Stimmung: verzweifelt / deprimiert
Ach ja... ich weiß echt nicht, was ich machen soll. Ich bin echt
verzweifelt und wirklich deprimiert. Die Arbeit ist so scheiße. Immer
nur Probleme, Probleme, Probleme - und nie Lösungen. Am liebsten würde
ich morgen zum Arzt gehen und mich die nächsten zwei Monate krank
schreiben lassen. Aber das hilft ja auch nicht. Und kündigen und neuer
Job? Ich glaub nicht, dass es woanders nennenswert besser wäre. Es
liegt an mir, dass ich die Probleme so nah an mich ran lasse, und mir
nicht einfach am Arsch vorbei gehen lasse. Vielleicht liegt es auch an
mir, dass ich unfähig bin, meine Probleme auf Arbeit zu lösen. Aber ich
bekomme auch null Unterstützung - von meinem Chef nicht und von
niemandem. Fühle mich so allein gelassen. Mein Chef ist ja noch nicht
mal in der Lage, die Probleme, mit denen ich täglich kämpfen muss, zu
verstehen - geschweige denn, zu lösen. Dazu ist er zu passiv, zu feige oder zu
faul - oder eine Mischung aus diesen drei Sachen. Und ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Heute war
so ein Scheiß-Tag. Wieder tausend Probleme aufgepoppt, die andernorts
entstehen, für die aber von mir Lösungen erwartet werden. Weiß einfach
nicht, wie ich das machen soll.
Der Prozess, an dem ich arbeite, ist immer noch nicht fertig. Das
Management in Berlin sagt, dass doch alles ganz einfach wäre und es überhaupt nicht versteht, wo das Problem liegt. Ohne sich aber auch mal
eingehender mit dem Problem zu befassen - keine Zeit. Die Leute vom
Mutterschiff sagen, wir müssen zurück an den Design Table und die
technische Implementierung anders lösen. Das will das Management in
Berlin aber nicht, die verlagen, dass der Customer Care seine Systeme
entsprechend anpasst, um die momentane Implementierung zu unterstützen. Das dauert in
unserem Unternehmen aber nicht unter 6 Monaten, eher ein Jahr - weil
wir so wahnsinning schnell sind. Die Mühlen der Bürokratie mahlen
langsam, und unser Unternehmen gleicht eher einer Behörde, als
einem Wirtschaftsunternehmen.
Und mit meiner Gehaltserhhung wird es wohl auch nichts, da das
Mutterschiff neben dem Travel-Stop auch einen Freeze für sämtliche
Löhne und Gehälter für dieses Jahr angeordnet hat, da die Geschäftsergebnisse des
letzten Quartals so schlecht waren. Ich fühle mich verarscht.
Und die Leute vom Mutterschiff kapieren wirklich gar nichts: Seit 6
Monaten arbeiten sie an einem Entwurf für ein Customer Care Tool. Jetzt
sind sie das erste Mal damit an Leute in Berlin ran getreten. Nebenbei
gibt es auf dem Mutterschiff zwei ähnliche Initiativen, die zwar nicht
an einem Tool für Customer Care arbeiten, aber an Tools, die ähnliche
bzw. gleiche Schnittstellen zu unseren Server-Systemen haben sollen.
Für die Leute in Berlin sind das drei fast gleiche Projekte, weil eben
ähnliche Schnittstellen (sogenannte APIs) benötigt werden. Für die
Leute vom Mutterschiff sind das drei völlig unterschiedliche Projekte
und sie begreifen nicht, warum sie sich untereinander vernetzen sollen
um ihre Anstrengungen zu koordinieren, damit wir in Berlin eben nur einmal die
nötigen Schnittstellen zur Verfügung stellen müssen (und zwar passend für alle drei Tools). Und dann heißt es von der
Initiative mit dem Customer Care Tool, sie würden schon von Anfang an
mit den Leuten in Berlin zusammen arbeiten. Die einzige, die hierzu mal
gefragt wurde, war ich, und ich habe von der technischen
Implementierung keine Ahnung. An andere Leute in Berlin haben die sich
überhaupt nicht ran getraut, das machen die jetzt, wo sie das Tool
eigentlich in 1 - 2 Monaten fertig haben wollen! Und keiner auf dem
Mutterschiff hat überhaupt eine leisteste Ahnung, wie unser Produkt von technischer Seite funktioniert. Und die halten das auch für nicht notwenig, von den
technischen Sachen eine Ahnung zu haben! Oder habe ich versagt, dass
ich die Leute nicht eher an unsere Leute in Berlin ran geführt hab? Ich denke, die Jacke muss ich mir mal nicht anziehen, denn der Chef von der Initiative mit dem Customer Care Tool war von Anfang an mit
dem Management in Berlin im Gespräch - allerdings nie mit nennenswerten
Ergebnissen. Naja, das soll auch nicht mein Bier sein, regt mich nur an
der Seite auf.
Was mich wie gesagt richtig aufregt, frustriert und am Ende deprimiert
ist, dass ich immer nur Probleme auf den Tisch geknallt kriege, die
irgendwelche anderen Leute verzapft haben, und für die ich mir eine
Lösung im Customer Care überlegen muss. Und wir haben eh schon den
Druck, dass wir für unser Produkt zu viele Anrufe von Kunden bekommen
und mit die höchsten Care Kosten im Unternehmen verursachen. Wie soll
das jemals runter gehen, wenn sämtliche Workarounds immer nur über den
Customer Care laufen sollen?
Und dann muss ich mich mit so vielen Leuten vernetzen - mit dem
Produktmanagement, mit unserem (Support) online Management, mit dem
E-Marketing, mit dem normalen Marketing, mit anderen Abteilungen vom
Mutterschiff - damit wir unsere Aktionen aufeinander abstimmen und
alles ein stimmiges Ganzes ergibt. Leider sehen die anderen das nicht
so und jeder macht, was er will. Am Ende haben wir einen total
fragmentierten und zerfaserten Ansatz, und keiner sieht mehr durch -
am wenigsten unsere Kunden. Und von mir wird am Ende erwartet, das Kind
zu schaukeln. Irgendwie. Ich hab keinen Bock mehr, wirlich, Leute. Ich
überlege ernsthaft, morgen zum Arzt zu gehen, und mich krank schreiben
zu lassen. Mein Chef ist leider wie gesagt auch keine große Hilfe. Der
hat ja auch keine Lust, die Dinge anzugehen oder sich mit den Leuten in
Berlin zu vernetzen. Der kennt hier niemanden. Ich werde morgen früh zu
meiner Psychologin gehen und mit ihr reden. Und wenn die mich nicht
überzeugen kann, gehe ich gleich danach zum Arzt und lasse mich krank
schreiben. Ich kann einfach nicht mehr. Ich kann so nicht weiter
machen. Ich bin deprimiert, völlig freudlos - finde auch nicht richtig
Ablenkung. Auf Arbeit mache ich Frustfressen, aus Autoagresssion heraus
(weil ich nicht weiß, wie ich meine Aggressionen sonst raus lassen
soll), obwohl ich eigentlich SEIT MONATEN abnehmen will. Ab nächste
Woche werde ich sogar wieder zu Weight Watchers gehen, weil ich es,
trotz permanentem Punkte-Aufschreiben, 2x die Woche Tanzen und
Vorkochen am WE für die Woche nicht schaffe, abzunehmen. Und das, weil
ich auf Arbeit oft solche Frustrationsanfälle kriege, dass ich nur noch
fressen kann, um mich irgendwie zu beruhigen oder zu trösten, oder eben
Aggressionen raus zu lassen.
Ich will einfach nicht mehr. Manchmal möchte ich am liebsten gar nicht
mehr existieren, um diese Probleme und die Versagensgefühle nicht mehr
zu haben. Aber umbringen will ich mich natürlich nicht, eher würde ich
kündigen. Aber der Schritt dazu ist dann doch relativ groß, denn was
kommt danach? Und wird es vielleicht doch noch irgendwann nochmal
besser auf Arbeit? Die Hoffnung habe ich jetzt seit Monaten, leider
ohne Erfolg. Leute fragen mich "Hast Du denn nicht zwischendurch mal
Erfolgserlebnisse? Arbeiten, die Du als geschafft abhaken kannst?
Sachen, die fertig sind und auf die Du stolz bist?" - nein, das habe
ich leider nicht. Mein Projekt vom letzten Jahr hat noch offene
Actions, und das wird dieses Jahr auch nicht anders. Und wenn alles
geschafft ist, kommt es mir immer so banal vor und ich denke mir: So
ein paar Kleinigkeiten zu organisieren, warum tue ich mich damit so
schwer und warum mache ich so ein Fass auf? Nein, ich möchte echt nicht
mehr. Und ich wünsche mir so sehr Unterstützung, aber mein Chef ist
leider echt keine Hilfe. Zudem ist er unglaublich langsam. Wenn er
manchmal hilft, dauert es Jahrhunderte, bis das vorwärts geht. Die
Entwicklung in Berlin geht aber mit 4-facher Geschwindigkeit voran,
mindestens. Und das checkt auf dem Mutterschiff keiner. Letztens war
der Chef von meinem französischen Kollegen in Berlin (hab ich das schon
geschrieben?), und der meinte, wir schaffen in Berlin in einer Woche
das Arbeitspensum und die Ergebnisse, für die die auf dem Mutterschiff
1,5 Monate brauchen.
Und ich möchte nicht mehr länger in dieser Zwischenposition hängen. Auf
dem Mutterschiff verlangen sie Dokumentationen für jeden
Projektmilestone, und für jeden Milestone bestimmte Deliverables. Die
meisten dieser Deliverables kann ich jedoch zum entsprechenden
Milestone einfach noch nicht abliefern, weil die Leute in Berlin mit
dem Produkt noch gar nicht so weit sind! Wie sollen wir Care-Readiness
für ein Produkt haben, das noch gar nicht fertig ist? Und jetzt, nach
der Umstrukturierung, haben wir wieder ein neues Management auf dem
Mutterschiff, dem wir das wieder beibringen werden und die das nicht
kapieren werden. Und das geht dann wieder auf meine Kosten, denn es
heißt dann wieder, ich würde schlechte Arbeit machen. Nee ey, ich hab
wirklich keine Lust mehr. Was soll ich nur machen??? Ich bin so
verzweifelt, will nur noch heulen und kann und will so nicht mehr
weiter machen. Meine Arbeit ist einfach nicht zu schaffen - nicht
zeitlich, mit mehr Zeit könnte ich das auch nicht schaffen. Inhaltlich
ist es einfach eine unmögliche Sache, das zufriedenstellend zu lösen.