pavot rouge

30.11.2009 um 15:55 Uhr

à réculons

von: nenia

Im Schweif des Kometen
Vor nachtschwarzen Wolken
Steige ich brennend vom Himmel herab
Die Hand hält das Feuer
Mein Geist die Erkenntnis
Trage ich der Götter Gebote zu Grab
(Saltatio Mortis - Prometheus)

Das Jahr hat noch einen Monat. Und trotzdem habe ich schon jetzt das Gefühl, etwas darüber schreiben zu müssen. Retrospektive an diesem etwas kühlen Nachmittag. Es gibt irgendwie nicht viel zu sagen, und doch genug für einen Eintrag. Ich spare mir die nostalgischen Ausschweifungen. Es war richtig, nach Bochum zu gehen. Kein Jahr hatte mehr Herausforderungen, mehr Felsen, die es zu erklimmen galt.
Es war aufregend und aufwühlend, schwierig und tränenreich. Und doch. Erwachsenwerden tut weh, sagte Frau Berg. Ich wechselte die Schule, führte unzählige Seminargespräche, kämpfte weiter. Es ist immer noch nicht sicher, ob ich das zweite Staatsexamen bestehe, aber ich bin unterwegs.
Nun wohnen wir schon neun Monate zusammen. Ich bin glücklich mit Dir, wenn Du mich morgens verabschiedest. Wenn wir Akte X schauen oder unter unseren Decken über Schwachsinn lachen. Gestern haben wir unsere Adventskalender im Flur angebracht.
Ein wichtiges Jahr. Seitdem ich hier wohne, weiß ich, wer meine wahren Freunde sind. Ich vermisse manchmal meine gute Zeit als Studentin, meinen engen Kreis. Doch auch hier habe ich Menschen gefunden, die zu Freunden geworden sind. Es ist gut, nicht einsam zu sein. Einige Freundschaften sind zu Bruch gegangen, doch ich bereue nichts, ich bin immer noch Mohn in den Feldern, Prinzessin im weißen Kleid, mit Blüten im Blick und einem Ziel vor Augen.
Mein Nachbar rumpelt im Treppenhaus. Der kleine dsungarische Hamster schläft in seinem orangen Domizil. Ich bin überanstrengt und habe zu wenig geschlafen. Heute Abend ist eine Konferenz. Doch ich stehe. Mitten im Leben. Ich bin alles. Roter Mohn. Gelbe Wunderkerze.
Ich will sein.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGMKB schreibt am 30.11.2009 um 23:46 Uhr:Ein schwieriges Jahr - selbst aus der Distanz betrachtet. So mancher Eintrag hier sorgte bei mir für ein besorgtes Stirnrunzeln. Für den Wunsch mit 2 Teebeuteln in der Tasche in den Zug zu springen. Und dann doch wieder Lichtblicke. Und ich teile sie, wenigstens ein bisschen. Sitze vor meinem Laptop und lächel. So wie jetzt. Es ist gut zu sehen wie sich bei dir alles langsam zusammenfügt. Ich freue mich auf noch mehr Lichtblicke in 2010. Hab dich lieb!

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