For the heart I once had
Ich war nie überdurchschnittlich gut. Doch ich dachte, ich könne es werden. In der Schule war nicht viel Platz für Germanistik. Die Universität sollte mein Terrain werden, ein Ort, an dem man mich zu schätzen weiß. So einfach war es nicht. Ich habe ihr den Kampf angesagt. Doch egal, wieviel ich lerne und lernte, die Noten waren nicht zufriedenstellend. Dann kam das Schmerzbaby. Es sollte mein Beweis sein, dass ich wissenschaftlich arbeiten kann. Mein Triumph über mich selbst und die Menschen, die mir Mittelmäßigkeit bescheinigten. Ich blühte auf. Ich forschte und begriff, schrieb und dachte. Es war mein Stolz. Meine Erkenntnisse.
Als heute der Brief kam, haben meine Finger gezittert. Ich habe den Umschlag aufgerissen, die Information vernommen. Dort stand erneut Mittelmäßigkeit auf dem Papier, die Buchstaben krochen auseinander, wie der Abgrund in meinem Kopf. So weit.
Nun bin ich wieder dort, wo ich mich für den Weiterkampf entscheiden muss. Ich muss Iris nach den Gründen fragen, alles überdenken. Neu sortieren. Wahrscheinlich werde ich an der Promotion zweifeln und an allem anderen auch. Kurz vor dem Urlaub krieche ich auf dem PVC-Boden herum und kollektioniere die Scherben meines Tuns. Ich kann keinem die Schuld daran geben, dass ich selbst versagt zu haben scheine. Doch diesmal tut es mehr weh. Ich habe hohe Ansprüche an mich. Ich will mich beweisen.
Vielleicht war es doch Selbstüberschätzung. Ich bin kein verkanntes Genie. Damit muss ich leben.

