rob 3
Stimmung: hm mies
schule lief heute beschissen. so richtig. eigentlich läuft gerade alles so ziemlich beschissen. ich weiß nicht ob ich hingehöre, ich weiß nicht was ich will. ich finde mich hässlich. und dick. super dick. ich habe mal in einer studie gelesen, dass mädchen sich immer dick finden, wenn sie schlecht gelaunt sind. aber ich bin nicht bloß schlecht gelaunt. ich bin deprimiert. ich glaube ich war mein ganzes leben lang bloß deprimiert.
heute habe ich rob wieder getroffen. weiß nicht, es ist mittwoch. mittwoch ist eigentlich ein toller tag, da mittwoch die mitte der woche ist. und bald ist wochenende und ferien. endlich. aber heute war alles irgendwie anders. schon beim aufstehen merkte ich, dass der tag scheiße wird. so richtig. und ich hatte recht. und wie ich recht ich hatte.
ich war in dortmund gewesen. nach der schule. dachte, hey, mit der emilia kannst ja mal wieder nen paar cds ansehen, dir ein paar neue klamotten kaufen. bei h & m war so ein grässliches kleid. ihr wisst schon, diese komischen punkt-klamotten, die jetzt so "in" sind, weil jeder meint ein bisschen emo rumrennen zu müssen. wer oder was emo ist, hab ich eh keine ahnung was das ist. aber jeder rennt ja so rum. schwarze haare und komische ringe in den ohren. und emilia sagte zu mir: "hey, das kleid ist süß. zieh das mal an." ich fands gleich schon nicht so toll, da ich ja dick bin und punkte stehen mir sowieso nicht. und dann stand ich da, in dieser engen umkleide bei h & m mit all dem künstlichen licht, was jede noch so kleine chellolite falte und jeden mitesser beleuchtet. und da seh ich rob. rob in seiner schwarzen jacke, mit seinen ausgelatschten chucks. und mit diesem grinsen. und ich sehe ihn, wie er drei meter von mir entfernt geht. ich war so faszinierd. sein gang ist immer leicht federnt und wenn er seine arme dazu schlenkert, sieht er manchmal aus wie eine ente. total niedlich. ich sehe ihn. und im gleichen moment kommts mir hoch. weil irgendwie geht er da. und ich gehe nicht neben ihm. ich glotze auf seine hände und stelle mir vor, wie es war als ich meine hand in seine legen durfte. scheiße.
"hey, liana, komm mal raus.", sagt emilia aus der nachbarumkleide. rob ist immernoch in der nähe. er wühlt bei t-shirts. ich will nicht rauskommen. ich will hier bleiben. für immer hier verrecken. mir ist das so peinlich. ich seh heute so scheiße aus. ich gucke in den spiegel. meine haare sehen fettig aus. und das kleid steht mir nicht. emilia lässt nicht locker, sie springt aus der umkleidekabine und ruft: "liana. mach schon." da hat rob aufgesehen. meinen namen gehört. und ich drehe mich zum spiegel. versuche zu lächeln. will so tuen als hätte ich total spaß. das ich einkaufen liebe. und das ich mich nicht zu fett fühle und gut aussehe. ich ging also raus. emilia lacht sich schlapp. und rob kommt auf uns zu. ich tue so als hätte ich ihn erst gerade gesehen. "hi rob.", sage ich. er lacht. "hi liana." er ist gut drauf. er fragt wie es geht und so. und sagt, dass das kleid nicht so der renner ist. toll. ich lächel und zieh mich wieder um. ich hätte heulen können. emilia redet mit rob. sie kennen sich nicht. er ist ja sooo offen. macht überall scheiß freundschaften. gott.
als ich draußen bin, erzählt rob von seinen freunden. von der so lustigen semesterparty am wochenende und das seine band beim sommerfest gespielt hat. und das er und thorben planen die winterferien in der schweiz zum skifahren zu nutzen. er redet und redet. und ich nicke. lächel. emilia findet alles total lustig. sie mag rob. ich kann es ihrem gesicht ansehen. er ist höflich. emilia wird niemals sein typ sein. aber das sag ich ihr nicht. plötzlich zeigt rob auf das mädchen, was hinter der kasse bei h & m steht. sagt, sie sei auch auf der letzten party gewesen und das sie vielleicht bald seine freundin sei. dann fragt er, ob ich ein neues handy habe, er hätte mich ja so gerne noch mal getroffen. von mir höre man ja so selten was. und ob ich noch mit der einen befreundet wäre, die damals mit mir abhing. er meint lena. ich nicke. ich kann nichts sagen. ich lächel immer nur höflich. es tut gut neben ihm zu sein. ich wünschte er könnte verstehen wie ich mich fühle und einfach aufhören zu reden.
dann geht rob. sagt tschüss. lacht. lädt uns zum nächsten konzert ein. geht zu dem mädchen hinter der kasse. und ich stehe da. emilia grinst. "wer war das denn?", fragt sie. ich sage: "rob. mein ex-freund." emilia ist total begeistert. "mit dem warst du zusammen? geil." ja. geil. er ist geil. er war geil.
und in dem moment, als er sich zu der schlampe hinter der kasse rüberbeugt um ihr einen kuss auf die wange zu geben schiessen mir die tränen in die augen.
ich weiß nicht was los ist. ich dachte ich sei über rob hinweg. wirklich. doch er hat mich so verwirrt. der ganze tag ist im arsch. toll rob. ich vermiss dich. total.
und jetzt stelle ich mir vor, wie du mit der h & m tuse gemeinsam durch die gegenläufst. Sie "schnuddel" oder "baby" nennst oder wie mich "kleine". und ihr dann einen kuss gibst. eigntlich müsstest du mich küssen. wenn das bloß damals nicht so schief mit uns gelaufen wäre. ich liebe dich immernoch. hörst du? wenn ich dir das jetzt sage, lachst du mich aus. weil für dich war ich bestimmt nur eine weitere freundin auf der liste. nummer 15. oder 6. ich weiß es nicht. du hast auch nie mit mir drüber geredet ob ich wichtig für dich war. oder was ich für dich war.
du standest nur vor mir und hast gesagt, dass deine band jetzt am wichtigsten für dich sei. das du mich lieb hast, aber das deine zukunft sei. das du jetzt genau in dem moment das richtige tun müsstest. und das sie die band. ich hatte in deinem leben wohl einfach keinen platz mehr. ich, die naive schülerin, die keine ahnung von musik hat. hast du niemals gesagt, aber bestimmt gedacht. und du hast gesagt, du würdest mich anrufen. vielleicht in ein paar monaten. oder ein paar wochen. aber nicht so bald. es täte dir leid.
wie beschissen bist du denn? niemand macht mit jemanden schluss, weil er mehr zeit für eine band braucht, die sowieso niemals erfolg haben wird!!
ich hasse dich dafür, dass ich jetzt an dich denken muss. ich wünschte, ich wäre tot.
