Ist ne Amokdrohung noch schlimmer?
Ich habe nie Robert Steinhäuser vergessen. Mich packt jedesmal das Grauen, wenn ich daran denke, wie das gewesen sein muss, du stehst vor der Klasse, drehst dich um und hast ne Waffe im Gesicht, oder Mr. A.R. hat ne Waffe vor der Nase, sein Bruder, seine Mutter, Kommilitonen, Freunde, was weiß ich.
Es reicht aber schon, dass sie alle Kinder und Familie hatten. Mütter und Väter sind gestorben. Er hat sie erschossen. Es scheint sehr einfach gewesen zu sein. Hätter der andere Junge genauso gut zielen, oder besser basteln können, dann hätte der Amoknotfallplan auch nichts gebracht. Dann hätten wir wieder sieben Tote, oder mehr, wegen den Bomben.
Jetzt die Drohung und alle sind total aufgeregt. Keine Entwarnung! Polizeipräsenz. Im Konvoi nach hause (als amokläufer würde ich da erst recht mit ner bombe reinspringen)
Warum passiert sowas?
Ich denke, dass da mehrere Faktoren zusammen kommen:
Sozialraum Schule (Mobbing, konformer Leistungsdruck, wenig Zeit für den Einzelnen, permanente Kränkungen, starke Selektierung, etc)
trifft auf
Persönlichkeitsstörung (Allmachts- und Gewaltphantasien, Narzismus, Depressionen, mangelnde Empathiefähigkeit)
gepaart mit männlicher Pubertät (Identitätsfindung (Orientierung) , Zukunftsplanung (Perspektiven), Verschlossenheit, eventuell Suizidalität)
zusammen mit
Verfügbarkeit von Waffen und Bombenmaterial (+Anleitung)
eine herabgesetzte Hemmschwelle: Gewalt und Tod als Stilmittel und Inhalt in Filmen und Computerspielen trivialisiert Tod und Gewalt.
Egoshooter hab ich außerdem im Verdacht, dass sie eine gewisse Routine und Übung in die Hand-Augen-Koordination bringen. (Amerikanische Soldaten üben immerhin inzwischen an einem, und die Soldaten im Ersten Weltkrieg haben auch im Kampf besser getroffen, nachdem sie mit Siouletten geübt haben). Vielleicht drückt man mit ner echten Waffe dann also auch eher ab? Könnte ich mir vorstellen. Gab schon so Fälle mit kleineren Kindern, die haben abgedrückt, wie sie es im Fernsehen gesehen haben müssen. Die haben gar nicht geschnallt, was das bedeutet, wenn man jemanden den Kopf wegschießt.
Oder Robert Steinhäuser, der Lauf durch die Schule war geplant wie nen Ego-Level (mit Extrawaffe). Der präzise Kopfschüsse verteilt hat, wie jemand der den Teil des Spiels schon hunderte Male durchgezockt hat. Von einem Speicherpunkt zum anderen.
und die nicht zu verachtende
Garantierte mediale Präsenz (Aufmerksamkeit). Über den Tod hinaus.
All das mit Einsamkeit und nem hohen situativen Frustrationsgrad.
Bumm.
Mhm,
so denk ich mir das.

Aber was die Shooter angeht täuscht du dich. Die US Armee hat tatsächlich mal damit experimentiert. Auch ist unbestritten das Spielen die Hand- Augenkoordination fördert. Aber das tun Jump en Runs auch. Fakt ist, man hat seitens der Armee das Experiment eingestellt, da die verwendeten Mechanismen in den Spielen zu abstrakt sind als das sie zum Training oder gar zur Konditionierung taugen würden. Wer einen Controller bedienen kann, kann noch lange nicht mit einer Waffe umgehen. Der Umgang mit einer Waffe muss explizit gelernt werden. Da hilft es nicht wenn man diverse Games hundertmal durchgespielt hat. Was nutzt es mir wenn die die Scriptbasierten Verhaltensweisen meiner Gegner kenne, die Menschen in der Realität mich aber mit ganz anderen Situationen konfrontieren?!
Man sollte sich fragen warum solche Menschen mit Waffen umgehen können. Man sollte sich fragen warum die Beschaffung von Waffen so leicht ist. Das sind die Kernpunkte.
Will man die Shooter ins Spiel bringen, muss man sich überlegen was hier was bedingt: Die Shooter das aggressive Verhalten, oder das aggressive Verhalten eine Affinität zu Shootern? Mich würde es doch sehr wundern wenn es nicht letzteres wäre...
aggression ist meiner meinung nach bei allen menschen vorhanden und auch leute, die sich sonst nicht agressiv verhalten spielen shooter. es ist nur interessant ob und wenn warum shooter da das verhalten beeinflussen.
Es gibt eine Studie die besagt das die Wahrnehmung der Umwelt in den ersten 15 Minuten nach dem Spielen eher aggressiver Natur ist. Die Aussagekraft einer solchen Erhebung darf allerdings in Zweifel gezogen werden.
Und mit Sozialisierung meinte ich das per Allgemeinheit definierte Bild. Natürlich wird jeder auch noch so asoziale Mensch irgendwie sozialisiert. Trotzdem gibt es eine Art Norm. Und wird diese verletzt, sind Auffälligkeiten wesentlich wahrscheinlicher.
Warum aber eine Hemmschwellenabnahme durch das Spielen von Shootern stattfinden soll, verstehe ich nicht! Weil mein Gehirn speichert das ich auf meinem Controller möglichst schnell A drücken sollte wenn ich "überleben" will, bin ich befähigt in der realen Welt unter Extrembedingungen ebenso einen Waffe zu bedienen? Sorry, aber mir will nicht einleuchten wie diese Situationen miteinander vergleichbar sein sollten, so das das Gehirn auch nur auf den Gedanken kommen könne, es handelt sich um eine vergleichbare Situation bei der die selben automatisierten Vorgänge nützlich sein könnten.
Aber wenn du eine Untersuchung zu dem Thema kennst, würde ich gerne deren Titel (URL whatever) erfahren. Ich bin immer bereit mich etwas neues zu lernen.
Ich glaube, dass Shooter - ähnlich wie Räuber-und-Gendarm-Spiele von Kindern, die entgegen aller Bedenken durch die '68er-Pädagogik kein zu unterbindender Ausdruck von mangelnder Entwicklung des Kindes sind - eine Möglichkeit des Auslebens und Abbauens von Aggression sind. Und als solches sind sie vielmehr in einer wichtigen Funktion, ähnlich wie Sport zum Stressabbau. Problem ist nur, wenn es schon solche Vorschädigungen gibt, dass sie Aggressionen nicht abbauen sondern aufstauen.
Ich denke schon, dass man Kinder und Jugendliche nicht völlig bedenkenlos und unbeaufsichtigt vor Shooter setzen sollte, aber solange Grundschüler abends vorm Fernseher hängen und sich Nachrichten (am besten noch auf RTL oder ähnlichen Sendern, wobei die Tagesschau auch nur noch das kleinere Übel ist) reinziehen, gibt es meiner Meinung nach gravierendere Probleme.
ich spreche eigentlich nur die allgemeine wirkung von virtueller gewalt an. fragen, die ich mir dazu gestellt habe sind z.b. wieviele reale leichen hab ich schon gesehen und wieviele im virtuellen bereich, egal ob egoshooter oder fernsehen? wieviele leute glauben an die reale existenz von serienfiguren? es haben sich schon leute für ne freie wohnung in der lindenstrasse beworben, jürgen wussow um medizinischen rat gefragt und Christoph Maria Herbst verprügeln wollen, weil ihnen stromberg so unsympathisch ist. bei computerspielen (und ich spiel selber gerne) ist man selber aktiv. unter umständen (!!!!) kann das meiner meinung nach auch die wahrnehmung der realität beeinträchtigen, machtfantasien auslösen, was weiß ich. und es setzt die hemmschwelle unter umständen (!!!!) runter, was reale gewalt angeht. das ist mein eindruck, den ich einfach von medienpädagogischen erkenntnissen ableite. experten streiten sich. es ist aber, das möchte ich hier noch mal betonen, ein multikausaler zusammenhang den kinder und jugendliche gewalttätig macht. leider hängt sich die politische diskussion wieder mal an den ego-shootern auf, die sozialen und emotionalen probleme, die einige kinder und jugendliche durch gesellschaftliche (z.b. selektierendes schulsystem, kinderarmut) und familäre zusammenhänge (überforderung der eltern, häusliche gewalt) bekommen, werden wieder mal in der ganzen aufregung vergessen. diese probleme sind nämlich nicht einfach durch ein verkaufsverbot zu lösen. andererseits wundere ich mich auch über die mangelnde reflexion einiger erwachsener, die nicht wahrhaben wollen, dass virtuelle gewalt durchaus negative auswirkungen auf einen menschen, bzw auf einen jungen menschen haben können. so nach dem motto: mir schadet es ja auch nicht. das finde ich genauso kurzsichtig.
Nahezu keine neuere Studie belegt den Abbau von Aggressionen durch Mediengewalt.
Kaum ein Medienangebot führt zwangsläufig zu aggressiven oder gar kriminellen Verhaltensweisen.
Verstärkung von Dispositionen ist häufig wahrscheinlicher als eine ursächliche Wirkung.
Medien und ihre möglichen Wirkungen sind eingebettet in den jeweiligen sozialen und gesellschaftlichen Kontext.
Kurz- und langfristige Wirkungen können sehr unterschiedlich sein, Aggression aber auch Angst können mindestens verstärkt werden.
Auch wenn schädliche Wirkungen von Mediengewalt nicht pauschal beweisbar sind: Es gibt fast nur noch Indikatoren für ein Wirkungsrisiko. Generelle Harmlosigkeit oder gar Nützlichkeit der meisten ("fiktiven") aggressiven Darstellungen sind nicht wahrscheinlich.
(Quelle: Groebel / Gleich: Gewaltprofil des deutschen Fernsehprogramms, in: Schriftenreihe Medienforschung der LfR NRW Band 6, Leske u. Budrich-Verlag, Opladen 1993) http://www.lehrer-online.de/dyn/bin/291318-291334-1-mediengesetze.pdf
Und niemand würde sich darum kümmern, würde es nicht um unsere Schulen gehen. Und niemand sieht offensichtlich, das sich grade hier ein ganz anderer kausaler Zusammenhang offenbart. Kinder gehen los um andere Kinder zu verletzen. Und alle haben sie eins gemeinsam: Sie leben an der Grenze unserer ach so tollen Gesellschaft.
Ob Shooter, Gewalt im Fernsehen oder sonst eine mediale Versorgung nun in letzter Distanz aggressiv machen, spielt eigentlich keine Rolle. Interessant sollte sein, das die Initialzündung solcher Sachen viel einfacher ist. Niemand ist, erwiesener Maßen losgegangen und hat Leute umgebracht weil er ein Spiel gespielt hat. Niemand! Und das sollte man einfach mal anerkennen. Aber eine ganze Menge Erwachsener laufen Amok weil etwas mit ihrer Position in der Gesellschaft nicht stimmt!
Diesem Sachverhalt sollte man in erster Linie Beachtung schenken. Dann kann man sich auch authentisch über eine Verschärfung gewisser Gesetze unterhalten.
Zu einem Herr Pfeifer und einem Herr Spitzer kann ich nichts sagen. Beide sind in ihren Motiven ziemlich offensichtlich. Und Forschungen die geleitet werden von überzeugten Mediengegner, kann ich beim besten Willen nicht ernst nehmen. Es gibt klare Gegebenheit für Studien in der Wissenschaft. Die wichtigste ist Neutralität der ausführenden Wissenschaftler. Das sehe ich hier nicht.
Nicht umsonst denkt man in den betroffenen Bereich darüber nach, ob wohl ein ganz simples finanzielles Interesse die Herrschaften motiviert...
Ansonsten ist folgendes richtig: Nichts was auch nur entfernt mit Gewalt zu tun hat, gehört in die Hände von Menschen die damit nicht umzugehen wissen. Kinder, gestörte Erwachsene... Das beinhaltet aber auch Spielzeug, Brettspiele bla bla. Und hier wird ersichtlich das Gewalt in unendlich vielen Formen zu unserem Leben gehört. Man sollte Rücksicht auf seine Kinder nehmen. Man muss sie vorsichtig daran führen, ihnen die Kompetenz vermitteln, damit umgehen zu können... aber man sollte nichts verbieten oder verteufeln (letzteres ist noch viel schlimmer) weil man es als Aufhänger für medienwirksame Auftritte ausgemacht hat...