner Parteiführung hat die SPD-Schiedskommission in Bayern vier bayerische IG-Metall-Funktionäre aus der SPD ausgeschlossen. Sie hatten zur Gründung einer neuen Linkspartei aufgerufen.
Also Business as usual.
Nach dem Debakel ist vor dem Debakel.
Macht nur weiter so, Genossen!
Vorwärts! Immer vorwärts! Auch wenn man längst die Orientierung verloren hat.
Der Wähler wird es beim nächsten Mal schon richten.
Leider sieht unsere Wahlrecht zur Gültigkeit einer Wahl keine Mindestwahlbeteiligung vor, denn sonst könntet ihr nicht weiter von Mehrheiten faseln und wärt schon längst WFF (Weg vom Fenster).
Und eine kleine Anmerkung eines Menschen, der sich mangels wählbarer Alternativen diesmal (zum ersten Mal in seinem Leben) der Stimme enthalten hat, sei mir noch gegönnt:
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass der Bundesgerd bei der letzten Bundestagswahl mit der Agenda 2010 im Wahlprogramm angetreten ist. Also kann er dafür vom Wähler auch kein bis 2006 reichendes Mandat erhalten haben. Wunschdenken und Realitätsferne gehen meist einher mit Luftspiegelungen und Halluzinationen.
Und was meint der Kanzler mit "Man wird sich noch wundern". Ist das eine Drohung?
So nach dem Motto "Wenn ich über Bord gehe, dann geht ihr aber alle mit".
Die Ohrfeige hat wohl noch nix genützt
!
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