Stimmung: 6
Musik: Ye Jacobites by name
Mein Liebster!
Es tut mir so unendlich Leid. Kaum ein Wort kann die Reue beschreiben, die ich im tiefsten Inneren empfinde. Du bist mir gefolgt, so weit gefolgt in ferne, fremde Gestade. Du hieltest immer zu mir. Doch bei der ersten Gelegenheit verriet ich Deine Treue. Versprochen hatte ich, mich am Sonntag beim Park mit Dir zu treffen. Du warst da, wartetest Stund um Stund. Blätter des Herbstes fielen auf Dich herab. Aber ich war nicht da. Hatte Dich vergessen und mich anderen Freuden hingegeben, anstatt den Tag ganz Dir zu widmen, wie ich es versprochen hatte. Als ich dann, von der Not getrieben, Tage später vor Deine Türe stand, verweigertest Du mir den Eintritt. Ich kann es Dir nicht verdenken. Oh, wie lastete die Schmach auf mir. Doch dein Herz ist gut, und so ließest Du mich, nach langem Flehen, ein.
Du bist ein besseres Wesen, als ich es jemals zu sein vermag. Wie viele verlockende Angebote wurden Dir gemacht, während meiner unentschuldbaren Abwesenheit? Wie viele Karten wurden Dir zugesteckt, mit der Aufforderung, mich zu verlassen, ein besseres Leben zu beginnen? Du aber bliebst standhaft, hieltest zu mir. Du warst nicht so leicht zu verlocken, wie ich schwaches Geschöpf.
Ich bitte Dich! Verzeih mir noch ein letztes Mal, geliebter Edward!
Deine Liebste
(Zur erklärung: Eigentlich hatte ich vor, am Wochenende eine gemütliche Autotour durch den Teutoburger Wald und das Wiehengebirge zu machen. Im Herbst ist diese Gegend wunderschön. Außerdem parkte mein Auto höchst ungünstig unter einem Baum am Park und so wollte ich die Gelegenheit nutzen, es umzustellen. (Letztes Mal hätte ich in die Waschanlage fahren müssen, so dreckig war mein Eddi). Aber die Faulheit hielt mich vor dem Fernseher/Computer. Zu meiner Verteidigung muß ich aber anbringen, daß ich morgens eine kleine Radtour gemacht habe. Habe ich schon mal erwähnt, daß der Herbst atremberaubend schön ist?!
Ja, und unter der Woche wollte ich einem Kollegen beim Umziehen helfen. Mit meinem Auto versteht sich. Aber dieses verdammte Ding wollte sich nicht öffnen lassen. Ich mußte doch tatsächlich hin gehen und den Schlüssel manuell ins Schloß stecken. Glaubt man’s?! Vielleicht ist die Batterie fast leer. Aber irgendwann kriegte er sich dann ja wieder ein.
Allerdings durfte ich jedes Mal, als ich letzte Woche zu meinem Auto kam, so eine blöde Plastikkarte von meiner Fahrertür entfernen. "Wollen sie ihr Auto verkaufen? Wenden sie sich vertrauensvoll an uns!" HALLOO?!?! Sieht mein Eddi etwa schon so alt aus!? Alsowissensenee! Kann ja wohl nicht möglich sein! 4 Stück habe ich mittlerweile. Hoffe, sie geben es bald auf.
Ja, ich habe also mein Auto sträflich vernachlässigt und tanken müßte ich auch mal wieder. Aber noch leuchtete die Lampe ja nicht. Zur Zeit parkt er unter einem wunderschönen gelben Ginkgobaum, damit er nicht so ganz arges Heimweh hat.)