pavot rouge

27.10.2009 um 20:34 Uhr

svet

von: nenia

Fass Dir ein Herz,
geh in das Licht,
es soll Dich nicht mehr länger frieren,
Du hast auch nichts mehr zu verlieren...
(Untoten - Grabsteinland IV)

Ich betrat das Zimmer von Madame la directrice mit zitternden Knien. Sie sah mich ruhig an und beteuerte, dass der échec vor den Ferien nichts ändert. Dass ich Zeit habe. Als ich aufstehen wollte, kam meine Horrorfrage nach der Sprachsicherheit. Ich stammelte von Nervosität und Tandempartner, bekam ein Lächeln und durfte gehen, nachdem ich meine Liebe für Französisch beteuert habe.
Nachmittags durfte ich erneut ins Gebäude flanieren, da meine Gryphius-Interpretation vor lauter Nervosität dort geblieben ist. Ich zeigte Uffi die Schule und plauderte mit einer Mutter, die sich auf den Elternsprechtag freut. Ich freue mich auch. Auf alle Schulaktivitäten. Und nun lasse ich den Abend mit den neuen Untoten-CDs ausklingen. Das Grabsteinland ist nicht mehr nah. Ich gehe in das Licht.

21.10.2009 um 20:02 Uhr

Wörterbuch Referendarisch

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Mein Treffen mit der Tandempartnerin war sehr zielführend in der Gesprächsführung. Ich kenne nun viele alternative Wörter und bin flexibel um adäquat auf Äußerungen der SuS einzugehen. Dies ist schon ein gutes Kriterium und in meinem Kopf ist alles stimmig von den gelenkten Yogaübungen mit guten problematisierenden Impulsen. Ich bin erfüllt mit Input und gebe ein gutes Feedback.

19.10.2009 um 19:14 Uhr

romantic Heidelberg

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Die Stadt war irgendwie anders als sonst. Vorher schlich ich leicht unaufmerksam durch die Gassen. Meine unsicheren Schritte stolperten über das altstädtische Pflaster, mal verwirrt, mal euphorisch. Diesmal war es anders. Wir gingen in gemütliche Lädchen und aßen Riesenpizza, tranken Prosecco in unserem Barbiehostel mit den Schnörkelbetten und rauchten heimlich auf der Fensterbank, eingewickelt in bunte Decken. Ein Kurztrip mit engen Freunden, ein Abtauchen in eine andere Welt. Ein Spaziergang durch die düster-angehauchte Architektur und nette Kneipen. Ich wäre gerne in meinem weißen Kleid entlanggeschritten, wie eine Dame, die zu dieser Stadt passt.
Und irgendwann gründen wir eine Senioren-WG. Danke für die wundervolle Zeit.

14.10.2009 um 21:36 Uhr

kiitos...

von: nenia   Kategorie: musique de pavot

 

Für all die Jahre und Momente, diesen einen Augenblick in Aachen und viele weitere auf meinem Weg. Für Musik, die mich immer wieder mitreißt, wenn ich wild bin, zurückholt, wenn der Abgrund naht. Für diese eine Stimme, immer wieder.

Rakastan...

 

Bild: Kulturkirche Bochum. Eigenes.

14.10.2009 um 10:11 Uhr

lucky

von: nenia

Ich habe Glück gehabt. An diesem einen Tag, als ich meine alte Schule betrat und Du mir Deine Hand gabst. Du trugst das Oberteil mit den schwarz-blauen Streifen, die Haare aus dem Gesicht gekämmt. Zwei Monate später aßen wir am Bermuda3eck und rauchten. Du hast mich zum Seminar gefahren, als der Schulwechsel anstand und zur Lieblingspommesbude nach dem furchtbaren Besuch. Und ich denke immer noch, ein halbes Jahr später, dass ich wirklich Glück gehabt habe, als sich unsere Wege gekreuzt haben. Ich freue mich auf nächste Woche. Und auf alles, was noch kommt.

12.10.2009 um 12:57 Uhr

old friends

von: nenia

Ich schleiche gern durch Bibliotheken und streiche über Buchrücken. Sie riechen nach Literatur und Wissen. Nach verschiedenem Papier. Heute war ich das erste Mal seit drei Monaten dort. Auf meinem Konto waren sieben Euro Überziehungsgebühr, da ich in dem ganzen Stress Nothomb und Sagan einfach nicht zurückgegeben hatte. Alte Freunde. Der Geruch der vergangenen Welt. Als ich noch täglich gelesen habe, vor dem Einschlafen, das Wissen in mich aufsaugend. Im letzten Monat lag ein einsamer Törleß ungelesen auf meinem Nachttisch. Im Referendariat habe ich dieses Hobby vergraben unter Unterrichtsentwürfen und Methodenbüchern. Heute ist mir Michel in Buchform begegnet, mit einer Zigarette auf dem Cover. Aus lauter Nostalgie nahm ich auch Maxim mit und nun bin ich ein bißchen motiviert. Und werde herausfinden, warum Jacques Prévert ein Arschloch sein soll.

11.10.2009 um 14:26 Uhr

Wach auf, mein Herz...

von: nenia

Ich bin unglaublich müde. Vorgestern der schlechte Unterrichtsbesuch, gestern Familientag mit einem Schreck. Und heute. Mein freier Tag. Nichts für die Schule. Trotzdem ist mein Kopf voll davon, die Gedanken pochen, klopfen an die Schädeldecke. Versagt. Ich will keine Ferien. Ich möchte morgen am Liebsten mit Madame la directrice sprechen. Bestimmt liest sie nun meine angekommenen Gutachten und denkt, dass sie recht hatten, die alten Geister. Ich würde ihr gern sagen, dass es immer noch mein Traumberuf ist, dass ich alles schaffen will. Dass ich mich an der Schule wohlfühle und dankbar bin für diese eine Chance, auch wenn ich sie vorgestern enttäuscht habe. Ich muss sie irgendwie abwenden, diese Dunkelheit in meinem Kopf, aber ich kenne meinen Kopf, er wird nun zwei Wochen in der Schwebe hängen. Ich würde gerne abschalten, entspannen, doch es funktioniert gerade nicht. Wach auf, mein Herz. Die Dunkelheit ist nah. Ich muss sie abwenden.

09.10.2009 um 22:58 Uhr

échec

von: nenia

Mein Kopf ist auf Beton gelandet. Das Gehirn lag frei auf dem Asphalt herum, glibberig und schutzlos. Die Frau ist mit ihrem Perlweiß- Lächeln darauf getreten. Kein Lernfortschritt. Ich packe es wieder ein, es hat nun Dellen in seiner Masse. Wie immer werde ich aufstehen. Ich packe es zurück, drücke es behutsam in den Kopf hinein, mache zu. An der Universität konnte ich mein romanistisches Scheitern mit Fleiß ausbügeln, mit tollen Sätzen von Beauvoir und Mirbeau. Hier reicht das Lernen nicht. Ich muss den Plan einhalten und doch flexibel sein, auf die Schüler eingehen und perfekt Französisch sprechen, ich muss alles sein. Fleiß reicht wieder nicht, Biss noch weniger. Und wieder krieche ich auf dem Asphalt herum. Morgen werde ich wieder aufstehen. Es sind immerhin Herbstferien.

05.10.2009 um 20:34 Uhr

eskapismi

von: nenia

Voyage voyage,
plus loin que la nuit et le jour...
(Desireless - "Voyage, voyage")

Jamais rester. Der Geruch von fremden Straßen hat mich schon immer angezogen. Eintauchen in die Fremde, Aufsaugen der Welt. Aufwachen in fremden Hotelzimmern. Der Geruch von rein-weißer Wäsche in der Nase, die Haare zerwühlt. Fremd und vertraut, ein kurzes Ankommen, jung und wild, die Füße auf fremdem Asphalt, unruhig, aufsaugend, der Geschmack von Jahreszeiten. Festhalten, einatmen, nicht mehr fortlassen verwoben im Gedächnis. Eskapismi. Manchmal bin ich es. Illusorisch, eskapistisch. Das Reisen gibt mir den Geruch der ewigen Bewegung, es schaltet das Ticken aus, die Zeit steht still und ist doch wandernd, für mich allein, pulsierend, tanzend, sauvage.
Ich stand einmal am Brighton Beach, der Wind wehte Frühling. Und da war es. Der Ursprung, das Emigrantengefühl, das Blut meines ruhelosen Volkes, vielleicht. Früher war ich noch extremer. Mittlerweile reichen kurze Reisen, ein Aufblitzen und doch bin ich eventuell süchtig nach dem Erlebnis des Findens in der Fremde. Ich bin ein Emigrantenkind. Doch mittlerweile tragen mich die Füße immer leichter zurück.

04.10.2009 um 11:01 Uhr

Raserei

von: nenia

In meinem Kopf regieren Zorn und Wahn
Der Geist versklavt und ihnen Untertan
Ich kann mich nicht von dir befrei'n
(ASP-"Raserei")

Mein erstes ASP-Konzert in der neuen Heimat. Im Herbst. Ich war eins. Mit mir und der Musik. Du neben mir nach langen zwei Monaten. Wir haben den Herbst eingeläutet, mit dicken Jacken vor der Halle und viel gesungen. Getanzt. Ich habe ASP erst vor anderthalb Jahren für mich entdeckt. Es war unbeschreiblich toll gestern, befreiend und fast reinigend, die Sorgen herausgesungen zu Krabat, im Kopf gerast,im Herzen der Mohn, das Brennen. Alles.

02.10.2009 um 15:47 Uhr

mon coeur

von: nenia

Und nichts darf uns trennen,
nicht Gefahr die uns droht,
nicht Verrat, kein böser Zauber,
nicht der Teufel, nicht der Tod.
Wenn dich keiner erkennt,
wenn dich niemand mehr sieht,
mein Herz erkennt dich immer,
was auch immer geschieht.
(ASP/ Lisa Pawelke - "Mein Herz erkennt Dich immer")


Ich habe selten ein schöneres Lied gehört. Auch ein Jahr später jagt es immer noch Gänsehaut über den Rücken. Erinnerung an alte Kulta- Einträge, an Reinheit und Hoffnung. An Träume vor einem Jahr, die alle wahr geworden sind. Ich wünschte ich könnte manchmal etwas Ähnliches schreiben. Genauso unbeschreiblich.
Ich freue mich auf das morgige Konzert.