moderner Arbeitsweltwahnsinn

19.02.2009 um 22:04 Uhr

Midlife Crisis - so wollte ich nie werden...

Ach ja, ich weiß ja auch nicht, was mit mir los ist, ob ich denn nie zufrieden bin. Wahrscheinlich nicht. Heute war wieder ein blöder Tag. Also, es gibt schlimmere, aber es gibt auf jeden Fall auch bessere. Seit Montag war es bei mir unglaublich ruhig. Ich habe die Zeit genutzt, mich mal mit unseren neuen Systemen vertraut zu machen (wir haben für unseren Customer Care jetzt ein riesiges und relativ komplexes Knowledge Management System eingeführt). Ansonsten komme ich mit meinen E-Mails gut hinterher, ohne dass ein Backlog entsteht. Sobald aber wieder mehrere, "große" E-Mails kommen und ich nur einen minimalen Backlog von 2 - 3 E-Mails hab, werd ich wieder völlig panisch und kopflos. Oder wenn jemand was von irgendwelchen Projekten, Arbeitsabläufen usw. erzählt, von denen ich nichts weiß - selbst wenn mich diese nur ganz perifer betreffen. Ich habe dann sofort das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Dabei versuche ich mich gerade zu zwingen, das alles nicht so wichtig zu nehmen und nicht immer die Kontrolle behalten zu wollen - aber ich habe andererseits einfach so viel Angst, dass irgendwelche Spontan-Katastrophen passieren, auf die ich nicht vorbereitet bin, weil ich wieder von nichts wusste und mich keiner informiert hat. Ist in letzter Zeit nicht mehr passer (toi toi toi), aber ich rechne trotzdem jederzeit mit dem Schlimmsten. Habe permanent Versagensangst, irgendwie. Irgendwer kommt an und pinkelt mir wegen irgendwas ans Bein - meistens sind das dann Sachen, für die ich noch nicht mal was kann oder die ich nicht verursacht hab. Trotzdem wird mir ans Bein gepinkelt oder eine Lösung verlangt. Und darauf hab ich einfach keinen Bock mehr. Ich will einen neuen Job, verdammt.

Auf dem Mutterschiff hab ich das Gefühl, wird nie inhaltlich gearbeitet, da werden immer nur Arbeitsabläufe und Prozesse ausdiskutiert, definiert, in Frage gestellt, wieder neu aufgestellt. Und da wir ja permanent Umstrukturierungen haben, geht diese Art Arbeit natürlich nie aus, denn es müssen ja immer wieder neue Arbeitsabläufe und Prozesse festgelegt werden. Somit schafft man sich selbst immer neue Arbeit, ein Perpeto Mobile, sozusagen. Ich finde das alles höchst ineffektiv, und da darf man sich nicht wundern, wenn ein Unternehmen Pleite macht (weil es sich immer nur mit sich selbst und seinen eigenen Prozessen beschäftigt).

Am liebsten würde ich einfach nur meine Ruhe haben. Dienst nach Vorschrift machen, alles machen, was ich machen muss, und so lange nix pro-aktiv machen, bis jemand auf mich zukommt, und was von mir will. Mir einfach meine Nische suchen und die von dem Scheiß Mutterschiff Deppen sein lassen, genau wie die Leute in Berlin. Aber ich hab zu viel Angst, dass mir das irgendwann auf die Füße fällt, deshalb rotiere ich oft wie eine Blöde und mische mich in Sachen ein, die mich eigentlich nichts angehen, nur um das Gefühl der Kontrolle zu behalten. Dabei ist Kontrolle gar nicht gut. Ich brauche ein Mantra: Ich muss nicht immer die Kontrolle haben. Ich muss loslassen. Ich kann los lassen, ohne das mir was passiert (in der Theorie schön, in der Praxis überkommt mich Panik beim Gedanken, irgendwas los zu lassen - entweder bricht Chaos aus oder ich verliere meinen Job, weil plötzlich auch alles genauso gut oder schlecht ohne mich läuft). Habe heute einen lustigen Link über eine Mailingliste zugeschickt bekommen, der 100% auf die Firma, in der ich arbeite (vor allem das Mutterschiff) zutrifft: http://www.youtube.com/watch?v=Ug83sF_3_Ec

Nun ja, wenigstens ist das Wochenende in greifbarer Nähe. Aber danach geht es ja wieder für fünf Tage los. Und wieder. Und wieder. Und wieder... Ohne irgendein Highlight im Leben oder irgendwas anderes, abgesehen von ein paar Wochen Urlaub im Jahr. So wollte ich nie werden. Ich habe meine Eltern immer dafür gehasst, dass sie so sind und sich nicht selbst verwirklichen, stattdessen immer über ihre Situation klagen, die sie ja nur selbst ändern können. Und jetzt bin ich selber ganz genau so. Im Grunde arbeite ich allerdings gerne, wenn die Arbeit nur einen Sinn machen würde, mich ausfüllen würde. Aber meine Arbeit kommt mir oft so sinnentleert vor. Und dann muss ich immer auf Abruf bereit stehen, es gibt aufgrund der chaotischen Arbeitsweise in Berlin keine Möglichkeit der langfristigen Planung meiner Arbeit. Und aufgrund der Trägheit der Leute auf dem Mutterschiff gibt es in diese Richtung keine schnelle oder flexible Veränderung wenn man sie braucht, sondern alles geht unheimlich langsam und zäh vorwärts. Auch ganz einfache und banale Dinge. Ich glaube ja, dass unsere Firma in den nächsten Jahren richtig abkacken wird, weil sie mit den Marktentwicklungen in unserer Branche langfristig nicht mithalten könnnen wird. Aber wir werden sehen. Im Moment wird in Berlin noch wie blöde eingestellt (trotz Wirtschaftskrise), und wir sitzen uns alle gegenseitig auf dem Schoß, weil wir zu wenig Platz in unserem Office-Gebäude haben. Es gibt schon zwei "Außenstellen", eine dritte kommt demnächst dazu.

14.02.2009 um 01:19 Uhr

Telefonkonferenzen

Späte Uhrzeit diesmal, zu der dieser Beitrag kommt. Aber ich kann mal wieder irgendwie nicht schlafen, bin noch nicht richtig müde. Dabei gibt es gar keinen richtigen Grund (außer meiner allgemeinen Grund-Unruhe), dass ich nicht schlafen kann, denn heute war ein relativ ruhiger und fast schon erfolgreicher Tag (in dieser potentiellen Showstopper-Sache geht es jetzt endlich mal vorwärts - und nach Wochen des Diskutierens, Telefonierens und Lamentierens hat sich jetzt auch endlich mal jemand vom Management in Berlin in die Sache eingeschaltet).

Ich habe heute wieder von zu Hause gearbeiten und hatte den halben Tag vollgepackt mit Telefonkonferenzen (5 Std. insgesamt). Telefonkonferenzen sind ja so eine Sache. Eigentlich mag ich Telefonkonferenzen überhaupt nicht, aber leider komme ich in meinem Job nicht ohne sie aus, da ja die meisten Leute, mit denen ich zusammen arbeite, nicht in Berlin sitzen. Face-2-face Meetings habe ich leider ziemlich selten, in Berlin vielleicht ein Mal die Woche, wenn überhaupt so oft. Wenn ich irgendwohin reise um mein Team oder andere Leute zu treffen, bin ich immer völlig beflügelt und euphorisch und kriege einen richtigen Motivationskick, wahrscheinlich wegen der persönlichen Interaktion mit meinen Kollegen, die mir sonst total fehlt. Aber leider haben wir ja immer noch Travel-Stop, so dass das mit dem Reisen im Moment nicht so ganz einfach ist.

Aber zurück zu den Telefonkonferenzen als solche. Die funktionieren so, dass jeder Teilnehmer sich in eine zentrale Nummer einwählt, und alle hören können, was die anderen gerade sagen. Das Schöne ist, dass es bei dem System irgendeine Verzögerung gibt (technisch bedingt, schätze ich). Das heißt, manchmal entsteht eine Pause (z.B. wenn jemand eine Frage stellt), und dann denken mehrere Leute, "ah, jetzt kann ich was sagen". Und dann quatschen plötzlich drei Leute gleichzeitig los, etwa 3 - 5 Sekunden lang. Dann ist wieder Stille, und dann quatschen wieder alle drei gleichzeitig los - das find ich immer brüllend komisch. Manchmal geht das dann sogar noch ein drittes Mal so. Das ist auf jeden fall real slapstick.

Telefonkonferenzen bringen aber auch andere lustige Nebeneffekte mit sich. Z.B. die Tatsache, dass man sich ja gegenseitig nicht sehen kann (weshalb ja auch so viel des "eigentlich Gesagten" verloren geht): Vor ein paar Wochen ist es mir schon wieder passiert, dass ich so eine ewig lange Telco gleich morgens früh hatte. Man, war das übel! Vor allem, weil ich total Durchfall hatte und mich aber nicht mehr traue, während einer Telefonkonferenz auf's Klo zu gehen, da ich der Mute-Funktion an meinem Telefon nicht 100%ig traue... Ich bin früher oft und ohne Bedenken einfach während einer Telefonkonferenz auf's Klo gegangen und hab mich einfach auf Mute (Englisch für "stumm") geschaltet. Merkt ja keiner. Irgendwann letzten Sommer jedoch - ich war nicht auf dem Klo, sondern habe nebenbei eine E-Mail beantwortet - war jedoch auf Mute, meinte jemand: "Bei irgendwem im Hintergrund ist ziemlich lautes Tippen zu hören" In dem Moment hab ich schlagartig aufgehört, zu tippen, mich nochmal vergewissert, dass ich auf Mute bin, und dann kam vom anderen Ende "Ah - jetzt ist es weg". Seitdem habe ich kein Vertrauen mehr in die Mute Funktion und traue mich daher auch nicht mehr, während einer Telefonkonferenz auf's Klo zu gehen. Übel war das nur deshalb, weil ich bei der eingangs erwähnten Telco wahnsinning dringend auf's Klo musste, mich aber immer nicht getraut hab und außerdem dachte, "Die müssen doch hier gleich mal fertig sein!" Das hatte natürlich als Nebeneffekt, dass ich mich die letzten 30 Min. quasi null konzentrieren konnte, da ich nur noch ein Bedürfnis hatte: "Auf's Klo, und zwar asap!" Letztendlich war kein Ende der Telco so richtig abzusehen, und weil ich es echt sonst nicht mehr hätte halten können, hab ich mich 5 Min. vor offiziellem Schluss der Telco offiziell ausgeklinkt mit der Begründung, jetzt auf's Klo zu müssen. Natürlich, und als ich zurück kam, hatten sich wirklich alle schon offizielle verabschiedet - aber wer kann das schon ahnen, dass die dann tatsächlich Schluss machen, wenn ich gerade auf's Klo gehe? Naja, Murphy's Law halt.

Meine Psychologin meint übrigens, dass sie das ziemlich ungewöhnlich findet, dass die meiste meiner beruflichen Interaktion eigentlich nur über E-Mail und Telefon statt findet (und ich weiß aus meinem Kommunikationskurs, dass damit auch 90% der eigentlichen Kommunikation auf der Strecke bleiben). Aber bei den Kollegen aus meinem Office (meine Kollegin M. vom Marketing und vor allem auch bei dem französischem Sales Kollegen) sieht der Alltag auch nicht viel anders aus. Gerade der Sales-Kollege hetzt manchmal den ganzen Tag am Stück von einer Telco in die nächste. Nervig ist das bei uns natürlich dann, wenn mehrere Leute gleichzeitig telefonieren. Deshalb arbeite ich an Tagen, an denen ich besonders viele, besonders lange oder besonders wichtige Telcos hab, eigentlich immer von zu Hause aus. So wie heute eben.

Tja, jetzt ist der Artikel geschrieben, und ich bin immer noch nicht so richtig müde. Werde mich mal daran machen, einige andere Artikel zu überarbeiten. Vielleicht kommt ja die Müdigkeit doch noch irgendwann.

11.02.2009 um 22:02 Uhr

Fök!

Stimmung: ach ich weiß auch nicht...
Musik: Franz Ferdinand - Tonight

Ach ja, ich weiß ja wirklich oft nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Wie ätzend alles ist, hab ich ja nun schon oft genug und hinreichend geschildert. Aber irgendwie hat das Ganze auch wieder sowas Groteskes, dass es schon wieder witzig ist. Unsere Entwicklung bzw. Produktmanagement baut in den letzten Wochen vor dem Release mal wieder noch tausend neue Features und Änderungen in die Software rein. Natürlich komplett ohne jegliche Dokumentation. Die Specs, die vor einem halben Jahr mal gemacht wurden, sind schon seit Monaten outdated. Ebenso unsere Materialien, die wir im Customer Care gemacht haben, denn das Produkt ändert sich ja noch tausend mal for dem Release ("Code complete" oder "Freeze" sind Fremdworte bei uns in Berlin - obwohl wir sonst so viele Anglizismen haben). Und irgendwie passiert das immer wieder, bei JEDEM Release, seit Jahren jetzt schon. Es ist nicht mal so, dass man mal Lehren aus der Vergangenheit zieht oder so - nein, wir doch nicht! Und unser Mangement in Berlin ist absolut nicht in der Lage, der Situation Herr zu werden. Sie geben es sogar noch als unsere wertvollste Fähigkeit aus, dass wir so toll flexibel und schnell reagierend sind (frei nach dem Motto "It's not a bug, it's a feature!"). Und das Management auf dem Mutterschiff ist unfähig, das Management in Berlin unter Kontrolle zu bekommen.

Irgendwie hab ich eh das Gefühl, dass ab einem bestimmten Management-Level nur noch Unfähigkeit regiert. Ich schwöre hiermit feierlich, dass, wenn ich je in einer dieser Management-Positionen sitzen würde, mein Scheiß nie so komplett disorganisiert und chaotisch sein wird und ich gleichzeitig jegliche Verantwortung dafür von mir weisen würde.

Und warum ich das Ganze auf der anderen Seite so lustig finde ist, dass wir mit dieser Anarcho-Nummer, die wir in Berlin hier haben, einfach zu machen was wir wollen, ohne Angst vor Sanktionen und ohne uns einen Scheiß darum zu scheren, was die Leute vom Mutterschiff oder sogar unsere Endkunden über uns und unser Produkt sagen - damit so unbescholten durchkommen, hat doch fast schon wieder was Groteskes. Unsere Verkaufszahlen sind vergleichsweise schlecht, aber unser Management schafft es irgendwie, die schön zu reden. Stattdessen verhalten und agieren wir immer noch wie ein Startup, und ohne uns wirklich für unsere Kunden und das was sie wollen zu interessieren. Und dieses Chaos in unserer Entwicklung guckt sich das Mutterschiff nun auch schon seit Jahren an, zwar murrend, aber auch so richtig in der Lage was zu ändern.

Heute beim Mittagessen war diese Groteske und dieses Miß-Management auch wieder DAS Thema (ich hab seit Langem beim Mittagessen nicht mehr so viel gelacht, wie heute). Ein Kollege (der oft reichlich scheiße ist und uns mit folgendem Dialog begrüßt hat: Wir: "Hey M., kommste heute mit uns essen, nicht mit Deinen Management-Freunden?" "Ach, die mag ich doch alle nicht. Okay, Euch mag ich zwar auch nicht, aber wenn ich zwischen Pest und Cholera wählen kann - naja, Ihr wisst wie das ist.") hat heute wieder die ganze Runde unterhalten. Leider trifft sein Urteil meiner Meinung nach 100% die Realität. Eine Beobachtung war z.B., dass wir bisher für jeden unserer großen Software-Releases bestimmte Top 5 Issues hatten - und wenn man sich mal die Evolution dieser Top-5 Issues (von Kunden- / Usability Perspektive) anguckt wird man merken, dass die vom ersten Release unserer Software vor ein paar Jahren immer noch genau die gleichen sind, wie jetzt. Das muss uns erstmal jemand nachmachen, so dermaßen ignorant und lern-resistent gegenüber immer wieder auftretenden Fehlern und Problemen zu sein! Da gehört schon wirklich was dazu. Wir bauen zwar seit Jahren immer wieder mehr neue und tolle Features in unserer Software ein, die niemanden wirklich interessieren und die niemand wirklich benutzt, weil sie so kompliziert und schlecht zu bedienen sind, aber unsere Basic-Probleme hätscheln und pflegen wir. Wir werden demnächst ein neues Feature raus bringen, was von unserem Management gerade ganz groß gehandelt wird, aber bei irgendwelchen User-Umfragen kam wohl raus, dass das gerade mal 1% der Nutzer überhaupt nutzen würden.

Wir haben ein bestimmtes Team inkl. Manager, das bestehen seit fünf Jahren und hat noch nicht einmal ein Produkt oder Feature gemacht, dass nur ansatzweise Umsatz bringt. Als wir noch ein Start-Up waren, hat besagtes Team mal einen Webshop für 1,8 Mio. Euro gebaut - der Umsatz dieses Webshops während seiner gesamten Lebenszeit (etwa 6 Monate) war etwa 148,50 Euro. Und 90% der Kunden, die dort was gekauft haben, haben sich anschließend bei meiner damaligen Kollegin und mir im Support gemeldet, weil sie mit dem Produkt oder Shop oder beidem nicht klar kamen. Also Support-Kosten kommen da nochmal drauf. Als gemerkt wurde, dass sich dieser ganze Scheiß-Shop nicht rentiert, wurden nochmal 100.000 Euro ausgegeben, um ihn wieder zu schließen. Da wurde richtig Geld verbrannt, weil sich das ganze Management mit Hilfe unzähliger bunter Powerpoint-Präsentationen monatelang erfolgreich eingeredet hat, wie wichtig und unentbehrlich so ein Webshop für den Kunden sein würde - nur den Kunden hat niemand gefragt, denn den hat der blöde Webshop einen Scheiß interessiert (fieser Kunde!). Unglaublich, wenn man daran denkt, dass ich damals bei einer 40-Std. Woche 18.000,- brutto p.a. verdient habe. Und das mit abgeschlossenem Hochschulstudium.

Solches Miß-Management wird bei uns seit jeher betrieben. Ich frage mich wirklich oft, wie das Mutterschiff uns nur kaufen konnte. Lässt ja auch auf einige Unfähigkeiten und Miß-Management auf deren Seite schließen... Aber der Typ, der damals den Deal hauptsächlich durchgebracht hat, scheint in seiner Laufbahn auch nicht immer das beste Händchen gehabt zu haben:

Damit wurde anschließend noch während derselben Mittagspause eine meiner letzten großen Hoffnungen zerstört: Besagter Manager nämlich vom Mutterschiff, der damals den Deal durchgebracht hatte, und von dem ich mir immer erhofft hatte, dass er mal mit der Faust auf den Tisch haut und unser Management in Berlin zur Rechenschaft zieht, ist wohl jemand, der bisher nur verbrannte Erde zurück gelassen hat und dabei aber immer nur nach oben gerutscht ist. Bekommt schätzungsweise 400k Euro im Jahr, aber hat ein Projekt nach dem anderen in den Sand gesetzt - trotzdem immer weiter nach oben gerutscht. Ich hatte gehofft, indem der Boss meines Bosses unsere Probleme zu diesem Typen weiter eskaliert (der Boss meines Bosses und besagter Typ haben früher wohl mal in einer anderen Abteilung zusammen gearbeitet und sind daher noch auf Du und Du), würde sich vielleicht was ändern. Aber das kann ich ja wohl vergessen, Unfähigkeit wohin man nur sieht.

Mein Boss reiht sich ja leider in die Reihe der unfähigen Manager nahtlos ein. Heute war schon wieder so eine Schose, aber ich hab keine Lust, darüber jetzt zu schreiben. Der Freund jedenfalls hat mir daraufhin geraten, meinem Chef mehr oder weniger zu drohen - also wenn sich die Situation in Zukunft nicht verbessert, wird das den Boss meines Bosses sicherlich auch interessieren. Aber ich bringe es leider nicht, meinem Boss zu drohen und mal ganz ehrlich: ich glaube nicht, dass es seinen Boss interessieren würde, welche Probleme ich mit ihm hab.


Noch eine schöne Schose: Eins unserer Produkte, wurde jüngst beschlossen, bleibt vorübergehend erstmal im Beta Status. Obwohl der Commercial release schon geplant war für die nächsten Wochen / Monate. Damit die Leute jetzt aber nicht komplett durcheinander kommen, wurde beschlossen, den besagten Release "Commercial Beta" zu nennen. Mein französischer Kollege vom Sales und ich haben darüber sehr gelacht. Überhaupt hatten wir jüngst viel Spaß in unserem Büro. Letzte Woche haben wir unser neues Office-Motto in großen Lettern an die Glaswand geklebt: "Fök!" Schon kürzlich haben wir festgestellt, dass die "Fuck"-Rate in unserem Office (und damit meine ich nicht, wie oft man auf dem Schreibtisch Geschlechtsverkehr hat, sondern wie oft man das Englische Äquivalent für "Scheiße" laut ausspricht) besonders hoch ist. Die Liste wird angeführt von meiner Kollegin M. vom Marketing. Dannach kommen irgendwann ich oder der Französische Kollege vom Sales. Da letzterer aber nicht "Fuck" (sprich: Fak) sagt, sondern "Fö-ök", haben wir beschlossen, dass jetzt gerade zu unserem momentanen Büro-Motto zu machen und mal zu gucken, wie viele der Kollegen, die so vorbei kommen, das bemerken. Bisher haben es schon einige bemerkt. Hier mal ein Bild davon:

  Fök our office.

Leider hat der französische Kollege das Schild nach etwa vier Tagen wieder abgenommen. Angeblich, weil er durch die Glaswand nicht mehr die Präsentationen draußen auf der Leinwand sehen konnte. Aber wir (meine Kollegin M. vom Marketing und ich) glauben, dass er es abgemacht hat, weil sein Boss vom Mutterschiff zu Besuch kam ;)

Ich bin ab jetzt übrigens wieder bei Weight Watchers! Haha! War ganz überrascht, aber mein Gewicht ist ganz knapp in dem auf meiner Gold Card definierten Rahmen. Meine Psychologin meint ja, abnehmen in emotional bewegten Zeiten funktioniert meistens nicht (genausowenig wie mit Rauchen aufhören). Aber ich frage mich, wann die Zeiten mal wieder besser werden, so dass ich nicht permanent so deprimiert und wütend über die Arbeit bin. Ich glaube nicht, dass das noch passiert, es sei denn, ich finde wie durch ein Wunder einen neuen Job (die von dem Job in Hamburg haben sich immer noch nicht wieder gemeldet - auch auf Nachfrage nicht).

03.02.2009 um 22:50 Uhr

Immer nur Probleme, Probleme - nie Lösungen

Stimmung: verzweifelt / deprimiert

Ach ja... ich weiß echt nicht, was ich machen soll. Ich bin echt verzweifelt und wirklich deprimiert. Die Arbeit ist so scheiße. Immer nur Probleme, Probleme, Probleme - und nie Lösungen. Am liebsten würde ich morgen zum Arzt gehen und mich die nächsten zwei Monate krank schreiben lassen. Aber das hilft ja auch nicht. Und kündigen und neuer Job? Ich glaub nicht, dass es woanders nennenswert besser wäre. Es liegt an mir, dass ich die Probleme so nah an mich ran lasse, und mir nicht einfach am Arsch vorbei gehen lasse. Vielleicht liegt es auch an mir, dass ich unfähig bin, meine Probleme auf Arbeit zu lösen. Aber ich bekomme auch null Unterstützung - von meinem Chef nicht und von niemandem. Fühle mich so allein gelassen. Mein Chef ist ja noch nicht mal in der Lage, die Probleme, mit denen ich täglich kämpfen muss, zu verstehen - geschweige denn, zu lösen. Dazu ist er zu passiv, zu feige oder zu faul - oder eine Mischung aus diesen drei Sachen. Und ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Heute war so ein Scheiß-Tag. Wieder tausend Probleme aufgepoppt, die andernorts entstehen, für die aber von mir Lösungen erwartet werden. Weiß einfach nicht, wie ich das machen soll.

Der Prozess, an dem ich arbeite, ist immer noch nicht fertig. Das Management in Berlin sagt, dass doch alles ganz einfach wäre und es überhaupt nicht versteht, wo das Problem liegt. Ohne sich aber auch mal eingehender mit dem Problem zu befassen - keine Zeit. Die Leute vom Mutterschiff sagen, wir müssen zurück an den Design Table und die technische Implementierung anders lösen. Das will das Management in Berlin aber nicht, die verlagen, dass der Customer Care seine Systeme entsprechend anpasst, um die momentane Implementierung zu unterstützen. Das dauert in unserem Unternehmen aber nicht unter 6 Monaten, eher ein Jahr - weil wir so wahnsinning schnell sind. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, und unser Unternehmen gleicht eher einer Behörde, als einem Wirtschaftsunternehmen.

Und mit meiner Gehaltserhhung wird es wohl auch nichts, da das Mutterschiff neben dem Travel-Stop auch einen Freeze für sämtliche Löhne und Gehälter für dieses Jahr angeordnet hat, da die Geschäftsergebnisse des letzten Quartals so schlecht waren. Ich fühle mich verarscht.

Und die Leute vom Mutterschiff kapieren wirklich gar nichts: Seit 6 Monaten arbeiten sie an einem Entwurf für ein Customer Care Tool. Jetzt sind sie das erste Mal damit an Leute in Berlin ran getreten. Nebenbei gibt es auf dem Mutterschiff zwei ähnliche Initiativen, die zwar nicht an einem Tool für Customer Care arbeiten, aber an Tools, die ähnliche bzw. gleiche Schnittstellen zu unseren Server-Systemen haben sollen. Für die Leute in Berlin sind das drei fast gleiche Projekte, weil eben ähnliche Schnittstellen (sogenannte APIs) benötigt werden. Für die Leute vom Mutterschiff sind das drei völlig unterschiedliche Projekte und sie begreifen nicht, warum sie sich untereinander vernetzen sollen um ihre Anstrengungen zu koordinieren, damit wir in Berlin eben nur einmal die nötigen Schnittstellen zur Verfügung stellen müssen (und zwar passend für alle drei Tools). Und dann heißt es von der Initiative mit dem Customer Care Tool, sie würden schon von Anfang an mit den Leuten in Berlin zusammen arbeiten. Die einzige, die hierzu mal gefragt wurde, war ich, und ich habe von der technischen Implementierung keine Ahnung. An andere Leute in Berlin haben die sich überhaupt nicht ran getraut, das machen die jetzt, wo sie das Tool eigentlich in 1 - 2 Monaten fertig haben wollen! Und keiner auf dem Mutterschiff hat überhaupt eine leisteste Ahnung, wie unser Produkt von technischer Seite funktioniert. Und die halten das auch für nicht notwenig, von den technischen Sachen eine Ahnung zu haben! Oder habe ich versagt, dass ich die Leute nicht eher an unsere Leute in Berlin ran geführt hab? Ich denke, die Jacke muss ich mir mal nicht anziehen, denn der Chef von der Initiative mit dem Customer Care Tool war von Anfang an mit dem Management in Berlin im Gespräch - allerdings nie mit nennenswerten Ergebnissen. Naja, das soll auch nicht mein Bier sein, regt mich nur an der Seite auf.

Was mich wie gesagt richtig aufregt, frustriert und am Ende deprimiert ist, dass ich immer nur Probleme auf den Tisch geknallt kriege, die irgendwelche anderen Leute verzapft haben, und für die ich mir eine Lösung im Customer Care überlegen muss. Und wir haben eh schon den Druck, dass wir für unser Produkt zu viele Anrufe von Kunden bekommen und mit die höchsten Care Kosten im Unternehmen verursachen. Wie soll das jemals runter gehen, wenn sämtliche Workarounds immer nur über den Customer Care laufen sollen?

Und dann muss ich mich mit so vielen Leuten vernetzen - mit dem Produktmanagement, mit unserem (Support) online Management, mit dem E-Marketing, mit dem normalen Marketing, mit anderen Abteilungen vom Mutterschiff - damit wir unsere Aktionen aufeinander abstimmen und alles ein stimmiges Ganzes ergibt. Leider sehen die anderen das nicht so und jeder macht, was er will. Am Ende haben wir einen total fragmentierten und zerfaserten Ansatz, und keiner sieht mehr durch - am wenigsten unsere Kunden. Und von mir wird am Ende erwartet, das Kind zu schaukeln. Irgendwie. Ich hab keinen Bock mehr, wirlich, Leute. Ich überlege ernsthaft, morgen zum Arzt zu gehen, und mich krank schreiben zu lassen. Mein Chef ist leider wie gesagt auch keine große Hilfe. Der hat ja auch keine Lust, die Dinge anzugehen oder sich mit den Leuten in Berlin zu vernetzen. Der kennt hier niemanden. Ich werde morgen früh zu meiner Psychologin gehen und mit ihr reden. Und wenn die mich nicht überzeugen kann, gehe ich gleich danach zum Arzt und lasse mich krank schreiben. Ich kann einfach nicht mehr. Ich kann so nicht weiter machen. Ich bin deprimiert, völlig freudlos - finde auch nicht richtig Ablenkung. Auf Arbeit mache ich Frustfressen, aus Autoagresssion heraus (weil ich nicht weiß, wie ich meine Aggressionen sonst raus lassen soll), obwohl ich eigentlich SEIT MONATEN abnehmen will. Ab nächste Woche werde ich sogar wieder zu Weight Watchers gehen, weil ich es, trotz permanentem Punkte-Aufschreiben, 2x die Woche Tanzen und Vorkochen am WE für die Woche nicht schaffe, abzunehmen. Und das, weil ich auf Arbeit oft solche Frustrationsanfälle kriege, dass ich nur noch fressen kann, um mich irgendwie zu beruhigen oder zu trösten, oder eben Aggressionen raus zu lassen.

Ich will einfach nicht mehr. Manchmal möchte ich am liebsten gar nicht mehr existieren, um diese Probleme und die Versagensgefühle nicht mehr zu haben. Aber umbringen will ich mich natürlich nicht, eher würde ich kündigen. Aber der Schritt dazu ist dann doch relativ groß, denn was kommt danach? Und wird es vielleicht doch noch irgendwann nochmal besser auf Arbeit? Die Hoffnung habe ich jetzt seit Monaten, leider ohne Erfolg. Leute fragen mich "Hast Du denn nicht zwischendurch mal Erfolgserlebnisse? Arbeiten, die Du als geschafft abhaken kannst? Sachen, die fertig sind und auf die Du stolz bist?" - nein, das habe ich leider nicht. Mein Projekt vom letzten Jahr hat noch offene Actions, und das wird dieses Jahr auch nicht anders. Und wenn alles geschafft ist, kommt es mir immer so banal vor und ich denke mir: So ein paar Kleinigkeiten zu organisieren, warum tue ich mich damit so schwer und warum mache ich so ein Fass auf? Nein, ich möchte echt nicht mehr. Und ich wünsche mir so sehr Unterstützung, aber mein Chef ist leider echt keine Hilfe. Zudem ist er unglaublich langsam. Wenn er manchmal hilft, dauert es Jahrhunderte, bis das vorwärts geht. Die Entwicklung in Berlin geht aber mit 4-facher Geschwindigkeit voran, mindestens. Und das checkt auf dem Mutterschiff keiner. Letztens war der Chef von meinem französischen Kollegen in Berlin (hab ich das schon geschrieben?), und der meinte, wir schaffen in Berlin in einer Woche das Arbeitspensum und die Ergebnisse, für die die auf dem Mutterschiff 1,5 Monate brauchen.

Und ich möchte nicht mehr länger in dieser Zwischenposition hängen. Auf dem Mutterschiff verlangen sie Dokumentationen für jeden Projektmilestone, und für jeden Milestone bestimmte Deliverables. Die meisten dieser Deliverables kann ich jedoch zum entsprechenden Milestone einfach noch nicht abliefern, weil die Leute in Berlin mit dem Produkt noch gar nicht so weit sind! Wie sollen wir Care-Readiness für ein Produkt haben, das noch gar nicht fertig ist? Und jetzt, nach der Umstrukturierung, haben wir wieder ein neues Management auf dem Mutterschiff, dem wir das wieder beibringen werden und die das nicht kapieren werden. Und das geht dann wieder auf meine Kosten, denn es heißt dann wieder, ich würde schlechte Arbeit machen. Nee ey, ich hab wirklich keine Lust mehr. Was soll ich nur machen??? Ich bin so verzweifelt, will nur noch heulen und kann und will so nicht mehr weiter machen. Meine Arbeit ist einfach nicht zu schaffen - nicht zeitlich, mit mehr Zeit könnte ich das auch nicht schaffen. Inhaltlich ist es einfach eine unmögliche Sache, das zufriedenstellend zu lösen.

26.01.2009 um 20:56 Uhr

Ein Wunsch frei

Stimmung: Mischung aus resigniert / aggressiv / selbstzweifelnd

Ach ja, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Irgendwie bin ich so aggressiv und unzufrieden - also was die Arbeit betrifft, meine ich natürlich. Es ärgert mich so viel, am meisten, dass nichts vorwärts geht und ich keine (positive) Veränderung sehe. Aber vielleicht bin ich auch zu ungeduldig. Außerdem weiß ich und höre es auch immer wieder (z.B. von meiner Therapeutin), dass ich sehr auf die negativen Sachen fokussiert bin und die postiven zu wenig sehe / schätze. Da ist was dran, aber das kommt halt daher, dass ich denke, das, was andere als positiv sehen oder herausheben (und sich damit profilieren), ist für mich eigentlich selbstverständlich. Das muss man nicht noch extra positiv erwähnen, das versteht sich von selbst und das ist einfach so, wie es sein sollte. Wenn man nicht gerade herausragende Leistungen bringt, ist es nicht wert, das Selbstverständliche zu erwähnen.

Naja, mein Problem ist einfach, dass das Feedback, das wir von unseren Endkunden bekommen, bei der Entwicklung neuer Releases quasi null ins Gewicht fällt. Da aber alle irgendwie erwarten, dass es meine Aufgabe und Rolle ist, genau dafür zu sorgen (also dass negatives Feedback unserer Endkunden ans die Entwicklung geht und im nächsten Release besser gemacht wird) ist das "Mission Impossible" - eine Aufgabe, die ich nicht gewinnen kann. Also vielleicht mache ich auch meine Arbeit schlecht, das kann auch sein. Das glaube ich nämlich auch häufig. Andere kriegen es doch auch gebacken, also warum ich nicht? Kann ja nur an mir liegen.

Z.B. können wir Feedback aus Beta Releases gar nicht auswerten, da wir dafür keinen eigenen Reporting- und Eskalationschannel haben. Dass wir den nicht haben, ist aber meine Schuld, hätte ich ja aufsetzen können. Dann denke ich aber: Wozu die Mühe, unser Feedback wird ja von der Entwicklung und dem Produkt Management sowieso nicht wahr genommen? Außerdem hat das Produkt Management im jüngsten Fall einen eigenen Feedback-Channel aufgesetzt und lässt den von einer externen Agentur auswerten, einfach weil das viel schneller und flexibler ist, als das Feedback aus dem Kundensupport aufzusammeln.

Nun ja, aber wir haben so ein paar Basic-Probleme, die wir schon seit Monaten mit uns rumtragen, und die einfach nicht gelöst werden. Die Ursache dieser Probleme liegt aber nicht im Kundensupport, sondern in unserem Produkt oder irgendwelchen Abläufen oder fehlenden Verträgen oder was weiß ich. Und ich kann irgendwie nicht mehr machen, als den Kram an die zuständigen Leute zu eskalieren, und wenn die sich nicht bewegen, an meinen Chef. Aber selbst das habe ich vor Monaten schon gemacht, ohne nennenswerten Erfolg, denn mein Chef ist ja wie gesagt auch nicht der Typ, der anderen gerne hinterherläuft und hinterhertelefoniert mit der Forderung, irgendwelche Probleme zu lösen. Und am Ende heißt es dann aber hinter vorgehaltener Hand wahrscheinlich, dass es meine Unfähigkeit ist, diese Probleme zu lösen, weil ich das Frontschwein bin. Und die Leute, die die Probleme eigentlich lösen sollten (nämlich die Entwicklung und das Management), sollten im Sinne unserer Kunden und unserer Kundenzufriedenheit natürlich daran interessiert sein, diese Probleme zu beheben - sind sie aber nicht, das interessiert die einen Scheiß, denn am Ende nehmen die als Maßstab nicht, was unseren Kunden gefällt, sondern was die Konkurrenz macht (und dem noch einen drauf zu setzen) und allerletzte Instanz ist sowieso immer unser King Management in Berlin. Es kann tausend User-Studies mit dem gleichen Ergebnis geben, wenn unser King Management (und nur er) etwas benutzerfreundlich und innovativ und viel besser als bei unserer Konkurrenz findet, wird das weiter so gemacht. Auch wenn die Kunden unserem Customer Care die Bude einrennen, weil sie das Produkt nicht verstehen.

Ich habe schon so oft gedacht, wenn ich nur einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass jemand vom Mutterschiff endlich unser bescheuertes King Management absägt und durch jemanden ersetzt, der fähig ist und wirklich ein gutes Produkt machen will, und dessen einziger und alleiniger Maßstab für ein gutes Produkt nicht sein eigenes Gutdünken ist. Das ist es nämlich, was meinen Job zur Mission Impossible und so schwierig macht, und weshalb ich so unzufrieden und aggressiv bin. Und dann denke ich mir, vielleicht liegt es ja am Ende doch an meiner Unfähigkeit, dass das alles so ist, wie es ist. Andere würden es doch auch hinkriegen. Und ich weiß einfach nicht, wie ich da raus kommen soll, aus dieser Frustrationsspirale. Eine Lösung ist, das alles nicht so ernst zu nehmen und nicht so nah an sich ran zu lassen. Eine andere Lösung ist, sich einen anderen Job zu suchen.

Übrigens haben die von dem Verein, bei dem ich mich Woche beworben hab, offensichtlich eine Rundmail an alle oder einige Interessenten geschickt, wie denn die Gehaltsvorstellung ist. Wahrscheinlich sieben die daraufhin nochmal aus. Das ist jetzt die Gretchen-Frage... Wenn ich eine zu hohe Summe nenne, kann ich es total verreißen - andererseits möchte ich aber auch nicht für weniger arbeiten als jetzt, schließlich ginge es auch um einen Umzug nach Hamburg... Da sollte schon etwas mehr Geld drinne sein.

 

Nachtrag: So, jetzt habe ich gerade meine Gehaltsvorstellung dahin geschickt. Jetzt bin ich WIRKLICH gespannt!!!

22.01.2009 um 22:31 Uhr

24...

Inzwischen habe ich mich schon wieder einigermaßen erholt von meinem "Flash" gestern. Trotzdem hat mich das Thema irgendwie den ganzen Tag noch immer wieder beschäftigt. Das fing schon morgens an, als ich mir dachte: Was wissen die schon von Berlin? In der Gegend, wo ich wohne, liegen neben der ganzen Hundescheiße, die dort ganzjährlich liegt, immer noch die Reste der Böller von Silvester. Oder schon wieder neue, so genau kann man das hier nicht sagen. Ich wette, das ist im P-Berg nicht so. Ja, ich bin stolz auf den Schmutz und den Ranz hier! Das ist wenigstens original Berlin!!

Ach übrigens, wer sich gewundert hat, warum ich gestern Abend mit den Kollegen essen war, weil ich doch eigentlich mit einer Freundin ins Kino wollte - die Freundin ist noch bzw. schon wieder krank gewesen, und wir haben unseren Kino-Besuch jetzt auf Sa. Abend verschoben. Und dann kam gestern irgendwann im Laufe des Tages die Einladung von meiner Kollegin M. vom Marketing rein, und da ich ja so lange kein richtiges "Sozializing" mehr abends hatte, dachte ich, ich gehe mal mit. Hätte ich besser nicht machen sollen, denke ich mir so im Nachhinein.

Aber der Tag gestern bestand ja aus noch mehr, als nur dem Abend. Das absolute Tageshighlight: Einer aus meiner Lunch group (der andere West-Berliner - der, der eigentlich Indonesier ist) hat gesagt (und jetzt haltet Euch fest): "Großstadtpflanze könnte sagen, dass sie 24 ist und das würden ihr auch alle glauben!" Ha, ist das mal ein Kompliment? Okay, Ihr wisst jetzt natürlich nicht, wie alt ich tatsächlich bin - ich bin keine 10 Jahre älter als das geschätzte Alter - aber schon relativ nah dran :) Insofern ist das tatsächlich mal ein Hammer-Kompliment!!!

Ich finde, das ist ein schöner Abschluss, und ich glaube, damit reicht es jetzt auch erst einmal für heute.

22.01.2009 um 00:10 Uhr

Da stimmt doch irgendwas nicht...

Da stimmt doch irgendwas nicht. Oder stimmt mit mir irgendwas nicht? Ich war gerade mit ein paar Kollegen im White Trash Fast Food essen. U.a. meine Kollegin M. vom Marketing, mein anderer Bürogenosse aus Frankreich und einige Leute vom Mutterschiff (fast alle Marketing). Ich war die einzige gebürtige Berlinerin. Der einzige weitere Deutsche in der Runde kommt aus Westdeutschland (Rheinland-Pflanz), im September nach Berlin gezogen, gerade eine Wohnung am Helmholzplatz gefunden. Eine Marketing-Kollegin vom Mutterschiff zieht Anfang Februar nach Berlin (sie wird als 4. mit in unserem kleinen Büro sitzen). Und es wurde diskutiert, wo man in Berlin so wohnen kann und wie Berlin denn so ist usw..  Und irgendwie leben diese Leute in einer komplett anderen Welt als ich. Für die existiert Berlin nur als Prenzlauer Berg. Die ziehen alle nach Prenzlauer Berg und finden es ganz toll, und sind auch der Auffassung, dass es ganz selbstverständlich ist, dass die Leute in den örtlichen Kindergärten Englisch sprechen. Das ist verdammt nochmal nicht selbstverständlich!!!

Der andere deutsche Kollege hat eine Story erzählt, dass ein Taxi-Fahrer ihnen (also ihm und seiner Freundin) nach der Wohnungsbesichtigung eine Predigt gehalten hätte - also dass Prenzlauer Berg ja Yuppie-Bezirk sei und man da als Berliner nicht mehr wohnen könne weil zu teuer und dass da nur noch so junge Pärchen, beide arbeitend, einziehen (in der Soziologie heißt das "Dinkis" - Double Income, No Kids - und mal ganz ehrlich, bei genauerer Betrachtung zählen der Freund und ich auch dazu) - aber ich meine hallo, die beiden sind doch wohl das Stereotyp davon!? Aber natürlich sind alle der Auffassung, dass Berlin so cool ist und so viele Leute aus dem Ausland und so viele Leute, die Englisch sprechen usw. Die sollen mal nach Neukölln kommen. Oder nach Spandau. Oder nach Köpenick (wo wir letzten Sa. auf der Party waren). Da sieht die Welt schon etwas anders aus. Aber das kennen diese Leute nicht, und das Schlimme: Sie wissen es nicht mal, dass sie das nicht kennen, dass Berlin aus noch mehr besteht als nur Prenzlauer Berg und dass es hier Kriminalität gibt und einen Haufen Leute, die verdammt nochmal um ihr Überleben kämpfen müssen - und das, obwohl sie täglich irgendeiner geregelten Arbeit nachgehen. Klar, mir ging es in London in punkto beschränkter Horizont nicht anders, als ich dort mal ein Praktikum gemacht hab - aber ich war mir dessen wenigstens bewusst!

Irgendwie haben diese Leute eine komplett andere Sozialisation als ich - und ich fühle mich in solchen Runden immer irgendwie so fremd - so dass ich mich frage, bin ich es am Ende, mit der irgendwas nicht stimmt? Auch das ganze Verhältnis, dass die zum Thema Geld haben, ist ganz anders als meins. Kann ja sein, dass die alle wesentlich mehr verdienen, als ich, aber verglichen mit meinen Freunden aus Berlin (die in so normalen Berufen wie Krankenschwester arbeiten), verdiene ich eigentlich ganz gut, ohne, dass ich dabei die horrenden Mieten bezahle, die inzwischen im Prenzlauer Berg üblich sind  - und trotzdem schaffe ich es mit Leichtigkeit, mein Geld irgendwie durchzubringen. Dabei zahlen diese Kollegen, bei vergleichbarer Wohnungsgröße, fast das Doppelte an Miete wie wir (und sind dabei noch der Auffassung, dass Berlin so unheimlich billig sei). Das war dann so der Moment am Abend, ab dem ich versucht habe, mir jegliche weiteren Kommentare zu dem Thema zu verkneifen. Vor allem als die Kollegin, die im Feb. nach Berlin zieht dann meinte, eine hier ansässige Freundin von ihr habe ihr erzählt, dass Prenzlauer Berg ja so uncool sei. Natürlich kann sie (also die, die neu zuzieht), das nicht beurteilen. Aber ich teile diese Auffassung. Mit 16 war mein innigster Wunsch, nach Prenzlauer Berg, zum Kollwitzplatz zu ziehen. Damals war die Gegend noch richtig cool. Sobald ich dann Gelegenheit hatte, von zu Hause auszuziehen, bin ich (mit Umweg über die Wohnung meines damaligen Freundes in Siemensstadt) sofort nach Prenzlauer Berg, wo ich dann auch fast 10 Jahre gewohnt hab. Aber der Prenzlauer Berg von heute ist nicht mehr der Prenzlauer Berg von Anfang / Mitte der Neunziger Jahre. Deshalb bin ich da irgendwann weg gezogen. In der Soziologie (Ihr wisst, ich hab Soziologie studiert und Stadtsoziologie war immer sowas wie meine "Leidenschaft" - mein Steckenpferd, quasi) heißt das "Gentrification" , was da seit Mitte der Neunziger im Prenzlauer Berg passiert und was im Moment in Nord-Neukölln (das irgendwelche Idioten "Kreuzkölln" getauft haben) passiert. Nord-Neukölln ist im Moment so, wie Prenzlauer Berg vor 15 Jahren war. Aber dafür haben diese Leute, mit denen ich heute Abend zusammen saß, überhaupt keinen Sinn - weder für das P-Berg der Neunziger Jahre, noch für das Neukölln von heute. Und ich werde einen Scheiß tun, die zu missionieren - hab ich gar keinen Bock drauf. Und es steht ja auch nicht jeder auf diese Atmosphäre des P-Berg der Neunziger Jahre oder des Nord-Neukölln von heute, was auch vollkommen okay ist. Was mich nur schockt, ist diese Blindheit. Als ich damals in London war - und auch bei sämtlichen Urlauben jetzt noch - habe ich immer versucht, auch in die Ecken zu gehen, die nicht im Touri-Führer stehen. Die "wirkliche" Stadt zu ergründen. Klar gelingt einem das nicht im Urlaub oder in einem Kurztrip. Als ich mal geschäftlich in Bristol war, habe ich die Leute dort gefragt, ob es ginge, mal in die Gegend zu fahren, wo Tricky (Ihr wisst schon, der Typ von Massive Attack) aufgewachsen ist. Die haben mich alle angeguckt wie ein Auto, ob ich das wirklich will und mir davon abgeraten. Ich habe es letztendlich auch nicht gemacht, sondern war in Clifton, was quasi das Prenzlauer Berg von Bristol ist. Absolut malerisch und die totale Wallace und Gromit Romanik - aber eben auch nur ein Ausschnitt. Das ist nicht Bristol. Genauso wenig, wie Soho (oder selbst Hackney) London ist. Naja, ich verliere mich hier in Details, zurück zum eigentlichen Thema dieses Eintrags, dem heutigen Abend.

Ich komme mir in solchen Situation irgendwie immer so verloren vor. Und ich denke mir auch (oder kenne es zumindest von meinen anderen Kollegen vom Mutterschiff - und auch von den Leuten, mit denen ich sonst vom Berliner Office "rumhänge"), dass man bei solchen Gelegenheiten wie heute oderdentlich was wegbechert. Dafür sind diese "Events" da! Also vor 3 Uhr nach Hause geht da gar nix. Der nächste Tag ist natürlich entsprechend im Arsch, aber das ist ja wurscht (man sieht die Leute ja schließlich nicht alle Tage!). Aber heute Abend war ich mit meinen zwei Weizenbier schon die Spitzenreiterin, was den Alkoholkonsum angeht, um es mal so zu sagen. Das sind, in der Hinsicht, dann doch irgendwie mehr Business Meetings, wo man sich nicht gehen lassen kann damit man sich ja nicht peinlich macht. Und als ich, mit Alkoholstand nach dem zweiten Bier, mich am Tisch umgeschaut hab, dachte ich, ich sitze irgendwie nur mit BWL-Heinis zusammen. Zwar internationale BWL-Heinis, but that doesn't matter in that case. Und ich war so froh, in Richtung Neukölln nach Hause fahren zu "dürfen" - in die normale Welt... Ich finde das so krass, in welch beschränkter Welt(sicht) die leben, und das aber ganz selbstverständlich finden, wie sie die Welt wahrnehmen, das überhaupt nicht hinterfragen. Vielleicht, weil ich hier in Berlin aufgewachsen bin. Aber Berlin ist so groß, und in der Hinsicht so vielschichtig...

Ich bin immer so geflasht nach solchen Abenden, dass ich dann eigentlich unbedingt jemand "Normales" treffen muss. Also bin ich zwei Haltestellen früher ausgestiegen, um in meinem "Local" zu gucken, ob ich Ulf treffe. Leider ist Ulf gerade im Urlaub, wie ich dort erfahren habe, also habe ich mir im nahe gelegenen Späti ein Bier gekauft und sitze jetzt hier, um meine Eindrücke und Erfahrungen dieses Abends zu verarbeiten und auf ein "normales Level" runter zu kommen. Eigentlich wollte ich auch noch was zum eigentlichen Thema meines Blogs schreiben - meiner Arbeit. Aber das ist jetzt irgendwie so weit weg, vielleicht kann ich das in einem anderen Eintrag unterbringen (handelt sich nämlich um einen Beobachtung meinen Chef betreffend, die ich jetzt schon häufiger gemacht habe).

Naja, also Fazit: ich weiß nicht, was richtig ist, und ich will auch niemanden missionieren oder übermäßig klugscheißen (auch wenn der Klugscheißer tief in mir drin steckt und nur darauf wartet, raus gelassen zu werden). Dennoch finde ich solche Abende immer merkwürdig. Es gab vor etwa 2 Jahren einen Abend, da hatte ich einen noch größeren Flash: Da war ich mit den damaligen Kollegen vom Sales essen - in der "Ständigen Vertretung" - ein Tipp meiner Lieblingskollegin, der aber absolut daneben war (selbst die Sales-Kollegen fanden es blöd). Und diese Leute leben in der absolut anderen Welt als ich. Abgesehen davon, dass ich mit drei Weizen wahrscheinlich den Preis für die Alkoholikerin des Jahres gewonnen hätte, waren die alle nur am diskutieren, wie sie ihrem Chef (der damals auch mein Chef war) mehr Geld und nach Möglichkeit einen Firmenwagen aus dem Arsch leiern können. In dem Moment hat mir mein damaliger Chef richtig leid getan, dass er da einen Haufen Leute hat, die sich einen Scheiß um den Inhalt ihrer Arbeit scheren, sondern eigentlich nur ihren Vorteil suchen und überlegen, wie sie ihn "melken" können. Die hatten dann so tolle Gesprächsthemen wie, dass Männer ja dafür da sind, Frauen Juwelen und Schmuck zu schenken, und frau sich das nicht selber kaufen braucht / soll / muss / darf. Oh Mann. Für mich ein anderer Planet.

Morgen ist ein großes Meeting bei uns in Berlin, deshalb sind diese ganzen Marketing-Leute vom Mutterschiff gerade da. Ich habe schon einen Zettel an meinen Stuhl geklebt, dass doch bitte niemand den Stuhl wegnehmen soll, da ich ihn brauche (passiert sonst schnell). Trotzdem muss ich morgen irgendwann kurz vor neun im Office sein, um auch sicher zu gehen, dass mein Stuhl noch da bleibt. Ansonten wird es morgen wieder völlig verrückt und wahnsinnig werden.

Nun gut, mein Bier ist alle, ich bin immer noch verwirrt (und angetrunken), und werde mich jetzt mal ins Bettchen begeben, um morgen rechtzeitig im Office zu sein, um meinen Stuhl zu sichern. Der Freund ist immer noch in Bochum. Ich hoffe, ich kann schlafen, denn diese ganze Nummer verwirrt mich immer irgendwie und bringt mich völlig aus dem Konzept.

Nachtrag irgendwann mitten in der Nacht: Natürlich konnte ich nicht schlafen. Da helfen auch sämtliche Versuche von Progressiver Muskelrelaxion oder Gedankenstopp-Techniken, die mir meine Therapeutin für diesen Fall ans Herz gelegt hat, nichts. Es sind einfach zu viele Gedanken, zu viele Fragen. Und morgen dann wieder scheiße früh aufstehen. Am liebsten würde ich mich krank melden, aber das kann ich nicht machen und eigentlich will ich ja auch arbeiten gehen - aber eben nicht um 9 Uhr.

20.01.2009 um 21:50 Uhr

Showstopper und andere (D)Anglizismen

Heute kann ich mir bei meinem Eintrag mal alle Zeit der Welt lassen, denn ich hab "sturmfrei" - der Freund ist nicht da, musste geschäftlich nach Bochum. Nicht, dass ich sonst keine Zeit hätte, aber irgendwie hat man doch nicht so richtig Muße, wenn man den Freund dafür aus dem Wohnzimmer schmeißen muss oder selber mit dem Labtop in einen anderen Raum ausweichen muss.

Auf Arbeit war es heute ein ganz normaler Tag. Obwohl der Prozess, an dem ich gerade mit zwei anderen Kollegen vom Mutterschiff sitze, immer kniffeliger wird. So, wie es im Moment aussieht, werden wir keine zufriedenstellende Lösung finden, denn alle Optionen, die wir haben, sind mit ziemlich hohen Kosten verbunden. Den Prozess jetzt im einzelnen zu erklären wäre zu kompliziert, aber es hat was mit Logistik und Fabriken und mit etablierten Abläufen in selbigen zu tun, die wir nicht so ohne weiteres ändern können - die so, wie sie im Moment sind, unser Problem aber auch nicht lösen. In anderen Worten, wenn wir keine elegante und / oder kostengünstige Lösung für dieses Problem finden, ist das ein sogenannter "Showstopper". Ein Showstopper heißt, dass der geplante nächste Software-Release deshalb nicht raus gehen kann, oder zumindest nicht so, wie er im Moment geplant ist. Die Jungs und Mädels bei uns in Berlin müssten sich dann ein neues Konzept überlegen, so dass besagtes Problem nicht auftritt, oder zumindest kostengünstig gelöst werden kann.

Leider kann ich Euch jetzt das deutsche Wort für Showstopper gerade nicht sagen - ich glaube, dafür gibt es auch einfach kein richtig passendes deutsches Wort (für Vorschläge bitte Kommentar-Funktion nutzen :) ). Überhaupt verstehe ich nicht, dass viele Leute so auf die Anglizismen und die "Ver-Englischung" unserer ach-so-tollen Deutschen Sprache schimpfen! Ich sitze mindestens 8 Std. am Tag mit einem Franzosen und einer Tschechin (glaube ich) in einem Büro - natürlich spricht man da Englisch. Meine "Lunch Group" hat Leute aus Mexico, Columbien, Estland, Frankreich usw. - klar auch einige Deutsche und neben mir sogar einen weiteren gebürtigen West-Berliner (zwar indonesischer Abstammung, aber ist ja auch egal...), aber natürlich sprechen wir auch da Englisch! In der Firma, in der ich arbeite, arbeiten Leute aus ich weiß nicht wie vielen Nationen - ohne Englisch wären wir völlig aufgeschmissen, denn die meisten sprechen kein oder kaum Deutsch. Und wenn man mehr als 8 Std. am Tag Englisch quatscht, passiert es einem natürlich auch schnell, dass man auf Englisch denkt bzw. die geläufigsten Begriffe, die mit Arbeit zu tun haben, einem eben auf Englisch einfallen - und man teilweise sogar richtig überlegen muss, wie diese Wörter auf Deutsch lauten. Und das greift auch im Privatleben um sich: Da hat man halt schnell mal das Meeting mit den Eltern gescheduled, vorher noch eine ToDo Liste gemacht und dann schnell den Dish washer oder die washing machine angeschmissen. Nebenbei performed der Computer ein Update und man realized nicht so richtig, dass man eigentlich schon wieder Denglisch denkt. Das ist keine Absicht und soll auch nicht cool oder modern sein, sondern passiert eben einfach. Und es ist ja auch nicht schlimm, denn so toll ist unsere deutsche Sprache auch nicht. Soweit ich das gehört hab, hört es sich für nicht-deutsche Ohren wie Bellen an, wenn wir reden. Also da geht noch was!

Was meinen obigen Prozess betrifft: Ich bin gespannt, wie das weiter geht. Manchmal ist eine Lösung ja so einfach, man sieht sie nur nicht. Mal sehen, ob es in diesem Fall genauso ist.

Morgen Abend bin ich dann nach der Arbeit gleich mit einer Freundin für's Kino verabredet - mein erstes soziales Event seit die Arbeit wieder angefangen hat. Obwohl, das stimmt nicht ganz - letztes WE waren wir auf einer Party von einem Freund vom Freund. Aber das zählt nicht richtig, denn eigentlich war es keine richtige Party, sondern mehr ein gemütliches Zusammensitzen mit Hauptattraktion Playstation. Aber morgen dann also Kino, wie schön!

 

P.S. Ich habe gerade mal gegooglet (ist es eigentlich "gegoogelt" oder "gegooglet"?), und der "Showstopper" ist tatsächlich ein Software / Informatik Fachbegriff. Siehe zugehörigen Artikel in der Wikipedia.

19.01.2009 um 19:54 Uhr

Performance Review

Ich hatte heute den sogenannten "Performance Review" des letzten halben Jahres mit meinem Chef (per Telefon, weil wir ja immer noch Reiseverbot haben). Es lief soweit ganz okay (ich finde diese Sachen immer etwas albern und überflüssig - bei allen bisherigen Performance Reviews musste ich meine Beurteilungstexte weitestgehend selber schreiben; das ist immer mehr good will was da eingetragen wird, als dass es tatsächlich der Wahrheit entspricht), nur eine Sache hat mich etwas gewurmt: Mein Chef meint, dass ich gerne bis ins kleinste Detail Kontrolle behalte und daher wenig delegiere, und dass - und das hat mich eigentlich am meisten verblüfft - ich widerstrebend auf Veränderungen reagiere (oder irgendwie sowas). Er meint, was das letzte betrifft, ist er selber da nicht anders, aber das ist halt in unserem Arbeitsumfeld nicht gut und er würde das an sich auch gerne ändern.

Hm, so hätte ich mich eigentlich nicht gesehen... Klar bin ich ein Kontroll-Freak, aber ich halte mich eigentlich auch für jemanden, der sehr schnell und flexibel auf Veränderungen reagiert. Ich mag es halt gerne, wenn alles wie eine Maschine funktioniert (wie am Schnürchen läuft), so dass man sich, sobald die "Basics" einmal laufen, darum kümmern kann, was man verbessern oder zusätzlich oder extra machen kann. Erst die Pflicht, dann die Kür, sozusagen. Was ich nicht mag ist, wenn Prozesse und Abläufe, die noch nicht mal richtig etabliert wurden oder richtig laufen, oder noch einiger Feinabstimmung bedürfen, wieder geändert und durch neue nicht-funktionierende Prozesse ersetzt werden. "Never change a runnig system", heißt es ja auch so schön - aber soweit sind wir bei uns ja noch nicht mal, und dem wird auch gar keine Chance gegeben. Klar, dass ich da manchmal etwas bockig reagiere und nicht gleich "Juhu!" rufe, wenn schon wieder jemand alles ändern will.

Und es gibt auch gute Nachrichten: Mein Chef will sich für meine Gehaltserhöhung einsetzen. Er meint, es könnte ganz schön schwierig werden, aber er hatte es nicht vergessen! Naja, dann warten wir mal ab.

Ansonsten hab ich so das Gefühl (oder vielmehr die Hoffnung), dass er nicht mehr in mich "verknallt" ist. Zumindest ist das mein Eindruck. Außerdem war ich in den letzten Wochen und Monaten glaub ich so unterkühlt, schnippisch, zickig, arrogant, überheblich und wortkarg (vielleicht auch unkooperativ), dass ich ihm nicht viel Grund gegeben hab, mit irgendwie gut zu finden (hoffe ich zumindest). Natürlich schneide ich mir damit am Ende womöglich ins eigene Fleisch, aber ich mag es halt nicht, vom Chef angeschmachtet zu werden. Chef sollte eigentlich Respektsperson sein und einen neutral und fair behandeln. Ich will nicht irgendwie bevorzugt oder mit Samthandschuhen angefasst werden (und natürlich auch nicht benachteiligt behandelt werden). Also warten wir mal ab, wie das Ganze so läuft. Heute hab ich von Hause gearbeitet, morgen geht's wieder ins Office.

 

P.S. Vielen Dank für's Daumendrücken! Ich würde mich allein schon darüber freuen, nur zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden!

18.01.2009 um 20:17 Uhr

Jemand sucht MICH...

Stimmung: euphorisch

Im Augenblick hab ich sehr gute Laune! Hab mich grad auf eine Stelle beworben, deren Ausschreibung ich beim Browsen auf einem dieser Netzwerkportale zufällig gefunden habe. Es geht um eine Stelle als Project Manager. Das Profil für die gesuchte Stelle passt 100% auf meins, sowas hab ich noch nie vorher gesehen (also dass eine Stelle mit einem Profil ausgeschrieben wird, das so genau auf mein Profil passt). Es ist, als würden die nach MIR suchen, und nicht nach einem Project Manager! Ich bewerbe mich alle paar Monate mal so aus Spaß auf irgendeine Stelle, einerseits, um meinen Marktwert zu testen, andererseits, weil ich natürlich wirklich gerne mal was anderes machen würde. Bisher kamen allerdings nur Absagen zurück (so viel zum Marktwert ;) ). Mal sehen wie es diesmal wird. Da die ja nach MIR zu suchen scheinen ;) werde ich vielleicht zumindest zum Vorstellungsgespräch eingeladen!

Die Firma sitzt in Hamburg - der Stadt von Lapared. Ha, das wird super! Ich werde im Schanzenviertel wohnen und jedes Wochenende auf den Fischmarkt gehen! Ha! Drückt mir die Daumen, Leute!

16.01.2009 um 23:41 Uhr

So lange mir niemand auf die Finger klopft...

Heute war der mit Abstand beschissenste Arbeitstag seit ich aus dem Urlaub zurück bin, und damit gleichzeitig auch der beschissenste Arbeitstag bisher in diesem Jahr. Die anderen Tage waren eigentlich bisher ganz gut und auch angenehm relaxed, nicht überfordernd, aber auch nicht langweilig oder unterfordernd. Aber heute wurde es mir echt zu viel. Vielleicht lag es auch daran, dass ich heute 10 Stunden gearbeitet hab (gut, dafür gab es den Rest der Woche eigentlich keinen Tag, an dem ich auch nur meine 8 Std. voll gemacht hätte). Aber irgendwie war es heute wieder so, dass man überhaupt keine Lust mehr hat und sich eigentlich nur noch einen neuen Job wünscht. Alles, was mich immer so nervt, kam heute zusammen: Leute hören nicht zu (bzw. lesen ihre E-Mails nicht), fragen aber auch nicht nach, machen nicht, was man ihnen sagt, man muss sich mit den Problemen rumschlagen, die andere kurzsichtigerweise verursacht haben, unfähige Leute vom Mutterschiff, hilf- und planloser Chef - ach, irgendwie einfach alles. Dabei war der Vormittag sogar eigentlich noch ganz okay, schlimm wurde es erst nach dem Mittagessen.

Ich sitze gerade an einem Problem oder Prozess oder wie immer man das nennen mag, um mal wieder eine Lösung im Sinne unserer Endkunden zu finden, für Probleme, die andere verursacht haben. Dabei muss ich Use Cases zusammen tragen und analysieren, die so kompliziert sind, dass nicht mal die Leute in Berlin verstehen, was da eigentlich vor sich geht wenn wer was wann wie macht. Und das Zusammentragen und Analysieren ist eine Sache, Lösungen müssen ja auch noch gefunden werden. Die erfordern Einblick in komplizierte Produktionsprozesse in Fabriken und Logistik-Systeme, die ich einfach nicht hab - und ich frag mich, warum ich diese Scheiße machen muss um Probleme eines Produkt- bzw. Verkaufskonzeptes zu lösen, das andere sich so beschissen ausgedacht haben. Warum kann man den Scheiß nicht simpel und einfach machen, so dass a) der Endkunde ihn versteht und b) nicht so komplizierte Use Cases entstehen?

Unser Produkt wird völlig chaotisch und ohne jede Logik entwickelt, so dass der Endkunde ein völlig unverständliches und sich jeglichem logischen Menschenverstand entziehendes Produkt bekommt. Und der Customer Care muss am Ende auf diese ganzen komplizierten Einzelfälle und Ausnahmen und special cases vorbereitet sein - und das möglichst vollständig und verständlich (also so, dass die Leute, die im Customer Care arbeiten, das verstehen). Und dabei sehen nicht mal die Leute in Berlin richtig durch, wie die Zusammenhänge eigentlich sind und was welche Entwicklung und Entscheidung für den Endkunden im jeweiligen Einzelfall bedeutet. Und ich muss den ganzen Scheiß am Ende auch noch für unsere Endkunden dokumentieren, und das möglichst einfach und verständlich. Bei uns in Berlin scheint es niemanden zu geben, der sich die komplette Produktexperience einmal von Anfang bis Ende anschaut und kritisch beäugt. Es wird total fragmentiert gearbeitet, jeder steuert seinen Teil dazu bei und am Ende passt das irgendwie alles nicht zusammen, weil es irgendwie niemandes Aufgabe ist, sich das mal im Ganzen anzugucken. Außer meine. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin die einzige, die sich das Ganze irgendwie vom Anfang bis zum Ende mal anguckt und merkt, wie scheiße kompliziert und unbenutzbar unser Produkt eigentlich für den Endkunden ist. Die einzigen Leute, die diesen Schmerz eventuell nachvollziehen können sind meine Kollegin M. vom Marketing (die ja ganz ähnlichen Scheiß machen muss, wie ich) und mein französischer Kollege vom Sales, der auch mit uns im Büro sitzt und ständig irgendwelchen Vertretern externer Unternehmen erklären muss, wie unser Produkt funktioniert.

Heute kam dann der User Guide zum Review vorbei, und über 50% der Use Cases, die ich gebeten hatte, dort abzudecken, sind nicht drin. Ebenso sieht es mit unseren neuen Webseiten aus, aber der Typ, der das managed kommt auch immer aus dem Mustopf bzw. hat nie Zeit, sich damit mal eingehender auseinander zu setzen. Also fühlt es sich am Ende für mich an, wie ein Kampf gegen Windmühlen. Manchmal hab ich sogar das Gefühl, ich könnte genausogut nicht da sein, das Ergebnis wäre genauso gut (oder vielmehr: schlecht). Wenn unser Produkt schon so scheiße ist und so kompliziert zu benutzen für den Endkunden, dann möchte ich wenigstens eine Dokumentation, die auf die einzelnen Use Cases und Besonderheiten adäquat eingeht, so dass der Kunde schnell Informationen dazu finden kann. Aber nicht mal das wird mir vergönnt, weil die Leute schon zu blöd sind zu raffen, wie kompliziert das Produkt eigentlich ist und was da alles so passieren kann. Sie fragen aber auch nicht nach.

Ach ja *seufz* Wenn jemand käme und mir einen anderen Job für das gleiche Geld anbieten würde, wäre ich sofort dabei. Auf meine Bewerbung als Product Manager in Berlin habe ich übrigens nichts mehr gehört. Die Stelle ist wohl immer noch offen, aber ich habe von einem Kollegen gehört, dass jemand mit Informatik-Kenntnissen für die Position gesucht wird - also so Späße wie C++ Code lesen können und so. Das kann ich natürlich nicht, auch wenn ich im Urlaub meine Webseite von schlichtem HTML auf ein CMS (Content Management System) umgestellt hab. Ich bin auch gar nicht mehr so scharf drauf. Natürlich gibt mir meine jetzige Position hier in Berlin, mit meinem Management weit weg auf dem Mutterschiff, auch die Möglichkeit, frei und unbeobachtet zu sein. Die Frage ist halt, wie lange noch. Ob nicht irgendwann irgendwer kommt und mir auf die Finger klopft. Aber so lange mich niemand drängt, mache ich weiter meinen Stiefel, wie ich es für richtig halte. Nichtsdestotrotz habe ich natürlich bestimmte Aufgaben und Probleme zu lösen, egal ob mir jemand dabei auf die Finger schaut, wie ich das mache. Wichtig ist das "Dass", nicht das "Wie". Und nach diesem Motto versuche ich eigentlich, meine gesamte Arbeit anzugehen - so lange mir eben niemand auf die Finger klopft.

12.01.2009 um 21:12 Uhr

Erster Arbeitstag

Musik: DJ Random

Tjaja, erster Arbeitstag also heute. Dementsprechend Horror hatte ich natürlich vorher, besonders heute Nacht. Das äußerte sich dann so, dass ich erst nicht einschlafen konnte (etwa bis zwei Uhr wach lag), dann mitten in der Nacht aufgewacht bin und mich für etwa 90 - 120 Min. geärgert bzw. gegrübelt hab bzw. an meinen üblichen Versagensängsten geknabbert hab, und dann auch noch relativ früh - gegen 7 Uhr - aufgewacht bin, obwohl der Wecker extra auf 8:30 Uhr gestellt war. Effektiv hab ich also irgendwas zwischen 2 und 3 Std. geschlafen.

Ich dachte mir dabei die ganze Zeit so, irgendwie wäre es doch gut, wenn man die Situation mal rational und effektiv analysieren würde. Also nicht immer nur diese diffusen, assoziativen Gedanken sich kummulieren lassen, sondern mal effektiv analysieren, was an der Arbeit jetzt so schlimm ist bzw. warum ich so dermaßen wenig Lust hab, dahin zu gehen. Ich bin ja so ein analytisch denkender Mensch und hatte auch während meines gesamten Philosophie-Studiums eigentlich immer einen sehr großen Fokus auf die analytische Philosophie. Wie gesagt, bis zu dem Zeitpunkt in der Nacht waren meine Unlust-Gedanken eher unstrukturiert und von völlig unterschiedlicher Art. Dann hatte ich aber sowas wie eine Eingebung und habe zwei große Probleme identifiziert, von denen ich glaube, dass alle anderen Probleme nur Unterprobleme sind. Folgende "Quellen der Frustration" (so nenne ich sie) habe ich ausgemacht:

1. Unter den gegebenen Umständen ist die Arbeit einfach nicht schaffbar (jedenfalls nicht gemäßg meinen Qualitäts-Ansprüchen) - oder in anderen Worten: You cannot win. -> mit "nicht schaffbar" meine ich keineswegs zeitlich nicht schaffbar, sondern inhaltlich nicht schaffbar; zeitlich ist alles wesentlich entspannter geworden, seit mein neuer Kollege vom Mutterschiff zwei meiner großen Projekte von mir übernommen hat

2. Ich bin nur noch Arbeit. Ich exitiere überhaupt nicht mehr außerhalb der Arbeit. -> die zarten Pflänzchen meiner Interessen außerhalb von Arbeit, die sich in den Ferien gebildet haben, gehen sofort wieder ein; mein ganzes Sein, Fühlen und Denken dreht sich nur noch um die Arbeit und ihre Inhalte

Unter 1. zählen dann solche "Sub-Probleme" die mich auch permenent beschäftigen und ärgern wie
- chaotische Arbeitsweise in Berlin
- unfähiges Mangement auf dem Mutterschiff
- Leute, die nicht machen, was man ihnen sagt
- Kommunikations-Mißverständnisse
etc. pp.

Ich denke, das ist eine ganz gute Analyse der Situation.

Am Ende war es dann aber gar nicht so schlimm. Zwar war die Fahrt zur Arbeit allein schon wieder ätzend genug, da ich gleich hier unten den Bus verpasst hatte und etwa 15 Min. in der Scheiß-Kälte warten musste, aber auf Arbeit war es nicht so schlimm wie befürchtet. Ich hatte nur 200 E-Mails und ansonsten haben mich die Leute heute in Ruhe gelassen, was mir sehr lieb war.

Meine Kollegin M. vom Marketing hat auch endlich erkannt, dass es so nicht weiter gehen kann. Sie meinte, noch eine Woche so weiter wie vor Weihnachten, und sie wäre auch mit Burnout zusammen gebrochen. Sie hätte wohl die erste Woche ihres Urlaubs gebraucht, um überhaupt erstmal wieder "runter" zu kommen und "normal" zu werden. Und da ist ihr aufgegangen, dass das so alles nicht weiter gehen kann und dass sie im neuen Jahr nicht mehr so weiter machen will, wie bisher. Naja, ich drücke ihr die Daumen, dass sie es packt, den Vorsatz auch so umzusetzen.

Ansonsten wie gesagt heute ruhig. Mein Kollege von unserem 3rd Level Support hat gesagt, dass der eine Prozess, an dem ich jetzt seit August gebastelt habe, wie geschmiert funktioniert. Hach, das freut mich ja sehr. Hat so viel Arbeit gemacht, der Mist, und so viel Zeit gekostet. Freut mich wirklich, dass es jetzt wenigstens zu was taugt. Die Heimfahrt hat dann auch geklappt wie am Schnürchen - irgendwer hat es gut mit mir gemeint. Ich glaube, das längste, das ich auf meinen Anschluss warten musste, war 1 Min. Und hier sitze ich jetzt, mein Tomatenkuchen hat gerade geklingelt und den werde ich jetzt essen!

19.12.2008 um 16:52 Uhr

Verkatert & eifersüchtig

Ich bin eifersüchtig. Gestern hatten wir Weihnachtsfeier von der Firma und der kleine Franzose von unserer Lunch Group, den ich eigentlich ziemlich niedlich finde, hat zu späterer Stunde (so gegen halb fünf morgens) mit meiner Kollegin M. vom Marketing wild und ausschweifend getanzt und sich anschließend SEHR eingehend mit ihr unterhalten - und sogar Händchen gehalten!! Oh je oh je, mir schwant Übles. Beide sind eigentlich vergeben, nur dass die Partner bei beiden nicht in Berlin leben... Naja. Leider war ich zu betrunken, um noch länger zu bleiben und den Ausgang der Szenerie zu beobachten. Aber hätte mich schon sehr interessiert, ob die beiden jetzt zusammen nach Hause gegangen sind. Ach ja, und das, wo der Franzose doch vorher noch mit mir so nett getanzt und geflirtet hat... Naja, Männer halt, alle gleich. Wenn sie merken, dass Du Dich für sie interessierst und ihnen quasi aus der Hand fressen würdest, zeigen sie Dir plötzlich die kalte Schulter. Aber solche Spielchen mag ich nicht, zumal ich ja in einer festen Beziehung bin und das auch relativ zufrieden - also ein Seitensprung ist für mich eigentlich indiskutabel und wäre höchstens ein Affekt verursacht durch zu hohen Alkoholkonsum (der gestern definitiv gegeben war).

Und ich kann mich wirklich nicht über mangelnde Aufmerksamkeit der anwesenden Herren gestern beschweren! Mein lieber Scholli, da macht sich wieder bemerkbar, dass wir eine Software-Firma mit entsprechend niedrigem Frauenanteil sind.

Ich bitte zu entschuldigen, falls das hier heute alles etwas wust ist, denn ich bin immer noch schwerstens verkatert. Ich war glaub ich so gegen halb sechs zu Hause. Und heute Abend geht es gleich munter weiter mit Karaoke... Weiß gar nicht, wie ich das durchstehen soll. Das wird ja eine einzige Sauferei... Und das, wo ich morgen doch eigentlich mal ein bißchen Auto fahren wollte - ich habe nämlich gestern endlich und im dritten Anlauf meinen Führerschein bestanden! Tärä! Applaus bitte! Naja, mit dem Autofahren wird wohl dann erst Sonntag was. Jetzt muss ich mich hier irgendwie noch verkatert durch den Rest des Tages bis zum Karaoke schleppen. Die Zeit bis 14 Uhr hab ich erstmal nur im Bett verbracht, aber irgendwann musste ich ja auch mal aufstehen. Mannmannmann, da merkt man wie gesagt mal sein wirkliches Alter.

15.12.2008 um 20:35 Uhr

Letzter Arbeitstag!!!

Ha, letzter Arbeitstag! Und ich war sowas von fleißig! Habe, naturgemäß, einige Baustellen geschlossen und kann jetzt mit einem einigermaßen guten Gefühl in den Urlaub gehen. Allerdings hab ich trotzdem immer noch so ein bißchen ein schlechtes Gewissen... Die anderen arbeiten schließlich alle noch! Und wollen eigentlich auch noch was von mir, aber da müssen sie jetzt durch, d.h. sich bis Mitte Januar gedulden. Z.B. wollten wir noch vor Weihnachten neue Webseiten launchen, aber die Leute kommen nicht aus dem Knick und seit etwa zwei Wochen reviewe ich jetzt kontinuierlich mehrmals am Tag Texte und Konzepte für Webseiten. Die hätten sich ja auch mehr beeilen können. Zumal ich wirklich nicht verstehe, warum ich das immer wieder zum Review vorgelegt bekomme, und da dann aber auch tatsächlich immer wieder neue und andere Sachen drin sind, die ich anzumerken hab... Naja, liegt wohl in der Natur der Sache.

Keine so grandiose Idee war es, heute mitten am Tage eine Fahrstunde zu buchen... Das hat mich sowas von gestresst! Plötzlich tauchten noch so viele Sachen auf! Mein Chef, der sonst nie von sich hören lässt, kam gleich mit drei Sachen an. Ich denke ja, das hat mit seiner Zielsetzungsvereinbarung für dieses halbe Jahr zu tun. Er bekommt ja tatsächlich einen neuen Chef, da sich unsere Abteilung auflöst, und da muss er jetzt bis Ende dieses Jahres das noch schnell mit seinem Chef abkaspern! Am Abstraktionslevel der Fragen konnte man erkennen, dass es sowas sein musste. Naja, wie dem auch sei, ich bin katastrophal gefahren und hab zwischendurch am Steuer auch wieder angefangen zu heulen usw. usf. Donnerstag habe ich den dritten Anlauf zur Fahrprüfung...

Inzwischen habe ich den Arbeitsrechner aus gemacht und warte jetzt hier auf mein Sushi für 20 Euro, das ich mir zur Feier des Tages (letzter Arbeitstag) bestellt habe. Nebenbei trinke ich Weizenbier. Ich trinke übrigens gerade wieder etwas zu viel für meinen Geschmack. Gestern schon Alkohol getrunken, Samstag sowieso und Freitag auch ein Bier. Normalerweise versuche ich, den Alkoholkonsum auf 1x die Woche zu beschränken (und dann aber meistens richtig). Bier schädelt auf jeden Fall ganz schön auf leeren Magen. Außerdem freue ich mich auf die letzten Folgen von Dexter (schon gesehen) und Californication. Was für ein armes Schwein muss ich sein, hab ich letztens so bei mir gedacht, wenn ich mich schon auf Sendungen im Fernsehen freue... Mein lieber Scholli. Aber andererseits - ist es mir auch egal.

Tja, Freunde, was bleibt mir jetzt noch zu sagen, außer Euch allen (meiner Heerschar von Lesern!!!) frohe Weihnachten und einen guten Rutsch zu wünschen? Eventuell melde ich mich ja auch während der Weihnachtsferien nochmal hier auf diesem Kanal. Und da klingelt auch schon das Sushi...

14.12.2008 um 15:42 Uhr

Tortilla Espana & Salsa Mexicana

Jaja, heute mal ein Eintrag am Sonntag! Eigentlich wollte ich schon Freitag Abend schreiben, aber dann sind wir (der Freund und ich) spontan noch zu so einer Art Vortrag über Kriminologie und DNA gegangen. Sehr interessant und unterhaltsam! Der Typ heißt Mark Benecke (http://www.benecke.com/ ). Auf Arbeit ist nämlich den Rest dieser Woche nichts großartig Spannendes passiert. Morgen ist mein letzter Arbeitstag, und ich habe noch einige ToDo's auf meiner Liste. Falls ich nicht alles morgen schaffe (ich habe mitten am Tag nämlich noch ein Fahrstunde), hab ich abends zumindest "open end" und notfalls kann ich mich auch am Dienstag nochmal hin setzen, denn ich habe ja mein Computer zu Hause (werde auch morgen von zu Hause arbeiten, da ich vormittags eine Übergabe per Telefon hab, und dazu brauche ich Ruhe!).

Dafür hab ich die Berliner Kollegen dann allerdings gestern Abend nochmal getroffen! Eine Kollegin aus Mexico und ihr spanischer Freund haben so eine Art "Dinner" gemacht. Es gab Spanische Tortilla und Mexikanische Nachos (mit echt Mexikanischer Salsa-Soße!!!), und am Ende des abends waren wir 12 Leute, aus 8 verschiedenen Nationen. Am Ende des Abends ist nicht ganz richtig, denn ich bin um kurz nach eins gegangen, der Rest wollte noch irgendwohin weiter ziehen. Aber ich bin dafür zu alt... Das wahre Alter, so haben wir gestern Abend festgestellt, offenbart sich immer erst am nächsten Tag nach einer Party. Mir haben die letzten Parties, an denen wir bis 3, 4 oder sogar 5 Uhr morgens gesoffen haben, doch immer SEHR zu schaffen gemacht. Meistens bin ich dann bis 18 / 19 Uhr am nächsten Tag überhaupt nicht zu gebrauchen, und dann geht es so langsam wieder.

Unser "Grünschnabel" war auch wieder da und hat erzählt, dass er sich jetzt eine Eigentumswohnung kaufen will. "Bleibt ja doch ganz schön viel übrig vom Gehalt, jetzt, wo man nicht mehr als Student dort arbeitet!" Arschloch. Ich hab, als ich dort angefangen hab, 1500,- EUR brutto dort verdient, für 40 Std. die Woche. Und das mit abgeschlossenem Studium! So ein Arsch. Der verdient jetzt als Einsteiger das Geld, das ich nach 3,5 Jahren dort verdiene. Und ich musste mir das hart erarbeiten, und habe auch ein bißchen mehr Verantwortung als er als kleiner Test Engineer. Ich finde das so ungerecht! Auch meine Lieblingskollegin, deren ganze Tätigkeit im letzten Jahr darin bestand, E-Mails von mir an unseren 1st Level Support weiter zu leiten (und selbst dabei hat sie noch Fehler gemacht), verdient das gleiche Geld wie ich. Ich finde das wirklich ungerecht. Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass es mir nicht ein bißchen Genugtuung verschafft zu hören, dass sie aus ihrer jetzigen Position enthoben und in ein anderes Team verschoben wurde, in dem ihre Hauptaufgabe die Pflege von Knowledge Datenbank Artikeln sein wird. Allerdings hänge ich das jetzt nicht an die große Glocke. Hauptsächlich bin ich froh, dass ich sie jetzt nicht mehr als Bottleneck zwischen mir und unserem 1st Level Support habe. Und da fällt mir ein: Etwas Wichtiges ist diese Woche dann doch passiert, arbeitstechnisch: 1. Wir haben eine Info-Sharing-Session mit dem zukünftigen Chef unserer Abteilung gehabt (und ich habe das dumpfe Gefühl, dass es für uns in unserem Team ziemlich schwierig werden wird, uns ein entsprechendes "Standing" bei ihm zu verschaffen; zumindest hat er uns und unsere Bedürfnisse während der Telco komplett ignoriert); 2. Wurden die Namen der Leute aus meinem und dem Paralellteam nun diese Woche Freitag doch endlich offiziell announced! Das heißt, ich werde auch nächstes Jahr noch einen Job haben ;) Ich hatte zwar nicht ganz so dolle Panik, wie meine Kollegin vom Mutterschiff deshalb, aber so langsam bekam ich auch ein wenig Muffensausen. Vor allem da es sich am Mittwoch Abend (als die Info-Sharing-Session war) noch so anhörte, als würde es noch eine ganze Weile dauern, bis sie unsere Namen offiziell bekannt geben würden (meiner steht als erster in der Liste ;) ). Aber zurück zum Samstag Abend.


Jetzt gleich kommen die Eltern vom Freund und wir fahren dann zu meiner Mutter, Adventskaffeetrinken machen. Viel Kuchen und Plätzchen und so... A propos: Unsere Kaffeemaschine hat Samstag früh die Hufe hoch gerissen! Kein Kaffee für die Großstadtpflanze! Und das, wo doch jetzt nächste Woche mein Urlaub anfängt... *heul*