Kann Zwang denn gut sein?
Ist es nicht erstaunlich, was uns heut zu tage stellenweise zugemutet wird? Da wird arg- und wehrlose Kinder mit eine Lektüre aufgedrängt und von heute auf morgen werden sie gezwungen sich mit weltanschaulichen Problemen auseinanderzusetzten, mit denen sie sich unter normalen Umständen schon aus Prinzip nicht beschäftigt hätten.
Für uns ist es selbstverständlich kein Problem, denn wir nehmen alles, verschlingen bereitwillig, selbst nach anfänglichen Protesten, all das, was uns vorgesetzt wird. Doch was tut ihr, wenn ihr, wie ich nun erst kürzlich, mit einer so weit von euren Interessen entfernten Geschichte konfrontiert werdet:
Christa Wolf "Der geteilte Himmel"

Nun, was sagt uns dieses Buch? Hat es überhaupt eine nähere Aussage? Zweifellos, sonst wäre es nicht Schullektüre. Überhaupt haben Bücher, die in der Schule gelesen werden grundsätzlich einen tieferen, meist für Schüler nicht zu erfassenden, Sinn; ebenso wie sie meistens Träger des Jugendliteraturpreises sind, wobei sich mir an dieser Stelle nur die Frage aufdrängt, ob dieser Preis eigentlich für Bücher vergeben wird, die von Jugendlich auch gern gelesen werden oder nicht eher für solche, die besser von Schülern gelesen werden sollten, aufgrund eben genannter unerfindlicher tieferer Lehre.
Doch nun gut, wir haben also Manfred unseren mürrischen, intelligenten, aber leider gänzlich von der Welt enttäuschten Chemiker, der die 10 Jahre jüngere, hübsche, lebensfrohe und grundlegend positive Rita liebt. Das doch beeindruckende an Christa Wolfs doch allzu herzzerreißenden Erzählung ist, mit welcher erstaunlichen Ehrlichkeit sie diese Liebe und all ihre Hochs und Tiefs darstellt. Man kann sich zweifllos in einem dieser beiden Charaktere wiederfinden. Fragt sich nur in welchem. Und ,meist im Unterschied dazu, in welchem man sich wiederfinden möchte. Ich für meines Teil wende mich eher in Manfreds Richtung, obwohl zweiffellos jeder lieber Rita wäre, ist doch eine Konsequenz dieses Buches mit Sicherheit, dass wir alle nur allzu oft Manfreds sind, oder vielleicht doch nicht? Wer weiß das schon so genau.

Doch hat Christa Wolf mit ihrem Buch sicher viel mehr als die "einzig gültige auseinandersetzung mit den Jahren der deutschen teilung", wie uns der Umschlagtext weißmachen möchte und was ich in Anbetracht der Masse an deutscher Nachkriegsliteratur doch stark einzweifeln möchte, geschaffen. Viel mehr ist es ein Buch über die Liebe selbst, von dem man sich, wenn man dazu bereit ist, einfach in jegliche Himmel, ob geteilt oder nicht, tragen lassen kann.
