später bügelgrundkurs, früher gintonic

16.05.2018 um 21:07 Uhr

Vieles haben in kurzen Tagen

von: stellu

 

Folgendes hatte ich seit dem letzten Eintrag:

  • Tierisch Schiss vor einem Date mit dem Normalen Mann und wollte es bis zur letzten Sekunde absagen
  • Geburtstag
  • regen Schriftverkehr und Telefonate mit dem Normalen Mann 
  • ein tatsächliches, echtes mega schönes Date mit dem Normalen Mann, der nicht nur lustig und insgesamt angenehm ist,  sondern auch so gut riecht  (ich verarbeite es noch - )
  • Zeit mit echten Freunden
  • eine exzessive Geburtstagsfeier, auf der der nette Nachbar mein Leben rettete, mich sicher nach hause brachte, sich um die Rechnung kümmerte und überhaupt ein Gentleman war
  • einen unfassbaren Kater am nächsten Tag und Schamgefühle angesichts des blackouts (ich bin ja definitiv zu alt für so was...unglaublich)
  • ein ausstehendes baldiges zweites Date mit dem Normalen Mann, dass schon wieder Panikattacken hervorruft (die Gründe dafür verarbeite ich auch noch -)
  • ein paar Tage am Stück ein Zusatzkind im Haus (ähnlich temperamentvoll wie David), weil die Eltern einen familiären Notfall hatten
  • diverse Glücksmomente
  • diverse Momente des Realisierens dessens was so passiert ist in den letzten Jahren und meinen Anteil daran
  • Gedanken, ob ich nicht einfach mal ein Sabbatical machen sollte oder mich gleich selbstständig (wenns ja weiter nichts ist als diese kleinen Entscheidungen..)
  • Gefühl des Gefangensein zwischen Trauer, Verlust und nicht loslassen können, verunsichert sein, so klein geworden sein und ersten Ansätzen von Neugier, Lebenslust und Freude auf das, was vor mir liegt

Joa, denke ich mir, nicht schlecht. Und weiter gehts.

 

 

05.05.2018 um 10:23 Uhr

Kreuzchen und Sternchen : Bitte ein Zusatzspiel

von: stellu

 

Jetzt will ich mal wieder Lotto spielen. Das Schweizer Lotto ist natürlich genauso schwachsinnig wie das deutsche, aber wenn ich schon einen Wohnsitz in der Schweiz habe und hier nur vergleichsweise 10 % der Menschen leben, dann rechnet sich mein unmathematisches Hirn gleich Riesenchancen aus. Ueberhaupt komme ich nur auf die Idee, weil ich so traurig bin wieder mal wegen Davids Vater und meinem jetzigen Leben. Im Selbstmitleid versinkend versuche ich logisch zu denken: so viel Pech in der Liebe, da muss ich ja beim Spiel siegen.

Also steuere ich mit David auf der Fahrt nach hause einen kleinen Kiosk an. Die mittelalte Frau dahinter ignoriert mich und spricht in einer osteuropäischen Sprache mit einer anderen Kundin vor mir. Das geht länger so. Mir scheint es, als würden beide Frauen permanent gleichzeitig reden. Kein Wunder dauert es so lange, wenn keine der Anderen zuhört. Dann wendet sich die Kioskfrau endlich an mich und ich wedle mit ein paar Lottoblättern, die ich aus der Halterung genommen habe und frage: "Können Sie mir nochmal erklären, wie das genau funktioniert?" Sie hat ein nettes, freundliches Lächeln und sagt: "Die Zettel, die Sie da haben, die sind für Gruppen. Sind sie eine Gruppe? Oder wollen sie alleine spielen?" Definitiv keine Gruppe, erkläre ich. Sie sagt: "Ich komme gleich zu Ihnen...dann erkläre ich es genauer."

   Dann spricht sie weiter mit der anderen Frau, genauso schnell und gleichzeitig wie zuvor. David und ich stehen etwas unschlüssig herum. Ich überlege mir, ob ich sauer werden soll oder einfach gehen soll..werde ich jetzt schon für alle unsichtbar? Selbst an einem Kiosk schenkt man mir als Kundin keine Beachtung? Ganz offensichtlich bin ich in keiner guten emotionalen Verfassung, wenn ich über solche Dinge nachdenke.

Jetzt kommt die Kioskfrau zu mir, reicht mir die richtigen Zettel und fängt an zu reden: " Also, hier machen sie bei den Zahlen mindestens 5 Kreuzchen, dann bei den Sternen mindestens zwei. Sie können so viele Spiele spielen, wie Sie wollen. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie habe warten lassen. Unten sind noch Zusatzspiele, wenn sie die spielen wollen, dann müssen sie da jeweils noch ein Kreuzchen machen." Und dann fängt sie ganz plötzlich an zu weinen, ein halb abgequetschtes Schluchzen und dann lauter Tränen. David und ich schauen sie erschrocken an. "Es tut mir so leid", sagt sie wieder, " aber das war meine beste Freundin, und sie geht jetzt nach Singapur.  Wir sind vor 20 Jahren im gleichen Bus in die Schweiz gekommen.  Auf der Fahrt haben wir uns kennen gelernt. Seit dem ist so viel passiert, wir haben immer zueinander gehalten, auch wenn mal schwierige Zeiten waren." Ich bitte sie aufzuhören zu weinen und sage: "Bitte weinen Sie nicht, sonst muss ich auch weinen." Wir lachen beide ein bisschen dazu, aber es stimmt und ich habe schon einen fetten Kloss und Tränen in den Augen, beides schlucke ich schnell runter. Wir unterhalten uns noch ein bisschen und ich erfahre, dass ihre Freundin schon lange mit einem Banker verheiratet ist und deswegen jetzt umziehen muss. Ich sage Dinge wie, dass Singapur nicht aus der Welt ist, bestimmt eine Reise wert und bla bla bla. Keine Ahnung, ob auch die Kioskfrau einen Banker gefunden hat, der ihr Singapurreisen finanzieren kann (vielleicht verdient man auch genug an oder mit einem Schweizer Kiosk) oder ob irgendwas von dem, was ich da floskelhaft von mir gebe, stimmt. Ich verstehe sie aber so gut. Abschiede sind einfach Sch..... Es ist nie schön, wenn ein geliebter Mensch aus dem eigenen Leben verschwindet. Abschiede gehören dazu, ja, aber das macht es lange nicht gut. Und ich mag die Sätze mit den Türen, die sich schliessen müssen,  damit andere sich öffnen können, den Anfängen und all dem angeblichen Zauber und den chinesischen (oder waren es japanische?) Schriftzeichen, bei denen Krise auch gleichzeitig Chance bedeutet UEBERHAUPT nicht mehr hören. 

David und ich verabschieden uns nach dem Gespräch und ich verspreche ihr, dass ich sie nochmal am Kiosk besuchen komme. David sagt im Auto zu mir: "Mama, ihr habt so nett geredet...ich habe gedacht sie ist wie eine alte Freundin." Gut beobachtet. Vermutlich erkennen sich untereinander die, die gerade an einem Verlust leiden. Nur, dass es bei mir schon so lange ist und ich will jetzt Frühling und Sommer. Und nette Verabredungen und nicht mehr traurig sein. Und David glücklich sehen. Das im Lotto gewinnen, das muss dann auch nicht sein. Den Tausch mache ich gerne.      

04.05.2018 um 20:07 Uhr

Konfliktlösungsstrategien von einem fast 9jährigen, das Allgäu und die Männer

von: stellu

 

Wir waren in einem wunderschönen Hotel im Allgäu mit Freunden Geburtstag feiern - ein ganzes verlängertes Wochenende. Selbst dort gelang es uns innerhalb der ersten 12 Stunden Anwesenheit vor Ort unangenehm aufzufallen.

David schlägt mit einem Backstein eine Scheibe ein, weil er die Tür hinter dem Gebäude nicht öffnen kann und innerhalb von zwei Minuten davon ausgeht, dass ich ihn in der Wildnis Bayerns vergessen und zurückgelassen habe. Das ist in mehrfacher Hinsicht fatal, weil ich ihn natürlich nicht vergessen habe, die Tür vom Gebäude auf der Vorderseite problemlos zu öffnen gewesen wäre,  die eingeschlagene Scheibe Teil einer alten, hübsch restaurierten Tür ist, und natürlich  alle Leute sich fragen, was ich sonst mit diesem armen Kind veranstalte, dass es gleich so in Panik geraten muss. Unterm Strich eine weitere Geschichte, die ich mal seiner ersten Freundin erzählen kann und über die man irgendwann lacht.  Leider stellt sich so auch die Frage, warum Davids Vater die Haftpflicht nicht weiter bezahlt hat und warum wir möglicherweise gar keine mehr haben für David ?

Diese Sorgen werden mit viel Wein runtergespült. Wir sitzen in der Sonne, reden, faulenzen, lachen, packen alte Geschichten aus, vertrauen uns neue an. Eine von uns wechselt den Job, die andere den Mann, die dritte ist gerade ganz unzufrieden zuhause mit zwei kleinen Kindern. Die anwesenden Männer wirken ein bisschen verloren, sie halten sich an Bierflaschen fest, lachen laut, aber merken selbst, dass es schwierig ist hier noch mitzukommen. Lara will jetzt Shotokan-Karate lernen, macht einen Handlettering- Kurs (wann ist das eigentlich so ein Ding geworden?) und hat sich und Thomas eine sexfreie Zeit verordnet. Bewusst. Sie wirkt im Gegensatz zu Thomas sehr zufrieden mit dieser Entscheidung für sechs Monate. Thomas versucht offensichtlich verlegen über die Stimme seiner Frau hinwegzuhören, während er mit Opa Gerhard, mittlerweile 90 Jahre alt und dem Freund vom Geburtstagskind (die auch meine beste Freundin ist und ausserdem Enkelkind von Opa Gerhard), über deutsche Einwanderungspolitik spricht.  Ich flüstere mit Lara: "Aber echt jetzt...? Handlettering? Karate? Kein Sex? ist das sowas wie eine Midlife-Crisis? Was ist los?" Lara lächelt milde: "Ich will einmal in einem Leben länger keinen Sex haben. Immer hatte ich Sex, das ist mir kürzlich aufgefallen. Sei es in einer Beziehung oder ausserhalb. Es wäre doch echt spannend, mal zu schauen, was dann passiert. Danach haben wir bestimmt wieder Bombensex. Ausserdem habe ich Lust auf neues...will wieder was lernen. Ich mach dann auch eine schöne Handlettering Karte für dich..." Wir lachen beide.  "Ja, ne Karte, auf der du mir wenigstens mal wieder Sex wünschst..Ich habe nämlich im Gegensatz zu dir gerade unfreiwillig keinen."

Sie denkt praktisch: "Mach doch nochmal einen Ausrutscher mit dem einen Nachbarn..." Tatsächlich war das ein Ausrutscher und ich gedenke nicht, das zu wiederholen. Jemand aus dem gleichen Haus für sexuelle Abenteuer ist ja fast so schlimm- wenn nicht noch schlimmer- wie jemand bei der Arbeit. Und mit dem Nachbarn hat es sich jetzt endlich nach ein paar anstrengenden Monaten wieder auf ein normal freundliches Level eingependelt, gelegentlich ein Glässchen, Whatsapp Nachrichten, nette Gespräche. Bloss nicht nochmal. 

Wir reden dann noch ziemlich viel Blödsinn im Allgäu und es ist grossartig.  

Alte, echte Freunde sind einfach das Beste, was es gibt. Und ihre Familie in diesem Fall gleich mit dazu. Es geht mir gut, wir haben Spass. Das einzige, was mich ein bisschen traurig stimmt, ist, dass ich der einzige Single bin. Selbst Opa Gerhard hat seine Frau dabei. Alle haben jemanden - neues, altes, egal. Ich habe David und will nicht jammern, denn dieser schnucklige kleine Kerl ist das beste und tollste, was man sich überhaupt nur wünschen kann, aber einen Mann an der Seite zu haben, wäre gelegentlich schon schön. Nach vielen vielen Jahren Beziehung ist alleinsein nicht einfach.

Apropos Männer: Der normale, nette Mann hat jetzt zwischenzeitlich Fotos von mir gesehen, meinen vollen Namen erfahren und wir reden mehr denn je miteinander. Er hat mich gegoogelt und sogar ein youtube Video entdeckt, in dem ich auf einer Veranstaltung einen Vortrag halte. Selbst das hat ihn nicht abgeschreckt. Anständigerweise hat er aber zugegeben, dass er meinem Gequatsche gar nicht richtig zugehört hat . Ich habe ihn natürlich auch gegoogelt und seine demnächst Ex-Frau gleich mit dazu. Eine dieser mega fitten, etwas hart aussehenden Blondinen - sexy, aber eher kühl bis kalt. Bitch-Potential würde meine Freundin Zoe sagen.  Optisch völlig mein Gegenteil - das ist doch was, oder? Wahnsinn, was man im Internet alles rauskriegen kann.  

Dann bin ich auf einer Dienstreise in Mailand, werde nach Karaoke in einer Bar mit Kolleginnen von einem Berliner Agenturheini angequatscht und entscheide mich nicht nett zu reagieren. Wir sind an dem Abend sehr betrunken, ich bin sehr müde und einfach auf Krawall gebürstet. Draussen vor der Tür, als ich ihn endlich in die Flucht schlage, sagt er noch, bevor er rauchend in die italienische Fühlingsnacht verschwindet zu meiner Kollegin: "Oh Mann, die ist ja gemein." Darüber muss ich am nächsten Tag sehr lachen. Auch, als ich in meinem Geldbeutel zwei, in meiner Handtasche drei und in meiner Jackettasche nochmal eine seiner Visitenkarten finde. Auch er war wohl sehr betrunken. Erwäge es mich zu entschuldigen per Mail. Nicht gut fürs Karma. Wobei der Kater am nächsten Tag auch nicht gut war fürs Karma.  Ich muss vernünftiger werden. Bald.

17.04.2018 um 15:13 Uhr

Mit Kanonen auf Spatzen?

von: stellu

Gestern abend war ich mit Mel in Zürich downtown Sushi essen. Es war super lecker und auch praktisch - wir sassen an einem Tisch am Fenster und konnten noch Wagen und einzelne Betrunkene vom "Sechselläuten"- Umzug vorbeiziehen sehen. Was es genau mit diesem Züricher Feiertag Sechselläuten auf sich hat, kann man bei Wikipedia so nachlesen: "ein Feuerbrauch und Frühlingsfest in Zürich.."(...) "Im Mittelpunkt steht der Böögg, ein mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter künstlicher Schneemann, der den Winter symbolisiert.(...)Der Name rührt daher, weil gemäss (...)1525(...)Glocke des Grossmünsters abends um 6 Uhr den für das Sommerhalbjahr gültigen Feierabend verkündete, im Winterhalbjahr war Arbeitschluss abends um 5 Uhr." Also, es gibt Party, weil ab jetzt muss man den ganzen Sommer über theoretisch eine Stunde später Feierabend machen. Die Schweizer freuen sich manchmal über merkwürdige Dinge. Das erwähne ich auch nur, weil Wikipedia gestern am Abend noch öfter gebraucht wurde.

Mel sagt, sie hat Frühlingsgefühle.  Ueblicherweise hat sie eine Vielzahl von Tinderdates -sie tut sich da nicht so schwer wie ich, ist aber auch 10 Jahre jünger - und lässt mich an diesen glücklicherweise in allen farbenfrohen Details im Nachhinein teilhaben. Diese Geschichten rufen in mir eine Mischung aus Faszination und Grauen hervor. In den letzten Wochen denke ich vermehrt dann immer gleich an den netten, normalen Mann und was wäre, wenn der so über mich denken oder reden würde wie Mel über ihre Dates. Horror. Aber egal, gestern erzählt sie also von den üblichen Anwälten, selbstständigen Nachhaltigkeitsexperten und veganen Extremsportlern, mit denen sie essen, trinken oder wahlweise wandern war und mit denen sie in einem Fall sogar Sex hatte. Und all das in den letzten 10 Tagen. Die Frühlingsgefühle attestiert sie sich, weil sie präventiv etwas für ihre Beckenbodenmuskulatur online geshoppt hat: nämlich Liebeskugeln. Alle ihre Freundinnen sagen nämlich, dass das total gesund und gut ist. Jetzt liegen sie noch verpackt bei ihr zuhause, sie hat sie noch nicht ausprobiert, aber denkt, sie testet sie demnächst bei der Hausarbeit. Ich verschlucke mich an meinem Futomaki und versuche ihr zu erklären, dass dies unter anderem einfach ein Sextoy ist und wundere mich, dass meine liebestolle Kollegin Mel hier auf einmal noch keinerlei Erfahrung hat.  Das ältere Paar am Nebentisch unterbricht die eigene Unterhaltung, um sich auf unsere zu konzentrieren.  Mel insistiert, dass das wirklich eigentlich nur eine Gesundheitsmassnahme ist, quasi fast bezahlt von der Krankenkasse. Ich und Wikipedia bringen Wörter ins Spiel wie "Lustkugeln", "Liebesperlen" und "Donnerkugeln". Ich lese noch mehr aus dem Internet vor. Mel wiederholt alles laut und lacht sich kaputt.  Der nette Kellner bringt uns Sake aufs Haus, aussderdem Nachtisch zum testen umsonst: Mochi mit Käsekuchengeschmack.  Unfassbar lecker. Und wir haben immer noch Spass. Die Nachbarn am Tisch neben uns sind nun ebenfalls auf Alkohol umgestiegen. Laut Wiki wird die medizinische Variante "Vaginalkonen" genannt. Mel missversteht das Wort und jetzt haben wir ein neues Superwort kreiert: "Vaginalkanonen". Ab jetzt also Vaginalkanonen. Den Rest des Abends geht es natürlich nur noch um Sex. Mel fragt: "Triffst du dich jetzt wenigstens mit dem netten, normalen Mann mal?" Sie kann nicht glauben, wie sehr ich mich drücken will und auch wie viel Angst ich habe. Was, wenn er mich nicht attraktiv findet? Was, wenn wir alle beide danach einfach nur enttäuscht sind? Ist es nicht netter, es so zu lassen? Mel gibt mich und den netten normalen Mann auf und beschliesst, zu ihrem nächten Date gleich die Vaginalkanonen probeweise mitzunehmen und ich bin ein klitzekleines bisschen neidisch: So easy war es auch vor 10 Jahren nicht, von meinem verklemmten schon etwas ü40 -ICH wollen wir gar nicht reden. 

 Wir kriegen dann noch mehr Sake umsonst und das hilft meinen Grübeleien auf dem Nachhauseweg. Es riecht nach Frühling in der Stadt und Neubeginn liegt irgendwie auch für mich in der Luft. Ich bin das erste Mal seit langem nicht automatisch traurig,wie sonst an irgendeinem Punkt des Nachhauseweges an einem beliebigen Abend, wenn ich anfange an den Mann meines Lebens der letzten 20 Jahre und Vater meines Kindes zu denken. Jetzt denke ich daran, dass ich auch wieder Dates haben will. Und noch viel mehr. Und dass ich zuversichtlich bin, dass irgendwas schönes wieder passieren wird - ob mit dem netten, normalen Mann oder jemand anderem. Aber ohne die Kanonen.

16.04.2018 um 07:27 Uhr

Männer am Morgen auf nüchternen Magen

von: stellu

 

Er will Bilder von mir sehen. Das ist natürlich völlig normal beim online dating, aber abgesehen von einem einzigen Bild, das vermutlich nicht sehr typisch für mich ist, will ich jetzt keines mehr schicken.

Ich bin ja noch neu im online dating Geschäft und hätte mir das nie nie niemals träumen lassen, aber jetzt bin ich da eben doch gelandet. Bisher habe ich nicht viel Erfahrung gesammelt, ich habe mit drei, vier Typen geschrieben. Mit zweien Whatsapp Nachrichten ausgetauscht, die zu nichts führten (ausser, dass der eine der beiden mir sofort dauernd Küsschen schickte und "süsse Träume" und ähnliches wünschte) und nun schreibe ich mit diesem einfach netten Mann, der definitiv aus einer ganz anderen Welt als ich stammt.  Der genau genommen das absolute Gegenteil von mir ist.

Meine anderen "Begegnungen" auf dieser Plattform waren eher erwartungsgemäss abschreckend. Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Ich bin so sensibel, ich bin Bergsteiger, ich bin ganz ordentlich im Haushalt. Ich lege Wert auf stilvolle Kleidung. Ich meditiere. Ich fahre einen gelben Sportwagen. Ich habe in der Mitte des Lebens den wahren Sinn des Lebens entdeckt, während einem drei monatigen Indien-Sabbatical. Ich koche gerne mit frischen selbst gezüchteten Kräutern aus meinem schönen Garten. Die tollste Erfahrung meines Lebens war als ich fünfter wurde beim Iron Man.

Nein, an all dem ist gar nichts schlimm, ich finde es nur irgendwie ganz furchtbar und will diese Männer gar nicht kennen lernen. Es liegt an mir, nicht an ihnen, das weiss ich.

Ich glaube, ich bin einfach nicht für diese Partnerbörsen geschaffen und sollte es vielleicht einfach lieber lassen.

Aber diesen netten, super normalen und recht lustigen Mann, den würde ich schon gerne treffen. Aber nur, wenn er nicht weiter auf Fotos besteht. Oder vielleicht werde ich ein Foto schicken. Oder einfach wieder still und leise von der Plattform verschwinden.