R.I.P.
Ist es nicht seltsam, wie manche Worte einfach aus der Sprache verschwinden?
- Ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt Opa gesagt habe.
Ist es nicht seltsam, wie manche Worte einfach aus der Sprache verschwinden?
- Ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt Opa gesagt habe.
Es ist
nicht, was du sagst
Es ist nur, wie viele zuhören
Du schreibst und du sprichst doch nicht für dich
Die Leute warten nur darauf
Dass du ihnen was verkaufst
Eins ist sicher, sie warten nur auf mich
Ja,
das Publikum da draußen
Wartet sabbernd schon im Saal
Auf nen Fick und du weißt wie das geht
Affekte penetrieren
Je billiger, je besser
Desto größer ist der Haufen, der da steht
Das ist Popkultur
Darin verkommen alle
Das ist unsäglich dumm und widerlich
Es ist nicht, was du sagst
Es ist nur, wie viele zuhören
Sie warten schon, sie warten nur auf dich
Wenn
du mir etwas erzählst
Ich es dann nicht gleich begreife
Voten wir den Wahnsinn aus der Welt
Wir haben keine Zeit
Uns mit Fragen aufzuhalten
Das Publikum da draußen frisst und bellt
Jeder
noch so große Einfall
Bis zur Blödheit destilliert
Anders passt es nicht in meinen Fernsehkopf
Auch du kannst dich nicht retten
Leute, guckt euch doch mal um
Jeder Geist verkocht im gleichen Topf
Das ist Popkultur
Darin verkommen alle
Das ist unsäglich dumm und widerlich
Es ist nicht, was du sagst
Es ist nur, wie viele zuhören
Sie warten schon, sie warten nur auf dich
Infotainmentfressen
brechen jeden Sachverhalt
Quotentauglich runter nur für dich
Sie brechen fröhlich runter, wir stehn nackt im Kotzeregen
Das ist menschenverachtend widerlich
Lückenlose Leben mit Pferd, Schwert und Rüstung
Spucken Lügen von oben hinab über die Brüstung
Hände drücken, Stifte zücken, schneller als ein Schatten
Kinder meuchelmorden statt zu leben mit den Ratten
Grenzenlose Schönheit hinter gläsernen Fassaden
Hunderttausend platte Nasen in den Innenstadtarkaden
Schießen Worte in die Lüfte, allerorten dichtes Raunen
In verdammter Apathie erkaltet eisig jedes Staunen
Im unendlich irren Rauschen von Terminen, Titten, Tagen
Verkrampft das Auge offen, rastlos hört man keine Klagen
Neonröhren flackern blöde in verrückter
Hysterie
Nur die Ewigkeit bleibt so was wie die letzte Phantasie
Sklave auf den Spannungsfeldern, ich bin genau so hier
Komm wir bauen uns ein Floß und fahren zurück zu dir
Hast nen neuen schweren Tanker im Ausbeutungskanal
Das geht vor, das seh ich ein, wir haben doch keine Wahl
Sklave auf den Spannungsfeldern, sag mir, wie löst du die Nacht?
Hast uns fässerweise Fusel aus dem Panzer mitgebracht
Ich bin ein guter Mensch, zumindest keiner von den Schlechten
Wir tanzen bis zum Kotzen blind den Tanz der Gerechten
Kongruenzkampf auf den Straßen, in den Häusern und Palästen
Wer ist gleicher als die Gleichen, nicht: ist besser als die Besten
Kongruenzkampfstacheldrähte trennen die Guten von den Schlechten
Wir tanzen bis zum Kotzen blind den Tanz der Gerechten
Die Spiegelung der Spiegelung der Sonne
Der Mond malt plätschernd einen Weg in die Nacht
Und ich summe vor mich hin, das hat er gut gemacht
Und ich frage ungerührt, wohin das führt
Der Himmel ist ein Zelt und ich lege mich hinein
Der Reißverschluss geht zu und keiner kann mehr rein
Und ich summe, summe, summe dumme Lieder
Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne
Doch sie spiegeln jetzt gerade nur für mich
Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne
Du bist wunderschön und ich, was bin ich?
Da hinten lacht ne Frau sich den Alltag aus dem Leib
Der See nimmt meinen Fuß und sagt: bleib, bitte bleib
Als könnte ich aufstehen und gehen
Der Himmel ist ein Zelt und ich lege mich hinein
Millionen Moleküle mal´n nen Weg aus Mondgestein
Und ich summe, summe, summe dumme Lieder
Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne
Doch sie spiegeln jetzt gerade nur für mich
Du bist nur die Spiegelung der Spiegelung der Sonne
Du bist wunderschön und ich, was bin ich?
Als ich ein kleiner Junge war, war die Straße eine Scheibe.
Wenn Regen fiel, war er leicht und warm, sammelte sich in Pfützen und bildete
bald richtige kleine Seen, worin aufgeregt die Enten mit ihrem Nachwuchs
fröhliche Entenspiele spielten. Und dann kam die Sonne raus und beschien unsere
Bäuche. Sie war so viel wärmer, heller, angenehmer als das, was heute da vom
Himmel strahlt.
Als ich ein kleiner Junge war, waren die Fassaden der Häuser hier mit Goldstaub
überzogen. Geflügelte Pferde zogen Wagen mit Waren hinauf und herab, um die
Ladenlokale mit glitzerndem Geschmeide zu bestücken. Geschäftig liefen in beste
Stoffe gehüllte Edelmänner herum, um gute Dinge zu tun. Die Damen schwebten in
langen Kleidern eine Handbreit über dem Kopfsteinpflaster. Stolz und erhaben
sahen wir sie an, und sie uns. Die Edelmänner, die Damen und wir.
Als ich ein kleiner Junge war, war die Straße eine Scheibe. Sie drehte sich wie
ein buntes Karussell, so dass unsere Nasen vom Fahrtwind freundlich
gestreichelt wurden. Kein Tag glich dem Anderen, in jeder Minute konnte ein
neuer Vagabund um die Ecke kommen und für uns seine Zauberkunststücke
darbieten. Man brauchte sich nur auf die warmen Steine setzen und mitfahren.
Und eines Tages stieg der König zu uns herab und streichelte unsere gepflegten
Köpfe. Alle hatten ihre Sonntagssachen angelegt für ihn und die Zeit zerfloss
in einem einzigen silbernen Lächeln.
Jetzt bin ich alt. Der Regen ist hart, wie jeder Sonnenstrahl. Die Straße ist
steil und böse. Es ist, als neigte sie sich in jeder Stunde ein bisschen mehr.
Irgendwann im Winter werde ich an ihr herunterrutschen bis ganz hinab. Und da
unten muss ich dann bleiben. Ich werde verenden dort. Die Straße ist glatt und
heimtückisch. Man hat sie mir entwendet. Wo wir einst edel umherschritten,
tummeln sich nun die Leute in Lumpen, sprechen fremde Sprachen, leben fremde
Leben. Machen Sachen, die ich nicht kenne. Sachen, die ich nicht verstehe.
Die Leute sind schlecht.
Als ich ein kleiner Junge war...
Das sind die Schlaraffennächte
Da hängen die Schlaffen schlecht und rechte
Im Wachen-Stunden-Überfluss
Und wenn ich schnell da rüber muss
Bevor der Sonne heißer Kuss
Mich ersticht
Komm´ ich zu dem weisen Schluss:
Dass man ihn erst raffen muss
Den Schlaraffenaffen-Luxus
Das sind die Schlaraffennächte
In denen es nicht klappen möchte
Mit Schlaraffenschlaf
In denen ich´s nicht schaffen darf
Hab sie alle längst gezählt
Giraffen, Affen, Schafe
Das ist die Schlaraffenstrafe:
Viel zu viel vom Falschen
Das sind die Schlaraffennächte
Die schaffen echte
Müdigkeit in rauen Mengen
Auch wenn sich hier die Schlauen drängen
Bin ich heute keiner von ihnen
Ich lauf vielmehr wie einer auf Schienen
Herum und cover mich selbst
Ich kling wie einer, der lächerlich angestrengt, klingen will, wie ich
Und ich bin mir sicher, ich schwinge nur ähnlich, singe zwar ähnlich, doch bin´s
nicht.
Das sind die Schlaraffennächte
In denen es nicht klappen möchte
Mit Schlaraffenschlaf
In denen ich´s nicht schaffen darf
Hab sie alle schon gehabt
Wolken, Affen, Schafe
Das ist die Schlaraffenstrafe:
Viel zu viel vom Falschen
Er war aus dem gleißenden, weißen Schein einer langen, lauten Nacht gerade erst wieder hier, daheim angekommen und erwacht, noch in Bier und Wein gehüllt, bis an den Rand angefüllt, die Jacke auf dem Tisch, klingelte es, erschrak er, wankte er hin, hob den Hörer hoch bis zum Kinn, dachte noch halt, bin ich für so was nicht langsam zu alt, schon war der Gruß hingelallt.
Schon war eine Welt bei ihm, die hier hin gar nicht passen wollte, die hier drin gar nichts lassen sollte, wie es Recht gewesen wäre, so betrat er blind die Fähre hinüber zu ihr, saß da und spürte den Seegang, zwang sich zu klaren Worten auf dem Bett, versuchte nett, ging nicht, fühlte anders, musste, war schon zu tief drin da, hörte, sie ginge jede Wette, sie wäre sich so verdammt sicher, sie hätte, da zog sie hörbar an der Zigarette, stockte, zu schwer kamen die Worte und gingen die Gedanken, das Schwanken in ihm nun in ihr, so unterschiedlich zwar, doch jetzt genau so da.
Ob sie wohl ahnte, wie lächerlich das was jetzt kam in ihm zu klingen, zu schwingen beginnen müsste, der Fremde hätte zwar ihre Brüste, aber nicht ihre Lippen, sie hätte fast mit ihm gestritten um ihren Mund und es erschiene ihr jetzt so abstrakt, es wäre nur der Akt, dann Ende, dann Leere, Schwere, nichts, sie hätte es nicht gewollt und klar: nicht gesollt, und aus irgendeinem kalten Wahn dann doch getan.
Viel zu viel setzte sie damit auf´s Spiel, das hätte sie nicht sagen müssen, hätte auch nicht fragen müssen, was er, wäre er jetzt sie wohl tät´, es war schon so spät, es grenzte längst an frühe, und doch gab er sich die größte Mühe, den Schock zu schlucken, den Ärger nicht gleich auszuspucken, in die Muschel in ihr Ohr, das Zittern ihrer Stimme schützte sie nun davor, sonst hätte er, jetzt wo er ihn so klar sah, seinen Freund, den sie gerade umzäunt, umschattet, umnachtet, vielleicht für immer beraubt, hatte so fest daran geglaubt, denn er, sein Freund, hatte so viel gegeben für sie, für ein paar Tage mehr Harmonie, ihre kranken Züge mit unbändiger Kraft verjagt, genagt hatte es zwar auch an ihm, doch er stand fest, die Erinnerung lässt einem dann nur noch die Bilder von dem, was möglich war, wie hoch hinaus man schon zusammen kam.
Etwas brach in ihm so laut, ihn hätte es manchmal davor gegraut, und öffnete, so erzählte der Freund am folgenden Tag nach, eine Tür, wie von fremder Hand, erst in seinem Verstand, dann physisch, hatte es nie entschieden, war hier erschienen, barfüßig, müßig zu erwähnen, dass das nicht kalt war, und die Tür bog sich fast von selbst, splitterte erst, flog dann auf und seine Faust, sie machte es instinktiv, ihrer Bestimmung zugeführt, hätte ihn gar nicht gespürt, aber wohl doch berührt.
Der Freund traf den Fremden mit aller Gewalt, als letzterer schlagartig die Gestalt, wir nennen sie mal: sein Dilemma, Notwendigkeit und Sinnlosigkeit der Flucht, erkannte, so hatte er´s in anbetracht der Wucht, erst gar nicht versucht, er rannte, danach auch nicht mehr, im Gegenteil: weil viel zu schwer getroffen, lag er, der Fremde, da, war nicht schuldig, zwei Mal nur Opfer, hielt nur seinen Kopf her, für sie, doch für diese Erkenntnis war jetzt noch kein Platz, nur der Satz: diese Leidenschaft, die ihn zu mir trieb ist der Stift, der unsere Geschichte schrieb. In dem Moment, als er vor mir war, ich sah sein entgleistes Gesicht mit den Tränen aus Schmerz und Wut, galoppierte mein Herz und es ging mir plötzlich wieder gut, seine Füße durch Scherben entstellt, wären durch die ganze Welt zu mir hin, keine Entscheidung, ein höherer Sinn, kein Wille, wie ein Hund auf der Jagd, und hatte es nicht zu Ende gesagt, er konnte es denken und sich alles Weitere schenken. Er ließ sie fallen, machte sie aus, schmiss sie raus.
So sehr verstand er sie in ihrem unbändigen, heißen Verlangen, er spürte es selbst immer mehr. Er musste ihn jetzt empfangen. Wild lief seine Hand über die Zahlen, wie vor ein paar Stunden dessen Füße über Scherben und Sand. Er suchte nicht, er fand, und die Geschichte begann wieder von vorn, er fraß ihm lüstern dessen Zorn aus den neuen ungekannten Falten, beobachtete ihn mit zugekniffenen Augen, atmete kaum, um jedes Wort aufzusaugen, keins verpassen zu müssen. Er ließ sie direkt in die Hirnrinde schreiben, jedes einzelne sollte bleiben. In unstillbarem Hunger machte er sich über ihn her. Das war so rein, so unfassbar rein und so groß, es ließ ihn nicht los, er war so gefräßig, wie könnte er dem widerstehen? er wollte das und ihn nur noch sehen: seinen Freund, die Haut gebräunt und blass, die müden Augen voller gebrochenem Hass, die Haare standen vor Schweiß, und der Winkel, den die Furchen um seinen Mund beschrieben, er musste sie lieben. Und er trieb ihn immer wieder immer weiter und immer wieder spornte er ihn an. Noch ein Mal, tu es, noch ein Mal für ihn, tanze er bitte den Schmerz, diese bitteren Züge, die sein Stolz ihm gebracht in dieser lauten Nacht.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1185412/Der-Krieg-bleibt#/beitrag/video/1185412/Der-Krieg-bleibt
Hab einen Bericht gesehen. Eine Dokumentation. Der Krieg bleibt. Die schwierige Heimkehr vom Hindukusch der Untertitel. Über Soldaten in Afghanistan. Was sie doch für eine harte Arbeit leisten dort, unsere Soldaten, dass wir doch ein bisschen mitfühlen könnten mit ihnen. Und sie blecken ihre Zähne nicht, diese Wut, der Feind schießt und ich, was mache ich? Er tötet mich und was, was mache ich? Mich rächen. Dieses Wort kommt hier nicht. Natürlich nicht. Aber es schwingt mit. Der Hass. Die Front. Die Geschichte von verhärteten Fronten, eine Tautologie eigentlich, und sie beschwören den Frieden, wie einen fremden Geist, den man nur einkesseln muss und aushungern, dann kommt er irgendwann schon raus da aus seinem Erdloch und zeigt sich, ergibt sich, mit erhobenen Händen. Der Frieden. Und so lange muss halt geschossen werden, bis er da ist. Und sie sagten ernsthaft in dem Bericht, mir kommen die Tränen, wenn ich das schreibe, diese lachenden Kinder da können morgen die Feinde sein. Und das sagen sie, um zu illustrieren, wie schwer der Job ist, den die armen jungen Männer hier machen müssen. Wie hart es sei, wenn sie nach Hause kommen, immer an die drei gefallenen Kameraden denken, aber es gäbe ja zum Glück eine gute psychologische Betreuung. Am Karfreitag sind sie gefallen, die Armen. Ausgerechnet. Schon über 30 sind tot. Ihr hässlichen Zyniker. Wer produziert dieses Propagandamaterial. Ihr Kriegstreiber. Ihr wollt Respekt? Wofür? Und das sind keine verrückten Jugendlichen, die nur das Abenteuer suchen, sondern Soldaten mit Fleisch und Blut, das ist doch auch ne Tautologie, sich sehenden Auges, ohne Not, für diese Option zu entscheiden, also ich geh nach Afghanistan, auch zynisch. Und dann natürlich, würdest du wieder hingehen, ja, am Anfang habe ich nur das große Abenteuer gesehen. Ja, was sonst? Ja, was sonst, Arschloch?! Mit Waffen spielen, mit echten Waffen, und Kameradschaft. Echte Männerfreundschaften. Es fühlt sich alles so existenziell an. Das werde ich nie vergessen. Einen echten Freund vergisst man nicht. Der Tod schweißt zusammen. Ein Schlagertext. Gute, alte Soldatenschlager. Ihr Zyniker. Und wie wird es sein, wenn ihr zurückkommt? Brecht dann in den Armen eurer Liebsten zusammen. Oh, ihr Armen. Ein harter Job. Ein harter Job. Respekt. Marschiert bis auf die Zähne bewaffnet, in fünf Metern Abstand zu Vor- und Hintermann, weil Granaten genau diese Reichweite haben, dass dann nur einer getroffen wird, doziert ein wettergegerbter Kamerad. Marschiert durchs europäische Mittelalter, habt verspiegelte Augen und trampelt alles platt, alles platt. Wir müssen bedenken, was dieses Land immer noch für ein Sicherheitsrisiko für die Heimat darstellt. Das sind wir unseren deutschen Opfern schuldig. Das darf der sagen. Unkommentiert. Was für eine menschenverachtende Kausalkette. Das darf der sagen. Der zu Guttenberg. Und das meint der. Und sie schlagen ihre Lager auf. In jedem Zelt ist mehr Luxus als in dem letzten intakten Winkel der Hauptstadt. Ihr dreckigen Zyniker. Und dann wird diskutiert, ob man es Krieg nennen darf. Ob man es Krieg nennen darf, wird diskutiert. Ob es nicht doch eher ein Bürgerkrieg ist. Kriegsähnliche Zustände. Kriegsähnliche Zustände. Guck dir das Land mal an. Guck es dir an und dann hör dir diese Worte an. Und fällt was auf? Ihr seid so zynisch, so selbstgerecht, man wünschte fast, ihr würdet enger da beisammen laufen durch die Stadt. Und hier der Schlachter, er könnte ein Talib sein. Talib, so heißt er wohl, der Feind. Und dass ihr ja nur helfen wollt. Das ist auch ne feine Logik. Fragst du den Einbrecher, ob er dir beim Suchen nach der Schmuckkassette hilft? Jetzt wo alles so chaotisch ist. Alles dreckig. Ich treff ihn noch an zu Haus, er muss es doch am besten wissen, wo alles ist. Ihr habt das Chaos schließlich angerichtet. Ihr wollt nur helfen wieder aufzuräumen. Wer hat euch darum gebeten? Und man ist so bitter bedroht von diesen Bestien. Sie zeigen auch den Krieg aus Sicht der Taliban. Das zeigen sie auch. Woher haben die eigentlich das Filmmaterial? Unten rechts steht weiß auf Bild: Propaganda-Material. Man sieht kopfbetuchte bleiche Männer, wie sie einen amerikanischen Dingo ausbrennen lassen und sich darüber freuen. Auch eine Blutlache wird gezeigt und verschämt weg geschnitten. Propagandamaterial. Witzig. Ihr bedient die Voyeuristen. Rekrutiert die nächsten Perversen, die da runterwollen. Und schau tief rein in diese Augen, in diese Seelen. Helfen will keiner. Jeder vernünftige Mensch will heil raus da. Nur weg. Und sicherlich am allerliebsten die Afghanen, wobei sie kennen ja nichts anderes als das. Seit über acht Jahren sind die Deutschen da jetzt drin. Die Befreier. Acht Jahre. Was habe ich in diesen acht Jahren alles erlebt? Wie lang das ist. Und jeden Tag kriegsähnliche Zustände. Und im Rhythmus von nem halben Jahr, oder nem ganzen – ach, was weiß ich?! – werden sie abgeholt und neue reingeschmissen. Werden nach Hause geholt. Die Armen. Es ist unerträglich, es drückt auf meine Brust, dass dieses verdummende Material gesendet wird. Gemacht von erwachsenen aufgeklärten Menschen, um zu informieren. Wie niederträchtig kann man sein, das Staatsfernsehen dafür zu nutzen, das einst als unabhängige Demokratiestütze uns von den Engländern geschenkt wurde, um dieses menschenverachtende Material zu senden. Man hätte die Bilder zeigen können, unkommentiert. Aber unkommentierte Bilder gibt es im Fernsehen nicht. Da müsste man ja selber denken. Das ist zu anstrengend. Und man muss ja mit Nicolas Cage auf Sat 1 konkurrieren. Da muss der Voyeur schon ein bisschen bedient werden. Und Realität kommt ja doch ne Ecke krasser als son Action-Blockbuster. Ihr verfickten Zyniker. Ihr Rassisten. Zeigt Menschen, die nichts haben als einen Rockzipfel Existenz und spiegelsonnenbebrillte Bewaffnete, die dieser Armut ausgesetzt sind, um mir zu erklären, wie schwer es für die Besatzer ist, diese Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen. Und die Kinder sind die Feinde von morgen. Da kannste aber einen drauf lassen. Das wäre ich auch. So verängstigt. So gedemütigt. Eingeschüchtert mit vorgehaltener Waffe. Das wäre ich auch. Da kannste aber einen drauf lassen. Ich hab keinen Respekt vor euch. Ihr seid aus freien Stücken da rein, habt euch ausbilden lassen dafür, habt frei entschieden da mitzumachen, da hinzufliegen, habt euch verpflichtet, habt Verträge unterzeichnet, habt es gewollt, habt es euch vielleicht nicht ganz so krass vorgestellt, aber habt es gewollt – den ultimativen Kick. Ich verachte euch dafür.
Weil der Satten Haus jeder Sturm trotzt
Und der Hungrigen Dach nicht ein Stoß
Sind die uralten Gräben mit Söldnern bewohnt
Mit Kanonen, wie Yachten, so groß
Und weil jeder Zaun doch aus Blut ist
Und jedes Gesetz doch ein Spiel
Kommen Horden von Fremden in Booten herbei
Bringen AIDS mit und Leichen am Kiel
Eine Ordnung, die die größten Schurken verschont
Das gefräßige Geld hat das Recht längst im Magen
Eine Ordnung, die Arglist und Habgier belohnt
Diese Ordnung müssen wir zerschlagen
Weil wir hier uns´re Hunde betrauern
Während dort ganze Völker krepieren
Scheint der Faschismus, den wir in die Schulen verbannt
Noch grausamer zu existieren
Weil dein tumbes Geschwätz keine Hand rührt
Und dein frommes Gebet keinen Stein
Soll´n die Kirchen von nun an bis in alle Zeit
Unsere Kasernen sein
Eine Ordnung, die die größten Schurken verschont
Das gefräßige Geld hat das Recht längst im Magen
Eine Ordnung, die Arglist und Habgier belohnt
Diese Ordnung müssen wir zerschlagen
Hört die Trommeln, kommt lasset uns erheben
Und singen von Freiheit und Brüderlichkeit
Dabei trennen wir wertes von unwertem Leben
Nur fürs Vaterland gelten Recht und Einigkeit
Und die Fahnen, die wehen so brav und so stolz
Aufrecht national, endlich darf ich´s wieder sein
Dass nur Zweifel Bewusstsein gebiert? Ach, was soll´s?
Deutschland ist ein Fußballverein!!!
Weil das da oben so weit weg ist
Und wir unserer Kraft nicht mehr trauen
Haben wir begonnen, statt zu solidarisieren
Auch die letzten Brücken zu zerhauen
Doch eine Ordnung, die die größten Schurken verschont
Das mordende Geld hat das Recht längst begraben
Eine Ordnung, die Arglist und Habgier belohnt
Diese Ordnung müssen wir zerschlagen
Ich hab es so oft schon getan, deshalb kommt´s auch nicht drauf an
Und bisher ist´s fast immer auch geglückt
Bitte frag mich jetzt nicht wann, ich mit dem ganzen Scheiß anfang´
Mit Trägheit bin ich bestens bestückt
Ob Arbeitsrausch, ob Zärtlichkeit, alles kommt zu seiner Zeit
Da bin ich nun mal ziemlich selbstgerecht
Oft lag ich mit mir schon im Streit und das bin ich langsam leid
Wenn´s drauf ankommt bin ich meistens gar nicht schlecht
Welcher Schurke nimmt mir meine fröhlichsten Stunden?
Welches Arschgesicht hat die Faulheit erfunden?
Alle reden von Projekten und Karrieren,
Als ob sie glücklich wären
Von Plänen und Zielen
Und dass die Decken fielen
Runter, direkt auf den Kopf, wenn du bleibst
Es nur auf Morgen zu verschieben hielte ich für untertrieben
Beim Lesen schlaf ich eh nur wieder ein
Ich hab´ noch Zweifel zu besiegen, dafür bleib´ ich besser liegen
Ne Runde Prokrastination kann schon noch sein
Von mir aus nenn´ es Selbstbetrug, die Panik kommt schon früh genug
Sie ist so treu, auf sie konnt´ ich immer bau´n
So sehe ich den Zeitverflug, und ich nehm noch einen Zug
Bis die Augen summen früh im Morgengrau´n
Welcher Schurke nimmt mir meine fröhlichsten Stunden?
Welches Arschgesicht hat die Faulheit erfunden?
Alle reden von Projekten und Karrieren,
Als ob sie glücklich wären
Von Plänen und Zielen
Und dass die Decken fielen
Runter, direkt auf den Kopf, wenn du bleibst
Welcher Schurke nimmt dir deine fröhlichsten Stunden?
Faulheit ist nur ein Wort, das hat ein Arschloch erfunden
Alle reden von Projekten und Karrieren,
Als ob sie glücklich wären
Von Plänen und Zielen
Und dass die Decken fielen
Runter, direkt auf den Kopf
Wenn du bleibst, wo du bist
Wenn man bleibt
Wenn man bleibt, wenn man bleibt
Wo man ist
Wie groß die Dinge neben einem stehen können und man kommt nicht rauf.
Ob man will, ob man noch so sehr will, oder nicht.
In manchen Nächten, es sind nicht mal die dunkelsten, fallen einem nur die Gräben auf, nur die Zäune.
Da sieht man nur das unausweichlich Trennende.
In manchen Nächten kann man es mit Händen greifen.
Und alles, was einst Exzess, was Rausch war, liegt jetzt da.
Antastbar, leblos und mau.
Und alles, was richtig war, gut war, was stimmte, knarrt nun bedenklich brüchig unter den Zehen.
Und man kommt nicht rauf da.
Alle Worte hölzern, von verzweifelten Zungen geformt, von viel zu warmer Luft getragen, fliegen in Richtung Ziel und verfehlen es.
Nur knapp, doch hörbar deutlich: sie fliegen vorbei.
An Sinn.
An Unsinn.
An allem, woran sie sonst haften bleiben, wenn sie landen.
Erst drängend machen sie sich auf den Weg durch den Raum, dann immer verhuschter -
vielleicht kommt man ja wenigstens heil raus hier und nichts nimmt Schaden.
Doch wohin verschwinden die Wörter, wenn sie nirgends ankommen?
Sie bleiben im Raum.
Sie bleiben im Raum, prallen an den Wänden ab und kommen zurück.
Und immer mehr von ihnen verlassen die Zunge als Totgeburten, segeln unausgesprochen vorbei und vorbei und vorbei.
Der Raum ist so voll von ihnen, dass man schon nicht mehr erwarten kann, wie die Tür hinter einem hart ins Schloss rastet.
Man hört ihn klar vor sich, den dumpfen, erlösenden Laut.
Und je mehr man ihn ersehnt, desto weniger schweifen die Augen.
Nur nicht ertappt werden jetzt.
So geht es weiter und weiter und der Morgen bleibt fern.
Und man fühlt sich als Lügner, als Lügner so sehr.
Nein, es sind nicht die dunkelsten Nächte.
Aber dunkel sind sie.
Helle
Ein Stoß wie von Wind
Die Tür schlägt auf
Gleißende, warme Helle
Schlägt jäh in mein Gesicht
Plötzlich bin ich nackt
Wie ein Baum
Räkle meine Arme in diese
Gleißende, warme Helle
Eine Haut, die zwei Körper
Körperlos umgibt, wie ein Raum
Mit diesen Körpern entstanden
Für diese Körper gemacht
Alles kann jetzt sein
Ich bin da
In alle Richtungen frei
Wie ein Sandkorn Wasser im Bach
Frei
Ich verschwinde in deinen Augen
In deinem Mund
Es ist überwältigend leicht und frisch und klar
Hier in dir
Eine Haut, die zwei Körper
Körperlos umgibt, wie ein Raum
Mit diesen Körpern entstanden
Für diese Körper gemacht
Keiner hält keinen fest
Und ich mich auch längst nicht mehr
Zerflossen in sprühendem sprudelndem Nass
Schwerelos
Ein Salto noch und eine Drehung
Ein Sturzflug dort am Horizont
Das Ganze noch mal, bloß keine Pause
Doch dann, dann muss ich nach Haus
Dann geh ich nach Hause
Für immer nach Hause
Nur Sand
Als gehörte es mir
Als gäb es etwas zu fassen
Als könnte ich bleiben
Und es liegen lassen
Als könnte ich sehen
Als stünde es still
Als könnte ich wollen
Was ich gar nicht will
Als stürbe ein Leben
Als grüb ich es ein
Als läge schon Staub
Dort auf seinem Stein
Kein Stein mehr, nur Sand
Nur Sand sind die Finger
Die Finger, die Knöchel
Der Druck meiner Hand
Lass los jetzt, lass los
Und ich lege mich fiebernd
Weinend, lächelnd
In deinen Schoß
Lass los
Als hielte ich an
Als verkündete ich
Es ist so, es muss so
Ich will... – lächerlich
Lächerlich
Als stürbe ein Leben
Als grüb ich es ein
Als läge schon Staub
Dort auf seinem Gebein
Kein Stein mehr, nur Sand
Nur Sand sind die Finger
Die Finger, die Knöchel
Der Druck meiner Hand
Lass los jetzt, lass los
Und ich lege mich fiebernd
Weinend, lächelnd
In deinen Schoß
Lass los
Mein Körper hat gelogen.
Sich gewunden, ja gebogen
Auch mit glucksenden Geräuschen
Skrupellos zu täuschen
All die eindeutigen Sachen
Die wir machen, wenn wir lachen.
Machte ich, Verbrecher ich, wie lächerlich.
Nur weil Du diesen miesen, miesen, miesen... tja, was war es?
Ja...
Witzkrüppel gebarst.
Er kam zu mir
Hinkend
Stinkend
Und ich... wieso?
Wieso habe ich das getan?
Und in diesem Moment, als ich mich nicht verschloss
Schoss er in mich.
Ich, da ich mich nicht schützte
Die Gelegenheit sah und auch nützte
Ich, den Mund geöffnet
Mechanisch
Hätte es gar nicht
Hab es...
Und dann, einbeinig zwar, gedrungen, hüpfte
Und sich aufgeschwungen, schlüpfte er
Zwischen Zähnen und Zunge durch den Hals in die Lunge
Pfeifend, nach Luftbläschen greifend.
Und zerbrach meinen ehemals wehenden Geist
Und er stach seine Zeigefingerspitzen in meine gute Nacht.
Haha, was ham wir gelacht. Pisser!
Haha, was ham wir uns bepisst. Lacher!
Ein Kracher, ein... was weiß ich, wie man das nennt
Hätt jetzt gern mal gepennt.
Doch tropf, tropf, tropft es aus meinem Kopf.
Und klopf, klopf, klopft es in meinem Gewissen.
Und ich riech mich liegend hier modrig im Kissen.
Ach, hätt´ ich doch... wegdrehen, -sehen, -gehen
Ach, hätte ich doch... weg... alles war möglich in diesem Moment
In diesem Augenblick
Nimm den Strick und erstick ihn
Und ich? Kicher ihm Leben ein
Sicher ihm eben sein
Stricherwitzkrüppeldasein
Ein Tag klopft
Und tropft seine
Schlieren herab
Bis zum Grund
Es grünt satt und voll und verführerisch warm
Ein fliegendes Kinn schlägt die Treppenstufen herab
Und bleibt einfach irgendwo regungslos liegen
Bleibt einfach irgendwo liegen
Ein Erdloch
Und doch wuseln
Alle herum
Denn es geht
Es grünt satt und voll und verführerisch warm
Ein fliegendes Kinn schlägt die Treppenstufen herab
Und bleibt einfach irgendwo regungslos liegen
Bleibt einfach irgendwo liegen
Es sieht gut aus
Es sieht gut aus für dich
Die bleierne Uhr ziert den zarten Hals
Zieht den zarten Hals bis zum Grund
Gedeihe und verderbe
Gedeihe und verderbe
Gedeihe und gedeihe
und sterbe
Es grünt satt und voll und verführerisch warm
Ein fliegendes Kinn schlägt die Treppenstufen herab
Und bleibt einfach irgendwo regungslos liegen
Bleibt einfach irgendwo liegen
Lass deine Worte Marmorkuchen sein. Lass sie riechen. Lass sie warm sein. Süß. Lass sie da liegen. Er liegt fest da. Ganz fest. Essbar. Zerdrückbar. Doch fest. Schneidet in ihn, zerteilt ihn doch. Ihr kriegt ihn nicht weg. Das ist ein Wort. Und ein Krümel bleibt auf euren Tellern. In euren Zähnen. Er wird nagen daran. Er wird sie dunkel machen. Schwarz. Faulend. Und alt.
Lass deine Worte Festungen sein. Festungen über der Stadt. Sie sollen eingemauert sein. Mit Burggräben. Da soll der Sturm doch kommen. Er soll die Steine abtragen. Soll er doch. Das sind die Steine, die in den Städten für Unheil sorgen. Schmeißt eure Brandfackeln hinein in die Stallungen. Schießt Pfeile über die Mauern, dass Blut spritzt innerhalb der Mauern. Doch die Worte stehen fest. Lasst es über Jahrtausende verwittern. Bis es dann eine Ruine ist. Lasst es doch. Doch es wird da bleiben, bis es zum letzten Staubkorn zerfällt. Und erst dann ist es erst recht da.
Lass deine Kunst ein Meer sein. Lass es gefrieren in Eis. Dass die Schiffe und Fische in ihm stecken bleiben. Dass es fest wird und kalt. Tödlich kalt. Dass die Tiere und Menschen ausrutschen auf ihm. Einfrieren zu starren Fossilen. Das die Welt vertrocknet, braun wird, beige und grau. Trostlos. Lass deine Worte hart werden. Härter als Stein. Und wenn die Sonne wiederkommt und es taut, dann taut es. Lass es tauen. Deine Kunst wird nieder regnen auf die Steppen in die Dörfer, auf die Häupter, auf die Dächer. Lass sie Eis werden. Lass sie Hagel werden oder Schnee.
Lass deine Worte Atem werden. Stinkender, modriger Atem, der im Winter greifbar vor deinen Augen herumwabert. Lass sie deinen Mundgeschmack schmecken. Lass deine Worte stinken. Unsäglich stinken.
Dort sind die Schwingen, hier sind die Träume, da die Romantik. Ich hatte es nie so leicht. An die guten Menschen. Wie könnte ich da drüberstehen, wo Ihr so weit oben seid. Das wäre dumm. An die guten Menschen. An all die guten Menschen. Der aufrechte Gang. Diese ehrlichen, müden, klaren Augen. Die wissen. Die da sind. Ganz da. An die guten Menschen. Das ist ganz. Das ist ganz und gar. Da stimmt was. Das rührt etwas an. Etwas, nicht nur in mir. Das ist so viel. Das geht so weit. Das ist ein Sternenhimmel. Das ist alles. Alles, was schön ist. Und ich darf mit. Das ist unsagbar schön. Und doch ist der Abglanz hier wichtig. Aus Respekt. Aus Liebe. Zu Euch.
Wie weich kann eine Schulter sein. Wie stark ein Lächeln. Wie groß kann eine Geste sein. Das Heben einer Hand. Diese alte, träge Haut. An die guten Menschen. Wie feige wäre es, mich nicht an Euch zu messen. Ihr sollt mir als Sonnen leuchten an den trüben Tagen. In den garstigen Nächten mich wärmen. In den lauen Stunden mich antreiben. Mit Hurra ins nächste Verderben. Und am Ende soll kein Gott, sollt Ihr über mich richten. Ihr guten Menschen.
Hier wird nicht mehr gedacht. Hier ist alles recht. Deine Schritte. Wie Du sie setzt. Immer einen Fuß vor den anderen. Das will ich auch können. Das will ich üben. Jeden Tag. Wie deine Stimme klingt. Deine Worte. Wie unmittelbar sie klingen. Ob ich das könnte? Als erklängen sie direkt in mir. Ob ich das könnte? Als hätten sie nicht durch die Luft zu mir gemusst. Ob ich das kann? Als wären sie schon vorher da gewesen.
An die guten Menschen. Es ist so sanft mich in Euch zu legen. Weil Ihr da seid. Das sind die Minuten, die nicht fallen, die nicht runterfallen von mir. Die an mir haften bleiben. Die sich an meinen Himmel haften. Das sind die Minuten, die sich an meine Zunge haften. An die guten Menschen. Eure Geschichten sollen lauter klingen. Sollen weiter klingen. Weiter als ich kann.
An die guten Menschen. Habt es nicht leicht. Habt selbst zu leben. Habt selbst so viel zu leben. Das muss es wohl sein. Dass Ihr lebt. Dass Ihr nicht da hängt. Dass Ihr eben nicht für mich da hängt. Dass Ihr nur echt seid im Tanz. Im Verschwinden. Aber hin und wieder reicht ein Abbild. Eine Monstranz. Auch wenn es nur ein Grabstein ist. Manchmal reicht das. Das wird doch erlaubt sein. Und dann kommt die Erinnerung daran, was gehen kann. Was gehen kann, wenn man es macht. Wenn man ebenso versucht zu tanzen. Nur, man muss es machen.
Deshalb atme ich. Nur deshalb. Wegen der guten Menschen. Und irgendwo wartet ein Platz. Habt es nicht leicht, Ihr Guten. Aber da ist ein Platz, der ist da für Euch. Eine Holzbank, eine gewöhnliche Holzbank nur. Aber es ist ein Platz. Weil es genügt. Und da zu sitzen mit der herrlichen Aussicht auf so viele kurze Tage. Weil es genügt. Und dann ein Tropfen Wasser auf die Zunge. Das ist es doch. Nur nicht nachlassen. Da ist die Holzbank vor der Tür. Die ist bestimmt nicht mehr weit. Aber leicht ist es nicht.
An die guten Menschen. Wo man anfangen kann. Wo man nicht aufhören muss. Wie dünn die Luft sein kann und man teilt sie dennoch. Immer noch. Weil es geht. Weil es geht. Wie man dann nichts mehr sagt, weil man fertig ist. Des Redens müde. Weil man da ist. Angekommen. Und weil es geht. Einfach weil es geht. Unfassbar. Es geht. Diese dünne Luft weht um die Nase und die Aussicht lässt alles vergessen. Das es schwer war. Das es weh tat. Und sie brennt es ein. Das es sich lohnt. Immer wieder.
An die guten Menschen. Bleibt nur nicht wo ihr seid. Steigt herab und schubst mich, kneift mich, lasst mich nicht. Das wäre das Größte. Das wäre es dann. Und am Ende seid nur nicht zu gnädig mit mir.
Es ist unter, hinter, über, in mir
Knickt meinen Kopf gegen Wände und gegen die Polster der Nacht
So kann das, wird das, soll das nicht sein
Was passiert, ist passiert und passiert immer wieder nicht mehr
Etwas jammert und ächzt und blubbert
Durch die Tür, die sonst von Worten gefüllt und jetzt Rauschen
Diese zwei, drei, vier Füße, Schritte
Kann jemand mal zeigen, mal sagen, was da wo hingeht?
Hab dein Summen gehört
Es schwebte durch die Ritzen zu mir
Hab dein Summen gehört
Doch es kann das, es kann das nicht brechen
Es hat mich verdrängt, gesteinigt, vertrieben
Und kämpft trotzdem weiter mit mahlenden Zähnen in mir
Die Gitter zerspalten, zerklüften, versperren
Die Sicht nicht, aber den Blick und den wilden Gedanken hinaus
Dieses Schubbern und Reiben und Kratzen
Bleiben Fäden da kleben, weil das warme Wasser zu stolz war?
Schieb die Stimmen, die Hände davon
In die Abstellkammer, die unbeleuchtet im Keller nur wartet
Hab dein Summen gehört
Es schwebte durch die Ritzen zu mir
Hab dein Summen gehört
Doch es kann das, es kann das nicht knacken
Die Muße ist fort geflogen, dort geblieben, abgetrieben
In durstigem, immer stärker dämmerndem Grau
Die Muße ist dreißig Mal, dreißig Mal weiter entfernt
Als diese Hand da vor meinen Augen hier von mir
Hab dein Summen gehört
Es schwebte durch die Ritzen zu mir
Hab dein Summen gehört
Doch es kann das, es kann das nicht lösen
Es kann das nicht leisten
Den Hut über den offenen Ohren
Im leichten Nieselsonnenschein
Ich vermiss dich zu vermissen
Ich hüpfe über ein Bein von einem
Frischzerlumpten Mann
Ich glaub, ich habe ihn nie gesehen
Der Wetterfrosch kriegt windschiefe Gefühle
Eisdielenwarm die ganze Nacht
Ich leg mein Leben zu den Tassen in die Spüle
Und hoffe, dass den Abwasch einer macht
Ein Auto hält auf meinem Fuß
Und wartet hier auf grün
Nur ein Mückenstich in der Zeit
Ich schlag mir Wasser ins Gesicht
Doch es perlt bloß auf der Haut
Weiter kommt es nicht mehr
Der Wetterfrosch kriegt windschiefe Gefühle
Eisdielenwarm die ganze Nacht
Ich leg mein Leben zu den Tassen in die Spüle
Und hoffe, dass den Abwasch einer macht
Weiter kommt es nicht mehr
Nur ein Mückenstich in der Zeit
Ich glaub, ich hab ihn nie gesehen
Ich vermiss dich zu vermissen
Ich vermiss dich zu vermissen
Ich vermiss dich zu vermissen
Der Wetterfrosch kriegt windschiefe Gefühle
Eisdielenwarm die ganze Nacht
Ich leg mein Leben zu den Tassen in die Spüle
Und hoffe, dass den Abwasch einer macht
Selbst, wenn ich´s gewollt hätt´
Ich stoß´ mit den Knien gegen Beton
Verkneife ein Lächeln und schleiche davon
Ich schlucke zwei Mal
Trock´ne, warme, harte Luft
Und auf ein Mal bin ich klar
Ich drücke die Nase gegen das Glas
Von den Straßenbahnen, den Häusern, den Bars
Ich schlage die Stirn
In wirre, blöde, alte Falten
Und mit einem Mal bin ich raus
Mit dem brennenden Randstein hatt´ ich nie was zu tun
Selbst wenn ich´s gewollt hätt´, mit diesen klobigen Schuhen
Sieht man euch höchstens in Schlieren verschwinden
Während meine groben Hände noch Schnürsenkel binden
Ich kneife die Augen gegen das Licht
Ist der Schnee inzwischen getaut oder nicht?
Oder wann war das
Diese ernste, wilde Zeit?
Und auf ein Mal bin ich hier
Ich werf´ ein paar Worte gegen dein Ohr
Sie verhallen als Echo, so kommt es mir vor
Etwas reizt mich zum Husten
Belle böse, keuche krank
Und mit einem Mal bin ich fort
Mit dem brennenden Randstein hatt´ ich nie was zu tun
Selbst wenn ich´s gewollt hätt´, mit diesen klobigen Schuhen
Sieht man euch höchstens in Schlieren verschwinden
Während meine groben Hände noch Schnürsenkel binden