pavot rouge

19.10.2009 um 19:14 Uhr

romantic Heidelberg

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Die Stadt war irgendwie anders als sonst. Vorher schlich ich leicht unaufmerksam durch die Gassen. Meine unsicheren Schritte stolperten über das altstädtische Pflaster, mal verwirrt, mal euphorisch. Diesmal war es anders. Wir gingen in gemütliche Lädchen und aßen Riesenpizza, tranken Prosecco in unserem Barbiehostel mit den Schnörkelbetten und rauchten heimlich auf der Fensterbank, eingewickelt in bunte Decken. Ein Kurztrip mit engen Freunden, ein Abtauchen in eine andere Welt. Ein Spaziergang durch die düster-angehauchte Architektur und nette Kneipen. Ich wäre gerne in meinem weißen Kleid entlanggeschritten, wie eine Dame, die zu dieser Stadt passt.
Und irgendwann gründen wir eine Senioren-WG. Danke für die wundervolle Zeit.

06.08.2009 um 15:30 Uhr

séjour linguiCht'ique

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Nostalgie, c'est pas bon!
(komischer Mann im Zug)


Die Reise begann. In Welkenraedt hatte ich einen nervenden Sitznachbaren, der mir das schönste Lächeln der Welt bescheinigte. Er wollte mir gerne sein Dorf zeigen, und seine Kirschen, die ich essen sollte. In Bruxelles war ich ihn endlich los. Irgendwann betrat ich mit leichtem Herzklopfen gare Lille Flandres. Du holtest mich an der orangen Anzeigetafel ab. Wir kochten mit Deinen Freunden, tranken viel Rotwein und lästerten ein bisschen über die Gegend. Das Appartement Deiner Schwester hatte glänzenden Holzboden und alte Fensterläden. Du machtest mir tarte à maroille und crêpes. Zwischen all den Rotweinschlücken sind wir Freunde geworden. Beaucoup de points communs. Wir himmelten zusammen Patrick Dempsey an. Ich kenne nun "Josephine-ange gardien", eine französische émission, die man am Besten betrunken anschaut. Mc Dreamy heißt Docteur Mamour.
Lille war ganz anders, ich hatte keine Zeit für Nostalgie und keinen neurotischen Reisebegleiter. Es war entspannt und faul, wir schlenderten langsam durch die Straßen und aßen in Zeitlupe unser Eis. Es war nicht mehr die pathetische Heimat. Der Eskapismusort. Ein Stück geliebter Welt, geliebter Sprache, doch nicht mehr schwer auf den Schultern, leicht und locker, wie das Französisch in meinem Kopf. Es war tausend Mal schöner, als gedacht, genau richtig, passend. Im Furet du Nord habe ich mir die Originalfassung von "Le Dindon" gekauft, damals bearbeitet von Monsieur l'arrosseur. Mein Bühnenmoment. Ich werde es lesen. Es mitnehmen, wie diese jours ravissants. Und hoffentlich bald wiederkommen.
Zack zack, Pontagnac.

 

image: déchets à la gare Lille Europe

29.07.2009 um 20:12 Uhr

Rosenblätter will ich streuen...

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

"Meine Stadt, für immer. Herz-Blut, Herz schlägt schneller, überschlägt sich fast, lauscht den Geräuschen und Gerüchen, hält inne vor bestimmten Plätzen am Rhein, lebt."
(Gelbe Wunderkerze - geschrieben 2006)


Es ist immer wieder schön, zurückzukommen, auch, wenn ich Cologne nun mit weniger Pathos und Euphorie begegne. Alte Welt. Und doch immer wieder bedeutend. Mehr gegenwärtig. Mit Euch. Es ist beruhigend, dass Ihr immer noch da seid, mit mir. Dass wir viele Insiderwitze teilen und alte Geschichten, die wir austauschten, wie kostbare, fragile Perlen. Nostalgie am Rhein. Wir sind zusammen gereift.
Heute gab es keinen verschimmelten Eiskakao. Es roch ein bißchen nach Abschied. Doch egal, wo wir uns befinden. Wir sind. Hand in Hand. Wort in Wort.
 

28.07.2009 um 16:38 Uhr

la voix du Nord m'attend...

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Komm, sprich deine letzten Worte
damit dann endlich Stille herrscht
Unendliche Tiefe und doch leer
Ich lass dich los, mein teurer Freund.

(Diary of Dreams - Requiem 4.21)

Ich werde durch die Straßen gehen, am Furet du Nord vorbei, an der Kirche mit den Graffitis. Chanter pour toi. Dich loslassen. Nun wird es mir leichter fallen. Ich werde das haben, was ich mit Dir nicht hatte. Ich fahre zu einer Französin, sie stellt mir vielleicht ihre Freunde vor, wir werden plaudern und durch die Straßen wandern. En bavardant.Es wird ganz anders, als mit Dir vor zwei Jahren, es wird sie nicht geben, diese Seifenblase, in der wir uns abschotteten. Manchmal bereue ich es, nicht mehr Kontakte dort geknüpft zu haben. Du hast mir irgendwie im Weg gestanden und ich mir selbst, à cause de toi. Nach Deiner Stille stehe ich hier und blicke in den Himmel. Ich habe Dir diese Tür offen gelassen, wenn Du irgendwann durch sie schreiten möchtest, bin ich hier. Und bis dahin begrabe ich unsere Zeit neben dem Denkmal, welches wir für Charles de Gaulle hielten, obwohl es offensichtlich Brüste hatte. Ich lasse Dich dort. Je veux guérir. Finalement et absolument.
Ich breite meine Arme aus und atme ein, das Herz klopft unregelmäßig, es freut sich, am Sonntag wieder dort zu sein.

20.07.2009 um 16:32 Uhr

Kannibale auf Amphi-tamin

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Du. bist. Kannibale!
(Das Ich)

Ich bin immer noch ein bißchen berauscht von diesem Wochenende, was chaotisch mit Zugverspätungen begann und doch so wunderschön wurde. Wir sahen Eisbrecher im Regen und Fields of the Nephilim in Kölns schönstem Sonnenuntergang. Lichter schlugen uns entgegen. Wir gingen in den schwarzen Menschenmengen umher und haben nuttige Zigaretten geraucht, auf das Wasser blickend.
Ich habe bei Diorama vorne gestanden und bei Feindflug den Maschinenlärm gespürt, irgendwo tief, eins mit der Musik. Wir hatten gute Gespräche und übermüdete Lachanfälle. Ich war wieder so lebendig, aufgedreht. Du hast geschwärmt und Deine Haare nach hinten geworfen, am Rhein.
Die Schwestern des Kannibalen heißen Hannibal und Nannibal. Ich freue mich. Auf Lille mit Dir. Merci pour ces journées merveilleuses.

14.07.2009 um 17:06 Uhr

Emigrantka II

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

В летнем парке кончился сезон,
И снимают на зиму плакаты.
И забудет старый желтый клен
Музыку, что слушал здесь когда-то.
Почернеет желтая листва,
Упадет на круг, где каждый вечер
Приходили мы потанцевать,
Думая, что это будет вечно.
(Ласковый Май "Старый Лес")

Heute, als ich unterwegs war, spielte der nette junge Mann ein russisches Nostalgielied auf seiner Gitarre. Ich sprach ihn an, er lächelte, und sagte, er sei aus Sibirien, hätte jedoch viele Freunde in Petersburg. Ein Musiker auf Reisen, ein rastloser Emigrant. Auf den Pflastern der weiten Welt, mit Lautsprechern und Gitarre. Ein müdes Lächeln auf den Lippen.
Das Gespräch brachte mir Sehnsucht. Nach Rastlosigkeit, und den Träumen meiner Kindheit. Ich war siebzehn Jahre nicht mehr dort. Doch youtube spielt mir dieses eine Video von Laskovij Mai. Ein Sommer in Kolpino, Anfang der Neunziger. Und dieses seltsam wehmütige Gefühl.
Als ich in New York am Brighton Beach stand, hatte ich diese Assoziationen auch. Früher fand ich Emigrantendasein wahnsinnig romantisch, es roch nach Kneipen, Frauen mit schwarzen Haaren und roten Lippen, nach Legenden, einer lustigen Meschpoche, die zusammenhielt. Das ewig rastlose Volk. Und manchmal schwirren diese Bilder in meinem Kopf herum.
Nächstes Mal frage ich den Musiker, ob er Laskovij Mai für mich spielt.

09.07.2009 um 11:05 Uhr

Kurztrip

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Paderborn war ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich habe den Tag mit Dir sehr genossen. Die Altstadt, das Chinabuffet und den Hund, der sein eigenes Körbchen im Maul trug. Dein Bad mit den berühmten Totenkopf- Antirutschfiguren. And the "Big Bang Theory."

02.06.2009 um 09:49 Uhr

Maastricht

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Der Kurzurlaub ist zu schnell vergangen. Wir flanierten durch die Altstadt und beobachteten Enten an der Maas. Machten viele Fotos und aßen grünes Wassereis. Die Luft roch nach Sommer, nach Freiheit und Glück. Petit bonheur, pour nous. Die letzten Wochen waren anstrengend, auslaugend. Umso schöner kam uns die Erholung vor. Wir sind nun braun und voll mit Sommersprossen, der Geruch des Flusses noch auf der Haut, auf der Zunge der Geschmack des Glücks, in der Erinnerung, konserviert.

12.04.2009 um 19:46 Uhr

Ch'tiNN

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Musik: Michel Berger - chanter pour ceux

Lille, mon amour...

Zwei Jahre später werde ich wiederkommen. Mit Dir zu "Furet du Nord" flanieren und hoffentlich einen rosa Sonnenuntergang sehen, über den dreckigen Häuserfassaden der Stadt. Ein halbes Jahr Heimat. War es.
Es wird wehtun. Ich werde an meinen verlorenen Bruder denken. Und trotzdem glücklich sein. Parler francais. Aimer la ville. Mes champs de coquelicot, dans le coeur sauvage...

08.04.2009 um 10:39 Uhr

saapuvat

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Die Wiederkehr in die graue Stadt war wieder mit leichter Wehmut verbunden. Die Worte fehlen immer noch ein wenig. Helsinki, mon amour.
Geblieben sind Bilder, Erinnerungen und das Gefühl der Ankunft.
Wir gingen am Senatsplatz spazieren und wurden fast in der Nationalbibliothek eingeschlossen. Ich habe Dir am Hafen nostalgische Geschichten erzählt. Auf Suomenlinna war alles im Nebel versunken und Raben flatterten umher. Wir stiefelten durch die Ruinen und machen Fotos am Meer. In der Markthalle gab es Gebäck, das nach St Petersburg roch. Wir kennen nun Illustrationen der Kalevala und einige finnische Wörter. Eläkeläiset heißt Rentner und die gutaussehenden blauäugigen Menschen sagen immer noch "Moi..."
Wir tranken Kakao in einem kleinen Mökki an der Töölöö-Bucht und sahen hinaus. Ich war glücklich. Aufgeregt, fast fiebrig. Zurück im Leben nach den Ereignissen des letzten Monats. Die Erinnerung wird mich wach halten. Lebendig halten. Konservieren. Und irgendwann komme ich wieder nach Finnland. Nach Tampere oder Turku. Oder einfach in ein kleines rotes Holzhäuschen am Meer.

Kiitos, dass Du mit mir dort warst und mir das Gefühl gabst, jung und wild zu sein.

29.03.2009 um 14:57 Uhr

taivas

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage


Der Himmel über Helsinki war blau und klar mit schweren Wolken. Et je suis tombée amoureuse de la ville. Sie hat mich damals mitgerissen, mit diesen Wolken, der Luft. Den schönen Menschen.
Noch sechs Tage. Freitag breche ich nach Cologne auf, mit meinem Kamerababy und warmen Pullovern im Gepäck. Samstag fliegen wir. Wir werden Ville Valo- Poster anschmachten und komischen Fisch essen. Ich werde Dir seltsame Sätze aus dem Sprachführer vorlesen. Dich hoffentlich genauso für die Stadt begeistern. Eine Negative-CD kaufen, im Plattenladen am Tavastia. All das.
Der Himmel über Helsinki. Zum wahrscheinlich vorerst letzten Mal für mich. Ich werde ihn mitnehmen, konservieren, mich daran festhalten, wenn das Alltagschaos mich in der grauen Stadt ereilt.

Danke, dass Du mitkommst. Minä pidän sinusta.

 

02.01.2009 um 19:23 Uhr

Gutingi

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage


Göttingen ist wie Disneyland. Alle sind wahnsinnig nett.
(Studentin im Zug)


Letzte Spaziergänge durch die Stadt. In den letzten fünf Jahren mein zweites Zuhause. Früher war ich fast jedes Wochenende dort. Wenn man alle Tage zusammenrechnet, ein Jahr am Stück. Sie hat mich aufgefangen, als es nirgendwo sonst heimatlich war. Eskapismus und Ankunft, die erste Zeit mit Dir schien erfüllt davon. Ich wollte nach Göttingen ziehen, um bei Dir zu sein, aber auch, weil die Stadt mit ihren Kneipen, ihrem Veranstaltungsangebot und ihrem Flair für mich den Inbegriff des alternativen studentischen Lebens darstellte.
Es scheiterte an Zulassungen.
Heimat wurde Göttingen trotzdem. Unser Lieblingscafé mit dem opulenten Frühstück. Die gemütlichen Pubs und die Fachwerkhäuschen. Das Zoogeschäft mit den Chinchillas. Deine alte Küche im Kellnerweg, in der im Winter bunte Lampignons leuchteten. Ich stand oft dort und sah durch das große Fenster. Wir haben viel erlebt. Mittlerweile gehe ich nostalgisch durch die Straßen, wenn ich bei Dir bin. Sie wird mir fehlen, die Disneylandstadt mit Flair.

Bild: Gänseliesel, eigenes.

04.10.2008 um 22:47 Uhr

unikko

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Ich erreichte die Hansestadt nach fast zehn Stunden Fahrt. Der letzte Urlaub vor der Prüfung, die mich hoffentlich in das alumnierte Dasein katapultieren wird. Es gab herzliche Empfänge und Serienabende mit Schwiegermama, die Marktstraße und Entspannung en masse.
Ich habe Tobias Regner gelauscht und peinlich gegrinst, als ich ihn um ein Foto bat. Metallica for all.
Wir haben viele Witze geschaffen, die sonst keiner versteht und uns königlich amüsiert. Es war eine tolle Zeit mit warmen Brötchen, noch wärmeren Worten und ganz viel Spaß.
Auf dem Rückweg erzählte mir ein junges Mädchen von ihren Ville Valo-Postern und ihrem Freund, der sich wenig um sie kümmert. In Bochum fühlte ich mich fast heimatlich. Der Briefkasten brachte jedoch keinen Bescheid über den Referendariatsort. Ich bin trotzdem weniger ängstlich im Moment.

Und die Mohnblüten verharrten in den Haaren der Prinzessin. Ein goldenes Zeitalter würde kommen, mit neuen Möglichkeiten im Blick. Sie raffte ihre Kleider, schüttelte den Staub ab und schritt voran...

02.09.2008 um 16:42 Uhr

tulo

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage


Wahrgewordene Träume. Momente, herausgerissen aus der Realität. Ich bin zurück, doch mein Herz ist wie erwartet dort geblieben. Es begann mit den Lichtern von Vantaa. Der Himmel so weit und lila, dämmerungstrunken. Unser Hostel mit Blick auf den Hafen. Wir drehten unsere Runden durch die Stadt, von der ich so lange träumte, sahen uns die Straßen und das Meer an. Am Markt kauften wir etwas bei einer Frau mit riesigen strahlend blauen Augen. Sie lächelte uns an.
So viele schöne Menschen. Die Bank auf der Zooinsel, auf der ich Arme ausgebreitet liegen konnte, das Meer und die Wolken, die so schwer und doch so schön über uns lagen. Die weißen Fähren und das Geräusch der Schiffe. Korkeasari und die Felsen auf Suomelinna. Das kleine Café und die Kälte, die doch irgendwie gut war.
Nachts wachte ich manchmal auf und konnte es nicht glauben. Helsinki, meine früher so oft gedachte Stadt. Morgens ging die Sonne über dem Weiß der Schiffe auf. Du gingst mit mir Hand in Hand. Das Gefühl der Heimat. Goldene Kuppeln der Uspenski Kirkko, fast wie in Leningrad damals, meinem Geburtsort. Helsinki hat Erinnerungen zurückgebracht und neu gestaltet. So nah.
Wir speisten in einem feinen Restaurant, wo der Kellner wie Espen Lind aussah. Du hast mich am Hafen geküsst. Das Glück. Wir hatten tausend Lachanfälle über die seltsame Sprache, die ich nun lernen will, und einfach eine fantastische Zeit. Mit der Stadt. Mit uns.
Sicherlich ist Helsinki nicht so melancholisch, wie früher gedacht. Es ist hell, bunt und aufregend. Mit vielen alternativen Menschen und guter Musik im Plattenladen. Ville Valo ist uns leider nicht begegnet. Vielleicht beim nächsten Mal. Dann komme ich wieder. Ohne alte Kitschträume. Mit einer wilden Freude im Herzen und hoffentlichen Sprachkenntnissen. Ich bin im Fieber. Zurück dorthin. In meine Traumstadt.

rakastan sinua...

11.08.2008 um 09:59 Uhr

temps de lune...

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage


Impression einer wunderschönen Zeit im Stillstand des Alltags. Das überdimensionale M'Era Luna zweitausendacht.

 

 

23.07.2008 um 18:44 Uhr

Helsinki vampires - once more

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Musik: The 69 Eyes - Christina Death


(Source: vschmitz.de)

Noch fünfunddreißig Tage. Ich werde mit Uffi ins Flugzeug steigen. Irgendwann dort ankommen, in meiner Traumstadt, gewoben aus den Klängen des Melodic Metal. Der Eskapismusort meiner jungen Phantasien, Handlungsort einiger Kurzgeschichten. Einer der Fluchtpunkte mit geschlossenen Augen. Wenn ich in der Schule gehänselt, dachte ich an die Promotion und an Helsinki. Beides erfüllt sich nun. Bestimmt ist Helsinki nicht so bezaubernd, wie ich es mit Gedankenfäden malte. In den Straßen gehen weder Jyrki noch Ville umher und nicht nur langhaarige Männer mit Gelenkringen an den knochigen Fingern. In den Bars läuft sicherlich ganz normale Musik und man wird im Sommer von Mücken zerstochen.
Und trotzdem. Ich will am Hafen sitzen und eine Zigarette rauchen, nur eine einzige auf meine momentane liberté. Will am Tavastia vorbeischlendern und im Zoo bei den Tierbeschreibungen ganz viele Umlaute sehen. Auf Suomelinna flanieren. Mein Traum wird wahr, wie ich mir letztes Jahr vornahm. Nun ist es soweit. Nur dass ich nichts aufgebe und mit meinem Verlobten dort verweile.

Kiitos...

 

22.07.2008 um 11:07 Uhr

Be.My.Rain.

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Be my rain
Be my rain
To wash the pain and the truth away...
(Zeraphine)

Nur ein Moment des so großartigen Festivals. Erinnerungen an früher, an Musik und das Sven Friedrich-Poster, welches mein altes Zimmer schmückte. An ein gewisses Lied. Ich hatte es in einer Kurzgeschichte einem jungen Mann gewidmet, der mir vor langer Zeit das Burgtreffen versüßt hat. Lagerfeuer und Sterne. Momentaneität.

Er singt. Es beginnt tatsächlich zu regnen. Wir singen die Texte mit. Die Musik geht durch Mark und Bein. Ein Wochenende jenseits der Realität, in meinem geliebten Köln. Mit Freunden, Lachanfällen. Fallenlassen, Augen zu.
Es war wundervoll. I'm a roman candle. Young and wild. Burning in the rain.

 

23.06.2008 um 16:35 Uhr

La voix du Nord.

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Ein Freund sagte mir, ich sollte versuchen, die Erinnerungen zu überschreiben. Ich weiß nicht, ob es möglich ist. Erase and rewrite. Meine Sehnsucht. Brennt. Ich vermisse Frankreich genau jetzt, im Sommer. In Valenciennes blüht bestimmt der Löwenzahn, es riecht nach Blumen und Teer, eine merkwürdige Mischung. Ich möchte über den Asphalt rennen, barfuß, erhitzter Boden unter mir. Ich will einem petit café bestellen und mich mit fremden Menschen unterhalten, ich will nichts überschreiben, und doch zieht es mich wieder dorthin. Nord- Pas de Calais, mon amour éternel.

22.04.2008 um 18:29 Uhr

Heute Nacht, Amsterdam

von: nenia   Kategorie: voyage, voyage

Heute Nacht, Amsterdam, wird ein Traum angespült
und der glaubt, er erfüllt sich bei dir, Amsterdam..
~Hildegard Knef~

Es war so wunderschön. Eigentlich sollte ich wieder meine Monster über den Schmerz streicheln, doch in Gedanken bin ich noch ganz dort an den Grachten, Hand in Hand mit Dir. Es war alles voll mit Euphorie, mit kindischen Spitznamen, erfüllt von dem Treiben der Stadt, die und mitriss. Wir sahen im Zoo Biberbabys an, bestaunten brasilianische Goldagutis, aßen Pommes und schauten auf die Amstel. Spazierten über bunte Märkte und fuhren mit einem Boot über das Wasser. Abends lagen wir berauscht im Zimmer, Dein Bart an meinem Ohr. Wenn ich aufwachte, habe ich Dich angesehen. Deine Kopfhaut roch nach Zitronengras und die Sirupwaffeln schmeckten göttlich. Ich will zurück zum Wasser, zu der bunten Stadt mit den engen Straßen, dorthin, wo das Leben für eine kurze Zeit dermaßen glücklich war, ohne Sorgen, ohne Schmerzdarstellungen. Mit uns. Ich hatte mich lange auf diese Reise gefreut und nun ist sie ganz frisch im Kopf, aber bereits bei den Erinnerungen, die wir beide teilen. Dein Geschenk an mich. Es ist Dir so gelungen. Ich habe mich an Deine Nähe gewöhnt und werde heute bestimmt schlechter schlafen. Wir sind um mindestens drei Kosenamen reicher und ich freue mich auf den nächsten Urlaub. Doch zuerst auf Freitag, wenn Du wieder bei mir bist. Übrigens haben wir Eloy nicht getroffen. Er war wieder woanders. Bestimmt in einem Gay-Klub. Oder so.