Die Zeit ändert die Zeiten
Seit ziemlich genau 6 Jahren, 7 Monaten und 7 Tagen hat sich ein sehr alltäglicher Vorgang grundlegend verändert. Das „Aus-dem-Haus-gehen“.
ÂIn der Pre-Kinderzeit war man, wollte man das Haus verlassen, meist schnell fertig. Schuhe, je nach Witterung Jacke, Handschuhe, Schal, Mütze, Sonnenbrille. Schlüssel, Tasche, Handy. Regenschirm nie – nur unnötige Schlepperei. That’s it. Bei guter Vorbereitung und stets etwas unter Zeitdruck ging das Ruck-Zuck, da wurde im persönlichen Zeitmanagement selten extra Zeit für das „Aus-dem-Haus-gehen“ eingerechnet.
ÂDann kamen die Zwerge. Und damit wurde alles anders.
Man kam aus dem Krankenhaus mit so einem kleinen Würmchen. Herbst, Regen, Wind, Mistwetter. Kann man überhaupt das Haus verlassen?! Nun, andere laufen ja auch mit ihren Babys draußen rum. Muss wohl gehen. Also Baby gewickelt, angezogen, Body, Strampler, Söckchen. Wie kalt ist es denn nun draußen? Doch lieber noch ein Jäckchen drüber, Mützchen, natürlich Mützchen. Und jetzt den Zwerg in den Daunensack packen. Schweißperlen auf der Stirn.
 Ist es doch zu warm für ein extra Jäckchen?
Zwerg wieder raus, Daunensack aus, Jäckchen aus, Daunensack an. Baby mit Daunensack in den Wagen. Windeln und Feuchttücher einpacken, Creme, Wechselsachen – man weiß ja nie, wie das so ist mit einem Baby unterwegs, lieber für alle Eventualitäten gewappnet sein.
ÂGott, ist das eine Aktion. Jetzt noch selber fertig werden, geht schon so, irgendwo muss man Einschnitte machen.
ÂBaby fängt an zu weinen. Was jetzt? Baby raus aus dem Wagen, aus dem Daunensack geholt. Es riecht.
ÂEs riecht nicht nur, es stinkt! Das Spielchen beginnt von vorne und die 2-3 Minuten die man früher brauchte, werden jetzt zu einem ernst zu nehmenden Zeitfaktor in der Tagesplanung. Eine halbe Stunde ist da gar nichts.
ÂDas war am Anfang. Mit der Zeit wird man routinierter, jeder Handgriff sitzt, die Abläufe sind geplanter. Und außerdem werden die Zwerge älter, man selber entspannter.
ÂAls es jedoch immer mehr Zwerge in unterschiedlichsten Altersstufen wurden, gewann das Ganze an Komplexität.
Heute gehören zum „Aus-dem-Haus-gehen“ Jacken, Schuhe, Kappies, Toilettengang, Getränke (denn eines der Kind hat immer unterwegs Durst!), Essen (und ein anderes hat immer Hunger!) - das ganze mal drei. Dann je nach Ausgehziel Turnbeutel, Musiktasche, Schulranzen, Kindergartentasche in den unterschiedlichsten Kombinationen. Heimlich geschmuggelte Spielsachen. Und jetzt reden wir mal nicht vom Winter!
ÂD a s        d  a   u   e  r  t .  .    . Â
  ÂIn einer Viertelstunde müssen wir los. Ich sitze hier und schreibe. Und es ist sicher. Wir werden mal wieder zu spät sein.
