Schmerz, Tränen und Blut

die Schlagzeilen der Medien überfliegt ohne auf das Datum zu achten.
„Bereit für Schmerz, Tränen und Blut“ erinnert sicher nicht nur mich an "Blut, Schweiß und Tränen" die einst angekündigt und bejubelt wurden, um das Volk auf die tausendjährige Dauer (heute würde man das Nachhaltigkeit nennen) der allein glückselig machenden Regierungspolitik einzuschwören.
Auch wenn sich mancher Zeitgenossen beim Angriff der Israelis auf den Libanon an den "Fall Weiß" erinnert sieht, wird er sich instinktiv hüten, diesen Gedanken laut auszusprechen, oder gar zu Papier zu bringen.
Wie man Kritik am Staate Israel, seinen Politikern und seinen Militärs überhaupt noch formulieren darf, kann man in einem Knigge in der TAZ nachlesen.
Kurz gesagt: „Als Nachfahre eines nationalsozialistischen Wehrmachtsoffiziers haben Sie genauso die Klappe zu halten, wie als proarabisch denkender Deutscher der Neuzeit. Und außerdem erlaubt die für Europäer und speziell für Deutsche notwendige solidarische Haltung mit den „Gottesstreitern“ es nicht, den Staat Israel als Täter zu betrachten.“
Es ist noch keine 100 Jahre her, das sollte bei der Gründung einer
nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ausdrücklich dafür Sorge
getragen werden, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen
und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in
Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die
Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte”.Interessant ist daher neben einem Blick in die Zukunft auch ein Blick in die Geschichtsbücher.
Nicht nur um das Verhalten der polnischen Verbündeten im „Fall Weiß“ nachzulesen und sie auf die Jetzt-Zeit zu übertragen, sondern auch um sich die Rolle der europäischen Staaten und ihre politischen Fehlentscheidungen bei der Entstehung des Staates Israel vor Augen zu führen.
Von den noch immer andauernden Irrtümern der USA wollen wir erst gar nicht reden.
Oder gehören Sie auch zu den Unbelehrbaren, die den Sonderstatus Israels in Frage stellen und seinen berechtigten Existenzkampf als puren Imperialismus betrachten?
Dann halten Sie sicher die jüngsten militärischen Aktionen der israelischen Armee weder für einen Angriffskrieg noch für einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht verbunden mit einer nicht-tolerierbaren Missachtung der Vereinten Nationen?
Dann müssen Sie sich wirklich fragen lassen, ob Sie unter Ihren Vorfahren nicht doch einen nationalsozialistischen Wehrmachtsoffiziers hatten.
Oder sind Sie vielleicht einer dieser proarabisch Denkenden?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass man einfach so einen Fluss als (vorläufige) Grenze des Einmarschs festlegt. In der Geschichte waren es nämlich meist Flüsse, die sich als natürliche Grenzen anboten. Beispielsweise der Rhein, die Oder oder die Donau. Sollte hier vielleicht ein entsprechender Landgewinnungsversuch gemacht werden? (Welch abstruser Gedanke aber auch!)
Zum Bosporus als nächste, natürliche Grenze ist es ja dann auch nicht mehr weit...
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23343/1.html
Die Schwierigkeit ist doch, sich über die Lage im Mittleren Osten Gedanken zu machen, ohne dabei auf pro- oder anti-Irgendwas festgelegt zu werden. Das hat natürlich (noch immer) irgendwie mit dem Dritten Reich und dem Holocaust zu tun. Trotzdem bitte ich für die nachfolgenden Äusserungen um begründeten und ganz unzoologischen Widerspruch!
Zwei Bereiche will ich anreissen: 1. Volk, Nation, Sprache, 2. kolonialistische Wurzeln des Konflikts und jetzige westliche Grossmachtpläne
zu 1: ich persönlich halte ein Volk (mag diesen Begriff nicht, sagen wir: eine grössere Gruppe von Leuten mit ähnlicher Tradition, vielleicht vergleichbarer Lebensweise und ähnlichen Zielsetzungen), welches ohne Staatenbildung osmotisch über die ganze Welt verteilt ist, für ein sehr wünschenswertes Gebilde. Es gibt gegenwärtig solche, meist belächelten, Beispiele: die Transnationale Republik, Ladonia, die FIU, die Fliegende Universität Bodrum etc.... Da diese Gemeinschaften kein "Staatsgebiet", keine Grenzen, keine Armeen und Funktionärsheere haben, vermögen sie sich den Spielchen der Machtgierigen in dieser Hinsicht leicht zu entziehen. Andererseits werden sie fast stets als Minderheiten verfolgt (wie eben glasklar ist: was dem Zeitgeist als zu zukunftsträchtig erscheint, wird gnadenlos und mit unerklärlichem Hass niedergemacht). Ich fühle mich aber in einer solchen "Nation" gut aufgehoben und mehr verbunden mit den andern als als "Deutscher", "Türke", "Saudi-Araber" oder "Israeli". Nationalgefühl? ehm, naja bitte. "Fiiiinaaalee, ooooho" :-)).
Aber der eine Schreiber in dem Zoo-Thread hat ganz recht: dieses Zusammengehörigkeitsgefühl hat (noch) sehr viel mit Sprache zu tun. Nicht selten führte die Ausgestaltung und Verbreitung einer Sprache (oder Schrift) sogar zur Nationenbildung. Beispiele? Dante und Franz von Assisi für das Italienisch, Haci Bektas und viel später Atatürk für das Türkische, die Kalewalaneuschrift für Finnland, die (artifiziell) neugestalteten Schriften in Armenien und Georgien, Luthers Bibelübertragung, Shakespeare, und und. Sprache folgt also nicht den Nationen sondern schafft sie. Hebräisch steht nahtlos in dieser Tradition, denn in Israel kommen Sprachen aus aller Welt zusammen.
Was sollte geschaffen werden – wenn denn daraus doch eine Nation entsteht?: eine Republik (eine Gemeinschaft Freier und Gleicher, eine Cumhuriyet also (wie übrigens bei der Entstehung der Türkischen Republik ein Bündnis zwischen Atatürk und den Aleviten, den Nachfolgern des Haci Bektas geschlossen wurde und noch heute besteht. Inhalt (verkürzt) Einstehen für die laizistische Staatsform. Kein Kalifat, kein Sultan, keine Scharia. Oder vielleicht eine Eidgenossenschaft wie in der Schweiz, also ein Zusammenschluss nicht auf Grund von Blutsgemeinschaft, von Sippen und Stämmen, sondern auf der Basis von Ideen.. Natürlich sind diese und weitere Modelle heutzutage extrem gefährdet. Sie sehen sich zwei Mächten gegenüber religiösem Allanspruch und von Think-Tanks entworfenen Grossmachtsplänen („Interessen“), die mit extremer Gewalt und hochindustrialisierter Waffentechnik durchgesetzt werden (sollen). Wohlgemerkt: das hat nur bedingt mit dem berühmten „Ost“ und „West“ zu tun, kann sich sogar vermischen und verbünden (USA & Iran in der jüngeren Vergangenheit). Wo bleibt Israel nun?
zu 2. Man könnte Israel sogar bedingt in die Reihe der „Republiken“ einfügen – von der religiösen und endzeitlichen Komponente abgesehen. Die Frage ist, ob das Gebilde nicht künstlich implantiert wurde ( think tank! ausgedacht!) Präsident Ahmedinedschad und Harry Rowohlt haben eine gemeinsame Satire dazu erstellt: Ersterer: Man sollte die Juden wieder nach Deutschland zurücksiedeln (die da hätten schliesslich Schuld). Der Letztere: richtig! Dann hätten wir wieder Kultur in Deutschland, und die Nachrichten und Talkshows würden heissblütige, mandeläugige sephardische Schönheiten anstatt prolliger Kuhgirls zeigen!
Aber ohne Flachs (!): das Problem entstand doch im ausgehenden Kolonialismus, als die Engländer und Franzosen den Mittleren Osten (und die Welt) unter sich aufteilten, als Lawrence von Arabien (ein Engländer wie im Buche) mit wenigen Beduinen das müde Osmanische Reich zerstückelte, als die Grenzen des Irak, Syriens, Jordaniens, Kuwaits etc am Schreibtisch mit dem Lineal gezogen wurden. Durchaus aus historischem Verantwortungsgefühl (oder war es „Intereresse“?) Bis heute und wer weiß wie lange leiden die Beteiligten, Palästinenser und zugezogene Israelis daran, dass sie am selben Ort plaziert wurden. Man stelle sich nur einmal kurz vor, die Angelsachsen aus aller Welt würden alle wieder zwischen Elbe und Schlei angesiedelt (historische Rechte, das Land der Väter....), Schleswig-Holsteiner ihres Landes beraubt und auf Fünen in Flüchtlingslagern zusammengepfercht, bombardiert, mit Strassensperren und Schikanen gepflastert..... Is das normal? Nun, das ist passiert und der Kolonialismus und Post-Kolonialismus nahtlos ins „Great Middle East Project“ übergegangen. Der Clash of Civilisations wurde erfunden, die Feinde im wahrsten Sinne des Wortes selbst erschaffen (Saddam Hussein, Bin Laden, Chomeini, Taliban) der religiöse Wahn herrscht an beiden Fronten vor. Dies ist zugegeben kurzgefasst, könnte aber erläutert werden. Zeit für Pessimismus. Frag mich nicht nach Lösungsvorschägen, du würdest lachen.....