***Kids rule ... das Leben mit und von 3 Zwergen***

24.10.2005 um 21:48 Uhr

Zur Sache...

von: malula

Gestern war es soweit – der absolute Ernstfall, der ultimative Test für jede Mutter, das große Finale. Gestern war Kindergeburtstag.

 

Zwerg 1 wurde fünf und feierte ihren Fischgeburtstag. Geladen waren drei Jungs und vier Mädchen, alle im Alter von vier bis sechs Jahre. Also mit Zwerg 1 und 2 neun Kinder, gefühlte 20 Kinder.

 

Die weiblichen Gäste kamen zum größten Teil im klassischen rosa-Kindergeburtstag-Look, angefangen bei rosa Strumpfhosen mit aufgestickten glitzernden Rosen, rosa Karoröckchen, rosa Shirt mit Glitzeraufdruck, vorzugsweise Barbie, und natürlich rosa Haargummis mit möglichst viel Glitzer, Puscheln, Sternchen und Herzen. Auch rosa Lidschatten und Lippgloss fehlte nicht. Nur Zwerg 1 hatte kein Fitzelchen Rosa am Leib. Sie übertrumpfte alle mit einem goldenen, königlichen Brokat-Rock aus Kopenhagen, der die anderen wie blasse Kopien einer echten Prinzessin aussehen ließ. (Verzeihen Sie bitte diesen übergroßen Mutterstolz.)

 

Bei den männlichen Gästen spielte die Garderobe naturgemäß nicht so eine große Rolle. Man ist schon froh, wenn sie es schaffen, mit sauberen Kleidern bei der Feier anzukommen. Bei den Jungs zählt mehr das Auftreten. Laut, frech, wild und irgendwie wirklich süß. (Letzteres darf man einem Jungen natürlich nie, unter keinen Umständen sagen.)

 

Ganz wichtig bei einem Kindergeburtstag mit Kindern in diesem Alter ist es, seine Autorität von Anfang an klar zu zeigen. Klare Regel festlegen, an die sich alle halten müssen. Der Bestimmer sein, wie es in Kiga-Sprache heißt. Und damit sind wir beim nächsten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Bei den Mädchen reicht eine nette Bitte, eine freundliche Aufforderung verbunden mit einem sanften Streicheln über den Kopf. Bei den Jungs muß man klare Befehle erteilen in einem festen Ton, der keinen Widerspruch duldet. Und das bitte nicht verwechseln, sonst verschrecken Sie ein zartes Mäuschen und es sitzt für den Rest der Feier mit kummervollem Blick in der Ecke oder Sie werden von einem kleinen Macho gnadenlos gehänselt. Und diese Kerle sind wirklich gnadenlos!

 

Eine große Rolle spielt die Sitzordnung am Geburtstagstisch. Und da kommen wir zum nächsten Punkt:

 

Wann kommen Kinder in die Pupertät? Wann fangen Sie an sich für das andere Geschlecht zu interessieren?? Mit fünf???

 

Zwerg 1 hatte mir im Laufe der wochenlangen Planung immer wieder mit großer Bestimmtheit gesagt, dass Nico den Ehrenplatz an ihrer Seite einnehmen soll. Weitere Annäherungsversuche im Laufe des Nachmittags gestalteten sich derart, dass er bei der Teamauswahl natürlich als erster in ihre Mannschaft gewählt wurde und sie ihm während eines wilden Gerangels ein Küsschen auf die Backe gab, das sofort mit Todesverachtung abgewischt wurde. Die anderen männlichen Gäste buhlten umsonst um die Gunst von Zwerg 1, auch wenn sie sich wirklich bemühten („Mein Geschenk ist doch das schönste, dass du heute bekommen hast, oder?“ „Ich kann mindestens drei Mohrenköpfe essen. Alle auf einmal!“). Und am Schluss wurden die Bemühungen von Zwerg 1 belohnt. Sie bekam ein Küsschen – ganz freiwillig!!

 

Alles in allem war die Feier gelungen. Der Kuchen wurde gegessen, alle Spiel mit Begeisterung gespielt. Die Belohnungspreise waren ein voller Erfolg (sogar so gefragt, dass die Zwerge versuchten, durch geschickte Ablenkungsmanöver mehr Preise als ihnen zustanden zu mopsen). Es gab keine Tränen, fast keinen Streit, keine Kratzer, blauen Flecken oder sonstige Verletzungen! Und kein Kind wollte vorzeitig nach Hause!!

 

Meine Nerven sind intakt und ich denke in ein, zwei Wochen werde ich mich von allem erholt haben.

 

Aber belohnt wurde ich reichlich. Vor dem Einschlafen flüsterte mir mein Mäuschen: „Mama, das war der schönste Geburtstag der Welt! Wie bei einer echten Prinzessin!“

 

Na dann!

 

 

18.10.2005 um 21:53 Uhr

Von Muss- und Kann-Kindern

von: malula

Wie bereits erwähnt wird Zwerg 1 in wenigen Tagen fünf Jahre alt. Zwerg 1 ist also ein Oktoberkind, ein Herbstkind und somit ein Kann-Kind.

Neben Kann-Kinder gibt es noch Muss-Kinder. Bei Kann-Kindern hat man, wie die Bezeichnung schon sagt, eine Option:

Schicke ich mein Kind in die Schule oder nicht?

Schicken wir Zwerg 1 nächstes Jahr in die Schule oder nicht?

So, und jetzt noch einmal zum besseren Verständnis:

Kinder des Jahrgangs 2000, die zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni geboren sind, sind Muss-Kinder, d.h. sie müssen im nächsten Sommer eingeschult werden.

 

Kinder des Jahrgangs 2000, die zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember geboren sind, sind Kann-Kinder.

Sie können auf Antrag vorzeitig eingeschult werden, müssen dann im Frühjahr einen Eignungstest machen und dürfen bei positiven Abschneiden, ab August 2006 die 1. Klasse der Grundschule besuchen. Oder sie gehen noch ein weiteres Jahr in den Kindergarten und werden dann im darauffolgenden Jahr zu Muss-Kinder.

Als Mutter eines Kann-Kindes, die momentan diesen Entscheidungsprozeß durchläuft, nun einige Tipps für zukünftige Kann-Kinder-Eltern:

 

  1. Bevor Sie irgendjemand um Rat fragen, bilden Sie sich eine eigene Meinung, von der Sie dann völlig überzeugt sind und von der Sie sich nicht abbringen lassen.
  2. Wenn Sie dazu tendieren, Ihr Kind vorzeitig einzuschulen, fragen Sie nur Eltern um Rat, die Ihr Kind vorzeitig eingeschult haben. Fragen Sie auf keinen Fall besorgte Kindergarten-Erzieherinnen oder erwachsene Schulneurotiker, die davon überzeugt sind, dass mit dem 1. Tag in der Grundschule der „Ernst des Lebens“ beginnt.
  3. Wenn Sie dazu tendieren, Ihr Kind noch ein Jahr länger im Kindergarten zu lassen, fragen Sie die Mütter um Rat, die schon bei einer kleinen Schaufel-auf-den-Kopf-Auseinandersetzung auf dem Spielplatz, Sorgen haben, ob Ihr Zwerg das psychisch verkraftet.
  4. Erwähnen Sie in größerer Runde nie, dass Sie fest damit rechnen, dass Ihr Sprössling nach der Grundschulzeit aufs Gymnasium wechselt, nach einem 1-er Abitur erfolgreich ein Studium absolviert, promoviert, um dann eine internationale berufliche Karriere zu starten, und Sie daher der Meinung sind, dass Ihr Nachwuchs es sich nicht leisten kann, noch ein weiteres Jahr im Kindergarten zu vergeuden.

Am besten aber planen Sie langfristig und zeugen Sie Ihre Kinder zwischen Mai und Oktober. Der Geburtstermin liegt dann zwischen Januar und Juni und Sie haben ein eindeutiges Muss-Kind.

16.10.2005 um 10:57 Uhr

Ein schöner Samstag Nachmittag

von: malula

Ein wunderschöner, sonniger Samstagnachmittag im Herbst, nach einer anstrengenden, nervenaufreibenden Arbeitswoche. Man sehnt sich nach etwas Ruhe, Erholung und Entspannung im Kreise der Familie!

Was liegt näher, als mit den drei Zwergen zu IKEA zu fahren?!

Ich blättere im aktuellen IKEA-Katalog und entdecke:

Kvadrat, das vielseitige Gardinenaufhängsystem! Mit drei parallel verlaufenden Schienen kannst du die Gardinen zur Seite schieben, um Licht hereinzulassen, oder sie z.B. versetzt als Sichtschutz nutzen.

„Schatz, das wäre genau das Richtige für unser Wohnzimmer. Lass uns doch mal schnell zu IKEA fahren.“

„Es ist Samstag! Kein vernünftiger Mensch fährt samstags zu IKEA!!“

„ Aber Schatz, es ist doch schon halb fünf – da ist bestimmt nichts mehr los.“

„Ich weiß nicht, da ist immer viel los.“

„Samstags – halb fünf! Da sind alle im Stadion oder waschen Autos!“

20 Minuten später erreichen wir den IKEA Parkplatz. Fußballstadion und Autowäsche scheinen heute überraschender Weise nicht so angesagt zu sein. Es ist voll, erschreckend voll.

 

Weiter 10 Minuten später haben wir einen Parkplatz erkämpft.

Here we go!

Zwerg 1 und 2 lieben IKEA Besuche. Alles dreht sich darum, möglichst oft aus dem Blickfeld der Eltern zu verschwinden, sich in Schränken zu verstecken, Sofas zu behüpfen, Hochbetten zu besteigen und sich die Taschen mit kleinen Bleistiften und Papiermetermaßbändern vollzustopfen.

Wir kommen zum Highlight – dem „Kinderparadies“. Der Name passt, für Kinder ein Paradies, für kaufunwillige Eltern die Hölle. Nachdem Zwerg 1&2 ungefähr 30 mal gerutscht sind, wir alle Dinge, die sich auch in unserem Besitz befinden, identifiziert haben und über alle anderen Dinge, die Zwerg 1&2 gerne noch besitzen würden, ausgiebig diskutiert wurde (natürlich mit dem von vorneherein feststehenden Ergebnis, dass wir sie nicht kaufen), beginnt Teil 2 des Besuchs – das Gequängel. „Wir wollen jetzt Hot Dogs essen.“

Aber wir haben eine Mission. Und die lautet Kvadrant Gardinenaufhängsystem.

Nach 45 Minuten in der IKEA-Welt, haben wir endlich unser Ziel erreicht – die Wohntextilienabteilung.

Die Auswahl der Stoffe (Anno Amorf, Anno Inez, Anno Tupplur oder doch Anno Sanela, Felicia oder Linje), unter Beachtung von Farbe, Lichtdurchlässigkeit, Struktur und Robustheit (das Knock-out-Kriterium eingedenk der momentanen Begeisterung des kleinen Mannes, Dinge mit brachialer Gewalt herunterzureißen), nimmt weiter 20 Minuten in Anspruch. Zwerg 1&2 haben sich inzwischen in Stoffbahnen eingewickelt und Zwerg 3 räumt fleißig Gardinenstangenendstücke aus den Regalen.

So, nun brauchen wir nur noch das Zubehör. Da wären die Schienen für die Schiebegardienen (je 6 mal), dann noch zwei Gardinenschienen 3-läufig aus Aluminium. Soweit so gut. Auf zur Kasse!

Halt, es fehlen noch die Wandbefestigungen, 2,99 € / Stück. Ja, und die fehlen tatsächlich. Das Fach ist leer.

Weiter fünf Minuten später gelingt es mir eine Verkäuferin anzusprechen. Sie bestätigt mir, dass man zur Nutzung des Systems die Wand- oder Deckenbefestigung braucht. Nein, momentan ist beides nicht da. Nein, das System ist mit keinen anderen Befestigungen kompatibel und nein, auf Lager sind auch keine Wandbefestigungen mehr. Ja, sie sind bestellt und sollen voraussichtlich in den nächsten 2-3 Wochen eintreffen. Na wunderbar! Da will man ein System für 150 € kaufen und es fehlen 2 Teile für 2,99 € / Stück. Die Disposition bei IKEA scheint  ökonomisch sehr effizient zu arbeiten.

Also kein Kvadrat!

Wir haben dann einen Teppich gekauft, gehört immerhin auch zur Warengruppe „Wohntextilien“.

Nach einer weiteren halben Stunde Kasse anstehen mit der Gewissheit, mal wieder die langsamste Schlange ausgewählt zu haben und den obligatorischem Problemfall direkt vor einem („Ich habe meinen Ausweise nicht dabei. Nein, auch keinen Führerschein. Wieso akzeptieren Sie nicht meinen Videothekenausweis als Legitimation für meine EC-Karte bei einer Summe von 2.500 €?!“),  verlassen wir die IKEA-Welt.

Die Kinder sitzen glücklich mit ihrem Hot Dog im Auto (immerhin schon mal das Abendessen gespart) und keine 3 1/2 Stunden nach meiner glorreichen Idee „Schatz, lass uns doch mal schnell zu Ikea fahren“, sind wir wieder zu Hause.

Zwar müde, gestresst und ohne Kvadrat-Gardinensystem.

Aber der Teppich ist schön und wir haben es tatsächlich geschafft.

Wir waren bei IKEA! Mit drei Zwergen!! Samstags!!!!

12.10.2005 um 19:53 Uhr

Homöopathische Kinder

von: malula

Spielplatzgespräche unter Müttern geben ja immer viel Stoff zum Nachdenken. So auch heute!

 

Es ging um das populäre, immer wichtiger werdende Thema:

„Wie behandle ich meine Kinder homöopathisch richtig.“

 

Als ich die Vorgehensweise unsere wirklich ausgezeichneten Kinderarztes schilderte: „Erst einmal probiert er es mit einem homöopathischen Mittel, wenn keine Verbesserung eintritt, wechselt er zur klassischen Schulmedizin.“, war das natürlich alles gaannzz falsch!

 

„Welche Potenz verschreibt er denn?“„Potenz?!“„Na, steht da D 12, C 30 oder was?“„D 12 glaub ich.“  Nächster Fehler, viel zu niedrig – nein zu hoch – oder wie war das jetzt? Also bringt so eh nichts.

 

Sowieso sollte man einen Homöopathen bzw. eine Homöopathin haben und sich bei so wichtig Fragen nicht auf einen Allgemein Arzt verlassen. Die verschreiben Mittel ja viel zu –nomen est omen- allgemein. Was beim Einen gegen Schnupfen hilft, bringt beim Nächsten gar nichts. Man muß nämlich – und jetzt bekommt das Ganze langsam die gewünschte wissenschaftliche Dimension – beachten, welcher homoöpatischer Typ das Kind ist.

 

„Meine Homöopathin hat direkt nach der Geburt festgestellt, dass Marie ein Phosphorus-Typ ist. Wir haben das vom ersten Tag an bei unserer Erziehung berücksichtigt.“

 

Oh, das ging ja bis jetzt völlig an mir vorbei! Was, wenn ich die ersten Jahre aus Unwissenheit alles falsch gemacht habe? Meine ganze Erziehung – Zwerg 1 wird schon fünf. Kann man das noch ausgleichen???

 

Homöopathischer Typ? Meine Kinder? Was nun?

 

Rettung naht. Die enthusiastische Homöopathie-Mutter hat mich sofort mit einem Standartwerk versorgt. Da kann ich jetzt rausfinden, welche Homöophatischen-Typen die Mäuse sind.

 

 

Calcium-carbonicum-Typ:

 

Kind ist leicht gedunsen, dicklich oder dickbäuchig ... kalte Schweißfüsse, isst gerne Eier oder unverdauliches wie Kreide, Steine oder Erde. Wachstums-, Lernstörung.

 

(Man, mit so einem Calcium-carbonicum-Kind ist man ja gestraft. Trifft Gott sei Dank nicht zu.)

 

 

Calcium-Phosphorium-Typ:

 

Kind ist lebhaft, schlank, sensibel (hört sich ja schon besser an)…schwache Wirbelsäule, langer Hals (hmm, vielleicht lieber doch nicht)… ungeduldig, ängstlich, unkonzentriert, Schulkopfschmerzen . (Nein, laß mal...)

 

 

Chamomilla-Typ:

 

Kind ist ärgerlich, leicht reizbar, will andauernd etwas haben (jaa, kenn ich) ... oft hat es Bauchschmerzen mit Durchfall, der wie gehackter Spinat aussieht. (Entschuldigung, aber das steht da wirklich. – Trifft natürlich auch nicht zu).....

 

Weiter suchen....

 

 

Lycopodium-Typ:

 

Kind ist dünn, macht viele Schreibfehler, weint schnell, kein Selbstvertrauen, tyrannisiert und schikaniert kleinere Kinder, hat großes Verlangen nach Süßigkeiten, ist morgens schlecht gelaunt.

 

(Übertrifft ja fast noch den Calcium-carbonicum-Typ! Ein absolutes Jackpot-Kind)

 

 

Natrium-Chloratum Typ:

 

Kind ist sensibel, liebt Tiere und ist deshalb oft Vegetarier – hat viel Durst, trockene rissige Lippen und Fieberbläschen, leidet häufig unter Kopfschmerzen....

 

(will man auch nicht wirklich)

 

 

Nux-vomica-Typ:

 

Kennt keine Angst (ja, rock on), dünn, drahtig (jaa) – dickköpfig, stur, reagiert aggressiv, schlägt sich schnell mit anderen, Probleme in der Schule, ist schlecht im Rechnen. (War ja klar, dass wieder so was kommt).

 

 

Silicea-Typ:

 

Kind ist fein, zart, sehr gewissenhaft und genau: es leidet häufig unter mangelndem Selbstbewusstsein und hat Angst zu versagen oder Angst vor Nadeln; es ist schnell erschöpft und meist äußerst verfroren.

(Und mit spätestens 30 springt es von der Brücke)

 

 

Sulfur-Typ:

 

Kind ist leicht reizbar, nicht ruhig zu stellen, schmollt leicht, meist unordentlich, wäscht sich ungern, nachts oft heiße Füsse und weigert sich zu sprechen. (na, toll)

 

 

So, nach intensiver Studie der Literatur zum Thema bin ich jetzt froh!!  Sehr froh darüber, dass ich kein Homöopathisches-Kind habe. Die machen ja nichts als Ärger und Sorgen!

06.10.2005 um 22:32 Uhr

Geschäftsessen

von: malula

Das eigentliche Problem der klassischen Rollenaufteilung, Mann geht arbeiten – Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt, wird oft verkannt. Ich spreche aus Erfahrung!

 

Ich komme gut damit klar, dass mein Mann Geld verdient und ich nicht. Ich komme auch damit klar, dass mein Mann im Beruf Erfolg hat und Karriere macht und ich nicht. Auch dass ich mich um Themen wie Kindergarten, Autowerkstatt, Kinderarzt, Hundeschule, Kindergeburtstag, Elternabend, Schulinformationsveranstaltunge, Tierarzt, Handwerker, Bücherei, Impfungen, Turnen, Musikschule, Schwimmkurs und Spielgruppe meist alleine kümmern muss, geht völlig in Ordnung. Ich liebe meine Leben, so wie es ist.

 

Womit ich jedoch nicht klar komme, was ich als wirklich ungerecht empfinde an dieser Rollenverteilung, sind GESCHÄFTSESSEN!!

 

Mein Mann ist beruflich oft verreist und hat viele Geschäftsessen mit Kunden in ganz Europa. Nun finden diese Essen ja nicht beim Italiener um die Ecke statt – nein es sind immer die exquisitesten Restaurants vor Ort. Mit den Sternen, die da im Lauf der Zeit zusammen gekommen sind, könnte man die Milchstrasse nachbauen.

 

Schon mal von einem Geschäftsessen für Hausfrauen gehört?! Ich meine jetzt nicht einen Kaffeeklatsch mit mehr oder minder gutem Kuchen und schreienden Kindern im Hintergrund. Nein, ich meine ein kultiviertes Essen (das natürlich andere zahlen) in einem schönen Restaurant mit mehreren Gängen, Wein, Espresso und der Gewissheit, dass die Kinder gut behütet sind. Ich nicht.

 

Typisches Telefonat nachts – kurz vor (oder auch schon mal nach) dem Einschlafen:

 

Er: „Hallo Schatz! Wie war Dein Tag?“

Ich: „Ach gut, so wie immer. Du weißt schon, die Zwerge, der Hund, das Haus. Und bei Dir?“

 Er: „Also wir waren gerade in einem tollen Restaurant. Es war ein wirklich netter Abend.“

 

(Es soll ja Leute geben, die Geschäftsessen als nervige Pflicht empfinden. Mein Mann gehört nicht dazu.)

 

Ich: „Schön für Dich. Bei uns gab es Grießbrei mit Kirschen.“

Er: „Oh, da haben sich die Zwerge bestimmt gefreut.“

Ich: „Die schon.“

Er: „Soll ich Dir erzählen, was ich gegessen habe?“

Ich: „Ja, klar.“

 

(Das ist ein Liebesbeweis! Ich hasse Essensschilderungen. 1. Ärgere ich mich, nicht dabei gewesen zu sein, 2.Will ich auch so kochen können und 3. Bekomme ich immer Hunger. )

 

Er: „Also, als Vorspeise hatte ich ein vorzügliches Kürbis-Currysüppchen dazu Venusmuschel-Satee mit Sesamkrokant. Danach zarten Frischlings-Rücken mit Balsamico-Feigen, Gorgonzola-Gnocci und Kassis-Sauce. Zum Nachtisch gab es einen Streifen Quarkstrudel mit Ziegenkäse-Sorbet. Danach einen perfekten Espresso und einen wunderbaren Grappa. Du wärst begeistert gewesen!“

 

Und dann, nachdem meine Geschmacksnerven vor Sehnsucht fast Amok laufen, kommt der Satz. Genau der richtige Satz. Der Satz, für den ich meinen Mann über alles liebe.

 

„ Aber Schatz weißt Du, eigentlich hätte ich viel lieber mit Euch Grießbrei gegessen!“

04.10.2005 um 20:58 Uhr

Kindergeburtstage werfen weite Schatten voraus

von: malula

In 19 Tagen hat Zwerg 1 Geburtstag. Ihr fünfter Geburtstag. Höchste Zeit mit den Vorbereitungen anzufangen.

 

Wie komplex die Organisation und Durchführung eines akzeptablen Kindergeburtstages ist, können Kinderlose und Noch-Nicht-Eltern nur erahnen.

 

Seit mehreren Wochen ändert sich, je nach Tageskurs in der persönlichen Beliebtheitsskala, die Gästeliste von Zwerg 1. (Wobei die Ankündigung einer möglichen Einladung gerne als Lockmittel bzw. die Drohung mit der Wieder-Ausladung als Druckmittel von Zwerg 1 im Spiel mit den Freunden eingesetzt wird. Auch die engsten Freunde, machen von ihrem Einfluss auf die Gastgeberin Gebrauch: „Stimmts, Sophie, wenn XY mir jetzt nicht die Schaufel gibt, wird er/sie nicht zu Deinem Geburtstag eingeladen?!!“ Aber da das in Kindergartenkreisen Usus ist, mache ich mir über die emotionale Entwicklung von Zwerg 1 keine ernsthaften Gedanken.)

 

Also warten wir noch ein bisschen ab, wer letztendlich in den erlauchten Kreis der Günstlinge aufgenommen wird, und wenden uns der weiteren Organisation zu.

 

Es ist ja nicht so, dass man einfach eine Feier macht mit Kuchen, Topfschlagen und Pommes-Essen. Das war einmal.

 

Erstens braucht das ganze ein Motto. Sag nicht ich, sagt Zwerg1. Und zwar will sie einen „Fischgeburtstag“. Gut, das ist immerhin was anderes als Prinzessinnen-, Barbie-, Pferde- oder Glitzergeburtstag. Fisch gibt ja so einiges her.

 

Wir werden also Fisch-Einladungskarten basteln (natürlich mit Glitzer, trotz allem wird Zwerg 1 fünf und ist ein Mädchen). Dann wird der Tobe-Keller in ein Aquarium verwandeln mit Fischen an den Wänden, blauen Stoffbahnen und natürlich glitzernden Lichterketten (Sie wissen schon, 5-jährige Mädchen.). Ich werde einen Fischkuchen backen und wir suchen Spiele aus, die etwas mit Fischen zu tun haben. Nicht vergessen darf man die Belohnungs-Geschenke für die Gäste (manchmal bringen Zwerg 1 & 2 mehr Geschenke von einem Feier zurück nach Hause als sie mitgenommen hatten).

 

Der ganze Ablauf muß gut geplant sein und zwar unter Berücksichtigung diverser Aspekte wie keine Langweile, keine Tumulte, kein Streit und keine Schlägereien. Also abwechselnd aufregende Spiele, freies Toben, beruhigende Sequenzen und v.a. immer die Oberhand behalten. Aber ich hab das im Griff. Wozu habe ich Management studiert?

 

Wenigsten die Sache mit dem Abendessen ist einfach: Fischstäbchen – natürlich mit Pommes!!

03.10.2005 um 14:36 Uhr

Protokoll einer Autofahrt

von: malula

Fahrt an die Nordsee

ca. 600 km, ca. 6 ½ Stunden Fahrtzeit

 

8.15 Uhr: Start. Dank logistischer Meisterleistung konnten eine LKW-Ladung Gepäck, der Hund, alle drei Zwerge und auch wir im Auto untergebracht werden.

 

8.20 Uhr: Zwerg 2: „Wann sind wir denn da?“

 

8.25 Uhr: Zwerg 1: „Können wir jetzt endlich mal unsere Kassette hören?“

 

8.25 – 9.00 Uhr: „Wir Kinder von Bullerbü“ (das 1. Mal)

 

9.00 – 9.10 Uhr: Radionachrichten, im Hintergrund wütendes Protestgeschrei von Zwerg 1 & 2 („Immer hört Ihr nur Eure Sachen!!“)

 

9.10 – 9.30 Uhr: „Wir Kinder von Bullerbü“ (das 2. Mal)

Nach der Hälfte schlafen alle drei Zwerge, weitere 10 Minuten später kommen wir auf die Idee die Kassette auszuschalten

 

9.30 – 9.40 Uhr: Wie schön so eine Autofahrt mit schlafenden Kindern und guter Musik.

 

9.40 Uhr: Der Hund jault. Alle Zwerge wachen auf. Zwerg 3 weint, Zwerg 1 & 2 haben Hunger, Durst, wollen endlich mal ihre Kassette hören („Nein, wir wollen nichts anderes. Wir wollen „Wir Kinder von Bullerbü“!!“)

 

9.50 – 10.15 Uhr: „Wir Kinder von Bullerbü“ (das 3. Mal)

 

10.15 – 10.45 Uhr: Pause! Picknick! Alle sind ruhig, glücklich, zufrieden. Schade, dass unser Reiseziel nicht die Autobahn-Raststätte ist. Ist doch eigentlich ganz nett hier!

 

10.45 – 14.50 Uhr: Teil 1 der Reise wiederholt sich in wechselnder Reihenfolge. Zum Glück können wir uns jedoch nach dem 4. Mal „Wir Kinder von Bullerbü“ auf eine andere Kassette einigen. („Wer jetzt noch einmal das Wort „Bullerbü“ erwähnt, steigt auf der Stelle aus!“)

 

14.50 Uhr: Ankunft in St Peter-Ording. Beginn einer tollen Urlaubswoche, fast ohne Streit, Quengelein und „Wir Kinder von Bullerbü“

 

Schade, dass wir auch zurück fahren mussten.

600 km, ca. 6 ½ Stunden Fahrtzeit!

 

Nein, ich will nie nach Schweden fahren! Nicht nach Bullerbü!

Und ich halte Astrid Lindgren nicht für pädagogisch wertvoll!

(Zumindest nicht in den nächsten Monaten!)