pavot rouge

29.05.2009 um 22:54 Uhr

Kanon, oh non!

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Fontane? Brecht? Den Zauberberg? Nein? Oh der Kanon. Das Zauberwort. Mein Kanon war ein Anderer. Ich habe in meinem Leben viel gelesen. Zuviel, vielleicht, sagten Sie.
Ach was wissen Sie von Robert Schindel und Maxim Biller, von John Irving und Michel Houellebecq?
Ich lese seit ich vier bin. Vielleicht manchmal oberflächlich. Aber viel. Ich habe immer versucht, mich literarisch umfassend zu bilden. Und nun stehe ich in einer Ecke. Mit der Nase zur Wand. Manchmal weiß ich nicht, woher ich die Kraft nehme. Ich presse die Nase an die Tapete, so fest, dass sie knackt. Und dann gehe ich hoch und stelle mich mit einem bezaubernden Lächeln vor die Klasse. Ich bin nicht Holly Golightly, aber ich kann innerlich so tun als ob. Bonjour la classe, ouvrez vos livres. Und weiter bis zum nächsten Gespräch über das gefährdete Examen. Lächeln, baby. Für das Ziel. Wir müssen nur noch an den eigenen Operatoren basteln. Was hat Michel gesagt? Rester vivant. Le sens du combat.

24.05.2009 um 15:00 Uhr

princesse pavot

von: nenia   Kategorie: coquelicot

Ich muß nur weitergehen. Schritt für Schritt, Ratio im Kopf und Mohnblättchen auf der Zunge. Ich will sein.

(Geschrieben März 2007.)

23.05.2009 um 18:51 Uhr

fille gotique

von: nenia

Manchmal fehlt es mir. Das Gefühl, jung und wild zu sein. Mit zerrissenen Strumpfhosen durch Ferndorf zu laufen, in einem presque durchsichtigen Rock, mit dem Bewusstsein, anders zu sein.
Mir fehlen rotgemalte Lippen und der Geruch von altem Samt. Die Nachtwelten-Treffen. Meine alten Freunde. Goethes Erben und das Konzert in Darmstadt. Zahlreiche Festivals, Momente auf dem Balkon. In Netzhandschuhen. Träume.
Ich dachte, ich würde es zu etwas Großem bringen. Einer Promotion in Germanistik. Einem eigenen Buch. Ich habe in Selbstüberschätzung gebadet nach dem Abitur. So beautiful and wild. Full of thoughts and plans. Hesses "Steppenwolf" begleitete mich auf den Zugfahrten quer durch Allemagne. Lord Byron und Mary Shelley flüsterten mir zu. Es war eine unglaublich turbulente, schwere Zeit und doch etwas Gutes. Ich war aufgehoben. Verstanden. Erfüllt von Musik. Ich war eine gute Eskapistin. Eine Heimatlose, mit Heimat quer durch die Republik. Mir fehlt es, mit geringelten Strümpfen auf irgendeinem Bahnhof zu sitzen. Zu rauchen, mit nachdenklichem Blick. Das Zuhause im Herzen. Das Herz so weit. Das Herz so wild.
Nun trage ich blaue Jeans und fahre seltener umher. Meine Kleider sind verkauft. Doch die Musik geblieben. Und dieses Gefühl ganz tief im Herzen.

21.05.2009 um 21:36 Uhr

Cuba Libre

von: nenia

Irgendwie erinnert mich das Getränk an "Homo Faber". Havanna. Das wahre Leben. Entdecken und begreifen. Für den Augenblick.
Au coeur de la ville. Ich habe Dir Bochum gezeigt. Das Bermuda3eck sprudelte, Menschenmassen und Musik schlugen uns entgegen. Wir tranken ein bißchen zuviel und sprachen über das Leben. Das ist es, was mir hier manchmal fehlt. Vertrautheit. Tiefsinnige Gespräche. Das, was Du aus meinem alten Leben brachtest.
In den letzten zwei Jahren haben wir viel erlebt. Ich musste bis nach Leipzig fahren, um Dich kennenzulernen. Ich vermisse die Gespräche in unserer WG-Küche mit dem grauen Boden. Die Tiefkühlpizza. Den Wein.
Eigentlich hat sich aber nicht viel verändert. Nur, dass jetzt zwei Stunden Fahrt zwischen uns liegen. Aber Du bist immer noch da. Mein Havanna.

19.05.2009 um 16:03 Uhr

la marée

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Ich versuche "Gezeiten" auf Französisch zu umschreiben. Ergebnis: "La mer se change"

(Das Meer zieht sich um.)

15.05.2009 um 23:51 Uhr

Lausch(er)angriff

von: nenia   Kategorie: art

Ein grauer Brief vom Arbeitsamt lag im Briefkasten. Ich öffnete ihn und das flaue Gefühl im Magen machte sich breit. Ich sollte mir neue Ohren suchen, stand darin. Meine Ohren sind zu groß. Wenn ich keine neuen Ohren finde, wird mein Geld nach Paragraph X gekürzt.
Ich befühlte sorgsam die Knorpel, fuhr diese mit dem Finger entlang. Eigentlich, dachte ich, sind es ganz normale Lauscher. Mittelgroß in etwa. Gut geformt. Doch das neue Ohrengesetz machte mir anscheinend einen Strich durch die Rechnung. Das gab es erst seit diesem Jahr. So ein Jammer, dachte ich. Ein Termin beim Ohrenvermittler stand anbei. Ich beschloss einfach meine Ohren steif zu halten. Abzuwarten.

15.05.2009 um 23:21 Uhr

weirdo

von: nenia

Ich könnte so gut sein, wenn ich anders wäre. Strukturiert. Notenversessen. Und die Schule als einziges Hobby, was mein Leben gänzlich bestimmt. Ich könnte bestimmt besser planen.
Ich bin irgendwie verrückt auf die Welt gekommen. Ich war nie strukturiert, mon tête dans les nuages. Tausend Gedanken, wie bunte Schmetterlinge, die leise lachen. Ich war immer Pippi Langstrumpf und Amélie, Träumerin und Verwirrte. Vielleicht ist das der Punkt. Ich kann meinen Kopf nicht ändern und eigentlich will ich es auch nicht. Struktur kann ich trainieren. Aber das Grundsätzliche? Ich will ein Leben außerhalb der Schule. Ich will Kunst und Literatur. Ich will durch die Straßen gehen und seltsame Gedanken haben. Und eigentlich bin ich manchmal so gern ein Freak.

12.05.2009 um 17:33 Uhr

lavande

von: nenia

Port Fréjus. Vor sieben Jahren. Mein Unterrichtsheftchen über la Provence hat mir den Duft zurückgebracht. Abschlussfahrt, so kurz vor dem Abitur. Im Bus mit einem schmierigen Fahrer und meinem Lieblingslehrer. Durch die Gassen von Saint Tropez, an den Yachten vorbei. Wir waren jung und die Welt lag vor uns, in der Sonne, auf den kleinen Gassen von Nice und Avignon. Ich saß auf der Terrasse unseres caravan, las Heinrich Mann und schrieb Gedichte. Janina stolperte nachts betrunken über die Türen unserer Schränke. Wir führen vers les gorges du Verdon und der Bus stockte in den virages. Monsieur l'arrosseur spielte Gitarre und suchte nachts Annika, die sich woanders vergnügte.
Es roch nach Lavendel, nach Sommer. In den Straßen klang das Timbre meiner Sprache. Und heute musste ich daran denken, zwischen Folienpräsentation, unmotivierten Oberstufenschülern und dem rétroprojecteur. La Provence. Le bac. La nostalgie.

11.05.2009 um 15:24 Uhr

untold words

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Liebe Frau S.,
vielen Dank für das heutige Gespräch. Es hat meine Ängste um den selbstständigen Unterricht gelindert. Mir gezeigt, dass ich nicht ganz versagt haben kann. Dass die Schule trotz allem hinter mir steht und mir in den nächsten zwei Jahren nichts passiert. Wenn ich das zweite Staatsexamen nicht schaffe, wird mein Leben trotzdem weitergehen - wobei Sie mir bestätigt haben, dass ich diesen Biss besitze, der gleichzeitig meine Hoffnung ist. Sie wissen nun vom Elfenbeinturm. Von Anton Reiser und diesem unglaublichen Unterschied zwischen Schule und meinem alten Leben. Sie bewundern mich ein bisschen für meine Standhaftigkeit. Haben Sie gesagt. Sie sorgen sich um mich. Und es tut unendlich gut zu wissen, dass Sie hinter mir stehen. Dass ich nicht allein bin. Dass Sie auf mich aufpassen.
Ich werde nicht die Schule wechseln. Das ist mir heute wieder klargeworden. Ich werde bleiben und kämpfen, Besuche über mich ergehen lassen. Sie werden in meinem Hinterkopf sein. Ermutigend und lächelnd. Mir passiert nichts.

10.05.2009 um 16:06 Uhr

Forever young

von: nenia

Sonntag Nachmittag im Kiosk: Ich: "Einmal Galoises bitte". Verkäufer: "Meine Dame, sind Sie heranwachsend? Sie sehen so jung aus!"

 

07.05.2009 um 20:33 Uhr

fleurs de cerisier - für Tamara

von: nenia

Du hast heute genau meine Gedanken getroffen. Als wären sie Dir begegnet, Du hättest sie kurz getastet. Erfühlt. An einem anderen Ort.
Ich wollte immer diese beste Freundschaft. Etwas, was Grenzen sprengt. Jemanden, der mich versteht ohne Worte, verwoben im Blick. Jemand für den ich die Beste bin, Vertrauteste. Einzige.
Ich weiß, dass es diesen Fall für mich gab. Doch er war vermengt mit der Komponente der unerwiederten Liebe und das machte ihn wiederum anders. Und trotzdem. Ich vermisse manchmal das Absolute, das fast ungesunde Etwas, das Quentchen Emotionalität, gemischt mit diesem einen Gefühl, was ich nicht einmal exakt definieren kann. Vielleicht existiert es nur in Büchern, ich habe zu viel gelesen.
Ich liebe meine Freunde. Ich schätze sie, jeden einzelnen, meinen kleinen Kreis, der mich über die Jahre begleitet. Doch auch hier will ich manchmal grünäugige Vampire, die Gedanken lesen können. Es ist albern. Mir ist nie etwas wirklich genug.
Ich bin wild und hungrig, trotz allem so lebendig und rot. Ich will Grenzen sprengen und Außergewöhnliches erleben, seltsame Symbiosen und die ewige Suche nach Utopia. Du hast meine Gedanken getroffen.

06.05.2009 um 20:37 Uhr

Ich habe leider kein Foto für dich!

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Thema: Castingshows. Kind: "Ich habe mich auch für ein C&A-Casting beworben. Ich wurde abgelehnt. Die nehmen nur häßliche Kinder."

03.05.2009 um 13:57 Uhr

Vorstadtkrokodile...

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

6. Klasse. Wir reden darüber, dass das Buch zu sehr auf den behinderten Jungen fokussiert ist. Meldung aus der letzten Reihe: "Ey, warum heißt das Buch eigentlich nicht Kurt, der behinderte Retter?"

01.05.2009 um 21:54 Uhr

i'm sorry ~ eclipse

von: nenia

Sometimes, there isn't any way to compromise.
Eclipse: Twilight Saga Vol.3


Der Zug fuhr an Löwenzahnfeldern vorbei. Das Buch auf meinem Schoß. Eine Träne verirrte sich in den Wimpern. An der Stelle, wo Bella und Jacob sich verabschieden, sich aufgeben, weil es keinen anderen Weg gibt. Sie läßt ihren Bruder gehen. Er flieht in die Wälder. Zum Ursprung.
Ich habe gehandelt wie sie. Dich gesucht, ersucht, mit dem Unterschied, dass sie so jung war und ich eigentlich schon erwachsener. Es ist nicht gerade eine würdevolle Erkenntnis, dass ich gehandelt habe, wie ein Mädchen aus einem Kitschroman. Bella ist immer wieder zu ihm gefahren, hat seine Gefühle aufgewühlt. Wie ich. Bis es nicht mehr ging.

Ich liebe die Twilight-Saga trotzdem. Oder gerade deswegen. Weil sie sehnsüchtig ist, überkitscht und doch menschlich. Voll mit Bernsteinaugen und Gefühlen, die jedes Mädchen nachvollziehen kann. Trotz der unrealistic expectations of men.