pavot rouge

29.07.2009 um 20:12 Uhr

Rosenblätter will ich streuen...

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

"Meine Stadt, für immer. Herz-Blut, Herz schlägt schneller, überschlägt sich fast, lauscht den Geräuschen und Gerüchen, hält inne vor bestimmten Plätzen am Rhein, lebt."
(Gelbe Wunderkerze - geschrieben 2006)


Es ist immer wieder schön, zurückzukommen, auch, wenn ich Cologne nun mit weniger Pathos und Euphorie begegne. Alte Welt. Und doch immer wieder bedeutend. Mehr gegenwärtig. Mit Euch. Es ist beruhigend, dass Ihr immer noch da seid, mit mir. Dass wir viele Insiderwitze teilen und alte Geschichten, die wir austauschten, wie kostbare, fragile Perlen. Nostalgie am Rhein. Wir sind zusammen gereift.
Heute gab es keinen verschimmelten Eiskakao. Es roch ein bißchen nach Abschied. Doch egal, wo wir uns befinden. Wir sind. Hand in Hand. Wort in Wort.
 

28.07.2009 um 16:38 Uhr

la voix du Nord m'attend...

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Komm, sprich deine letzten Worte
damit dann endlich Stille herrscht
Unendliche Tiefe und doch leer
Ich lass dich los, mein teurer Freund.

(Diary of Dreams - Requiem 4.21)

Ich werde durch die Straßen gehen, am Furet du Nord vorbei, an der Kirche mit den Graffitis. Chanter pour toi. Dich loslassen. Nun wird es mir leichter fallen. Ich werde das haben, was ich mit Dir nicht hatte. Ich fahre zu einer Französin, sie stellt mir vielleicht ihre Freunde vor, wir werden plaudern und durch die Straßen wandern. En bavardant.Es wird ganz anders, als mit Dir vor zwei Jahren, es wird sie nicht geben, diese Seifenblase, in der wir uns abschotteten. Manchmal bereue ich es, nicht mehr Kontakte dort geknüpft zu haben. Du hast mir irgendwie im Weg gestanden und ich mir selbst, à cause de toi. Nach Deiner Stille stehe ich hier und blicke in den Himmel. Ich habe Dir diese Tür offen gelassen, wenn Du irgendwann durch sie schreiten möchtest, bin ich hier. Und bis dahin begrabe ich unsere Zeit neben dem Denkmal, welches wir für Charles de Gaulle hielten, obwohl es offensichtlich Brüste hatte. Ich lasse Dich dort. Je veux guérir. Finalement et absolument.
Ich breite meine Arme aus und atme ein, das Herz klopft unregelmäßig, es freut sich, am Sonntag wieder dort zu sein.

27.07.2009 um 20:22 Uhr

Roadtrip to the Ruhrpark

von: nenia

Nach drei Monaten haben wir unseren Plan endlich in die Tat umgesetzt und sind zum Ruhrpark gefahren. Du hast mich mit Bob abgeholt. Wir haben Schaufenster angeschaut und ganz glorioses Eis mit weißer Schokolade gegessen. Ich habe nun auch einen Schildi mitsamt französischem Kostümchen. Aber die Kapuze anziehen, wenn es kalt ist.
Ich werde den Platz neben Dir vermissen und die Zigaretten auf der Mauer. Die kleinen Spaziergänge in den Freistunden. Ich hoffe, wir werden noch ganz viel unternehmen und unser Lieblingshobby weiter kultivieren. Mit Nudeln, Pommes oder Eis.

24.07.2009 um 15:55 Uhr

Dreimal Hurra

von: nenia

Ja, ja dreimal Hurra,
die Effi ist endlich im Grab,
ja, ja dreimal Hurra
und Hoh'n Cremmen, das reißen wir ab
(Leicht abgewandelt von ASP)

In Anlehnung an einen anderen Abgesang. Nun habe ich es gelesen, mit den Worten der alten Chefin im Ohr, die mich so böse anblickte. Nicht gelesen? Schämen Sie sich. Nun schon. Es war eine Qual. Ich habe mich durch viele Bücher gequält, durch die meisten sogar freiwillig. Es gab dumme Charaktere, und schlaue, sympathische und nicht ganz nachvollziehbare, aber keiner hat die Effi übertroffen, in Dummheit, Naivität und Handlungsunfähigkeit. Ja, Zwangsheirat, ja Preußen. Aber Anna Karenina hat ihren Liebhaber geliebt. Madame Bovary ebenfalls. Und Effi? Ließ sich aus Langeweile mit Crampas ein. Hinterfragte nie seine Äußerungen. Lamentierte und lamentierte.
Ich hätte gehandelt wie Instetten. Crampas war ein Macho. Heutzutage würde er bestimmt in einer Talkshow sitzen und allen Frauen auf die Titten glotzen, mit oberflächlichen Parolen. Ich hätte Effi auch hinausgeworfen und das Kind behalten, mit dem sie sowieso keine zwei Worte gewechselt hat.
Arme Effi. Hättest Du doch die Beweisstücke Deiner Liason verschwinden lassen. Nicht einmal dazu warst Du in der Lage. Nun bist Du endlich, endlich tot. Ich habe ein Stück Kanon mitgenommen und hoffe inständig, dass ich Dich nicht unterrichten muss, dass Du aus dem Zentralabitur verschwindest, mit aufgerissenem Kleid und vielen Seufzern. 
Und liebe Chefin - es ist sehr schade, dass ich Ihren Prüfungen entronnen bin, ich hätte Ihnen zu gerne das alles gesagt, aber es ist nunmal Kanon. Und Luise. Ein zu weites Feld.

23.07.2009 um 16:27 Uhr

bavardage quotidienne

von: nenia

Musik: Die Krupps feat. Client - der Amboss

Effi ist endlich tot. Ich habe es nach einem Monat geschafft und nun kann mir keiner mehr vorwerfen, es nicht gelesen zu haben. Laurence hat mir geschrieben, dass wir in Lille eine Übernachtungsmöglichkeit haben. Ich freue mich sehr, sie wiederzusehen. Parler francais. Noch acht Tage bis meiner Reise gen Nostalgia, erst mit dem Bus bis Simmerath mit Hammerfall in den Ohren. Dann nach Lille.
Morgen wartet erst einmal die Matrix. Vielleicht ziehe ich meinen neuen Gürtel an, den ich dank Dispo kaufen konnte. Heute bin ich barfuß auf die regennasse Terrasse gehüpft. Noch drei Wochen Ferien. Diese muss ich genießen. Die Hälfte ist vorbei. Ich habe Effi hinter mir und den Vokabeltrainer, ein Fremdsprachenheftchen und das erste Kapitel aus Bovet und Huvendiek. Heute wird nichts mehr für die Schule getan. Ich beame mich nun nach O.C. und schmachte Peter Gallagher an. Voilà.

22.07.2009 um 11:46 Uhr

small crime

von: nenia

It's a small crime
and I've got no excuse..
(Damien Rice - 9 crimes)

Als ich dieses Lied das erste Mal auf einem anderen Blog sah, musste ich über die Zeilen fast weinen. Small crime. Schuld. Vergebung trotzdem?
"Schreiben Sie ihm", sagte der Psychologe. "Vielleicht lässt sich eine Ebene finden." Ich saß vor dem Outlook- Fenster und fing jeden Satz dreimal an. Lieber Alex. Es tut mir leid. Du fehlst. Die Worte wollten nicht herauskommen, der Cursor bewegte sich unruhig. Philomele, wieder, nur ohne Garn. Ich habe es trotzdem abgesandt. Gestern ständig Mails gecheckt. Möglichkeit Eins ist eingetreten, Du bleibst stumm.
Vielleicht habe ich es für mich getan, um mich von dieser Schuld reinzuwaschen, die seit anderthalb Jahren auf meiner Haut klebt, in meinem Geist. Bestimmt fluchst Du nun über mich, rufst Bleichgesicht an und echauffierst Dich, wie ich es wagen konnte. Du glaubst nicht, wie viel Überwindung mich diese Zeilen gekostet haben, ich habe jede einzelne überlegt, mühevoll festgehalten, in diesem grauen Fenster. Zurück bleibt eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung. Ich kann mir nun nicht vorwerfen, ich hätte es nicht versucht. Vielleicht verzeihst Du mir ja doch. Wenigstens im Stillen.

20.07.2009 um 16:32 Uhr

Kannibale auf Amphi-tamin

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Du. bist. Kannibale!
(Das Ich)

Ich bin immer noch ein bißchen berauscht von diesem Wochenende, was chaotisch mit Zugverspätungen begann und doch so wunderschön wurde. Wir sahen Eisbrecher im Regen und Fields of the Nephilim in Kölns schönstem Sonnenuntergang. Lichter schlugen uns entgegen. Wir gingen in den schwarzen Menschenmengen umher und haben nuttige Zigaretten geraucht, auf das Wasser blickend.
Ich habe bei Diorama vorne gestanden und bei Feindflug den Maschinenlärm gespürt, irgendwo tief, eins mit der Musik. Wir hatten gute Gespräche und übermüdete Lachanfälle. Ich war wieder so lebendig, aufgedreht. Du hast geschwärmt und Deine Haare nach hinten geworfen, am Rhein.
Die Schwestern des Kannibalen heißen Hannibal und Nannibal. Ich freue mich. Auf Lille mit Dir. Merci pour ces journées merveilleuses.

17.07.2009 um 16:07 Uhr

oh...

von: nenia

...sehr beruhigend, dass mein altes Ville Valo-Poster im Schrank in Ferndorf hängt. Aber wer hat ihm den Kopf abgerissen?

14.07.2009 um 17:06 Uhr

Emigrantka II

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

В летнем парке кончился сезон,
И снимают на зиму плакаты.
И забудет старый желтый клен
Музыку, что слушал здесь когда-то.
Почернеет желтая листва,
Упадет на круг, где каждый вечер
Приходили мы потанцевать,
Думая, что это будет вечно.
(Ласковый Май "Старый Лес")

Heute, als ich unterwegs war, spielte der nette junge Mann ein russisches Nostalgielied auf seiner Gitarre. Ich sprach ihn an, er lächelte, und sagte, er sei aus Sibirien, hätte jedoch viele Freunde in Petersburg. Ein Musiker auf Reisen, ein rastloser Emigrant. Auf den Pflastern der weiten Welt, mit Lautsprechern und Gitarre. Ein müdes Lächeln auf den Lippen.
Das Gespräch brachte mir Sehnsucht. Nach Rastlosigkeit, und den Träumen meiner Kindheit. Ich war siebzehn Jahre nicht mehr dort. Doch youtube spielt mir dieses eine Video von Laskovij Mai. Ein Sommer in Kolpino, Anfang der Neunziger. Und dieses seltsam wehmütige Gefühl.
Als ich in New York am Brighton Beach stand, hatte ich diese Assoziationen auch. Früher fand ich Emigrantendasein wahnsinnig romantisch, es roch nach Kneipen, Frauen mit schwarzen Haaren und roten Lippen, nach Legenden, einer lustigen Meschpoche, die zusammenhielt. Das ewig rastlose Volk. Und manchmal schwirren diese Bilder in meinem Kopf herum.
Nächstes Mal frage ich den Musiker, ob er Laskovij Mai für mich spielt.

14.07.2009 um 11:49 Uhr

krasnij mak

von: nenia   Kategorie: coquelicot

Les champs m'attendent.
Je dois seulement aspirer.
Devenir. Agir.

 

Februar 09, digital/Bildbearbeitung

12.07.2009 um 22:52 Uhr

La Belgique à Bochum

von: nenia

Gestern saßen wir gemütlich bei "Max Frituur" und aßen belgische Frites und Käsesoufflé mit Preiselbeeren. La Belgique au coeur de Bochum, sogar mit belgischem Radio und Kriek. Ich freue mich auf den ersten August, dann sieht das Land mich wieder. Und so lange trinke ich Kirschbier am Bermuda3eck. Ce sont mes vacances d'été. Je les adore!

09.07.2009 um 11:05 Uhr

Kurztrip

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Paderborn war ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich habe den Tag mit Dir sehr genossen. Die Altstadt, das Chinabuffet und den Hund, der sein eigenes Körbchen im Maul trug. Dein Bad mit den berühmten Totenkopf- Antirutschfiguren. And the "Big Bang Theory."

07.07.2009 um 13:34 Uhr

la musique...

von: nenia   Kategorie: musique de pavot

..und manchmal ist ein Lied die Welt...

aimer

Nightwish - "Come, cover me"
Subway to Sally - "Komm in meinen Schlaf"
Apocalyptica -"Hope"
Negative - "The moment of our love"
ASP & Lisa Pawelke -"Mein Herz erkennt Dich immer"
Eva Cassidy - "Fields of Gold"

danser

Ascii Disco - "Straßen"
PAL - "Gelöbnis"
Aesthetic Perfection - "Sacrifice"
Combichrist - "Let your body beat"

se souvenir

Hammerfall - "Glory to the Brave"
Zeraphine - "Sterne sehen"
Robbie Williams - "Advertising space"
Michel Berger - "Chanter pour ceux..."
Caught in the Act - "Silently"

être pavot

Hammerfall - "Templars of Steal"
Rotersand - "Merging Oceans"
Samsas Traum - "Heiliges Herz"
Untoten - "Rabenflug"

06.07.2009 um 09:46 Uhr

Amore

von: nenia

Der Mann auf dem Husemannplatz spielte "Eyo, Technologies". Du hast mir Deine Jacke gegeben, in die ein betrunkener Festivalbesucher eine Zigarette einbrannte. Bochum war wild und bunt an diesem Wochenende, laut und erfüllt von Musik, Cocktails und Sommer. Nun warst Du hier. Ich habe Dir unsere Wohnung gezeigt, die Mohnfelder und unsere leicht morsche Terrasse. Du hast einen Stein aus meinem wunden Knie geholt. Wir haben viel gesprochen, über das Leben und es ist unglaublich, wie viel wir uns zu erzählen haben. Dreizehn Jahre nun. Mein halbes Leben. Dein halbes Leben. Wir sind zusammen groß geworden. Als ich Dich zum ersten Mal sah, hattest Du einen rosa- türkisen Pullover und zwei Zöpfe. Ich trug meine Karohose und hatte eine leicht lesbische Frisur, made by Mama. Dreizehn Jahre,
Du hast mich vor dem Bio- Scheitern gerettet und vor Mobbing. Dank Dir weiß ich immer noch, was eine Osmose ist oder eine COPD. Ich bin dankbar, für all die Jahre, für Apocalyptica und manchmal Sonntage im Meyer. Ich werde für Dich einen neuen Button finden, nächsten Monat. Und irgendwann sitzen wir hoffentlich in Schaukelstühlen auf einer Terrasse und erinnern uns an die zahlreichen Vorkommnisse. Wo ist denn hier. Das System?
Je t'aime.

01.07.2009 um 19:49 Uhr

A la hauteur?

von: nenia

Ne plus avoir peur,
d'être à la hauteur...
(Le Roi Soleil)

Auf der Höhe. Ich sollte mich freuen, der Schulwechsel ist vollbracht, ich komme auf ein Gymnasium, wo eine Freundin auch ist. Quand même. Das Seminargespräch lief schleppend, sie attestierten wieder fachliche Mängel und betonten, dass mein Wille vielleicht nicht reicht.
Ich sollte glücklich sein. Es sind Ferien, ab morgen ist "Bochum Total". Ich kann öfter ausschlafen, ich treffe mich mit Leuten. Und trotzdem liegt das Gespräch schwer im Magen, wie die Angst, es nicht zu schaffen.
Ich werde französische Bücher lesen und mich weiter um einen Tandempartner bemühen. Immer weiter, wie immer. Wie damals, wie jetzt.