pavot rouge

28.03.2008 um 18:55 Uhr

le sens du combat

von: nenia

Musik: ASP - ich will brennen

Der Sinn des Kampfes. Ich musste daran denken, wie die fixe Idee kam, an einem Sommerabend. Ich trank Kakao und las Sekundärliteratur zu "Anton Reiser". Auf einmal war sie da. Das Leid in der Literatur hatte sich in meinem Gehirn festgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine Zusage von Monsieur R. Über Houellebecq. Auf einmal wurde diese unwichtig. Ich wanderte durch die Wohnung, ein bißchen zitternd vor Aufregung und dem Einwand, dass fixe Ideen meist im Unglück enden. Am nächsten Tag waren die Gedanken immer noch da. Es folgten Emails, bange Wochen. Eine voreilige Absage an Houellebecq. Eine undifferenzierte Antwort. Ende August saß ich wieder fingerknetend in Iris' Büro. Sie gab mir eine Zusage. Ich hüpfte hinaus und meine Haare wehten im Wind.

Nun brüte ich über Laokoon und Quintus Fixlein und es war die beste fixe Idee aller Zeiten. Es ist neu und aufregend. Es ist nichts, worüber ich früher gearbeitet habe. Und trotzdem ist es wahnsinnig interessant, auch wenn mich so oft die Motivation verlässt.

Und ja ich stehe auf Iris. Ein bisschen zumindest - und nur in germanistischer Hinsicht. 

27.03.2008 um 22:13 Uhr

So ein Sextag.

von: nenia

Musik: "Pirellis Miracle Elixier" - Sweeney Todd

Ich schreibe ein Buch. Das ist ganz einfach. Man benutzt auf 220 Seiten ganz oft das Wort "Möse" Lessing hat gesagt, in der Darstellung der Schmerzaffekte muss eine gewisse Ökonomie herrschen. Mich würde interessieren, was er zu einer Sexökonomie sagen würde. Aber Lessing hatte bestimmt keinen Sex, er hatte immerhin viel zu schreiben. Heute ist der Tag auch durchtränkt von Sex. Sex bei Charlotte Roche, gleich "Elementarteilchen" im Fernsehen. Ich finde "Feuchtgebiete" trotzdem ein bisschen gut, aber ich sollte meine Kunst vielleicht auch so gestalten, dass sie provokant und massentauglich wird. Nein, eigentlich nicht.

Wachsein ist übrigens eine tolle Erfahrung. Ich habe zwei Stunden perfekten Schönheitsschlaf hinter mir. So wach war ich seit Wochen nicht mehr. Nun werde ich zwar nachts nicht schlafen, aber das Gefühl ist großartig. Irgendwas muß heute großartig sein.

Ich schreibe ein Buch. Möse, Fotze, Möse, Muschi. 

26.03.2008 um 20:31 Uhr

...

von: nenia

"Wie gehts Dir denn? Gehts dir gut?"
"Ja. Alles fein."
"Und, wird es größer?"
"Ja jeden Tag spür ich es."
"Und, wieviel Zeit ist noch?"
"Drei Monate"
"Oh das geht ja. Geht es Dir echt gut?"
"Jaja, ich muss auch nicht kotzen."
"Und, bist Du aufgeregt?"
"Ein wenig."
"Gutes Durchhalten! Wie wird es denn heißen?"
"Der Schmerz in der Literatur des 18. Jahrhunderts!"

24.03.2008 um 21:21 Uhr

neige

von: nenia

Stimmung: Mutti komm, Fati guée.
Musik: Covenant - We stand alone

Gerade bin ich mit dem Taxi heimgebracht worden. Der Taxifahrer fragte mich, wo meine schwarzen Sachen geblieben seien, und meine Stiefel. "Ich muss seriös werden", sagte ich und lächelte vor mich hin. Das Taxi fuhr mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer in der Stunde den Berg hoch.Ich bin müde. Morgen muss ich arbeiten, dann vor Iris' Tür auf dem Boden sitzen, kopieren. Etwas über Laokoon und die Debatte lesen. Ich bin lustlos und erschöpft. Zwischenmenschliches wird auch anstrengend. Ich weiß gerade auch nicht, was ich eigentlich will. Genesung für Oma. Ein wenig Ruhe. Mehr Luft. Obwohl:

Warum haben Juden so große Nasen?
Weil die Luft draußen umsonst ist.

20.03.2008 um 15:36 Uhr

93.5

von: nenia

Musik: Zeraphine - Sterne sehen

Ein Gespräch, gestern. Es brachte mir die Nostalgie. Nach Burg Ludwigstein, le Kirschwein, nach betrunkenen und unbetrunkenen Zungenküssen und nach den vier Jahren meines Lebens, in welchen silbergraue Buchstaben und das Wochenende Anfang September die Welt bedeuteten.Als ich zu Nachtwelten kam, war ich verzweifelt, suchend, unbeständig. Verlassen habe ich es in einer wunderbaren Beziehung und mit ganz wichtigen Menschen. Und trotzdem vermisse ich sie manchmal, die Tränen in den Nebelpfaden, die vielen Worte, die mir durch Tag und Nacht halfen. Ich vermisse die Abende am Lagerfeuer, die vielen Umarmungen, das "Aufgehobensein". Die Musik.
Ich bereue nichts. Es war großartig und ich werde es nie vergessen. Nun bin ich trotzdem nicht mehr "Sterni" mit den Texten in den Nebelpfaden. Ich bin herausgewachsen. Ich trage bunte Kleidung und das "Gothicsein" ist nur noch innen. Ich habe es hinter mir gelassen. Zeiten ändern sich, Menschen ebenfalls. Und trotzdem bleibt die Nostalgie, die Erinnerung. An Nächte vor dem Bildschirm, allein. An die aufgehende Sonne, an die Burg und mein erstes Ereignis dort, mit diesem netten Mann am Lagerfeuer, durch die Burg Hand in Hand. Und das Wichtigste: an die erste (mißlungene) Begegnung von Uffi und mir, dort.

An viele wichtige Nachrichten von Menschen, die nun Freunde sind. An eine klandestine Verliebtheit, die keine war. Ohne Nachtwelten wäre mein Leben bestimmt nicht so gut verlaufen.Es war ein Anker in einer gnadenlos schlechten Zeit. Dafür danke ich.


17.03.2008 um 19:32 Uhr

asiatische Mösen

von: nenia

Houellebecq kommt nach Frankfurt. Und vielleicht fahre ich hin. Dann werde ich mir ansehen, wie er seine Finger knetet, auf den Boden schaut und ein bisschen stottert. Ich bin immer noch ein bisschen entrüstet über die Email von damals, aber ich möchte ihn mir doch einmal ansehen - und vielleicht hingehen, verächtlich lachen und sagen: Vieux con, je ne veux pas te branler.

Ich bekomme ein bisschen Nostalgie, wenn ich an Houellebecq denke: Nach New York und meiner Ausgabe von"Elementarteilchen", die ich dort in der Bahn las, völlig fasziniert. Nach meiner allerersten Hausarbeit und dem damaligen Wunsch, immer darüber zu schreiben, zu arbeiten. Nun hat sich alles abgelutscht, wie ein alter Penis eines Sextouristen: In den Büchern wiederholt sich alles. Nur die Gedichte bleiben noch. Poésie quotidienne - meine ewigen Lieblingsgedichte, so grausam und doch so schön.

Ton regard, mon amour, me portait dans la foule
et je n'avais plus peur d'affronter les cyniques...

16.03.2008 um 22:35 Uhr

Wenn schwarzer Regen

von: nenia

"Wenn man die Kontrolle verliert, gibt man den Freunden die Chance, dich aufzufangen."
Grey's Anatomy

Wirst du, wirst du mich beschützen,
wenn das Gewitter im Traum zu mir kommt?

Samsas Traum

Danke an wärmende Hände und Worte in den letzten Tagen. Ich wurde gut aufgefangen, von vielen Worten. Nun bin ich ruhiger. Weil ich weiß, dass alles irgendwie gut wird. Weil ich Freunde habe, die Ohren leihen, sich melden und sich kümmern. Die fragen und hören. Weil sie wissen, dass ich im Falle eines Falles genauso da bin. Danke für die Kommentare hier und woanders. Für alles.

Und die, die sich nicht melden, und denken ich wäre noch da - ich bin längst woanders. Weitergegangen.

 

14.03.2008 um 16:05 Uhr

Heiliges Herz

von: nenia   Kategorie: musique de pavot

Es gibt Momente, da vergesse ich, wie dieses Jahr bis jetzt gelaufen ist. Dass ich von einem Loch in das andere falle, ich gleite fast. Jedoch gibt es sie noch, diese einzigartigen Momente. Eine Liveversion von "Stromausfall im Herzspital", wenn die Musik durch Mark und bein geht, von dem Ohr in die Zehenspitzen.

Ich habe gestern mehr gelacht als ernsthaft zugehört und mitgesungen. Alex Kaschte hatte ein zu lustiges Blackmetal-Gesicht und hat einen Haufen komische Dinge erzählt. Ich habe mich amüsiert, nun kann ich ihn wohl nie wieder ernstnehmen und für die Blackmetal-Stücke würde ich zu seinen Konzerten nicht mehr fahren. Ein bißchen entschädigt wurde ich. Aufgespießte Katzen und ein Baum. Ich mag die alten Songs und ich finde, ohne alberne Schminke sieht er immer noch gut aus. Utopia und Tineoidea reißen mich immer noch mit.

Ein amüsanter Abend. Das, was ich gebraucht habe. Lachen und Kommunikation, lustige Fotos vorher. Das Leben ist da, es wird. Ich muss nur durchhalten. 

12.03.2008 um 18:13 Uhr

AWG

von: nenia

Mein Leben ist eine Seifenoper. Ich steche die Seifenblasen durch, doch sie sind resistent. Google spuckt Informationen über das eingegebene Thema aus, ein ekelhaftes Wort. Ich nehme nichts wahr und glotze auf den Bildschirm. Alles wird gut. Gestern war ich bei Oma und habe brav versucht, nicht zu weinen. Es geht sogar ein bisschen. Alles wird gut. Wenn ich das weiter aufsage, hilft es vielleicht. Alles wird, wird. Bavardage. Nun muß ich Uroma anrufen. Oma ist im Sanatorium, sage ich. Dort macht sie nur Gymnastik für ihre Beine. Jaja. Alles wird gut. Die Welt steht Kopf.

10.03.2008 um 22:34 Uhr

qc

von: nenia

Musik: Michel Berger - chanter pour ceux

Immer wenn ich einen französischen Film sehe, ist es, als wäre ich dort. Die Worte klingen so vertraut und logisch, ganzheitlich und wunderschön. Ich merke oft, wie sehr mir Frankreich fehlt. Die dreckigen Häuserfassaden und kleinen Brasserien, die Bürgersteige und das orange Licht von France Telecom. Die Art, wie wunderschöne Frauen in Spitzenröckchen sprechen und das letzte Wort im Satz anhauchen. Vielleicht fehlt mir einfach die gute alte Zeit. Ich bin eine Nostalgikerin par excellence und das ist manchmal plein de désavantages. Ein Leben en France wäre bestimmt difficile. Aber vielleicht komme ich dieses Jahr wieder für eine voyage. Ich möchte Bücher kaufen im Furet du Nord und Oberteile bei Jennyfer. Und parler francais will ich. Ganz viel.

Vielleicht will ich die Erinnerungen durch neue substituieren. Erinnerungen an Dich, an diese Zeit. Ich will Neues. Nicht, dass Du mich wie jetzt verfolgst. Ich spüre es wieder, das Zucken der Iris, die Extrasystole, wenn ich an Lille letztes Jahr denke. Dort habe ich Dich quasi das letzte Mal gesehen. Ich vermisse Dich immer noch und egal, wie frei ich bin, wie viel einfacher nun mein Leben in diesem einen Punkt ist, Du fehlst mir trotzdem.
Der Player wechselt das Lied. George Moustaki singt "ma solitude". Es ist nun einen Monat her, dass Du verschwunden bist. Auch, wenn das letzte halbe Jahr eine torture war, und ich mir oft gewünscht habe, dass es enden möge, fühle ich mich nun einsam. Ich drehe mich im Kreis, ich habe alles analysiert und trotzdem bleibt diese Wunde. Ich habe Dir keine Träne nachgeweint. Alles läuft eher still. Ich meistere la vie quotidienne. Und trotzdem ist es diese Lücke. Wenn ich schlafe, träume ich, dass wir uns vertragen. Das Freiheitsgefühl am Anfang ist zu schnell diesem Kloß in Hals und Kopf gewichen. Ich stehe bei Subways und denke daran, wie ich Dich verabschiedete, zum letzten Mal. Lauter Fetzen. Ich fühle mich von Dir verfolgt, nicht in Ruhe gelassen. Geh endlich weg.

02.03.2008 um 21:16 Uhr

réflexion

von: nenia

Ich habe einmal diese Geschichte geschrieben, in der ich durch Marburg laufe, im Nebel. Der Samt gleitet über den Boden. Du begegnest mir, ich sehe Dich an, ich gehe an Dir vorbei. Heute stand ich am Bahnhof, mit einem Becher Kaffee in der Hand. Der "was wäre...?" Gedanke kam plötzlich. Ich sah mich um. Du könntest ein Vorbeigehender sein, en passant...

Ich trage einen karierten Mantel, bunte Kleidung und keinen Samt. Wenn Du mir begegnen würdest, würde ich Dich vielleicht leise grüßen, mich umdrehen und blitzartig verschwinden, innerlich überrascht, wie damals, beim letzten Mal. Ich würde einfach weitergehen, schneller als bisher. Du solltest mir nicht nachsehen. Vielleicht würden wir uns überhaupt nicht mehr erkennen. Ich habe Dich drei Jahre nicht gesprochen, nicht gesehen. Du bist als Prototyp, als Phantom durch meine Kurzgeschichten gegeistert. Du warst zu heimlich. Und doch lange präsent. Eigentlich frage ich mich, ob ich Dich je geliebt habe. Ich habe Dich doch kaum gekannt, Ich habe Dich umschwärmt und geträumt. Ich war ver-liebt, mit einem festen "ver" und einem nicht vorhandenen "liebt", einem Paradoxon in sich. Ich kann lieben, wenn ich kenne. Wenn ich atmen höre. Wenn ich einschätzen kann.

Manchmal ist dort dieses seltsame Gefühl, Du könntest auftauchen. Ich müsste mich Dir stellen, für den Hauch einer Sekunde, und eigentlich will ich nicht, weil Du nicht ehrlich zu mir warst. Ich bin vorsichtig und zaghaft, ich vermeide Konfrontation. Ich mag einfach keine alten Geister, es ist dasselbe Gefühl, wenn ich in Aix stehe und fast unmerklich Luca in der Menge suche. Ich fürchte und gleichzeitig stelle ich mir vor, wie ich vorbeigehe, vielleicht mit einem Gruß. Schnell und stolz. Unnütze Konjunktive. Soweit.

Ich stand am Bahnhof, meine Augen blickten eventuell in das Grau des Himmels. Ich spürte zwei Hände um meine Schultern, erschrak. Stefan umarmte mich, fragte, ob ich lange wartete. "Nein, sagte ich", "schön, dass ihr da seid."