Ich wollte ja was zu meinem diesjährigen Alpenurlaub zum Besten geben. Also los geht’s.
Freitag, 24-08-07
Bin, wie es sich für einen Abreisetag gehört, viel zu früh aufgewacht. Die Straßenbahn bringt mich zum Bahnhof und ich fluche jetzt schon, daß ich wieder so viel Kram mitschleppe. Aber man weiß ja nie, was man alles braucht. Hätte vielleicht statt Rucksack vorn und hinten, den Rollkoffer nehmen sollen. Zu spät. Zuerst steige ich in den ICE nach München, den ich jedoch in Kassel schon wieder verlasse und nach Marburg weiter fahre. Es war übrigens ein ICE 3, welche ich ja so gar nicht leiden kann. Neigetechnik, von der einem schlecht wird und kein Hörprogramm. Nein, da sind mir die Alten lieber. Auch wenn sie aus mir nicht bekannten Gründen den Literaturkanal nicht senden, was ich höchst ungerecht finde. So bin ich gezwungen, das Kinderprogramm zu hören. Ist aber auch sehr nett.
In Marburg kamen meine Sachen erst mal in ein Schließfach und ich machte mich auf meine Nostalgietour. Bücherei, Klingelhöfer, Schloß, Dammelsberg, Schule, meine alte Wohnung usw. Auf dem Dammelsberg kam ich auch am Ritualplatz vorbei, wie ich ihn für mich getauft habe. Hier lassen sich immer wieder die Überbleibsel von Ritualen finden. Dieses Mal hatten sie eine große Spirale aus Stöcken gelegt, die in eine spiralförmige Feuerstelle überging. Sah nett aus.
Gegen Abend bezog ich dann mein Zimmer bei Carle. Ein tolles Hotel. Kann ich nur empfehlen. Irgendwie fühlte ich mich nicht gerade voller Tatendrang, aber das waren sicher noch Alltagsnachwirkungen, die sich erst mal verflüchtigen mussten. Ist schon irgendwie traurig, daß einen der Alltag so sehr ausbremst.
Samstag, 25-08-07
Eine viel zu kurze Nacht später. Nach dem Frühstück mache ich mich wieder Richtung Marburg auf, um mich um 12:00 auf dem Marktplatz am Brunnen mit Nìthiel zu treffen. Vorher hole ich mir noch ein zweites Frühstück beim Bäcker. Diese bösen Nußstangen. Meine Ernährung ist auf Reisen das Gegenteil von dem, was sie im Alltag ist. Ich bin ein Nahrungsmitteltourist. Mein größtes Interesse gilt dem, was die Menschen woanders essen. Ganz besonders ziehen mich Supermärkte und Bäcker an und dort leider meistens die süßen und ungesunden Dinge. Aber ich finde, daß ein Supermarkt viel über die Menschen in der jeweiligen Gegend aussagt. Psychologisch höchst interessant. Als ich so auf dem Marktplatz sitze, es ist mittlerweile 11:00, werde ich unglaublich müde, was nach dem Bisschen Schlaf nicht weiter verwunderlich ist. Also lege ich mich einfach zum Fuß des Brunnens hin und schlafe ne Runde. Das Stimmengewirr um mich herum wirkt dabei sehr beruhigend, nur der Untergrund ich leicht hart.
Dann weckte mich irgendwann das Mittagsgeläut mit dem heiseren Hahn und ich schaute mich nach Nìthiel um. Sie war schon da, hatte mich aber dort unten nicht gesehen. Naja, mit der Mütze auf meinem Gesicht wohl auch etwas schwer. Wir brachten meine Sachen zu ihr nach Hause. Ein echtes Oberstadthaus! Es ist urig. Es ist genial. Wie oft bin ich an diesen Häusern vorbei gelaufen und habe mich gefragt, wie sie wohl von innen aussehen. Ich schüttelte ihren Katzen die Vorderpfote und zog meine Gewandung an. Zuerst trafen wir uns noch mit einigen Forumsusern am Ufer der Lahn und ich kam in den Genuß von hausgemachter Vanille-Limonade. Dann warteten wir. Und Warteten. Zwei fehlten noch. Zwischendurch ging ich noch die Limonade wegtragen und stellte voller Entzücken fest, dass sie auf dem Klo Asterix-Hörbücher abspielten. Da bleibt man doch gerne länger. Nach einer Dreiviertelstunde ohne Meldung brachen wir zum Schloß auf. Sie wußten ja, wo es ist.
Am Eingang gleich die erste freudige Nachricht. Gewandete haben freien Eintritt. Als erstes muß ich schon wieder aufs Klo. Wie überraschend. Als ich gerade die Treppe runter will, pfeift mich die Klofrau zurück und meint, es wäre alles voll und ich sollte doch gefälligst das andere benutzen. Böh? Zwei Gewandete hinter mir nicken und gehen in eine andere Richtung. Da sie anscheinend schlauer sind als ich, trotte ich hinterher. Dann lese ich das Schild „Aussteller-Toiletten“. Ich verkünde, daß ich kein Aussteller bin und sie meinen nur, dass sie mich mitnehmen würden. Das ginge also schon in Ordnung.
Der Markt ist toll. Allein schon wegen der Lage. Wir tun das, was man auf Märkten so macht. Essen, laufen, dekorativ herumliegen/sitzen. Es werden Köstlichkeiten beim Moccamaker gekauft und ich nehme mir später auch noch was mit. Annika ist erstaunt, mich schon wieder zu sehen. Das letzte Mal sind wir uns auf dem Markt in Eller begegnet. Nìthiel und ich drehen noch ein paar Runden, treffen auf einige ihrer Bekannten (mir kommt es vor, als würde sie den halben Markt kennen) und auf verschollen geglaubte Forumsuser, die nun endlich angekommen sind und schauen den Marktleuten beim Tanzen zu. Natürlich nicht ohne Kommentare wie: „Hey, das ist der Dame-Wegwerf-Tanz.“ oder „Jetzt kommt die Indian Queen, wetten.“ Am Schluß haben wir die Ehre, bei einem Schreittanz mitzumachen. Herrlich! Nunja, die Schritte sind nicht gerade eine Herausforderung, aber immerhin besser, als nur Zuschauer zu sein. Natürlich wird auch Geld ausgegeben. Wir kaufen uns jeweils einen neuen Gürtel, als Folge des gegenseitigen guten Zuredens. Meiner ist allerdings eher für den Alltag gedacht. Ein paar weitere Runden und den Pestumzug später machen wir uns nach Hause auf und essen ganz zünftig frisches Steinofenbrot mit Butter. Was gibt es besseres? Der Schlafmangel der letzten Nacht machte sich langsam bemerkbar und ich hatte somit nichts dagegen, den Abend nicht allzu lang auszudehnen. Nachdem ich eine der Katzen (ich weiß nicht welche, da es dunkel war uns sie beide schwarz sind) aus dem Zimmer gescheucht hatte (nicht ohne sie vorher ausgiebig zu kraulen versteht sich), machte ich es mir gemütlich. Tja, leider begann die Nacht trotzdem sehr spät und endet sehr früh. Wieder nix mit erholsamem Schlaf.
Sonntag, 26-08-07
Nach dem Aufwachen bestaunte ich Marburg am Morgen aus meinem Fenster. Es ist wunderschön. Alles schläft noch, die Sonne geht über den Häusern auf und krabbelt langsam durch die Gassen. Über allem hängt noch ein feiner Nebel und die Luft ist angenehm frisch und klar.
Nachdem ich mich satt gesehen hatte und Dante dabei zugeschaut habe, wie er mit meinem Rucksack spielte, ging es für eine Stunde ins Internet. Muß doch gucken, wie es dem Forum so geht. Um 10:irgendwas fuhr mein Zug, der mich zunächst nach Frankfurt brachte, wo ich in den ICE nach München stieg. In München hastete ich zu meinem Anschluß. Leider starten die Regionalzüge von sehr abgelegenen Gleisen. Der Zug brachte mich dann um ca. 17:00 nach Garmisch, wo ich mir ein Taxi nach Grainau nahm. Natürlich hätte ich auch Bus fahren können, aber langsam war ich doch etwas geschafft. Das Wetter war herrlich und es kribbelte mir schon in den Füßen. In der Pension Alpenrose bezog ich mein Zimmer und machte mich auf Futtersuche. In dem Restaurant, wo ich einige Jahre zuvor mit meinem Vater gegessen hatte, blieb ich hängen. Der Abend wurde allerdings nicht mehr sehr lang, denn ich kippte um 21:00 ins Bett.
Montag, 27-08-07
Habe 9 Stunden durchgeschlafen und beschlossen, die Alpen weiter in den Norden zu versetzten. Totaler Energieüberschuß. Zuerst besuche ich aber Frau Gasegger, meine Gaswirtin. Ich bestelle das Frühstück ab, da es mir einfach zu spät liegt. Um 8:00 werde ich normalerweise schon lange unterwegs sein. Ich verlasse also das Haus um 7:00 zur ersten Tour. Zunächst geht es in Richtung Hammersbach und dort auf den Weg zur Höllentalklamm. Diese bin ich zwar schon mal gelaufen, finde sie aber sehr schön und möchte von da aus weiter gehen. Auf dem Weg überholen mich zwei Turnschuhträger in T-Shirt. Ich grinse mir nur schadenfroherweise einen. Sie wissen sicher erstens nicht, wie glitschig die Steine in der Klamm sind, zweitens nicht wie naß man auch von oben wird und drittens nicht, wie steil und lang der Weg zur Klamm ist (ich treffe sie später klatschnaß in der Klamm wieder und kann mir ein dreckiges Lachen kaum verkneifen). Ansonsten sind kaum Menschen unterwegs. So liebe ich das. Die Klamm ist natürlich wie immer ein beeindruckendes Erlebnis . Mir rauscht es noch einige Zeit später in den Ohren. Danach geht es im Höllental weiter zur Höllentalangerhütte. Von dort aus hat man einen wundervollen Blick auf den Jubiläumsgrad und die Zugspitze. Nun gibt es erst mal einen halben Liter Apfelschorle in der Hütte. So schone ich meine Wasservorräte. Langsam trudeln einige Wanderer ein, die mit Helmen ausgerüstet sind. Sie wollen weiter zur Zugspitze, denn von hier aus geht ein Klettersteig dort hinauf. Ich schaue ihnen etwas neidisch hinterher und gehe dann einen anderen Weg zum Knappenhauser. Nein, an Klettersteige habe ich mich noch nicht rangewagt. Zunächst läuft der Weg sich angenehm und wird dann in der Höhe sehr beeindruckend. Nix für Leute mit Höhenangst . Nach und nach wird es immer steiniger und es kommen mir die ersten irren Wanderer entgegen. Ich weiß, daß dieser Weg bei Touristen sehr beliebt ist, aber ich würde ihn niemals bergab laufen. Das ist mir auf dem steinigen und schartigen Untergrund einfach zu gruselig. Bergab hat man einfach keinen so sicheren Tritt, wie bergauf. Dann geht es auf das Hupfleitenjoch zu. Vor mir ist nur noch eine Person, die den Weg ebenfalls in meiner Richtung geht. Nach einiger Zeit habe ich sie eingeholt und meine, eine etwa 30jährige, kräftige Frau vor mir zu haben, die langsam merkt, daß der Weg doch schwerer ist, als sie dachte. Dann bleibt sie zum Verschnaufen stehen, dreht sich um, als ich direkt hinter ihr bin, und ich schaue in ein altes, aber sehr freundliches Gesicht. Das ist Bettie, alias Barbara. Eine 70jährige Bayerin, die schon ihr ganzes Leben auf Bergen rumkraxelt, ihren Enkeln sündhaft teure Heiligenfiguren schenkt und redet, wie ein Wasserfall. Da sie sich mit dem Aufstieg schwer zu tun scheint, bleibe ich hinter ihr und wir unterhalten uns. Naja, hauptsächlich ziehen wir über die entgegenkommenden Touris her, die mit Turnschuhen, Hunden und kleinen Kindern auf dem Weg herumeiern und fragen uns mit einigem Sarkasmus, wie hoch wohl die Absturzrate so ist. Es gibt echt ne Menge unvernünftiger Menschen, die meinen, die Berge seien ein harmloser Vergnügungspark. Oben angekommen gibt es erstmal eine Pause. Ich fand den Aufstieg gar nicht dramatisch, da Bettie sehr langsam gegangen ist und ich so keine Gelegenheit hatte, wie sonst, viel zu schnell zu rennen. Ein Blick auf den Weg zum Osterferlderkopf sagt mir, daß ich dort wohl doch nicht mehr hoch möchte. Mittlerweile ist es kurz nach 12:00 und ich merke die Anstrengung. Also gehen Bettie und ich über einen Höhenweg Richtung Kreuzeck. Kann ich nur empfehlen. Sehr schöne Strecke und auch nicht sonderlich anstrengend. Kurz vorm Kreuzeck trennen sich unsere Wege und sie läuft weiter zur Hochalm. Ich bleibe etwas unschlüssig zurück, denn es ist mir noch zu früh, um wieder hinunter zu fahren. Also beschließe ich, einen kleinen Umweg zur Hochalm zu machen, denn Betties Weg ist nur 15 Minuten lang und außerdem mag ich keine Schotterstraßen. Schotterstraßen im Sonnenlicht blenden ganz ekelhaft. Schotterstraßen bergauf oder ab sind furchtbar rutschig. Außerdem sind Schotterstraßen langweilig. Tja, da lag aber nun mein Fehler. Mein Weg war nicht langweilig, sondern gruselig. Er war höllisch steil und ging schnurgerade den Berg rauf, was ich nun gar nicht leiden kann. Da sind mir Serpentinen 5mal lieber. Längerer Weg, aber weniger Steigung. Außerdem hatte ich mich wohl doch verguckt, was die Hochalm anging. Völlig fertig komme ich an einen Gipfel und bin absolut davon überzeugt, daß dahinter der Weg zum Osterfelderkopf weiter geht. Aber als ich über den Fels klettere, sehe ich den Osterfelder in recht weiter Ferne, von dem mich ein ziemlich tiefer Bergeinschnitt trennt. War wohl nix. Also geht es auf der anderen Seite wieder runter. Kurz vor einer Wegkreuzung wird der Pfad aber noch mal richtig ekelhaft. Zumindest für jemanden wie mich, der keine Klettersteige geht. Ich kralle mich am Stahlseil fest und gehe Schritt für Schritt langsam an einer steilen Felswand entlang. Ein Weg ist nicht mehr so wirklich vorhanden. Hier hilft mir die Zeit im Hochseilgarten und an der Kletterwand, denn seltsamerweise macht mir die Höhe nichts aus. Eben nur das Bewußtsein, nicht wie sonst gesichert zu sein. An der Kreuzung geht der Weg nach links zur Hochalm und nach rechts zum Osterfelderkopf. Tja, nur meine Kräfte sind mehr oder weniger am Ende und ich beschließe zähneknirschend zur Hochalm zu gehen und von dort die Seilbahn nach oben zu nehmen. Im Grunde bin ich einen völlig unsinnigen Kreis gelaufen, aber egal. Oben lege ich erstmal eine Pause ein, trinke und esse, betrachte das Tal und die Wanderer, die von der Alpspitz-Ferrata kommen. Also man kann sagen, was man will, aber die Quote an verdammt gutaussehenden Männern in den Endzwanzigern bis Enddreißigern erhöht sich exponentiell zur Höhe über dem Meeresspiegel. Wenn man bei dieser Rechnung auch noch den Multiplikator „Schwierigkeitsgrad der Wege und Steige“ einrechnet, wird einem glatt schwindelig.
Vom Osterfelderkopf fahre ich mit der Seilbahn wieder runter, wo ich den Bus um 2 Minuten verpasse. Weil ich nicht auf den nächsten warten will, gehe ich zu Fuß nach Grainau. Der Weg wäre nicht weiter dramatisch gewesen, wenn sich nicht auf sehr penetrante Weise meine Blase gemeldet hätte. Im Wald kein Problem, doch ich konnte ja wohl kaum an eine Hausecke pinkeln. Schließlich habe ich es aber doch noch geschafft. Nach einer ausgiebigen Dusche ging ich zum Supermarkt, wo ich für die nächsten Tage einkaufte. Und zum Abendbrot gönnte ich mir nach all den Frucht- und Müsliriegeln eine warme Scheibe Leberkäse im Brötchen. Fleischhhh, jajajaja! Und wieder kippe ich sehr früh und sehr zufrieden ins Bett.
Dienstag, 28-08-07
Das Wetter ist dunstig und es sind einige Wolken am Himmel. Im Grunde kein Problem, denn bei praller Sonne lauf ich nicht gern. Allerdings sind für den Abend Gewitter angesagt, was meine Pläne etwas durcheinander bringt. Heute ist Vollmond und bei der Gelegenheit bietet die Ehrwalder Zugspitzbahn die Möglichkeit, noch bis 21:00 mit der Seilbahn von der Zugspitze ins Tal zu fahren. Sonst liegt die letzte Talfahrt nämlich bedeutend früher. Sonnenuntergang auf der Zugspitze und danach Vollmondaufgang. Ein Lebenstraum.
Ich stelle fest, daß ich keinerlei Schmerzen in den Beinen habe, sei es durch Muskelkater oder Überanstrengung. Harrr. Nennt mich Iron-Woman! Wieder gehe ich um 7:00 los. Irgendwie schaffe ich es nicht früher. Erbärmlich. Bei meinem letzten Alpenurlaub war 6:00 die normale Zeit. Naja, man wird halt nicht jünger. Die erste Etappe ist der Eibsee über den Höllentalhöhenweg. Sehr schöne Strecke, zumindest bis die kleine rote Linie auf die weiße trifft. Von da an ist es eine Schotterstraße. Zu Schotterstraßen brauche ich mich ja nicht weiter zu äußern. Nach etwa 2 Stunden komme ich beim Eibsee an und folge dann dem Pfeil zum Riffelriss. Der Anstieg ist übel, was ich aber mit einem Blick auf die Karte schon vorher hätte sehen können. Dichte Höhenlinien und kurze Wegstrecke. Nicht gut. Ich hätte den anderen Weg nehmen sollen. Treffe unterwegs auf einen professionell wirkenden Wanderer, der mir entgegen kommt, während ich wie eine knallrote Boje, die gerade aus dem Meer aufgetaucht ist, den Berg hochjapse. Er schaut mitleidig und meint, daß es noch recht weit ist. Danke! Das hilft mir jetzt ungemein. Er sollte mal ganz ruhig sein, denn der Waschlappen ist bestimmt am Riffelriß aus der Zahnradbahn gestiegen. Das weitere Gespräch verrät mir aber, daß er über die Wiener Hütte gekommen ist, was meine bösen Gedanken schlagartig in Anerkennung erstarren läßt. Will gar nicht wissen, wie lange der schon unterwegs ist. Vielleicht hat er ja auf der Hütte übernachtet. Ha, das wird es sein! Also doch ein Waschlappen! Langsam wird der Weg wieder flacher und löst sich dann in Wohlgefallen auf. Aber ich lauf einfach mal in Richtung Zugspitze weiter. Zumindest in die Richtung, wo sie laut Kompaß sein sollte. Wolken. Überall Wolken. Ich komme langsam über die Baumwuchsgrenze . Es ist beeindruckend hier oben, jenseits der Dörfer und weit weg von anderen Menschen zu sein. Man fühlt sich als Teil der Natur. Ich muß sagen, daß ich mich dort oft sicherer und geborgener fühle, als in der Großstadt. Es muß unbeschreiblich sein, hier zu übernachten und die Sterne zu bewundern.
Dann komme ich an ein Schild. „Staatsgrenze“ . Ah ja, ich betrete also jetzt Österreich. Danke für den Hinweis. Der Weg geht geradeaus weiter, außerdem zeigt ein Schild nach links Richtung „Riffelriss“. Eigentlich hatte ich geplant, nach Ehrwald zu laufen, aber die Wolken werden dichter und mein Wasservorrat ist so gut wie weg. Also drehe ich kurzerhand nach links ab und mache mich zum Riffelriss auf. Nach kurzer Zeit erreiche ich den Haltepunkt der Zugspitzbahn. Gegenüber geht der Steig zur Zugspitze los. Neid. Aber ich habe Teile davon schon aus der Gondel gesehen. Nein, auf dem Geröll möchte ich nicht laufen. Harter Felsen meinetwegen, aber kein Geröll. Kurz nach mir kommt ein älterer Herr aus der Richtung des Steigs und ich mustere ihn beeindruckt. Doch es stellte sich heraus, daß er umgekehrt ist, weil er nicht mehr weiter kam. Seine Frau hat ihn abgehängt. Wir plaudern noch etwas, bis die Bahn kommt. Meine ist zuerst da. Ich fahre wider aller Vernunft nach oben. Auf dem Platt kann man noch einigermaßen sehen, doch die Zugspitze selber liegt in den Wolken. Ich fahre trotzdem hoch. Oben sieht man zunächst nichts mehr. Dann bricht zwar kurzzeitig die Sonne durch, kann sich aber nicht lange behaupten. Das wird heute sicher nichts mehr und so nehme ich die nächste Gondel zum Eibsee. Der Fahrer meinte auf meine Frage hin, daß sich das Wetter nur noch verschlimmern wird. Vom Eibsee aus fahre ich mit der Zahnradbahn nach Grainau. Kaum komme ich in der Pension an, fängt es auch schon an zu regnen. Mist. Soviel zum Lebenstraum.
Mittwoch, 29-08-07
Es hat die Nacht durchgeregnet. Beunruhigende Erinnerungen werden wach. Was kann man an einem verregneten Tag wie diesem machen? Eigentlich wollte ich nichts tun, außer wandern. Ich hatte keine Lust, mir Städte anzuschauen oder was weiß ich. Ich wollte den Pfad vor mir, den Wanderstock in der Hand und sonst nix. Aber was nicht geht, geht nicht. Es könnte natürlich sein, daß es weiter im Süden nicht regnet. Probieren wir es doch mal aus. Und so sah ich Grainau im Regen, als ich mit dem Bus nach Garmisch fuhr, wo es übrigens auch regnete. Dort nahm ich den Zug nach Innsbruck, wo es…na?...ebenfalls regnete. Ich latschte mit Schirm die Innenstadt ab, betrachtete das Goldene Dach und erfreute mich der leckeren Dinge in den Bäckereinen (Topfenstängli!). Irgendwann nach ein paar Stunden gab ich auf und fuhr zurück. Kaum aus Innsbruck raus riß der Himmel auf. Irgendwer hat was gegen mich. Aber wenigstens bescherte mir das eine sehr beeindruckende Rückfahrt, denn die Strecke von Garmisch über Mittenwald nach Innsbruck ist wunderschön. Sie ist extrem hoch gelegen und bietet eine atemberaubende Aussicht. Zumindest wenn es nicht gerade regnet. In Garmisch war es zwar trocken, doch der Himmel sah nicht freundlich aus. Ich lief noch etwas durch die Stadt, guckte schon mal vorsichtshalber das Kinoprogramm für den nächsten Tag aus und fuhr dann mit dem Bus nach Grainau.
Donnerstag, 30-08-07
Die Nacht war wieder zu kurz und drei Mal dürft ihr raten, wie das Wetter ist. Regen. Richtig. Der Kandidat bekommt so viele Waschmaschinen wie er tragen kann! Aber der Wetterbericht hatte gesagt, daß es nur am Alpenrand regnet (was ich höchst ungerecht finde). Gut, Wetterberichten traue ich so weit, wie ich Kachelmann werfen kann, aber ich wollte nichts unversucht lassen. Also beschloß ich, meine Taktik zu ändern und nach München zu fahren. Es erweis sich als gut, denn dort regnete es nicht. Dann begann ich meine konsumorientierte Shoppingtour eben schon am Donnerstag (am Freitag wollte ich sowieso dort hin). Nach dem beschaulichen Grainau und der idyllischen und einsamen Natur ist München ein echter Zivilisationsschock. Die Gebäude sind groß und imposant, die Bilder, Eindrücke und Menschenmassen fast zu viel. Doch München ist schön. Ich hatte mir einige Läden aufgeschrieben, die ich neben den üblichen Sehenswürdigkeiten besuchen wollte. Das Cafe Luitpold war schon mal ein Volltreffer. Sehr leckere Kuchen und Torten haben die da. Kann ich nur empfehlen. Von da aus ging es zu einem zu noblen Schokoladenladen, der mir so gar nicht gefiel. Nächste Adresse: Dienerstraße. Zuerst Manufaktum. Kannte ich bisher nur aus dem Katalog. Sehr nette und herrlich einfache Dinge haben sie dort. Wenn ich mehr Geld hätte… Danach musste natürlich Dallmayr sein. Erinnerte mich etwas an die Spezialitätenabteilung bei Harrod’s in klein. Ich kam am Spielzeugmuseum vorbei, in dem ich als Kind mal mit meinem Vater gewesen war. Jaja, ich und die Museen. Normalerweise zerren Eltern ihre Kinder in Museen und Kirchen und nicht umgekehrt. Tja, ich war halt nicht normal. Das Deutsche Museum war mein zweites zu Hause. Dann kam der Viktualienmarkt dran. Traumhaft. Dort werden sehr viele Leckereien verkauft und außerdem mag ich das bunte Treiben. Am oberen Ende befindet sich der Laden „Chocolate and More “, den ich jedem ans Herz legen möchte. Er ist urig und hat selbst für Schokoladenlädenkenner noch Neues zu bieten. Von dort aus ging es in die Sendlinger Straße, eine der Münchener Shoppingmeilen. Für meinen Geschmack nichts, denn jeden zweiten Laden haben wir auch hier. Allerdings kein Lush, wo ich demnach sofort einkehrte. Ich werde zwar immer von Übelkeit und Kopfschmerzen geplagt, wenn ich dort bin, aber was tut man nicht alles. Nun merkte ich die kurze Nacht und den Fußmarsch. Es ist schon erstaunlich, wie wenig mir Bergwanderungen im Vergleich zu Stadtspaziergängen ausmachen. Der Himmel bezog sich ohnehin gerade, also fuhr ich wieder nach Garmisch, um dort ein zweites Mal in Harry Potter V zu gehen. Was will man auch anderes bei dem Wetter machen? Hinterher bereute ich es wieder etwas, denn Filme haben bei mir immer tiefschürfende Gedanken zur Folge. Somit beschäftigte ich mich auf der Rückfahrt damit, warum ich Harry um sein Leben beneide, welches ja nun nicht wirklich sehr erquicklich ist und erkannte erneut die Armseligkeit meiner psychischen Abgründe. Abends wurde dann gepackt und die Rechnung beglichen. Frau Grasegger fragte mitleidig, was ich bei dem schlechten Wetter getan habe, und ich versicherte ihr, daß ich hier schon bedeutend schlechteres Wetter erlebt hatte. Immerhin konnte ich mit dem Zug die Stadt verlassen.
Freitag, 31-08-07
Ich fuhr früh mit dem Zug nach München und schloß nach alter Gewohnheit meine Sachen am Bahnhof ein. Der erste Laden auf der Liste war recht weit weg und da es sowieso noch zu früh war, ging ich zu Fuß. Fast eine Stunde und ein paar Irrwege später erreichte ich die Adresse und stand vor einem heruntergekommenen Tattooladen. Der Australische Food-Shop war offensichtlich schon länger nicht mehr dort. Etwas brummelig und leicht erschöpft fuhr ich in die Innenstadt und stieg zur Entspannung in den Sightseeing-Bus ein. Das ist eine nette Art eine Stadt zu erkunden, ohne die Füße bemühen zu müssen. Ich muß noch mal sagen, wie beeindruckend ich die Gebäude in München finde. Auch wenn ich Großstädten auf die Dauer nichts abgewinnen kann, so sind sie trotzdem sehr nett für einen Kurzurlaub. Gestärkt durch die Rundfahrt machte ich mich an den zweiten Teil der Erkundung Münchener Läden. Derr irische Laden war süß, aber nicht so der Hit. Hauptsächlich Klamotten. Der Schokoladenladen „Götterspeise “ war mehr was zum Verweilen, als zum Einkaufen von besonderen Schokoladen. Allerdings fand ich ihn sehr urig und würde bestimmt öfter dort vorbei schauen, wenn ich ihn in der Nähe hätte. Der Amerikanische Laden entpuppte sich als Flop. Er existierte zwar, aber ein paar Donuts verkaufen kann ich auch. „Pomeroy & Winterbottom “ war sehr süß. Viel britischer Nippes und auch ein paar nette Spezialitäten. Allerdings dudelte die Tür bei jedem Kunden (egal ob er rein oder raus ging) das komplette Big-Ben-Geläut. Also entweder hat der Inhaber nur wenig Kunden, oder Nerven aus Stahl. Damit war ich am Ende meiner Liste und hatte auch langsam Mittagshunger. Gut, um 15:00 nicht weiter verwunderlich. Also ging es wieder in die Innenstadt, wo ich mir bei Vinzenzmurr einen Salat holte. Tolle Kette. Schade, daß es die bei uns nicht gibt. Der volle Magen gab meinem Eifer dann den Rest und ich holte meine Sachen aus dem Schließfach, um zum Hotel zu fahren. Hotel Green Leaf. Herrlich poetischer Name. Ich fuhr mit der U-Bahn bis Neuperlach Süd. Nur wenige Minuten von der Haltestelle entfernt liegt das Hotel. Der Name war jedoch das einzig poetische daran, denn es sah aus, wie der Rest dieses Stadtteils. Modern. Sehr modern. Also gar nichts für mich. Schlüssel gab es nicht mehr, sondern eine Chipkarte. Na wenigstens keine Zahlenkombination wie bei dem Hotel in Offenbach. Ich hatte die ganze Zeit Angst, sie zu vergessen. Das Zimmer war nett, hatte eine Minibar und einen Fernseher. Auch wenn ich eigentlich nicht so der Fernsehfreak bin, ist es doch nach einem anstrengenden Tag nicht schlecht, sich einfach berieseln zu lassen. Es kam jedoch wie erwartet und Schrott. Ausnahmsweise habe ich sogar einigermaßen geschlafen.
Samstag, 01-09-07
Der Herr am Empfang hatte mir gesagt, daß es ab 7:00 Frühstück gibt. Allerdings hätte ich meine Reservierung noch mal durchlesen sollen. Der Preis, den ich im Internet gesehen hatte, bezog sich nur auf die Übernachtung. Frühstück geht extra. Leider fiel mir das zu spät ein. Also nichts gegen das Frühstück. Es war wirklich erstklassig, aber 12 € fand ich jetzt doch etwas heftig. Letztendlich habe ich für diese eine Übernachtung fast genauso viel bezahlt, wie für 5 Übernachtungen in Grainau. Gut, in Grainau war es aber auch extrem billig. Mit Kurtaxe nur 11,50 € die Nacht. Das gibt’s nicht mal in jeder Jugendherberge. Nach dem vergoldeten Frühstück fuhr ich zurück zum Bahnhof und schloß mein Gepäck ein. Was ich an dem Tag noch machen wollte, wußte ich selbst nicht genau. Erst wollte ich zum SeaLife, doch als ich dort ankam, war die Schlange so lang, daß mich die Lust daran verließ. Ich besichtigte also ein paar Kirchen, die Feldherrenhalle, vor der gerade eine Filmszene gedreht wurde und schlenderte durch die Altstadt, wo ich noch bei Schuhbeck vorbei schaute. Vor dem Cafe saß ein etwa 10 Jahre alter Junge mit einer umgedrehten Baseballkappe an einem Tisch. Vor ihm hüpfte seine Mutter mit einem Fotoapparat herum und erklärte ihm auf Englisch, wie er zu posieren hatte. Irgendwann wurde es ihm zu viel und er erwiderte mit verdrehten Augen „Oh mum, that’s so stupid!“ Sein Ton war einfach herrlich. Leider begann es nun erneut zu schütten. Ich gönnte mir eine Kugel Eis bei Häagen Daz (Caramel-Apple-Crumble :homer:), holte mir noch die ein oder andere Sache für zu Hause und besorgte bei Vinzenzmurr mein Mittagessen für die Rückfahrt. Eigentlich wollte ich ja später fahren, aber bei dem Wetter machte es nicht mehr so wahnsinnig viel Spaß. Die Rückfahrt zog sich. Für Abwechslung sorgte nur der Mann auf der anderen Seite vom Gang, mit dem ich mich gelegentlich unterhielt. Eigentlich immer dann, wenn er wach war, was zum Glück nicht so oft passierte. Er war sehr nett, doch genau wie Bettie redete er ohne Punkt und Komma. Zu Hause angekommen war ich mehr oder weniger erledigt.
Insgesamt war es ein schöner Urlaub, wenn auch der letzte Teil recht durchwachsen war. Wettertechnisch und auch allgemein.