Barrikaden des Lebens

21.07.2010 um 22:45 Uhr

Warten

von: futureless81   Kategorie: Liebe

Warten...ich muss wieder warten. Fragt sich nur auf was. Auf eine weitere Enttäuschung oder vielleicht doch auf die alles entscheidende Wende in meinem trostlosen Leben? Mann Nr.4 ist bisher noch nicht wieder online gewesen. Möglicherweise hat er sich ja auch rein zufällig dafür entschieden, sich auf dieser Single-Seite gar nicht mehr einzuloggen. Die Seite ist nämlich scheiße und ich hab da in den vergangenen Jahren nicht ein Mal jemanden kennengelernt, der mich wirklich interessiert hat. Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.

Jedenfalls ist er da auch erst seit letztem Monat angemeldet. Von zu spät kommen kann da diesmal nicht die Rede sein. Aber irgendwie habe ich schon jetzt das Gefühl, dass wieder nix draus wird. Nachts konnte ich nicht schlafen. War irgendwie aufgewühlt und von Emotionen überwältigt, die ich die letzten Monate hübsch im tiefsten Winkel meiner Seele eingekerkert habe. Trotzdem waren es gute Gefühle, auch wenn sie einen vor Sehnsucht halb eingehen lassen. Ich bin schon viel zu lange allein, dass ich es manchmal gar nicht mehr aushalten kann, weil ich mir so sehr Zweisamkeit wünsche. Vor allem die Art von Zweisamkeit, die ich bei meinem Ex nie erlebt habe. Er zählte ja doch eher zu den unsensiblen und gefühlslosen Klötzen. Eine erfüllte und glückliche Liebe habe ich in meinem Leben bisher noch nie erfahren und ich frage mich auch, ob ich das überhaupt aushalten könnte.

Aushalten deswegen, weil mir überhaupt noch nie Liebe entgegengebracht oder geschenkt wurde. Von meinen Eltern bin ich nie geliebt worden...eher das Gegenteil. Meine Eltern sind nicht fähig, irgendwelche Emotionen dieser Art zu zeigen. Die sind nicht mal fähig Verständnis oder Mitleid aufzubringen. Und immer wieder machen sie mich kaputt mit ihrem Scheiß-Verhalten. Es wird wirklich Zeit, dass ich da endlich rauskomme. Ich merke erst jetzt so richtig, dass sie in den meisten Fällen der Auslöser für meine Depressionen und mein geringes Selbstwertgefühl waren und immer noch sind. Wahrscheinlich merken sie es nicht mal, aber sie machen mich systematisch kaputt.

Aber im Gegensatz zu damals ist mir das jetzt nur allzu gut bewusst und anstatt, dass ich mich deshalb wieder selbst hasse und fertigmache, tu ich genau das Gegenteil. Nämlich sie hassen. Ich hab mir auch geschworen, nie so kalt und herzlos zu werden wie sie. Aber dennoch war ich schon drauf und dran, ganz genau so zu werden. Vielleicht nicht herzlos, aber kalt und gefühllos allemal. Wahrscheinlich wird man auch so, wenn man immer wieder verletzt und wie der letzte Dreck behandelt wird. Dann muss man sich eine Eisenrüstung zulegen, an der alles und jeder abprallt. Und nur ein Mensch, der wirklich zu lieben fähig ist, wird diese Rüstung noch sprengen können.

Nur manchmal glaube ich einfach, dass ich überhaupt keine Liebe mehr ertragen kann. Dass sie zu warm für mich ist und ich daran verbrenne. Wenn ich Gefühle zulasse, dann kommt mir das vor, als würde in mir ein Wirbelsturm toben und alles durcheinanderbringen. Und dann fühle ich mich wieder schwach...richtig schwach. Manchmal machen mich zuviel dieser schönen Gefühle und Worte auch tatsächlich melancholisch, wenn nicht gar depressiv. Davor habe ich immer am Meisten Angst, auch wenn ich nicht mal verstehe, wieso mich etwas Positives dann runterzieht. Ist es, weil ich es nicht gewöhnt bin oder weil ich es einfach nicht glauben kann, dass mir diese Gefühle und Emotionen gelten? Oder will ich es vielleicht gar nicht zulassen, weil die Angst verletzt zu werden, sich damit sofort automatisch wieder einstellt?

Doch das Letzte, was ich will, ist bis an mein Lebensende einsam und allein zu bleiben. Ich will es anders machen als meine Eltern und all die Verwandten, die ebenfalls zu keiner Bindung fähig sind oder es nicht mal wollen. Ich weiß, dass schon alle von mir denken, dass ich sowieso nie nen Mann abkriegen werde und ich will nicht, dass sich das auch noch bestätigt. Während der letzten Jahre war das noch nicht so schlimm, allein zu sein, aber wenn man ein gewisses Alter erreicht, merkt man doch, dass einem die Zeit davonläuft und wieviel man schon verpasst hat. Dann kann niemand mehr sagen "Du bist doch noch jung und das kommt schon noch". Vieles kam in meinem Leben schon nicht mehr, aber auf Liebe kann und will ich nicht verzichten müssen. Wenn ich doch nur ein Mal Glück hätte...

Aber dann sind da ja auch noch meine ganzen Probleme. Und so sehr ich es mir auch wünsche, dass der Richtige kommt und sagt "Wir schaffen das gemeinsam", desto weniger glaube ich daran. Und das ist das Traurige daran. Dass die Meisten scheinbar einen Partner mit möglichst wenigen bis gar keinen Problemen erwarten. Dabei bestehe ich auch nicht nur aus Problemen. Man(n) kann mit mir über tausend Sachen reden und so Vieles teilen. Aber diese Tiefgründigkeit scheint den meisten Menschen heutzutage schon abhanden gekommen zu sein. Es wird nur noch darauf geachtet, ob das Äußere was hermacht und man nicht allzu sehr geschädigt ist (wie Männer es immer ausdrücken: Mit beiden Beinen fest im Leben stehen) und möglichst noch unabhängig ist. Aber es gibt noch so viel mehr und ich hab nur sehr selten erlebt, dass jemand überhaupt noch tiefer graben will, um die wirklichen Schätze zu ergründen. Es ist wie mit einer versunkenen Stadt. Sie existiert und niemand sieht sie. Und genauso fühle ich mich oft: unerforscht, nicht gesehen, in mir selbst versunken.

Und genau nach diesem Menschen suche ich. Der, der diese versunkene Stadt findet und mit mir gemeinsam wieder an die Oberfläche bringt, damit sie wieder richtig existieren kann und nicht irgendwann zerfällt, weil sie der Zeit nicht mehr standhält. Deshalb Mann Nr.4, erlöse mich bitte von allem Bösen und vor allem vom Warten!!!

23.02.2009 um 22:22 Uhr

Warum verliebt man sich?

von: futureless81   Kategorie: Liebe

Die letzte Woche des Monats. Ich bin wieder raus aus dem schwarzen Loch. Fürs Erste zumindest. Samstag war meine Laune fast das komplette Gegenteil im Gegensatz zu Freitag. Schon komisch, was das manchmal für ein Riesenunterschied ist. Naja, ich hatte auch hilfreiche Ablenkung...

Hab mal wieder jemand im Internet kennengelernt, mit dem ich mich ganz gut verstanden habe. Als die Frage nach Arbeit kam, hab ich das ein bißchen abgeblockt und es kam dann auch nicht mehr zur Sprache. Warum soll ich mich dafür auch rechtfertigen? Ist ja schließlich mein Problem und das brauch niemanden zu interessieren. So weit, so gut.

Samstagabend war ich jedenfalls bester Laune; nicht zuletzt durch den Einfluss von Alkohol. Schließlich hab ich dann sogar mit dem Typen gechattet und zwar bis nachts halb 2. Für mich war es aber nur aus Spaß und der Ablenkung wegen. Außerdem tut mir ein bißchen Kontakt gut. Im Moment scheint's ja echt leichter zu sein, Kontakte zu knüpfen. Sogar trotz aller Probleme. Ist ja schon der zweite, mit dem ich diesen Monat chatte. Letztes Jahr war ich da wesentlich schlechter dran!

Aber wie gesagt, ich habe kein Interesse an demjenigen. Er ist zwar nett und man kann sich mit ihm einigermaßen unterhalten, aber mehr ist da auch nicht und wird da auch nie sein. Nach dem Chat Samstag war ich eigentlich auch ganz entspannt. Dachte, ich könnte dann auch gut schlafen, aber dem war überhaupt nicht so. Ohne dass ich es wollte, drängte sich Jan wieder in mein Bewusstsein. Es war ganz komisch. Da war so ein Schmerz, als ob man plötzlich Magenkrämpfe oder sowas hat. Und wahrscheinlich war das wieder mal ein Zeichen, dass es falsch ist, ihn zu vergessen. Aber das tu ich ja eh nicht...

Problem ist jetzt natürlich, wie ich mich dem anderen Typen gegenüber verhalte. Scheiße, ich will doch niemandem Hoffnungen machen, die ich gar nicht erfüllen kann. Ich verspreche ja auch nix, aber jeder interpretiert da gleich was rein. Ich will mich einfach nur unterhalten und das werde ich auch weiterhin machen, solange es eben geht. Ich kann mich einfach nicht neu verlieben und ich weiß auch nicht, warum das so ist.

Wenn ich mich zurückerinnere, war ich in meinem bisherigen Leben auch nicht gerade oft ernsthaft verliebt. In den meisten Fällen stellte es sich hinterher nur als Schwärmerei heraus und derjenige war bald wieder vergessen. Richtig schlimm verliebt war ich glaub ich keine 5 Mal und da war's eh immer einseitig und unglücklich verliebt. Nicht mal meinen Exfreund hatte ich richtig geliebt. Das hab ich mir immer eingeredet, aber die großen Gefühle waren's im Endeffekt nicht. So schlimm wie bei Jan jetzt hab ich das noch nie erlebt und schon gar nicht hat dieser Zustand bisher solange angedauert...

Aber warum verliebt man sich überhaupt in jemanden? Was ist der ausschlaggebende Grund dafür? Warum ist das bei einigen Menschen so leicht und bei anderen würde es in 1000 Jahren nicht funktionieren? Verliebt man sich, weil...

  • der Andere einem optisch so gut gefällt?
  • man auf einer Wellenlänge liegt und die Chemie einfach stimmt?
  • man viel Gemeinsamkeiten hat?
  • der Andere einen emotional mit Worten berühren kann?
  • man sich auf den Anderen verlassen kann und ihm vertrauen kann?
  • er besondere Eigenschaften hat?
  • er einem das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein? (aber das ist ja meistens gar nicht der Fall)
  • er eben unerreichbar für einen ist?
  • man sich mit demjenigen schon vorher eine Zukunft vorstellen kann und davon träumen kann?
  • derjenige zu einem steht und in schlechten Zeiten da ist?
  • man Dinge tut, die man sonst nicht tun würde?

Was genau löst das Gefühl "Verliebt zu sein" eigentlich aus? Bei mir selbst habe ich nur festgestellt, dass das Gefühl schon ganz am Anfang da sein muss, wenn man jemanden kennenlernt. Noch nicht in Form von Verliebtsein aber in Form von ganz starker Sympathie. Auf Dauer würde sich da bei mir sonst absolut nix tun. Ich glaube zwar schon, dass das möglich ist, aber erlebt hab ich's noch nicht. Ich hab immer vorher schon ein Gespür dafür...

Hmm...die Optik spielt auf jeden Fall auch eine große Rolle. Wenn man jemanden total anziehend findet, kommt das Interesse ganz von selbst. Ich will damit aber nicht sagen, dass Aussehen alles ist. Es gibt genug Menschen, die toll aussehen, aber sonst leider vollkommen charakterlos sind. Davon lasse ich mich nicht blenden. Die Charaktereigenschaften sind wohl auch mit das Ausschlaggebendste. Ich hab auch lange gebraucht, um zu wissen, welche Eigenschaften ein Mann da mit sich bringen muss. Ganz klar: Er muss viel Humor haben, schlagfertig sein, nett und höflich sein, kreativ sein (also abwechslungsreich), lieb aber auch frech, geduldig, verständnisvoll, durchgeknallt und vor allem emotional. Die Liste kann man bestimmt noch erweitern. Aber so jemanden muss man erstmal finden. Das hab ich jedenfalls schon alles rausgefunden!

Und Jan hatte die meisten dieser Eigenschaften. Er war sehr facettenreich. Zuerst hielt ich ihn nur für lieb, nett und anständig. Aber gefallen hat er mir trotzdem schon. Dann durfte ich noch die emotionale Seite kennenlernen und diese tolle durchgeknallte Seite. Als ich ihn dann gesehen habe, kam da noch mehr zum Vorschein. Noch mehr, was mich dann auch noch fasziniert hat. Aber das Beste von allem war ja, wie gut wir uns verstanden haben und wie er es geschafft hat, dass ich all meine Ängste überwinden konnte. Schon allein deswegen ist er für mich ja eine Art Schlüsselfigur geworden.

Tja, aber den Schlüssel habe ich verloren und so bleibe ich eingesperrt. Angekettet an ein Verliebtsein mit Gefühlen, die ich nicht leben kann. Ich bezweifle, dass da nochmal jemand kommen wird, der mich NOCH mehr fasziniert als er. Ich werde es ja sehen und ansonsten bleibe ich bei meinem Plan und versuche es nochmal. Warum muss bloß alles so kompliziert sein???