pavot rouge

27.08.2008 um 19:03 Uhr

For the heart I once had

von: nenia

Vor über einem Jahr habe ich in meinem alten Refugium etwas Ähnliches geschrieben. Es ging um das Herz. Um Intellekt und Enttäuschung. Um den Kampf. Damals hatte er für mich erneut begonnen. Das Bestehen vor mir selbst.
Ich war nie überdurchschnittlich gut. Doch ich dachte, ich könne es werden. In der Schule war nicht viel Platz für Germanistik. Die Universität sollte mein Terrain werden, ein Ort, an dem man mich zu schätzen weiß. So einfach war es nicht. Ich habe ihr den Kampf angesagt. Doch egal, wieviel ich lerne und lernte, die Noten waren nicht zufriedenstellend. Dann kam das Schmerzbaby. Es sollte mein Beweis sein, dass ich wissenschaftlich arbeiten kann. Mein Triumph über mich selbst und die Menschen, die mir Mittelmäßigkeit bescheinigten. Ich blühte auf. Ich forschte und begriff, schrieb und dachte. Es war mein Stolz. Meine Erkenntnisse.
Als heute der Brief kam, haben meine Finger gezittert. Ich habe den Umschlag aufgerissen, die Information vernommen. Dort stand erneut Mittelmäßigkeit auf dem Papier, die Buchstaben krochen auseinander, wie der Abgrund in meinem Kopf. So weit.
Nun bin ich wieder dort, wo ich mich für den Weiterkampf entscheiden muss. Ich muss Iris nach den Gründen fragen, alles überdenken. Neu sortieren. Wahrscheinlich werde ich an der Promotion zweifeln und an allem anderen auch. Kurz vor dem Urlaub krieche ich auf dem PVC-Boden herum und kollektioniere die Scherben meines Tuns. Ich kann keinem die Schuld daran geben, dass ich selbst versagt zu haben scheine. Doch diesmal tut es mehr weh. Ich habe hohe Ansprüche an mich. Ich will mich beweisen.
Vielleicht war es doch Selbstüberschätzung. Ich bin kein verkanntes Genie. Damit muss ich leben.

21.08.2008 um 22:54 Uhr

in the streets a million people pass me by...

von: nenia

Neulich habe ich einen jungen Mann gesehen, in Köln am Bahnhof. Er ging mühsam auf Krücken. Ich muss sehr gestarrt haben, denn ich erwachte erst, als er mich irritiert anblickte.

Man fragte mich, ob Du fehlst. Ich bejahte. Es ist ein halbes Jahr her. Der Schmerz wird anders, nicht mehr penetrant, nicht omnipräsent, weniger stechend. Ich habe alles analysiert. Dir verziehen, mir verziehen. Ich habe mir eingestanden, dass wir nie wieder die Chance einer Freundschaft hätten.
Ich habe wundervolle Freunde. Im letzten halben Jahr habe ich mich erneut geöffnet. Ich habe mir geschworen, mein Vertrauen in Mitmenschen zu kitten, Freundschaften zuzulassen.
Mir geht es gut im Moment. Ich verbringe den letzten freien Sommer. Trotz allem bin ich unglaublich vorangekommen, habe die Zähne in die Hand genommen und gekämpft.
Dennoch kann Dich niemand ersetzen. Du bist irgendwo in meinem Hinterkopf. Es ist surreal, wie lange alles her ist. Mittlerweile kann ich mir alte Photos ansehen, ohne zu weinen, aber ich kann nicht mehr nach Lille, das wird mir immer klarer. Noch nicht. Vielleicht nächstes Jahr, wenn jemand mit mir reisen möchte.
Manchmal sehe ich auf Deinen Account. Er wird von Zeit zu Zeit aktualisiert. Es ist irgendwie gut zu wissen, dass es Dich gibt, dass Dir nichts passiert ist. Ich wünsche Dir, dass Du Dein Leben findest. Dein Glück.
Ohne Dich ist es leichter geworden. Ich muss mich nicht mehr rechtfertigen, wenn ich mit meinem Verlobten in den Urlaub fahre, oder Frauen küsse. Ich werde nicht eingeschränkt durch Vorwürfe und weine kaum. Ich muss mich nicht mit dem schlechten Gewissen auseinandersetzen, welches Du mir oktroyieren wolltest.
Diese Freiheiten haben ihren Preis gefordert. Dort wo Du verschwandest, klafft immer noch diese Leere Manchmal fällt mir ein Spruch ein, oder eine Marotte, die ich mit Dir verband. An Tagen wie heute, wo es mir ausnahmslos gut ging, möchte ich es Dir manchmal einfach berichten. Mir fehlt das Klacken in der Leitung und das "Nun, was hat Tante heute gemacht"?
Ich bin trotzdem glücklich. Der Schmerz ist unsichtbarer. Woanders. Es heilt.

19.08.2008 um 21:37 Uhr

never gonna change the way...

von: nenia

Musik: Caught in the Act - Best friend's girl

An manchen Abenden hole ich die CD aus meinem Regal. Sie ist schon ein bißchen zerkratzt und meine Stereoanlage ist zu alt. Sie braucht drei Anläufe. Lieder, die die Welt bedeuteten.
Es begann vor vierzehn Jahren mit einem Foto und war drei Jahre ein immenser Bestandteil meines Lebens. Vier Jungs aus Amsterdam. Auf frischer Tat ertappt.
Es war eine großartige Zeit. Mit hysterischen Tränenanfällen bei manchen Songs. Briefen an den Fanclub. Und immer wieder REPEAT. Eloy, my love. Liebevoll ausgeschnittene Berichte. Gesandte Kuscheltiere, all das. Vor zwölf Jahren stand ich in der Dortmunder Westfalenhalle. Ich trug ein Bandshirt und ein Schildchen. Ich wußte nicht, welche immensen Kreischfähigkeiten ich entwickeln konnte. Nach dem Konzert war ich heiser. Glücklich. Sehnsüchtig. Ich schrieb bestimmt hundert schlechte englische Gedichte und weinte in mein Fankissen. Eloy war so fern und doch so nah. Sein Poster lächelte mich an, wenn der Junge aus der Schule es nicht wollte. Eloy hat mich imaginär verstanden. Er hat nur nichts davon gewusst.
Manchmal schleichen sich Liedtitel in meine Texte. Sie sind schnulzig und auf den Geldbeutel der pubertären Mädchen ausgelegt. Und trotzdem tun sie so gut.
An manchen Abenden habe ich Sehnsucht nach der Zeit. Nach Janinas altem Zimmer mit den Postern. Nach Pubertät. Dann höre ich die Lieder, die ich immer noch auswendig kann. Ich mag sie immer noch.

Turn around whenever you need someone...

14.08.2008 um 18:43 Uhr

vieux fantômes

von: nenia

De temps en temps je commence à craindre. L'angoisse arrive sans signes, sans raisons. Les sentiments des autres jours me forcent à perdre moi-même dans quelques pensées irrationales.
Leve-toi mon coeur, le pays des pierres tombales...
Je veux vivre en couple. J'ai peur mais je suis prête à m'arranger, à abandonner quelques rêves et à créer des neufs. En fait c'est un pas en avant. Je crains des changements parce que le dernier m'a brisé en milles morceaux, et c'étais toi qui m'a collé. Et maintenant c'est cette situation de changement qui m'effraie, parce que parfois quelque chose dans mon cerveau évoque des sentiments du passé.

C'était hier. Aujourd'hui les fantômes ont passé à la trappe, je me sens bien et je ne sais pas ce qui a reveillé les cauchemars d'hier. Ce qui reste est un peu d'insécurité, l' extrasystole. Le reste, un morceau du pierre.

11.08.2008 um 09:59 Uhr

temps de lune...

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage


Impression einer wunderschönen Zeit im Stillstand des Alltags. Das überdimensionale M'Era Luna zweitausendacht.

 

 

01.08.2008 um 22:31 Uhr

absentminded

von: nenia

Musik: Combichrist - God wrapped in plastic

Ich bin zerstreut. Nach dem Amphi-Festival habe ich fast jeden Tag gearbeitet. In der Nachhilfeschule gesessen und manchmal Englisch mit Französisch gemischt. Die Themensuche für die Promotion ist nicht wirklich avanciert, ich gehe zur Bibliothek mit festen Vorsätzen und trinke doch nur Kaffee dort. Ich bin ein bißchen unzufrieden, dass seit der Prüfung drei Wochen vergangen sind und ich mich zu sehr an das reine Jobben konzentriert habe, anstatt mit den Recherchen anzufangen. In zwei Wochen beginnen die Vorbereitungen für das Gesamtschulprojekt und somit meine Vier-Tage-Arbeitswoche. Ich habe die Zeit nicht genutzt, zumindest nicht für Linguistik und dies ist ärgerlich.
Die nächste Woche wird ebenfalls mit Arbeiten vergehen und M'Era Luna wartet ebenfalls. Dann bleiben nur noch sieben Tage für intensive Recherchen.
Ich weiß jedoch, dass John Irving wohl noch lange mein Lieblingsautor sein wird und dass "das Leben eine für Jugendliche verbotene Schnulze ist." Dass ich wieder ein bisschen um Garp geweint habe und es genauso traurig war, wie vor acht Jahren, als ich ihn das erste Mal las.
Ich weiß auch, dass ich nun soweit Photoshop beherrsche, dass ich nun meine Gedichte illusrieren kann und somit eine neue Art der Artikulation entdeckt habe, ein neues Hobby.
Eigentlich genieße ich diese Zeit. Es wird sie schließlich nicht noch einmal geben. Mein Mohnsommer. Temps de tournesol.

Morgen werde ich en Cologne reisen. Oma und Uroma besuchen. Euch endlich danach treffen, am Rhein entlangflanieren, Haare im Wind. Vielleicht für einen Augenblick nostalgisch sein. Ich liebe Cologne immer noch und ich freue mich darauf, mit Euch dort zu sein.