Diskussion: Süchte, Manien, Obsessionen, Demenzen, Disorders Teil 1
Süchte, und zwanghaftes Tun bestimmen unser Leben.
Auszug aus einem geplanten Schwerpunktthema bei
Es ist Stand heutiger Wissenschaft, dass unser ganzes Leben und ganzes Sein ausgehend von den Genen über die Hormone und deren Botenstoffe gesteuert wird. So wie wir aussehen, was wir fühlen, denken und wie wir handeln, unser Immunsystem - also auch welche Krankheiten wir bekommen - wie lange wir leben,.... alles ist in diesem genialen Masterplan skizziert. Der Spielraum den die Evolution dabei gewährt, scheint also sehr gering zu sein. Schließlich gibt es auch die HLA (Human Leucocyte Antigen - siehe Tafel 10 Ausstellung: "Alle verwandt, alle verschieden" www.civic-edu.net) Gruppen, die u.a. die Abstoßung von neuen biologischen Materials (Organtranspantation) regeln.
Wie so alles im Leben, muss man sich auch das Phänomen Sucht als einen fließenden Prozess vorstellen, der nicht ständig wirkt, sondern in emergenten Wellen passiert - in der Psychotherapie spricht man, wenn oft auch in anderem Zusammenhang - dann von Schüben.
Was als unscheinbare oft liebenswerte Marotte beginnt, wird schließlich zur Manie oder Obsession, kann sich schließlich zu einem unabwendbaren Problem, einer Sucht entwickeln. Diese "Schübe" gehen meist in Analogie mit einer Veränderung im Bereich der Sexualität vor sich.
Wissenschaftler streiten sich, ob denn nun jeweils die vererbten, oder die anerzogenen Anteile daran überwiegen. Nun, auch das variiert von Mensch zu Mensch. Weil das Ganze so komplex ist, kommt es dazu, dass es Forschungsergebnisse gibt, die jeweils die andere Seite bevorzugen. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass es eine zumindest 50% veranlagungsbedingte Basis braucht, wenn sich suchähnliches Verhalten ins absolut Pathologische steigert.
Unser eigener Spielraum selbst über alltägliche Vorgänge zu entscheiden, ist wahrscheinlich weit geringer als wir uns das vorstellen können. Wir sind also nur scheinbar mit einem freien Willen ausgestattet, sondern bewegung uns kosmisch gesehen, ständig auf einem Pfad zwischen "Skylla und Charybdis", wie es schon die alten Griechen erkannt hatten. Und ein anderer Grieche, nämlich Sokrates behauptete sogar: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!". So gesehen wird dieser Spruch sogar zur Gewissheit und ist keineswegs paradox, oder gar lächerlich, wie viele meinen. Schließlich leben wir in einer unendlich, endlichen Welt die wir mit Sicherheit nie voll begreifen werden können.
Was wir selbst tun können ist bestenfalls das immer bessere Erkennen unserer eigenen Unzulänglichkeiten und Befähigungen. Diesen Einsichten stehen jedoch insbesondere genetisch bedingte Wahrnehmungsschranken, wie bspw. die Hybris, mitunter der Opportunismus, Versagensängste und die Anthropozentrik entgegen, weil sie verhindern, dass wir die Ambivalenzen unseres Tun rechtzeitig und in ihrer vollen Tragweite abschätzen können. Wir alle, selbst unsere Eltern, Lehrer, Politiker und auch die Kleriker, sind mehr oder weniger von diesen wahrnehmungsbeschränkenden Defiziten betroffen.
Deshalb wollen wir uns bei Civic-Education im Detail mit diesen Phänomenen beschäftigen, weil wir meinen, dass kaum jemand ohne derartige Defizite ist und diese Erkenntnis deshalb die Voraussetzung für das Gelingen politischer Prozesse und gesellschaftlicher Gestaltung darstellt. Kurz gesagt, es geht um die Schärfung der Wahrnehmung und schließlich die Stärkung des individuellen Bewusstseins. Weil gerade dieser Bereich über den üblichen der "Politik Forschung" hinausgeht, also holistisch ist, meinen wir auch, dass der Begriff "Civic Education" eine stringentere Beschreibung für unsere Arbeit in www.civic-edu.net darstellt.
Wir hören heute immer wieder in den Medien den Begriff "Wissensgesellschaft". Mehr Wissen wird eingefordert, das klingt modern und fortschrittlich, doch ist heute keinesfalls ein Mehr an Wissen gefordert, sondern ein Mehr an Einsicht, Verständnis und dem Erkennen von Wahrheit und möglichen Ambivalenzen. Auch wenn es paradox klingt: Wenn man um letzteres ringt, dann erschließt sich der Wissenserwerb gewissermaßen ganz von selbst. Zugegeben: dieses Ziel ist ohne ein gewisses Mass an Bescheidenheit/Modesty nicht erreichbar und setzt die ständige Bereitschaft zum "pain in the work" voraus. Die Metapher des Gralssuchers Parzival umschreibt diesen Prozess, der offensichtlich damals (in der Zeit der Mittelalters) wie auch heute noch gilt. Dieser Weg der Erkenntnis tut sich wie die Legende zeigt aber erst auf, wenn man ohne Zwang ist. Diese Paradoxie gilt auch beim Phänomen der Süchte, Manien und Obsessionen, die - schließlich bedingen sie das so genannt "Böse" in der Welt - in der Folge ausführlich behandelt werden sollen.
Ohne uns als Missionare zu verstehen, glauben wir, dass gesellschaftliche Gestaltung dennoch eine Chance hat. Um dieses Ziel der permanenten Überwindung des "so genannt Bösen" (Konrad Lorenz) anzustreben, bedarf es der Entwicklung hin zu einer "Offenen Gesellschaft" im Sinne Karl Poppers, in der der Einzelne vertrauen kann, dass er in jedem Fall ein Anrecht auf seine Existenz als Mensch hat. Andererseits braucht es dazu die Einsicht, dass es auch einen ungestaltberen Bereich im Leben gibt. "Gen-Identitäten" hat der Philosoph und Psychologe Kurt Lewin dieses Phänomen aufgrund seiner Forschungen über die Folgen des 1. WK genannt, und der schon erwähnte Popper hat diesen Bereich, den wir im Rahmen von Civic Education als Existenzebene bezeichnen als "emergent" beschrieben - kurz wir versuchen die Begriffe von Konrad Lorenz und Karl Popper miteinander in Einklang zu bringen, in etwa so wie man versucht mit Hilfe einer "Weltformel" Quantenmechanik und Relativitätstheorie miteinander zu verschränken.
Popper ist auch aus anderer Sicht wesentlich, schließlich stammt das Postulat des Falsifizierens von ihm, mit dem er u.a. verhindern wollte, das künftig wissenschaftliche Forschung für politische Zwecke (z.B. Rassenkunde) missbraucht wird. Geschichte ist für uns aus demselben Grund wichtig, weil man dadurch soziologischen Prozesse (Historizimen) besser einzuschätzen lernen kann. Wir müssen gewissermaßen die „Sprache“ der Menschen erst langsam erlernen, ähnlich wie Mounty Roberts der sogenannte Pferdeflüsterer, die von ihm „Equus“ benannte, eigentliche Pferdesprache entschlüsselte.
In diesem Sinne wollen wir gemeinsam versuchen das "Soziale Lernen" weiterzuentwickeln, weil die Chance, auf diesem Weg, was es das friedlich Miteinander auf der Welt anbelangt, einigermaßen erfolgversprechend ist. Um sich dem "Sozialen Lernen" wirklich zu öffnen bedarf es aber der Einsicht in die Fähigkeiten und Unfähigkeiten des einzelnen Menschen, was schließlich der Grund ist, warum wir diesen Imponderablien breiten Raum einräumen wollen.
Versuch eine Liste dieser Süchte zu erstellen:
Abhängigkeiten von Nikotin, Alkohol, Drogen, Esssucht, Magersucht, Faulheit, Arbeitssucht, Harmonie, Aggression, Eifersuch, Neid, Leidenschaft, Macht,
wer kann das ergänzen?
