Singende Mütter und blutende Kinder
Musik: Schau Dich um der Plumssack, der geht um
Beliebteste Beschäftigung von Müttern mit Pre-Kika-Kids (sprich Kindern zwischen Babyalter und Kindergartenalter) ist der Besuch von Spielgruppen, Spielkreisen, Krabbelgruppen, Mutter-Kind-Treffen oder dergleichen. Wie bei Antifaltencremes auch gibt es für Treffen dieser Art die unterschiedlichste Bezeichnung, letztendlich steckt jedoch überall das Gleiche drin. Nach drei Kindern und ebenso vielen Umzügen bin ich quasi die Erika Berger der deutschen Spielgruppenszene.
Geht man zu einer solchen Veranstaltung, gibt es einige essentiellen Verhaltensregelen, die man unbedingt beachten sollte, wenn man nicht zum schwarzen Schaf der Gruppe werden will.
1.) Respektiere von Anfang an die Position des Leitwolfes bzw. besser der Leitwölfin der Gruppe. Man erkennt sie daran, dass sie immer pünktlich da ist, ihr Kind mit dem perfekten Spielgruppen-Outfit ausgestattet ist (ausgeleierte Ringelstrumpfhose mit Anti-Rutsch-Sohle, Teletubbie-Sweatshirt vom letzten Kinderkleider-Flohmarkt der Kirchengemeinde, laufende Rotznase) und sie alle Liedtexte, Fingerspiele und Schoß-Hoppser kennt. Idealerweise veranstaltet sie nebenbei noch Tupper-Partys, ist anerkannte Expertin für Mutter-Kind-Kuren und hat immer genügend Bio-Reiswaffeln für alle dabei.
2.) Wenn der Leitwolf sagt, es wird gesungen, dann wird gesungen. Am Anfang mag es etwas befremdlich erscheinen, dass nur die Mütter singen, sich an den Händen haltend im Kreis rumhüpfen und lustige Grimassen schneiden, während die Zwerge ziemlich schnell gelangweilt sind von diesen Albernheiten. Aber ich versichere, man gewöhnt sich daran und irgendwann lässt auch das Gefühl, sich zum Deppen zu machen, nach.
3.) Gesprächsthemen wie Sex, Mode, Literatur, Kunst, Politik oder Wirtschaft sind nicht gefragt. Es spricht allerdings nichts dagegen über die Beschaffenheit des letzten Stuhlgangs vom Nachwuchs oder über die besten Reinigungstipps für Bananenflecken auf Kinderkleidung zu sprechen. Gerne wird auch immer wieder über Themen wie Durchschlafen, Schnuller Pro-Kontra und die segensreichen Vorteile von langen Stillzeiten debattiert. Kommentare wie „Ach, das hat er wohl vom Papa.“, wenn der 2 ½ jährige Paul auf Mamas Schoß springt, ihr die Bluse aufreißt und genüsslich an Mamas leider schon etwas mitgenommenen Brust nuckelt, sind dagegen zu vermeiden.
4.) Man sollte immer positiv und nachsichtig anderen Kindern gegenüber sein, im Zweifellsfall lieber mit dem eigenen Sprössling hart ins Gericht gehen.
„Kleiner Mann, man darf doch nicht hauen!!!! Das tut doch weh!!! Ich möchte, dass Du Dich jetzt bei dem kleinen Maximilian entschuldigst. Das mit der blutenden Bisswunde hat er sicher nicht so gemeint und außerdem bekommst Du doch beim Doktor immer soooo leckere Gummibärchen.“
Wenn man sich an diese ersten Grundregeln hält, immer etwas abgehetzt und als gestresste Mutter gestylt eintrudelt und einen leckeren, gesunden Pastinaken-Dipp dabei hat, kann einem erfolgreichen Spielgruppenbesuch eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
