pavot rouge

30.04.2008 um 17:19 Uhr

proudly presents

von: nenia

 

Entschuldige, ich mußte Dich vorzeigen, weil sich nun alles jährt. Weil wir endlich ein Bild haben.  Danke für all die Monate und Momente, und auf enorm viele weitere.

28.04.2008 um 19:38 Uhr

advertising space

von: nenia

Heute stand ich bei Subway. Dort. Habe ich Dich. Das letzte Mal gesehen. Es ist zehn Monate her, so lange, dass es mir unwirklich scheint. Seit drei Monate ist nun diese philomelisierte Stille zwischen uns. Es gibt kein Garn. Kein Ende.
Ich habe Eden verlassen, die Freundschaft mit Dir ad acta gelegt. Mich auf den Weg gemacht, Dich hinter mir zu lassen, alle Nummern gelöscht. Den Himmel über Valenciennes verbannt. Die Erinnerungen weit in mir verschlossen, bis sie nicht schmerzen. Du hast für uns das Richtigste getan. So ging es nicht weiter. Ich ärgere mich darüber, dass nicht ich die Konsequente war.
Ich schreibe meine Staatsarbeit. Es läuft gut. Ich gehe in dem Thema auf. Ich bin stark wie nie, ich bin eine Wunderkerze, ich brenne und bin wild auf das Leben. Ich habe mich aus der Abhängigkeit von Dir befreit und ich bin fière.Trotzdem fehlst Du mir. Ich denke oft an Dich und frage mich, ob die Stille irgendwann gebrochen wird. Mir fehlt Dein Beistand und Dein Humor. Es ist, als hätte man mir ein Stück Familie weggerissen.
Ich stehe bei Subway und denke an letztes Jahr im Juni. Schon nach dem Streit in Lille war die betretene Stille zwischen uns, die sich gnadenlos auf Zunge und Gaumen legte. Bei Subway haben wir angefangen zu sterben. Wir lagen erst im Wachkoma. Dann hast Du uns die Geräte abgeschaltet. Es war am achten Februar. Ich zähle Monatstage. Nun sind es drei Monate ohne Dich. Du bist eine Wunde. Ein Phantomschmerz, der sich beizeiten bemerkbar macht. Doch vor allem bist Du eine Lücke. Du fehlst. Ich hoffe, dass Dir nichts passiert ist. Dass es Dir gut geht. Ich hoffe nicht auf Reanimation, weil ich glaube, dass es zwecklos ist. Und doch ist dort diese Asystole bei einer unterdrückten Nummer, und manchmal überkommt mich die Trauer. Wenn ich bei Subway stehe. Wenn irgendwo CNN läuft, oder Robbie Williams. Es ist weniger geworden. Es wird noch.
Ich gehe hinaus.

22.04.2008 um 18:29 Uhr

Heute Nacht, Amsterdam

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Heute Nacht, Amsterdam, wird ein Traum angespült
und der glaubt, er erfüllt sich bei dir, Amsterdam..
~Hildegard Knef~

Es war so wunderschön. Eigentlich sollte ich wieder meine Monster über den Schmerz streicheln, doch in Gedanken bin ich noch ganz dort an den Grachten, Hand in Hand mit Dir. Es war alles voll mit Euphorie, mit kindischen Spitznamen, erfüllt von dem Treiben der Stadt, die und mitriss. Wir sahen im Zoo Biberbabys an, bestaunten brasilianische Goldagutis, aßen Pommes und schauten auf die Amstel. Spazierten über bunte Märkte und fuhren mit einem Boot über das Wasser. Abends lagen wir berauscht im Zimmer, Dein Bart an meinem Ohr. Wenn ich aufwachte, habe ich Dich angesehen. Deine Kopfhaut roch nach Zitronengras und die Sirupwaffeln schmeckten göttlich. Ich will zurück zum Wasser, zu der bunten Stadt mit den engen Straßen, dorthin, wo das Leben für eine kurze Zeit dermaßen glücklich war, ohne Sorgen, ohne Schmerzdarstellungen. Mit uns. Ich hatte mich lange auf diese Reise gefreut und nun ist sie ganz frisch im Kopf, aber bereits bei den Erinnerungen, die wir beide teilen. Dein Geschenk an mich. Es ist Dir so gelungen. Ich habe mich an Deine Nähe gewöhnt und werde heute bestimmt schlechter schlafen. Wir sind um mindestens drei Kosenamen reicher und ich freue mich auf den nächsten Urlaub. Doch zuerst auf Freitag, wenn Du wieder bei mir bist. Übrigens haben wir Eloy nicht getroffen. Er war wieder woanders. Bestimmt in einem Gay-Klub. Oder so.

15.04.2008 um 23:30 Uhr

sobriety

von: nenia

Ich bin privilegiert. Ich habe keine Vorlesungen mehr und darf in der Mensa speisen, während andere Menschen in Kursen sitzen. Ich bin ganz oben im Elfenbeintürmchen, denn ich schreibe eine literarische Hausarbeit. Minä olen Schmerzforscherin. Ich erforsche etwas, was ich nicht ganz verstehe. Zum einen den Schmerz. Und dann noch die endlose Bürokratie, die ein Examenssemester mit sich bringt. Der Schmerz tut mir weh, weil mein Türmchen unsicher gebaut ist. Es basiert auf Selbstüberschätzung. Ich arbeite ungenau. Ich esse kein Papier. Ich lebe nicht für die Forschung. Das Thema ist großartig, aber ich bin nicht geschaffen für das wissenschaftliche Schreiben. Ich bin eine Künstlerin. Kunst ist Sturm und Drang, freies Denken. Wissenschaftliches Arbeiten ist Papierfressen. Gut kauen, aufnehmen und eigens verdaut wieder auswürgen. Ich gebe wieder, was Iris gesagt hat, was Roland geschrieben hat, den sie anscheinend mag. Was im philosophischen Wörterbuch steht und bei Platon. Ich habe einen annähernden Plan. Und trotzdem scheint es nicht meine Arbeit zu sein. Wenn ich Geschichten schreibe, sind sie meine Worte, meine Gedanken, vielleicht mit leichten Intertextualitäten. Das was ich jetzt mache gehört mir nicht. Es gehört Menschen, die vor mir etwas schrieben. Ich füge es nur auf eine andere Weise zusammen. Keine Künstlerin. Eine Kuh.

Iris ißt bestimmt nur Blätter. Ich habe sie noch nie essen sehen. Bestimmt trinkt sie Kaffee, und geht dann in ihr Büro, um Jean Paul-Essays zu verspeisen, mit schmackhafter Druckertinte. Sie macht das gut. Sie flechtet Thesen ein und griechische Wörter. Ihr glaubt man ihr métier. Ich bin nur eine temporäre Forscherin, eine oberflächliche. Und nach dieser Arbeit werde ich bestimmt längere Zeit nicht lesen. Ich schaue dann Serien, wie jetzt. Ich bin nicht hochbegabt und überfordert. Ich bin ein normales Mädchen, was sich in ihren Erwartungen an die Literaturwissenschaft verrechnet hat.

An der Universität beachten mich manche Menschen. Sie wollen auch soweit sein. Ich bin privilegiert. Ich kann meinen Tag planen, wie ich möchte, manchmal bis zehn schlafen, in Zeitlupe Cornflakes essen und im Internet herumclicken. Doch das ist die Crux. Dort ist immer dieses Monstrum über den Schmerz. Es will gekaut und gekrault werden, beatmet und gepflegt. Es ist manipulativ, denn er impliziert ein schlechtes Gewissen. Außerdem gibt es Sprechstunden, die Zeit fressen und Gänge zum Prüfungsamt. Meine freie Zeit ist limitiert und geprägt von Gewissensbissen.

Aber immerhin kann ich mitten im Semester in den Urlaub fahren. Vielleicht gebe ich den Ungeheuern eine Allergietablette. Davon schlummern sie gewiss.

08.04.2008 um 13:44 Uhr

mémoires

von: nenia

Ich war heute dort. In meinem alten Zimmer, mit den Anne Rice-Büchern im Regal. An den Wänden hängen neue orange Bilder, nicht mehr Sven Friedrich, nicht Ville Valo. Neuneinhalb Jahre war es mein Raum. Mein Reich. Mit wechselnden Postern und roten Decken. Mit alten Möbeln. Unter dem Bett sind Aufzeichnungen, Briefe, Schreibversuche. Liebesbekundungen des grünäugigen Jungen, der als erster die Sonnenstrahlen auffing, bevor das Rollo herunterging bei Kerzenschein. Klebezettelchen der damals so unrationalen aber leidenschaftlichen zweiten Liebe. Mein erstes Mal. Alles ist noch dort. Erinnerungen an alte Worte, Taten. Abende mit Freundinnen, die im Sessel saßen und den Stoffaffen umarmten.

Der Brieföffner ist nicht mehr dort. Ich habe ihn verschenkt, als der Entschluss damals stand. Erinnerungen an den Platz neben der Stereoanlage, wo ich Abend für Abend mit angezogenen Knieen saß. An dieses eine Hammerfall-Lied in Schleife, mit Blut auf den Armen. Die Nächte allein, die Außenwelt entrückt. Field of paper flowers.

Ich habe Nostalgie, wenn ich es betrete. So vieles hat sich verändert. Auf meinen Armen sind fast keine Narben mehr. In meinen Gedanken sind viele. Doch mit neuen Wunden weiß ich nun umzugehen. Stärke kommt mit der Zeit.

Die Papierblumen sind verschwunden. Ich bin in der Realität.

07.04.2008 um 14:20 Uhr

Sur le pont d'Amsterdam

von: nenia

Musik: Caught in the Act - I wanna stay with you forever

Bald geht es los. Ich werde in Minden einsteigen, wir fahren bis Amsterdam Centraal. Meine frühere Traumstadt. Stadt der Tulpen und der holländischen Boygroup, für die mein Herz drei Jahre schlug. Ich war einmal in Amsterdam. Damals war ich zwölf und sah mich ständig in den Straßen um. Doch Eloy, Ben, Bastiaan und Lee waren bestimmt ganz woanders. Ich habe auch Briefe gesandt, mit Herzchen, "I love you, babe" und allem, was dazugehörte. Und in meinem Tagebuch schrieb ich tränenverschmierte Seiten mit Fluchtplänen. Nach Amsterdem zu Eloy. Mittlerweile interessiert Eloy wahrscheinlich keinen mehr, aber ich werde mich auch diesmal umsehen.

Wir werden an den Grachten spazieren und Museen besuchen, Tulpen kaufen und photographieren. Und vielleicht begegnet uns auch Eloy und ich werde ihm die Hand schütteln. Zehn Tage noch. Meine Geburtstagsreise. Endlich. 

 

02.04.2008 um 20:39 Uhr

quelques mots

von: nenia

Ihr könnt gerne. Mich kreuzweise. Am Arsch. Richtig. Ich gehe nicht zum Jahrgangsstufentreffen. Ihr könnt Euch gern betrinken. Und mir bitte die zwei Euro meines Anteils überweisen. Davon gehe ich dann in die Mensa.

Die ganzen Jahre, in welchen ich nicht dazugehörte, zusammen mit meinen Freunden. Wenn sie nicht gewesen wären, hätte ich solch eine einsame Schulzeit gehabe. Die Jahre der abschätzigen Blicke, der hypokritischen Lächeln. Ich bin hinweggekommen. Doch diese Massenemail war unnötig. Ich war nie Teil einer Jahrgangsstufe. Wir waren zu fünft, gegen sechzig andere. Gegen die Welt, aber für das Leben. Es lag nicht an uns, das weiß ich nun. Es lag daran,dass pubertierende Kinder oft grausam sind und manche auch weiterhin nicht wachsen, in der Entwicklung pausieren und grausam bleiben. L'enfer, sagte Sartre, c'est les autres. Ita est. Er sagte es zwar in einem anderen Kontext, aber jetzt passt es gut.

In der Universität habe ich gesehen, wie leicht es ist, integriert zu sein. Gelobt zu werden, geschätzt zu werden. Einfach zu sein. Ich bin richtig. Ich war es schon damals. Nur die Perzeption der anderen war es nicht.

Nach der Mensa gehe ich auf Toilette und scheiße auf die Menschen, die mich nicht mochten.