pavot rouge

26.06.2009 um 19:35 Uhr

love letter

von: nenia   Kategorie: champs d'or

'Cos I need your love, I need your touch,
I long for your embrace
(Entwine -Safe in a dream)

Ich habe Dir nicht geantwortet, ja. Mir sind zu diesem Zeitpunkt keine passenden Worte eingefallen, vielleicht jetzt.
Dieses Lied, ich weiß nicht, ob Du Dich erinnerst. Es begleitete mich auf der Rückfahrt von Marburg, im kalten Januar, damals. Ich hatte es als Zitat in die Nachtwelten gesetzt, in unseren ersten Thread. Und nun, fünf Jahre und fast sechs Monate später sitze ich in unserer gemeinsamen Wohnung. Sie ist leer ohne Dich. Ich bin sinnlos herumgewandert, im Kreis.
Ich liebe Dich. Ich liebe es, Deinen Atem zu hören, wenn Du nachts schläfst. Ich liebe diesen kleinen Moment, wenn Du Dich nochmal zu mir legst, wenn Du los musst. Ich liebe Deine Barthaare, die immer so gut riechen, und die Herzchenzettel, die ich auf meiner Tastatur manchmal finde. Ich finde es wunderbar, dass wir beide ein bisschen nerdy sind, und es ist toll, Sonntags ohne schlechtes Gewissen einfach herumzuhängen. Ich liebe Deine Beobachtungsgabe, die mir im Alltag so oft fehlt, weil ich immer in den Wolken schwebe. Ich liebe Deine nun bunten T-Shirts und die Art, wie Du mir oft über die Wange streichst.
Ich will Dich heiraten. Mit Kleid und Rosenblüten. Für die Hochzeitsnacht werde ich mir eine neue Corsage kaufen, bestimmt die Schönste, die es gibt. Ich will es, will Dich, will mit Dir mein Leben verbringen und noch mehr - falls es außerhalb von Grey's Anatomy existiert.  Du musst mir nur noch Zeit geben und ich bitte Dich um diese, so wie Du mich vor einiger Zeit gebeten hast. Nun brauche ich sie, auch, wenn die Situation damals eine Andere war. Ich möchte bereit sein, ohne Angst. Du kannst Dir meiner trotzdem sicher sein. Ich werde nicht weglaufen, an mir arbeiten.
Du kennst meine Geschichte, kein Anderer kennt sie so wie Du. Ich bin ängstlich. Zögerlich. Manchmal brauche ich zu lange. Ich weiß.
Ich liebe Dich und ich will es, dieses Leben mit Dir. Ich fürchte nur die Veränderung, die Ernsthaftigkeit, mea culpa. Ich will Dich. Ich liebe Dich. Dich. Dich.

25.06.2009 um 10:06 Uhr

Schall und Rauch

von: nenia

Ich will alles. Und sogleich.
(Simone de Beauvoir)


Alte Einträge vor knapp einem Jahr. Promotion und Träume, das Gefühl der guten fixen Ideen. Der Sommer in meinen Wimpern. Et maintenant?
Der Sommer ist da, er breitet seine Arme über die Stadt aus. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer, mit Zigarettenasche auf meiner Tastatur. Ich wollte alles. Referendariat. Promotion. Und nun wechsele ich zwar die Schule, aber die schlechten Gutachten wandern mit mir dorthin.
Ich habe mich überschätzt, wollte alles, traute mir alles zu. Je me suis trompée.

Und die Prinzessin hob die Fetzen ihres Kleides auf, und schritt einfach in ihren kaputten Schuhen weiter. Aus ihrem Mund fielen Zähne auf die Mohnwiese, doch sie ging und ging, unbeirrbar, dreckig, doch immer noch irgendwie schön. Ein neues Zeitalter würde kommen, mit Sommerwimpern und Gold auf der Haut. Es würde so sein. Irgendwann.

21.06.2009 um 22:24 Uhr

vallée de la Ruhr...

von: nenia

I return victorious,
I am coming home...
(The Crüxshadows)

Du hast mich abgeholt, nach einem Wochenende in Siegen. Schon als der Zug einfuhr, vorbei an den grauen Häusern, hat es sich heimatlich angefühlt. Es ist, als hätte sich in den letzten anderthalb Monaten ein Schalter umgelegt. I'm at home.
Das Wochenende war wundervoll. Mit tiefsinnigen Gesprächen und unserer Nostalgiekneipe. Mit Schaukeln auf dem alten Spielplatz, ein bisschen zu den Sternen in der Nacht. Ich habe Tristan verabschiedet, zu Ascii Disco getanzt, mit roten Lippen und Pathos in Bewegungen, Freunde gesehen und alle Ringe im Schmuckladen anprobiert. Und trotzdem hatte ich Sehnsucht. Nach den grauen Häusern, nach unserer Wohnung und den guten Verkehrsanbindungen. Nach der Stadt, die nun trotz allem mir gehört, die ich lieben gelernt habe. Ich werde mich auch morgen freuen, wenn die Sonne über dem Bahnhof Bochum West aufgeht. Die Woche wird stressig. Abschlussessen mit beiden Seminaren. Dazwischen die letzten Stunden. Und das Gefühl, rot und wild zu sein, lebendig und unterwegs. Hier, in unserer neuen Heimat.

17.06.2009 um 21:59 Uhr

exhausted...

von: nenia

Liebes Tagebuch. Heute habe ich angefangen, meinen Kopf zu essen. Er schmeckt wie hohles Zellophan, knirscht zwischen meinen Zähnen. Ich schaffe es immer noch nicht, eine Planung ohne Fehler im Französischen abzugeben, das schmeckt man auch. Mein Kopf scheint die Kenntnisse ausgekotzt zu haben, ich gehe zum Kühlschrank und vergesse, was ich eigentlich holen wollte, die weißen Stäbe der Ablage schauen mich höchst verwirrt an. Ich habe zuviel geraucht und bin deswegen pleite.
Liebes Tagebuch. Nachdem ich versucht habe, meinen Kopf zu essen, beschloss ich, mein Leben zu verbessern. Schwimmen zu gehen und mich zu entspannen, ab dem ersten Juli. Dann sind Ferien und ich kann mich erholen, hoffentlich, eventuell.
Liebes Tagebuch, mein angekauter Kopf und ich fahren übermorgen nach Siegen. Wir werden nostalgieren und versuchen, zur Ruhe zu kommen, mit dem Geschmack des alten Lebens auf der Zunge. Mittlerweile mag ich auch die neue Welt, sie wiegt nur so bleiern an solchen Tagen, mit angefressenem Kopf.

14.06.2009 um 20:37 Uhr

Rävärändahr

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Ein Referendar ist die Vorstufe zum Lehrer und ist deshalb noch etwas wissender als die Ausgebildeten.

(http://www.stupidedia.org/stupi/Referendar)

14.06.2009 um 19:56 Uhr

Dada-ismus

von: nenia   Kategorie: art

Ich habe einen neuen Freund. Wir stehen uns bereits nach wenigen Stunden nahe. Er ist einfach so in mein Leben gekommen, spontan und leichtfüßig. Er versteht mich, fast ohne Worte und hört gut zu, lächelt ermunternd. Ich habe ihm erzählt, dass ich keine Lust mehr habe, in die Schule zu gehen und seltsamen Kollegen hinerherzulaufen. Er nickte verständnisvoll. Ich habe einen neuen Freund. Er ist nie laut. Er stellt keine Ansprüche. Er ist einfach da und freut sich über meine Anwesenheit. Ich erzähle ihm kleine Geheimnisse, die sonst niemanden interessieren. Ihn schon. Ich habe einen neuen Freund. Er ist ganz eng mit mir verwoben. Mitten auf meiner Stirn hat er seine kleinen Händchen in meine Hautporen gestreckt. Ein Teil von mir, ganz klein, auf meiner Stirn. Ein Pickel.

10.06.2009 um 16:16 Uhr

Au revoir

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

...liebe Schule. Ich darf Dich nur noch zwei Wochen betreten. Zum Kaffeeautomaten schleichen, weil mich einige Lehrer seltsam anschauen werden. Mich langsam verabschieden. In den Ferien Defizite aufholen und mein Glück an einer neuen Schule versuchen. Und wenn es dort nicht klappt, gehe ich in die Erwachsenenbildung. Là voilà!
Im Raum stehen zwei Mohnblumen. Und wenn ich könnte, würde ich eine für Dich stehlen, dafür, dass Du meinen Mohn am Leben erhalten hast. Danke.

07.06.2009 um 22:26 Uhr

Nenia - 2005

von: nenia   Kategorie: art

Ich stehe an der Bushaltestelle. Es ist kalt. Ich sehe, wie eine Gestalt näherkommt. Blonde Haare. Brille. Diese filigranen Gesichtszüge. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht.
Es ist Hendrik. Hen-drik. Wie oft habe ich diesen Namen gesagt. Still. Geflüstert, hoffend gebangt, einen Augenblick zu erhaschen.
Es ist nun sieben Jahre her. Vor sieben Jahren saß ich im Französischunterricht und starrte auf diesen blonden Hinterkopf mit geraden kinnlangen Haaren. Starrte auf den blauen Kaputzenpulli und die Nackenhärchen, starrte und träumte, bis mich die Stimme des Lehrers aus den Träumen riss.
Eines Tages katapultierte ich ungeschickterweise meinen grünen Bleistift über den Tisch. Er fiel hin. Hendrik hob ihn auf, reichte ihn mir. Der Moment schien ewig zu dauern. Unsere Blicke trafen sich. Mein Herz raste. Ich stotterte ein leises 'Danke'. Damals war dies mein Glück. Den Bleistift habe ich seit diesem Zeitpunkt immer benutzt.
Zu Hause schrieb ich. Hen war der erste Mann, der mich zum Schreiben bewegt hat. Ich habe mir immer vorgestellt, wie er sich anfühlen möge. Ich saß an meinem Tischchen und schrieb. Dachte mir tragische Geschichten aus, mit Koma und Unfällen und einer Liebe, die alles überlebe. Die Seiten füllten sich mit meiner Mädchenschrift. Ich glaube am Ende waren es siebzig.
Ich verfasste auch Gedichte, hörte Tic Tac Toe und reimte, reimte und die Worte flossen. Es war auch die Zeit, in der ich 'Vom Winde verweht' las und mir ausmalte ich sei Scarlett und Hendrik sei mein Rhett...Für immer.
In meinem Tagebuch findet sich ein Zeitungsfoto von einem Englandaustausch. Hendrik ist darauf mit einem Herz gekennzeichnet.
Als die Engländer zum Gegenbesuch hier waren, feierte Hen eine Party. Ich bin tausend Tode gestorben, weil ich nicht dabei sein konnte, ich habe geweint.
Ich war jung und verträumt. Und trotz all den Qualen habe ich diese Zeit genossen. Wenn ich Hen auf dem Flur sah, freute ich mich jedes Mal. Einfach, weil er schön war und weil ich mir sicher war, ihn zu begehren.
Es dauerte ein Jahr. Danach wechselte er die Schule. Ich habe furchtbar getrauert und ihn vermisst, mein Zimmer demoliert, weil er fort war...Doch wie es in so einer Zeit ist, währte die Trauer nicht lange. Kurze Zeit später lernte ich meinen ersten Freund kennen. Doch ich habe mich immer gern an Hen erinnert. Weil er nichts wußte und ich so nie zurückgewiesen wurde. Ich habe niemals mit ihm gesprochen. Bis heute.
Heute wende ich mich zu ihm und beginne ein Gespräch. Er ist immer noch gutaussehend. Und trägt einen blauen Kaputzenpulli, ebenfalls wie seine alte Brille. Ich erfahre, dass er keine Ausbildung hat und kein Abitur. Er schaut traurig. Irgendwie können wir uns nicht unterhallen. Nur fetzenweise. Der Bus kommt. Wir steigen ein. Ich lästere über die alte Schule und er lacht. Das Lächeln ist wie damals.
Kurze Zeit später verabschieden wir uns. Ich muß breit lächeln, wenn ich daran denke, dass ich es geschafft habe, das erste Mal in meinem Leben ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Ich freue mich. Wirklich.

Ein alter Text, gefunden auf Streifzügen, und immer noch wert, hier zu erscheinen. Für Sehnsucht und den Mohn.

07.06.2009 um 16:31 Uhr

doom...

von: nenia

In my field of paper flowers
and candy clouds of lullaby,
I lie inside myself for hours...
(Evanescence)

Es nimmt kein Ende. Der Unterrichtsbesuch war schlecht, man bescheinigt mir große fachliche Mängel. Meine Sprache zerbröselt unter der Nervosität. Begeisterung reicht nicht. Man muss fachlich versiert sein, didaktisch auf der Höhe. All das. Mein Herz reicht nicht. Wenn das Hirn nicht mitspielt.
Das Wochenende ist in Tränen und Zigarettenqualm erstickt. Ich friere. In meinem Kopf ist der Nebel omnipräsent und hartnäckig. Freitag hat mir den Rest gegeben. Das Dumme ist nur, dass es weitergehen muss. Ich muss weiterkämpfen. Die Leute sprechen von Alternativen, sie verstehen nur nicht, dass es für mich im Moment keine gibt. Es ist einfach, so zu sprechen, aus einem sicheren Leben. Mein Leben wankt. Es torkelt im Moment unkontrolliert. Aufstehen. Ich bin oft durch Abgründe gekrochen, doch niemals war es so schwer. Natürlich werde ich morgen zur Schule gehen, so tun, als sei nichts gewesen, doch in mir drin ist am Freitag etwas zerbrochen - ein Stück Glaube an mich selbst. Als hätte ich fünf Jahre umsonst studiert und gekämpft.
Ich presse meine Nase an die Wand. Und dann los.

02.06.2009 um 20:58 Uhr

more

von: nenia   Kategorie: art

Ich bin das Meer
aus lauten grauen Wogen,
und Flut gewinnt die Überhand.
Ich bin die Sehnsucht in Salzgrün.
Die Flamme unter Ozean,
noch irgendwo versteckt.
Ich bin das Meer,
doch brennend auf dem Grund,
so unauslöschbar wütend.
Tief unersättlich, blau, rot.
Ich bin zugleich. Die See, das Feuer,
Reiß mich hinfort, wieg mich in Ruh'

02.06.2009 um 09:49 Uhr

Maastricht

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Der Kurzurlaub ist zu schnell vergangen. Wir flanierten durch die Altstadt und beobachteten Enten an der Maas. Machten viele Fotos und aßen grünes Wassereis. Die Luft roch nach Sommer, nach Freiheit und Glück. Petit bonheur, pour nous. Die letzten Wochen waren anstrengend, auslaugend. Umso schöner kam uns die Erholung vor. Wir sind nun braun und voll mit Sommersprossen, der Geruch des Flusses noch auf der Haut, auf der Zunge der Geschmack des Glücks, in der Erinnerung, konserviert.

02.06.2009 um 08:45 Uhr

crepusculo

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

"Ich finde, dass Stephenie Meyer gut erkannt hat, worauf weibliche Teenager stehen, nämlich auf gutaussehende Vampire!"

(7. Klasse- Rezension über "Breaking Dawn")