Wünschen kann man viel
Es ist anstrengend nie zur Ruhe zu kommen. Aber noch anstrengender ist es, es zu versuchen und daran zu scheitern.
Heute ist Muttertag. Als Mutter von drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter hat dieser Tag naturgegeben eine gewisse Relevanz für mich.
Mein in den letzten Tagen mehrfach geäußerter Wunsch war es, heute ausschlafen zu dürfen, mich nicht um das ganze Anziehprozedere der Zwerge kümmern zu müssen und mich zu einer Zeit, die mir angenehm erscheint, an den fertig gedeckten Frühstückstisch zu setzten, um ein ruhiges, gemütliches Sonntagsfrühstück mit meiner Familie zu genießen. Ein frommer Wunsch, ein Wunsch, der nicht unbedingt realistisch ist, der meinen Lieben einiges abverlangt. Aber – Verzeihung für diese abgedroschene Floskel - Wunder gibt es immer wieder.
Selbstkritisch muss ich zugeben, dass ich selbst die Erfüllung meines Wunsches von vorneherein torpedierte, in dem ich Zwerg1 erlaubte, einen Übernachtungsgast einzuladen.
Protokoll des Muttertagmorgens:
6:50 Uhr Die Schlafzimmertür öffnet sich leise. Eins – zwei – drei – vier Zwergenköpfe schieben sich durch die Öffnung. Getuschel, Gekicher, Geflüster. „Mama, was sollen wir heute anziehen?“
7:05 Uhr Schlafzimmertür die Zweite, schon nicht mehr sehr zurückhaltend, schließlich wissen sie ja, dass ich schon wach bin, beziehungsweise schon mal wach war. „Können wir jetzt zum Bäcker geben?“ Ich rüttle meinen Mann, der tief schläft oder sich zumindest sehr überzeugend tief schlafend stellt, wach. „Schatz, Muttertage!“ Missbilliges Gegrummel. Er steht auf, murmelt was von „...altmodische Sitten...“ .
Endlich etwas Ruhe, ich triefte wieder in einen leichten Schlaf.
7:30 Uhr Schlafzimmertür die Dritte, diesmal schwungvolles Aufreißen. „Mama, bist Du jetzt fertig mit dem Ausschlafen? Wir können frühstücken.“ Auf einmal Zwerge überall im Bett. Zwergenbauch auf meinem Gesicht, kitzelnde Zwergenhände, Zwergenknie im Magen, Zwergenkuss auf der Nasenspitze. Zwergenhaare im Mund. Ich stehe auf.
7:45 Uhr Selbstgebastelte Muttertagsgeschenke auf meinem Platz, Blumen auf dem Tisch, Zwerge auf meinem Schoß, frischer Kaffee, Croissantes, Brötchen. Das Leben kann auch viel zu früh am Sonntagmorgen einfach schön sein.
7:50 Uhr Zwergenvorschlag: „Und nächsten Sonntag feiern wir Kindertag! Am Kindertag dürfen wir uns wünschen wie der Tag sein soll und ihr müsst das so machen! So wie wir heute! Da schlafen wir dann aber nicht so lang!!“
