mohn zieht um :-)
Dieser Blog ist ab sofort unter:
http://www.pavotrouge.de
zu finden...
Dieser Blog ist ab sofort unter:
http://www.pavotrouge.de
zu finden...
In den Nebelschwaden der Disco kamst Du unsicher auf mich zu. Dein Lächeln war wie damals, vor fast schon ewig langer Zeit. Ich war seit Monaten das erste Mal tanzen und wundere mich immer noch über den Zufall, der uns gerade zusammenführte, fünf Minuten vor meiner Haustür entfernt.
Wir redeten lange und nippten zwischendrin leicht unsicher an unserem Bier. Zwei Jahre stumm. Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns wiedersehen, ohne böse Blicke. Irgendwie war es auch ein bißchen wie früher. Lass uns tanzen, sagtest Du, es ertönte "Seelenschmerz" von Blutengel, Dein Lächeln begleitete mich zur Tanzfläche, wir teilten uns eine Zigarette, als wären sie nicht gewesen, diese zerbrechenden Worte zwischen uns, es war so seltsam und ich bin immer noch verwirrt. Aber ich werde den Moment behalten, wie unsere frühere Zeit.
Im Schweif des Kometen
Vor nachtschwarzen Wolken
Steige ich brennend vom Himmel herab
Die Hand hält das Feuer
Mein Geist die Erkenntnis
Trage ich der Götter Gebote zu Grab
(Saltatio Mortis - Prometheus)
Das Jahr hat noch einen Monat. Und trotzdem habe ich schon jetzt das Gefühl, etwas darüber schreiben zu müssen. Retrospektive an diesem etwas kühlen Nachmittag. Es gibt irgendwie nicht viel zu sagen, und doch genug für einen Eintrag. Ich spare mir die nostalgischen Ausschweifungen. Es war richtig, nach Bochum zu gehen. Kein Jahr hatte mehr Herausforderungen, mehr Felsen, die es zu erklimmen galt.
Es war aufregend und aufwühlend, schwierig und tränenreich. Und doch. Erwachsenwerden tut weh, sagte Frau Berg. Ich wechselte die Schule, führte unzählige Seminargespräche, kämpfte weiter. Es ist immer noch nicht sicher, ob ich das zweite Staatsexamen bestehe, aber ich bin unterwegs.
Nun wohnen wir schon neun Monate zusammen. Ich bin glücklich mit Dir, wenn Du mich morgens verabschiedest. Wenn wir Akte X schauen oder unter unseren Decken über Schwachsinn lachen. Gestern haben wir unsere Adventskalender im Flur angebracht.
Ein wichtiges Jahr. Seitdem ich hier wohne, weiß ich, wer meine wahren Freunde sind. Ich vermisse manchmal meine gute Zeit als Studentin, meinen engen Kreis. Doch auch hier habe ich Menschen gefunden, die zu Freunden geworden sind. Es ist gut, nicht einsam zu sein. Einige Freundschaften sind zu Bruch gegangen, doch ich bereue nichts, ich bin immer noch Mohn in den Feldern, Prinzessin im weißen Kleid, mit Blüten im Blick und einem Ziel vor Augen.
Mein Nachbar rumpelt im Treppenhaus. Der kleine dsungarische Hamster schläft in seinem orangen Domizil. Ich bin überanstrengt und habe zu wenig geschlafen. Heute Abend ist eine Konferenz. Doch ich stehe. Mitten im Leben. Ich bin alles. Roter Mohn. Gelbe Wunderkerze.
Ich will sein.
Die Dunkelheit kam schnell wieder, nach dem Wochenende, nach dem Tag der offenen Tür. Ich bin ausgelaugt, müde. Unmotiviert. Auf meinem Tisch liegen drei unfertige Doppelstunden, die morgen bereit sein müssen. Der nächste Besuch muss geplant werden. Ich bin immer noch krank, seit fast sechs Wochen und halbwegs gute Laune will sich einfach nicht einstellen. Ich krieche auf Sparflamme durch die Tage, es gibt wie immer viel Kritik und ich frage mich, ob sich die ganze Anstrengung irgendwann lohnt. Ich will nicht zweimal durchfallen, und dann feststellen, dass ich zwei Jahre an meine Grenzen gegangen bin und alles umsonst war. Wie dam auch sei: Ich gehe zum Zahnarzt. Und dann vorbereiten, an meinem einzigen freien Abend, diese Woche.