pavot rouge

21.09.2008 um 20:33 Uhr

syksy

von: nenia

Der Herbst ist unsere beste Zeit.
(J.W. von Goethe)

18.09.2008 um 22:23 Uhr

le vieux monde

von: nenia

Schließ' die Augen sanft, mein Kind
und bleib in meinen Armen,
ich trage Dich hinweg
in diese alte Welt...
(Diary of Dreams - Nekrolog 43)

Meine alte Welt. Jeden Herbst denke ich an sie. Früher war ich traurig, oft emotional zurückgeworfen in das Grabsteinland, in welchem ich mich damals befand. Nun, zur Normalität zurückgekehrt, vermisse ich es ein wenig, so paradox es klingen mag. Es war unglaublich anstrengend, am Abgrund zu wanken, es hat mich fast den Verstand gekostet. So viel Kraft und mindestens drei weitere Jahre der Verarbeitung.

Es machte mich kreativ. Über jede Narbe konnte ich eine Geschichte schreiben. Auf meiner Festplatte sind alte Dateien mit wunderschönen Texten. Nun fällt mir erschreckend wenig ein. Ich habe unendlich viel gewonnen, doch ein Teil der Kunst ist verloren gegangen.Dies ist der Preis. Vielleicht bin ich einfach keine gute Künstlerin. Irgendwann sind die Episoden aus dem eigenen Leben erschöpft. Nun reihen sich die Worte schwer aneinander, die Metaphern funktionieren nicht. Vielleicht ist es nur eine Phase. Doch ich befürchte, dass es andauern wird.
Über den November konnte ich Sprachbilder malen. Er war verzweifelt, intensiv, ein Strudel an Emotionen. Nun ist alles ruhig. Ich vermisse meine Wildheit. Belle et sauvage.
Früher war ich ständig unterwegs. Bahnhöfe bedeuteten die Welt. Nun werden die Fahrten gefühlt länger. Ich fühle, wie ich ankomme. Das ist der Punkt. Vieillir. Älter werden.
Definitiv ist das Leben nun besser. Trotzdem fehlt mir oft die Wildheit in mir. Sei es für die Kunst.

17.09.2008 um 22:43 Uhr

Sisyphos

von: nenia   Kategorie: art

Worte ohne Wiederkehr
zerfraßen das Papier.
Zerdacht in die Unendlichkeit,
doch nicht erreicht die See
aus Sinn und klarer Tinte.
Falsch konstruierte Schlüssel
Verwehrten alte Türen,
Und weiter läuft das Spiel,

mit Felsen an den Füßen
und Kopfhaut auf Granit.
Hinauf.

 

16.09.2008 um 20:01 Uhr

Abschied

von: nenia

Ich gehe durch die Stadt. Der Himmel ist schon in Dämmerlicht getaucht. Ihre Worte sind noch in meinem Kopf. Das Gespräch über das Schmerzbaby ist vorbei. Abschied von Airis.
Sie stellte mir einen gepolsterten Stuhl vor ihre Tür. Es war meine letzte Wartezeit. Wir redeten lange, über die Schwachstellen der Arbeit, Erwartungen und Ansprüche. Ich fand es ein wenig übertrieben, dass sie meine Sprache kritisierte. Der Rest war verständlich und plausibel.
Ich sei noch jung und so engagiert, sagte sie. Ich solle einfach nicht aufgeben. Weiterkämpfen. Le sens du combat. Ich habe noch Zeit mich weiterzuentwickeln.
Nun kann ich abschließen, mit einem Lächeln und das wollte ich. Trotzdem Anerkennung. Ermutigung. Ich habe sie bekommen.
Trotz ihrer Launenhaftigkeit wird sie mir fehlen. Sie hat mir gezeigt, dass Germanistik unglaublich spannend sein kann. Dass es viel zu entdecken gibt. Und seit heute, dass ich weiterhin an mich glauben kann.
Abschied von Airis. Ein nostalgischer Moment mit Dankbarkeit.

 

16.09.2008 um 10:24 Uhr

Feuerland

von: nenia   Kategorie: musique de pavot

Der Mond ging auf. Er strahlte grell und weiß über der Waldbühne. Die Nebelmaschine setzte sich in Gang. Da waren sie. Der große Mann sagte "Hallo Freunde!" Es begann.
Heimkehr zu Subway to Sally, jedes Mal erneut. Ich habe fast alle Lieder im Kopf. Und noch mehr Momente zu ihnen. Es begann irgendwann 2001, als Till mir "Kleid aus Rosen" vorspielte. Die Stimme des Mannes klang, als frühstücke er kleine Tiere, ein bißchen unheimlich. Trotzdem blieb sie im Ohr. Das dazugehörige Album spielte oft aus seiner alten Stereoanlage und es war Herbst. Ich war jung und euphorisch.
Auf der Solotour des Sängers machte Till mir einen Heiratsantrag auf der Bühne. Ich wurde hochgezogen und Eric Fish hat mich in seiner Umarmung fast zerdrückt. Vielleicht erinnert er sich noch.
Seitdem versuche ich jedes Jahr auf einem Konzert zu sein. Mitzusingen und das Gefühl zu genießen, die Nostalgie gemischt mit der Gegenwart. Die Texte. Die Musik.
Einmal haben wir nach dem Konzert am Bahnhof übernachtet. Es war so anstrengend, aber es hatte sich gelohnt. Heimkehr.
Du stehst neben mir. Wir frieren und zittern ein wenig. ich schmiege meine Nase in Deinen Bart und versuche die Deinige aufzuwärmen. Für einen Moment wird es still. Ich werde mich noch lange an dieses Konzert erinnern, an den weißen Mond, die Kälte. Deine Kapuze. Und die erneute Heimkehr.

07.09.2008 um 21:45 Uhr

far away

von: nenia

Es war eigentlich ein nettes Wochenende mit Raclette und Nostalgie. Fünf Jahre seit dem Abitur. Wir haben uns endlich alle wiedergesehen und gelacht. Revue passieren lassen. Und doch.
Ich stehe woanders. Ich bin nicht verwurzelt in Kreuztal und habe nur dort gelebt, weil mein Vater dort Arbeit hatte. Ich hätte lieber eine Jugend in der Großstadt gehabt, mit Möglichkeiten, guten Verkehrsanbindungen, all dem.
Ich erwarte mehr von mir. Mein Horizont erweitert sich permanent, ich möchte meinen Wohnort mir anpassen. Das Leben hat für mich mehr zu bieten, als eine Heirat in der Dorfkirche. Nein, auch nicht in der Synagoge. Ich war nie religiös, ich wurde so erzogen und neige generell zu Rationalismus in diesen Fragen. Vielleicht würde ein Glaube mein Leben einfacher gestalten. Doch lieber gestalte ich es selbst.
Ich möchte reisen, nie still stehen, vielleicht erst in einigen Großstädten leben. Vielleicht bin ich arrogant, doch mittlerweile stehe ich zu mir. Ich habe es zwar noch nicht hinaus aus dem Siegerland geschafft, doch im Februar kommt meine Zeit und vor allem unsere.
Es war schön, doch parfois zu nostalgisch. Ich habe mich mittlerweile von der Schule losgelöst, im November bin ich hoffentlich eine Alumna, ich habe Gegenwart und sie ist genau so, wie ich sie immer wollte.
minä olen onellinen...

02.09.2008 um 16:42 Uhr

tulo

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage


Wahrgewordene Träume. Momente, herausgerissen aus der Realität. Ich bin zurück, doch mein Herz ist wie erwartet dort geblieben. Es begann mit den Lichtern von Vantaa. Der Himmel so weit und lila, dämmerungstrunken. Unser Hostel mit Blick auf den Hafen. Wir drehten unsere Runden durch die Stadt, von der ich so lange träumte, sahen uns die Straßen und das Meer an. Am Markt kauften wir etwas bei einer Frau mit riesigen strahlend blauen Augen. Sie lächelte uns an.
So viele schöne Menschen. Die Bank auf der Zooinsel, auf der ich Arme ausgebreitet liegen konnte, das Meer und die Wolken, die so schwer und doch so schön über uns lagen. Die weißen Fähren und das Geräusch der Schiffe. Korkeasari und die Felsen auf Suomelinna. Das kleine Café und die Kälte, die doch irgendwie gut war.
Nachts wachte ich manchmal auf und konnte es nicht glauben. Helsinki, meine früher so oft gedachte Stadt. Morgens ging die Sonne über dem Weiß der Schiffe auf. Du gingst mit mir Hand in Hand. Das Gefühl der Heimat. Goldene Kuppeln der Uspenski Kirkko, fast wie in Leningrad damals, meinem Geburtsort. Helsinki hat Erinnerungen zurückgebracht und neu gestaltet. So nah.
Wir speisten in einem feinen Restaurant, wo der Kellner wie Espen Lind aussah. Du hast mich am Hafen geküsst. Das Glück. Wir hatten tausend Lachanfälle über die seltsame Sprache, die ich nun lernen will, und einfach eine fantastische Zeit. Mit der Stadt. Mit uns.
Sicherlich ist Helsinki nicht so melancholisch, wie früher gedacht. Es ist hell, bunt und aufregend. Mit vielen alternativen Menschen und guter Musik im Plattenladen. Ville Valo ist uns leider nicht begegnet. Vielleicht beim nächsten Mal. Dann komme ich wieder. Ohne alte Kitschträume. Mit einer wilden Freude im Herzen und hoffentlichen Sprachkenntnissen. Ich bin im Fieber. Zurück dorthin. In meine Traumstadt.

rakastan sinua...