pavot rouge

26.02.2009 um 11:49 Uhr

Allohol II

von: nenia

Vor unserer Haustür stand gerade ein schwankender Alkoholiker, der mich bat diese aufzumachen. Ich fragte ihn drei Mal, ob er hier wohnt, da ich mein Leben gefährdet sah. Während meines investigativen Prozesses kam ein Christenmensch, der uns eine CD über Jesus andrehen wollte. Zu allem Überfluss hat mein Schlüssel auch geklemmt. Im Hausflur strich mir der Alki über den Rücken und torkelte glücklich hoch. Der Christenmensch, hingegen, gab nicht auf und folgte mir fast bis in die Wohnung, um mich zu bekehren. Als ich die Tür vor seiner Nase zuknallte, wünschte er eine gute Besserung.
Oh heile mich, Jesus. In der Johanniterstraße.

25.02.2009 um 13:23 Uhr

Allohol?

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

5. Klasse. Kind 1: "Wenn ich Französisch wähle, kann ich ganze vier Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch!" Kind 2 daraufhin: "Oh bist Du etwa in der Russisch-AG? GIB MIR WODKA!"

24.02.2009 um 14:08 Uhr

Kurzurlaub in Ottbergen

von: nenia

Die "exorbitante" Strecke Bochum-Göttingen war mir am Samstag nicht wohlgesonnen. Wegen einer Signalstörung strandete ich in Ottbergen, wo der nächste Zug erst in zwei Stunden fuhr. Der Zugführer der Nord-West-Bahn zeugte sich erbarmungslos und erwiderte mein Flehen nach einer Alternative mit einem sachlichen "Kaufen Sie sich eine Jacke und warten Sie."
In Ottbergen gab es keinen Warteraum und nichts, wo man sich aufwärmen konnte. Doch ich wurde von Diana gerettet, die mich auf ihren Bauernhof mitnahm. Ja ich weiß. Man geht nicht mit Fremden mit, Mami. Aber wenn die Fremden Plätzchen und Tee haben, ein warmes Wohnzimmer und Babykälber mit Kulleraugen vielleicht schon. Am Ende stieg ich aufgewärmt und gerührt in den Zug ein. Es ist toll, dass ausgerechnet meine letzte Fahrt gen Fernbeziehung mir dieses Erlebnis bescherte.

20.02.2009 um 13:34 Uhr

kanikuli

von: nenia

Musik: Sonata Arctica - Mary Lou

Bewegliche Ferientage sind etwas Wunderbares. Morgen breche ich nach Gutingi auf. Heute kommt toller Besuch aus der cité de la victoire. Und ich konnte endlich wieder ausschlafen.
Dies ist mein neuer Mitbewohner, von Beruf Türstopper. Nun habe ich mit dem Houellebecq-Poster schon zwei Männer.

15.02.2009 um 17:59 Uhr

RTL deux, sur quatre vingt neuf un...

von: nenia

Das französische Radio spielt dieselben Lieder wie damals. Eine Schnulze, in der sich soeur auf ascenseur reimt. Ich weiß noch, wie ich auf Deinem Bett saß und wir darüber lachten.
Normalerweise speichere ich Jahrestage in meinem Kopf. Gute und schlechte. Der Tag unseres Kontaktabbruchs ist dieses Jahr einfach untergegangen. Ich habe ihn auf dem Pflaster der neuen Heimat vergessen. Vielleicht war ich in der Schule. Danach müde. Er ist mir zwei Tage später eingefallen. Es ist, als hätte ich Dich einfach in meinem alten Leben gelassen, endlich. Ich denke kaum noch an Dich. Und es ist gut so. Peut être guérir. Finalement.

11.02.2009 um 20:06 Uhr

dix jours..

von: nenia

Dix jours après. Die Wege sind vertrauter geworden. Um sieben Uhr führen mich meine Schritte durch die graue Morgenstadt. Wenn ich an der Schule ankomme, geht die Sonne auf. Mein Stundenplan ist immer noch nicht fertig, aber ich kann nun durch die Flure schreiten und Klassenräume aufschließen. Ein Lehrer teilt immer die Menge, hat die Seminarleiterin gesagt.
Dix jours après und Bochum ist bereits ein wenig heimatlich. Le coeur de la ville. Mon amour gris. Avec le meilleur café du monde.

02.02.2009 um 22:38 Uhr

sentiments presque Valenciennois

von: nenia

C'est Bochum, ce n'est pas Valenciennes. Mais un peu. Mon pas nerveux couvre les rues. Je suis étrangère dans une cité inconnue. Je me perds en chemin vers la salle de pavot. Ma salle que j'ai décorée avec toi.

Das neue Arbeitszimmer ist fertig, mit Mohnblumen an der Wand. Gestern sind meine Jungs heimgefahren. Heute Du. Ich war im höchst integrativen Seminar und habe Bekanntschaft mit der Bochumer Innenstadt gemacht. Ich habe die Stadtbibliothek und ein Gedichtband von Nelly Sachs gefunden, jedoch nicht den Weg zurück. Eine alte Dame geleitete mich mitleidig.
Ich bin allein in dieser gigantischen Wohnung. Gleich werde ich in unser großes Bett steigen. Ein Monat. Ich habe Rikes Bild von Houellebecq an die Pinnwand im Flur gehängt. Es wird mir nun zusehen, wenn ich den Müll hinausbringe, auf meinen Irrwegen durch die Stadt.

Rester vivant. Ca ira.