Ein Grobmotoriker bittet zum Tanz...

27.04.2012 um 02:57 Uhr

R.I.P.

Ist es nicht seltsam, wie manche Worte einfach aus der Sprache verschwinden?

- Ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt Opa gesagt habe.

27.04.2012 um 02:53 Uhr

Nackt im Kotzeregen

Es ist nicht, was du sagst
Es ist nur, wie viele zuhören
Du schreibst und du sprichst doch nicht für dich
Die Leute warten nur darauf
Dass du ihnen was verkaufst
Eins ist sicher, sie warten nur auf mich

Ja, das Publikum da draußen
Wartet sabbernd schon im Saal
Auf nen Fick und du weißt wie das geht
Affekte penetrieren
Je billiger, je besser
Desto größer ist der Haufen, der da steht

Das ist Popkultur
Darin verkommen alle
Das ist unsäglich dumm und widerlich
Es ist nicht, was du sagst
Es ist nur, wie viele zuhören
Sie warten schon, sie warten nur auf dich

Wenn du mir etwas erzählst
Ich es dann nicht gleich begreife
Voten wir den Wahnsinn aus der Welt
Wir haben keine Zeit
Uns mit Fragen aufzuhalten
Das Publikum da draußen frisst und bellt

Jeder noch so große Einfall
Bis zur Blödheit destilliert
Anders passt es nicht in meinen Fernsehkopf
Auch du kannst dich nicht retten
Leute, guckt euch doch mal um
Jeder Geist verkocht im gleichen Topf

 Das ist Popkultur
Darin verkommen alle
Das ist unsäglich dumm und widerlich
Es ist nicht, was du sagst
Es ist nur, wie viele zuhören
Sie warten schon, sie warten nur auf dich

Infotainmentfressen brechen jeden Sachverhalt
Quotentauglich runter nur für dich
Sie brechen fröhlich runter, wir stehn nackt im Kotzeregen
Das ist menschenverachtend widerlich

27.07.2011 um 22:20 Uhr

Sklave auf den Spannungsfeldern

Lückenlose Leben mit Pferd, Schwert und Rüstung
Spucken Lügen von oben hinab über die Brüstung
Hände drücken, Stifte zücken, schneller als ein Schatten
Kinder meuchelmorden statt zu leben mit den Ratten

Grenzenlose Schönheit hinter gläsernen Fassaden
Hunderttausend platte Nasen in den Innenstadtarkaden
Schießen Worte in die Lüfte, allerorten dichtes Raunen
In verdammter Apathie erkaltet eisig jedes Staunen

Im unendlich irren Rauschen von Terminen, Titten, Tagen
Verkrampft das Auge offen, rastlos hört man keine Klagen
Neonröhren flackern  blöde in verrückter Hysterie
Nur die Ewigkeit bleibt so was wie die letzte Phantasie

Sklave auf den Spannungsfeldern, ich bin genau so hier
Komm wir bauen uns ein Floß und fahren zurück zu dir
Hast nen neuen schweren Tanker im Ausbeutungskanal
Das geht vor, das seh ich ein, wir haben doch keine Wahl

Sklave auf den Spannungsfeldern, sag mir, wie löst du die Nacht?
Hast uns fässerweise Fusel aus dem Panzer mitgebracht
Ich bin ein guter Mensch, zumindest keiner von den Schlechten
Wir tanzen bis zum Kotzen blind den Tanz der Gerechten

Kongruenzkampf auf den Straßen, in den Häusern und Palästen
Wer ist gleicher als die Gleichen, nicht: ist besser als die Besten
Kongruenzkampfstacheldrähte trennen die Guten von den Schlechten
Wir tanzen bis zum Kotzen blind den Tanz der Gerechten

19.07.2011 um 13:45 Uhr

Spiegelung

Die Spiegelung der Spiegelung der Sonne

 

Der Mond malt plätschernd einen Weg in die Nacht

Und ich summe vor mich hin, das hat er gut gemacht

Und ich frage ungerührt, wohin das führt

 

Der Himmel ist ein Zelt und ich lege mich hinein

Der Reißverschluss geht zu und keiner kann mehr rein

Und ich summe, summe, summe dumme Lieder

 

Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne

Doch sie spiegeln jetzt gerade nur für mich

Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne

Du bist wunderschön und ich, was bin ich?

 

Da hinten lacht ne Frau sich den Alltag aus dem Leib

Der See nimmt meinen Fuß und sagt: bleib, bitte bleib

Als könnte ich aufstehen und gehen

 

Der Himmel ist ein Zelt und ich lege mich hinein

Millionen Moleküle mal´n nen Weg aus Mondgestein

Und ich summe, summe, summe dumme Lieder

 

Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne

Doch sie spiegeln jetzt gerade nur für mich

Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne

Du bist wunderschön und ich, was bin ich?

30.06.2011 um 04:29 Uhr

Als ich ein kleiner Junge war

Als ich ein kleiner Junge war, war die Straße eine Scheibe. Wenn Regen fiel, war er leicht und warm, sammelte sich in Pfützen und bildete bald richtige kleine Seen, worin aufgeregt die Enten mit ihrem Nachwuchs fröhliche Entenspiele spielten. Und dann kam die Sonne raus und beschien unsere Bäuche. Sie war so viel wärmer, heller, angenehmer als das, was heute da vom Himmel strahlt.

Als ich ein kleiner Junge war, waren die Fassaden der Häuser hier mit Goldstaub überzogen. Geflügelte Pferde zogen Wagen mit Waren hinauf und herab, um die Ladenlokale mit glitzerndem Geschmeide zu bestücken. Geschäftig liefen in beste Stoffe gehüllte Edelmänner herum, um gute Dinge zu tun. Die Damen schwebten in langen Kleidern eine Handbreit über dem Kopfsteinpflaster. Stolz und erhaben sahen wir sie an, und sie uns. Die Edelmänner, die Damen und wir.

Als ich ein kleiner Junge war, war die Straße eine Scheibe. Sie drehte sich wie ein buntes Karussell, so dass unsere Nasen vom Fahrtwind freundlich gestreichelt wurden. Kein Tag glich dem Anderen, in jeder Minute konnte ein neuer Vagabund um die Ecke kommen und für uns seine Zauberkunststücke darbieten. Man brauchte sich nur auf die warmen Steine setzen und mitfahren. Und eines Tages stieg der König zu uns herab und streichelte unsere gepflegten Köpfe. Alle hatten ihre Sonntagssachen angelegt für ihn und die Zeit zerfloss in einem einzigen silbernen Lächeln.

Jetzt bin ich alt. Der Regen ist hart, wie jeder Sonnenstrahl. Die Straße ist steil und böse. Es ist, als neigte sie sich in jeder Stunde ein bisschen mehr. Irgendwann im Winter werde ich an ihr herunterrutschen bis ganz hinab. Und da unten muss ich dann bleiben. Ich werde verenden dort. Die Straße ist glatt und heimtückisch. Man hat sie mir entwendet. Wo wir einst edel umherschritten, tummeln sich nun die Leute in Lumpen, sprechen fremde Sprachen, leben fremde Leben. Machen Sachen, die ich nicht kenne. Sachen, die ich nicht verstehe.
Die Leute sind schlecht.

Als ich ein kleiner Junge war...

30.06.2011 um 04:26 Uhr

Die Schlaraffenstrafe

Das sind die Schlaraffennächte
Da hängen die Schlaffen schlecht und rechte
Im Wachen-Stunden-Überfluss
Und wenn ich schnell da rüber muss
Bevor der Sonne heißer Kuss
Mich ersticht
Komm´ ich zu dem weisen Schluss:
Dass man ihn erst raffen muss
Den Schlaraffenaffen-Luxus

Das sind die Schlaraffennächte
In denen es nicht klappen möchte
Mit Schlaraffenschlaf
In denen ich´s nicht schaffen darf
Hab sie alle längst gezählt
Giraffen, Affen, Schafe
Das ist die Schlaraffenstrafe:
Viel zu viel vom Falschen

Das sind die Schlaraffennächte
Die schaffen echte
Müdigkeit in rauen Mengen
Auch wenn sich hier die Schlauen drängen
Bin ich heute keiner von ihnen
Ich lauf vielmehr wie einer auf Schienen
Herum und cover mich selbst
Ich kling wie einer, der lächerlich angestrengt, klingen will, wie ich
Und ich bin mir sicher, ich schwinge nur ähnlich, singe zwar ähnlich, doch bin´s nicht.

Das sind die Schlaraffennächte
In denen es nicht klappen möchte
Mit Schlaraffenschlaf
In denen ich´s nicht schaffen darf
Hab sie alle schon gehabt
Wolken, Affen, Schafe
Das ist die Schlaraffenstrafe:
Viel zu viel vom Falschen

31.03.2011 um 16:59 Uhr

Die Nacht, in der sie einen Fremden in ihr Bett ließ

Er war aus dem gleißenden, weißen Schein einer langen, lauten Nacht gerade erst wieder hier, daheim angekommen und erwacht, noch in Bier und Wein gehüllt, bis an den Rand angefüllt, die Jacke auf dem Tisch, klingelte es, erschrak er, wankte er hin, hob den Hörer hoch bis zum Kinn, dachte noch halt, bin ich für so was nicht langsam zu alt, schon war der Gruß hingelallt.

Schon war eine Welt bei ihm, die hier hin gar nicht passen wollte, die hier drin gar nichts lassen sollte, wie es Recht gewesen wäre, so betrat er blind die Fähre hinüber zu ihr, saß da und spürte den Seegang, zwang sich zu klaren Worten auf dem Bett, versuchte nett, ging nicht, fühlte anders, musste, war schon zu tief drin da, hörte, sie ginge jede Wette, sie wäre sich so verdammt sicher, sie hätte, da zog sie hörbar an der Zigarette, stockte, zu schwer kamen die Worte und gingen die Gedanken, das Schwanken in ihm nun in ihr, so unterschiedlich zwar, doch jetzt genau so da.

Ob sie wohl ahnte, wie lächerlich das was jetzt kam in ihm zu klingen, zu schwingen beginnen müsste, der Fremde hätte zwar ihre Brüste, aber nicht ihre Lippen, sie hätte fast mit ihm gestritten um ihren Mund und es erschiene ihr jetzt so abstrakt, es wäre nur der Akt, dann Ende, dann Leere, Schwere, nichts, sie hätte es nicht gewollt und klar: nicht gesollt, und aus irgendeinem kalten Wahn dann doch getan.

Viel zu viel setzte sie damit auf´s Spiel, das hätte sie nicht sagen müssen, hätte auch nicht fragen müssen, was er, wäre er jetzt sie wohl tät´, es war schon so spät, es grenzte längst an frühe, und doch gab er sich die größte Mühe, den Schock zu schlucken, den Ärger nicht gleich auszuspucken, in die Muschel in ihr Ohr, das Zittern ihrer Stimme schützte sie nun davor, sonst hätte er, jetzt wo er ihn so klar sah, seinen Freund, den sie gerade umzäunt, umschattet, umnachtet, vielleicht für immer beraubt, hatte so fest daran geglaubt, denn er, sein Freund, hatte so viel gegeben für sie, für ein paar Tage mehr Harmonie, ihre kranken Züge mit unbändiger Kraft verjagt, genagt hatte es zwar auch an ihm, doch er stand fest, die Erinnerung lässt einem dann nur noch die Bilder von dem, was möglich war, wie hoch hinaus man schon zusammen kam.

 

Etwas brach in ihm so laut, ihn hätte es manchmal davor gegraut, und öffnete, so erzählte der Freund am folgenden Tag nach, eine Tür, wie von fremder Hand, erst in seinem Verstand, dann physisch, hatte es nie entschieden, war hier erschienen, barfüßig, müßig zu erwähnen, dass das nicht kalt war, und die Tür bog sich fast von selbst, splitterte erst, flog dann auf und seine Faust, sie machte es instinktiv, ihrer Bestimmung zugeführt, hätte ihn gar nicht gespürt, aber wohl doch berührt.

Der Freund traf den Fremden mit aller Gewalt, als letzterer schlagartig die Gestalt, wir nennen sie mal: sein Dilemma, Notwendigkeit und Sinnlosigkeit der Flucht, erkannte, so hatte er´s in anbetracht der Wucht, erst gar nicht versucht, er rannte, danach auch nicht mehr, im Gegenteil: weil viel zu schwer getroffen, lag er, der Fremde, da, war nicht schuldig, zwei Mal nur Opfer, hielt nur seinen Kopf her, für sie, doch für diese Erkenntnis war jetzt noch kein Platz, nur der Satz: diese Leidenschaft, die ihn zu mir trieb ist der Stift, der unsere Geschichte schrieb. In dem Moment, als er vor mir war, ich sah sein entgleistes Gesicht mit den Tränen aus Schmerz und Wut, galoppierte mein Herz und es ging mir plötzlich wieder gut, seine Füße durch Scherben entstellt, wären durch die ganze Welt zu mir hin, keine Entscheidung, ein höherer Sinn, kein Wille, wie ein Hund auf der Jagd, und  hatte es nicht zu Ende gesagt, er konnte es denken und sich alles Weitere schenken. Er ließ sie fallen, machte sie aus, schmiss sie raus.

So sehr verstand er sie in ihrem unbändigen, heißen Verlangen, er spürte es selbst immer mehr. Er musste ihn jetzt empfangen. Wild lief seine Hand über die Zahlen, wie vor ein paar Stunden dessen Füße über Scherben und Sand. Er suchte nicht, er fand, und die Geschichte begann wieder von vorn, er fraß ihm lüstern dessen Zorn aus den neuen ungekannten Falten, beobachtete ihn mit zugekniffenen Augen, atmete kaum, um jedes Wort aufzusaugen, keins verpassen zu müssen. Er ließ sie direkt in die Hirnrinde schreiben, jedes einzelne sollte bleiben. In unstillbarem Hunger machte er sich über ihn her. Das war so rein, so unfassbar rein und so groß, es ließ ihn nicht los, er war so gefräßig, wie könnte er dem widerstehen? er wollte das und ihn nur noch sehen: seinen Freund, die Haut gebräunt und blass, die müden Augen voller gebrochenem Hass, die Haare standen vor Schweiß, und der Winkel, den die Furchen um seinen Mund beschrieben, er musste sie lieben. Und er trieb ihn immer wieder immer weiter und immer wieder spornte er ihn an. Noch ein Mal, tu es, noch ein Mal für ihn, tanze er bitte den Schmerz, diese bitteren Züge, die sein Stolz ihm gebracht in dieser lauten Nacht.

28.01.2011 um 03:53 Uhr

Die Armen da

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1185412/Der-Krieg-bleibt#/beitrag/video/1185412/Der-Krieg-bleibt

Hab einen Bericht gesehen. Eine Dokumentation. Der Krieg bleibt. Die schwierige Heimkehr vom Hindukusch der Untertitel. Über Soldaten in Afghanistan. Was sie doch für eine harte Arbeit leisten dort, unsere Soldaten, dass wir doch ein bisschen mitfühlen könnten mit ihnen. Und sie blecken ihre Zähne nicht, diese Wut, der Feind schießt und ich, was mache ich? Er tötet mich und was, was mache ich? Mich rächen. Dieses Wort kommt hier nicht. Natürlich nicht. Aber es schwingt mit. Der Hass. Die Front. Die Geschichte von verhärteten Fronten, eine Tautologie eigentlich, und sie beschwören den Frieden, wie einen fremden Geist, den man nur einkesseln muss und aushungern, dann kommt er irgendwann schon raus da aus seinem Erdloch und zeigt sich, ergibt sich, mit erhobenen Händen. Der Frieden. Und so lange muss halt geschossen werden, bis er da ist. Und sie sagten ernsthaft in dem Bericht, mir kommen die Tränen, wenn ich das schreibe, diese lachenden Kinder da können morgen die Feinde sein. Und das sagen sie, um zu illustrieren, wie schwer der Job ist, den die armen jungen Männer hier machen müssen. Wie hart es sei, wenn sie nach Hause kommen, immer an die drei gefallenen Kameraden denken, aber es gäbe ja zum Glück eine gute psychologische Betreuung. Am Karfreitag sind sie gefallen, die Armen. Ausgerechnet. Schon über 30 sind tot. Ihr hässlichen Zyniker. Wer produziert dieses Propagandamaterial. Ihr Kriegstreiber. Ihr wollt Respekt? Wofür? Und das sind keine verrückten Jugendlichen, die nur das Abenteuer suchen, sondern Soldaten mit Fleisch und Blut, das ist doch auch ne Tautologie, sich sehenden Auges, ohne Not, für diese Option zu entscheiden, also ich geh nach Afghanistan, auch zynisch. Und dann natürlich, würdest du wieder hingehen, ja, am Anfang habe ich nur das große Abenteuer gesehen. Ja, was sonst? Ja, was sonst, Arschloch?! Mit Waffen spielen, mit echten Waffen, und Kameradschaft. Echte Männerfreundschaften. Es fühlt sich alles so existenziell an. Das werde ich nie vergessen. Einen echten Freund vergisst man nicht. Der Tod schweißt zusammen. Ein Schlagertext. Gute, alte Soldatenschlager. Ihr Zyniker. Und wie wird es sein, wenn ihr zurückkommt? Brecht dann in den Armen eurer Liebsten zusammen. Oh, ihr Armen. Ein harter Job. Ein harter Job. Respekt. Marschiert bis auf die Zähne bewaffnet, in fünf Metern Abstand zu  Vor- und Hintermann, weil Granaten genau diese Reichweite haben, dass dann nur einer getroffen wird, doziert ein wettergegerbter Kamerad.  Marschiert durchs europäische Mittelalter, habt verspiegelte Augen und trampelt alles platt, alles platt. Wir müssen bedenken, was dieses Land immer noch für ein Sicherheitsrisiko für die Heimat darstellt. Das sind wir unseren deutschen Opfern schuldig. Das darf der sagen. Unkommentiert. Was für eine menschenverachtende Kausalkette. Das darf der sagen. Der zu Guttenberg. Und das meint der. Und sie schlagen ihre Lager auf. In jedem Zelt ist mehr Luxus als in dem letzten intakten Winkel der Hauptstadt. Ihr dreckigen Zyniker. Und dann wird diskutiert, ob man es Krieg nennen darf. Ob man es Krieg nennen darf, wird diskutiert. Ob es nicht doch eher ein Bürgerkrieg ist. Kriegsähnliche Zustände. Kriegsähnliche Zustände. Guck dir das Land mal an. Guck es dir an und dann hör dir diese Worte an. Und fällt was auf? Ihr seid so zynisch, so selbstgerecht, man wünschte fast, ihr würdet enger da beisammen laufen durch die Stadt. Und hier der Schlachter, er könnte ein Talib sein. Talib, so heißt er wohl, der Feind. Und dass ihr ja nur helfen wollt. Das ist auch ne feine Logik. Fragst du den Einbrecher, ob er dir beim Suchen nach der Schmuckkassette hilft? Jetzt wo alles so chaotisch ist. Alles dreckig. Ich treff ihn noch an zu Haus, er muss es doch am besten wissen, wo alles ist. Ihr habt das Chaos schließlich angerichtet. Ihr wollt nur helfen wieder aufzuräumen. Wer hat euch darum gebeten? Und man ist so bitter bedroht von diesen Bestien. Sie zeigen auch den Krieg aus Sicht der Taliban. Das zeigen sie auch. Woher haben die eigentlich das Filmmaterial? Unten rechts steht weiß auf Bild: Propaganda-Material. Man sieht kopfbetuchte bleiche Männer, wie sie einen amerikanischen Dingo ausbrennen lassen und sich darüber freuen. Auch eine Blutlache wird gezeigt und verschämt weg geschnitten. Propagandamaterial. Witzig. Ihr bedient die Voyeuristen. Rekrutiert die nächsten Perversen, die da runterwollen. Und schau tief rein in diese Augen, in diese Seelen. Helfen will keiner. Jeder vernünftige Mensch will heil raus da. Nur weg. Und sicherlich am allerliebsten die Afghanen, wobei sie kennen ja nichts anderes als das. Seit über acht Jahren sind die Deutschen da jetzt drin. Die Befreier. Acht Jahre. Was habe ich in diesen acht Jahren alles erlebt? Wie lang das ist. Und jeden Tag kriegsähnliche Zustände. Und im Rhythmus von nem halben Jahr, oder nem ganzen – ach, was weiß ich?! – werden sie abgeholt und neue reingeschmissen. Werden nach Hause geholt. Die Armen. Es ist unerträglich, es drückt auf meine Brust, dass dieses verdummende Material gesendet wird. Gemacht von erwachsenen aufgeklärten Menschen, um zu informieren. Wie niederträchtig kann man sein, das Staatsfernsehen dafür zu nutzen, das einst als unabhängige Demokratiestütze uns von den Engländern geschenkt wurde, um dieses menschenverachtende Material zu senden. Man hätte die Bilder zeigen können, unkommentiert. Aber unkommentierte Bilder gibt es im Fernsehen nicht. Da müsste man ja selber denken. Das ist zu anstrengend. Und man muss ja mit Nicolas Cage auf Sat 1 konkurrieren. Da muss der Voyeur schon ein bisschen bedient werden. Und Realität kommt ja doch ne Ecke krasser als son Action-Blockbuster. Ihr verfickten Zyniker. Ihr Rassisten. Zeigt Menschen, die nichts haben als einen Rockzipfel Existenz und spiegelsonnenbebrillte Bewaffnete, die dieser Armut ausgesetzt sind, um mir zu erklären, wie schwer es für die Besatzer ist, diese Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen. Und die Kinder sind die Feinde von morgen. Da kannste aber einen drauf lassen. Das wäre ich auch. So verängstigt. So gedemütigt. Eingeschüchtert mit vorgehaltener Waffe. Das wäre ich auch. Da kannste aber einen drauf lassen. Ich hab keinen Respekt vor euch. Ihr seid aus freien Stücken da rein, habt euch ausbilden lassen dafür, habt frei entschieden da mitzumachen, da hinzufliegen, habt euch verpflichtet, habt Verträge unterzeichnet, habt es gewollt, habt es euch vielleicht nicht ganz so krass vorgestellt, aber habt es gewollt – den ultimativen Kick. Ich verachte euch dafür.

28.01.2011 um 03:46 Uhr

Antinationalhymne

Weil der Satten Haus jeder Sturm trotzt

Und der Hungrigen Dach nicht ein Stoß

Sind die uralten Gräben mit Söldnern bewohnt

Mit Kanonen, wie Yachten, so groß

 

Und weil jeder Zaun doch aus Blut ist

Und jedes Gesetz doch ein Spiel

Kommen Horden von Fremden in Booten herbei

Bringen AIDS mit und Leichen am Kiel

 

Eine Ordnung, die die größten Schurken verschont

Das gefräßige Geld hat das Recht längst im Magen

Eine Ordnung, die Arglist und Habgier belohnt

Diese Ordnung müssen wir zerschlagen

 

Weil wir hier uns´re Hunde betrauern

Während dort ganze Völker krepieren

Scheint der Faschismus, den wir in die Schulen verbannt

Noch grausamer zu existieren

 

Weil dein tumbes Geschwätz keine Hand rührt

Und dein frommes Gebet  keinen Stein

Soll´n die Kirchen von nun an bis in alle Zeit

Unsere Kasernen sein

 

Eine Ordnung, die die größten Schurken verschont

Das gefräßige Geld hat das Recht längst im Magen

Eine Ordnung, die Arglist und Habgier belohnt

Diese Ordnung müssen wir zerschlagen

 

Hört die Trommeln, kommt lasset uns erheben

Und singen von Freiheit und Brüderlichkeit

Dabei trennen wir wertes von unwertem Leben

Nur fürs Vaterland gelten Recht und Einigkeit

Und die Fahnen, die wehen so brav und so stolz

Aufrecht national, endlich darf ich´s wieder  sein

Dass nur Zweifel Bewusstsein gebiert? Ach, was soll´s?

Deutschland ist ein Fußballverein!!!

 

Weil das da oben so weit weg ist

Und  wir unserer Kraft nicht mehr trauen

Haben wir begonnen, statt zu solidarisieren

Auch die letzten Brücken zu zerhauen

 

Doch eine Ordnung, die die größten Schurken verschont

Das mordende Geld hat das Recht längst begraben

Eine Ordnung, die Arglist und Habgier belohnt

Diese Ordnung müssen wir zerschlagen

29.12.2010 um 19:09 Uhr

Wer hat die Faulheit erfunden?

 

Ich hab es so oft schon getan, deshalb kommt´s auch nicht drauf an

Und bisher ist´s fast immer auch geglückt

Bitte frag mich jetzt nicht wann, ich mit dem ganzen Scheiß anfang´

Mit Trägheit bin ich bestens bestückt

 

Ob Arbeitsrausch, ob Zärtlichkeit, alles kommt zu seiner Zeit

Da bin ich nun mal ziemlich selbstgerecht

Oft  lag ich mit mir schon im Streit und das bin ich langsam leid

Wenn´s drauf ankommt bin ich meistens gar nicht schlecht

 

Welcher Schurke nimmt mir meine fröhlichsten Stunden?

Welches Arschgesicht hat die Faulheit erfunden?

Alle reden von Projekten und Karrieren,

Als ob sie glücklich wären

Von Plänen und Zielen

Und dass die Decken fielen

Runter,  direkt auf den Kopf, wenn du bleibst

 

Es nur auf Morgen zu verschieben hielte ich für untertrieben

Beim Lesen schlaf ich eh nur wieder ein

Ich hab´ noch Zweifel zu besiegen, dafür bleib´ ich besser liegen

Ne Runde Prokrastination kann schon noch sein

 

Von mir aus nenn´ es Selbstbetrug, die Panik kommt schon früh genug

Sie ist so treu, auf sie konnt´ ich immer bau´n

So sehe ich den Zeitverflug, und ich nehm noch einen Zug

Bis die Augen summen früh im Morgengrau´n

 

Welcher Schurke nimmt mir meine fröhlichsten Stunden?

Welches Arschgesicht hat die Faulheit erfunden?

Alle reden von Projekten und Karrieren,

Als ob sie glücklich wären

Von Plänen und Zielen

Und dass die Decken fielen

Runter,  direkt auf den Kopf, wenn du bleibst

 

Welcher Schurke nimmt dir deine fröhlichsten Stunden?

Faulheit ist nur ein Wort, das hat ein Arschloch erfunden

Alle reden von Projekten und Karrieren,

Als ob sie glücklich wären

Von Plänen und Zielen

Und dass die Decken fielen

Runter, direkt auf den Kopf

Wenn du  bleibst, wo du bist

Wenn man bleibt

Wenn man bleibt, wenn man bleibt

Wo man ist

12.10.2010 um 00:36 Uhr

Es sind nicht die dunkelsten Nächte

Wie groß die Dinge neben einem stehen können und man kommt nicht rauf.

Ob man will, ob man noch so sehr will, oder nicht.

In manchen Nächten, es sind nicht mal die dunkelsten, fallen einem nur die Gräben auf, nur die Zäune.

Da sieht man nur das unausweichlich Trennende.

In manchen Nächten kann man es mit Händen greifen.

Und alles, was einst Exzess, was Rausch war, liegt jetzt da.

Antastbar, leblos und mau.

Und alles, was richtig war, gut war, was stimmte, knarrt nun bedenklich brüchig unter den Zehen.

Und man kommt nicht rauf da.

 

Alle Worte hölzern, von verzweifelten Zungen geformt, von viel zu warmer Luft getragen, fliegen in Richtung Ziel und verfehlen es.

Nur knapp, doch hörbar deutlich: sie fliegen vorbei.

An Sinn.

An Unsinn.

An allem, woran sie sonst haften bleiben, wenn sie landen.

Erst drängend machen sie sich auf den Weg durch den Raum, dann immer verhuschter -

vielleicht kommt man ja wenigstens heil raus hier und nichts nimmt Schaden.

Doch wohin verschwinden die Wörter, wenn sie nirgends ankommen?

Sie bleiben im Raum.

Sie bleiben im Raum, prallen an den Wänden ab und kommen zurück.

Und immer mehr von ihnen verlassen die Zunge als Totgeburten, segeln unausgesprochen vorbei und vorbei und vorbei.

 

Der Raum ist so voll von ihnen, dass man schon nicht mehr erwarten kann, wie die Tür hinter einem hart ins Schloss rastet.

Man hört ihn klar vor sich, den dumpfen, erlösenden Laut.

Und je mehr man ihn ersehnt, desto weniger schweifen die Augen.

Nur nicht ertappt werden jetzt.

So geht es weiter und weiter und der Morgen bleibt fern.

Und man fühlt sich als Lügner, als Lügner so sehr.

Nein, es sind nicht die dunkelsten Nächte.

Aber dunkel sind sie.

28.09.2010 um 23:38 Uhr

Körperlos

Helle

 

Ein Stoß wie von Wind

Die Tür schlägt auf

Gleißende, warme Helle

Schlägt jäh in mein Gesicht

 

Plötzlich bin ich nackt

Wie ein Baum

Räkle meine Arme in diese

Gleißende, warme Helle

 

Eine Haut, die zwei Körper

Körperlos umgibt, wie ein Raum

Mit diesen Körpern entstanden

Für diese Körper gemacht

                                         

Alles kann jetzt sein

Ich bin da

In alle Richtungen frei

Wie ein Sandkorn Wasser im Bach

Frei

 

Ich verschwinde in deinen Augen

In deinem Mund

Es ist überwältigend leicht und frisch und klar

Hier in dir

 

Eine Haut, die zwei Körper

Körperlos umgibt, wie ein Raum

Mit diesen Körpern entstanden

Für diese Körper gemacht

 

Keiner hält keinen fest

Und ich mich auch längst nicht mehr

Zerflossen in sprühendem sprudelndem Nass

Schwerelos

 

Ein Salto noch und eine Drehung

Ein Sturzflug dort am Horizont

Das Ganze noch mal, bloß keine Pause

Doch dann, dann muss ich nach Haus

Dann geh ich nach Hause

 

Für immer nach Hause

28.09.2010 um 23:38 Uhr

Als stürbe ein Leben

Nur Sand

 

Als gehörte es mir

Als gäb es etwas zu fassen

Als könnte ich bleiben

Und es liegen lassen

 

Als könnte ich sehen

Als stünde es still

Als könnte ich wollen

Was ich gar nicht will

 

Als stürbe ein Leben

Als grüb ich es ein

Als läge schon Staub

Dort auf seinem Stein

 

Kein Stein mehr, nur Sand

Nur Sand sind die Finger

Die Finger, die Knöchel

Der Druck meiner Hand

 

Lass los jetzt, lass los

Und ich lege mich fiebernd

Weinend, lächelnd

In deinen Schoß

Lass los

 

Als hielte ich an

Als verkündete ich

Es ist so, es muss so

Ich will... – lächerlich

 

Lächerlich

 

Als stürbe ein Leben

Als grüb ich es ein

Als läge schon Staub

Dort auf seinem Gebein

 

Kein Stein mehr, nur Sand

Nur Sand sind die Finger

Die Finger, die Knöchel

Der Druck meiner Hand

 

Lass los jetzt, lass los

Und ich lege mich fiebernd

Weinend, lächelnd

In deinen Schoß

Lass los

 

17.08.2010 um 01:36 Uhr

Gelogen

Mein Körper hat gelogen.

Sich gewunden, ja gebogen

Auch mit glucksenden Geräuschen

Skrupellos zu täuschen

All die eindeutigen Sachen

Die wir machen, wenn wir lachen.

Machte ich, Verbrecher ich, wie lächerlich.

Nur weil Du diesen miesen, miesen, miesen... tja, was war es?

Ja...

Witzkrüppel gebarst.

Er kam zu mir

Hinkend

Stinkend

Und ich... wieso?

Wieso habe ich das getan?

Und in diesem Moment, als ich mich nicht verschloss

Schoss er in mich.

Ich, da ich mich nicht schützte

Die Gelegenheit sah und auch nützte

Ich, den Mund geöffnet

Mechanisch

Hätte es gar nicht

Hab es...

Und dann, einbeinig zwar, gedrungen, hüpfte

Und sich aufgeschwungen, schlüpfte er

Zwischen Zähnen und Zunge durch den Hals in die Lunge

Pfeifend, nach Luftbläschen greifend.

Und zerbrach meinen ehemals wehenden Geist

Und er stach seine Zeigefingerspitzen in meine gute Nacht.

Haha, was ham wir gelacht. Pisser!

Haha, was ham wir uns bepisst. Lacher!

Ein Kracher, ein... was weiß ich, wie man das nennt

Hätt jetzt gern mal gepennt.

Doch tropf, tropf, tropft es aus meinem Kopf.

Und klopf, klopf, klopft es in meinem Gewissen.

Und ich riech mich liegend hier modrig im Kissen.

Ach, hätt´ ich doch... wegdrehen, -sehen, -gehen

Ach, hätte ich doch... weg... alles war möglich in diesem Moment

In diesem Augenblick

Nimm den Strick und erstick ihn

Und ich? Kicher ihm Leben ein

Sicher ihm eben sein

Stricherwitzkrüppeldasein


11.05.2010 um 04:36 Uhr

Von Gedeih und Verderbnis

Ein Tag klopft

Und tropft seine

Schlieren herab

Bis zum Grund

 

Es grünt satt und voll und verführerisch warm

Ein fliegendes Kinn schlägt die Treppenstufen herab

Und bleibt einfach irgendwo regungslos liegen

Bleibt einfach irgendwo liegen

 

Ein Erdloch

Und doch wuseln

Alle herum

Denn es geht

 

Es grünt satt und voll und verführerisch warm

Ein fliegendes Kinn schlägt die Treppenstufen herab

Und bleibt einfach irgendwo regungslos liegen

Bleibt einfach irgendwo liegen

 

Es sieht gut aus

Es sieht gut aus für dich

Die bleierne Uhr ziert den zarten Hals

Zieht den zarten Hals bis zum Grund

 

Gedeihe und verderbe

Gedeihe und verderbe

Gedeihe und gedeihe

und sterbe

 

Es grünt satt und voll und verführerisch warm

Ein fliegendes Kinn schlägt die Treppenstufen herab

Und bleibt einfach irgendwo regungslos liegen

Bleibt einfach irgendwo liegen

11.05.2010 um 04:01 Uhr

Lass deine Worte

Lass deine Worte Marmorkuchen sein. Lass sie riechen. Lass sie warm sein. Süß. Lass sie da liegen. Er liegt fest da. Ganz fest. Essbar. Zerdrückbar. Doch fest. Schneidet in ihn, zerteilt ihn doch. Ihr kriegt ihn nicht weg. Das ist ein Wort. Und ein Krümel bleibt auf euren Tellern. In euren Zähnen. Er wird nagen daran. Er wird sie dunkel machen. Schwarz. Faulend. Und alt.

 

Lass deine Worte Festungen sein. Festungen über der Stadt. Sie sollen eingemauert sein. Mit Burggräben. Da soll der Sturm doch kommen. Er soll die Steine abtragen. Soll er doch. Das sind die Steine, die in den Städten für Unheil sorgen. Schmeißt eure Brandfackeln hinein in die Stallungen. Schießt Pfeile über die Mauern, dass Blut spritzt innerhalb der Mauern. Doch die Worte stehen fest. Lasst es über Jahrtausende verwittern. Bis es dann eine Ruine ist. Lasst es doch. Doch es wird da bleiben, bis es zum letzten Staubkorn zerfällt. Und erst dann ist es erst recht da.

 

Lass deine Kunst ein Meer sein. Lass es gefrieren in Eis. Dass die Schiffe und Fische in ihm stecken bleiben. Dass es fest wird und kalt. Tödlich kalt. Dass die Tiere und Menschen ausrutschen auf ihm. Einfrieren zu starren Fossilen. Das die Welt vertrocknet, braun wird, beige und grau. Trostlos. Lass deine Worte hart werden. Härter als Stein. Und wenn die Sonne wiederkommt und es taut, dann taut es. Lass es tauen. Deine Kunst wird nieder regnen auf die Steppen in die Dörfer, auf die Häupter, auf die Dächer. Lass sie Eis werden. Lass sie Hagel werden oder Schnee.

 

Lass deine Worte Atem werden. Stinkender, modriger Atem, der im Winter greifbar vor deinen Augen herumwabert. Lass sie deinen Mundgeschmack schmecken. Lass deine Worte stinken. Unsäglich stinken.

01.05.2010 um 04:11 Uhr

An die guten Menschen

Dort sind die Schwingen, hier sind die Träume, da die Romantik. Ich hatte es nie so leicht. An die guten Menschen. Wie könnte ich da drüberstehen, wo Ihr so weit oben seid. Das wäre dumm. An die guten Menschen. An all die guten Menschen. Der aufrechte Gang. Diese ehrlichen, müden, klaren Augen. Die wissen. Die da sind. Ganz da. An die guten Menschen. Das ist ganz. Das ist ganz und gar. Da stimmt was. Das rührt etwas an. Etwas, nicht nur in mir. Das ist so viel. Das geht so weit. Das ist ein Sternenhimmel. Das ist alles. Alles, was schön ist. Und ich darf mit. Das ist unsagbar schön. Und doch ist der Abglanz hier wichtig. Aus Respekt. Aus Liebe. Zu Euch.

Wie weich kann eine Schulter sein. Wie stark ein Lächeln. Wie groß kann eine Geste sein. Das Heben einer Hand. Diese alte, träge Haut. An die guten Menschen. Wie feige wäre es, mich nicht an Euch zu messen. Ihr sollt mir als Sonnen leuchten an den trüben Tagen. In den garstigen Nächten mich wärmen. In den lauen Stunden mich antreiben. Mit Hurra ins nächste Verderben. Und am Ende soll kein Gott, sollt Ihr über mich richten. Ihr guten Menschen.

Hier wird nicht mehr gedacht. Hier ist alles recht. Deine Schritte. Wie Du sie setzt. Immer einen Fuß vor den anderen. Das will ich auch können. Das will ich üben. Jeden Tag. Wie deine Stimme klingt. Deine Worte. Wie unmittelbar sie klingen. Ob ich das könnte? Als erklängen sie direkt in mir. Ob ich das könnte? Als hätten sie nicht durch die Luft zu mir gemusst. Ob ich das kann? Als wären sie schon vorher da gewesen.

An die guten Menschen. Es ist so sanft mich in Euch zu legen. Weil Ihr da seid. Das sind die Minuten, die nicht fallen, die nicht runterfallen von mir. Die an mir haften bleiben. Die sich an meinen Himmel haften. Das sind die Minuten, die sich an meine Zunge haften. An die guten Menschen. Eure Geschichten sollen lauter klingen. Sollen weiter klingen. Weiter als ich kann.

An die guten Menschen. Habt es nicht leicht. Habt selbst zu leben. Habt selbst so viel zu leben. Das muss es wohl sein. Dass Ihr lebt. Dass Ihr nicht da hängt. Dass Ihr eben nicht für mich da hängt. Dass Ihr nur echt seid im Tanz. Im Verschwinden. Aber hin und wieder reicht ein Abbild. Eine Monstranz. Auch wenn es nur ein Grabstein ist. Manchmal reicht das. Das wird doch erlaubt sein. Und dann kommt die Erinnerung daran, was gehen kann. Was gehen kann, wenn man es macht. Wenn man ebenso versucht zu tanzen. Nur, man muss es machen.

Deshalb atme ich. Nur deshalb. Wegen der guten Menschen. Und irgendwo wartet ein Platz. Habt es nicht leicht, Ihr Guten. Aber da ist ein Platz, der ist da für Euch. Eine Holzbank, eine gewöhnliche Holzbank nur. Aber es ist ein Platz. Weil es genügt. Und da zu sitzen mit der herrlichen Aussicht auf so viele kurze Tage. Weil es genügt. Und dann ein Tropfen Wasser auf die Zunge. Das ist es doch. Nur nicht nachlassen. Da ist die Holzbank vor der Tür. Die ist bestimmt nicht mehr weit. Aber leicht ist es nicht.

An die guten Menschen. Wo man anfangen kann. Wo man nicht aufhören muss. Wie dünn die Luft sein kann und man teilt sie dennoch. Immer noch. Weil es geht. Weil es geht. Wie man dann nichts mehr sagt, weil man fertig ist. Des Redens müde. Weil man da ist. Angekommen. Und weil es geht. Einfach weil es geht. Unfassbar. Es geht. Diese dünne Luft weht um die Nase und die Aussicht lässt alles vergessen. Das es schwer war. Das es weh tat. Und sie brennt es ein. Das es sich lohnt. Immer wieder.

An die guten Menschen. Bleibt nur nicht wo ihr seid. Steigt herab und schubst mich, kneift mich, lasst mich nicht. Das wäre das Größte. Das wäre es dann. Und am Ende seid nur nicht zu gnädig mit mir.

02.04.2010 um 01:58 Uhr

Hab dein Summen gehört

Es ist unter, hinter, über, in mir

Knickt meinen Kopf gegen Wände und gegen die Polster der Nacht

So kann das, wird das, soll das nicht sein

Was passiert, ist passiert und passiert immer wieder nicht mehr

 

Etwas jammert und ächzt und blubbert

Durch die Tür, die sonst von Worten gefüllt und jetzt Rauschen

Diese zwei, drei, vier Füße, Schritte

Kann jemand mal zeigen, mal sagen, was da wo hingeht?

 

Hab dein Summen gehört

Es schwebte durch die Ritzen zu mir

Hab dein Summen gehört

Doch es kann das, es kann das nicht brechen

 

Es hat mich verdrängt, gesteinigt, vertrieben

Und kämpft trotzdem weiter mit mahlenden Zähnen in mir

Die Gitter zerspalten, zerklüften, versperren

Die Sicht nicht, aber den Blick und den wilden Gedanken hinaus

 

Dieses Schubbern und Reiben und Kratzen

Bleiben Fäden da kleben, weil das warme Wasser zu stolz war?

Schieb die Stimmen, die Hände davon

In die Abstellkammer, die unbeleuchtet im Keller nur wartet

 

Hab dein Summen gehört

Es schwebte durch die Ritzen zu mir

Hab dein Summen gehört

Doch es kann das, es kann das nicht knacken

 

Die Muße ist fort geflogen, dort geblieben, abgetrieben

In durstigem, immer stärker dämmerndem Grau

Die Muße ist dreißig Mal, dreißig Mal weiter entfernt

Als diese Hand da vor meinen Augen hier von mir

 

Hab dein Summen gehört

Es schwebte durch die Ritzen zu mir

Hab dein Summen gehört

Doch es kann das, es kann das nicht lösen

 

Es kann das nicht leisten

24.03.2010 um 04:32 Uhr

Windschiefe Gefühle

Den Hut über den offenen Ohren

Im leichten Nieselsonnenschein

Ich vermiss dich zu vermissen

 

Ich hüpfe über ein Bein von einem

Frischzerlumpten Mann

Ich glaub, ich habe ihn nie gesehen

 

Der Wetterfrosch kriegt windschiefe Gefühle

Eisdielenwarm die ganze Nacht

Ich leg mein Leben zu den Tassen in die Spüle

Und hoffe, dass den Abwasch einer macht

 

Ein Auto hält auf meinem Fuß

Und wartet hier auf grün

Nur ein Mückenstich in der Zeit

 

Ich schlag mir Wasser ins Gesicht

Doch es perlt bloß auf der Haut

Weiter kommt es nicht mehr

 

Der Wetterfrosch kriegt windschiefe Gefühle

Eisdielenwarm die ganze Nacht

Ich leg mein Leben zu den Tassen in die Spüle

Und hoffe, dass den Abwasch einer macht

 

Weiter kommt es nicht mehr

Nur ein Mückenstich in der Zeit

Ich glaub, ich hab ihn nie gesehen

Ich vermiss dich zu vermissen

Ich vermiss dich zu vermissen

Ich vermiss dich zu vermissen

 

Der Wetterfrosch kriegt windschiefe Gefühle

Eisdielenwarm die ganze Nacht

Ich leg mein Leben zu den Tassen in die Spüle

Und hoffe, dass den Abwasch einer macht

25.02.2010 um 03:10 Uhr

... noch Schnürsenkel binden

Selbst, wenn ich´s gewollt hätt´

 

Ich stoß´ mit den Knien gegen Beton

Verkneife ein Lächeln und schleiche davon

Ich schlucke zwei Mal

Trock´ne, warme, harte Luft

Und auf ein Mal bin ich klar

 

Ich drücke die Nase gegen das Glas

Von den Straßenbahnen, den Häusern, den Bars

Ich schlage die Stirn

In wirre, blöde, alte Falten

Und mit einem Mal bin ich raus

 

Mit dem brennenden Randstein hatt´ ich nie was zu tun

Selbst wenn ich´s gewollt hätt´, mit diesen klobigen Schuhen

Sieht man euch höchstens in Schlieren verschwinden

Während meine groben Hände noch Schnürsenkel binden

 

Ich kneife die Augen gegen das Licht

Ist der Schnee inzwischen getaut oder nicht?

Oder wann war das

Diese ernste, wilde Zeit?

Und auf ein Mal bin ich hier

 

Ich werf´ ein paar Worte gegen dein Ohr

Sie verhallen als Echo, so kommt es mir vor

Etwas reizt mich zum Husten

Belle böse, keuche krank

Und mit einem Mal bin ich fort

 

Mit dem brennenden Randstein hatt´ ich nie was zu tun

Selbst wenn ich´s gewollt hätt´, mit diesen klobigen Schuhen

Sieht man euch höchstens in Schlieren verschwinden

Während meine groben Hände noch Schnürsenkel binden