Nordpolarbaer

06.12.2008 um 21:23 Uhr

Mit freundlichen Grüßen...

Nach drei Monaten nun doch noch der offizielle Abschluss dieses Blogs, dieses Berichts eines langen, erlebnisreichen, guten Jahres.

Studieren in Trondheim hat viel Spaß gemacht, das Leben drumherum mehr noch als die reinen universitären Verpflichtungen, natürlich. Selten so viel erlebt und so viel gesehen. Jedem engagierten Studenten kann ich das Studium in Trondheim (und vermutlich auch in ganz Norwegen) nur empfehlen, denn die Uni mit ihren unglaublichen Service ist ein ganz anderer Standard gewesen als der, den ich von hier kannte. Oder wem sagen die Professoren in Deutschland, dass man bei Problemen ruhig jederzeit vorbei kommen soll, die Tür stehe meistens offen? Gibt es irgendwo Bibliotheken und Lernräume mit hunderten voneinander abgegrenzten Arbeitsplätzen, jeder mit Strom- und Netzwerkanschluss, Lampe und der Erlaubnis, Taschen, Getränke und Essen am Platz haben zu können, so dass auch eine vernünftige Arbeitsatmosphäre entstehen kann? Wo gibt es die Möglichkeit, kostenlos zu drucken, wo gibt es so viele hervorragend ausgestattete Computerpools, so dass immer genügend Plätze frei sind? Und wo stellt eine Universität den Unmengen an verschiedenen studentischen Vereinen und Vereinigungen Räume, Geld und anderweitige Hilfe zur Verfügung? Das Niveau in Trondheim ist ziemlich hoch, doch es wird alles getan, um den Studenten zu helfen.

Anschließend hat auch die Arbeit auf den Lofoten viel Spaß bereitet. Ich weiß nun, wo ich alt werden will, selbst das Haus ist schon ausgesucht, und für nächsten Sommer ist schon verabredet, dass ich wieder bei Skjærbrygga, Stamsund arbeiten werde, und ich freue mich schon jetzt!

Was ist noch passiert?

C. und ich sind zwei Tage nach Dienstschluss auf die Hurtigrute gen Festland gestiegen, an meinen alten Angelplätzen vorbei in die inzwischen recht zeitig einsetzende Dunkelheit gefahren, mit Zug 24 Stunden bis Drammen, ein Auto gemietet, ganz Südwestnorwegen im Dreieck Oslo-Ålesund-Stavanger im Schnelldurchlauf mit allen Attraktionen erkundet, dann gings direkt zum Flughafen, eine Übernachtung auf einer Barcouch, um 6 Uhr aufstehen, um 7 Start und um halb neun schnarrt mich eine Ticketverkäuferin am Flughafen in Berlin an, wieso, um Himmels willen, ich nur mit einem 50 Euro Schein bezahlen könne...

02.09.2008 um 01:22 Uhr

Skjærbrugga

Gestern war der letzte Arbeitstag. Einerseits schade, andererseits hoechste Zeit.

Hoechste Zeit, weil Kellnern auf Dauer doch weit mehr schlaucht, als ich je gedacht haette. Zwei der knapp drei Monate bestanden aus purem Stress. Endlos viele, teils sehr anstrengende Kunden, verschiedene Wuensche, dauerndes Wechseln zwischen drei Sprachen, teilweise komplett unmotivierte Kollegen, die man auch noch motivieren musste oder aber deren Arbeit uebernehmen. Die Energie schwand merklich, ab August war ich nach zwei Arbeitsstunden wieder muede, ein freier Tag pro Woche ist auch etwas wenig.

Schade aber auch, dass es nun vorbei ist, da wir die Lofoten morgen verlassen muessen, die schoenste Gegend, die man sich zum wohnen vorstellen kann. Weiterhin ein Haufen sehr netter, herzlicher Kollegen, gutes Arbeitsmilieu, viele neue Erfahrungen, gute Einarbeitung in das fuer mich voellig neue Arbeitsgebiet der gehobeneren Kellnerei, teilweise gute Erfahrungen mit netten Gaesten, viel Sprachuebung im Norwegischen.

Die Arbeit fing Anfang Juni mit einer Woche Einarbeitung an, dann fing mit einem Schlag die Touristensaison am 20. Juni an und knapp 6 Wochen lang war die Hoelle los. Bis Anfang August es ploetzlich ruhiger wurde, die deutschen Touristen fast vollkommen von Italienern und Spaniern ersetzt wurden und ab Mitte August schlagartig die Saison mehr oder weniger beendet war, mit manchmal kaum mehr als 10 Gaesten am Abend. Zu Touristen, oder auch einfach nur Kunden im Allgemeinen habe ich inzwischen ein eher gespaltenes Verhaeltnis und kann gut verstehen, dass viele Angestellte im Servicebereich zu frustrierten Ziegen werden.

Die Norweger, als muttersprachliche Touristen, sind zu ueberraschend grossen Teilen sehr fordernd, frech und unfreundlich. Es gibt Gaeste, die an die Bar kommen und „Mittag“ rufen, dabei aber keine Anzeichen von Humor zeigen. Deutsche sind immer freundlich, es sei denn, sie merken, dass auch ich Deutscher bin, dann verhalten sie sich nicht viel anders als die Norweger. Also ist es wohl nur die mangelnde Sprachfaehigkeit, die Auslaender zurueckhaltend sein laesst. Deutsche ueber 50 sprechen grundsaetzlich nur deutsch, und zwar voellig selbstverstaendlich, ohne nachzufragen, gerne schnell und in uebrfluessig langen Saetzen. Das machen Franzosen, denen man dieses Verhalten gerne vorhaelt, so gut wie nie. Sie sind immer sehr nett, loben das Ambiente, jubeln ueber das Essen (holen aber auch gerne ihr eigenes Essen und Trinken heraus!) und moechten gerne den Koch gruessen und geben am Ende garantiert nicht die geringste Krone Trinkgeld. Moechten aber meistens umsonst Brot zum Essen. Das wollen auch fast alle Spanier und Italiener, die etwas kuehler sind, und, wenn sie denn Brot haben wollen, mit Sicherheit auch kein Trinkgeld geben.

Also, viel gelernt in diesem Sommer...

(Wer in den letzten drei Beitraegen Rechtschreibfehler finden - und das duerfte nicht schwer sein - darf sie behalten. Keine Zeit Korrektur zu lesen...)

31.08.2008 um 22:54 Uhr

Der kleine Lofotenreisefuehrer

In knapp drei Monaten sind wir viel in den Lofoten herumgekommen. Die Inselgruppe ist erstaunlich klein, wenn man sie anfaengt kennenzulernen. Von Ost nach West erstreckt sie sich ueber nicht einmal 200 Strassenkilometer. Und so haben wir nach und nach alles gesehen, vieles sehr oft, jede kleinste Nebenstrasse zumindest einmal.

Und so gibt es ein paar Orte, die man gesehen haben muss, wenn man sich auf den Weg auf die Lofoten macht. Von Ost nach West:

Bevor man die erste Hauptinsel erreicht, geht vor der Bruecke ueber den Raftsund eine kleine Strasse links ab, die den Raftsund am Wasser antlang begleitet. Die 20 km hat man eine tolle Sicht auf die gegenueberliegenden Berge, mit bis zu 1146 Metern die hoechsten der Lofoten. Am Ende wartet eine idyllische Schaerenlandschaft.

Zwischen Kabelvaag und Henningsvaer fuehrt eine kleine Strasse nach links ab nach Hopen. Ein Campingplatz, sehr abgeschieden, mit beeindruckendem Blick auf steile, hohe Berge und den Vestfjord wartet dort.

Auf der Insel Gimsoya gibt es ein - fuer die Lofoten untypisch – voellig flaches Vogelschutzgebiet zu sehen, weisse Sandstraende und einen optisch sehr ansprechenden Golfplatz, gut in die Landschaft integriert.

Auf der Nordseite von Vestvaagoy liegt Unstad. Ein langer Strand mit bis zu vier Meter hoher Brandung aus Nordwest sorgen dafuer, dass dies ein bekanntes Surferparadies ist, dabei wohnen im Ort nur 10 Menschen. Vor dem Tunnel nach Unstad geht rechts ein kleiner Weg ab, mit Sackgassenschild, und oben wird man fast erschlagen, von der Aussicht, die sich einem auf den Ort bietet. Guter Geheimtip zum zelten oder mit dem Auto stehen.

Etwas weiter suedlich befindet sich der Hauklandstrand bei Vik, kurz vor Utakleiv. Offiziell Norwegens schoenster Strand, und auch wirklich nett gelegen. Um die Halbinsel kann man eine entspannte Wanderung nach Utakleiv machen und dort, statt durch den Tunnel zu gehen, den Pfad ueber den Berg nehmen. Zwei Stunden, nicht sehr anstrengend aber sehr schoen.

Suedoestlich der Provinzhauptstadt Leknes (langweilig!) liegt Ure, ein schoener alter Fischerort vor Bergpanorama.

Hinter dem Tunnel nach Flakstad fuehrt eine Strasse links ab nach Myrland, einem versteckten, idyllischen Ort auf der Aussenseite.

Ramberg hat wahrscheinlich den schoensten, weissesten Stadtstrand oestlich von Havanna.

Hinter Ramberg die zwei Bruecken nach Moskenes nehmen, die erste Strasse links rein, dann nach zwei Kilometern auf dem kleinen Parkplatz links halten. Von hier fuehrt ein Pfad ywei Kilometer lang nach Nordwesten, zwischen zwei Bergen hindurch zum Kvalvikastrand. Grandios gelegen, Steilwaende auf beiden Seiten, sehr beeindruckend, noch besser als Haukland, dabei ziemlich einsam. Moeglichkeit zum Zelten.

Die E10 weiter auf Moskenes ist als Strasse allein schon ein Erlebnis. Die Berge sind noch extremer und steiler als sonst auf den Lofoten und man hat einen guten Blick auf die gesamte Lofotenwand nach Nordosten hin.

Der Reinefjord ist der Hoehepunkt einer Lofotenreise. Bestehend aus vier Armen, komplett umgeben von steilen Bergen (bei Regen mit hohen Wasserfaellen besetzt), Schluchten, seltsamen Formationen. Taeglich faehrt eine Faehre vier Orte innerhalb des Ortes ab, die anders nicht zu erreichen sind.

Vindstad im inneren des Reinefjord liegt idyllisch, die Bewohner (bis auf eine Dame alles Wochenendhuettenbewohner) haben den besten Blick, den man haben kann (was fuer ein Glueck, dass wir die Besitzer einer Huette kannten und dort naechtigen konnten!).

Von Vindstad aus fuehrt ein Weg zwischen steilen Felswaenden hindurch auf die Aussenseite. Oben angelangt eroeffnet sich einem ein Blick, den man so noch nicht gesehen hat, und der alles uebertrifft, was ich an schoenen Blicken bisher gesehen habe. Unten liegt ein weisser Sandstrand, einen mal einen Kilometer gross, auf der Rueckseite schlaegt sich der Strandsand die Felsen hinauf, rechts eine 600 Meter hohe, komplett glatte, nahezu senkrechte Felswand, links und rechts ueber 800 Meter hohe urdramatische Berge, mit dem bezeichnenden Namen Helvetestinden – Hoellenberg. Dieser Strand uebertrifft alles. Und wenn man am Abend hinkommt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, komplett alleine dort zu sein, mit offenem Meer und Blick bis nach Kanada. Vergisst man nicht mehr...

Mit der Faehre von Moskenes (Ort) erreicht man Vaeroy. Waren wir nicht drauf, lohnt sich aber wohl sehr. Kleine bergige Insel, gut zu laufen, Vogelfelsen zu Fuss zu erreichen.

Noch eineinhalb Stunden hinter Vaeroy liegt der Ort, der weiter ab von irgendetwas ist, als man sich vorstellen kann, Roest. Das Festland ist nur noch zu erahnen (trotz weit ueber 1000 Meter hohen Bergen) und die Lofoten sind zu einer Insel am Horizont zusammen geschrumpft. In dem Sinne ist Roest sehr beeindruckend. Auch dadurch, dass sich die gesamte Insel (etwa 5 mal 5 Kilometer) an keiner Stelle mehr als 6 Meter ueber den Meeresspiegel erhebt. Die Insel ist komplett flach und ziemlich besiedelt. Recht haesslich und langweilig eigentlich. Mit einem kleinen Boot kann man aber an Europas groesstem Vogelfelsen vorbei zum Skomvaer-Leuchtturm fahren und so auf der aeussersten Spitze Norwegens stehen.

Orte auf den Lofoten: A (mit Kringel), gefaellt mir gut, ist aber eigentlich fast nur ein begehbares Museum. Aber nett anzusehen, mit gemuetlicher Jugendherberge mittendrin. Reine ist komplett ueberbewertet. Wer auf die Lofoten faehrt, um weisse Haeuser mit kurzem Rasen und ein paar Kitschblumen sehen will und sonst gar nichts, dem koennte es gefallen. Ansonsten schnell weiter.

Sund ist huebsch.

Ramberg ist langweilig, hat aber eine kleine, uralte Kaschemme mit guenstigem Essen schraeg gegenueber der Jugendherberge. Und den schon erwaehnten Sandstrand.

Leknes ist Mist, haesslich, flach, langweilig. Zum Einkaufen gut, dann schnell weiter.

Gravdal ist auch nichts.

Ballstad kann man sich anschauen, muss man aber nicht. Hat eine grosse Rurbu-Siedlung.

Stamsund ist der einzige nicht touristische Ort auf den Lofoten. Das innere Stamsund ist eine langweilige Wohnsiedlung, das aeussere dagegen zeugt von der Geschichte als Fischereihauptstadt, hat auch immer noch Fischfabrik, viele Fischerboote, Herrenhaeuser, Galerien und zwei mal taeglich die gute alte Tante Hurtigrute am Kai.

Henningsvaer ist sehr nett anzuschauen, aber reine Touristenstadt. Schoenes Panorama hinter dem Ort, Meer ringsherum. Kabelvag kann man sich mal kurz ansehen, ist aber nicht viel zu holen.

Svolvaer ist gross, aber recht haesslich. Und viel zu touristisch, alles voll mit Hotels und geschmacklosen Restaurants.

 

Bilder folgen...

28.08.2008 um 17:58 Uhr

Das Wetter

Was fuer ein Sommer! In zweieinhalb Monaten haben wir nur etwa 5 Regentage erlebt, weitere fuenf  bis zehn wolkige Tage und ansonsten schien immer die Sonne. Fast durchgaengig herrschte Nordwind und brachte kalte, aber trockene Luft mit sich. Im Juni lag die Temperatur konstant bei 8 bis 13 Grad, stieg im Juli auf 11 bis 17 (mit drei Ausreissertagen von etwas ueber 20 grad) und ist jetzt wieder auf 9 bis 16 gesunken. Trotzdem habe ich das Gefuehl, einen unglaublich guten Sommer gehabt zu haben, der Sonne sei Dank. Leider wird es nun aber schon recht frueh dunkel. Waehrend vor 6 Wochen noch die Mitternachtssonne schien, und es auch vor einem Monat noch dauerhaft hell war, wurde es dann ploetzlich tagtaeglich frueher dunkel, schneller, als dass man es richtig verarbeiten konnte. Inzwischen daemmert es um 9 und ab 11 ist es stockdunkel, ein Zustand, den man sich nach drei Monaten Helligkeit kaum noch vorstellen konnte. Sehr schade. Die Norweger reden schon von anfangender Winterdepression, so weit wuerde ich dann aber doch noch nicht gehen.

28.08.2008 um 17:55 Uhr

Personaltour

Um 6 Uhr am Abend steigen 13 gut gelaunte Mitarbeiter in den gecharterten Bus, den Gepaeckraum voll mit Essen und Alkohol. Die bereits angetrunkenen beiden Chefs servieren waehrend der Fahrt ins Unbekannte fleissig Bier und Wein. Und so steigen nach einer Stunde 13 gut angeheiterte Mitarbeiter wieder aus, um ... Golf zu spielen. Ein britischer Golflehrer bringt die Gruppe zu einer Schlaguebeanlage und wird die naechsten 90 Minuten Blut und Wasser schwitzen. Die Bier trinkende Gruppe schlaegt johlend tausende Baelle uebers Feld. Versucht es zumindest, hauptsaechlich ist aber das Krachen der Schlaeger auf den Boden zu hoeren oder Leute zu sehen, die sich von der Wucht ihres verfehlten Schlages im Kreis drehen (und noch tagelang Ganzkoerpermuskelkater haben werden). Die Schlaeger sind jedenfalls im Nachhinein mehr oder weniger hinueber. Die Gruppe begibt sich nach verrichtetem Heerwerk weiter zum persoenlichen Festplatz, einem angemieteten Samenzelt zum Feiern und drei Schlafzelten, direkt an einem weissen, einsamen Nordmeersandstrand. Alkohol beginnt zu fliessen, Lofotlamm wird gegessen und die Stimmung steigt ins Unermessliche. Irgendwann zieht die Restaurantchefin ihren Badeanzug an, findet noch weitere Mitstreiter und springt ins eiskalte Meer, immer und immer wieder. Zwischendurch wird mit dem Koch im Sand gerungen, spaeter Absinth vernichtet. Die Baenke muessen zum Tanz herhalten. Am Ende zieht sie den Badeanzug auch mal wieder aus, schafft aber nur noch das T/Shirt anzuziehen, bevor sie sich kotzend hinter die Zelte bewegt. Waehrenddessen haelt die Chefin eine gefuehlsduselige Rede und ist so froh, diese Mitarbeiter zu haben und keine anderen. Der Restaurantchef macht sich auf eine Jagd hinter seine Kollegen hinterher. Kichernd und schreiend geht’s immer ums Zelt und mittendurch, bis er vergisst, sich an den Zeltschnueren zu ducken und sich das Augenlid kaputt reisst. Was die anderen Mitarbeiter so erleben, wuerde den Rahmen sprengen. Am naechsten Tag sind alle Leute rechtschaffen kaputt und muede, aber froh, wieder das sommerliche Personalfest gefeiert zu haben.

06.08.2008 um 21:01 Uhr

Die Anderen

Skjærbrygga, unsere Arbeitsstelle, ein altes, 4-stoeckiges Holzhaus, frueher Handelszentrum, spaeter Trockenfischlager. Die unteren beiden Etagen sind mit unserem Pub, dem Restaurant und einem grossen Festsaal belegt. Die oberen beiden Etagen sind verlassene Dachboeden.

Unsere Kollegen:

L., die Kuechenchefin: Hat jemand Grossen in der Tuer stehen sehen, der danach weg war. Kann ihn genau beschreiben. Hat Leute vor Fenstern vorbeilaufen sehen, die nicht am naechsten Fenster ankamen. Hat eine Katze im zweiten Stockwerk laufen sehen, die sich ploetzlich in nichts aufloeste. Ihr Buero, welches niemals zugeschlossen ist und zu dem sie den Schluessel an der Hose traegt, war eines Tages verschlossen; als sie es aufschliesst, liegen ihre beiden Stuehle umgeschmissen auf dem Boden. Gleichzeitig ist ihre Kleidung, die unten lag, im zweiten Stock verteilt. Ein andermal faesst ihr eine Hand auf den Allerwertesten.

I.: Sie hat Schritte auf dem Dachboden gehoert, der nur ueber eine Aussenleiter zu erreichen ist, die nicht angelehnt war.

L.-E.: Sie hat Schritte gehoert, die zu einer Tuer kamen, neben der sie stand. Als diese stoppen und sie schaut, wer gekommen ist, ist niemand dort.

L.-O. und G.: Die beiden Koeche haben zu verschiedenen Zeiten eine Person gesehen, die sie als die gleiche beschreiben.

L.-E., Ø, K: Haben jemanden an einem Tisch sich raeuspern hoeren, waehrend das Restaurant geschlossen ist. Voller Schreck schauten sie zu dem Tisch und hoerten noch zwei weitere Raeusperer.

L.: Die bodenstaendige Chefin hoert alleine in ihrem Buero hinter sich ein lautes Raeuspern, niemand ist dort.

B.: Ihr faesst eine Hand auf die Schulter.

I.,A.: Sehen zeitgleich den selben Jungen, der direkt darauf weg ist.

Und ich?

Als ich ins vier Quadratmeter grosse Weinlager gehe, hoere ich an der duennen Holzpanelwand sehr laut etwas hartes an der Aussenseite entlangschleifen und rattern. Als ich herauskomme ist niemand in der Naehe. Als ich ins dunkle Restaurant trete und Licht brauche, mache ich der Einfachheit halber alle 6 dimmbaren Lichtschalter an. Waehrend ich drin bin, wird das Licht heller und dunkler, ohne dass jemand bei den Schaltern steht. Als ich alle 6 Schalter druecke, um sie alle wieder auszuschalten, geht bei vieren das Licht aus, bei zweien an. Ein Tischspiegel mit breitem Fuss faellt zu Boden und geht kaputt, vorher hoere ich ein klares Schleifen ueber den Tisch.

06.08.2008 um 20:34 Uhr

Ich lebe noch

Der Titel sagt alles: Login wieder moeglich.

Trotz 6 vergangenen Wochen seit dem letzten Beitrag, gibt es erstaunlich wenig zu berichten, was nicht, wenn ich erstmal anfangen wuerde, den Rahmen sprengen wuerde. Das hole ich dann vielleicht in Deutschland einmal nach; eine Bestandsaufnahme zur Lage der norwegischen Nation, mit Schwerpunkt Politik, Bildung und Soziales. Ich hoffe auf rege Vorfreude...

Ansonsten in Stichworten:

Wir haben die gesamten Lofoten gesehen, alles sehr schoen und beeindruckend, natuerlich. Bilder folgen fruehestens Mitte September.

Stamsund ist ein seltsamer Ort. Es gibt die Neu- und die Altstadt(/-dorf), getrennt durch eine enge felsumgebene Strasse. Die Neustadt setzt sich ausschliesslich aus langweiligen Einfamilienhaeusern zusammen. Die Altstadt dagegen besteht aus alten Steinhaeusern, Fischfabriken und jeder Menge verlassener Haeuser und Laeden. Sehr duester und speziell, mit sehr viel Charme, den es in den ansonsten vollkommen touristisch ueberlaufenen Lofoten gar nicht annaehernd so gibt. Gefaellt mir unglaublich gut, dieses seltsame Mix und inzwischen koennte ich mir gut vorstellen, mich in diesem Ort, zwischen nebelverhangenen Felsen und schwarzen Schaeren im Meer, dauerhaft niederzulassen; so viel Atmosphaere findet man nicht oft.

Die Arbeit schlaucht auf Dauer sehr. Besonders gut merkt man das daran, dass wir hier selten unter 10 und gerne auch mal 12 Stunden lang schlafen. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir arbeiten, schlafen und noch gut 2 Stunden Freizeit haben. Nach dieser Zeit, so viel Spass es auch macht, ist ein Urlaub dringend von noeten. Bei den Geldmassen, die gestern wieder auf unser Konto geflossen sind, brauchen wir uns ueber die Kosten wenig Gedanken machen.

Also: weiterhin alles in bester Ordnung!

15.06.2008 um 22:42 Uhr

Stamsund, Lofoten, Norwegen, Universum

Ich bin im Paradies gelandet.

Alles ist perfekt!

Ich verdiene mir den Arsch voll, aber wirklich! Dafuer muss ich recht viel arbeiten (kellnern und Bar bedienen), verdiene aber ungefaehr drei Mal so viel wie bei meinen bisherigen Jobs. Viel arbeiten ist aber kein Problem, ich habe die netteste Chefin, die besten Kollegen und einen Job, der mir wirklich Spass macht. Zusaetzlich kann ich jeden Tag ein Gericht essen, was besser schmeckt als alles, was ich bisher in Restaurants gegessen habe. Und morgen ist Mitarbeiterweinverkostung, mit anschliessendem Fest, wobei zu beachten ist, dass die Weine hier zwischen 30 und 200 Euro kosten.

Nebenbei wohne ich nicht nur im schoensten Ort, in dem ich je leben durfte, nein, es ist sogar die beste Gegend, die ich je gesehen habe.

Und in einer halben Stunde nehme ich mir das Mitarbeitermotorboot und fahre angeln. Die Mitternachtssonne wird mich unterstuetzen...

05.06.2008 um 12:59 Uhr

Macht's gut, und danke für den Fisch

Heute wird der Computer abgebaut, dann geht es am Sonntag mit Hurtigrute auf zu den Lofoten. Arbeiten in Stamsund, ich freue mich.

Trondheim war auch gut, gut zu mir, ich komme gerne mal zurück, wenn auch bestimmt nur für kurze Zeit. Eigentlich schade, dass das nun vorbei ist, aber gut zu wissen, dass ich noch drei Monate auf den Lofoten verbringen kann. Und Norwegen im Gesamten wird mich noch oft, und vermutlich irgendwann auch sehr lange, wiedersehen, wenn es sich denn einrichten lässt.

In diesem Sinne: Macht's gut, und danke für den Fisch! 

05.06.2008 um 12:54 Uhr

20 gute Gründe, Norwegen zu lieben

1. Das Land: landschaftlich einmalig, fast egal, wo man sich aufhält. Viel unbelassene Natur, und überall das Meer in der Nähe.

2. Die Menschen: Der große Unterschied zu den Deutschen: So gut wie absolut alle sind jederzeit freundlich und meist auch gelassen, egal, wie mürrisch sie erst einmal gucken. Dazu auch sozial, ehrlich und hilfsbereit. Über Schwächen wie teilweise sehr große Scheu oder das Nichtumgehenkönnen mit Alkohol kann ich da gerne hinwegsehen.

3. Wirtschaftliche Eckdaten: Keine Arbeitslosigkeit, sehr viel Lohn, gesicherte Rente, ziemlich gesicherte Zukunft, guter sozialer Schutz

4. Schulsystem: Kann man sicherlich drüber streiten, aber der Schwerpunkt auf sozialem Verhalten statt auf möglichst viel Fachwissen ist für mich ein Grund, wieso die Gesellschaft so gut funktioniert, wie sie es tut.

5. Wetter: Angenehme Temperaturen im Sommer, im Winter in der Regel Schnee und Kälte.

6. Sonnenuntergänge: Jeden zweiten Tag sinkt die Sonne mit viel Brimborium (feuerroter, dramatischer Himmel) unter den Horizont 

7. Mitternachtssonne: Auch wenn es diese hier in Trondheim streng genommen nicht gibt, ist es nachts so hell, dass man alles ohne Zusatzbeleuchtung machen kann.

8. Möwen: Überall Möwen, ich liebe Möwen.

9. Holz: Nahezu ale Häuser sind aus Holz, außen, wie auch innen. Macht einen gemütlichen Eindruck und ist aufgrund der verschiedensten Farben auch hübsch anzusehen.

10. Schiffahrt: Ich schaue gerne Schiffen zu, da überall Meer und Fjorde sind, gibt es auch genügend davon.

11. Ladenöffnungszeiten: Bis 23 Uhr geöffnet. Sonntag haben nur sehr wenige Läden offen. Genau so, wie ich es auch in Deutschland einführen würde.

12. Verzicht auf Bürokratie: Das gute an der schon erwähnten Bürokratie ist, dass es kein Problem ist, sie mal kurz zu vergessen. Dann ist vieles möglich. In den Behörden sitzen hier auch Menschen (denen natürlich auch Fehler unterlaufen können).

13. Autos: Die meisten Norweger haben ein gesundes Verhältnis zum Auto. Die Samstagswäsche gibt es hier nicht, die ein oder andere Delle ist doch auch kein Problem, das Auto fährt schließlich. Und neu muss es beim Kauf auch nicht sein.

14. Nahverkehr: Egal, wo man hin will, Busse fahren einen bis in die entlegendsten Gegenden. Nicht oft, aber mit guter Planung kann man fast alles erreichen. Noch dazu zu humanen Preisen...

15. Strom: Es wird zwar von den Leuten viel zu viel verbraucht, dafür ist der Strom umweltfreundlich aus Wasserkraft gewonnen. Diese wird aber nicht durch riesige Talsperren und verschandelte Landschaft gewonnen, sondern durch unterirdische Abflüsse in Seen und lange Tunnelsysteme durch die Berge. So ist optisch nichts davon zu bemerken, der einzige Schaden sind Löcher tief drinnen im Berg.

16. Fisch: Die Fjorde und auch die Seen (wenn man sie denn fangen kann) wimmeln von Fisch. In den Läden ist er aber auch frisch und günstig zu bekommen.

17. Freizeitleben: Es gibt den Filmklub (täglich zwei Filme, kostet 60 Euro für ein halbes Jahr), den Fotoklub (Chemikalien kaufen und die ganze professionelle Ausrüstung fast umsonst nutzen), ungefähr zwei Millionen Sportvereine und noch ganz ganz viel mehr, und das alles ohne spießige monatliche Vereinssitzungen und Mitgliedervollversammlung.

18. Dugnad: Nahezu alle Norweger machen ehrenamtliche Arbeit irgendwelcher Art.

19. Sprache: Klingt sehr harmonisch und wird durch Akzeptanz aller verschiedenen Dialekte nicht so streng genommen. 

20. Politik: Auch wenn die Rechtspopulisten zweitstärkste Partei sind (aber nicht an der Regierung beteiligt) gibt es hier ein gesundes politisches Verständnis, in dem von ausgegangen wird, dass die Politik für die Menschen da ist, und Demokratie mehr ist, als alle paar Jahre eine Stimme abzugeben. 

 

Ich wollte nur mal sehen, ob ich 20 Gründe zusammen bekomme. Hat geklappt, fertig. Ob es auch genauso viele Gegenargumente gibt, ist an dieser Stelle nicht von Interesse.