Memoiren eines unbekannten Kleingeistes

02.07.2008 um 23:03 Uhr

Kulturelle Dramen

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Dank einer Kollegin habe ich es doch tatsächlich mal geschafft, etwas Kultur zu tanken. Nur um nicht missverstanden zu werden, ich habe nichts gegen Kultur, aber gegenüber dieser Art bin ich doch teilweise etwas skeptisch. Es handelte sich um das Oratorium „Acis und Galatea“ von Händel. Beim Durchlesen der Inhaltsangabe im Programmheft geriet ich dann aber doch ein wenig in Verzückung. Acis ist ein Hirte und verliebt sich in die Nymphe Galatea, welche von ihm auch sehr angetan ist. Im ersten Akt scharwenzeln sie umeinander herum, erklären sich gegenseitig, wie groß ihre Liebe ist und was man halt sonst noch so sagt. Das Ganze ist auf Englisch, was mir beim Verständnis jedoch nicht wirklich weiter half. Aber Musik und Gestik erzählten schon genug. Alles sehr romantisch. Der Akt endete mit dem Duett „Happy, Happy we!“. Hachhach. Im zweiten Akt tritt dann Polyphemus auf, der bedauernswerte Zyclop, der sich ebenfalls in Galatea verliebt hat. Doch sie weist ihn ab. Er schmettert ein etwas ungelenkes und ziemlich lautes Liebeslied, woraufhin Klugscheißer Damon (ebenfalls ein Hirte) ihm erklärt, dass er auf die Art nicht bei ihr landen kann. Polyphemus, der mir mittlerweile richtig Leid tut, ist sauer. Und was macht Acis, der Depp? Legt sich mit ihm an. Mit einem mindestens 3 Mal größeren Zyclopen. Also manchmal haben Männer wirklich nen Schuss. Totale Selbstüberschätzung. Aber egal. Er legt sich also mit ihm an, sie kämpfen und Polyphemus schmeißt einen Felsbrocken auf Acis, woraufhin dieser das Zeitliche segnet. Welch eine Überraschung. Was hat er erwartet? Eine Wiederholung von David und Goliath? Wie auch immer. Acis ist also hin und Galatea kommt aus dem Heulen nicht mehr raus. Es wird leider nicht gesagt, was mit ihr passiert. Wären wir bei Shakespeare oder in Irland, würde sie sich auch umbringen oder vor Gram sterben. Doch in diesem Fall ist es schwer zu sagen. Ich mag kein open end. Also ich glaube, sie besinnt sich und erkennt, dass Acis ein Trottel war, woraufhin sie mit Polyphemus durchbrennt und beide glücklich bis an ihr Lebensende zusammen leben. Klingt nach nem guten Plan.

 

Musikalisch sehr schön, inhaltlich herrlich romantisch. Kann ich nur empfehlen.

31.03.2008 um 15:00 Uhr

Liverpool

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Da ich vor Kurzem für etwa 2 Wochen im schönen England weilte und außerdem dieses Blog zu sterben droht, werde ich einfach mal über diese Reise berichten. Eine meiner Cousinen studiert in Liverpool und ich habe sie mit meiner anderen Cousine (ihrer Schwester) dort besucht. Die Bude hatte gefühlte 3 qm und tatsächliche 5-6. Es war also kuschelig.

Liverpool

Sie ist Kulturhauptstadt des Jahres 2008 und liegt am Fluß Mersey. Ich werde an dieser Stelle keine Gemeinheiten schreiben ... Nein ... Naja, vielleicht doch ein oder zwei. Also Liverpool ist ehrlich gesagt nicht gerade eine Schönheit. Industriestadt halt. Es gibt aber durchaus nette Ecken. Zum Beispiel beherbergt Liverpool eine der größten Kirchen der Welt. Von Außen und von Innen fühlt man sich von diesem Bau regelrecht erschlagen (wie auch von den Preisen für die Turmbesteigung). Damit wetteifert jedoch die moderne „Liverpool Metropolitan Cathedral of Christ the King“, welche von uns nur liebevoll „Der Kernreaktor“ genannt wurde. Für einen Konzertsaal wäre sie ein interessantes Bauwerk, aber als Kirche ist sie wegen ihres Bahnhofshallencharmes in meinen Augen eine echte Fehlbesetzung. Doch angeschaut haben wir sie trotzdem. Auch eine Hafenrundfahrt lohnt sich, obwohl die Hafengegend zur Zeit eine einzige Baustelle ist. Das Kind mir gegenüber zu filmen war dann teilweise doch interessanter. Die Beatles und die Liverpooler Musikszene dürfen natürlich auch nicht unerwähnt bleiben, haben mich aber trotzdem nicht so gefesselt. Im Allgemeinen ist Liverpool auffallend dreckig und wirkt stellenweise sogar etwas heruntergekommen. Aber das ist sicher nur der Kontrast zum ordentlichen Deutschland, der mich hier beeinflusst.

Die Liverpudlians (Die Bewohner Liverpools)

Sie sprechen in eigenartigen Zungen. Wenn man an der Kasse glaubt, 3 Pfund bezahlen zu müssen, sind es wahrscheinlich 8 Pfund, denn allein vom Klang her lassen sich die beiden Zahlen nicht unterscheiden. Verabschiedet wird man dann mit etwas, das wie „Taah“ klingt. Wir haben nicht rausbekommen, was es ursprünglich mal heißen sollte, bevor es ein Liverpooler in den Mund genommen hat. Des weiteren mutiert der Buchstabe „O“ oft zum „U“, was die Verständigung teilweise etwas erschwert aber jeden Kate-Rusby-Fan in Entzücken versetzt. Geht man durch die Innenstadt, bietet sich einem ein sehr kontrastreiches Programm. Als erstes viel uns auf, dass wir uns scheinbar in der Jahreszeit geirrt hatten. Selbst wenn das Thermometer nicht mal die 10°C schafft, trägt hier vor allem die jüngere Generation ihre Sommergarderobe. Allein der Anblick läßt einen frieren. Dieses Phänomen kann man jedoch auch in London beobachten. Darüber hinaus schaffen es die Menschen hier immer wieder bei der Auswahl und Kombination ihrer Kleidung gekonnt daneben zu greifen, was aber aufgrund des Angebots in den Läden nicht weiter schwer ist. Mein Klamottengeschmack ist sicher nicht der Beste, aber diese Geschmacksentgleisungen jagend selbst mir Schauer über den Rücken. Sehr beliebt ist auch der Jogginganzug in allen Variationen. Am besten in der Niki-Ausführung, einfarbig in pink, hellblau oder schreiendem Grün. Dazu trägt man überdimensionale Winterboots, die wohl die fehlende Wärme oben herum kompensieren sollen. Wenn man hier auffallen möchte, muß man schon nackt herum laufen. Wieder zurück in Deutschland kommt mir doch alles was sich dem Auge in der Fußgängerzone so bietet recht trist und langweilig vor. Nun kann man sich noch fragen, ob die gruseligen Klamotten in den Läden zuerst da waren, oder ob es nur die Reaktion der Modebranche auf den Geschmack der Engländer war. Wie auch immer, den Designern muß entweder das Herz geblutet haben, als sie diese Kollektionen raus brachten, oder ihnen war nur der Stift ausgerutscht.

Das Wohnheim

Im Grunde ist es sehr schön gebaut. Die Zimmer sind zwar klein, aber optimal eingerichtet. Gut, das Wasser schmeckt wie üblich nach Chlor, aber da gewöhnt man sich schnell dran. Tja, wenn da nur die Bewohner nicht wären. Als meine Cousine meinte, die Küche sei sehr dreckig, habe ich das zunächst für eine Übertreibung gehalten. Nun bin ich eher der Meinung, dass sie untertrieben hat. Ich habe ja nun auch WG-Erfahrung und die WG-Küche war schon oft grenzwertig ekelhaft. Aber so etwas wie die Küche im Wohnheim habe ich noch nicht gesehen. Sie war nur bei geöffnetem Fenster zu ertragen, da es penetrant nach ranzigem Fett stank. Alle Oberflächen waren klebrig, der Herd total verkrustet. Und das alles, obwohl die Putzfrauen ein Mal die Woche sauber machen. Aber schon 2 Stunden später hat sie ihren Ausgangszustand wieder erreicht. Selbst wenn ich nach dem Kochen nicht putzen würde, könnte ich gar nicht so eine Sauerei veranstalten. Die effektivste Lösung wäre, diese Küche jede Woche ein mal komplett auszubrennen. Menschlich scheinen die Bewohner jedoch ganz nett zu sein Ich habe aber nur einen näher kennen gelernt. Einen Peruaner, der Peru für das einzig wahre Land hält und England einfach nur „shit“ findet, um es mal mit seinen Worten zu sagen. Man kann sich nett mit ihm unterhalten und auch im Kartenspiel zeigt er Talent. Allerdings wusste man nie genau, welchen Teil seiner Erzählungen man glauben durfte und welchen nicht. Das machte es etwas anstrengend.

Chester

Eine traumhaft schöne Stadt. Die Stadtmauer ist gut erhalten und man kann auf ihr ein Mal um die Innenstadt laufen. Die Fußgängerzone ist teilweise zweistöckig gebaut, da die alten schwarzweißen Fachwerkhäuser meist in der ersten Etage eine Art Veranda haben, die durchgängig begehbar ist. Sehr faszinierend. Hier hatten wir typisch englisches Wetter. Dauernden Nieselregen. Aber das hält einen echten Touristen nicht auf.

Manchester

Groß. Laut. Chaotisch. Da sie im zweiten Weltkrieg einiges abbekommen hat, steht hier im Wechsel das alte Gemäuer neben dem Glas- und Stahlbau. Wir haben sehr gut in China Town gespeist. Danach ging es in eines der größten Schwulenviertel überhaupt. Allerdings war dort um die Mittagszeit nicht allzu viel los. Sehr sehenswert ist auch die John Rylands Library. Ein traumhafter Bau der teilweise wie eine Kirche wirkt. Für meine Cousine die Bibliomanin ein Traum schlechthin.

Chinese State Circus

Ein Traum. Vielleicht teilweise etwas übertrieben, aber für so was bin ich empfänglich. Besonders schön war der Teil, als ein Pärchen in Weiß an zwei blauen Seidenschals durch das Zelt schwebten. Einzig das Ende war etwas viel. Werbung für die Olympischen Spiele. Der Zirkus kommt Ende 2008 nah Deutschland. Wenn die Show hier genauso ist, kann ich es sehr empfehlen hin zu gehen.

Angebote

Was ich in den Supermärkten sehr nett finde, sind die ständigen Sparangebote nach dem Motto „nimm 2 zahl 1“ oder „nimm 3 zahl 4“. Gut, das ist natürlich auch eine psychologische Sache, weil man vielleicht ohne dieses Angebot weniger gekauft hätte, aber ich mag es trotzdem.

Kulinarisches

Großbritannien bietet unglaublich viele perverse aber unglaubliche leckere Dinge. Ich glaube, ich würde innerhalb weniger Monate dort aufgehen wie ein Hefekuchen. Auch wenn einige der Leckereien eher aus Amerika herübergeschwappt sind. Highlights dieses Urlaubs waren folgende:

Crumpets
Kleine Hefeküchlein, die mir am besten schmecken, wenn sie frisch aus dem Toaster kommen und mit salziger Butter bestrichen sind. (Mit Zwiebelschmalz von Allnatura sind sie aber auch verdammt gut.) Eigentlich kenne ich sie schon lange, aber ich wollte sie hier trotzdem mal erwähnen.

Tortillas mit Kräutern und Knoblauch (Tesco)
Eigentlich kein großes Ding. Einfach nur Tortillas, die aber im Teig noch Kräuter und Knoblauch haben. Daraus lassen sich einfach traumhafte Wraps herstellen.

Jordans Cuntry Crisp whole nut
Das geilste Müsli wo gibt. Aber man kriegt es auch in Frankreich und den Niederlanden. Von daher brauche ich nicht immer auf den nächsten Besuch auf der Insel zu warten. Esse ich aber nur als Nachtisch. Fürs Frühstück ist mir das Zeug einfach zu mächtig. Sehr zu empfehlen sind auch die Müsliriegel von Jordans. Nicht halb so süß wie die gängigen bei uns und trotzdem superlecker.

Frische Chocolate-Cookies von Tesco
Nie in meinem ganzen Leben habe ich solche Kekse gegessen. Ein Traum! Sie sind etwa Handgroß und wiegen drei mal so viel wie erwartet. Ein Keks ist eine Mahlzeit. Sie sind nicht knusprig sondern ganz weich und enthalten mehr Sckokolade, als physikalisch möglich ist. Ich bin gerade dabei, sie irgendwie nachzubacken. Mal schauen.

Cheesecake (american style)
Nichts gegen Deutschen Käsekuchen. Den mag ich sehr gerne. Aber der amerikanische ist einfach anbetungswürdig. Bei Pret-a-Manger (eine Sandwichkette wo es das abartige All-Day-Breakfast-Sandwich gibt) haben sie den Kuchen auch im Pott. Unten drin sind weiche Kekskrümel, da drauf eine süße Frischkäsmasse.

Flapjack
Eigentlich ein alter Hut, aber ich will es hier nicht außer Acht lassen, da ich sie auch dieses Mal wieder mitgebracht habe. Flapjacks bestehen eigentlich in ihrer Grundform nur als Haferflocken, Butter und Zucker. Leider habe ich sie noch nie außerhalb Großbritanniens gesehen. Aber sie sind superlecker. Eine sehr gute Auswahl bekommt man in Reformhäusern. Aber mittlerweile gibt es auch schon welche von Cadbury und McVitie. Ich habe mal in meinem ansässigen Britischen Laden den Vorschlag gemacht, welche zu kaufen, aber sie meinten, dass das Zeug für die Deutschen zu abartig ist und ein Ladenhüter war.

McVitie's Lyle's Golden Syrup Cake
Eigentlich nur eine Art saftiger Topfkuchen. Eigentlich. Am Besten schmeckt er, wenn man ihn kurz in die Mikrowelle stellt. Dann klebt er so richtig nett am Gaumen.

Käse aus dem Käseladen in Chester
Wir hätten den ganzen Laden leer kaufen können, haben uns aber auf drei Sorten beschränkt, die dann am gleichen Abend fast vollständig vernichtet wurden (Ziegenkäse, Brie und einen typischen aus der Region). Der Cheddar aus dem Supermarkt in Großbritannien ist ja schon gut, aber das war noch besser.

Jau, das ist ja doch wieder ein Roman geworden. Gut. Also soviel zu meinem England-Urlaub.

04.09.2007 um 20:30 Uhr

Und wieder mal die Alpen

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Ich wollte ja was zu meinem diesjährigen Alpenurlaub zum Besten geben. Also los geht’s.

Freitag, 24-08-07
Bin, wie es sich für einen Abreisetag gehört, viel zu früh aufgewacht. Die Straßenbahn bringt mich zum Bahnhof und ich fluche jetzt schon, daß ich wieder so viel Kram mitschleppe. Aber man weiß ja nie, was man alles braucht. Hätte vielleicht statt Rucksack vorn und hinten, den Rollkoffer nehmen sollen. Zu spät. Zuerst steige ich in den ICE nach München, den ich jedoch in Kassel schon wieder verlasse und nach Marburg weiter fahre. Es war übrigens ein ICE 3, welche ich ja so gar nicht leiden kann. Neigetechnik, von der einem schlecht wird und kein Hörprogramm. Nein, da sind mir die Alten lieber. Auch wenn sie aus mir nicht bekannten Gründen den Literaturkanal nicht senden, was ich höchst ungerecht finde. So bin ich gezwungen, das Kinderprogramm zu hören. Ist aber auch sehr nett.

In Marburg kamen meine Sachen erst mal in ein Schließfach und ich machte mich auf meine Nostalgietour. Bücherei, Klingelhöfer, Schloß, Dammelsberg, Schule, meine alte Wohnung usw. Auf dem Dammelsberg kam ich auch am Ritualplatz vorbei, wie ich ihn für mich getauft habe. Hier lassen sich immer wieder die Überbleibsel von Ritualen finden. Dieses Mal hatten sie eine große Spirale aus Stöcken gelegt, die in eine spiralförmige Feuerstelle überging. Sah nett aus.
Gegen Abend bezog ich dann mein Zimmer bei Carle. Ein tolles Hotel. Kann ich nur empfehlen. Irgendwie fühlte ich mich nicht gerade voller Tatendrang, aber das waren sicher noch Alltagsnachwirkungen, die sich erst mal verflüchtigen mussten. Ist schon irgendwie traurig, daß einen der Alltag so sehr ausbremst.

Samstag, 25-08-07
Eine viel zu kurze Nacht später. Nach dem Frühstück mache ich mich wieder Richtung Marburg auf, um mich um 12:00 auf dem Marktplatz am Brunnen mit Nìthiel zu treffen. Vorher hole ich mir noch ein zweites Frühstück beim Bäcker. Diese bösen Nußstangen. Meine Ernährung ist auf Reisen das Gegenteil von dem, was sie im Alltag ist. Ich bin ein Nahrungsmitteltourist. Mein größtes Interesse gilt dem, was die Menschen woanders essen. Ganz besonders ziehen mich Supermärkte und Bäcker an und dort leider meistens die süßen und ungesunden Dinge. Aber ich finde, daß ein Supermarkt viel über die Menschen in der jeweiligen Gegend aussagt. Psychologisch höchst interessant. Als ich so auf dem Marktplatz sitze, es ist mittlerweile 11:00, werde ich unglaublich müde, was nach dem Bisschen Schlaf nicht weiter verwunderlich ist. Also lege ich mich einfach zum Fuß des Brunnens hin und schlafe ne Runde. Das Stimmengewirr um mich herum wirkt dabei sehr beruhigend, nur der Untergrund ich leicht hart.
Dann weckte mich irgendwann das Mittagsgeläut mit dem heiseren Hahn und ich schaute mich nach Nìthiel um. Sie war schon da, hatte mich aber dort unten nicht gesehen. Naja, mit der Mütze auf meinem Gesicht wohl auch etwas schwer. Wir brachten meine Sachen zu ihr nach Hause. Ein echtes Oberstadthaus! Es ist urig. Es ist genial. Wie oft bin ich an diesen Häusern vorbei gelaufen und habe mich gefragt, wie sie wohl von innen aussehen. Ich schüttelte ihren Katzen die Vorderpfote und zog meine Gewandung an. Zuerst trafen wir uns noch mit einigen Forumsusern am Ufer der Lahn und ich kam in den Genuß von hausgemachter Vanille-Limonade. Dann warteten wir. Und Warteten. Zwei fehlten noch. Zwischendurch ging ich noch die Limonade wegtragen und stellte voller Entzücken fest, dass sie auf dem Klo Asterix-Hörbücher abspielten. Da bleibt man doch gerne länger. Nach einer Dreiviertelstunde ohne Meldung brachen wir zum Schloß auf. Sie wußten ja, wo es ist.
Am Eingang gleich die erste freudige Nachricht. Gewandete haben freien Eintritt. Als erstes muß ich schon wieder aufs Klo. Wie überraschend. Als ich gerade die Treppe runter will, pfeift mich die Klofrau zurück und meint, es wäre alles voll und ich sollte doch gefälligst das andere benutzen. Böh? Zwei Gewandete hinter mir nicken und gehen in eine andere Richtung. Da sie anscheinend schlauer sind als ich, trotte ich hinterher. Dann lese ich das Schild „Aussteller-Toiletten“. Ich verkünde, daß ich kein Aussteller bin und sie meinen nur, dass sie mich mitnehmen würden. Das ginge also schon in Ordnung.

Der Markt ist toll. Allein schon wegen der Lage. Wir tun das, was man auf Märkten so macht. Essen, laufen, dekorativ herumliegen/sitzen. Es werden Köstlichkeiten beim Moccamaker gekauft und ich nehme mir später auch noch was mit. Annika ist erstaunt, mich schon wieder zu sehen. Das letzte Mal sind wir uns auf dem Markt in Eller begegnet. Nìthiel und ich drehen noch ein paar Runden, treffen auf einige ihrer Bekannten (mir kommt es vor, als würde sie den halben Markt kennen) und auf verschollen geglaubte Forumsuser, die nun endlich angekommen sind und schauen den Marktleuten beim Tanzen zu. Natürlich nicht ohne Kommentare wie: „Hey, das ist der Dame-Wegwerf-Tanz.“ oder „Jetzt kommt die Indian Queen, wetten.“ Am Schluß haben wir die Ehre, bei einem Schreittanz mitzumachen. Herrlich! Nunja, die Schritte sind nicht gerade eine Herausforderung, aber immerhin besser, als nur Zuschauer zu sein. Natürlich wird auch Geld ausgegeben. Wir kaufen uns jeweils einen neuen Gürtel, als Folge des gegenseitigen guten Zuredens. Meiner ist allerdings eher für den Alltag gedacht. Ein paar weitere Runden und den Pestumzug später machen wir uns nach Hause auf und essen ganz zünftig frisches Steinofenbrot mit Butter. Was gibt es besseres? Der Schlafmangel der letzten Nacht machte sich langsam bemerkbar und ich hatte somit nichts dagegen, den Abend nicht allzu lang auszudehnen. Nachdem ich eine der Katzen (ich weiß nicht welche, da es dunkel war uns sie beide schwarz sind) aus dem Zimmer gescheucht hatte (nicht ohne sie vorher ausgiebig zu kraulen versteht sich), machte ich es mir gemütlich. Tja, leider begann die Nacht trotzdem sehr spät und endet sehr früh. Wieder nix mit erholsamem Schlaf.

Sonntag, 26-08-07
Nach dem Aufwachen bestaunte ich Marburg am Morgen aus meinem Fenster. Es ist wunderschön. Alles schläft noch, die Sonne geht über den Häusern auf und krabbelt langsam durch die Gassen. Über allem hängt noch ein feiner Nebel und die Luft ist angenehm frisch und klar.
Nachdem ich mich satt gesehen hatte und Dante dabei zugeschaut habe, wie er mit meinem Rucksack spielte, ging es für eine Stunde ins Internet. Muß doch gucken, wie es dem Forum so geht. Um 10:irgendwas fuhr mein Zug, der mich zunächst nach Frankfurt brachte, wo ich in den ICE nach München stieg. In München hastete ich zu meinem Anschluß. Leider starten die Regionalzüge von sehr abgelegenen Gleisen. Der Zug brachte mich dann um ca. 17:00 nach Garmisch, wo ich mir ein Taxi nach Grainau nahm. Natürlich hätte ich auch Bus fahren können, aber langsam war ich doch etwas geschafft. Das Wetter war herrlich und es kribbelte mir schon in den Füßen. In der Pension Alpenrose bezog ich mein Zimmer und machte mich auf Futtersuche. In dem Restaurant, wo ich einige Jahre zuvor mit meinem Vater gegessen hatte, blieb ich hängen. Der Abend wurde allerdings nicht mehr sehr lang, denn ich kippte um 21:00 ins Bett.

Montag, 27-08-07
Habe 9 Stunden durchgeschlafen und beschlossen, die Alpen weiter in den Norden zu versetzten. Totaler Energieüberschuß. Zuerst besuche ich aber Frau Gasegger, meine Gaswirtin. Ich bestelle das Frühstück ab, da es mir einfach zu spät liegt. Um 8:00 werde ich normalerweise schon lange unterwegs sein. Ich verlasse also das Haus um 7:00 zur ersten Tour. Zunächst geht es in Richtung Hammersbach und dort auf den Weg zur Höllentalklamm. Diese bin ich zwar schon mal gelaufen, finde sie aber sehr schön und möchte von da aus weiter gehen. Auf dem Weg überholen mich zwei Turnschuhträger in T-Shirt. Ich grinse mir nur schadenfroherweise einen. Sie wissen sicher erstens nicht, wie glitschig die Steine in der Klamm sind, zweitens nicht wie naß man auch von oben wird und drittens nicht, wie steil und lang der Weg zur Klamm ist (ich treffe sie später klatschnaß in der Klamm wieder und kann mir ein dreckiges Lachen kaum verkneifen). Ansonsten sind kaum Menschen unterwegs. So liebe ich das. Die Klamm ist natürlich wie immer ein beeindruckendes Erlebnis . Mir rauscht es noch einige Zeit später in den Ohren. Danach geht es im Höllental weiter zur Höllentalangerhütte. Von dort aus hat man einen wundervollen Blick auf den Jubiläumsgrad und die Zugspitze. Nun gibt es erst mal einen halben Liter Apfelschorle in der Hütte. So schone ich meine Wasservorräte. Langsam trudeln einige Wanderer ein, die mit Helmen ausgerüstet sind. Sie wollen weiter zur Zugspitze, denn von hier aus geht ein Klettersteig dort hinauf. Ich schaue ihnen etwas neidisch hinterher und gehe dann einen anderen Weg zum Knappenhauser. Nein, an Klettersteige habe ich mich noch nicht rangewagt. Zunächst läuft der Weg sich angenehm und wird dann in der Höhe sehr beeindruckend. Nix für Leute mit Höhenangst . Nach und nach wird es immer steiniger und es kommen mir die ersten irren Wanderer entgegen. Ich weiß, daß dieser Weg bei Touristen sehr beliebt ist, aber ich würde ihn niemals bergab laufen. Das ist mir auf dem steinigen und schartigen Untergrund einfach zu gruselig. Bergab hat man einfach keinen so sicheren Tritt, wie bergauf. Dann geht es auf das Hupfleitenjoch zu. Vor mir ist nur noch eine Person, die den Weg ebenfalls in meiner Richtung geht. Nach einiger Zeit habe ich sie eingeholt und meine, eine etwa 30jährige, kräftige Frau vor mir zu haben, die langsam merkt, daß der Weg doch schwerer ist, als sie dachte. Dann bleibt sie zum Verschnaufen stehen, dreht sich um, als ich direkt hinter ihr bin, und ich schaue in ein altes, aber sehr freundliches Gesicht. Das ist Bettie, alias Barbara. Eine 70jährige Bayerin, die schon ihr ganzes Leben auf Bergen rumkraxelt, ihren Enkeln sündhaft teure Heiligenfiguren schenkt und redet, wie ein Wasserfall. Da sie sich mit dem Aufstieg schwer zu tun scheint, bleibe ich hinter ihr und wir unterhalten uns. Naja, hauptsächlich ziehen wir über die entgegenkommenden Touris her, die mit Turnschuhen, Hunden und kleinen Kindern auf dem Weg herumeiern und fragen uns mit einigem Sarkasmus, wie hoch wohl die Absturzrate so ist. Es gibt echt ne Menge unvernünftiger Menschen, die meinen, die Berge seien ein harmloser Vergnügungspark. Oben angekommen gibt es erstmal eine Pause. Ich fand den Aufstieg gar nicht dramatisch, da Bettie sehr langsam gegangen ist und ich so keine Gelegenheit hatte, wie sonst, viel zu schnell zu rennen. Ein Blick auf den Weg zum Osterferlderkopf sagt mir, daß ich dort wohl doch nicht mehr hoch möchte. Mittlerweile ist es kurz nach 12:00 und ich merke die Anstrengung. Also gehen Bettie und ich über einen Höhenweg Richtung Kreuzeck. Kann ich nur empfehlen. Sehr schöne Strecke und auch nicht sonderlich anstrengend. Kurz vorm Kreuzeck trennen sich unsere Wege und sie läuft weiter zur Hochalm. Ich bleibe etwas unschlüssig zurück, denn es ist mir noch zu früh, um wieder hinunter zu fahren. Also beschließe ich, einen kleinen Umweg zur Hochalm zu machen, denn Betties Weg ist nur 15 Minuten lang und außerdem mag ich keine Schotterstraßen. Schotterstraßen im Sonnenlicht blenden ganz ekelhaft. Schotterstraßen bergauf oder ab sind furchtbar rutschig. Außerdem sind Schotterstraßen langweilig. Tja, da lag aber nun mein Fehler. Mein Weg war nicht langweilig, sondern gruselig. Er war höllisch steil und ging schnurgerade den Berg rauf, was ich nun gar nicht leiden kann. Da sind mir Serpentinen 5mal lieber. Längerer Weg, aber weniger Steigung. Außerdem hatte ich mich wohl doch verguckt, was die Hochalm anging. Völlig fertig komme ich an einen Gipfel und bin absolut davon überzeugt, daß dahinter der Weg zum Osterfelderkopf weiter geht. Aber als ich über den Fels klettere, sehe ich den Osterfelder in recht weiter Ferne, von dem mich ein ziemlich tiefer Bergeinschnitt trennt. War wohl nix. Also geht es auf der anderen Seite wieder runter. Kurz vor einer Wegkreuzung wird der Pfad aber noch mal richtig ekelhaft. Zumindest für jemanden wie mich, der keine Klettersteige geht. Ich kralle mich am Stahlseil fest und gehe Schritt für Schritt langsam an einer steilen Felswand entlang. Ein Weg ist nicht mehr so wirklich vorhanden. Hier hilft mir die Zeit im Hochseilgarten und an der Kletterwand, denn seltsamerweise macht mir die Höhe nichts aus. Eben nur das Bewußtsein, nicht wie sonst gesichert zu sein. An der Kreuzung geht der Weg nach links zur Hochalm und nach rechts zum Osterfelderkopf. Tja, nur meine Kräfte sind mehr oder weniger am Ende und ich beschließe zähneknirschend zur Hochalm zu gehen und von dort die Seilbahn nach oben zu nehmen. Im Grunde bin ich einen völlig unsinnigen Kreis gelaufen, aber egal. Oben lege ich erstmal eine Pause ein, trinke und esse, betrachte das Tal und die Wanderer, die von der Alpspitz-Ferrata kommen. Also man kann sagen, was man will, aber die Quote an verdammt gutaussehenden Männern in den Endzwanzigern bis Enddreißigern erhöht sich exponentiell zur Höhe über dem Meeresspiegel. Wenn man bei dieser Rechnung auch noch den Multiplikator „Schwierigkeitsgrad der Wege und Steige“ einrechnet, wird einem glatt schwindelig.
Vom Osterfelderkopf fahre ich mit der Seilbahn wieder runter, wo ich den Bus um 2 Minuten verpasse. Weil ich nicht auf den nächsten warten will, gehe ich zu Fuß nach Grainau. Der Weg wäre nicht weiter dramatisch gewesen, wenn sich nicht auf sehr penetrante Weise meine Blase gemeldet hätte. Im Wald kein Problem, doch ich konnte ja wohl kaum an eine Hausecke pinkeln. Schließlich habe ich es aber doch noch geschafft. Nach einer ausgiebigen Dusche ging ich zum Supermarkt, wo ich für die nächsten Tage einkaufte. Und zum Abendbrot gönnte ich mir nach all den Frucht- und Müsliriegeln eine warme Scheibe Leberkäse im Brötchen. Fleischhhh, jajajaja! Und wieder kippe ich sehr früh und sehr zufrieden ins Bett.

Dienstag, 28-08-07
Das Wetter ist dunstig und es sind einige Wolken am Himmel. Im Grunde kein Problem, denn bei praller Sonne lauf ich nicht gern. Allerdings sind für den Abend Gewitter angesagt, was meine Pläne etwas durcheinander bringt. Heute ist Vollmond und bei der Gelegenheit bietet die Ehrwalder Zugspitzbahn die Möglichkeit, noch bis 21:00 mit der Seilbahn von der Zugspitze ins Tal zu fahren. Sonst liegt die letzte Talfahrt nämlich bedeutend früher. Sonnenuntergang auf der Zugspitze und danach Vollmondaufgang. Ein Lebenstraum.

Ich stelle fest, daß ich keinerlei Schmerzen in den Beinen habe, sei es durch Muskelkater oder Überanstrengung. Harrr. Nennt mich Iron-Woman! Wieder gehe ich um 7:00 los. Irgendwie schaffe ich es nicht früher. Erbärmlich. Bei meinem letzten Alpenurlaub war 6:00 die normale Zeit. Naja, man wird halt nicht jünger. Die erste Etappe ist der Eibsee über den Höllentalhöhenweg. Sehr schöne Strecke, zumindest bis die kleine rote Linie auf die weiße trifft. Von da an ist es eine Schotterstraße. Zu Schotterstraßen brauche ich mich ja nicht weiter zu äußern. Nach etwa 2 Stunden komme ich beim Eibsee an und folge dann dem Pfeil zum Riffelriss. Der Anstieg ist übel, was ich aber mit einem Blick auf die Karte schon vorher hätte sehen können. Dichte Höhenlinien und kurze Wegstrecke. Nicht gut. Ich hätte den anderen Weg nehmen sollen. Treffe unterwegs auf einen professionell wirkenden Wanderer, der mir entgegen kommt, während ich wie eine knallrote Boje, die gerade aus dem Meer aufgetaucht ist, den Berg hochjapse. Er schaut mitleidig und meint, daß es noch recht weit ist. Danke! Das hilft mir jetzt ungemein. Er sollte mal ganz ruhig sein, denn der Waschlappen ist bestimmt am Riffelriß aus der Zahnradbahn gestiegen. Das weitere Gespräch verrät mir aber, daß er über die Wiener Hütte gekommen ist, was meine bösen Gedanken schlagartig in Anerkennung erstarren läßt. Will gar nicht wissen, wie lange der schon unterwegs ist. Vielleicht hat er ja auf der Hütte übernachtet. Ha, das wird es sein! Also doch ein Waschlappen! Langsam wird der Weg wieder flacher und löst sich dann in Wohlgefallen auf. Aber ich lauf einfach mal in Richtung Zugspitze weiter. Zumindest in die Richtung, wo sie laut Kompaß sein sollte. Wolken. Überall Wolken. Ich komme langsam über die Baumwuchsgrenze . Es ist beeindruckend hier oben, jenseits der Dörfer und weit weg von anderen Menschen zu sein. Man fühlt sich als Teil der Natur. Ich muß sagen, daß ich mich dort oft sicherer und geborgener fühle, als in der Großstadt. Es muß unbeschreiblich sein, hier zu übernachten und die Sterne zu bewundern.

Dann komme ich an ein Schild. „Staatsgrenze“ . Ah ja, ich betrete also jetzt Österreich. Danke für den Hinweis. Der Weg geht geradeaus weiter, außerdem zeigt ein Schild nach links Richtung „Riffelriss“. Eigentlich hatte ich geplant, nach Ehrwald zu laufen, aber die Wolken werden dichter und mein Wasservorrat ist so gut wie weg. Also drehe ich kurzerhand nach links ab und mache mich zum Riffelriss auf. Nach kurzer Zeit erreiche ich den Haltepunkt der Zugspitzbahn. Gegenüber geht der Steig zur Zugspitze los. Neid. Aber ich habe Teile davon schon aus der Gondel gesehen. Nein, auf dem Geröll möchte ich nicht laufen. Harter Felsen meinetwegen, aber kein Geröll. Kurz nach mir kommt ein älterer Herr aus der Richtung des Steigs und ich mustere ihn beeindruckt. Doch es stellte sich heraus, daß er umgekehrt ist, weil er nicht mehr weiter kam. Seine Frau hat ihn abgehängt. Wir plaudern noch etwas, bis die Bahn kommt. Meine ist zuerst da. Ich fahre wider aller Vernunft nach oben. Auf dem Platt kann man noch einigermaßen sehen, doch die Zugspitze selber liegt in den Wolken. Ich fahre trotzdem hoch. Oben sieht man zunächst nichts mehr. Dann bricht zwar kurzzeitig die Sonne durch, kann sich aber nicht lange behaupten. Das wird heute sicher nichts mehr und so nehme ich die nächste Gondel zum Eibsee. Der Fahrer meinte auf meine Frage hin, daß sich das Wetter nur noch verschlimmern wird. Vom Eibsee aus fahre ich mit der Zahnradbahn nach Grainau. Kaum komme ich in der Pension an, fängt es auch schon an zu regnen. Mist. Soviel zum Lebenstraum.

Mittwoch, 29-08-07
Es hat die Nacht durchgeregnet. Beunruhigende Erinnerungen werden wach. Was kann man an einem verregneten Tag wie diesem machen? Eigentlich wollte ich nichts tun, außer wandern. Ich hatte keine Lust, mir Städte anzuschauen oder was weiß ich. Ich wollte den Pfad vor mir, den Wanderstock in der Hand und sonst nix. Aber was nicht geht, geht nicht. Es könnte natürlich sein, daß es weiter im Süden nicht regnet. Probieren wir es doch mal aus. Und so sah ich Grainau im Regen, als ich mit dem Bus nach Garmisch fuhr, wo es übrigens auch regnete. Dort nahm ich den Zug nach Innsbruck, wo es…na?...ebenfalls regnete. Ich latschte mit Schirm die Innenstadt ab, betrachtete das Goldene Dach und erfreute mich der leckeren Dinge in den Bäckereinen (Topfenstängli!). Irgendwann nach ein paar Stunden gab ich auf und fuhr zurück. Kaum aus Innsbruck raus riß der Himmel auf. Irgendwer hat was gegen mich. Aber wenigstens bescherte mir das eine sehr beeindruckende Rückfahrt, denn die Strecke von Garmisch über Mittenwald nach Innsbruck ist wunderschön. Sie ist extrem hoch gelegen und bietet eine atemberaubende Aussicht. Zumindest wenn es nicht gerade regnet. In Garmisch war es zwar trocken, doch der Himmel sah nicht freundlich aus. Ich lief noch etwas durch die Stadt, guckte schon mal vorsichtshalber das Kinoprogramm für den nächsten Tag aus und fuhr dann mit dem Bus nach Grainau.

Donnerstag, 30-08-07
Die Nacht war wieder zu kurz und drei Mal dürft ihr raten, wie das Wetter ist. Regen. Richtig. Der Kandidat bekommt so viele Waschmaschinen wie er tragen kann! Aber der Wetterbericht hatte gesagt, daß es nur am Alpenrand regnet (was ich höchst ungerecht finde). Gut, Wetterberichten traue ich so weit, wie ich Kachelmann werfen kann, aber ich wollte nichts unversucht lassen. Also beschloß ich, meine Taktik zu ändern und nach München zu fahren. Es erweis sich als gut, denn dort regnete es nicht. Dann begann ich meine konsumorientierte Shoppingtour eben schon am Donnerstag (am Freitag wollte ich sowieso dort hin). Nach dem beschaulichen Grainau und der idyllischen und einsamen Natur ist München ein echter Zivilisationsschock. Die Gebäude sind groß und imposant, die Bilder, Eindrücke und Menschenmassen fast zu viel. Doch München ist schön. Ich hatte mir einige Läden aufgeschrieben, die ich neben den üblichen Sehenswürdigkeiten besuchen wollte. Das Cafe Luitpold war schon mal ein Volltreffer. Sehr leckere Kuchen und Torten haben die da. Kann ich nur empfehlen. Von da aus ging es zu einem zu noblen Schokoladenladen, der mir so gar nicht gefiel. Nächste Adresse: Dienerstraße. Zuerst Manufaktum. Kannte ich bisher nur aus dem Katalog. Sehr nette und herrlich einfache Dinge haben sie dort. Wenn ich mehr Geld hätte… Danach musste natürlich Dallmayr sein. Erinnerte mich etwas an die Spezialitätenabteilung bei Harrod’s in klein. Ich kam am Spielzeugmuseum vorbei, in dem ich als Kind mal mit meinem Vater gewesen war. Jaja, ich und die Museen. Normalerweise zerren Eltern ihre Kinder in Museen und Kirchen und nicht umgekehrt. Tja, ich war halt nicht normal. Das Deutsche Museum war mein zweites zu Hause. Dann kam der Viktualienmarkt dran. Traumhaft. Dort werden sehr viele Leckereien verkauft und außerdem mag ich das bunte Treiben. Am oberen Ende befindet sich der Laden „Chocolate and More “, den ich jedem ans Herz legen möchte. Er ist urig und hat selbst für Schokoladenlädenkenner noch Neues zu bieten. Von dort aus ging es in die Sendlinger Straße, eine der Münchener Shoppingmeilen. Für meinen Geschmack nichts, denn jeden zweiten Laden haben wir auch hier. Allerdings kein Lush, wo ich demnach sofort einkehrte. Ich werde zwar immer von Übelkeit und Kopfschmerzen geplagt, wenn ich dort bin, aber was tut man nicht alles. Nun merkte ich die kurze Nacht und den Fußmarsch. Es ist schon erstaunlich, wie wenig mir Bergwanderungen im Vergleich zu Stadtspaziergängen ausmachen. Der Himmel bezog sich ohnehin gerade, also fuhr ich wieder nach Garmisch, um dort ein zweites Mal in Harry Potter V zu gehen. Was will man auch anderes bei dem Wetter machen? Hinterher bereute ich es wieder etwas, denn Filme haben bei mir immer tiefschürfende Gedanken zur Folge. Somit beschäftigte ich mich auf der Rückfahrt damit, warum ich Harry um sein Leben beneide, welches ja nun nicht wirklich sehr erquicklich ist und erkannte erneut die Armseligkeit meiner psychischen Abgründe. Abends wurde dann gepackt und die Rechnung beglichen. Frau Grasegger fragte mitleidig, was ich bei dem schlechten Wetter getan habe, und ich versicherte ihr, daß ich hier schon bedeutend schlechteres Wetter erlebt hatte. Immerhin konnte ich mit dem Zug die Stadt verlassen.


Freitag, 31-08-07
Ich fuhr früh mit dem Zug nach München und schloß nach alter Gewohnheit meine Sachen am Bahnhof ein. Der erste Laden auf der Liste war recht weit weg und da es sowieso noch zu früh war, ging ich zu Fuß. Fast eine Stunde und ein paar Irrwege später erreichte ich die Adresse und stand vor einem heruntergekommenen Tattooladen. Der Australische Food-Shop war offensichtlich schon länger nicht mehr dort. Etwas brummelig und leicht erschöpft fuhr ich in die Innenstadt und stieg zur Entspannung in den Sightseeing-Bus ein. Das ist eine nette Art eine Stadt zu erkunden, ohne die Füße bemühen zu müssen. Ich muß noch mal sagen, wie beeindruckend ich die Gebäude in München finde. Auch wenn ich Großstädten auf die Dauer nichts abgewinnen kann, so sind sie trotzdem sehr nett für einen Kurzurlaub. Gestärkt durch die Rundfahrt machte ich mich an den zweiten Teil der Erkundung Münchener Läden. Derr irische Laden war süß, aber nicht so der Hit. Hauptsächlich Klamotten. Der Schokoladenladen „Götterspeise “ war mehr was zum Verweilen, als zum Einkaufen von besonderen Schokoladen. Allerdings fand ich ihn sehr urig und würde bestimmt öfter dort vorbei schauen, wenn ich ihn in der Nähe hätte. Der Amerikanische Laden entpuppte sich als Flop. Er existierte zwar, aber ein paar Donuts verkaufen kann ich auch. „Pomeroy & Winterbottom “ war sehr süß. Viel britischer Nippes und auch ein paar nette Spezialitäten. Allerdings dudelte die Tür bei jedem Kunden (egal ob er rein oder raus ging) das komplette Big-Ben-Geläut. Also entweder hat der Inhaber nur wenig Kunden, oder Nerven aus Stahl. Damit war ich am Ende meiner Liste und hatte auch langsam Mittagshunger. Gut, um 15:00 nicht weiter verwunderlich. Also ging es wieder in die Innenstadt, wo ich mir bei Vinzenzmurr einen Salat holte. Tolle Kette. Schade, daß es die bei uns nicht gibt. Der volle Magen gab meinem Eifer dann den Rest und ich holte meine Sachen aus dem Schließfach, um zum Hotel zu fahren. Hotel Green Leaf. Herrlich poetischer Name. Ich fuhr mit der U-Bahn bis Neuperlach Süd. Nur wenige Minuten von der Haltestelle entfernt liegt das Hotel. Der Name war jedoch das einzig poetische daran, denn es sah aus, wie der Rest dieses Stadtteils. Modern. Sehr modern. Also gar nichts für mich. Schlüssel gab es nicht mehr, sondern eine Chipkarte. Na wenigstens keine Zahlenkombination wie bei dem Hotel in Offenbach. Ich hatte die ganze Zeit Angst, sie zu vergessen. Das Zimmer war nett, hatte eine Minibar und einen Fernseher. Auch wenn ich eigentlich nicht so der Fernsehfreak bin, ist es doch nach einem anstrengenden Tag nicht schlecht, sich einfach berieseln zu lassen. Es kam jedoch wie erwartet und Schrott. Ausnahmsweise habe ich sogar einigermaßen geschlafen.

Samstag, 01-09-07

Der Herr am Empfang hatte mir gesagt, daß es ab 7:00 Frühstück gibt. Allerdings hätte ich meine Reservierung noch mal durchlesen sollen. Der Preis, den ich im Internet gesehen hatte, bezog sich nur auf die Übernachtung. Frühstück geht extra. Leider fiel mir das zu spät ein. Also nichts gegen das Frühstück. Es war wirklich erstklassig, aber 12 € fand ich jetzt doch etwas heftig. Letztendlich habe ich für diese eine Übernachtung fast genauso viel bezahlt, wie für 5 Übernachtungen in Grainau. Gut, in Grainau war es aber auch extrem billig. Mit Kurtaxe nur 11,50 € die Nacht. Das gibt’s nicht mal in jeder Jugendherberge. Nach dem vergoldeten Frühstück fuhr ich zurück zum Bahnhof und schloß mein Gepäck ein. Was ich an dem Tag noch machen wollte, wußte ich selbst nicht genau. Erst wollte ich zum SeaLife, doch als ich dort ankam, war die Schlange so lang, daß mich die Lust daran verließ. Ich besichtigte also ein paar Kirchen, die Feldherrenhalle, vor der gerade eine Filmszene gedreht wurde und schlenderte durch die Altstadt, wo ich noch bei Schuhbeck vorbei schaute. Vor dem Cafe saß ein etwa 10 Jahre alter Junge mit einer umgedrehten Baseballkappe an einem Tisch. Vor ihm hüpfte seine Mutter mit einem Fotoapparat herum und erklärte ihm auf Englisch, wie er zu posieren hatte. Irgendwann wurde es ihm zu viel und er erwiderte mit verdrehten Augen „Oh mum, that’s so stupid!“ Sein Ton war einfach herrlich. Leider begann es nun erneut zu schütten. Ich gönnte mir eine Kugel Eis bei Häagen Daz (Caramel-Apple-Crumble :homer:), holte mir noch die ein oder andere Sache für zu Hause und besorgte bei Vinzenzmurr mein Mittagessen für die Rückfahrt. Eigentlich wollte ich ja später fahren, aber bei dem Wetter machte es nicht mehr so wahnsinnig viel Spaß. Die Rückfahrt zog sich. Für Abwechslung sorgte nur der Mann auf der anderen Seite vom Gang, mit dem ich mich gelegentlich unterhielt. Eigentlich immer dann, wenn er wach war, was zum Glück nicht so oft passierte. Er war sehr nett, doch genau wie Bettie redete er ohne Punkt und Komma. Zu Hause angekommen war ich mehr oder weniger erledigt.

Insgesamt war es ein schöner Urlaub, wenn auch der letzte Teil recht durchwachsen war. Wettertechnisch und auch allgemein.

01.09.2006 um 19:34 Uhr

Home Sweet Home

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Ein Wochenende (Ich meine das Letzte. Bin etwas spät dran) das so lang war, wie ein ganzer Urlaub! Herrlich! Wie es sich für einen guten Urlaub gehört, hat es ordentlich geregnet. Aber dazu später mehr. Wollte eigentlich am Donnerstag früher gehen, weil ich natürlich nicht vorher gepackt hatte. Aber daraus wurde nichts. Wie überraschend!

Freitag, 25-08-06

Nehme den IC um 8:00 und verdränge erfolgreich jegliche Horrorvisionen von Bomben aus meinem Hirn. Was sein soll, passiert. Die Zugfahrt ist gemütlich. Höre fast die ganze Zeit Musik und stelle fest, daß mein lieber Mp3-Player auf der Fahrt eine Batterie frisst. Ja, ich wollte mir schon lange Akkus kaufen. Ich weiß ja! Als ich in der Ferne das Schloß auftauchen sehe, hopse ich freudig auf meinem Sitz auf und ab. Um den Aufenthalt voll auszukosten, gehe ich zu Fuß zum Hotel. Der Weg gestaltete sich in etwa so: SQUEEE Bahnhof! SQUEEE Buchladen! SQUEEE Immer noch die gleiche Auslage im Laden! SQUEEE Teka! SQUEEE E-Kirche! SQUEEE Bücherei! SQUEEE Klingelhöfer! ... Alles begleitet von einem anhaltenden, irren Grinsen. Die Leute müssen gedacht haben, ich stünde unter Drogen.

Das Hotel ist süß! Hotel zur Sonne! Hach! Mein Zimmer ist im dritten Stock, die Treppen sind schief. Ich liebe es. Als ich die Zimmertür sehe, wage ich kaum darüber nachzudenken, was der Hotelmensch mit „sehr klein“ meinte, als er das Zimmer beschrieb. Sie reicht mir gerade mal bis zum Kinn! Aber drinnen sah es urig gemütlich aus , wenn auch wirklich recht klein. Mir macht das nix! Lade nur meine Sachen ab und laufe gleich wieder los. Kleiner Rundgang durch die Stadt. Für eine Strecke, die ich sonst in 20 Minuten geschafft hätte, brauche ich 2-3 Stunden. Gut, ich kehre in fast jedem Landen ein und jede Ecke wird angesqueet. Aber hauptsächlich war es die Tatsache, daß ich nach 5 Minuten laufen jeweils 15 Minuten "unter-etwas-warten-bis-der-Regen-aufhört" einschieben muß. Ich bin ja nun nicht zimperlich, aber … „DAS IST KEIN REGENSCHAUER, DAS IST EINE RAUM…äh…EIN WOLKEBRUCH!!“ Habe auch kurz einen Abstecher zum Schloßpark gemacht, wo der Markt langsam im Aufbau war. Nein, der Neid hielt sich zu dem Zeitpunkt in Grenzen. Im Regen aufbauen ist blöd! Das wird nur noch von „Im-Dunkeln-bei-Regen-völlig-übermüdet-abbauen“ übertroffen. Tja, und dann musste ich unbedingt der einen Person begegnen, der ich von allen mir bekannten Personen auf dieser Erde am wenigsten begegnen wollte. Nennen wir ihn mal M & M. Und er laberte mich geschlagene 20 Minuten zu. Man mag jetzt denken, 20 Minuten wären nicht viel, aber dies ist ein spezieller Fall! Man stelle sich 20 Minuten glühende Kohlen vor, 20 Minuten Spießrutenlauf, 20 Minuten Silbereisen ... gut, jetzt übertreibe ich. Nun weiß ich, was er die letzten 2 ½ Jahre so getrieben hat und mit welchen Leuten er sich angelegt hat. Das war schon immer mein sehnlichster Traum!

Irgendwann weigerte sich der Regen, wieder aufzuhören. Was macht man in solchen Fällen, wenn man nicht im Hotelzimmer versauern will? Man geht ins Kino. Doch irgendwie hatte ich keine Lust auf die meisten Filme, also schaute ich zum zweiten Mal „Fluch der Karibik 2“ an. Wieder sehr lustig!

Samstag, 26-08-06

Bin bis zum Frühstück fast verhungert. 7:30!! Wah! Danach folgte der erste Ausflug zum Dammelsberg über Schloß und Harry-Potter-Bank . Hach, der Dammelsberg. Es hat zwar geregnet, aber das machte mir wenig. So war dort wenigstens nix los. Doch auch bei Regen, gibt es viel Nettes zu entdecken. Bunte Pilze , Höhlen , viele schöne Bäume. Ich war auch beim, von mir so getauften, Ritualplatz . Das erste Mal war ich einen Tag nach Samhain dort. Sehr schön! Er ist reich frequentiert, denn er sah früher jedes Mal anders aus, als ich dort vorbei kam. Jeder Jugendliche, jede Hexe und jeder Penner im Umkreis von 5 km kennt ihn. Garantiert!

Im Laufe des Vormittags wurde das Wetter besser und es blieb auch so bis zum Abend. Ich ging zurück zum Hotel und schmiß mich in meine Gewandung. Der Markt war toll. Allein schon, daß ich kostenlos rein konnte. Habe mich mit einer am „Fladenstand“ unterhalten. Sie hat auch bei Martin angefangen. Wer nicht? Habe mir natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie Eunuchenkuchen, Feigenfinger und nen Brownie gekauft. Keine Haremsschnitte! *schnüff* Gespielt hat Poeta Magica. Sehr schön! Der Gaukler Alan Bim war auch gut, wenn er auch etwas viel geredet hat. So gegen Abend wurde es mir zu kühl. Bin zurück ins Hotel. Auf der Treppe begegneten mir dann noch zwei Edelleute in voller Gewandung. Wollten wissen, was ich hier mache und ob ich von oben (Schlosspark) käme. Fing an, von meiner „vorübergehend heimisch Kemenaten“ zu erzählen, woraufhin sie mich wie Autos anguckten.

Sonntag, 27-08-06

Nach dem Frühstück machte ich einen weiteren laaaangen Spaziergang, der mich auch zum Dammelsberg führte. Wie überraschend! Um 10:00 hatte ich dann aber keine Lust mehr (meine Füße meldeten sich) und ich machte mich zum Bahnhof auf, wo eine Stunde warten angesagt war. Der Zug kam erst um 11:21. Aber wenn man gute Bücher dabei hat, kann einen so was nicht schocken! Als ich zu Hause ankam, war ich irgendwie tot. Eigentlich hatte ich noch vor, zum Altstadtfest zu gehen, aber der Tag endete dann doch vor dem Fernseher/Computer.

Soviel zum Wochenende.

Das nächste steht vor der Tür!

24.08.2005 um 08:32 Uhr

Garmisch-Partenkirchen

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Ja, fliegen wir nicht nach London! Terroranschläge sind doch öde! Laßt uns in ein Katastrophengebiet fahren. Ist doch viel aufregender!!...Ich glaube, irgendwer hat dieses Jahr was gegen meinen Urlaub...

Mein Hotel stand nicht unter Wasser (Es ist direkt an der Loisach). Die Loisach war zwar reichlich hoch, sinkt aber jetzt schon wieder. Vorgestern war mir noch nicht so bewusst, was noch kommen wird, aber so um 21:00 ist dann ein Polizeiwagen vorbei gefahren, der über Lautsprecher die Anwohner der Loisach aufgefordert hat, ihre Häuser zu sichern. Haben alles mit Brettern und Sandsäcken verbarrikadiert. Der Bewohner ein Stock tiefer hier im Haus hat aber gesagt, dass wir beruhigt schlafen können. Gestern Morgen habe ich dann über Radio erfahren, dass die Nacht noch Katastrophenalarm für Garmisch-Partenkirchen ausgerufen wurde. Mein Zimmer ist aber im ersten Stock. Hatte also gute Chancen. Hatte aber trotzdem alles, was mir besonders lieb ist, an dem Tag im Rucksack mit mir herumgetragen. Im Moment regnet es auch nur noch ganz wenig. Aber so einen Dauerregen wie die letzten Tage habe ich selten erlebt.

Gestern regnete es immer noch, wenn auch nicht mehr ganz so stark. Mittags hatten sich einige der Straßen in Flüsse verwandelt, weil die Kanalisation die Regenmassen nicht mehr aufnehmen konnte und noch Partnach und Kanker teilweise über die Ufer getreten waren. Das war wohl auch der Auslöser für das Fahrverbot, an welches sich im Grunde niemand gehalten hat. Zumindest waren noch recht viele Autos auf den Straßen, die nicht nach Einsatzfahrzeugen aussahen. Nachmittags war das Wasser allerdings weitgehend von den Straßen im Ortsinneren verschwunden. Zurück geblieben sind Schlamm, Äste und jede Menge Sandsäcke. Teilweise wurde sogar Mist herangekarrt, weil wohl der Kies nicht mehr ausreichte. Ich glaube mittlerweile sind auch nicht mehr alle Straßen gesperrt. Ob schon wieder Züge fahren, weiß ich nicht. Gestern war GAP ja völlig von der Außenwelt abgeschnitten

Habe mittlerweile keine trockenen Schuhe mehr. Das erste Paar mußte beim Einkaufen vorgestern dran glauben und das Zweite gestern. In ganz GAP sind keine Gummiestiefel mehr zu bekommen. Habe mir blaue Mülltüten und Paketklebeband gekauft und damit etwas improvisiert. Meine Schuhe sind zwar jetzt total durchweicht, aber dafür merke ich es nicht durch die zwei Paar Socken und zwei Lagen Müllsack.

Habe mich etwas mit dem Herren eine Etage tiefer unterhalten. Er hatte gemeint, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Er wohne bereits über 40 Jahre hier, habe bereits einige Hochwasser hinter sich gebracht und noch nie erlebt, daß das Wasser bis zu diesem Haus gekommen wäre. Auch wenn es gelegentlich sehr nahe kam. Die Leute von Feuerwehr und THW haben gestern ganze Arbeit geleistet. Gleich morgens kamen sie und haben Dämme gebaut, weil sie aus Erfahrungen von 1999 wußten, daß die Loisach hier eine kritische Stelle hat. Genau vor unserem Haus. Na danke. Dafür hatte ich die Gelegenheit vom Fenster aus alles zu beobachten. Sehr interessant.

Tja, ansonsten scheint sich hier alles langsam zu beruhigen. Es fliegen nicht mehr alle 10 Minuten Hubschrauber vorbei. Dafür haben es nun die Städte flußabwärts um so schwerer.

Gut, soviel dazu.

Das war ein Lifebericht aus dem Hochwassergebiet. Und damit zurück ins Funkhaus.

17.09.2004 um 06:32 Uhr

Was bisher geschah

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Stimmung: 6
Musik: Jetzt fahrn wir übern See

Tja, nach nunmehr einem halben Monat (ich faules Stück ich) melde ich mich mal wieder. Daß ich eine vollkommen plausible Erklärung für die lange Vakanz habe, versteht sich ja von selbst! Möchte aber an dieser Stelle niemanden damit langweilen, darum behalte ich sie für mich. Gut, was ist passiert...

3.-10. September

War mit meinem Vater und einer Freundin in einem Center Park mit dem urlaubsgefühleweckenden Namen "Port Zeeland", der im Westen, also so ganz am Ende, kurz bevor man über den Tellerrand fällt, der Niederlande, oder besser Zeelands, gelegen ist. Das kleine Inselgrüppchen, das an der Straße von Burgh-Haamstede nach Süden liegt.

Hatte natürlich mit Septemberwetter gerechnet, aber, oh Freude, wir konnten sogar noch in der Nordsee schwimmen (soll ich erwähnen, daß mir kalt war?). Haben die nähere Umgebung erkundet, also Rotterdam, Middelburg, Zierikzee usw. Natürlich durfte auch ein Besuch in Efteling, dem wohl genialsten Vergnügungspark diesseits und bestimmt auch jenseits des großen Wassers, nicht fehlen. Besonders schön waren meine Besuche am Strand. Um etwa 6:00 habe ich mich auf den Weg gemacht, um die Sonne über den Dünen aufgehen zu sehen. Also nix gegen Sonnenuntergänge, aber Sonnenaufgänge sind ein ganz besonderes Schmankerl! Tja, ich stand da also mutterseelenallein am Strand, Wind im Gesicht, Meeresduft in der Nase, Sand in den Schuhen, den Blick in die Ferne, mit dem Bewußtsein, daß dort hinter dem Horizont Großbritannien liegt *seufz* Was hättet ihr getan?...Natürlich! Schon mal versucht gegen das Meer anzusingen? Es war traumhaft! O.k., die Möwen guckten leicht irritiert und ich rechnete jeden Moment mit einer Abordnung von Greenpeace, die sich an die Liegestühle kettet, oder einer saftigen Klage wegen Ruhestörung, aber es geschah nix. Das Prozedere habe ich dann am nächsten Morgen wiederholt.

11.-13. September

Wochenende

Habe mich vom Urlaub erholt und begonnen die vielen mitgebrachten Leckereien zu vertilgen. Samstag/Sonntag war wieder Mal Nachtflohmarkt. Keine Tröten, dafür aber furchterregend aussehende Klingeln und Glocken vor meiner Tür. Habe einen Pullover für 3 Euro und einen alten, beschlagenen Koffer für 8 Euro erstanden. Fragt jetzt bitte nicht, was ich mit Letzterem will! Ich weiß es nicht!

13.September

Montag *ürgs*

Trauertag: Mein Lieblingsmagaziner wird operiert und fällt lange aus. BÖÖHÖÖÖHÖÖÖ! Mit wem soll ich denn jetzt Mist reden?! Mit wem über Benutzer lästern?! Obskure Diskussionen führen?! *schnief*

14. September

Spätschicht. Habe von 8:00 bis 18:30 gearbeitet. Morgens durfte ich aber dafür durch die Gegend laufen und Plakate für den Tag der Archive verteilen, damit auch ja jeder weiß, was er am Wochenende nicht macht. Bin in Schulen herumgeirrt, auf der Suche nach dem Sekretariat, habe versucht gebrochen Deutsch sprechenden Hausmeistern mein Anliegen zu schildern und freie Stellen auf total überfüllten Litfaßsäulen gesucht. War ein sehr schöner Vormittag! Die Sonne schien und ich durfte draußen rumlaufen, anstatt mit meinem Schreibtischstuhl zu verwurzeln.

15. September

Offizielle Arbeitszeit: 8,5 Stunden

Tatsächliche Arbeitszeit: naja, so 3 vielleicht

Gefühlte Arbeitszeit: 15 Stunden (mindestens)

Der verdammte Tag wollte einfach nicht rum gehen. Dafür haben wir aber viel Schrott geredet. Als ich mich dann Abends bei einem Computerspiel vergnügen wollte, in das ich Tags zuvor noch ein paar Neuerungen eingespielt hatte, wurde ich belehrt, dass man nicht an Programmen herumfuhrwerken sollte. Einige Dinge gingen nicht mehr (Animationen und so). Habe meine Userdaten kopiert, das Programm deinstalliert und wollte dann neu installieren. Doch was erzählt mir LittleB da? "Das Programm habe ich schon." "Nein! Das hast du nicht! Nicht mehr! *grummel*" Gut, Plan B. Beschließe das Spiel auf BigB zu installieren und meine Userdaten über das Netzwerk rüber zu bringen. War da aber schon installiert. Noch besser! Habe in mühevoller Kleinarbeit meine Dateien rein kopiert und die alten raus gelöscht. Und siehe da! Es ging! Aber ich hatte leider wieder verdrängt, daß der liebe BigB (verzeih) etwas zu lahm für das Spiel ist. Folglich macht es nicht sonderlich großen Spaß. *GRUMMEL* Ja, so endete die Computerodyssee (und auch der Tag, denn es war Mitternacht), damit, daß ich die Computer ausstellte und mich ins Bett begab. Soviel zu meinem Feierabend.

16. September

Da wir einen DVD-Abend bei einer Kollegin veranstalten wollten, ich aber nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad hin wollte, habe ich den DVD-Player (sie hat keinen) einfach mit ins Archiv gebracht, damit sie ihn im Auto mitnehmen kann. Gut. Ich bin also morgens mit dem schwarzen Kasten unterm Arm los zur Arbeit (war zu faul ne passende Tüte raus zu suchen). Dabei mußte ich an dem neuen Einkaufscenter vorbei, daß an dem Tag eröffnet werden sollte. Habe selten ein solches Aufgebot von Sicherheitsdienst, Polizei und seltsamen, grünen Bussen mit der Aufschrift "Kampfstoffbeseitigung" gesehen. Zumindest nicht für eine popelige "Provinzsupermarkteinweihung". Ging also an all den wichtigen Leuten mit meinem DVD-Player unterm Arm vorbei. Ich wartete nur darauf, daß ich hinter mir ein "Stehen bleiben! Legen sie den Kasten langsam und vorsichtig vor sich auf den Boden!" hörte. Die guckten mich alle so komisch an. Auch die Passanten meinten wohl, ich sei gefährlich. Hmmm...hätte wohl doch mehr Zeit in die Tütensuche investieren sollen. Später habe ich dann erfahren, daß das Ding um die Mittagszeit wegen angeblicher technischer Störungen geräumt wurde. Ohoh! Macht keinen Mist Leute! Ich wohne da entschieden zu nah dran!Ja, soviel zu den Ereignissen der letzten Wochen. In diesem Sinne noch ein Schönes Wochenende.

 

11.08.2004 um 22:01 Uhr

Alpen II

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Samstag, 07-08-04

Konnte mal ausschlafen, weil meine Bahn hoch zur Zugspitze erst um 8:15 fuhr. Tja, schade, daß ich unfähig bin auszuschlafen. War um 6:00 wach und um 7:15 an der Bahnstation. Naja, habe ich eben noch etwas die Gegend erkundet. Auch gut. Mit der Karte in der Tasche (43 € !!!!) hab ich mir dann einen netten Platz im Zug gesucht. Schräg vor mir hat sich gerade ein Bergsteiger (zu erkennen an der Ausrüstung) mit Sonnenmilch eingecremt. War kurz davor ihm meine Hilfe anzubieten *schmacht* Die Fahrt an sich war recht schön, da die Luft immer noch klar war. Ab der Hälfte ging es dann in den Tunnel und es wurde merklich kühler. Zog meinen Pullover an. Auf dem Zugspitzplatt angekommen, empfingen uns angenehme 10°C! Traumhaft! Es war auch noch herrlich leer, da dies ja der erste Zug war. Als ich ein wenig rumgelaufen war, beschloß ich den Gletscher in Angriff zu nehmen und auf den Grat zu klettern. Ohne Stöcke über einen leicht steilen Schneehang?! Aufauf! Nach 1/3 der Strecke wollte ich aufgeben, weil ich immer wieder abrutschte. Aber dann sah ich hinter mir einen Opa, ebenfalls ohne Stöcke, näher kommen und dachte mir: Was der kann, kann ich auch! Nach vielem Rutschen kam ich leicht erhitzt oben an, und wurde auf der Stelle für den Aufstieg belohnt. Der Blick war atemberaubend! Auf der anderen Seite des Grates fiel der Berg fast senkrecht ins Tal ab. Weite Sicht über die Österreichischen Alpen. Kurz nach mir kam der Opa mit Familie an. Er ist 75 Jahre alt! Respekt! Hoffte insgeheim in dem Alter auch noch so rüstig zu sein. Habe mit der Familie ein nettes Gespräch angefangen. Als sich meine Blase (wie soll es anders sein?!) wieder meldete, ging ich den Abstieg an. War bedeutend einfacher. Einfach nur mit den Hacken zuerst fallen lassen. Nur nicht zaghaft auftreten, dann rutscht man. Habe dann noch ein zweites Frühstück eingenommen, die Aussicht genossen und mich später zur Spitze aufgemacht. Natürlich per Seilbahn! Oben war es schon ne Spur voller und es begann sich zu zu ziehen. Nicht dramatisch. Den Blick habe ich ja schon einige Male bewundern dürfen. Setzte mich einfach auf eine Bank und fühlte mich wie in einer anderen Welt. Man schwebt über allen Dingen. Eine Welt in den Wolken...Mein Blick blieb wehmütig an der Wetterstation hängen, die ich mir als früher Praktikumsstelle ausgeguckt hatte. *hmpf* Warum kann ich kein Mathe?!

Irgendwann wurde es mir dann aber doch etwas zu kalt zum rumsitzen (es waren 8°C  ) und ich ging nach drinnen. Auf dem Weg traf ich übrigens die Familie wieder. Nach einem kleinen Rundgang durch das Museum, daß sie dort ganz neu aufgebaut haben, schickte ich noch eine Mail an meinen Vater vom "Internetcafe" aus. Zumindest schimpfte es sich selber so. Allerdings waren es nur zwei Stehcomputer auf denen die meisten Seiten gesperrt waren und die Leertaste einen Hänger hatte. Wenn man drauf drückte, blieb sie gedrückt und man mußte sie mit dem Fingernagel mühsam wieder heraus prokeln. Dem entsprechend kurz fiel die Mail aus.

Um 13:00 beschloß ich die Eibseebahn nach unten zu nehmen. Wir standen wie die Ölsardinen und ich hatte das Glück, die Gondel mit einer Horde junger Asiatinnen zu teilen. An sich nichts dramatisches. Auf der Hinfahrt hatte ich mich gut mit einer unterhalten, die ich dann auch auf dem Weg zurück wieder traf. Sie gab mir Gelegenheit meine gute Tat für den Samstag zu begehen, indem sie ihr Halstuch beim aufstehen verlor. Hatte aber Mühe sie in dem Gedrängel wieder zu finden. Aber zurück zu der Gondel. Folge war nun, daß die lieben Damen bei jedem Masten, den wir passierten, ein ohrenbetäubendes Gekreisch anstimmten. Kribbelte halt jedes Mal ein wenig im Bauch *augenverdreh*.

Am Eibsee angekommen überlegte ich wieder hoch zu fahren. Uh, diese Hitze! Beschloß dann aber ein Ruderboot zu mieten und mitten auf dem See Mittag zu essen. Hach, wie gemütlich! Bin dann auch noch etwas am See entlang gegangen, und habe dann die nächste Bahn zurück nach Garmisch genommen. Es fing dann schon an zu grummeln, und ich habe es gerade noch in das Gästehaus geschafft. Nach dem Regen mußte ich mir aber noch einen kleinen Spaziergang an der Loisach genehmigen. Die Luft war wundervoll. Wie frisch gewaschen.

 

Sonntag, 08-08-04

Nun bin ich ja "eingelaufen", dachte ich. Den letzten Tag muß ich auskosten, dachte ich. Nun ja, das habe ich auch getan, und für meine Verhältnisse einen ziemlichen Gewaltmarsch unternommen. Um 6:00 ging‘s los. Erstes Ziel Rissersee. Der Weg dort hin war zwar nicht sonderlich spektakulär, aber einfach schön. Kein Mensch war unterwegs. Die Luft noch taufrisch. Die Berge lagen klar und von der Morgensonne beschienen vor mir. Es ist ein Gefühl, als ob man immer weiter laufen möchte. Bis in alle Ewigkeit (oder bis die Knie streiken). Immer weiter, egal wohin. Denn jeder Ort hier ist schön. Der Rissersee bot einen Postkartenanblick. Konnte mich gar nicht wieder losreißen. Bin dann einen Höhenweg entlang zur Kochelbergalm geganden. Naja, Weg...Trampelpfad. Aber um so besser, weil idyllischer. Ich ging immer im Wald und konnte Rehe, kleine schwarze Eidechsen und Nacktschnecken bestaunen. Von der Kochelbergalm ging es rüber über die Partnachalm zum Reintal. Dort war es herrlich! Habe am Flußufer Mittag gegessen, denn der Weg dort hin hatte recht lange gedauert. War teilweise supersteil! Und dann auch noch mit Schotter. Grauenhaft. Habe mich stellenweise an dem Bäumen am Rand festhalten müssen. Und wieder, wie auch schon auf dem Gletscher, wünschte ich mir Wanderstöcke herbei (das nächste Mal...). Im Reintal begegnete ich bereits einigen Leuten, da der Weg auch breit und komfortabel war. Auf den Trampelpfaden habe ich nie auch nur eine Menschenseele gesehen. Naja, außer dem etwas älteren Herrn, der mich auf der steilen Schotterstrecke mit Wanderstöcken in den Händen im Laufschritt überholte, während ich mich gerade an einen Baum klammerte...*hmpf*...fühlte mich wie eine in den Bergen ausgesetzte Couchpotato...nein, sagt nichts!!

Nun ging ich also an der bereits bekannten Partnach entlang, bis ich wieder zu der Kreuzung mit den vier Wegen kam. Dieses Mal entschied ich mich für den, auf dem ich letztes Mal wieder umgekehrt war...schwerer Fehler! Zunächst war es ganz nett. So am Fluß lang, und so. Aber der Schatten wurde immer spärlicher und der Weg immer eintöniger. War halt einer von den Radfahrwegen. Irgendwann fragte ich mich, ob er jemals enden würde, als ich doch zu der Kehre kam, die auf der Karte eingezeichnet war. Mir war superheiß und so rastete ich an einem Holzstapel (der einzige Schattenplatz). Der weitere Weg war steil und führte in der prallen Sonne lang. Aber ich wollte ja noch nach Hause, die Wolken sagen nicht gut aus und mein Wasser ging langsam zur Neige. Also auf! Irgendwann lief ich nur noch automatisch. Nicht, weil meine Beine nicht mehr wollten, sondern weil sich mein Gehirn in kleinen Wölkchen, die aus meinen Ohren stiegen, davon machte (nicht gerade ein großer Verlust). Nach einiger Zeit holte ich eine junge Frau ein, die wohl kurz am Wegrand gerastet hatte. Sie sah auch nicht sehr glücklich aus. Kurz bevor ich sie erreichte, ging sie wieder los. Und so gingen wir fast die Hälfte des Weges. Immer 15 Meter hintereinander. Sie zog mich regelrecht weiter. Bei einer Hütte machte sie Halt, um etwas zu trinken und ich überholte sie schließlich. Hatte nur noch das Trinkpäckchen, meine Notration. Nach ewiger Zeit kam ich an der Seilbahn Graseck an. Nicht sehr vertrauenserweckend, aber das war mir egal. Von dort aus lief ich noch etwa eine gute Stunde bis zum Gästehaus.

 

Montag, 09-08-04

BUHUHU! Ich will hier nicht weg!!!!

Ich hatte mir den Zug um 7:29 ausgeguckt, damit ich in München noch etwas Zeit hatte. Bin aber nur einmal um den Bahnhof rum, da ich noch etwas angeschlagen war. Habe dann den ICE nach Hannover genommen. 4 Stunden 13 Minuten in diesem fahrenden Kühlschrank (wäre doch was für Irland, im übertragenen Sinne...). Warum müssen die die Züge so extrem runter kühlen, daß man sich fast schon wieder ne Jacke anziehen kann!?!  Da ich die Geschichten im Literaturkanal nicht sooo toll fand, habe ich sicher 5-6 Mal "Nobbi und die Sonnenkinder" gehört. War aber wirklich niedlich, zumindest das, was ich nicht verpennt habe. In Hannover straf mich dann fast der Schlag. Nicht nur, daß es im Zug kälter gewesen war, sondern selbst zur Mittagszeit war es im Süden nicht so warm! Und vor allem nicht so schwül. Blöder Norddeuschsommer! Am Meer geht es dann ja auch schon wieder, aber hier?!?! Nä! Ich habe dann noch einen Abstecher zum British Shop gemacht, um mir meine Lieblingsschoki zu kaufen, aber da drin war es so affenwarm, daß ich sie hätte trinken können. Lassen wir das lieber. 1 ½ Stunden später war ich wieder in Osnabrück. Bei meiner Wohnung angekommen öffnete gaaaanz vorsichtig die Tür. Es war, als würde ich eine Sauna betreten! Mein Thermometer zeigte 35°C an. Wow! Habe alle Sachen fallen lassen und sämtliche Fenster und Türen aufgerissen. Es kühlte dann immerhin bis 22:30 auf 31°C ab. Man kann sich in etwa denken, wie gut ich die Nacht geschlafen habe...

10.08.2004 um 19:07 Uhr

Alpen I

von: Nimiel   Kategorie: Ducklings Reisen

Grüß Gott...äh...ich meine Servus..nein...Hallo! (man kann sich echt daran gewöhnen)

Nun bin ich wieder daheim und es folgt der erste Teil des Berichts meines genialen Kurzurlaubs!

 

Donnerstag, 05-08-04

Habe morgens doch tatsächlich noch gearbeitet. Naja, zumindest offiziell. Meine Gedanken umkreisten jedoch bereits Zugspitze und Alpspitze.  Hach...*seufz* Als ich mich dann schwer beladen (vorne Rucksack und hinten Rucksack. Hasse Koffer!) um 12:00 ausloggte, wurde ich erstmal von allen Kollegen, die sich zum Mittag aufmachten, interessiert beäugt. "Wandern?!?! Bei dem Wetter?!?! Allein?" Ja, nennt mich verrückt! Ist mir doch schnuppe (erste Zweifel wurden in mir laut, ob es eine gute Idee war...egal!).

12:38 fuhr mein Zug los. Erste Station Dortmund. Hier sollte ich in einen ICE steigen, der mich nach Mannheim bringt. ÄTSCH! Wir hatten Verspätung. Der Anschlußzug war weg. Aber der nette Herr im Lautsprecher sagte, daß wir in dem Zug sitzen bleiben sollten. Er würde versuchen den ICE in Köln zu erwischen...wer’s glaubt. Wartete tatsächlich in Köln auf uns. Auf nach Mannheim, wo der nächste rasante Minutenübergang stattfinden sollte. Beschloß bei der Rückfahrt anders zu planen. Nach mehreren Stunden fahrt saß ich endlich im letzten Zug, der mich von München nach Garmisch-Partenkirchen brachte.

Hatte dort leichte Orientierungsprobleme. Obwohl ich mir im Internet auf nem Plan angeschaut hatte, wo das Gästehaus liegt, konnte ich es auf dem am Bahnhof nicht so recht wiederfinden. Hat etwa 10 Minuten gedauert, bis ich bemerkte, daß die Karte vor dem Bahnhof nicht eingenordet ist. Schob es auf Müdigkeit und lange Zugfahrt. Lief los. Es wurde dunkler. Lief immer noch...als ich mir später auf dem Stadtplan ansah, wo ich lang gelaufen war, blieb mir nur ein dümmliches Grinsen übrig. Naja, so habe ich wenigstens schon was von der Stadt gesehen (im Dunkeln).

Doch als ich beim Gästehaus angekommen war, sollte es noch lange nicht das Ende sein! Den Schlüssel fand ich auf der Fensterbank, wie verabredet. Eine Eingangstür war dort auch. Einer der Schlüssel (es waren drei) paßte. Sehr gut. Drinnen war ein Treppenhaus und auf jeder Etage eine Tür, aber nirgendwo stand etwas von "Gästen" oder ähnlichem. Schließlich wohnten in dem Haus auch Einheimische. Tja, nachdem ich erfolglos 5 Mal vom Dach bis zum Keller (einen schönen Keller haben die) gelaufen bin, probierte ich kurzerhand den in Frage kommenden Schlüssel in jeder Tür. Im ersten Stock paßte er. Die Familie, die die Zimmer vermietet heißt also Streicher *g*. Ich ließ die Sachen auf den Boden und mich ins Bett fallen. Geschafft!

Das Gästehaus war genial! Schön gelegen an der Loisach, ein herrlicher Fluß, der sich türkisfarben und geräuschvoll durch das Tal schlängelt. Wie idyllisch! Mein Zimmer war klein aber fein, das Bad, das ich mir mit den anderen Gästen teilte, höchst erfreulich. BADEWANNE!!! *jubel* Diesen Luxus würde ich jeden Tag ausnutzen! Als ich auf meinen Reisewecker schaute, zeigte dieser schon 23:45. Ja, wenn ich morgen wandern wollte, ist es wohl höchste Zeit!

 

Freitag, 06-08-04

Das Plätschern der Loisach rief von draußen "Hey! Steh endlich auf! Es ist ein herrlicher Tag!" Guckte auf den Wecker und rappelte mich langsam hoch. Hast ja recht. Obwohl man nicht gerade sagen kann, daß ein Fluß als Weckdienst taugt. Fließt doch Tag und Nacht. Kann doch gar nicht abschätzen, was eine humane Aufstehzeit ist. Es war laut Wecker 5:13. Na gut. So habe ich wenigstens viel vom Tag. Anziehen. Rucksack packen. Frühstücken. Rucksack aufschnallen (Herrschaftszeitennochamoal! Wie kann man nur so viel mitschleppen!). Laut Wecker verließ ich um 7:00 das Haus. Guter Dinge und zu weiten Märschen bereit. Die Kirchturmuhr schlug zur vollen Stunde. 1..2..3..4..5..6.....äh?! Wie denn das?!?! Es ist doch 7:00, oder?!?! Tja, wie soll ich sagen...mein Wecker glaubte aus unerfindlichen Gründen, daß er sich in einer anderen Zeitzone befand (glaubt er übrigens immer noch), mit einer Zeit von MESZ + 1. Oh mein Gott!!! Das heißt, ich bin um 4:13 aufgestanden?!?! *schulternzuck* Auch gut...

Zunächst lief ich an der Partnach entlang (auch so ein typischer Gebirgsfluß. Türkis und saukalt). Ein sehr schöner Weg! Etwa um 7:15 war ich kurz vor den Bergen angelangt. Hier irgendwo sollte die Klamm sein. Vor mir tauchte ein Schild auf. "Partnachklamm. Ab 8:00 geöffnet. Eintritt 2 €" Na super! Hätte das mit der Zeit nicht irgendwo im Reiseführer stehen können?!?! Aber ich versuchte es trotzdem, und siehe da, es saß schon jemand im Kassenhäuschen. Vielleicht...Ging mit erwartungsvollem Blick auf ihn zu, und er winkte mich durch! Nicht nur, daß ich die ganze Klamm für mich hatte (keine Touris auf den Fotos!!), sondern ich hatte 2 € gespart! Die Klamm war atemberaubend. Ein schmaler Weg führte am Rand entlang und teilweise kam die Decke so weit runter, daß ich mich ducken mußte. Ein Teil des Weges führte durch stockdunkle Gänge (Moria!!). Unten donnerte der Fluß entlang und von oben rieselte hier und da Wasser aus einem Gebirgsbach herunter. Alles war in ein surreales grünes Licht getaucht. Je tiefer ich hinein ging, desto kühler und lauter wurde es. Traumhaft!  Natürlich war es viel zu schnell zu Ende.

Nun viel mir wieder ein, daß ich schon vor der Klamm aufs Klo mußte. Das hatte sich jetzt verstärkt. Ich kam auf eine Kreuzung, die mir 4 Wege anbot (ich hasse Entscheidungen). Aber nirgends war ein potentielles Klo zu finden. Guckte mir die Karte an und wählte (im Blasendruckdelirium) den linken Weg, der an einem anderen Fluß entlang führte. Tja, solche Wege sind aber nicht unbedingt zum Austreten geeignet. Entweder man erregt öffentliches Ärgernis, wenn man am Wegrand pinkelt, oder man begibt sich in Lebensgefahr, wenn man am Hang pinkelt (bin doch keine Bergziege!). Nach einiger Zeit habe ich dann aber doch eine geeignete Stelle gefunden. Wieder im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte schaute ich erneut auf die Karte...und kehrte um. An der Kreuzung entschied ich mich dann für den rechten Weg, hoch zur Partnachalm. Ein schmaler Trampelpfad führte in Serpentinen den Berg hinauf. Nach der dritten Biegung sah ich aus wie eine Positionslaterne, wünschte mir meine Marburger Kondition zurück und verfluchte nochmals Hitze und Rucksack . Etwa nach halber Strecke (in Höhenmetern) stand eine Bank, auf dich ich mich setzte, um erstmal etwas "auszuglühen" und einfach die Stille zu genießen. Diese natürliche Stille, ohne das ewige Rumoren der Autos und Städte.

Irgendwann erreichte ich die Partnachalm. Sehr schöner Blick. Leider war es etwas dunstig. Hab getrunken, meinen Hunger registriert und mich verwünscht, daß ich nix zu Essen hatte . Hab auch die Aussicht und die Tatsache genossen, daß bis auf einen Dachdecker auf einem Haus niemand sonst da war. Bis da hin war ich auch nur einem einzigen Touri begegnet. Von da aus führte ein Weg steil bergab. Dachte mir nach dem vielen bergauf genau das Richtige! An der Seite stand etwas von einem Erdrutsch...der Weg war aber nicht gesperrt...Auf geht’s! Nach etwa 100 Metern wurde der Weg extrem steil, aber er war asphaltiert und somit konnte man nicht ins Rutschen geraten. Da möchte ich nicht hoch laufen, dachte ich mir noch so, als mir jemand entgegen kam...zwei Radfahrer!  Sahen ungefähr so aus wie ich beim Aufstieg und schwitzten aus allen Poren. Mir viel in dem Moment spontan ein Ausspruch ein, der zwar von jemand anderem stammt, aber an dieser Stelle wunderbar paßt: FREAKS!! (man möge mir das Klauen fremder Gedanken verzeihen) Als sie vorbei hechelten grüßte ich mit einem "Servus!" und grinste dabei von einem Ohr bis zum anderen Sollte freundlich aussehen, wirkte aber wahrscheinlich eher gehässig. Das finde ich auch so herrlich. Immer, wenn man jemanden trifft, grüßt man sich. Tolle Sache. So kam ich oft dazu "Servus" und "Grüß Gott" zu sagen. Als mich einer mit einem "Grüzi" bedachte, mußte ich mich aber schon arg zusammenreißen. Am Wegrand stand eine wunderbar einladende Bank, auf die ich mich setzte und jeden Frea...äh...Radfahrer angrinste und grüßte der vorbei kam. Mittlerweile meldete sich meine Blase wieder. Das Problem war das gleiche wie vorhin und die plätschernden Bäche, die gelegentlich den Weg kreuzten, machten die Sache nicht einfacher. Entdeckte einen hoch gelegenen Baum auf einer Art Plateau, das man von der Straße nicht einsehen konnte. Ein kleiner Pfad führte nach oben. Ist bestimmt ein schöner Aussichtspunkt und darum schon von vielen genutzt worden...oben angekommen wurde ich eines besseren belehrt.  Gut, alle anderen, die hier hoch gekraxelt sind, hatte doch das gleiche Ansinnen wie ich. Aber müssen sie unbedingt überall ihr Klopapier verteilen?!?!

Irgendwann stieß ich dann wieder auf den Weg, der zur Klamm führte, und auf dem mir duzende von Menschen entgegen kamen. Höhö! Meine Knie taten mir etwas weh. Bergauf ist eben doch besser als bergab. Zumindest über längere Strecken. Nun merkte ich wieder meinen Hunger. Der Souvenirshop bot Erbsensuppe mit Wienern und Wiener pur an...äh...ich kaufte ein Snickers und beschloß für eine Mittagssiesta ins Gästehaus zu gehen. Dort fläzte ich mich auf den Balkon (Ja! Ich hatte einen Balkon!), genoß den Blick auf die Wolken, hinter der sich die Alpspitze verbarg und aß erstmal was. Es gab Tütentomatensuppe, zwei Spreewaldgurken vom Markt (ja, ich weiß, falsche Gegend), ein Tomatenciabatta mit Butter und einen Schokokeks. Klingt widerlich, schmeckte aber gut!

Nachdem sich meine Knie wieder regeneriert hatten, bin ich los zum zweiten Lauf. Die Ruine Werdenfels. Der Weg dort hin war zwar ganz nett, aber nicht unbedingt sehr fesselnd. Vor mir ging Mudder mit zwei quengelnden Kindern, 10 Meter davor Vadder *g*. Hinter mir ein junges Paar mit Kinderwagen. Da wollte das Wanderfeeling nicht so recht aufkommen. Die Ruine an sich war schön. Netter Blick. Superheiß, weil in der prallen Sonne. Der Abstieg war wundervoll. Ein kleiner Pfad, der sich durch den Wald schlängelte. Herrlich! So liebe ich das. Beeilte mich aber ein wenig, weil dunkle Wolken aufzogen. Im Süden ist es übrigens im Schatten kühl und in der Sonne heiß. Nicht so wie hier, wo es überall schwühlwarm ist. Als ich wieder auf dem VadderMudderWeg war, grummelte es schon. Habe aber nur ein paar Tropfen abbekommen. Hat leider an dem Abend nicht richtig geregnet. War aber nicht dramatisch, da mein Zimmer herrlich kühl war.

Gegen 17:00 war ich dann wieder zurück. Habe mich noch umgezogen, für einen kleinen Stadtbummel. Viel machten meine Knie aber nicht mehr mit, und so wollte ich mich mit dem Abendbrot vor den Fernseher setzen, um für den nächsten Tag wieder fit zu sein. Tja, ich stellte ihn schon mal vorher an, als ich mein Essen zusammenkratzte, doch plötzlich fing er an zu piepen. Drückte nur schnell auf "aus". Da klopfte es an der Tür (so laut war es nun auch wieder nicht gewesen). Das Ehepaar im Nachbarzimmer hatte ein Problem. Ihre Balkontür war ausgehängt. Was soll ich denn da machen? Seh ich aus wie einer aus "Hör mal wer da hämmert"?!?! Selbst mit vereinten Kräften bekamen wir sie nicht rein. Im Flur hing aber ein Telefon (noch mit Wählscheibe) mit der Privatnummer für Notfälle. Sie riefen an. In der Zeit startete ich einen erneuten Fernsehversuch. Aber es rührte sich nix mehr. *hmpf* Als der Herr Streicher (machte seinem Namen aber leider keine Ehre) mit der Tür fertig war, bat ich ihn, sich das Ding anzusehen. So, wie er an dem Fernseher herumprobierte, schloß ich, daß er ein passionierter Leser war. "Tja, der scheint wohl hinüber zu sein. Ich geb ihnen den aus dem anderen Zimmer." (so zumindest die grobe Übersetzung des Bayrischen). Hoffte auf einen Moderneren, denn dieser hier hatte mindestens schon 20 Jahre auf dem Buckel. Er schleppte einen anderen herein, der sich vom Ersten nur darin unterschied, daß man die Programme noch am Gerät selber einstellen muß und sicher seinen 25 bereits weit hinter sich hatte. Erinnerte mich an den von meiner Oma, der immer so einen netten Grünstich hatte. Tja, was soll ich sagen?! Grün ist doch eine schöne Farbe! Dieser hier hatte nach etwa 2 Minuten Betrieb einen augenekzemeregenden Pinkstich. Aber egal! Ich wollte mich verdammt noch mal entspannen (gebadet hatte ich schon). Gut, wir haben die Wahl: ARD, ZDF, Bayern, ORB 1 oder ORB 2. Ich entschied mich erst für die Nachrichten und dann für Sister Act II auf ORB 1. Obwohl ich den Film auswendig kenne, war es doch eine ganz neue Perspektive. Erinnerte etwas an eine Travestieshow, mit den pink-schwarzen Roben *gg*. Bis zum Ende habe ich es nicht mehr geschafft....

Fortsetzung folgt...