Barrikaden des Lebens

01.12.2017 um 00:30 Uhr

Glücklich sein...wie?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wieso ich wieder angefangen bin, diese sinnlosen Einträge hier zu schreiben. Wahrscheinlich liegt mir momentan einfach zu viel auf der Seele, das ich irgendwo loswerden muss. Mit wem soll ich auch darüber reden? Ich verstehe ja nicht mal selber, was mit mir los ist. In letzter Zeit träume ich ständig von irgendwelchen Männern, die mich umschwärmen und mir Anerkennung und Bestätigung geben. Und ich genieße es! Es sind schöne Träume. Aber was hat das zu bedeuten? Sind es wirklich Anerkennung und Bestätigung, die ich brauche oder eher das Gefühl, begehrt zu werden?

Fakt ist, Männer haben sich nie um mich gerissen und ich war nie glücklich und bis über beide Ohren verliebt. Und obwohl ich jetzt in einer guten Beziehung bin, fehlt mir doch dieses Prickeln und die gewisse Würze. Ich fühle einfach zu wenig, aber das ist generell mit Gefühlen bei mir so. Ich kann mich auf nichts mehr richtig freuen und habe kaum Spaß am Leben. Immer gibt es irgendwelche Probleme und ich bin mit mir selbst nie zufrieden. Und wahrscheinlich liegt bei mir selbst auch die Wurzel allen Übels. Aber was soll ich dagegen tun? Was kann ich machen, damit es mir wieder besser geht? Ich weiß es einfach nicht.

Eine Zeit lang habe diese innere Leere und diese Unzufriedenheit mit dem Kaufen von coolen Klamotten und anderen Dingen kompensiert. Aber mittlerweile habe ich daran auch schon die Freude verloren. Manchmal habe ich einfach keine Lust mehr auf dieses Leben. Auf dieses Abplagen, dieses Kämpfen und das Warten auf Besserung. Besserung, die sich nie einstellen wird. Ich bin immer froh, wenn ich die Augen schließen kann und schlafen kann. Alles vergessen kann und in andere Welten tauchen kann, wo noch alles möglich ist. Die Realität ist nur noch eintönig und farblos und ich habe nicht mal mehr konkrete Ziele, die ich im Leben erreichen möchte. Eigentlich habe ich das für mich Unmöglichste und Schwierigste überhaupt ja schon erreicht. Nämlich eine Beziehung zu haben, einen Partner zu haben. Jemand, der mich liebt. Und A2 liebt mich. Aber liebe ich ihn auch? Auf jeden Fall nicht so, wie es sein sollte und das macht mir natürlich zu schaffen. Dabei hatte ich am Anfang noch Gefühle für ihn, aber momentan scheinen die immer mehr abzunehmen. Ich kreise nur noch um mich selbst und kann mich gar nicht mehr richtig auf ihn konzentrieren. Ich glaube aber auch nicht, dass es mit jemand anderem anders wäre. Wie gesagt, liegt das Problem einzig und allein bei mir. Mit mir stimmt einfach etwas nicht. Warum kann ich nicht mehr glücklich sein oder zumindest wieder etwas Freude am Leben haben?

26.11.2017 um 00:20 Uhr

2 Jahre später...

Über 2 Jahre ist es nun her, seit ich hier zuletzt geschrieben habe und natürlich ist in dieser Zeit einiges passiert. Ich bin nun seit 1,5 Jahren mit A2 zusammen. Es ist eigentlich meine erste richtige Beziehung nach meinem langen Single-Dasein. Irgendwie waren wir uns doch noch nähergekommen, wenn auch unter Einfluss von Alkohol und seitdem sind wir nun fest zusammen. Für mich war es am Anfang megaschwer seine Nähe zuzulassen. Ich habe sehr mit mir gekämpft und war oft davor alles hinzuschmeißen, was ich zum Glück nie gemacht habe. Irgendwann wurde es dann besser und ich habe mich sozusagen in die Beziehung reingefunden. Mit A2 als Partner habe ich wirklich großes Glück gehabt. Wir verstehen uns super, können über alles reden und er hat viel Verständnis für mich und meine Probleme. Eigentlich müsste ich glücklich sein, aber ich bin es nicht. Denn meine Gefühle sind nach wie vor das Problem. Eigentlich war ich nie richtig verliebt in ihn, aber trotzdem bedeutet er mir doch sehr viel. Ich habe aber oft das Gefühl, ihm etwas vorzumachen und mir selbst auch. Aber es läuft ja gut zwischen uns, deshalb wär es Quatsch diese Beziehung wegzuwerfen. Außerdem würde ich nie wieder jemanden wie ihn finden und erst recht niemanden, der mit mir und meinen ganzen Problemen klarkommt.


Meine Probleme ja...daran hat sich leider nicht viel geändert. Ich leide nach wie vor unter meinem Aussehen (Haut, Haare, Gesicht) und obwohl ich schon soviel versucht habe, habe ich eigentlich wenig bis gar keine Besserung erreicht. Ich habe mir jetzt zum zweiten Mal ein Kinnimplantat einsetzen, weil ich mit dem vorherigen nicht zufrieden war. Aber ich glaub, ich habe es jetzt nur noch schlimmer gemacht und werde noch unzufriedener sein. Momentan geht's mir wieder richtig schlecht und ich bin nur noch am Heulen und habe wieder depressive Phasen. Zudem macht mir das Amt auch noch das Leben zur Hölle, kürzt mir zu Unrecht Leistungen und meine Versuche, mich dagegen zu wehren, schlagen auch noch fehl.


Ich habe Angst vor der Zukunft und weiß nicht wie es weitergehen soll. Arbeiten kann ich wegen meiner ganzen Probleme und aufgrund meines seelischen Befindens nach wie vor nicht. A2 möchte eigentlich gerne mit mir zusammenziehen, aber das geht irgendwie alles nicht, weil er dann für mich aufkommen müsste und ich nicht von ihm abhängig sein will. Außerdem würde mir das zu viel werden, ihn jeden Tag zu sehen. Wir sehen uns momentan 2-3 Mal die Woche und das reicht mir eigentlich auch. Ich hab Angst ihn vielleicht irgendwann auch noch zu verlieren und ganz alleine dazustehen. In meinem Leben ist so vieles schiefgelaufen und ich hab mir soviel durch dumme Fehler verbaut und versaut, dass es jetzt kein Weiterkommen mehr zu geben scheint.

Ich hab das Gefühl immer nur für alles kämpfen zu müssen und mein ganzes Leben nur nach Lösungen zu suchen, die sich dann doch als vergeudete Zeit herausstellen. Die ganzen 2 Jahre habe ich das alles nur mehr oder weniger verdrängt und habe vor mich hingelebt. Aber gut ging es mir nie dabei. Nur wenn ich mit A2 zusammen bin, kann ich diesen ganzen Scheiß und diese ganzen Probleme mal vergessen. Er lenkt mich ab. Aber ich weiß doch, dass ich etwas ändern muss, um glücklich zu werden. Aber ich weiß nicht was und wie. Und mir fehlt auch einfach die Kraft dazu....

 

30.08.2015 um 02:03 Uhr

Der Kampf geht weiter

Ich habe schon wieder lange nicht geschrieben. Jetzt ist der Monat schon fast wieder rum und es ist schon wieder einiges passiert. Die Gesichts-Op ist nun schon fast wieder einen Monat her. Die ersten Wochen war mein Gesicht noch geschwollen, aber trotzdem habe ich mich damit wohl gefühlt. Ich habe mich endlich wieder wie ein Mensch gefühlt. Es war eine große Erleichterung und ich dachte, dass das Leiden jetzt endlich vorbei wäre. Aber als das Gesicht abgeschwollen war, sah es nicht mehr so gut aus und mittlerweile bin ich schon wieder unzufrieden damit, weil der untere Bereich mir einfach immer noch zu schmal ist und unten am Kinn jetzt auch noch so eine blöde Delle entstanden ist. Und eine Seite ist auch schmaler als die andere. Das frustet mich gerade einfach wahnsinnig, weil ich dachte, dass dieses Problem jetzt endlich gelöst wäre. Aber das muss auf jeden Fall nochmal nachkorrigiert werden. Ich hoffe, dass der Arzt das überhaupt machen wird. Also die ganze Tortur nochmal. Es war wieder alles umsonst! So werde ich damit nicht leben können. Zwar sind die eingefallenen Bereiche weg, aber die Proportionen stimmen einfach noch nicht. Andererseits kann man bei meinem problematischen Gesicht auch nicht erwarten, dass das auf Anhieb perfekt ist. Werde ich überhaupt jemals nochmal damit zufrieden sein können?

Auch was A2 betrifft, gibt es wieder einiges zu berichten. Wir haben uns den August jedes Wochenende gesehen. Ja, es gab schon 4 weitere Treffen und eins davon war heute. Das vierte Treffen war Anfang August. Da war mein Gesicht noch ganz dick und geschwollen. Wir hatten da einen Ausflug zu einem Tierpark gemacht. Ich war da auch mit ihm noch was essen gewesen. Eigentlich esse ich nicht gerne in der Öffentlichkeit, aber ich wollte mich dann doch mal überwinden. Es war auch ein bißchen komisch A2 so gegenüber zu sitzen, weil wir noch nicht so vertraut sind. So richtig aus mir rausgekommen war ich auch wieder nicht. Nur am Ende wurde es wieder besser. Wir unterhalten uns dann immer noch etwas im Auto und die Gespräche sind immer richtig gut. Da sind wir uns irgendwie auch näher gekommen. Ich hab es vom Kopf her gemerkt, aber mein Herz blieb wie gewöhnlich unberührt davon. A2 hat man es angemerkt, er war richtig aufgekratzt und seitdem wollte er mich auch unbedingt jedes Wochenende sehen.

Die Woche darauf hat er mich spontan zum Essen eingeladen. Mir ging das alles fast ein bißchen zu schnell, aber ich hatte trotzdem ohne lange zu überlegen zugesagt. Und irgendwie hatte ich mich sogar ein bißchen darauf gefreut. Das einzige Problem waren meine Haare. Ich laufe ja sonst immer mit Mütze rum, weil meine Haare so kaputt sind und ich sowieso größtenteils Haarersatz trage. An dem Tag musste es aber ohne Mütze gehen und ich musste auch einen Teil meiner eigenen Haare benutzen. Das war auch Überwindung für mich. Trotzdem ging es irgendwie und A2 hatte mich dann zum ersten Mal ohne Mütze gesehen. Als er mich abgeholt hat, war irgendetwas anders zwischen uns. Ja, ich habe glaub ich zum ersten Mal etwas gefühlt, denn ich habe mich gefreut und auch im Restaurant nur gestrahlt. Es war eine sehr schöne Atmosphäre. Vielleicht lag es einfach daran, dass wir mehr unter uns waren und es intimer war, weil wir vorher ja immer Menschen um uns herum hatten. Danach habe ich ihm noch meine Wohnung gezeigt. Auch ein wichtiger Schritt für mich. Wir hatten uns noch ein bißchen unterhalten und zum Abschied zum ersten Mal umarmt. Danach habe ich mich gefragt, warum ich solche Zweifel hatte und ich war mir plötzlich sicher, dass er doch der Richtige ist und ich auch niemand anderen mehr will.

Die Woche darauf sind wir zusammen auf eine Insel gefahren, aber da waren meine Gefühle plötzlich wieder weg und alles war wie vorher. Ich habe bis jetzt nicht verstanden, warum das so ist. Ich glaube auch nicht, dass sie weg sind, sondern dass meine Probleme und Ängste so stark sind, dass die Gefühle dabei untergehen. Ja, ich hatte auch Angst vor diesem Ausflug. Mir war morgens sogar ein bißchen übel. Obwohl es eigentlich ganz schön auf der Insel war, hat der Wind dort mich doch ziemlich genervt. Es war ein richtiger Kampf für mich wegen meiner Haare. Ich mag die auch nicht zusammenbinden, weil es mir einfach nicht steht und ich hasse es wie die Pest, wenn das alles hoch und zur Seite weht. Ich musste mich sowas von beherrschen, um nicht laut loszuschreien, wie ich es sonst immer mache. Und der blöde Wind war fast die ganze Zeit. Ich konnte diesen Ausflug überhaupt nicht genießen, aber das lag auch nicht nur am Wind. Es ist mir schon aufgefallen, dass alles, was ich mit A2 unternommen habe, mich irgendwie nicht berührt hat (ausgenommen das Essen im Restaurant). Ich kann mich für nix mehr begeistern, mich nicht richtig freuen, ich fühle mich emotional echt wie abgestorben. Ich weiß auch nicht, warum das so ist. Ich denke, dass es damit zusammenhängt, weil ich mit mir selbst nicht zufrieden bin. Besonders mit meinem Aussehen nicht. Das Einzige, was ich an mir gut finde, sind meine Klamotten. Zwar bin ich auch schlank, aber meine Figur mag ich trotzdem nicht, weil die Proportionen nicht stimmen. Immer wenn ich andere Frauen sehe, finde ich viele so hübsch und komme mir dagegen hässlich und wie eine Witzfigur vor. Ich sehe Menschen, die lachen und glücklich sind und frage mich, warum ich das nicht auch sein kann. Ich habe doch A2. Warum kann ich dafür nicht mal dankbar sein und mich darüber freuen, dass er mich aus meiner Einsamkeit und Isolation rausholt und mit mir so viel unternimmt? Warum kann ich einfach gar nichts mehr fühlen? Alles zieht nur wie ein Film an mir vorüber und ich komme mir manchmal nur noch wie ein Zombie vor. Aber kämpfen tue ich trotzdem und ich war auch froh, als ich den Ausflug hinter mir hatte. Zum Abschied gab es wieder eine Umarmung. Sonst nix.

Heute bzw. gestern hat A2 mich in seine Wohnung zum Essen eingeladen. Ich hatte irgendwie gehofft, dass die Gefühle da vielleicht wiederkommen, aber dem war leider nicht so. Er legt ja schon ein ganz schönes Tempo vor, muss ich sagen. Mir ist es irgendwie schon ein bißchen zuviel, dass wir uns jetzt jede Woche sehen. Andererseits denke ich, dass es falsch wäre, wenn ich mich jetzt wieder zurückziehe. Und ich glaube, dass weiß er auch. Ich habe mir ja vorgenommen zu kämpfen und das tue ich auch, aber ich glaube, dass ich bald an meine Grenzen stoßen werde. Vor allem, weil ich mit meinem Gesicht immer noch nicht zufrieden bin. Das hat mir heute irgendwie auch wieder die Stimmung vermiest und das ist so schade. Ich war wieder genauso emotionslos wie oben beschrieben, dabei hat er sich so eine Mühe gegeben und ist so lieb. Ich könnte manchmal echt heulen, weil ich ihm das überhaupt nicht zeigen kann. Ich bin wieder gar nicht aus mir rausgekommen und mit dem Reden wird es auch nicht viel besser, obwohl ich ein paar Mini-Fortschritte sehe. Wir sind uns auch nicht näher gekommen. Und obwohl ich mir das wünsche, geht es irgendwie nicht. Er wird sich auch gar nicht an mich ran trauen und dass ich den ersten Schritt mache, ist noch unwahrscheinlicher. Er sagt, dass wir Freunde sind. Was soll ich davon jetzt halten? Heißt das, dass er auch gar nicht mehr will? Merkt er, dass ich noch nicht soweit bin? Eigentlich macht er wirklich alles richtig. Jemand anders hätte nie soviel Geduld mit mir und würde sich 7 Mal mit mir treffen, ohne dass da was läuft. Ich bin auch einfach viel zu passiv. Ich habe mir vorgenommen, ihn bald auch zu mir zum Essen einzuladen und vielleicht schaffe ich es dann, dass wir uns näherkommen. Aber ich weiß nicht, ob ich das kann. Ob ich Nähe überhaupt noch zulassen kann. Aber vielleicht ist es gerade das, was mir fehlt um glücklich zu sein. Ich glaube, das es so ist. Und ich weiß nicht, ob ich da jemals hinkommen werde. Aber ich will es...

 

03.08.2015 um 23:10 Uhr

Die Gesichts-Op

Hab die Gesichts-Op hinter mir. Oh mann, war das ein krasser Tag! Bin morgens um 9 Uhr losgefahren und war erst abends um halb 10 wieder zuhause. Liegt aber auch daran, dass ich da gute 2,5 Stunden hinfahren muss, weil bei mir in der Umgebung niemand Gesichtsimplantate macht. Die Hinfahrt war schon schlimm, weil ich ungeschminkt sein musste und auf einer Zugfahrt musste ich auch noch stehen, weil der Zug total überfüllt war. Kann das ja wegen meiner sozialen Phobie ohnehin nicht so ab, so viele Leute um mich zu haben. Hab es aber noch einigermaßen ausgehalten.

Die Op ging dann kurz nach 13 Uhr los. Ich habe eine Vollnarkose bekommen und von der Op gar nix mitgekriegt. Zum Glück! Ist aber schon komisch, wenn man dann aufwacht und sich an nix erinnern kann. Bin dann irgendwann von einer Stimme wachgeworden, die mir gesagt hat, dass die Op gut verlaufen ist. Ich war noch total müde und weggetreten und hab mich auch noch blamiert, weil ich mich aus dem Bett gelehnt habe, um was in meiner Tasche zu suchen und dabei erwischt wurde. Hatte auch einen Verband um, der auch noch verrutscht ist. Habe mir mein Gesicht dann heimlich im Spiegel angeguckt und erstmal einen Schock bekommen, weil das total ungleichmäßig aussah und es war auch alles ziemlich doll geschwollen. Hatte es nachher nochmal angeguckt, da sah es aber gleichmäßiger aus. Der Arzt hat auch gesagt, dass meine Kieferknochen anatomisch total verschieden waren und ob ich da mal nen Unfall hatte. Hatte ich aber nicht. Warum das so ist, verstehe ich auch nicht, weil mein Gesicht früher auch nicht so asymmetrisch war. Der Arzt hat gesagt, er musste das Implantat an der einen Seite etwas anders setzen und das es wohl trotzdem nicht so ganz gleichmäßig sein wird. Er hatte vor der Op auch gesagt, dass ich echt ein dünnes Gesicht habe. Dass ich unter meinem Gesicht so gelitten habe, war also nicht unbegründet. Ich hoffe nur, dass ich mit dem Endergebnis dann zufrieden bin. das wird man dann ja wohl erst einige Zeit später sehen. Ich muss auch noch eine Woche den Verband tragen und nächste Woche nochmal zur Nachbehandlung.

Der Rückweg war echt übel, weil ich mit dem Verband im Gesicht unter die Leute musste. Hab da so gut es ging, Haare vorgemacht und mir irgendwie eine Hand davor gehalten. Das sah natürlich auch komisch aus, aber sonst wäre mir das echt zu peinlich gewesen. Eigentlich hätte man ja von jemandem abgeholt werden sollen, aber meine Eltern mochte ich nicht fragen und sonst habe ich niemanden. Da der Bahnhof aber nur 10 Minuten entfernt war, ging das alles noch und im Zug hat mich eh niemand großartig gesehen. Ich war sowas von froh, als ich endlich wieder zuhause war. Mein Hals fühlt sich ganz wund und trocken an und meine Stimme ist auch noch ein bißchen kratzig, weil ich wohl so einen Beatmungsschlauch im Hals hatte. Schmerzen habe ich aber zum Glück keine. Ist nur alles noch ziemlich geschwollen und der Verband quetscht ziemlich. Das soll aber wohl so sein, damit die Implantate da gut angedrückt werden. Oh mann, sowas mache ich auf jeden Fall nie wieder. Ist schon alles nicht ohne, aber musste einfach sein. Ich hätte das echt nicht länger ausgehalten mit dem deformierten Gesicht. Ich war nur noch frustriert, depri und manchmal sogar schon aggressiv deswegen gewesen, so sehr habe ich das gehasst. Ich hoffe, die ganze Tortur hat sich gelohnt und ich bin soweit zufrieden, dass ich damit leben kann.

A2 habe ich nix davon erzählt. Wir haben ja nun schon seit 4 Monaten Kontakt und schreiben immer noch täglich. Aber von meinen speziellen Problemen kann ich ihm einfach nix erzählen. Und ich glaube auch, dass das ein Manko, wenn nicht gar ein Fehler ist. Ich weiß nun auch, dass mir der Kontakt zu ihm nicht tiefgründig genug ist. Wir schreiben auch viel Blödsinn und ich weiß nicht, ob ich mich ernsthaft mit ihm über Probleme unterhalten kann. Da fehlt mir wirklich oft das Einfühlungsvermögen von A1, denn ihm konnte ich auch immer alles anvertrauen. so ganz habe ich wohl immer noch nicht mit ihm abgeschlossen, denn ich träume manchmal noch von ihm. Und das bringt wieder alles durcheinander. Ein Teil von mir sehnt sich immer noch nach ihm, aber ich glaube nicht, dass es je wieder Kontakt geben wird. Der Bruch mit ihm ist schon 2 Jahre her und wenn dann muss er sich bei melden. Ich kann und darf das jetzt wegen A2 sowieso nicht mehr.

Ich hab A2 nun auch schon einen ganzen Monat nicht mehr gesehen und wenn da überhaupt was an Gefühl war, ist das mittlerweile wieder erloschen. Zwar ist bald ein viertes Treffen geplant, aber ich glaub auch nicht, dass das was an meinen Gefühlen ändern wird. Ich glaub, ich werde mich nie so richtig in ihn verlieben und das belastet mich irgendwie auch. Manchmal fühlt sich das alles nicht richtig an und irgendwie auch nicht echt. Auch wenn ich ihm nix vormache, fühlt es sich trotzdem so an. Er ist auch noch so anhänglich und schreibt so oft und so viel. Eigentlich ist das ja eher ein Grund zur Freude, aber mir ist das manchmal einfach auch zuviel und er gibt mir auch kaum Anlass, ihn zu vermissen. Ich mag ihm das aber auch nicht sagen. Allerdings ist es aber nicht so, wenn wir uns sehen. Dann ist es mir nicht zuviel. Und man kann ja auch nicht nur den schriftlichen Kontakt bewerten, oder? Ich denke trotzdem, dass ich ihm und mir die Chance geben muss, um zu sehen, wohin das real führt. Ich weiß auch, wenn ich ihn eines Tages aufgebe oder verliere, wird mir das wehtun und ich würde es wahrscheinlich hinterher bereuen. Deshalb sollte ich vielleicht noch keine voreiligen Schlüsse ziehen und abwarten, wie sich unser Kontakt weiter entwickelt. Im Leben ist eben nix einfach. Gerade was Beziehungen betrifft. Aber noch ist ja nix entschieden!

 

20.07.2015 um 00:24 Uhr

Das 3. Date

Das dritte Date ist nun auch schon wieder 2 Wochen her. Es war wieder ganz anders als das 2. Date und als ich ihn wiedergesehen hab, war ich irgendwie auch nervös. Wir hatten einen Tagesausflug geplant und haben insgesamt 9 Stunden zusammen verbracht. Ich hatte natürlich wieder Angst davor und konnte die Nacht davor überhaupt nicht schlafen. Aber meine Angst war wie immer unbegründet. Bis auf ein dummes Missgeschick von mir war alles super. Nur bin ich wieder nicht so richtig aus mir raus gekommen und habe wie immer viel zu wenig gesagt. Auch wenn es ihn wohl nicht stört, bin ich damit ganz und gar nicht zufrieden. Ich weiß auch nicht, wieso ich den Mund manchmal nicht aufbekomme. Ich komm mir dann immer richtig blöd und unbeholfen vor. Da muss ich echt noch dran arbeiten.

Verliebt habe ich mich immer noch nicht...oder das heißt vielleicht ein kleines Bißchen. Ich kann es noch nicht so richtig einordnen, aber das hat sich schon richtig angefühlt mit ihm. Wir saßen auch mal ein bißchen näher zusammen und ich fand es auch schön. Trotzdem kann ich die Zweisamkeit irgendwie nicht richtig genießen. Es liegt wohl auch daran, dass ich mich in meiner Haut so gar nicht mehr wohlfühlen kann. Die Treffen mit ihm sind schon eine Herausforderung für mich, obwohl das ja bisher alles nur platonisch ist. Erst wenn wir uns näherkommen würden, wird es für mich wirklich schwierig werden. Aber ich weiß nicht, ob das überhaupt passieren wird. Und obwohl ich es mir doch eigentlich wünsche, kann ich es mir nicht so richtig vorstellen. Irgendwie habe ich das alles immer noch nicht richtig realisiert. Ich weiß auch nicht, was er an mir findet. Ich werde es auch nicht hinterfragen, weil ich es sowieso nicht verstehen werde.

Eigentlich sollte ich mich doch darüber freuen und glücklich sein, aber das bin ich nicht. Vielleicht war ich einfach zu lange alleine, um mich wieder richtig auf jemanden einlassen zu können. Wie gesagt, vom Kopf her fühlt sich ja alles richtig an, aber ich fühle einfach nichts. Ok, beim letzten Treffen war es ja immerhin mehr als beim 2. Date, aber unterm Strich auch nur minimal. Und sobald wir wieder schreiben und uns nicht sehen, ist wieder alles komplett weg. Und dann kommen wieder die Zweifel. Manchmal glaube ich, es wäre anders gewesen, wenn ich A.(1) davor nicht kennengelernt hätte. Da war das Gefühl einfach so da, ohne dass ich es wollte und ich habe verzweifelt versucht, es wieder loszuwerden. Und jetzt fehlt es an anderer Stelle. Das ist so bescheuert. Ich fühle mich manchmal als wäre ich emotional abgestorben, weil ich mich auch auf nix mehr freuen kann oder nichts mehr richtig genießen kann. Ich bin eigentlich nur noch unzufrieden mit mir und meinem Leben. Klingt nicht gut, ist es auch nicht.

Ich weiß auch nicht, wie das alles weitergehen soll. Aber ich weiß, dass das Leiden wegen meines Äußeren da auf jeden Fall mit Schuld dran ist. Mein Termin war aber immerhin erfolgreich und in zwei Wochen habe ich schon den Op-Termin und es wird endlich was an meinem Gesicht gemacht. Ich befürchte nur, dass das noch nicht reichen wird und ich danach immer noch nicht zufrieden bin. Eigentlich braucht mein Gesicht eine Generalüberholung. Sieht alles nur noch zum Kotzen aus. Hätte nie gedacht, dass man mit Mitte 30 schon so schlimm aussehen kann. Liegt wohl auch an miesen Genen oder ich habe einfach Pech gehabt. Naja etwas Besserung wird die Op ja hoffentlich bringen. Mir wird schon ganz schlecht, wenn ich daran denke. Das wird auch wieder alles sehr unangenehm für mich werden. Aber da muss ich durch. Trotzdem bin ich froh, wenn ich das hinter mir habe und ich hoffe wirklich, dass es mir danach etwas besser bezüglich meines Aussehens geht. Ich quäle mich da ja nur noch mit. Manchmal wäre ich echt lieber tot, nur damit diese Qual damit endlich ein Ende hat. Aber das ist natürlich Quatsch und auch keine Lösung. Ich werde das schon irgendwie wieder hinkriegen, egal wie lange es dauert.

Wie es mit A2 weitergehen wird, wird sich zeigen. Ich denke, es wird noch viel Zeit brauchen, wenn es gefühlsmäßig in dem Tempo weitergeht. Manchmal habe ich auch Angst, dass er irgendwann nichts mehr von mir wissen will, auch wenn ja eigentlich komplett das Gegenteil der Fall ist. Aber ich kann es einfach nicht glauben und nicht verstehen. Und ich weiß auch, dass ich ein großes Problem mit mir selbst habe. Da noch nie jemand ernsthaft an mir interessiert war, ist mir das nicht so aufgefallen. Aber jetzt merke ich doch, dass da etwas nicht stimmt. Und das gefällt mir nicht, denn das sollte nicht so sein. Ich dachte, ich wäre weiter, aber wahrscheinlich werde ich mich selbst nie richtig akzeptieren können...