pavot rouge

27.02.2008 um 17:44 Uhr

Imagination

von: nenia

Ich könnte Anna sein. Anna, ein einfacher Name, von hinten, wie von vorn. Ich wäre also Anna. Ich schriebe Dir. Ein anderer Name. Ein anderer Mensch. „Hallo, schriebe ich. Ich bin Anna. Und wer bist Du? Ich habe Deine Adresse in einem Forum gefunden. Ich mag fremde Menschen, denn sie können mich nicht verletzen“. Ich täte also, als seiest Du mir fremd. Ich wäre Anna. Ich hätte blonde Locken und eine Schwäche für intellektuelles Fernsehen. Ich würde jemanden zum Diskutieren suchen, der mir aber fremd bliebe. Ich könnte Gesine sein und vierzig. „Lieber Fremder“, würde ich Dir schreiben. „Ich habe Dich in den Weiten des WWW gefunden. Ich bin einsam und meine Haare sind kaputt vom Färben. Ich hatte noch nie Sex. Weißt Du, wie das ist?“ Ich würde meine gelben Zähne im Bad betrachten und auf eine Antwort hoffen. Ich könnte Julia sein und dreizehn. „Huhuuu“ würde ich Dir schreiben, „Hast Du Bock zu chatten? Ich bin dreizehn und mag Bushido weil er geile Texte hat. Ichbingutesmädchen. HDL.“ Ich könnte imaginieren, Du wärst ein Fremder. Ich würde Dir schreiben, du würdest mir nicht antworten. Du könntest mir nichts tun. Ich bin fünfundzwanzig. Ich bin ein Stummfilm. Du bist mir nun fremd.

25.02.2008 um 17:16 Uhr

Je chante par couverture...

von: nenia

Ich muss bestehen. Ich muss ein wenig ruhiger bleiben. Ich will Frühling im Geiste, ohne Angst. Ich will Sommer in der Zeit, schon August, Helsinki und Lille. Noch so viel vor mir.
Ich fühle mich verloren und doch gefunden, stark und doch traumatisiert. Der erste Monat ohne Alex. Ich habe es gut überstanden, ich bin zur Normalität zurückgekehrt, ich war tapfer und motiviert, habe mir wenig anmerken lassen. Im Vergleich zu früher bin ich unendlich vorangeschritten, anders, weit. Das weiß ich. Ich bin schön und intelligent. Ich bereue nichts. Ich muss nur morgen bestehen, mir beweisen, dass ich es kann. Ich bin roter Mohn. Gelbe Wunderkerze. Ich will sein.

23.02.2008 um 19:53 Uhr

Die Mohnprinzessin

von: nenia   Kategorie: art

Es war einmal ein Mädchen. Es schuf sich eine Traumwelt. Dort lebte es in Papierwölkchen und sprach mit der Luft, weil es sonst kein Entkommen gab. Es weinte seine Tränen in eine Inkunabel. Als die Tränen schmerzten und die Hände zu lahmen anfingen, entschied es sich zu einem Aufbruch. Es verschloss die Inkunabel, versteckte sie, bis das Papier fast zerfiel. Irgendwann ritt es auf einem weißen Ross davon, während die Tränen auf der Zunge zergingen. Es wusste um die Wiederkehr, mit einer Hand voller Minuten, einem Haar voller Tage. Und Blüten im Blick. Es sollte so sein..

Sie schrieb. Es war das Einzige was geblieben war. Das minimale Tor zur Außenwelt, das Gefühl, etwas zu schaffen. Langsam verdichteten sich Buchstaben, wurden zu Worten, Sätzen, Satzreihen. Zu zusammenhängenden Gebilden, aus Schrift und Herz. Irgendwann machte sie das Geschriebene der Öffentlichkeit zugänglich. Trat hinaus aus ihrer Welt. Daraufhin wurde sie gelesen. Gelobt. Hände griffen nach ihr. Eine Hand gehörte dem jungen Mann. Sie zögerte ein wenig, doch entschied sich, nach dieser zu greifen. Sie legte den Federhalter beiseite, griff nach den warmen Fingern und sah hoffnungsvoll nach oben....

Das Mädchen ward eine Prinzessin in einem unbekannten Land. Doch als das getagte Haar und die minutengefüllten Hände Zeichen gaben, kündigte sich die Zeit der Wiederkehr an. Als die Prinzessin nach hunderten von Jahren ihren Raum betrat, war ihr, als sei sie aus einem Traum erwacht. Sie suchte nach der geweinten Inkunabel, um sich zu erinnern, doch als sie diese fand, war nur noch Staub übrig. Sie beschloß, nicht mehr zu verweilen und sich eine neue Zeit zu weben. In diesem Raum. Es sollte erfolgreich sein, die Prinzessin nahm den Mohn aus ihren Augen und verstreute ihn sanft. Das Glück war ganz nah.

22.02.2008 um 21:20 Uhr

Mohnort

von: nenia

Es fühlt sich gut an mit dem neuen Mohnort. Ohne unangenehme Gefühle. Ruhig, denn mich verklagt hier niemand. Ich habe mich ausgelöscht und neu erschaffen, ich bin ein Phönix. Ohne Alex und seine Neugier, die in meinem Leben nichts verloren hat. Ohne unliebsame Nachtweltenbesucher. Es ist zwar weniger chic, weniger wie eine Homepage, doch mehr wie ich.

22.02.2008 um 17:22 Uhr

Au revoir

von: nenia


Put the thorns in my side,
the coins in my eyes,
I'm not awake...

~Antimatter~

Ich konnte mich nicht verabschieden. Nun sind die Tage voller Tatendrang und Mut, die Abende jedoch mit bleierner Leere. Mir ist langweilig ohne Dich. Du hast getan, was Du schon oft prophezeit hast.
Ich verlasse Eden. Das Eden der ultimativen Freundschaft, durch die Nuttenstadt und darüber hinaus. Du warst der beste Freund, den ich je hatte und niemand wird Dir das Wasser reichen können. Ich gebe nichts auf, ich bin nicht wie früher, au contraire. Ich habe Sachen weggeworfen, Haare geschnitten, alle Symbole in Gang gesetzt, um ein neues Leben zu beginnen. Stark, stolz, ohne Dich.
Es geht nur partiell auf. Ich vermisse Dich. Du fehlst. Wenn ich durch die Straßen gehe, fallen mir Zitate und Momente ein, der orange Himmel über der Nuttenstadt, der Blick aus Deinem Zimmer. Ich bin unruhig, esse viel, schlafe wenig. In einer Woche schreibe ich Examen. Ich bin nicht konzentriert.
Keiner kann ermessen, was Du für mich getan hast. Du hast mich akzeptiert und verstanden, angehört und getröstet. Auf Deine eigene Weise.
Die Crux war, dass Du mich geliebt hast. Es tut mir leid, wenn ich Deine Hoffnungen genährt haben sollte, weil ich Dich an meiner Welt teilnehmen ließ. Emotionale Nähe schafft Hoffnung. Doch was hätte ich tun sollen? Von einem Tag auf den anderen warst Du da, war die Wellenlänge vorhanden, ich habe nicht nachgedacht. Und als ich bemerkte, wollte ich kämpfen, beruhigt durch die Illusion, dass Gefühle vergehen. Illusion.
Man sagte mir, ich hätte Dich ausgenutzt. Doch ich war auch für Dich da, wenn die Monster kamen, ich kochte für Dich, ich half Dir, wo ich nur konnte. Die Freundschaft war gegenseitig, die Liebe einseitig. Daran sind wir zerbrochen.

Ich danke Dir für alles. Ich werde Dich noch sehr lange vermisssen.