Unfreiwilliges Gepickse
„Das hat so gepiiiieeeeckst, das hat wehe getan. Das darf die nicht!!“ Beim Abendessen erzählt der kleine Mann Papa von seinem Tag.
 Da wir unsere Sommerferien dieses Jahr zum großen Teil bei Oma und Opa in Bayern verbringen und uns somit in einem FSME-Risikogebiet ( FSME = Frühsommer-Meningoencephalitis oder im Volksmund Zecken-Hirnhautentzündung) aufhalten werden, haben wir uns entschlossen, die Zwerge impfen zu lassen. Das Impfschema bei der Zeckenschutzimpfung umfasst drei Impfungen im Abstand von sieben bzw. vierzehn Tagen. Die erste Impfung fand vor einer Woche statt und heute stand die zweite an.
ÂDie beiden Mädels sahen der Sache relativ entspannt entgegen. Es herrscht sogar eine gewisse Vorfreude, zum einen, weil sie sich nach der Impfung aus der „Schublade“ bei den Arzthelferinnen etwas aussuchen dürfen, zum anderen weil sich gegenüber der Arztpraxis eine Eisdiele befindet.
ÂNur der kleine Mann, der hat überhaupt keine Lust auf die ganze Geschichte. Schon auf der Fahrt zur Arztpraxis erklärt er bestimmt „Schau heut nur zu!“ – „Dann darfst Du Dir aber auch nichts aus der Schublade aussuchen.“, versucht Zwerg 2 ihren kleinen Bruder zu überzeugen. Das jedoch ist kein triftiges Argument für den kleinen Mann, denn beim letzten Mal fand er trotz intensiver Suche in der Schublade kein Auto, keinen Bagger, keinen Traktor oder sonst irgendein Fahrzeug und somit nichts, was eine Spritze in den Oberschenkel wert wäre.
ÂWir sind im Sprechzimmer, die Zwerge sitzen auf der Untersuchungsliege aufgereiht wie die Hühner auf der Stange. Die Ärztin begrüßt uns, schaut die Zwerge an und stellt freundlich fest „So, ihr drei werdet heut also wieder geimpft.“ – „Nein, die Mädels nur, ich nicht!“, stellt der kleine Mann klar. „Hab schon Schprrittzze habt!“
ÂDie Arzthelferin kommt mit den Spritzen ins Zimmer. Zwerg 1 ist als erste an der Reihe und verzieht keine Miene als es pickst, Zwerg 2 ebenso. Nur noch eine Spritze liegt auf dem Tablette.
ÂDer kleine Mann klettert flugs von der Liege.
„Tschüüüüüüsss!“ ruft er und ist schon fast an der Tür.
„Kleiner Mann, jetzt bist Du dran!“, ermahne ich ihn.
„Nein, keine Zeit mehr, muss jetzt Eis essen gehen!“, sagt der kleine Mann.
„Ja, aber erst nach der Spritze.“, sagt die Arzthelferin und hebt ihn wieder auf die Liege.
„Hau ab Du Blödi!! Darfst Du nicht!“, brüllt er. (Ich gehe mal davon aus und hoffe, dass man als Arzthelferin in einer Kinderarztpraxis solche Äußerungen gewöhnt ist und sie nicht persönlich nimmt.)
ÂEs folgen Geschrei, Gestrampel, Tränen und zu guter letzt die Spritze. Als alles überstanden ist, stapft der kleine Mann stolz zur „Schublade“ und findet dort ganz tief unten ein winziges blaues Plastikauto.
„Bin der Allergrößte!!“
ÂJa, der Allerallerallergrößte!!
 Â
